Der Genesiscode

Interview mit Daniel Friedmann, Vancouver, Kanada

S. Levent Oezkan: In Genesis 1:1-2 heißt es: »Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde; die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser«. Wenn wir uns die Begriffe der astrophysikalischen Kosmologie anschauen, finden wir ähnliche Vorstellungen von einem »Anfang der Welt«: Raum, Zeit und Energie traten aus einer Singularität hervor, doch werden diese mathematisch-physikalischen Größen wohl einst in einer Entropie enden, was, wenn Sie so wollen, wohl gleichbedeutend ist mit einer völligen Unordnung von Materie und Energie. Können wir solch einen Umstand als »Tod des Universums« bezeichnen – und – steht das in Übereinstimmung mit den Bibeltexten?

Daniel Friedmann: Ja, wir können den einstigen Tod des Universums ins Auge fassen. Es gibt eine Art Zeitplan von Anfang bis Ende, der die Geschichte des physikalischen Universums umspannt. Die biblische Schrift stellt klar, dass es ein Einzelereignis am Anfang gab, so wie geschildert in Genesis 1:1-2.
Manchmal besteht diesbezüglich Unklarheit, doch sind sich die meisten Wissenschaftler heute darüber einig: dass Universum wird enden. Spirituell betrachtet, ist Gott jedoch jenseits von Raum und Zeit, für "ihn" gibt es weder Anfang noch Ende. Die Wissenschaft sagt voraus, dass sich das Universum weiterhin ausdehnen wird. Und wie Sie bereits in Ihrer Frage aufzeigen, wird es auch enden. Jedoch spricht die Wissenschaft nur von einem physischen Universum und klammert das spirituelle Feld aus.

S. Levent Oezkan: Haim Harari und Michael Shupe hatten ein theoretisches Modell entwickelt dass von kleinsten Elementarteilchen ausgeht, die sie »Rishons« nannten. Es gibt zwei Arten von Rishons (Der Begriff "Rishon" ist hebräisch und bedeutet »ursprünglich, elementar«): T = Tohu ... und ... V = Vohu
Diese Rishons wurden als geordnete Dreiergruppen angenommen, welche die Grundlage für Elektronen und Quarks (Quarks bilden Atomkerne, und Elektronen und Atomkerne bilden die Atome selbst) bildeten. Darum wurde davon ausgegangen, dass sie die grundlegende Struktur aller Materie und Antimaterie bilden. Sehr interessant ist die Tatsache, dass die Bedeutung der Namen »Tohu« und »Vohu« auf die Bibelstelle in Genesis 1:2 verweisen, wo die Rede davon ist, das die Welt »Wüst und Leer« war.
Denken Sie dass es möglich ist, dass man sich diese kleinsten Rishon-Teilchen als eine Art Kapsel vorstellen kann, in der entropische Energie »gefangen« ist, und das diese daher Chaos voraussetzen, ganz nach dem Motto »So wie innen, so außen«?

Daniel Friedmann: Ich glaube, die Wahl der Namen war durch die erwähnte Bibelstelle inspiriert, bedeuten aber nicht, dass es sich hier um eine biblische Tatsache handelt. Abgesehen davon glaube ich, ist das Konzept das inneres Wissen von wissenschaftlichen Studien abgeleitet werden kann ein biblisches Konzept. Das kann man auf zwei Ebenen betrachten: erstens bedeutet Wissenschaft das Studium der Schöpfung, und sollte darum zu den selben Schlüssen kommen wie die heilige Schrift, wenn es um die Entwicklung des Universums und den Ursprung des Lebens geht. Zweitens sind unsere Seelen göttlich und unterbewusst mit Wahrheit und Weisheit ausgestattet bevor sich um sie der Körper herausbildet. Wenn wir also zum ersten mal von einer absoluten Wahrheit erfahren, ist es als ob wir erkennen, dass dieses Wissen bereits in unserem Inneren vorhanden gewesen ist - wir entdecken lediglich das wieder, was bereits in uns schlummert.

