Der Stierkult

von S. Levent Oezkan

Das Töten eines Stieres spielte in der Einweihung der Mysterien eine dramatische Rolle. Dieses archaische Ritual tauchte in der minoischen Kultur sowie auch im Mithraskult Kleinasiens auf. Dieser Kult wurde dann später im römischen Reich fortgeführt, wie viele Bilder und Skulpturen aus dieser Zeit beweisen.

MithraskultAthen schuldete Kreta (Minoische Kultur) und damit dem Minotaurus einen Tribut. Jedes Jahr überbrachte man der Bestie sieben Knaben und sieben Jungfrauen. Um diese schreckliche, sich wiederholende Tragödie endlich zu beenden, sendete man aus Athen den Helden Theseus, welchem gelang den Minotaurus zu töten.
Das Monster, halb Mensch, halb Stier, lebte in einem Labyrinth. Theseus musste in das Innere des Labyrinths gelangen, um den Minotaurus zu töten. Die Königstochter Ariadne (Minotaurus’ Schwester) schenkte Theseus einen Faden, den er nicht benötigte, um in das Zentrum des Labyrinths zu gelangen, sondern um den Rückweg zu finden.

Ein ganz sonderbarer Zusammenhang, denn man könnte annehmen, daß Hin- und Rückweg identisch seien. Doch wurde der Weg ins Freie nicht mit derselben Sicherheit gefunden, wie der Weg ins Innere. Theseus’ Weg nach Innen war also unverfänglich, der Weg nach außen jedoch in die Irre führend - und ohne die Schnur Ariadnes, wäre ein Entkommen so gut wie unmöglich geworden, da Daidalos, der Erbauer des Labyrinths, bestimmte narkotisierende Substanzen in den Höhlengängen versprüht hatte.

Also war die Reise ins Innere nur mit einer Hilfe, welche einem jemand im Außen gab. Man könnte dieses Mysterium auch als den Einweihungsweg verstehen, welcher dem Schüler über seinen Lehrer vermittelt wird. Ohne die Führung des Schülers wäre er, bei seiner Reise ins Innere seines Selbst, verloren und würde möglicherweise dort für immer gefangenbleiben, also verrückt werden, aufgrund seiner mystischen Erfahrungen die er "dort" gemacht hat. Bekanntlich hat eben auch der Körper die Probleme (Stier als Sinnbild der physischen Existenz), vorausgesetzt natürlich, man setzt Körper und Seele gleich.

 

 

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