Auf der Suche nach der Heiligen Bundeslade

Zu den wahrscheinlich geheimnisvollsten Gegenständen des Altertums zählt die Bundeslade der Israeliten. Sie ist ein sonderbarer goldener Kasten, worin man einst die heiligsten Gegenstände des Judentums aufbewahrte – darunter die beiden Gebotstafeln vom Berg Sinai. Wer aber kennt ihren derzeitigen Aufbewahrungsort?

Mit dem Auszug aus Ägypten beginnt die sonderbare Geschichte eines Volkes, das mit dem Gott JHVH einen Bund schloss. Dies besiegelte das heiligste Relikt des Judentums: die Bundeslade.

Diese wundersame Truhe trugen die Israeliten 40 Jahre mit sich, während ihrer Wanderung über die Halbinsel Sinai. Die Bundeslade galt den Israeliten als Garant für die Gegenwart Gottes. Das klingt ja bereits an in ihrem Namen: er ist ein Hinweis auf den Bund, den Gott einst mit seinem »auserwählten Volk« geschlossen hatte. In der hebräischen Bibel lesen wir von Gottes Auftrag an sein Volk, dieses, wohl wichtigste Heiligtum des Judentums herzustellen:

Macht mir ein Heiligtum! Dann werde ich in ihrer (Israels) Mitte wohnen.

- Exodus 25:8

Der angesehene Kunsthandwerker Bezalel fertigte aus Akazienholz die Bundeslade, als längliches, quaderförmiges Behältnis. Innen wie außen überzog er sie mit reinem Gold. An diesem kostbaren Behältnis, waren zwei vergoldete Tragestangen befestigt. Den Inhalt der Bundeslade verschloss eine besondere Platte, die die Israeliten den »Gnadenstuhl« nannten. Auf ihm befanden sich zwei goldene Cherubime (Engel), deren Blick sich auf den Inhalt der Lade richtete.

In dieser heiligen Lade befanden sich die beiden steinernen Gebotstafeln, der grünende Stab des Aaron und eine goldene Schale mit der heiligen Manna-Speise. All das waren, wie die Bibel schreibt, geheimnisvolle, übernatürliche Dinge, die die Israeliten von ihrem Herrn JHVH empfangen hatten – zu ihrem Schutz, zu ihrer Heilung.

Als das Volk Israel die Wüsten des Sinai verließ kam es in das verheißene Land Kanaan – ein vom Gott JHVH versprochener Ort »wo Milch und Honig fließen«. 

In diesem weiten Land kannten die Israeliten eine heilige Stelle, wo der Prophet Jakob einst lag und träumte. Er erhielt vom Erzengel Gabriel den Namen »Israel« und wurde damit zum Stammvater der Israeliten.

Da hatte er (Jakob) einen Traum: Er sah eine Treppe, die auf der Erde stand und bis zum Himmel reichte. Auf ihr stiegen Engel Gottes auf und nieder. wenn ich wohlbehalten heimkehre in das Haus meines Vaters und der Herr sich mir als Gott erweist, […] dann soll der Stein, den ich als Steinmal aufgestellt habe, ein Gotteshaus werden und von allem, was du mir schenkst, will ich dir den zehnten Teil geben.

- Genesis 28:11,22

Erwacht errichtete Jakob an dieser Stelle ein Felsmal, goß heiliges Öl darüber und nannte es »Beth El«: das Haus Gottes. An diesem Ort sollte dereinst die Bundeslade stehen, umgeben, von dem nur für ihren Zweck errichteten Jerusalemer Tempel. Dieses sakrale Bauwerk wurde dereinst vom berühmten König Salomo, dem Sohn Davids errichtet.

Und David, der König, stand auf und sprach: Höret mir zu, meine Brüder und mein Volk! Ich hatte mir vorgenommen, ein Haus (Tempel) zu bauen, da ruhen sollte die Bundeslade des Herrn (JHVH) und der Schemel seiner Füße unseres Gottes, und hatte mich geschickt, zu bauen.

- 1. Chronik 28:2

Der Salomonische Tempel zu Jerusalem

Der Jerusalemer Tempels fungierte als Aufbewahrungsort für die heilige Bundeslade. Mit Hilfe des phönizischen Königs Hiram von Tyros und des legendären Baumeisters Hiram Abiff, wurde das monumentale Bauwerk, wahrscheinlich im Jahre 957 v. Chr. auf dem Jerusalemer Berg Moriah (auch: Berg Zion) errichtet. Vorlage war das Mischkan, jene Stiftshütte, die auf dem Exodus durch den Sinai, den Israeliten als bewegliches Zeltheiligtum (Tabernakel) diente. Wie dieses Zeltheiligtum, war auch der Tempel in drei Bereiche aufgeteilt: Einen Vorhof, das innere Heiligtum und das darin befindliche, kubische gebaute Allerheiligste. Diese sakrale Architektur des Gotteshauses, diente dereinst auch als Vorbild beim Bau christlicher Kirchen. Man findet es noch heute, bei der Raumaufteilung christlich-orthodoxer Kirchen.

Das Allerheiligste des Jerusalemer Tempels befand sich wahrscheinlich genau an dem von Jakob (Israel) benannten Ort, Beth El. Hier musste die Bundeslade gestanden haben, auf jenem heiligen Fels, an dem er in seinem Traum die Himmelsleiter sah, woran die Engel auf- und niederstiegen (Genesis 28:11).

Nur den Kohanim (sing. Kohen), den israelitischen Hohepriestern, war gestattet sich im Allerheiligsten des Tempel, der heiligen Bundeslade zu nähern. Gemäß biblischer Legenden, ging von diesem Objekt eine besondere Kraft aus und gewiss besaß es eine Schutzfunktion. So lesen wir über die Bundeslade im dritten Kapitel des Buches Josua, das priesterliche Träger mit der Bundeslade den Jordan teilten, damit ihn das Volk im Trockenen durchqueren konnte. Doch niemand als die Hohepriester waren befugt die Lade zu berühren. Wer es dennoch tat, starb (2. Samuel 6).

Josua führte die Bundeslade später zur Jebusiter-Stadt, wo durch ihre Gewalt und das Stoßen der Schofarhörner (Trompeten), die Mauern Jerichos einstürzten. Auch im Krieg gegen die Philister führte das israelitische Heer die Lade mit sich.

Auch wenn der Gott JHVH unter dem Volk Israel, in diesem Objekt gegenwärtig war, und es durch seinen Anwesenheit schütze, blieb dennoch ihr Aufbewahrungsort, der Salomonische Tempel zu Jerusalem, nicht verschont. Ende des 6. Jhd. v. Chr. plünderten Krieger des Nebukadnezzar den Tempel, zerstörten ihn, verwüsteten ganz Jerusalem und deportierten die Juden nach Babylon. Seither gilt die Bundeslade als verschollen. Brachten die Babylonier die Bundeslade vielleicht fort, als Beute, um sie in einem ihrer sagenhaften Türme aufzustellen?

