Was bedeutet das Symbol von Rose und Kreuz?

von S. Levent Oezkan

Rose und Kreuz sind die symbolischen Erkennungszeichen des Kabbalisten und Alchemisten Frater Christianus Rosencreutz (1378-1484). Er gilt als der höchste christlichen Eingeweihte und ist laut Legende, Begründer des mystischen Ordens der Rosenkreuzer. Der Titel "Rosenkreuzer" bezeichnet das esoterische Christentum.

Zwar war Christian Rosenkreuz nicht der Verfasser, wird aber in den drei wichtigsten, aus dem 17. Jhd. stammenden, rosenkreuzerischen Schriften erwähnt: im Rosenkreuzer-Manifest Fama Fraternitatis (1614), in der Confessio Fraternitatis (1615) und in der Chymischen Hochzeit des Christian Rosenkreutz (1616).

Damit wir aber unseren geliebten Vater Frater Christian Rosenkreutz nicht vergessen, ist der selbe nach vielen müheseligen Reisen und übel angelegten treuen Informationen, wiederum nach Deutschland gezogen, welches er herzlich lieb hatte, all da, ob wohl er mit seiner Kunst, besonders aber der transmutatione metallorum (Umwandlung der Metalle) wohl hätte können prahlen, ließ er ihm doch den Himmel und dessen Bürger, den Menschen viel höher angelegen sein

- Aus der Fama Fraternitatis

Die Legende sagt, Christian Rosenkreutz erfuhr von den esoterischen Weisheiten des Mittleren Ostens, der Türkei, Arabiens und aus dem alten Persien. Dort begegnete er großen Meistern, die wahrscheinlich Sufis waren, bestimmt auch zoroastrische Hohepriester. Seine Reisen unternahm er vielleicht Anfang des 15. Jhd. Als er nach Europa zurückkehrte, gründete er die Bruderschaft des Rosenkreuzes.

Christian Rosenkreutz ließ einen Tempel errichten, den er das Haus des Heiligen Geistes (Templum Sanctus Spiritus) nannte. 120 Jahre nach seinem Tod, soll ein Mitbruder des Rosenkreuzer-Ordens, dort den vollständig erhaltenen Leichnahm gefunden haben. Er befand sich in einem heptagonalen Raum, der von Christian Rosenkreutz selbst als Studienzimmer errichtet wurde.

In der Crypta des Sarkophags fand er einen geheimnisvoller Satz eingraviert:

Jesus mihi omnia, nequaquam vacuum, libertas evangelii, dei intacta gloria, legis jugum
Jesus bedeutet mir alles, niemals leer, die Freiheit des Evangeliums, die unberührte Herrlichkeit Gottes, Joch des Gesetzes

Das war wohl als Hinweis gemeint, dass der Erbauer des Raumes ein Christ gewesen war. Dieser Raum soll sich im Innern der Erde befinden, was gewiss auch an das Motto der Alchemisten erinnert:

Visita Interiora Terrae Rectificando Invenies Occultum Lapidem
Siehe in das Innere der geläuterten Erde, und du wirst den geheimen Stein finden, die wahre Medizin.

Johann Valentin Andrae – ewigeweisheit.de

Johann Valentin Andrae (1586-1654).

Symbol des Rosenkreuzes

Das Rosenkreuzertum ist wahrscheinlich älter als das Christentum und hatte seinen Ursprung womöglich schon im alten Ägypten.

Oft wird das Kreuz mit dem menschlichen Körper assoziiert. Die Rose steht für die persönliche Entfaltung eines höheren Bewusstseins. Meist aber stehen die Lehren des esoterischen Christentums im Vordergrund. Als wichtigste Schrift seien hier wohl zu nennen, die "Geheimen Figuren der Rosenkreuzer". 

Ursprünglich zeigt dieses Symbol ein hölzernes, manchmal ein schwarzes oder auch ein goldenes Kreuz, an dem sich eine weiße oder eine rote Rose befindet. Dieses Symbol steht für die Lehren der esoterischen Traditionen des Westens, deren zentralen Grundsätze auf den Lehren des Christentum basieren. 
Andere sagen, die Rose stehe für die Stille, während das Kreuz ein Symbol für die Erlösung ist. Diese Befreiung aus den irdischen Kreisläufen zu entrinnen, dem widmeten sich die Rosenkreuzer. Sie lehrten und lehren der Menschheit, die Liebe Gottes, wie auch die edle Gesinnung ihrer Bruderschaft.