S. Levent Oezkan: Wenn wir das Wort »Gott« übersetzen, so wie es auf hebräisch 32 mal in der Schöpfungsgeschichte der Bibel auftaucht, dann stoßen wir auf einen interessanten Zusammenhang: das Wort für Gott, heißt im hebräischen Original »Elohim«, und dieses Wort ist der Plural von »El«, was eigentlich »Gott« bedeutet. Daraus müsste man doch eigentlich schließen, dass der erste Satz der Bibel korrekterweise heißen müsste: »Im Anfang schufen ’Götter’ Himmel und Erde«. Wenn wir dies als korrekt voraussetzen würden, könnten wir dann annehmen, dass die Schöpfung durch das Zusammenspiel verschiedener göttlicher Entitäten von statten ging? Vielleicht sogar exakt drei an der Zahl?

Daniel Friedmann: Sie haben damit Recht, dass die Übersetzung die normalerweise angegeben wird nicht eindeutig ist. Im hebräischen wird Gott mit mehreren Namen angesprochen. Genauso wie das bei komplexeren Wesen der Fall ist und wir diese mit verschiedenen Namen ansprechen, wie zum Beispiel unser Vater, der vielleicht auch Lehrer ist, auf jeden Fall Mann, möglicherweise ein Wissenschaftler oder irgendetwas sonst. Genauso verhält es sich mit dem Wort für Gott. Einer seiner wesentlichen Namen ist der mit den vier Buchstaben YHVH; die anderen Namen sprechen Gott über seine Natur an, also bezeichnen das, wie er in Erscheinung tritt. Darum kann man sagen, dass die Schöpfung durch die Kräfte der Natur von statten ging und darum ist es kein Wunder das wir es deshalb so gut verstehen, wenn es auf wissenschaftliche Weise erklärt wird. Doch gibt es keinen Platz für mehr als eine göttliche Entität.
Diese eine Entität hat viele Aspekte und viele Arten wie durch Gott die Schöpfung abgelaufen ist. Ich behandle die verschiedenen Namen Gottes in meinem Buch und auf welche Weise man sie übersetzt – denn die Namen Gottes sind ein grundlegendes Konzept um die Schöpfungsgeschichte zu entziffern.

S. Levent Oezkan: Ich stimme mit Ihnen weitgehend überein. Doch glauben Sie, dass es möglich ist, dass Gott bei der Schöpfung gleichzeitig auf drei verschiedene Arten gehandelt hat – als Vergleich könnte man das Beispiel eines Hausbaus anführen, wo »drei Personen« handeln: der Bauherr, der Architekt und der Baumeister?

S. Levent Oezkan: In Genesis 1:1-2 heißt es: »Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde; die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser«. Wenn wir uns die Begriffe der astrophysikalischen Kosmologie anschauen, finden wir ähnliche Vorstellungen von einem »Anfang der Welt«: Raum, Zeit und Energie traten aus einer Singularität hervor, doch werden diese mathematisch-physikalischen Größen wohl einst in einer Entropie enden, was, wenn Sie so wollen, wohl gleichbedeutend ist mit einer völligen Unordnung von Materie und Energie. Können wir solch einen Umstand als »Tod des Universums« bezeichnen – und – steht das in Übereinstimmung mit den Bibeltexten?

Daniel Friedmann: Ja, wir können den einstigen Tod des Universums ins Auge fassen. Es gibt eine Art Zeitplan von Anfang bis Ende, der die Geschichte des physikalischen Universums umspannt. Die biblische Schrift stellt klar, dass es ein Einzelereignis am Anfang gab, so wie geschildert in Genesis 1:1-2.
Manchmal besteht diesbezüglich Unklarheit, doch sind sich die meisten Wissenschaftler heute darüber einig: dass Universum wird enden. Spirituell betrachtet, ist Gott jedoch jenseits von Raum und Zeit, für "ihn" gibt es weder Anfang noch Ende. Die Wissenschaft sagt voraus, dass sich das Universum weiterhin ausdehnen wird. Und wie Sie bereits in Ihrer Frage aufzeigen, wird es auch enden. Jedoch spricht die Wissenschaft nur von einem physischen Universum und klammert das spirituelle Feld aus.

