Sonnengesang des Heiligen Franziskus von Assisi

Aus dem Altitalienischen übersetzt von Prof. Dr. Joseph Bernhart

Ein Sonnenstrahl reicht hin, um viel Dunkel zu erhellen.

Du höchster,
Allmächtiger,
Einzig-guter,

Dein ist der Lobpreis
Und Ruhm
Die Ehre
und jegliches Benedeien
Dir allein, höchster
Gebühren sie
Und keiner der Menschen
ist wert,
Dich im Munde zu führen.

Sei gelobt, mein Herr,
Mit all deinen Kreaturen.
Sonderlich
Mit der hohen Frau,
Unserer Schwester, der Sonne
Die den Tag macht
Und mit ihrem Licht
Uns leuchtet.

Wie schön in den Höhn
Und prächtig
In mächtigem Glanze
Bedeutet sie,
Herrlicher,
Dich.

Sei gelobt, mein Herr,
Für Bruder Mond
Und die Sterne,
Die du am Himmel geformt
In köstlich funkelnder Ferne.

José Benlliure y Gil: San Francisco sube a la gloria en compañía de sus discípulos y devotos.

Gemälde des Heiligen Franziskus von José Benlliure y Gil

Sei gelobt, mein Herr,
Für Bruder Wind
Und für Luft und Gewölk
Und heitres
Und jegliches Wetter,
Wodurch du belebst
Die Kreaturen,
Dass sie sind.

Sei gelobt, mein Herr,
Für die Schwester Quelle
Die so nützlich ist,
Gering und köstlich
Und keusch und helle.
 

Sei gelobt, mein Herr,
Für Bruder Feuer,
Durch den du erleuchtest
Die Nacht
Sein Sprühn ist kühn,
Heiter ist er,
Schön
Und gewaltig stark.

Sei gelobt, mein Herr,
Durch unsre Schwester,
Die Mutter Erde,
Die uns versorgt
Und nährt
Und zeitigt allerlei Früchte
Und farbige Blumen
Und Gras.

Sei gelobt, mein Herr,
Für Jene,
Die verzeihen
Aus Liebe zu Dir
Und Elend tragen
Und Mühsal.

Selig jene,
Die Dulden in Frieden,
Weil sie von Dir,
O höchster,
Die Krone empfangen.

Sei gelobt, mein Herr,
Für unsern Bruder Tod,
Den herben,
Dem kein Lebender
Entrinnen kann.

Weh, ach denen,
Die sterben
In Todsünden.

Selig jene,
Die sich gefunden
In Deinem Heiligsten Willen,
Denn ihnen
Kann der zweite Tod
Nicht an.

Lobet und preiset
Meinen Herrn
Voll Dankbarkeit
Und dienet ihm
In aller Niedrigkeit!

Quelle: Der Sonnengesang des Heiligen Franz von Assisi, Prof. Dr. Joseph Bernhart (Übers.), Gral Verlag Aloys Graef, Heidelberg, 1947


 

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