Bis heute herrscht Uneinigkeit darüber, wo sie tatsächlich aufbewahrt wird oder ob sie überhaupt noch existiert. Wie wir später aber noch sehen werden, gibt es viele Millionen Menschen, bei denen über den Verbleib dieses heiligen, magischen Artefakts, überhaupt kein Zweifel besteht.

Moses und Josua vor der Bundeslade - ewigeweisheit.de

Moses und Josua beten an der Bundeslade. Gemälde von James Jacques Joseph Tissot (1836-1902).

Der zweite Tempel und der Schrein Qubbat As-Sachra

Nach 72-jähriger babylonischer Gefangenschaft, kehrten die Israeliten zurück in ihr Land. Dort errichtete Serubbabel, ein Vorfahre des Jesus von Nazareth, in Jerusalem einen neuen, zweiten Tempel, auf dem Fundament des alten Tempels. Im diesem neu errichteten Sakralbau, der später vom griechischen König Herodes großzügig erweitert wurde, stand im Allerheiligsten nur ein Altar, worauf sich ein Leuchter befand an dem ein ewiges Licht brannte.

70 n. Chr. wurde auch dieser Tempel, im Jüdischen Krieg von den Römern zerstört. Was blieb war die westliche Mauer: die heutige Klagemauer der Juden.

638 n. Chr. zog Kalif Umar ibn al-Chattab in das von den Muslimen eroberte Jerusalem ein. Er führte im selben Jahr die islamische Zeitrechnung ein. 56 Jahre später, im Jahr 72 islamischer Zeitrechnung, errichtete Kalif Abd al-Malik ibn Marwan, auf dem Jerusalemer Tempelberg den Felsendom – arabisch Qubbat As-Sachra (»Kuppel über dem Felsen«) – direkt über jenem Felsen, an dem Jakob einst seine Traumvision von der Engelsleiter hatte. Von diesem Stein aus machte der islamische Prophet Mohammed (a. s.) in einer Traumvision, seine nächtliche Himmelsreise (Al-Miradsch) entlang einer Engelsleiter:

Gepriesen sei der, der bei Nacht seinen Diener von der heiligen Moschee (Mekka) zu der fernen Moschee (Jerusalem), deren Umgebung wir gesegnet haben, hinführte, auf dass wir ihm einige unserer Zeichen zeigten. Wahrlich, er ist der Allhörende, der Allsehende. [...] sie ist von Allah, der über die Himmelsleiter verfügt. Die Engel und Gabriel steigen zu ihm auf in einem Tage, dessen Ausmaß fünfzigtausend Jahre beträgt.

Suren 17:1, 70:3-4

Über 400 Jahre hüteten muslimische Herrscher den heiligen Schrein (Felsendom) auf dem Gipfel des Berges Moriah. Mit dem Jahr 1099 sollte sich alles ändern. Papst Urban II. rief auf zum Kreuzzug nach Jerusalem und die Stadt fiel an christliche Eroberer. Das junge christliche Königreich Jerusalem, nahm aber einen schrecklichen Anfang: Bei der Eroberung des Tempelberges mordeten Kreuzritter unzählige Menschen, ganz gleich ob Jude, Christ oder Muslim – angeblich im Namen Jesu Christi. Schutzsuchende, die sich im Felsendom versteckten wurden regelrecht abgeschlachtet. Knietief, so die Legende, standen die Schlächter im Blut ihrer Opfer, dass auch über jenen heiligen Felsen floss, wo einst die Bundeslade stand.

Pilgerfahrten nach Jerusalem

Jetzt glaubte man, sei der Weg ins heilige Land von den angeblich »ungläubigen« Muslimen befreit, um die Pilgerscharen christlicher Adliger und Kleriker nach Jerusalem bringen zu können. In der Tat bestand seit dem 12. Jhd. in europäischen Städten eine große Nachfrage. Das Pilgerwesen war im Mittelalter eines der bedeutenden Phänomene, schließlich ermutigte die Kirche ihre Gläubigen dazu immer wieder.

Eine Pilgerreise nach Jerusalem dauerte aber oft viele Monate und war mit Strapazen verbunden, auch dann, wenn man den letzten Abschnitt der Reise, auf einem Schiff verbrachte. Außerdem waren solche Reisen immer gefährlich. Keiner war sich sicher, ob er seine Verwandten und Freunde jemals wiedersehen würde. Auf den Landrouten lauerten Räuber, Wegelagerer und gefährliche Tiere.

Trotzdem stieg die Nachfrage, so dass sich neue Ritter-Gesellschaften gründeten, die sich zum Geleit der Reisenden anboten. Sie gewährleisteten Pilgern eine sichere Reise ins Gelobte Land. Einer der ersten und wichtigsten dieser Orden, waren die Ritter des Heiligen Johannes. Später, im Hochmittelalter (11. bis 13. Jhd.), verwandelte sich eine der Ritter-Organisationen, in ein regelrechtes Reiseunternehmen, mit einem eigens dafür geschaffenen Bank- und Handelswesen: die Templer. Ursprünglich hatte sich der Templerorden aber einem erhabeneren Ziel verschrieben, als nur Pilger nach Jerusalem zu bringen.

Hugo von Payns - ewigeweisheit.de

Hugo von Payns (1070-1136): Gründungsmitglied und erster Großmeister der Templer.

Die arme Ritterschaft des Salomonischen Tempels

1104 unternahm der französische Adlige Hugo von Payns eine Pilgerreise nach Jerusalem. Eine weitere Reise folgte in 1119, auf der ihn acht Rittergenossen begleiteten. Auf seiner ersten Reise muss Hugo von Payns wohl mit König Balduin I. von Jerusalem zusammengetroffen sein, denn er gab später den neun Rittern großzügig Unterkunft, in einem Palast, an der Südseite des Felsendoms. Den Felsendom beanspruchte Balduin im Übrigen für sich als Wohnsitz.

Im Wunsch die Geheimnisse dieses Ortes zu ergründen, kamen die neun bescheidenen Adligen zu ihrem Namen: »Die arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem«.

Fast sieben Jahre lebten und arbeiteten die französischen Edelmänner an diesem einzigartigen Ort. In dieser Zeit verließen sie den Ort wohl kaum ein einziges mal. Auch jedem Fremden verweigerten sie den Zugang. Hatten sie etwas zu verheimlichen?

