Verlangen

von Jens Thiele

Der Mensch ist getrieben von Verlangen, von Genuss und dem Willen Freude zu empfangen. In den spirituellen Traditionen wie z. B. im Christentum, in der Kabbala und im Buddhismus wird dieses menschliche Grundbedürfnis thematisiert.

Der theologische Begriff Konkupiszenz stammt von dem lateinischen Wort cocupiscentia, was heftiges Verlangen oder Begierde bedeutet. Er bezeichnet die Neigung oder den inneren Drang des Menschen zum Bösen und zur Sünde.

Die Kabbalisten sprechen in diesem Zusammenhang von „Verlangen zu empfangen“. Durch dieses Verlangen werden all unsere Handlungen, Gedanken und Gefühle gesteuert.

Im Buddhismus wird besonders auf die irdischen Leidenschaften hingewiesen. Hier gibt es zwei Arten von Leidenschaften, die die Buddha-Natur verdecken. Zum einen gibt es Leidenschaften des Intellekts und zum anderen Leidenschaften der Emotionen. Diese wiederum wurzeln in der Unwissenheit und der Begierde, die als Quellen allen Leidens betrachtet werden.

Nun verhält es sich wohl so, dass wir durch die Überwindung der Begierden zurück in den Garten Eden finden. Dies führt zu der Vereinigung mit dem Göttlichen bzw. zum Buddha-Bewusstsein. Dem Menschen ist die Bürde auferlegt, dem Verlangen nach der Sünde zu widerstehen, will er sich erhöhen, dienen und das Licht in sich kultivieren. Unabhängig davon, wie Sünde definiert wird, ist das Verlangen etwas, das der Mensch mäßigen sollte. Wobei es nicht darum geht, sich zu geißeln, mit Stränge und Härte gegen die eigenen Bedürfnisse vorzugehen, sondern vielmehr eine Bewusstheit über die eigenen Bedürfnisse zu erlangen, um in einem größeren Handlungsspielraum nicht Sklave der eigenen Impulse zu sein.

Kommentare

Darf ich eine Frage stellen?
Welches Bedürfnis besteht, wenn jemand, sagen wir Mal geizig ist? Das Bedürfniss nach Geld (materiell) oder das Bedürfniss nach Gier oder Macht (geistig) ?
Und welches Bedürfniss war/ist zuerst?

Ich denke, dass Geiz das Bedürfnis nach Kontrolle und Sicherheit ausdrückt.
Kontrolle von anderen: "Ich muss andere zum Sparen anhalten".
Kontrolle über sich selbst: "Ich muss zusammenhalten was ich habe."
Bedürfnis nach Sicherheit: "Man weiß nicht, was noch passieren wird."

In dem Wort Begierden steckt ja das Wort Gier, und eben diese Begierden sind nach Auffassung vieler Traditionen die Ursache von Leid.

Es gibt wohl einen Unterschied zwischen Bedürfnissen und Begierden, wobei sie eine gleiche Basis haben. Es ist das Verlangen. So können aus Bedürfnissen Begierden werden, die sich z.B. in Gier, Macht oder Geiz äußern.

Zu deiner Frage: "Und welches Bedürfnis war/ist zuerst?"
Ich denke, dass die materiellen Grundbedürfnisse zuerst kommen.

Ich denke, dass das Materielle immer nur Ausdruck von geistigen und seelischen Belangen ist. Die Frage nach dem Warum beantwortet dies zumeist sehr eindeutig.
Um im Beispiel „Geiz“ zu bleiben: wenn die Frage auf das Warum mit Sicherheit und Kontrolle beantwortet wird, sind Sicherheit und Kontrolle nicht materiell. Sie manifestieren sich in der Tätigkeit die den Geiz bekundet, oder nach außen trägt. Anhäufung von Geld und Besitz, als Beispiel.