S. Levent Oezkan: Haim Harari und Michael Shupe hatten ein theoretisches Modell entwickelt dass von kleinsten Elementarteilchen ausgeht, die sie »Rishons« nannten. Es gibt zwei Arten von Rishons (Der Begriff "Rishon" ist hebräisch und bedeutet »ursprünglich, elementar«): T = Tohu ... und ... V = Vohu
Diese Rishons wurden als geordnete Dreiergruppen angenommen, welche die Grundlage für Elektronen und Quarks (Quarks bilden Atomkerne, und Elektronen und Atomkerne bilden die Atome selbst) bildeten. Darum wurde davon ausgegangen, dass sie die grundlegende Struktur aller Materie und Antimaterie bilden. Sehr interessant ist die Tatsache, dass die Bedeutung der Namen »Tohu« und »Vohu« auf die Bibelstelle in Genesis 1:2 verweisen, wo die Rede davon ist, das die Welt »Wüst und Leer« war.
Denken Sie dass es möglich ist, dass man sich diese kleinsten Rishon-Teilchen als eine Art Kapsel vorstellen kann, in der entropische Energie »gefangen« ist, und das diese daher Chaos voraussetzen, ganz nach dem Motto »So wie innen, so außen«?

Daniel Friedmann: Ich glaube, die Wahl der Namen war durch die erwähnte Bibelstelle inspiriert, bedeuten aber nicht, dass es sich hier um eine biblische Tatsache handelt. Abgesehen davon glaube ich, ist das Konzept das inneres Wissen von wissenschaftlichen Studien abgeleitet werden kann ein biblisches Konzept. Das kann man auf zwei Ebenen betrachten: erstens bedeutet Wissenschaft das Studium der Schöpfung, und sollte darum zu den selben Schlüssen kommen wie die heilige Schrift, wenn es um die Entwicklung des Universums und den Ursprung des Lebens geht. Zweitens sind unsere Seelen göttlich und unterbewusst mit Wahrheit und Weisheit ausgestattet bevor sich um sie der Körper herausbildet. Wenn wir also zum ersten mal von einer absoluten Wahrheit erfahren, ist es als ob wir erkennen, dass dieses Wissen bereits in unserem Inneren vorhanden gewesen ist - wir entdecken lediglich das wieder, was bereits in uns schlummert.

S. Levent Oezkan: Wenn wir das Wort »Gott« übersetzen, so wie es auf hebräisch 32 mal in der Schöpfungsgeschichte der Bibel auftaucht, dann stoßen wir auf einen interessanten Zusammenhang: das Wort für Gott, heißt im hebräischen Original »Elohim«, und dieses Wort ist der Plural von »El«, was eigentlich »Gott« bedeutet. Daraus müsste man doch eigentlich schließen, dass der erste Satz der Bibel korrekterweise heißen müsste: »Im Anfang schufen ’Götter’ Himmel und Erde«. Wenn wir dies als korrekt voraussetzen würden, könnten wir dann annehmen, dass die Schöpfung durch das Zusammenspiel verschiedener göttlicher Entitäten von statten ging? Vielleicht sogar exakt drei an der Zahl?

Daniel Friedmann: Sie haben damit Recht, dass die Übersetzung die normalerweise angegeben wird nicht eindeutig ist. Im hebräischen wird Gott mit mehreren Namen angesprochen. Genauso wie das bei komplexeren Wesen der Fall ist und wir diese mit verschiedenen Namen ansprechen, wie zum Beispiel unser Vater, der vielleicht auch Lehrer ist, auf jeden Fall Mann, möglicherweise ein Wissenschaftler oder irgendetwas sonst. Genauso verhält es sich mit dem Wort für Gott. Einer seiner wesentlichen Namen ist der mit den vier Buchstaben YHVH; die anderen Namen sprechen Gott über seine Natur an, also bezeichnen das, wie er in Erscheinung tritt. Darum kann man sagen, dass die Schöpfung durch die Kräfte der Natur von statten ging und darum ist es kein Wunder das wir es deshalb so gut verstehen, wenn es auf wissenschaftliche Weise erklärt wird. Doch gibt es keinen Platz für mehr als eine göttliche Entität.
Diese eine Entität hat viele Aspekte und viele Arten wie durch Gott die Schöpfung abgelaufen ist. Ich behandle die verschiedenen Namen Gottes in meinem Buch und auf welche Weise man sie übersetzt – denn die Namen Gottes sind ein grundlegendes Konzept um die Schöpfungsgeschichte zu entziffern.

