Neuplatonismus

Das Schicksal der Seelen im Jenseits

von Johan von Kirschner

Seele - ewigeweisheit.de

Platons Hauptwerk »Der Staat« schließt mit einem recht ungewöhnlichen Diskurs. Es geht da um das Leben der Seelen im Kosmos nach dem Tod. Über viele Jahrhunderte hinweg, sollte die darin beschriebene, außergewöhnliche Fabel das religiöse und philosophische Denken im Westen beeinflussen.

Es ist ein Dialog des Philosophen Sokrates mit seinem Schüler Glaukon, einem älteren Bruder des Platon. In dieser beeindruckenden Erzählung erfahren wir von einem Mann namens »Er« (griechischer Genitiv von »Heros«, der Held), der anscheinend in einer Schlacht zu Tode kommt. Als man die Leichen der Gefallenen jedoch einsammelt, war die des Er noch nicht verwest und nach zwei Tagen erstand er, wie durch ein Wunder, zu neuem Leben auf. Hierauf erzählte er jenen die ihn trafen, von seiner zwölftägig erlebten Reise durch das Jenseits.

Zwischen Himmel und Erde

Worüber Er da sprach, war seine zwölftägige Vision im Jenseits – ja also die seiner Seele –, wo er in seinem Astralleib durch die himmlischen Sphären reiste, auf dem Weg zu eben dieser, seiner Wiedergeburt. Und das hatte einen Grund. Er nämlich erfuhr so, wofür die Menschen, die ein rechtschaffenes Leben führten, belohnt und jene schlecht oder unmoralisch handelnden, nach dem Tode bestraft wurden:

Nachdem seine Seele aus ihm gefahren, sei er mit vielen anderen gewandelt, und sie seien an einen wunderbaren Ort gekommen, wo in der Erde zwei nahe an einander stoßende Öffnungen gewesen seien, und am Himmel gleichfalls oberhalb zwei andere ihnen gegenüber.

- Aus dem 10. Buch der Politeia, »Der Staat«

Zwischen diesen Öffnungen saßen himmlische Richter, die den Seelen befahlen diesem Weg zu folgen: Die guten Seelen führte man von dort gen Himmel, jene aber an denen Sünde und Frevel haftete, sie kamen unter die Erde, wo über sie erneut gerichtet wurde.

Als sich nun aber Er den Richtern näherte, sagte man ihm, er solle innehalten, um diesem und weiteren sagenhaften Ereignissen beizuwohnen, damit er dereinst seinen Mitmenschen über diese Erfahrungen berichte.

So kam es also, dass sich vor seinem Angesicht ganz sonderbare Dinge abspielten. Die geläuterten Seelen reiner Gemüter kamen da aus der einen Himmelsöffnung herab und erzählten ihm von der paradiesischen Pracht derer sie ansichtig werden durften. Sie alle ließen ihn Anteil haben an wahrhaft ehrfurchtgebietenden Vorahnungen.

Als er aber jene sah, die da ganz besudelt aus irdischem Untergrund hervorkrochen, erschrak er: Sie waren vollkommen erschöpft, verstört und weinten jämmerlich, während sie zitternd verlauten ließen von dem Schrecken, der ihnen dort widerfahren war. Jede von ihnen, so erfuhr Er, hatte einen zehnfachen Preis dafür zu bezahlen, was sie an bösen Taten in ihrem Menschenkörper der Vergessenheit zu Lebzeiten begangen hatten. Andere davon sogar waren dazu verdammt, in jenen höllischen Tiefe des Untergrunds zurückzubleiben. Zu ihnen zählten alle Mörder, doch auch die schrecklichen Tyrannen und auch andere Kriminelle die zu Lebzeiten Menschen schlimmes Leid angetan hatten.

Er und jene anderen dort angekommenen Seelen aber waren an diesem sagenhaften Ort über sieben Tage und mussten, wie man im 10. Buch der platonischen Politeia, »Der Staat«, weiterliest

sich an dem achten (Tag) aufmachen und von hier an weiterwandern, und da wären sie dann am vierten Tage in eine Region gekommen, wo man von oben herab einen durch den ganzen Himmelsraum über die Erde hin ausgebreiteten geraden Lichtstrom gesehen habe, wie eine Säule, ganz dem Regenbogen vergleichbar, aber heller und reiner.

Diese Säule hieß »Spindel der Notwendigkeit«, in deren Nähe sich mehrere Frauen aufhielten: Annanke – die Personifizierung des blinden Zufalls im Leben, jene oberste Macht, der selbst die Götter gehorchen –, sowie ihre drei Töchter Lachesis, Klotho und Atropos und die sagenhaften Sirenen (deren Name anscheinend sinnverwandt ist mit dem Namen des Fixsterns Sirius, der im Alten Ägypten zwar heilig, den Griechen aber anscheinend als unheilbringend galt).

