Jehoschua Immanuel (Teil 2)

Neutestamentlich-apokryphe Erzählung von S. Levent Oezkan

Amen, ich sage euch: Ich werde nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken bis zu dem Tag, an dem ich von neuem davon trinke im Reich Gottes. So wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm das ewige Leben hat.«

Nach dem Lobgesang gingen sie zum Ölberg hinaus. Da sagte Jehoschua Immanuel zu ihnen: »Ihr alle werdet in dieser Nacht an mir Anstoß nehmen und zu Fall kommen; denn in der Schrift steht: Ich werde den Hirten erschlagen, dann werden sich die Schafe der Herde zerstreuen.«
Darauf kam Jehoschua Immanuel mit den Jüngern zu einem Grundstück, das man Gethsemane nennt, und sagte zu ihnen: Setzt euch und wartet hier, während ich dort bete. Als er zurückkam, fand er sie schlafend, denn die Augen waren ihnen zugefallen. Und er sagte zu ihnen: Schlaft ihr und ruht euch aus? Die Stunde ist gekommen; jetzt wird der Menschensohn den Sündern ausgeliefert. Steht auf, wir wollen gehen! Seht, der Verräter, der mich ausliefert, ist da.

Des Kuss des Skorpions

Während er noch redete, kam Judas auf ihn zu und küsste ihn. Er kam mit einer großen Schar von Männern, die mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet waren; sie waren von den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes geschickt worden.
Da verließen ihn alle Jünger und flohen.

Jehoschua Immanuel wurde verhaftet und man führte ihn zum Verhör vor den hohen Rat. Pontius Pilatus, der römische Stadthalter war anwesend, denn er sollte das Urteil vollstrecken.
Der Hohepriester Kaiphas sprach: »Er sagt er sei König und der Sohn Gottes. Außerdem entweiht er den Sabbat und bricht damit das Gesetz.«
»Wieso bricht er das Gesetz des Sabbat?« fragte Pilatus. Und sie antworteten: »Er heilt am Sabbat Menschen und erweckt Tote. Doch am Sabbat ist es verboten so etwas zu tun. Außerdem wendet er dabei üble Praktiken an, denn er hat sich mit dem Teufel vereinigt.« Pilatus fragte: »Wie kann man mit einem unreinen Geist einem Menschen die Krankheit austreiben?«
Doch die Hohepriester antworteten nicht sondern brachten als andere Anklage: »Er ist durch unzüchtigem Verkehr geboren worden.« Doch da waren 12 Juden aus dem Kreis des Yosef von Arimathäa, die das bestritten und bezeugten, dass Mariam und Yosef bereits verheiratet waren, als Jehoschua Immanuel zur Welt kam.
Darauf antworteten die Schriftgelehrten aber nicht, sondern verlangten von Pilatus ihn anzuklagen. Jehoschua Immanuel wurde ins Prätorium gebeten. Pilatus stellte ihn zur Rede. Darauf sprach Jehoschua Immanuel: »Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Denn wenn mein Reich von dieser Welt wäre, so würden meine Diener dafür kämpfen das ich nicht ausgeliefert würde.«
Pilatus fragte darauf: »Mithin bis Du König der Juden?«, und Jehoschua Immanuel: »Du sagst es.«

Die Hohepriester und Schriftgelehrten verlangten, dass er für seine Gotteslästerungen gekreuzigt werde. Da sprach Pilatus zu ihnen: »Ihr habt eine Sitte an Pessach auch einen Gefangenen freizulassen. Im Kerker sitzt ein Mörder namens Barabbas. Und hier vor euch steht dieser Jehoschua Immanuel – wen wollt ihr dass ich euch freilasse?« Und die Schriftgelehrten schrien »Barrabas!«.
Aber Pilatus nahm Wasser und wusch seine Hände und sprach: »Ich bin unschuldig am Blut dieses Gerechten«.
Er ließ den Vorhang des Tribunals vorziehen und sprach zu Jehoschua Immanuel: »Dein Volk hat Dich als König überführt, drum habe ich das Urteil zu verkünden, dass Du zuerst gegeißelt wirst und dann ans Kreuz gehängt.« Aus den Bretten der Bundeslade fertigte man das Kreuz.
Man brachte dann Jehoschua Immanuel auf den Kalvarienberg um ihn dort zu kreuzigen. Und es erfüllte sich Gottes Werk: So wie dem Adam die Glorienkrone aufgesetzt wurde, so wurde dem Christos eine Dornenkrone aufgesetzt. Man nahm ihm seine Kleider ab, und gürtete ihn mit einem Leinentuch. So war der Christos am Kreuzesstamm nackt, so wie Adam am Stamm des Baums der Erkenntnis entblößt war. Und so wie die Eva auf den Baum der Erkenntnis stieg, so stieg der Christos aufs Kreuz.

Pilatus legte Wert darauf, dass auf der Schuldtafel der Grund für seine Kreuzigung stand, nämlich, dass er behauptete der König der Juden zu sein. Drum standen auf der Tafel die hebräischen Initialen JHVH: Jehoschua Hanozri Vemelech Hajehudim – das heißt übersetzt: Jehoshua von Nazareth, König der Juden.

