Jehoschua Immanuel (Teil 1)

Neutestamentlich-apokryphe Erzählung von S. Levent Oezkan

Als die Engel sagten: Maria! Allah verkündet dir ein Wort von sich, dessen Name Jesus Christus, der Sohn der Maria, ist! Er wird im Diesseits und im Jenseits angesehen sein, einer von denen, die nahestehen

– Aus dem Koran (Sure 3:45)

Die Priester zu Jerusalem sprachen: »Wir wollen einen Vorhang für den Tempel des Herrn anfertigen lassen. Rufet junge Frauen aus dem Stamme Davids«. Man brachte acht Jungfrauen zum Tempel, darunter auch die sechszehnjährige Mariam, Tochter der Anna. Nachdem sie mit ihrer Aufgabe betraut wurde, ging sie wieder heim und begann den Stoff für den Vorhang zu weben.

Sie hörte plötzlich ein Säuseln und ihr Zimmer war erfüllt von hellem Licht. Auf ihr Gesicht legte sich himmlischer Tau. Der heilige Gabriel erschien ihr, und wischte ihr Gesicht mit seinem Gewand. Er teilte mit ihr Wein und Brot und sprach sodann: »Du hast Gnade gefunden vor Gott. Du bist das auserwählte Gefäß, dass in drei Jahren empfangen soll durch den Logos des höchsten Gottes. Du wirst einen Jungen zur Welt bringen – er wird der Christos sein, der Gesalbte - ein Kind des höchsten Gottes. Mariam antwortete: »Siehe, des Herrn Magd will ich gerne sein vor ihm, mir geschehe wie Du gesagt hast«. Und als der Engel so gesprochen hatte verschwand er aus ihren Augen und das Zimmer war wie zuvor.

Yosef und Mariam

Yosef, vom Hause David, nahm die Jungfrau Mariam in seine Obhut und wurde ihr Ehemann. Und es begab sich so wie der Engel verkündete, denn sie wurde zur genannten Zeit schwanger. Es war das jüdische Lichterfest, als der Mariam die Wehen kamen, und niemand wollte Yosef und Mariam aufnehmen. Sie mussten also das Kind draußen zur Welt bringen. An einem Berg in der Nähe von Bethlehem machten sie halt. Dort fanden sie eine Höhle in die sich Yosef und Mariam begaben. Eine Wolke bedeckte Mariam und erfüllte die ganze Höhle mit einem besonderen Glanz. Die Wolke zog sich zurück, ein Licht erschien und daraus stieg das Christoskind hervor. Yosef nannte den kleinen Jungen »Jehoschua Immanuel« - das bedeutet: »Gott der Erlöser ist mit uns«.

Sie hatten weder zu trinken noch zu essen. Doch durch ein Wunder sprach das Christoskind zu ihnen: »Sehet, Gott hat einen kleinen Bach zu euren Füßen fließen lassen, trinkt davon. Und dort steht eine Palme, berührt sie und sie wird ihre Datteln abwerfen«.

Währenddessen erschien im fernen Chaldäa ein heller Stern am Firmament. Er war heller als alle anderen Sterne. Den chaldäischen Magiern schien als sähen sie in der Mitte des Sternenlichts ein Frau, auf deren Armen ein kleiner Junge saß, der auf seinem Kopf eine Krone trug. Durch dieses Zeichen gerieten die Magier in Aufregung, denn sie wussten nicht, wie sie es deuten sollten. Nachdem sie in ihren weisen Büchern nachgeforscht hatten, weissagten sie, dass in Juda ein König und Erlöser geboren werde. Er werde gleichsam auftreten als König, Heiler und Priester. Die Weissagung verbreitete sich schnell in ganz Chaldäa und gelangte bis nach Judäa, Galiläa und Samarien. So erfuhr auch König Herodes davon. Er kannte die Magier und ließ ihnen die heuchlerische Nachricht überbringen, dass sie ihm berichten mögen, wenn sie den Heiland gefunden hätten – doch in Wahrheit bangte er um seine Macht.

Die drei Könige machten sich auf und folgten dem Stern der vor ihnen herging, bis sie die Höhle fanden, in der das Christoskind zur Welt kam. Anders als die drei erwarteten, wurde dieser König nicht in einem Palast, sondern in Armut geboren. Doch als sie die himmlischen Mächte beim Christoskind auf- und niedersteigen sahen, sprachen sie in großer Ehrfurcht zueinander: »Dieser ist ein König der vom Himmel kam und zum Menschen wurde«. Und die Engel sangen: »Heilig, heilig, heilig ist JHVH / der Allmächtige / von seinem Ruhm sind Himmel und Erde erfüllt.« Die drei Könige sprachen zu sich »Er ist der Herr der Menschen und der Engel« und sie verehrten ihn als den König des gesamten Weltalls. Sie überreichten dem Yosef Geschenke: Gold für einen König, Myrrhe für einen Heiler und Weihrauch für einen Priester – verbeugten sich und reisten durch die Wüste zurück in ihr Land.

Als die drei Könige gegangen waren, erschien dem Yosef im Traum der heilige Gabriel und sprach: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten.
Und er sprach die Wahrheit, denn als Herodes erfuhr, dass die Magier abreisten, ohne ihm mitgeteilt zu haben wo sich der Christos befand, brannte in ihm heißer Zorn. Er befahl seinen Soldaten alle Jungen in Bethlehem bis zum Alter von zwei Jahren ermorden zu lassen. Doch Yosef, Mariam und das Christoskind entkamen durch die Hilfe des Gabriel nach Ägypten und blieben dort bis Herodes gestorben war.