S. Levent Oezkan: Ich stimme mit Ihnen weitgehend überein. Doch glauben Sie, dass es möglich ist, dass Gott bei der Schöpfung gleichzeitig auf drei verschiedene Arten gehandelt hat – als Vergleich könnte man das Beispiel eines Hausbaus anführen, wo »drei Personen« handeln: der Bauherr, der Architekt und der Baumeister?

Daniel Friedmann: Eigentlich ist es so, dass die verschiedenen Namen Gottes, wie wir sie im gesamten Testament finden, die Tatsache beschreiben dass Gott auf viele verschiedene Arten »handelt« (mehr als drei). Ähnlich ist es, wenn ich Zeit mit meiner Tochter verbringe. Da kann ich ein Lehrer, ein Freund, ein Betreuer, ein Vorgesetzter sein usw., jedoch kann ich das nicht alles gleichzeitig sein. Ebenso verhält es sich in der Bibel, wo Gottes Handlungen sich in mehreren seiner Attribute zeigen. Zum Beispiel ist da die Geschichte der Sintflut, wo Elohim eine Flut über das Land bringt. Wenn jedoch die Geschichte die Arche des Noah erwähnt, geschieht das über den grundlegenden Namen Gottes YHVH, was soviel bedeutet, dass das Überleben der Menschen auf der Arche nicht durch natürliche Vorgänge möglich war, sondern durch ein Wunder. Interessant an der ganzen Schöpfungsgeschichte des 1. Buchs Genesis ist, dass alles durch den einen Namen, nämlich »Elohim« erschaffen wurde, und dieser Name steht für alle natürlichen Vorgänge.

S. Levent Oezkan: In den Lehren von Isaac Luria, dem großen Kabbalisten des 16. Jahrhunderts, heißt es, dass Gott die Schöpfung begann, indem er das unbegrenzte Licht »zusammenziehen« ließ, um damit einen Urraum zu erschaffen, der als anscheinend endliche Welt unabhängig existieren konnte.
Könnte das nicht bedeuten, dass Gott nicht auch andere, parallele Universen in mehreren Dimensionen erschaffen haben könnte?

Daniel Friedmann: Ja, das ist richtig. Der Vorgang der in der Kabbalah beschrieben wird, ist, dass Gott alles ist und dadurch einen Raum schuf, damit darin die Schöpfung von Statten gehen konnte. Und natürlich ist es so, dass wenn er eine Kontraktion und damit einen Raum erschaffen kann, er durch solch eine Zusammenziehung auch viele Universen erschaffen kann. Allerdings berichtet die Schrift uns nur von unserem Universum, weshalb ich glaube, das wir voraussetzen müssen, dass er nur eins erschaffen hat.

S. Levent Oezkan: Lassen Sie uns über eine sehr interessante Form sprechen: Das Hexagramm. Das Hexagramm ist ein »sechsstrahliger« Stern, den wir sowohl in der jüdischen (Davidstern) als auch in der hinduistischen Religion (Anahata-Chakra) finden. In beiden Fällen repräsentiert diese Form die Vereinigung eines göttlichen Dreiecks und eines weltlichen bzw. menschlichen Dreiecks. Davon abgesehen, taucht die hexagonale Struktur auch im Mineralreich, nämlich als die perfekte Kristallstruktur des Diamanten auf, welcher aus dem chemischen Element Kohlenstoff besteht – dem sechsten Element des Periodensystems. Es wird auch angenommen, dass das Universum am Ende seiner maximalen Expansion in sich zusammenstürzen wird, und alle Materie sich dann zu Kohlenstoff verbinden wird (Wissenschaftler gehen davon aus, dass unsere Sonne in 10 Milliarden Jahren verlöschen, kollabieren wird und danach davon nur noch ein kleiner Kohlenstoffplanet zurückbleibt).
Könnte das also vielleicht bedeuten, dass die geordnetste Struktur, nämlich die hexagonale, ebenso das Gegenteil ist, nämlich ein Zustand höchster Entropie? Sind also absolute Ordnung und absolutes Chaos möglicherweise ähnliche oder sogar der gleiche Zustand?