In den 1980er Jahren fand ein Forscherteam, um den Archäologen Meir Ben-Dov, bei Ausgrabungen auf der Südseite des Tempelberges, einen unterirdischen Tunnel. Das war unterhalb jenes Ortes, wo sich die Residenz der Templer befand. Über diesen Gang, konnten die Templer Jerusalem wahrscheinlich unbemerkt verlassen. Was bei den Ausgrabungen jedoch ausblieb, war die Feststellung, wohin unter dem Tempelberg der Tunnel letztendlich führte, da der unterirdische Gang, ab einem bestimmten Abschnitt, Geröllblöcke versperren.

Gemäß der israelischen Archäologen aber stand fest: Templer gruben und befestigten diesen Tunnel. Anscheinend wussten sie, dass sich im Tempelberg einst etwas befand, dass für die Israeliten, insbesondere König Salomon, von allerhöchster Bedeutung war. Woher aber wussten sie davon?

Der Grundstein des Tempels

Wir hatten bereits über den Felsblock gesprochen, der sich im Zentrum des Felsendoms befindet. Die Juden nennen ihn den »Grundstein« (hebr. Even ha-Shetiyyah). An dieser Stelle soll sich nun ja das Allerheiligste des Salomonischen Tempels befunden haben, der Platz an dem die Bundeslade stand. Vermutlich glaubten Hugo von Payns und seine Begleiter, die Bundeslade wäre noch immer dort, nur versteckt, in einer geheimen Gruft im Tempelberg. Doch suchten die Templer vielleicht noch nach etwas anderem? Oder gründete Hugo von Payns den Templerorden überhaupt nur, um die Bundeslade aufzufinden und durch ihren Besitzt Macht und Ruhm zu erlangen? Wohl kaum hätte sich der Aufwand gelohnt, ein solch all zu weltliches Verlangen zu befriedigen.

Fest steht: weder von Payns, noch seine Nachfolger, hatten jemals die Bundeslade gefunden. So zumindest hat es den Anschein, wenn man sich mit dem Thema beschäftigt. Waren er und seine Begleiter also gescheitert? Es bleibt auf jeden Fall ungeklärt, ob sie bei ihren Grabungen im Tempelberg, nicht auf andere, höchst wertvolle Dinge stießen – Dinge, aus denen sie vielleicht ihr einzigartiges Wissen bezogen.

Ausdehnung des Templerordens

Ab 1126 öffneten die Gründungsmitglieder des Templerordens ihre Tore für neue Mitglieder. Wären die Templer in Jerusalem tatsächlich gescheitert, wieso dann dehnte sich der Orden, nur fünf Jahre nach seiner Gründung, immer weiter aus? Anwärter aus ganz Europa, aus adligem europäischem Hause, strömten dem Kern der Bruderschaft zu. Man beschenkte den Orden mit Geld, Gütern und prachtvollen Gebäuden, was seinen Einflussbereich natürlich immer weiter ausdehnte. Wie ein Magnet schien der Orden zu wirken, auf die Reichtümer von Klerus und Adel. Papst Innozenz II. verlieh ihnen später sogar das Privileg, in Europa eigene Kirchen zu bauen. Ganz erfolglos schien das Werk von Hugo von Payns, auch wenn er die Bundeslade nicht fand, also anscheinend doch nicht geblieben zu sein.

Mit dem Jahr 1150 beendeten die Templer ihren Dienst als Begleiter der Pilger. Stattdessen führten die »armen Ritter Christi« ein ausgeklügeltes Bankenwesen ein. Pilger konnten nun in einer der europäischen Templer-Niederlassungen Geld einzahlen, erhielten dafür einen Kreditbrief, den sie in Jerusalem einlösten, um dann in der Ferne über ihr Geld zu verfügen. Dieses Finanzsystem, der Vorläufer des bargeldlosen Zahlungsverkehrs, machte die Tempelherren unglaublich reich. Von den enormen Einnahmen, die sie auf diese Weise erzielten, finanzierten die Templer den Bau von Kirchen und Festungen. In Europa waren ganze Stadtgebiete im Besitz der Templer – man denke etwa an den Tempel-Bezirk, in der City of London oder den Berliner Tempelhof.

Geheimwissen der Templer

Um Kirchen und Festungen zu bauen, benötigt man besondere handwerklich-technische Fähigkeiten und ein ausgezeichnetes architektonisches Wissen. Sicherlich hatten die Templer keine Architekten beauftragt, die außerhalb ihres Ordens standen. So jemanden hätte man außerdem erst einmal finden müssen, da die hohen Kenntnisse der Templer zu damaliger Zeit wirklich einzigartig waren. Fanden Hugo von Payns und seine Begleiter, bei ihren Grabungen im Jerusalemer Tempelberg, womöglich alte Dokumente, woraus sie ihr außergewöhnliches Wissen bezogen? Sicher wurden Bauwerke, wie etwa die Kathedrale von Chartres in Nordfrankreich, nicht von gewöhnlichen Architekten erbaut. Gut möglich, dass diese Kirche von den Templern erbaut wurde.

Unbestritten ist, dass die Templer über ein Spezialwissen in höherer Geometrie verfügten. Nur so konnten sie ihre architektonischen Meisterleistungen verwirklichen. Das zeigen uns die von ihnen erbauten Kirchen und Festungen in Europa und dem Nahen Osten. Ihre Kenntnisse und mysteriösen Riten, scheinen außerdem übergegangen zu sein, auf die im 15. Jhd. gegründeten Logen (Bauhütten-Organisationen) von Baumeistern und Steinmetzen. Diese alten Logen-Bruderschaften waren die Urväter jener, die heute unter einem geheimnisumwobenen Namen zusammengefasst werden: die Freimaurer.

Bis heute bewahren Freimaurer-Bruderschaften ein besonderes Geheimnis, das, so heißt es, aus sehr alter Zeit stammen soll. In der freimaurerischen Legende vom Bau des Salomonischen Tempels, ist in diesem Zusammenhang eine Person von zentraler Bedeutung: Hiram Abiff. Er spielt im heutigen dritten Grad des Freimaurersystems, dem Meistergrad, seine besondere Rolle. 

Hiram Abiff war ein Nachkomme aus dem Geschlecht Kains. Er war der mythische Meister-Architekt des ersten Jerusalemer Tempels. Man nennt ihn auch den »Sohn der Witwe«, ein Titel den er anscheinend aus viel älterer Zeit erbte, wohl vom ägyptischen Lichtgott Horus. Es sollte diesem geheimnisvollen Baumeister aber ein sehr bedauerliches Schicksal ereilen. In ihren listigen, dunklen Machenschaften, wollten ihm drei Maurergesellen gewaltsam ein Geheimnis entreißen. Gewiss ähnelt diese Geschichte von Hiram Abiff, dem alt-ägyptischen Mythos um den Gott Osiris. Aus ähnlichem Grund wurde er von Seth, dem alt-ägyptischen Gott der Finsternis, durch eine Tücke ermordet. Damit steht Hiram Abiff in der Tradition einer noch viel älteren Meisterkunst, die aus jener Zeit stammt, wo man die große Pyramide von Gizeh erbaute – dem Ur-Archetyp aller Tempelbauten.