Wieder anderen galt das Rosenkreuz als Symbol menschlicher Fortpflanzung, die aber nicht auf irdisch-materieller, sondern auf geistiger Ebene erfolgt: da ist die Rose weiblich, das Kreuz aber männlich. Und da Wiedergeburt der Schlüssel zur geistigen Existenz ist, führte das zum Symbolismus von Rose und Kreuz. Beide Symbole stehen zusammen für die Erlösung des Menschen durch die Vereinigung seiner niederen, zeitlich begrenzten Erscheinung und der höheren, ewigen Natur.

Robert Fludd: Dat Rosa Mel Apibus – ewigeweisheit.de

Dat Rosa Mel Apibus – Die Rose gibt den Bienen Honig. Zeichnung von Robert Fludd (1574-1637).

Ursprung des Geheimordens von Rose und Kreuz

Die Legende der Rosenkreuzer geht zurück auf den Theologen und Sozialreformator Johann Valentin Andreae (1586-1654). Aus seiner Feder stammte wohl auch die "Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreuz". Doch die darin gewiss angekündigte Reformation ist nicht tatsächlich als Programm zu verstehen.

Der eigentliche Geheimorden der Rosenkreuzer wurde aber bereits im 14. Jhd. gegründet, als ein Collegium mystischer Heiliger. Ursprünglich erwuchs der Geheimbund aus den esoterischen Traditionen des Westens. Für diese aus dem Verborgenen wirkenden Bruderschaft, steht der symbolische Name "Christian Rosenkreuz". Seine Erscheinung im Mittelalter, sollte eine neue Phase des Christentums einleiten. Schließlich entwickelten sich Kultur und Menschheit weiter - was für die Rosenkreuzer darum auch in der christlichen Religion zu einem Wechsel führen sollte. Zwar gibt es keine offensichtlichen Verbindungen zu Martin Luther oder Huldrych Zwingli, dennoch aber scheint dieser christliche Zeitgeist zur Reformation der Kirche, wenn auch indirekt, beigetragen zu haben.

Was meinet ihr nun, liebe Leute, und wie ist euch zumute, nachdem ihr nun versteht
und wisst, dass wir uns zu Christo rein und lauter bekennen, den Papst verdammen, der
wahren Philosophie zugetan sind, ein christlich Leben führen und zu unserer Gesellschaft
noch viele andere, denen eben dieses Licht von Gott auch erschienen, täglich berufen,
einladen und anbieten?

- Confessio Fraternitatis XIII

Es heißt, der Orden der Rosenkreuzer agierte seit Anfang der Renaissance aus dem Verborgenen. Unter ihnen waren einige Genies aus der westlichen Welt, von denen manche auch Verbindungen zu den Freimaurern pflegten. Jene edlen Geister waren Literaten, Kulturschaffende, Politiker, Religionsoberhäupter und bekannte Wissenschaftler.

Der berühmte Arzt Paracelsus (1493-1541), den man auch den "Luther der Medizin" nannte, bezeichnete die Rosenkreuzer als von Gott "verzückt" und so "begeistert" in den Himmel erhoben wurden, wo sich Christian Rosenkreutz angeblich bis zum heutigen Tag aufhält. Kein Irdischer wusste was aus ihm wurde - und doch sah man ihn auch auf Erden wandeln.

Ende des 18. Jhd. sagte der deutsche Mystiker Karl von Eckartshausen (1752-1803) folgendes, über die Adepten des Rosenkreuzes:

Diese kleine Gruppe Heiliger, sind Kinder des Lichts, die den Kräften der Finsternis entgegen stehen. Sie mögen keine Mystifizierung und Geheimnistuerei. Sie sind offen und direkt. Nichts haben sie zu schaffen mit Geheimgesellschaften und irgendwelchen äußeren Zeremonien. Sie haben einen spirituellen Tempel, worin Gott gegenwärtig ist.

 

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