Daniel Friedmann: Ich habe nicht genügend Wissen um diese Frage direkt zu beantworten. Ich denke die Schrift ist sich klar darüber, das Chaos und Ordnung die selbe Quelle haben: Gott.
Allerdings bedeutet das nicht, dass sie sich in unserem Universum auf die gleiche Art manifestieren – beide Zustände sind sehr unterschiedlich. Nichtsdestotrotz haben sie die selbe Quelle und sind darum auf einer tieferen Ebene miteinander im Einklang.

S. Levent Oezkan: Aus dualistischer Sichtweise sind sowohl Ordnung und Unordnung, Kosmos und Chaos, Licht und Finsternis als auch Lebendigkeit und Verwüstung alles gegenteilige Erscheinungen die als zwei Größen der Logik betrachtet werden können.
Glauben Sie, dass es eine dritte, messbare Dimension gibt, mit der diese Gegensätze miteinander in Einklang gebracht werden können?

Daniel Friedmann: Ja - Die Schrift lehrt uns, dass es auch eine Dimension des Freien Willens gibt. In dieser Dimension kann man sich entweder Gott zuwenden oder sich von ihm abwenden (normalerweise ausgedrückt als hin zum Guten, oder weg vom Guten und hin zum Bösen). Adam hätte im Paradies den göttlichen Geboten gehorchen können und nicht in den Apfel beißen, oder aber, wie es schließlich geschah, ungehorsam war und sich dadurch von Gott entfernte. Oder in der Wüste (dem Gegenteil des Paradieses) hätte das Volk Moses’ besser kein Goldenes Kalb geschaffen und sich Gott zugewendet, sich durch die Schaffung dieser Form von Gott aber abgewendet hatte. Ähnlich dem Geschilderten, haben wir heutzutage jederzeit, und an jedem Ort, die Dimension des freien Willens, die uns erlaubt zu wählen, zwischen dem was uns als richtig und dem was uns als falsch erscheint.
Zum Beispiel können wir wählen zwischen den Gegensätzen von Licht und Finsternis und uns dem einen oder anderen zuwenden. Wenn wir uns nur einem zuwenden, bedeutet das nicht, dass wir beide in Einklang bringen, sondern dass wir einen der beiden Gegensätze stärken.

Ich bedanke mich für das Interview.
 

Mehr zu Daniel Friedmann und seiner Arbeit:
www.danielfriedmannbooks.com

Daniel Friedmann: Eigentlich ist es so, dass die verschiedenen Namen Gottes, wie wir sie im gesamten Testament finden, die Tatsache beschreiben dass Gott auf viele verschiedene Arten »handelt« (mehr als drei). Ähnlich ist es, wenn ich Zeit mit meiner Tochter verbringe. Da kann ich ein Lehrer, ein Freund, ein Betreuer, ein Vorgesetzter sein usw., jedoch kann ich das nicht alles gleichzeitig sein. Ebenso verhält es sich in der Bibel, wo Gottes Handlungen sich in mehreren seiner Attribute zeigen. Zum Beispiel ist da die Geschichte der Sintflut, wo Elohim eine Flut über das Land bringt. Wenn jedoch die Geschichte die Arche des Noah erwähnt, geschieht das über den grundlegenden Namen Gottes YHVH, was soviel bedeutet, dass das Überleben der Menschen auf der Arche nicht durch natürliche Vorgänge möglich war, sondern durch ein Wunder. Interessant an der ganzen Schöpfungsgeschichte des 1. Buchs Genesis ist, dass alles durch den einen Namen, nämlich »Elohim« erschaffen wurde, und dieser Name steht für alle natürlichen Vorgänge.

S. Levent Oezkan: In den Lehren von Isaac Luria, dem großen Kabbalisten des 16. Jahrhunderts, heißt es, dass Gott die Schöpfung begann, indem er das unbegrenzte Licht »zusammenziehen« ließ, um damit einen Urraum zu erschaffen, der als anscheinend endliche Welt unabhängig existieren konnte.
Könnte das nicht bedeuten, dass Gott nicht auch andere, parallele Universen in mehreren Dimensionen erschaffen haben könnte?