Die Königin von Saba - ewigeweisheit.de

Die Königin von Saba - Wandgemälde aus der äthiopischen Königsstadt Lalibela.

Salomon und die Königin von Saba

In der Legende vom Tempelbau, war nun also Hiram Abiff Baumeister unter König Salomo. Dieser baute für ihn den ersten Tempel zu Jerusalem.

Und der König Salomo sandte hin und ließ holen Hiram von Tyrus, einer Witwe Sohn [...] der war ein Meister im Erz, voll Weisheit, Verstand und Kunst, zu arbeiten allerlei Erzwerk. Da er zum König Salomo kam, machte er alle seine Werke.

- 1. Könige 7:13-14

Diese Legende ist Grundlage der Freimaurerei. Sie spricht von einer sagenhaften Fürstin, die einst Jerusalem besuchte. Das ereignete sich eben zu jener Zeit, wo Salomon den ersten Tempel erbaute. In der hebräischen Bibel nennt man sie die Königin von Saba. In ihrer äthiopischen Heimat erfuhr sie von Salomons großer Weisheit. Sie wollte ihm darum selbst begegnen und reiste mit ihrem Hofstaat und vielen kostbaren Geschenken nach Jerusalem. Wie außerbiblische Legenden beschreiben, verliebten sich die beiden Fürsten ineinander. Das ist für unsere nachfolgenden Betrachtungen von Bedeutung.

Mit Küssen seines Mundes bedecke er mich. Süßer als Wein ist deine Liebe. Köstlich ist der Duft deiner Salben, dein Name hingegossenes Salböl; darum lieben dich die Mädchen. Zieh mich her hinter dir! Lass uns eilen! Der König führt mich in seine Gemächer. Jauchzen lasst uns, deiner uns freuen, deine Liebe höher rühmen als Wein. Dich liebt man zu Recht. Schwarz bin ich, doch schön, ihr Töchter Jerusalems, wie die Zelte von Kedar, wie Salomos Decken.

- Hoheslied Salomos 1:2-5

Mit der hier erwähnten »schönen Schwarzen«, kann der Verfasser des Hoheliedes, der Überlieferung nach Salomon selbst, durchaus auf jene sagenhafte Königin angespielt haben. Vielleicht war es Salomons weise Poesie, wie auch seine Herrscherqualitäten, die die Königin anzogen. Darauf zumindest verweist, in manchen Teilen, die hebräische Bibel. Es schien für die sabäische Fürstin aber Grund genug gewesen zu sein, eine Reise nach Jerusalem zu wagen. Dort wäre sie wohl ganz und gar der Liebe König Salomons verfallen, wäre ihr nicht der wundersame Baumeister des Jerusalemer Tempels begegnet – so zumindest will es der freimaurerische Mythos.

Die Tempellegende der Freimaurer

Als die Königin eines Tages die Baustätte des Tempels besuchte, war sie tief von diesem imposanten Bauwerk beeindruckt. Unbedingt wollte sie seinen geheimnisvollen Architekten kennenlernen. Zögernd gewährte ihr Salomon den Wunsch. Sie sah Hiram Abiff auf einem behauenen Quader stehen, als er ein geheimnisvolles Symbol in die Luft zeichnete, worauf all seine Arbeiter zu ihm gelaufen kamen. Das beeindruckte die Fürstin und als Hiram ihren suchenden Blick erwiderte, erbebte ihr Inneres. König Salomon glühte vor Eifersucht und ersann sich einen Plan, wie er seinen Nebenbuhler aus dem Weg schaffen könnte und ließ ihn, durch drei seiner Maurer-Gesellen ermorden.

Diese drei Gesellen aber waren sehr eitel und eigentlich auf das Geheimnis aus, dass Hiram Abiff offensichtlich bei sich trug: ein Meisterwort. Wer es kannte, so hofften sie, könne mit einem höheren Werklohn rechnen. Gemäß anglo-amerikanischer Freimaurerei aber, sollte ihnen Hiram Abiff wegen ihrer Unreife, das besondere Geheimnis niemals verraten.

Anders im schottischen Freimaurer-Ritus: Nach der Ermordung des Baumeisters, ordnete König Salomon an, den Leichnahm Hiram Abiffs in einer Kammer unter dem Tempel zu begraben. Sein Geheimnis aber sollten seine Freimaurergenossen in seinen Grabstein meißeln. Demgemäß war das verloren geglaubte Geheimnis im Tempelberg verborgen und so vielleicht für die Nachwelt erhalten. Wenn die Legende dieses Ritus nun auf Tatsachen beruht, stellt sich die Frage, ob es dieses Geheimnis war, wonach Hugo von Payns und seine Gefährten im Innern des Tempelberges gruben.

Die verlorene Bundeslade

Wenn der Salomonische Tempel gebaut wurde, um die Bundeslade aufzubewahren, was geschah dann mit dem Heiligtum nach der Zerstörung des Tempels?

Sicher ist, dass die Israeliten nach der Zerstörung Jerusalems, dort nicht bleiben konnten. Viel weniger noch, hätten sie die Bundeslade mit ins babylonische Exil nehmen können. Das zweite Buch der Makkabäer allerdings, verweist ganz deutlich auf ihren Verbleib:

So stand das auch in derselben Schrift, dass der Prophet nach göttlichem Befehl sie geheißen habe, dass sie die Hütte des Zeugnisses und die Bundeslade sollten mitnehmen. Als sie nun an den Berg kamen, darauf Mose gewesen war, und des Herrn Erbland gesehen hatte, fand Jeremia eine Höhle; darein versteckte er das Stiftszelt (Tabernakel) und die Bundeslade und den Altar des Räucheropfers, und verschloss das Loch. Aber etliche, die auch mitgingen, wollten sich das Loch merken und zeichnen, sie konnten es aber nicht finden. Da das Jeremia erfuhr, strafte er sie und sprach: Diese Stätte soll kein Mensch finden, noch wissen, bis der Herr sein Volk wieder zuhauf bringen und ihnen gnädig sein wird. Dann wird es ihnen der Herr wohl offenbaren; und man wird dann des Herrn Herrlichkeit sehen in einer Wolke, wie er zu Zeiten des Moses erschien, und wie Salomo bat, dass er die Stätte wollte heiligen.

- 2. Makkabäer 2:4-8

Da die beiden Bücher der Makkabäer aber nicht Teil des hebräischen Bibelkanons sind, wird diese Geschichte von orthodoxen Juden nicht als authentische Quelle anerkannt. Anders katholische und orthodoxe Christen (nicht jedoch Protestanten): sie sehen in den Makkabäer-Büchern authentische Schriften. Demnach ist die Bundeslade im Berg Nebo versteckt. Das war jenes Gebirge, von wo aus Moses einst das gelobte Land Kanaan erblickte, doch dort auch verstarb.

