Der kosmische Klang

von S. Levent Oezkan

Als Anfang aller Dinge existiert in der indischen Mythologie der Urton »Nada« - darum ist in den Veden auch die Rede von »Nada Brahma«, was soviel bedeutet wie: »Die Welt ist Klang«.
Auch im antiken Griechenland hatten sich die Pythagoreer bereits 500 v. Chr. mit der Harmonik des Himmels befasst. Einer Legende zufolge war Pythagoras der einzige Mensch, der diese Himmelsharmonie hören konnte. Doch die Vorstellung eines Einklangs des Himmels gab es schon lange vor Pythagoras. Die Bedeutung des Welteinklangs und dem Zusammenhang von Klang und Schöpfung, erkannten bereits die alten Sumerer und Babylonier, die über Jahrtausende die Kreisläufe des Himmels studierten. Durch immer wiederkehrende Ereignisse, wie Sonnen- und Mondphasen, leiteten daraus die Priester und Sterndeuter in Mesopotamien eigene Zahlen ab, woraus sie ein Maß für die Sphärenharmonie bildeten. Einige dieser Zahlen kennen wir aus der Mathematik, nämlich 3,1415926..., die Kreiszahl Pi und das Maß des Vollwinkels 360°.
Auch Johannes Kepler hatte sich mit dieser Sphärenmusik der Planeten befasst. In seinem 1619 veröffentlichten Werk »Harmonices Mundi« (zu deutsch »Weltharmonik«) existiert eine Beschreibung der Gesetze der Planetenschwingungen, sowie ihre musikalische Notierung. Er war der erste Wissenschaftler der Neuzeit, der diese astronomischen Gesetze mit Musik in Zusammenhang brachte.
Durch den schweizer Mathematiker Hans Cousto wurde diese Theorie in den späten 1970er Jahren vertieft. Er benutze die astronomischen Umlaufperiodenzeiten der Erde um die Sonne als Basis, um daraus die »Planetentöne« durch Transponierung in den menschlichen Hörbereich zu überführen.

Die Idee, die Schwingungen der Planeten hörbar zu machen, wurde auch von dem Musikjournalisten Joachim Ernst Berendt aufgegriffen. Er nannte diese Urtöne das dritte Ohr des Menschen, das Hören der Welt.

Jeder Planet hat durch seine Umlaufdauer und Rotationsdauer eine Frequenz, mit einem Wert weit unter 1 Hz (Hz = Hertz, die Einheit für die Schwingung). Um die Tonhöhe in Hz festzulegen, wird zunächst die Dauer einer Umdrehung eines Planeten in einer willkürlich gewählten Zeiteinheit ermittelt. Für den »Planetenton« der Erde gilt: Ein Tag hat 24 Stunden mit jeweils 3600 Sekunden, insgesamt also 86400 Sekunden. Hieraus wird der Kehrwert gebildet, aus dem sich eine Frequenz von 0,000011574 Hz ergibt: Ein sehr, sehr tiefer Ton.
Vervielfacht (transponiert) man nun diese Frequenz um 24 Oktaven, so bekommt man einen hörbaren Ton, der in der Musik nämlich dem G-Schlüssel bzw. Violinschlüssel entspricht, der Ton also, der im französischen Sprachraum als »Sol« bezeichnet wird. Transponiert man diesen Ton nocheinmal bis zur 65. Oktave, so wird aus der Schwingung sichtbares Licht: die Farbe Orange-Rot. Vielleicht ist es ein Zufall, dass das auch die Farbe der tibetischen Mönchsbekleidung ist.

Nach dieser Methode lassen sich die »Frequenzen« aller Planeten unseres Sonnensystems berechnen und sich daraus die Sphärenharmonie bilden, wie ich es in dem nachfolgenden Musikstück versucht habe.

Beispiel für die Erde:
Ton: g - 194,18 Hz      
Farbe: orange-rot - 702 nm - 4,27·1014 Hz

 

My Own Solar System

Komposition und Produktion: S. Levent Oezkan
Gesang: Vassili Vougiatzis
Album: The Artificial Motion Theatre
Jahr: 2006

In dieser Komposition habe ich die verschiedenen Planetentöne unseres Sonnensystems berechnet um sie für die Nachahmung mit einer menschlichen Stimme zu verwenden. Nach vielfacher Überlagerung der Stimmen, habe ich dieses Klanggemenge erhalten, dass den kosmischen Klang unseres Sonnensystems interpretieren will - diese Komposition besteht im letzen Teil aus insgesamt 2 Millionen Überlagerungen und wurde nicht elektronisch nachbearbeitet.

 

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