Daniel Friedmann: Ja, das ist richtig. Der Vorgang der in der Kabbalah beschrieben wird, ist, dass Gott alles ist und dadurch einen Raum schuf, damit darin die Schöpfung von Statten gehen konnte. Und natürlich ist es so, dass wenn er eine Kontraktion und damit einen Raum erschaffen kann, er durch solch eine Zusammenziehung auch viele Universen erschaffen kann. Allerdings berichtet die Schrift uns nur von unserem Universum, weshalb ich glaube, das wir voraussetzen müssen, dass er nur eins erschaffen hat.

S. Levent Oezkan: Lassen Sie uns über eine sehr interessante Form sprechen: Das Hexagramm. Das Hexagramm ist ein »sechsstrahliger« Stern, den wir sowohl in der jüdischen (Davidstern) als auch in der hinduistischen Religion (Anahata-Chakra) finden. In beiden Fällen repräsentiert diese Form die Vereinigung eines göttlichen Dreiecks und eines weltlichen bzw. menschlichen Dreiecks. Davon abgesehen, taucht die hexagonale Struktur auch im Mineralreich, nämlich als die perfekte Kristallstruktur des Diamanten auf, welcher aus dem chemischen Element Kohlenstoff besteht – dem sechsten Element des Periodensystems. Es wird auch angenommen, dass das Universum am Ende seiner maximalen Expansion in sich zusammenstürzen wird, und alle Materie sich dann zu Kohlenstoff verbinden wird (Wissenschaftler gehen davon aus, dass unsere Sonne in 10 Milliarden Jahren verlöschen, kollabieren wird und danach davon nur noch ein kleiner Kohlenstoffplanet zurückbleibt).
Könnte das also vielleicht bedeuten, dass die geordnetste Struktur, nämlich die hexagonale, ebenso das Gegenteil ist, nämlich ein Zustand höchster Entropie? Sind also absolute Ordnung und absolutes Chaos möglicherweise ähnliche oder sogar der gleiche Zustand?

Daniel Friedmann: Ich habe nicht genügend Wissen um diese Frage direkt zu beantworten. Ich denke die Schrift ist sich klar darüber, das Chaos und Ordnung die selbe Quelle haben: Gott.
Allerdings bedeutet das nicht, dass sie sich in unserem Universum auf die gleiche Art manifestieren – beide Zustände sind sehr unterschiedlich. Nichtsdestotrotz haben sie die selbe Quelle und sind darum auf einer tieferen Ebene miteinander im Einklang.

S. Levent Oezkan: Aus dualistischer Sichtweise sind sowohl Ordnung und Unordnung, Kosmos und Chaos, Licht und Finsternis als auch Lebendigkeit und Verwüstung alles gegenteilige Erscheinungen die als zwei Größen der Logik betrachtet werden können.
Glauben Sie, dass es eine dritte, messbare Dimension gibt, mit der diese Gegensätze miteinander in Einklang gebracht werden können?

Daniel Friedmann: Ja - Die Schrift lehrt uns, dass es auch eine Dimension des Freien Willens gibt. In dieser Dimension kann man sich entweder Gott zuwenden oder sich von ihm abwenden (normalerweise ausgedrückt als hin zum Guten, oder weg vom Guten und hin zum Bösen). Adam hätte im Paradies den göttlichen Geboten gehorchen können und nicht in den Apfel beißen, oder aber, wie es schließlich geschah, ungehorsam war und sich dadurch von Gott entfernte. Oder in der Wüste (dem Gegenteil des Paradieses) hätte das Volk Moses’ besser kein Goldenes Kalb geschaffen und sich Gott zugewendet, sich durch die Schaffung dieser Form von Gott aber abgewendet hatte. Ähnlich dem Geschilderten, haben wir heutzutage jederzeit, und an jedem Ort, die Dimension des freien Willens, die uns erlaubt zu wählen, zwischen dem was uns als richtig und dem was uns als falsch erscheint.
Zum Beispiel können wir wählen zwischen den Gegensätzen von Licht und Finsternis und uns dem einen oder anderen zuwenden. Wenn wir uns nur einem zuwenden, bedeutet das nicht, dass wir beide in Einklang bringen, sondern dass wir einen der beiden Gegensätze stärken.

Ich bedanke mich für das Interview.
 

Mehr zu Daniel Friedmann und seiner Arbeit:
www.danielfriedmannbooks.com

 

 

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