Der Ruhm der Könige Äthiopiens

Es gibt eine andere, sehr faszinierende Auslegung der heiligen Schriften, wie wir sie in einem Buch der äthiopisch-orthodoxen Christen finden. Dieses Buch, dass im Jahre 1225 in koptischer Sprache verfasst wurde, trägt den Titel »Kebra Negest« – zu deutsch: »der Ruhm der Könige«. Äthiopische Christen sehen darin eine authentische Darstellung von der Begegnung der Königin von Saba und König Salomon. Sie sollten laut diesem Buch, einen gemeinsamen Sohn gehabt haben, dessen Schicksal eng mit dem der heiligen Bundeslade verbunden ist – so will es das Kebra Negest.

Im Kebra Negest fließt die Weisheit verschiedener alter Schriften zusammen, wozu unter die beiden biblischen Testamente zählen, rabbinische Überlieferungen, das äthiopische Henochbuch, wie auch die apokryphe Schrift der Schatzhöhle (verfasst im 4. Jhd. n. Chr. von Ephrem von Edessa).

Es war von Gott vorherbestimmt, dass die Herrschaft des judäischen Herrschergeschlechts (David, Salomo) einst auf Äthiopien übergehen solle. So zumindest will es das Kebra Negest. Doch auch die Psalmen Davids deuten darauf hin:

Äthiopien wird seine Hände ausstrecken zu Gott.

- Psalm 68:32

Während sich ältere Überlieferungen aus Bibel und Koran (Lukas 11:31, Sure 27:22-44, 1. Könige 10:1-13) nur auf einige Verse beschränken, beschreibt das Kebra Negest in mehreren Kapitel, ausführlich über die Zusammenkunft der sabäischen Königin mit König Salomon. Außerdem ist darin, wie bereits angedeutet, die Rede von einem gemeinsamen Sohn, die Königin später in Äthiopien zur Welt brachte: Menelik. Er sollte zum Stammvater des äthiopischen Königsgeschlechts werden, dass man wegen seines Ursprungs die Salomonische Dynastie nennt. Diese Fürstenfamilie stellte von 1270 bis 1974 die Kaiser Äthiopiens. Ihr letzter Kaiser war Haile Selassie.

Im Kebra Negest ließt man, anders als etwa im Buch der Makkabäer, dass die Bundeslade nicht im Reich der Israeliten blieb, sondern durch Menelik einen neuen Aufbewahrungsort fand, im äthiopischen Aksum. Hierzu liefert uns das Kebra Negest einige sehr wichtige Einzelheiten, auf die wir im Folgenden eingehen wollen.

Haile Selassie - ewigeweisheit.de

Haile Selassie (1892-1975) war bis 1974 Kaiser von Äthiopien. Er war außerdem Ritter des hochedlen Ordens vom Hosenbande in England. Die jamaikanischen Rastafari sahen in ihm den neuen Messias, was Kaiser Selassie als frommer Christ jedoch ablehnte.

Salomons Sohn

Laut äthiopischer Überlieferung nahm die Salomonische Dynastie ihren Anfang in Aksum (auch: Axum, amharisch für »des Häuptlings Wasser«), der äthiopischen Königsstadt, in der nördlichen Gebirgsregion von Tigray. Die Königin von Saba, die die Äthiopier »Makeda« nennen, stammte, so will es die Überlieferung, aus dieser ältesten Stadt Äthiopiens. Hierher kehrte die schwangere Makeda heim und brachte neun Monate später ihren Sohn Menelik zur Welt – dessen Name sich vermutlich vom hebräischen »Ben Melek« ableitet: der Sohn des Königs.

Als der junge Menelik 12 Jahre alt war, befragte er seine Erzieher über die Herkunft seines Vaters. Sie verrieten ihm, sein Vater sei König Salomon. Darauf bat er seine Mutter um Bestätigung, die sich aber weigerte. Vielleicht ahnte sie, ihr Sohn könnte sich von ihr trennen. Mit 22 Jahren aber sollte ihn nichts mehr aufhalten. Er machte sich auf den Weg nach Jerusalem, an den Hof seines Vaters. Salomon hatte der Königin damals aber seinen Siegelring übergegeben. Ihn sollte Menelik erhalten, wenn er einst nach Jerusalem reise, damit Salomon daran seinen Sohn erkenne.

Vom Raub der Bundeslade

In Begleitung des großen Tamrin, des Vorstehers der Kaufleute, reiste Menelik also nach Jerusalem, um dort zum ersten mal seinen Vater König Salomon zu treffen. Er lebte für einige Jahre bei ihm. Schließlich kam der Tag, da ihn Salomon zum König über Äthiopien weihte.

'Es ist billig und gerecht, dass dein Reich Äthiopien vom Flusse Ägyptens (Nil) bis zum Sonnenuntergange (Westen) reiche – gesegnet sei dein Same auf Erden!' […] Darauf segnete ihn sein Vater (Salomon) und sprach zu ihm (Menelik): 'Der Segen des Himmels und der Erde sei dein Segen!' Und das versammelte Israel sprach 'Amen.'

- Aus Kebra Negest, Kap. 39

Das Kebra Negest spricht in den folgenden Kapiteln nun an Stelle von Menelik, von König David:

Dann ging er heraus aus dem Tempel des Herrn, und sie nannten seinen Namen David; denn ihm kam mit Recht der Name eines Königs zu.

- Aus Kebra Negest, Kap. 39

Gemäß Kebra Negest, begab sich Menelik in den heiligen Tempel zu Jerusalem, um dort zu beten. Die Bundeslade hatte eine besondere Eigenschaft, so will es diese heilige Schrift der Äthiopier: Wenn ein Rechtschaffener, wirklich Frommer bei ihr bete, so würde sie sich vom Erdboden erheben, was in Meneliks Gegenwart auch tatsächlich geschah. Das wissend, sah er darin ein Zeichen Gottes und sah sich darin berufen, dieses Wunderding mit in sein Land zu nehmen, wo er ja dereinst König sein werde. So ließ er also von einigen königlichen Arbeitern eine Kopie des Geräts herstellen. Das Duplikat der Bundeslade stellten sie dann an ihrer Stelle, in das Allerheiligste des Tempels. Die eigentliche Bundeslade aber nahmen seine Diener weg – in Gegenwart des in Ketten gelegten Hohepriesters Sadoq.

Vor seiner Abreise nun, kam Menelik, der neue König David, zu Salomon und erbat sich seinen Segen.