Die Seelen – mit Ausnahme der des Er – ordnete sie reihenweise und aus dem Schoß der Schicksalsgöttin Lachesis, nahm einer Lose, auf denen viele verschiedene Grundrisse für Lebensweisen verzeichnet standen. Von diesen Losen gab es mehr, als Seelen anwesend waren. Jede von ihnen erhielt davon, ihrer Reihenfolge nach, also ein ganz einmaliges Los. Daraufhin bat man sie den Grad ihrer Tugend für ihre nächste Inkarnation auszuwählen.
Ihre Wahl brachte dabei einen vollkommenen Wechsel der Lebensverhältnisse der folgenden Inkarnation mit sich, im Vergleich zu ihrem früheren Leben.

Als Er da sprach, erinnerte er sich dabei an die ersten Seelen, die sich für ein neues Leben entschieden hatte. Darunter war ein Mann, der weder die Schrecken des Untergrunds kannte, noch irgendwelche Mühsal, doch für seine Tugenden im Himmel reichlich belohnt worden war. Der entschied sich mal eben schnell dafür ein mächtiger Diktator zu werden, ohne zu realisieren, welche Bedeutung das für seine Existenz, im für ihn darauf folgenden Jenseits für Konsequenzen hatte. Leichtsinnig wählte er somit die falsche Lebensform. Denn bei weiterer Betrachtung stellte er plötzlich fest, dass er unter anderem zu Grausamkeiten bestimmt war, wie dass er seine eigenen Kinder fressen werde. So vernommen erkannte diese Seele dann ratlos, dass es schon zu spät war noch umzukehren.

Die Seelen, die dagegen in der Unterwelt bestraft wurden, waren mit der Mühsal vertraut und wählten daher nicht übereilt, eine bessere Inkarnation. Viele bevorzugten da ein Leben, das sich von ihren früheren Erfahrungen vollkommen unterschied. Tiere wählten Menschenleben, während Menschen oft das scheinbar einfachere Leben von Tieren wählten.

Nachdem diese Wahl nun erfolgt war, beobachtete Er, wie jeder Seele ein Schutzgeist zugewiesen wurde, der ihr durchs Leben helfen sollte. Sie passierten unterhalb des Thrones der Annanke und reisten hernach weiter in eine Ebene, wo die Lethe rauschte – der Fluss des Vergessens.

Notwendig müssten nun freilich alle ein gewisses Maß von diesem Wasser (der Lethe) trinken; die aber durch Vernunft sich nicht wahren ließen, tränken über jenes Maß, und wer immerfort davon tränke, der vergesse alles.

- Aus dem 10. Buch der Politeia, »Der Staat«

Während sie tranken, konnte sich ihre Seele also an nichts mehr erinnern, was ihr da im jenseitigen Zwischenreich widerfahren war, noch an das, was sie in früherem Leben war. All das erlebte Er jedoch nicht selbst, sondern schaute wieder nur dabei zu, wie sich all das vor seiner Seele abspielte. Des Nachts im Schlaf wurde dann jede Seele zu ihrer Wiedergeburt in verschiedene Richtungen gehoben, um ihre Reise abzuschließen.

Als aber Er, das heißt also seine Seele, in seinen Körper zurückkehrte, da öffnete er die Augen und fand sich des Morgens, zusammen mit den anderen verstorbenen Leibern, auf einem Scheiterhaufen. Er aber lebte, denn er sollte sich an seine Reise, die ihn durch das Leben nach dem Tod führte, erinnern, um das dort Erfahrene mit den lebenden Menschen zu teilen.

Die Bedeutung des Beschriebenen

In seinem Dialog mit Glaukon lehrte ihm Sokrates, dass die Seele unsterblich sein muss und nicht zerstört werden kann. Was Glaukon daraus vor allen Dingen erkannte, war, dass die Entscheidungen, die er im Leben traf, und der Charakter, den er um seine inkarnierte Seele entwickelte, für diese, nach seinem Tod, Konsequenzen haben müsse. Was Sokrates nämlich mit seinem »Mythos des Er« beschreiben wollte, war, wie die wahren Charaktere der Seelenträger, nach dem Tod des Körpers, an die Oberfläche kommen, so als wären sie plötzlich aus einer verborgenen Lebensmitschrift aufgetaucht und verwandelt worden, in tiefgreifende Gerichtsurteile, die man in einem Tribunal der Seele vor göttlichen Richtern fällte (man vergleiche etwa die Rolle des Schreibergottes Thoth des ägyptischen Mythos vom Seelen-Gericht, der Notiz führte, über jede Handlung, jedes Gefühl und jeden Gedanken der Seele während ihrer Inkarnation).