Jochanan Ben Zacharia

Herodes glaubte, dass der Sohn des Zacharia, Jochanan der König werden könnte, und schickte nach ihm. Zacharia gebot aber bereits Elischeva mit dem kleinen Jochanan in die Wüste zu gehen. Als die Soldaten des Herodes ihn alleine vorfanden, wollten sie ihn zwingen zu verraten wo sich Elischeva und Jochanan befinden. Doch er schwieg. Deshalb ließ ihn Herodes ermorden - vor dem Altar im Tempel zu Jerusalem.

Doch das Strafgericht Gottes kam schnell über Herodes: sein Atem war übelriechend und sein Körper von Würmern zerfressen, so dass ihn alle mieden. Herodes' Seele raste zur äußersten Finsternis. Bald lag er im Sterben und ordnete in seinem teuflischen Wahnsinn an, dass in jedem Haus nach seinem Tode ein Jude ermordet werden solle – damit ganz Judäa trauere – wenn auch nicht um ihn.
40 Tage nach dem Mord an Zacharia starb er und mit ihm viele unschuldige Menschen.

Am selben Tag verstarb in der Wüste auch die Elischeva. Jochanan war damals 7 Jahre alt.
Der kleine Jehoschua Immanuel sah in einer Vision seinen Vetter Jochanan, wie er im Wüstengebirge alleine bei seiner verstorbenen Mutter saß und weinte. Er sendete dem kleinen Jochanan zwei Engel, Michael und Gabriel, die der Elischeva ein Grab gruben und sie bestatteten.
Jochanan blieb in der Wildnis der Wüste bis zu dem Tage, da er sich in Israel zeigen werde. Vom Himmel her verlieh ihm der heilige Gabriel Kraft, und ließ dort eine Quelle sprudeln, von der er trank.

Viele Jahre später trat Jochanan als Prophet auf. Er verkündigte die Umkehr und die Taufe zur Vergebung der Sünden. Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus an den Jordan. Sie bekannten ihre Sünden und ließen sich von ihm taufen. Er aber verkündete dass derjenige der nach ihm kommen wird, stärker und größer sei als er selbst.
In jener Zeit kam also auch der erwachsene Jehoschua Immanuel nach Galiläa und ließ sich von Jochanan taufen. Und als er aus dem Wasser stieg, sah man, dass der Himmel sich öffnete. Der heilige Geist kam in Form einer Taube auf ihn herab. Da sprach der Täufer Jochanan: »Ich bezeuge: Er ist Sohn Gottes.«

Die Eucharistie

Jehoschua Immanuel wurde vom heiligen Geist für 40 Tage in die Wüste, und vom Satan in Versuchung geführt. Doch dem Satan gelang es nicht ihn zu verführen. Jehoshua Immanuel ließ von ihm ab, und es kamen die Engel ihm zu dienen und 12 Jünger versammelten sich um ihn.

Er vollbrachte viele Wunder, heilte Kranke, machte Blinde sehend und erweckte Tote. Viele Menschen folgten ihm nach und hörten seine weisen Gleichnisse. Doch war er manchen die sich vor seiner Macht fürchteten ein Dorn im Auge.

Es war am Tag des Pessachfestes. Jehoschua Immanuel schickte Simon Petrus und den Evangelisten Jochanan in die Stadt um das Pessachmahl vorzubereiten. Und sie fragten ihn: »Wo sollen wir es vorbereiten?« Da antwortete Er ihnen: »Wenn ihr in die Stadt kommt, wird euch der Nikodemos begegnen. Folgt ihm nach in sein Haus, und sagt zu ihm: Jehoschua Immanuel lässt dich fragen, wo der Raum ist, wo wir das Pessachlamm essen können. Und er wird euch einen großen Raum im Obergeschoss zeigen, der mit Polstern ausgestattet ist. Dort bereitet alles vor.«

Sie gingen und fanden alles so, wie er es ihnen gesagt hatte, und sie bereiteten das Pessachmahl vor.

Jehoschua Immanuel wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zu Gott hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung. Auch die Mariam von Magdala war anwesend – sie war die Gefährtin des Jehoschua Immanuel. Er liebte sie mehr als die anderen Jünger und küsste sie oft auf den Mund. Petrus sprach zu ihnen: »Mariam von Magdala soll aus unserer Mitte fortgehen, denn die Frauen sind des Lebens nicht würdig«. Da nahm Levi das Wort und sprach zu Petrus: »Mein Bruder Petrus, du bist von jeher aufbrausend. Und jetzt sehe ich, wie du dich gegen diese Frau groß machst, als hättest du einen Rechtsgegner.«

»Siehe Mariam ist begnadet vor allen Frauen auf Erden, weil sie die höchste Fülle und höchste Vollendung sein wird. Sie ist die allselige Vollheit, die von allen Geschlechtern selig gepriesen wird. Ich bin sie und sie ist ich«. Und Jehoschua Immanuel fuhr fort: »Ich bin der rechte Weinstock, und Gott der Weingärtner. Bleibet in mir und ich in euch. Wenn eine Rebe nicht am Weinstock bleibt, kann sie keine Frucht von ihr selber bringen. Das selbe gilt für euch, wenn ihr nicht bei mir bleibt.

Denn ich bin der Weinstock, und ihr seid die Reben. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so wird euch in mir euren Bitten und Gebeten all das widerfahren, was ihr wollt.
Doch einer von euch wird mich verraten und ausliefern, einer von euch, der mit mir isst«. Da fragte Judas, der ihn verriet: »Bin ich es etwa, Rabbi?« Jehoschua Immanuel entgegnete: »Du sagst es.«
Er nahm das Brot, sprach den Lobpreis in der Ordnung des Melchisedek, brach es, und reichte es seinen Jüngern und sagte: »Nehmt, das ist mein Leib«. Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, reichte ihn den Jüngern und sie tranken alle daraus. Und er sagte zu ihnen: »Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird«.

 

 

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