Er (Salomon) aber hob ihn auf, segnete ihn, ergriff sein Haupt und sprach: 'Der gesegnete Herr, mein Gott […] segne deine Nachkommen […] ebenso möge Dir Segen zu teil werden […] Und Führer sei dir meine Herrin, die heilige himmlische Zion, die Gesetzeslade Gottes (Bundeslade), immerdar und an jedem Ort, an den du in deinem Sinne denkst und wohin du doch mit deinen Fingern deutend wendest'

- Aus Kebra Negest, Kap. 49

Den Schluss dieser Segnung, schien der junge Menelik ja wirklich ernst genommen zu haben. In der Nacht vor ihrer Abreise, versteckten die Diener Meneliks die Bundeslade unter dem Reisegut. Zuvor hatte Azarjas, der Sohn des Hohepriesters Sadoq einen Traum, worin im der Allmächtige erschien, ihm befehlend die Bundeslade aus dem Allerheiligsten zu entwenden.

Als nun der Königssohn mit der Bundeslade nach Aksum, in seine äthiopische Heimat kam, empfingen ihn dort seine Mutter inmitten des jubelnden Volkes. Seine Rückkehr mit dem »Heiligtum der Heiligtümer«, der Bundeslade, nahm die Königin von Saba zum Anlass abzudanken. Fortan war Menelik König über Äthiopien – Nachfolger des Salomo, aus dem Hause David.

Das erfahren wir über den Verbleib der Bundeslade, aus dem äthiopischen Kebra Negest.

Im Tempel der Königin von Saba

Wenn wir nun dieser äthiopischen Überlieferung Glauben schenken, wäre interessant zu wissen, wann die Bundeslade eigentlich nach Äthiopien gekommen sein könnte. In Jerusalem baute man ihr zum Schutz einen großen Tempel. Benötigte sie aber nicht auch in Aksum einen angemessenen Raum für ihre Aufbewahrung?

Ein solches Gebäude scheinen deutsche Archäologen 2008 gefunden zu haben. Bei Ausgrabungen in Aksum stießen sie auf Überreste eines antiken Gebäudes: der Palast der Königin von Saba. Der Leiter der Ausgrabung, Prof. Dr. Helmut Ziegert (1934-2013), ging davon aus, dass sich in diesem Gebäude, zeitweise auch die Bundeslade befand. Die Forscher stellten außerdem fest, dass das einstige Bauwerk auf den heliakischen Sirius-Aufgang ausgerichtet war. Das war in der Antike ein astronomischer Zeitpunkt, an dem, kurz vor Sonnenaufgang, der Stern Sirius am Horizont aufleuchtete, um kurz darauf vom Licht der Sonne überstrahlt zu werden.

Für die gesamte Nil-Region Ost-Afrikas, war dieses Ereignis ein Anzeiger für den Beginn der jährlichen Fluss-Schwemme. Dann trat der Nil über seine Ufer und bedeckte die Felder mit fruchtbarem Schlamm: nur verständlich, dass dies für die Ackerbauern der Nilregion ein heilges Ereignis war. Schließlich lieferten ihre Felder am Nil, die Ernährungsgrundlage eines ganzen Volkes. So erklärt sich, wieso das Erscheinen des Sterns Sirius, im Zentrum kultischer Weihen stand und man Sakralbauten geografisch auf dieses Ereignis ausrichtete. Insbesondere die alten Ägypter verehrten Sirius als Symbol der Himmelsgöttin Sothis. Wahrscheinlich brachten diesen Kult einst semitische und hamitische Stämme (Juden, Nachfahren der Söhne Noahs: Sem und Ham) nach Äthiopien. Da entspringt einer der Haupt-Nebenflüsse des großen afrikanischen Stroms: der Blaue Nil.

Was die deutschen Archäologen in Aksum fanden, waren sehr wahrscheinlich Überbleibsel eines alt-äthiopischen Sothis-Kults. Die dortigen Tempelmauern stammen wohl aus dem ersten, vorchristlichen Jahrtausend – einer Zeit also, die zusammenfällt mit den oben geschilderten Legenden und Bibelüberlieferungen vom Tempelbau. Und – wie wir bereits gesagt haben – müsste das ja auch die Zeit gewesen sein, als Menelik heimlich die Bundeslade entwendete. Nicht aber spricht das Buch über ihren Verbleib in Äthiopien. Zwar müssen wir uns an diesem Punkt mit den Ergebnissen der Archäologen zufrieden geben, werden unsere Vermutung später aber noch durch weitere Einzelheiten erhärten.

Wappen von Äthiopien - ewigeweisheit.de

Im alten Ägypten war das Pentagramm ein geheimes Symbol für den strahlenden Stern Sirius. Auch das Bundeswappen Äthiopiens zeigt einen strahlendes Pentagramm; eine Anspielung auf ein uraltes ägyptisches Erbe?

Ein Neues Jerusalem

Seit Alters her sprechen manche dem äthiopischen Kaiserreich Heilsbedeutung zu. Vielleicht erwuchs daraus die Legende von der Überführung der Bundeslade nach Äthiopien. Aus dieser Haltung könnte vielleicht sogar das Bestreben zur Gründung eines »Neuen Jerusalem« erwachsen sein. Dort sollten dereinst nämlich alter und neuer Glaube, Judentum und Christentum ineinander verschmelzen. Besonders das äthiopisch-orthodoxe Christentum, beinhaltet ganz zentrale Glaubenselemente jüdischer Spiritualität. Darauf weisen auch Symbole hin, die das Wappen des alten Kaiserreichs Äthiopien zeigt: der judäische Löwe Zions, das Siegel Salomons (Davidstern), wie auch das Kreuz der Templer.

In der Liturgie der äthiopisch-orthodoxen Kirche befindet sich auf dem Altar, für alle Betenden sichtbar, eine Nachbildung der Bundeslade. Der jüdische Sabbat, der Samstag, ist neben Sonntag ein religiöser Feiertag. Während des Gottesdienstes, werden die frommen Chorsänger von Flöten und Trommeln begleitet – eben so wie in der Zeit des Psalmisten König Davids. Auch beschneiden äthiopische Christen ihre Jungen, halten Speisevorschriften, essen kein Schweinefleisch.
Alles das sind Regeln wie sie die hebräische Bibel vorschreibt.

Man sagt über die Christen Äthiopiens darum, sie seien »Judenchristen«, die nicht wie andere Christen überall auf der Welt, zuvor »Heiden« waren. Es waren Juden, die sich christianisierten, wahrscheinlich bereits im Jahr 316 – mehr als 60 Jahre bevor Rom das Christentum zur Staatsreligion erhob. Damit wäre Äthiopien der älteste christliche Staat der Erde.

Würde sich nun der Mythos über den Verbleib der Bundeslade tatsächlich in Äthiopien lösen, könnte man damit vielleicht die Heiligung dieses Landes erklären. Darum vielleicht schreiben manche, dass Äthiopien in zukünftigen, religiösen Ereignissen, eine besondere Rolle spielen wird.