Jene Seelen heuchlerischer Frömmler aber, sowie derjenigen, die ein habgieriges oder materialistisch geprägtes Leben führten, wurden dort zwar gebeten das Los eines anderen Lebens zu wählen, entschieden sich aber dennoch für die Inkarnation in das Leben eines Tyrannen.

Andere, die in ihrem früheren Leben ein glückliches, aber mittelmäßiges Leben geführt hatten, wählten meist dasselbe für ihr zukünftiges Leben. Nicht aber aus Weisheit, sondern schlicht ihrer Gewohnheit nach.

Alle Seelen aber, die man während ihrer letzten Inkarnation mit unendlicher Ungerechtigkeit behandelt hatte, zweifelten an der Möglichkeit eines guten menschlichen Lebens. In ihrer Resignation wählten sie dann als Tiere wiedergeboren zu werden.

Das Leben des Philosophen aber ermöglicht es gute Entscheidungen zu treffen, wenn es, so Sokrates, zu dieser Wahl einer neuen Inkarnation kommt. Solch »philosophisches Leben« nämlich identifiziert ein Lebensgefühl, das geprägt ist durch erfahrene Welterkenntnis. Während hingegen Erfolg, Ruhm und Macht zwar vorübergehende himmlische Belohnungen oder hingegen höllische Strafen bringen, wirken sich philosophische Tugenden immer zum eigenen Vorteil aus.

Die Spindel der Notwendigkeit

Schema von der ptolemäischen Unterteilung des Himmels - ewigeweisheit.de

Das Schema der Himmelssphären nach Petrus Apianus (1539):

11. Feuerhimmel, Wohnstatt Gottes und aller Auserwählten
10. Himmel der ersten Ursache
9. Kristallhimmel
8. Das Himmelsfirmament
7. Himmel Saturns
6. Himmel Jupiters
5. Himmel des Mars
4. Himmel der Sonne
3. Himmel der Venus
2. Himmel Merkurs
1. Himmel des Mondes

Im Zentrum die Erde.

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Richten wir unseren Blick nun aber noch einmal auf den weiteren Verlauf des Dialoges zwischen Sokrates und Glaukon. Da war ja die Rede von einem Lichtstrom, der sich über die Erde hin ausbreitet. Wahrscheinlich wurde damit angespielt auf ein aus dem Feuerkern des Erdinnern aufsteigendes Strahlen. Mitten in diesem Licht hatte Er beobachtet

wie die äußersten Enden der Himmelsbänder am Himmel angebracht seien; denn nichts anderes als jener Lichtstreif sei das Land des Himmelsgewölbes, wie etwa die verbindenden Querbänke an den Dreiruderern, und halte so den ganzen Himmelskreis zusammen; an jenen Enden aber sei die Spindel der Notwendigkeit angebracht, durch welche alle möglichen Sphären bewegt würden; daran seien nun Stange und Haken aus Stahl, der Wirtel aber (d. h. der Quirl, der alles in seiner Drehbewegung hält) habe aus einer Mischung aus Stahl und anderen Metallarten bestanden.

- Aus dem 10. Buch der Politeia, »Der Staat«

Jene »Spindel der Notwendigkeit«, von der oben bereits die Rede war, und die sich auch als kosmische Lichtsäule betrachten ließe, wird im Schoße der Göttin Annake, von ihren drei Töchtern und den Sirenen, in kreisförmiger Bewegung gehalten.

eine jede auf einem Throne, nämlich die Töchter der Notwendigkeit, die Parzen (griechisch »Moiren«), in weißen Gewändern und mit Kränzen auf dem Haupte: Lachesis, Klotho und Atropos, und sängen zu der Harmonie der Sirenen; Lachesis besänge die Vergangenheit, Klotho die Gegenwart, Atropos die Zukunft. Und Klotho berühre von Zeit zu Zeit mit ihrer rechten Hand den äußeren Umkreis der Spindel und drehe sie mit, Atropos ebenso die inneren Umkreise mit der linken, Lachesis aber berühre abwechselnd die inneren und äußeren mit beiden Händen.

- Aus dem 10. Buch der Politeia, »Der Staat«

Hiermit, und im weiteren Verlauf »Des Staats«, lesen wir wie Sokrates dem Glaukon den Umlauf der Himmelskörper um die Erde erklärt, wo also im Zentrum sich unentwegt die Spindel der Notwendigkeit dreht.

