Das Mysterium des Wachstums

von S. Levent Oezkan

Warte, bis du in dich selber blickst - Erkenne, was dort wächst. O Suchender. Ein Blatt in diesem Garten bedeutet mehr als alle Blätter, die du im Paradies findest!

– Dschelalleddin Rumi

Die Große Mutter

Demeter (Ceres) war die griechische Muttergottheit (abgeleitet von "De", Erde, und "Meter", Mutter - "Mutter-Erde"), die über die Fruchtbarkeit der Erde waltete. Sie hütete mit goldener Sichel das Getreide, schützte die Saat und bestimmte den Lauf der vier Jahreszeiten. Als Beschützerin der Eheleute, der Religion und des ewigen Kreislauf von Geburt, Leben und Tod, trat sie dreifach in Erscheinung: als Jungfer, Mutter und als alte Frau. Sie war die Tochter der Titanen Kronos und Rhea, und darum mit Zeus, Poseidon, Hera, Hestia und Hades verschwistert.

Ein griechischer Mythos berichtet vom Raub der Persephone (Kore, griech. Κόρη, „Tochter“), der Tochter der Demeter und des Zeus (Jupiter). Persephone wuchs zu einem sehr schönen Mädchen heran. Ihr Onkel Hades (Pluto), der Gott des Reichtums und der Unterwelt, beobachtete sie am Rand des Waldes wo er sie spielen sah. Er war so von ihrer Schönheit verzaubert, dass er sich in die Jungfrau verliebte. Drum bat er seinen Bruder, den Göttervater Zeus, sie als Frau nehmen zu dürfen. Da Zeus aber wusste, dass Persephone niemals freiwillig in die dunkle Unterwelt gehen würde, erhielt Hades von Zeus keine Zustimmung. Doch gleichzeitig lehnte er Hades' Wunsch auch nicht ab, was dieser als Zustimmung verstehen wollte.

So geschah es also, dass Hades den richtigen Moment abwartete um die junge Persephone zu entführen. Sie spielte fern ab von ihrer Mutter Demeter, mit den Töchtern des Okeanos, am Rande des Waldes auf einer Wiese. Sie pflückten viele schöne Blumen. Die Narzisse aber übertraf alle anderen Blumen an Schönheit. Sie wurde zur wundervollen Falle für das schöne Mädchen. Hades, der alle in der Unterwelt empfängt, platzierte sich genau dort wo die Narzissen wuchsen, um ihr so zu gefallen. Und als sie nach der Narzisse griff um sie zu pflücken, öffnete sich plötzlich die Erde, Hades brach hervor, ergriff sie und entführte sie in seinem goldenen Wagen in die Finsternis der Unterwelt.

Persephone schrie verzweifelt um Hilfe, doch niemand schien sie zu hören. Nur Helios, der hoch im Himmel als Sonnengott auf die Erde blickte, bemerkte den Vorfall. Auch die Hekate, Göttin der Magie, vernahm in ihrer Höhle die Schreie des Mädchens, doch sie wusste nicht aus welcher Richtung sie kamen.

Demeters Trauer

Demeter war untröstlich als sie vom Verschwinden ihrer Tochter erfuhr. Sie irrte neun Tage lang traurig umher. Mit einer Fackel in der Hand suchte sie nach einer Spur ihrer Tochter, und traf am zehnten Tag schließlich auf Hekate, ebenfalls eine Fackel tragend, die ihr über die Entführung berichtete, allerdings nicht wusste wer Persephones Entführer war.

Beide Göttinnen stiegen auf zum Palast des Helios, der ihr auf ihr eindringliches Flehen hin berichtete, dass Hades ihre Tochter geraubt hat.

Demeter - Illustrated by Selim Oezkan

Trotzdem solle Demeter sich aber darüber nicht allzu sehr sorgen, denn schließlich sei Hades ja auch ein Gott, zudem noch ihr Bruder.
Ihr Entsetzen war aber so groß, dass sie sich nicht beruhigen wollte und war so enttäuscht über die Götterwelt, dass sie den Olymp verließ. Sie verwandelte sich in eine alte Frau um unter den Menschen als derengleichen zu wandeln. Wegen ihres Zorns und ihrer Verzweiflung befahl sie den Pflanzen, nicht mehr zu wachsen und bald war das ganze Land verödet, so dass viele Menschen nahe daran waren zu verhungern, und nur noch die Götter des Olymp verbleiben sollten. Zeus sah was geschehen war und wollte der Tragödie ein Ende setzen. Er beauftragte Hermes in die Unterwelt zu reisen und im Sinne des Wohles der Götter und der Menschen den Hades um die Freigabe der Persephone zu bitten.

Persephones Wiederkehr

Hades willigte widerstrebend ein. Bevor jedoch Persephone den Wagen des Hermes bestieg, um mit ihm in die Oberwelt zu fahren, forderte Hades sie auf einige Granatapfelkerne zu essen. Da aber niemand, der von der Speise der Toten gegessen hat, auf Dauer in der Oberwelt bleiben konnte, musste Persephone nach acht Monaten wieder für vier Monate zurück in die Unterwelt und dort mit Hades leben. So begab es sich, dass Persephone zwei Drittel des Jahres bei ihrer Mutter Demeter leben durfte, und dann wieder in die Unterwelt zurückkehren musste.

Demeter fand sich damit ab und stellte auf Zeus' Drängen die Fruchtbarkeit der Erde wieder her. Persephones vier Monate in der Unterwelt stellten die unfruchtbare Zeit auf der Erde dar, doch wegen ihrer nach ihr trauernden Mutter, kehrte sie zu Demeter zurück, und so blühte und gedeihte alles auf Erden, das Getreide wuchs auf den Feldern und die Bäume trugen Früchte.

 

Sphinx - Illustrated by Selim Oezkan

 

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