Wappen des Königreichs Äthiopien - ewigeweisheit.de

Kaiserliches Wappen des Reiches Äthiopien (cc).

Die Felsenkirchen von Lalibela

Zwischen Ende des 12. und Anfang des 13. Jhd. herrschte in Äthiopien Kaiser Gebra Maskal Lalibela. Bis heute verehrt ihn die äthiopische Kirche als Heiligen.

Als Junger Mann floh Lalibela vor seinem Onkel ins Exil nach Jerusalem, wo er wahrscheinlich von 1160 bis 1185 lebte. Manche behaupten, er hätte damals Kontakt gehabt zum Orden der Templer. In 1185 kehrte er nach Äthiopien zurück, wo man ihn in Aksum zum Kaiser krönte. Als dieser regierte er Äthiopien bis 1221.

Zwei Jahre nach Lalibelas Einsetzung als äthiopischer Kaiser, eroberte die Armee Sultan Saladins Jerusalem. Die heilige Stadt fiel damit wieder an die Muslime. Wohl als Antwort auf die Eroberung Jerusalems, baute Kaiser Lalibela in Äthiopien, die nach ihm benannte Kirchenstadt. Dort ließ er elf mehrstöckige Kirchen aus rotem Basalt meißeln. Gestaltung und Namen der Kirchen sollten eine symbolische Abbildung der Stadt Jerusalem sein. Bis heute weiß niemand, wie und von wem, dieses bautechnische Wunder letztendlich vollbracht wurde. Hatte Lalibela sein Geheimwissen von den Templern erhalten? Waren es Hugo von Payns geborgene Kenntnisse aus den unterirdischen Gruften von Zions?

Andere behaupten, man hätte die Arbeit mit Hilfe des mythischen Shamir vollbracht, einer Art steinernem Rieseninsekt. Dieser »Steinwurm« soll bereits König Salomon beim Jerusalemer Tempelbau geholfen haben, schnitt Felsen, Holz und Metall. Denn herkömmliche Schneidewerkzeuge, die auch jemanden töten konnten (Hammer, Meißel), waren für diese sakrale Arbeit unangebracht – so die jüdische Legende. Den sagenhaften Shamir erhielt Salomon vom Asmodäus – dem König der Dämonen. Ob nun aber die Tempelritter ausgerechnet dieses Wurmwesen unter dem Tempelberg fanden: man weiß es nicht.

Der Bau der Kirchen von Lalibela bleibt äußerst rätselhaft. Dennoch verwirklichte der äthiopische Kaiser, durch den Bau dieser Wunderstadt, das alte, israelitische Erbe auf äthiopischem Boden. Bis heute ist der Ort wichtigste Pilgerstätte Äthiopiens.

Felsenkirche von Lalibela - ewigeweisheit.de

Felsenkriche Bete Giyorgis in der Königsstadt Lalibela (cc).

Befindet sich die Bundeslade in Äthiopien?

Im letzten Vers des 11. Kapitels der Johannes-Offenbarung, finden wir eine geheimnisvolle Beschreibung über den Aufenthaltsort der Bundeslade. Dort heißt es:

Und der Tempel Gottes im Himmel wurde aufgetan, und die Bundeslade wurde in seinem Tempel sichtbar; und es geschahen Blitze und Stimmen und Donner und Erdbeben und ein großer Hagel.

- Offenbarung 11:19

Dieser gewaltigen Beschreibung folgen weitere Verse, die umso interessanter erscheinen, wenn man sie auf Offenbarung 11:19 bezieht:

Und es erschien ein großes Zeichen im Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone aus zwölf Sternen. Und sie war schwanger und schrie in Kindsnöten und hatte große Qual bei der Geburt. […] Und sie gebar einen Sohn, einen Knaben, der alle Völker weiden sollte mit eisernem Stabe. Und ihr Kind wurde entrückt zu Gott und seinem Thron.

- Offenbarung 12:1-2,5

Nichts liegt näher, als die hier beschriebene Frau mit der Mutter Maria gleichzusetzen. Das Bild der Bundeslade in Offenbarung 11:19, auf Maria angewandt, die, nach christlicher Auffassung von Gottes Sohn erfüllt ist, verkörpert die »lebendige Lade eines neuen Bundes« zwischen Gott und der (christlichen) Menschheit.

Denket nicht, dass ich gekommen, das Gesetz (10 Gebote, Tora) oder die Propheten aufzulösen; nicht aufzulösen bin ich gekommen, sondern zu erfüllen.

- Matthäus 5:17

So wie die heilige Bundeslade der Israeliten, die Tafeln des Gesetzes (10 Gebote, Tora), Mosesstab und heilige Mannaschale enthielt, so trug später die Jungfrau Maria den Erlöser Jesus Christus in ihrem Leib – wurde selbst, wie einst die israelitische Bundeslade, zum Behältnis des Allerheiligsten:

Maria, in der der Herr selbst Wohnung nimmt, ist in Person die Tochter Zion, die Bundeslade und der Ort, wo die Herrlichkeit des Herrn thront.

- Aus dem katholischen Katechismus, Vers 2676

Wenn die hebräische Bibel die Bundeslade als Wohnstatt Gottes unter seinem Volk definiert, so könnte man, gemäß christlichem Dogma, Maria als Wohnstatt des inkarnierten Gottes sehen. In der Bundeslade befand sich die Tora, das Gesetz, wo das Wort Gottes in Stein geschrieben stand – in Marias Leib aber war das Wort Gottes nun Fleisch geworden:

Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

- Johannes 1:14

In der Bundeslade befand sich eine goldene Schale mit dem himmlischen Brot (Manna), dass die Israeliten in der Not ernährte – im Leib Marias wuchs das himmlische Brot des Lebens – etwas, das Unsterblichkeit bringt:

Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.

- Johannes 6:35

Diese Gegenüberstellung von israelitischer Bundeslade und der christlichen »Gottesmutter«, bringt uns noch ein Stück näher an die besondere Bedeutung des äthiopisch-orthodoxen Christentums, das ja sowohl die Gesetze der hebräischen Bibel, wie die des Neuen Testaments anerkennt. Das äthiopische Kebra Negest verwendet die Namen »Zion« und »Bundeslade« (darin als Gesetzeslade bezeichnet), darum wohl auch synonym:

Und Führer sei dir (Menelik) meine (Salomons) Herrin, die heilige himmlische Zion, die Gesetzeslade Gottes

- Aus Kebra Negest, Kap. 50

Wenn das Kebra Negest die Bundeslade nun schlicht »heilige himmlische Zion« nennt, liegt nahe, warum man der wichtigsten Kirche Äthiopiens, den Namen St. Maria von Zion gab. Es scheinen sich im äthiopischen Christentum die Symbole der Bundeslade Zions und Mutter Marias zu einen.

