Die Kornähre, Christus und das Opfer

von S. Levent Oezkan

Mysterien von EleusisWichtige Kulte und Mythen des Altertums, über welche in den Einweihungszeremonien berichtet wurde bzw. aus welchen die Abläufe und Ereignisse der Riten übernommen wurden waren in erster Linie die Kulte Mithras, Isis’, Dyonisos’, Demeters und Persephones (Kore).
Im Mithraskult z.B. gab es sieben Einweihungsstufen, welche mit den
sieben klassischen Himmelskörpern in Verbindung standen (Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Sonne und Mond). Es wurde ein Opfer dargebracht und dann ein gemeinsames Mahl abgehalten. Es lässt sich auch vermuten, dass der Abendmal-Ritus der Christen, mit Brot und Wein, dem Leib und dem Blut Christi, und die bevorstehende Hinrichtung Jesu, diesen noch viel älteren Ritus aufgriff, da er einem grundsätzlichen Prinzip der Initiation entspricht. Auch die Wieder- auferstehung Christi ist mit diesem Vorgang verwandt, da der Vorgang des Opfers und der Widergeburt in allen alten Mysterien eine Rolle spielt. Die Mysterienfeiern wurden aber im Zuge der Christianisierung allmählich abgeschafft - es wird aber vermutet, dass diese allerdings noch bis in die heutige Zeit in geheimen Orden und Bruderschaften am Leben gehalten werden.

Im Ablauf der Mysterien wurden folgende drei Vorgänge vollzogen

1. Etwas wurde erzählt bzw. berichtet: nämlich eine Mythe oder Legende

2. Etwas wurde in einem symbolischen Akt präsentiert: So zum Beispiel im Christentum ein Stück Brot (Corpus Christi) oder in den Eleusischen Mysterien eine Ähre Getreides. Dieser Vorgang könnte aus dem Mithraskult übernommen worden sein.

3. Etwas wurde getan bzw. vollzogen: die Adepten nahmen ein Bad im Meer und es wurden Tieropfer gebracht (bei den Eleusischen Mysterien wurden Schweine geschlachtet, im Mithraskult ein Stier). Die Tiere starben statt dem Adepten. Dadurch vollzog sich eine innere Transformation des Mysten und er wurde in eine Reproduktion einer Gebährmutter gelegt, nämlich in ein Erdloch bzw. in ein Grab um so als das Kind von Mutter-Erde selbst wiedergeboren zu werden. Eine sehr krude Vorgehensweise.

Doch wenn man überlegt, dass das Sterben auch in der Pflanzenwelt eine Wiedergeburt hervorbringt, also aus dem unter der Erde sterbenden Samen eine neue Pflanze mit Früchten hervorgeht, scheint es unangemessen, diesen Teil der Mysterienfeier nur als grausam und barbarisch anzusehen. Nur wenn also der Same unter der Erde stirbt, nur dann kann aus ihm eine neue Frucht hervorgehen (eben aus der daraus wachsenden Pflanze).

 

 

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