Als die sechste Stunde kam, brach über das ganze Land eine Finsternis herein. Sie dauerte bis zur neunten Stunde. Und in der neunten Stunde rief Jehoschua Immanuel mit lauter Stimme: Eloï, Eloï, lema sabachtani?, das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Einige von denen, die dabeistanden und es hörten, sagten: »Hört, er ruft nach Elias!« Einer lief hin, tauchte einen Schwamm in Essig, steckte ihn auf einen Stock und gab Jehoschua Immanuel zu trinken. Da sprach einer: »Lasst uns doch sehen, ob Elias kommt und ihn herabnimmt«. Jehoschua Immanuel aber schrie laut auf. Im selben Augenblick riss der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei. Dann hauchte er den Geist aus und starb.

Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen, denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag. Also kamen die Soldaten und zerschlugen dem ersten die Beine, dann dem andern, der mit ihm gekreuzigt worden war.

Als sie aber zu Jehoschua Immanuel kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern ein Centurio stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floß Blut und Wasser heraus und einige Tropfen fielen in die Augen des blinden Centurio Longinus, der daraufhin sehen konnte und an den Erlöser glaubte.

Yosef von Arimathäa, ein reicher Jude und Jünger Christi bat den Pilatus um den Leichnam um ihn in das für ihn selbst bestimmte Grab legen zu dürfen. An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten, in dem sich das Grab befand. Pilatus stimmte dem zu, und Yosef und Nikodemos bestatteten Jehoschua Immanuel dort.
Und so wie an einem Freitag Adam aus dem Paradies vertrieben wurde, so stieg an einem Freitag Christos ins Grab. Doch nur der Körper Christi war tot, nicht aber seine Seele, die in die Unterwelt, ins Reich des Todes hinabstieg.

Als aber der Satan davon erfuhr, versuchte er den Hades dazu zu bringen den Christos festzuhalten. Doch Hades wusste bereits, dass das nicht möglich war. Aber der Satan bestand darauf, denn schließlich hat der Christos seinem Werk in der Welt der Sterblichen geschadet.
Doch als der König der Herrlichkeit in der Unterwelt eintraf, zerschmetterte er alle bronzenen Tore. Er befreite die Toten aus den eisernen Ketten und segnete sie auf der Stirn mit dem Kreuz. Mit dem König der Herrlichkeit zog das Licht in die Finsternis ein und erstrahlte die ganze Unterwelt.
Christos besiegte den Satan und übergab ihn dem Hades, der ihn für 1000 Jahre mit eisernen Ketten an Händen, Füßen, am Hals und am Mund fesselte. Da fragte der Hades den Satan: »Wieso hast Du die Hohepriester und Schriftgelehrten dazu gebracht ihn zu kreuzigen? Nun wurdest Du dennoch besiegt!«
Als der Hades sah, dass ihm keine einzige Seele geblieben war, sagte er zum Satan: »Was du durch das Holz am Baum der Erkenntnis von Gut und Böse gewonnen hast, dass hast Du am Holz des Kreuzes verloren, und Deine ganze Freude hat sich in Trauer verwandelt.«

Der König der Herrlichkeit erweckte alle Toten – auch Adam, den Ahnherrn des Menschengeschlechts erweckte er, der wegen der Frucht am Baum zu Tode kam. Er übergab die Menschen dem Erzengel Michael, auf das er sie in das himmlische Paradies bringen möge.
Als sie durch die Tür des Paradieses traten, da kamen ihnen zwei hochbetagte Männer entgegen. Es waren Henoch (Idries) und Elias (Khidr). Sie sprachen: wir sollen bis zum Abschluss des Äons am Leben bleiben, dann aber sollen wir mit Christos von Gott ausgesandt werden, um dem Antichrist Widerstand zu leisten.

Am ersten Tag der Woche kam Mariam Magdalena frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war und Jehoshua Immanuels Leichnahm verschwunden war. Das machte sie sehr traurig und sie weinte. Doch als sie sich in die Grabkammer hinein beugte, sah sie dort zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jehoschuas gelegen hatten. Die Engel sagten zu ihr: »Frau, warum weinst du?« Sie antwortete ihnen: »Man hat meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat.«
Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jehoschua Immanuel dastehen, wusste aber nicht, dass er es war. Er sagte zu ihr: »Frau, warum weinst du? Wen suchst du?« Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: »Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen.« Jehoschua Immanuel sagte zu ihr: »Mariam!«
Da wandte sie sich ihm zu, erkannte ihn und sagte auf hebräisch: »Rabbuni!«, das heißt: Meister.
Jehoschua Immanuel sprach zu ihr: »Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind die nicht sehen, und dennoch glauben. Darum halte mich auch nicht fest; denn ich bin noch nicht zu Gott hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Gott und zu eurem Gott.«
Mariam ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: »Ich habe den Herrn gesehen.«
Dann fuhr Christos in den Himmel, setzte sich zur Rechten des Vaters, von wo aus er am Tage des Gerichts wiederkehren wird um zu richten über die Lebenden und die Toten – doch dieser Tag ist nicht in der fernen Zukunft, sondern dieser Tag beginnt bereits morgen, wenn die Sonne im Osten aufsteigt.

»Drum oh Suchender, kümmere Dich jetzt um Dein Seelenheil, bevor Du selbst ins enge Grab hinabsteigst«.

 

 

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