St. Maria von Zion

St. Maria von Zion ist die wichtigste Kirche Äthiopiens. Über Jahrhunderte krönte man dort die Kaiser. Das ursprüngliche Gebäude erbaute Kaiser Ezana, um 325 n. Chr. – in einer Zeit als sich Äthiopien christianisierte. Damit ist St. Maria von Zion die älteste Kirche der Welt.

80 Mio. äthiopische Christen glauben, dass sich die Bundeslade der Israeliten, in einer Kapelle befindet, die zur Gemeinde der St. Maria von Zion gehört. In diesem recht unscheinbaren Gebäude sollen die beiden Gesetzestafeln mit den Zehn Geboten ruhen, die Gott dem Moses auf dem Berg Sinai gab. Das zumindest weiß die äthiopisch-orthodoxe Priesterschaft von Aksum.

Die Kapelle St. Maria von Zion steht auf einem Gelände, das feste Eisengitter umzäunen. In diesem winzigen Areal, bewacht ein mit dieser Aufgabe betrauter und auf Lebenszeit dort eingesetzter Priester. Er ist verpflichtet den Rest seines Lebens an diesem Ort zu verbringen. Nur er kennt den geheimen Zugang in die Kapellenwand, worin die Bundeslade eingemauert sein soll. Bevor man den Wächter dereinst zu seiner letzten Ruhestätte trägt, verrät er seinem erwählten Nachfolger, diesen geheimen Zugang.

Die Lade, so einer der äthiopisch-orthodoxen Priester von Aksum, soll Wunder vollbringen, da sie ja selbst ein Wunder ist, das Wirklichkeit wurde. Gott soll die heilige Bundeslade dem äthiopischen Volk gegeben haben, da es dafür bestimmt war – auserwählt, die Bundeslade im Geheimen zu hüten.

Die Rückkehr der Bundeslade nach Jerusalem

Natürlich besteht darüber Skepsis, ob sich die Bundeslade tatsächlich in dieser kleinen, äthiopischen Kapelle befindet. Sicher bezweifeln das fromme, nichtäthiopische Christen und Juden, wenn sie überhaupt davon wissen. Ganz gleich aber, ob sich die Bundeslade in Äthiopien, in Israel oder sonst wo befindet: es wäre verheerend, würde der tatsächliche Aufenthaltsort der Bundeslade heute bekannt werden. Ihr Auftauchen könnte die derzeitige Weltpolitik ziemlich ins Wanken bringen. Dann nämlich hätten religiöse Fanatiker ein wichtiges Argument, den von Ezechiel prophezeiten, dritten Tempel in Jerusalem zu errichten (Ezechiel 40-47) – denn wofür sonst, wenn nicht für die Bundeslade, sollte man ihn bauen?

Dieser goldene Kasten, wo immer er sich befindet, enthält die heiligsten Insignien der Israeliten. Es war aber vor allem eine heilige Apparatur, zum Schutz des Volkes. Diese Schutzfunktion wurde gemäß der heiligen Schrift später ausgeweitet, zu einem Konzept martialischer Macht. Das bezeugen, wie wir zeigten, die verschiedenen Berichte der hebräischen Bibel (Philister-Krieg, Kampf um Jericho). Doch sobald diese Art Gegenstand seinen Zweck erfüllt hat, verschwindet er mit der selben zerstörerischen Kraft, wie er einst selbst zur Zerstörung eingesetzt wurde.

Frieden und Reichtum

Man baute für die Bundeslade den Salomonischen Tempel, als sich Israel in einer Hochphase befand. Nicht zufällig beschreibt die Bibel Salomons üppige Reichtümer. Er benötigte sie. Wie sonst hätte er den ersten Tempel bauen können. Es scheint eine einzigartige Periode in der jüdischen Geschichte gewesen zu sein, die sich im selben Ausmaß nicht wiederholte.

In einem einzigen Jahr wurden König Salomo 666 Zentner Gold geliefert. Dazu kam noch das Gold, das er als Steuer von den Großkaufleuten und Händlern und als Abgabe von seinen Provinzverwaltern und den arabischen Königen erhielt.

- 1. Könige 10:14-15

Glaubt man also den alt-hebräischen Schriften, scheint es den Israeliten während der Salomonischen Herrschaft, sehr gut gegangen zu sein. Man genoss Frieden und Reichtum und lebte in Verhältnissen, die sich nach Salomons Tod nicht wiederholen sollten. Gut möglich, dass nicht all zu lange nach Salomons Tod, die Bedeutung der Bundeslade für die Juden vorübergehend verblasste. Besonders nachdem sie im 6. Jhd. v. Chr. verschwand.

In den Jahrhunderten nach Salomons Herrschaft, nahm auch das Funkeln der prächtigen Königsdynastien schließlich immer weiter ab. Irgendwann wandte sich die martialische Kraft der Bundeslade, wie es scheint, gegen sich selbst und gegen das Volk Israel. Dort wo sie einst auf dem Berge Moriah stand, kam es immer wieder zu kriegerischer Gewalt und Zerstörung. Das bestätigen uns leider auch immer wieder, jüngere Ereignisse auf dem Jerusalemer Tempelberg.

Würde die Bundeslade heute also auftauchen, was wären die Folgen? Bestenfalls wäre damit der Frieden im Heiligen Land gesichert – oder aber das Kommen des gefürchteten »Jüngsten Tages« endgültig besiegelt.

In der letzten Zeit (Endzeit) aber wird der Berg mit dem Tempel des Herrn fest gegründet stehen als der höchste unter den Bergen und über die Hügel erhaben sein, und alle Heiden werden zu ihm strömen

- Jesaja 2:2

Muslimische Theologen würden diesen Vers wahrscheinlich zu ihren Gunsten interpretieren. Bis zu diesem Zeitpunkt aber, werden sich wahrscheinlich noch einige Dinge ändern: für Juden, Christen und Muslime.

Das äthiopische Kebra Negest schreibt, dass eine Rückkehr der Bundeslade nach Jerusalem unmöglich ist. Angeblich entscheidet dieses göttliche Instrument selbst, wann es seinen irdischen Aufenthaltsort wechselt. Wann dieser Zeitpunkt aber eintreffen könnte: niemand weiß es. Auch von den Hohepriestern im äthiopischen Aksum, fehlt dazu jeder Kommentar. Sie sind und bleiben dazu verpflichtet, über die wahre Bedeutung und den eigentlichen Aufenthaltsort der Bundeslade zu schweigen.

Du könntest sie (die Bundeslade) sicher nicht nach Jerusalem zurückbringen, wenn du auch wolltest, und auch dein Vater sie nicht fortnehmen, wenn er wollte; denn sie selbst geht, wohin sie will, und sie kann von ihrem Wohnsitz nicht weggenommen werden, wenn sie nicht will.

- Aus Kebra Negest, Kap. 53

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