Auf dem Wirbel dieser »Himmelsspindel« aber befinden sich acht »Umlaufbahnen«, von denen jede einen perfekten Kreis bildet. Platon beschreibt Sokates' Schilderungen dazu, als eine bestimmte Farbe tragend, was sich jedoch als die Himmelsbahnen der Fixsterne und der sieben klassischen Planeten identifizieren lässt:

  1. In der Farbe des Regenbogens erscheinen da die Sterne des Tierkreises,
  2. die Umlaufbahn des Saturn ist gelblich,
  3. ganz weiß die des Jupiter,
  4. rötlich die Umlaufbahn des Mars,
  5. gelblicher die des Merkur,
  6. ein leichteres Weiß trägt jene der Venus,
  7. am glänzendsten aber ist die der Sonne, und
  8. die silbrige Umlaufbahn des Mondes beleuchtet die Sonne.

In dieser Topographie des Weltalls, beschreibt Platon damit also quasi das System, über das die Seelen in eine weitere irdische Inkarnation zurückkehren, da diese ja eben an der Spindel der Notwendigkeit, in ein weiteres Menschenleben eintreten. Die Spindel aber gleicht einem ganzen Strom von Seelen, die die Annake aus ihrem Schoß in ein neues Leben, in den Tierkreis entlässt. Über die »Stufenleiter« der sieben klassischen Himmelskörper, kommen diese Seelen von dort zu einem bestimmten Zeitpunkt auf die Erde, einen neuen Körper annehmend.

Was jenen Seelen aber widerfährt, die, wie Sokrates meinte, aus einem philosophischen Leben dorthin zurückkehrten, könnte einer Errettung gleichen:

wir werden dann glücklich über den Fluss Lethe setzen und uns an unserer Seele nicht besudeln. Wenn wir daher meiner Meinung folgen, so wollen wir daran festhalten, dass die Seele unsterblich ist und alle möglichen Übel überlebt und alles Gute bekommen könne, wollen immer den Weg nach oben im Auge haben, wollen mit vernünftiger Einsicht auf allen unseren Wegen Gerechtigkeit üben. Und so werden wir mit uns selbst und den Göttern lieb sein, sowohl in diesem jetzigen Leben als auch dann, wenn wir den Kampfpreis dafür davontragen, und ihn wie die Sieger ringsum einsammeln, und werden sowohl hienieden als auch in der von uns beschriebenen tausendjährigen Wanderung glücklich sein.

- Schluss des 10. Buch der Politeia, »Der Staat«

Werden sie danach überhaupt je wiederkehren müssen?

 

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Freundeskreis der Edition Ewige Weisheit

Innere Weisheiten vermitteln - Spirituelle Erfahrungen teilen: Gemeinsam.

Riesige, immer neue Wogen an Informationen münden heute mehr und mehr ins Uferlose. Nur sehr wenig davon verdient als wahres Wissen gewertet zu werden.

Wer aber in Berührung kam mit innerer Welterkenntnis, der vermag auch, jenseits dieser gegenwärtigen Informations-Krise, neue Wege zu entdecken, die ihn zu wahren Weisheiten führen können.

Was man heute Wissen nennt, hat mit Weisheit doch nur wenig zu tun. Eher vergrößert vieles davon die Probleme unseres Daseins, im Informations-Strudel einer sich ständig verändernden Welt der Moderne.

Das, woraus sich unser alltägliches Wissen ursprünglich bildete, geht zurück auf ein inneres, ein esoterisches Wissen, das sich als Urwissen der Menschheit bezeichnen ließe. Vielen Menschen der Gegenwart aber ist nicht bewusst, dass so etwas überhaupt existiert – oder – sie solch Wissen nur oberflächlich betrachtet, als unwichtig einschätzen.

Wer jedoch von dem Urwissen der Ewigen Weisheitstraditionen der Welt erfährt, dem dürfte sich auch der Sinn unseres Daseins allmählich entfalten.

In solch universalem Bewusstsein, für eine allem Wissen zugrunde liegenden Urtradition, können wir entsprechend handeln und unsere gemeinsame Zukunft verantwortungsvoll bewältigen.

Das Ziel des Freundeskreises

Das Wirken des Freundeskreises prägt ein zentrales Ziel: Die traditionellen Weisheitslehren aus West und Ost stärker mit ihrem gesellschaftlichen Umfeld, im deutschsprachigen Raum zu verbinden – durch Bildungsarbeit und die ideelle Unterstützung von Menschen in Ihrer Bewusstseinsfindung.

Er trägt dazu bei, die geistigen und kulturellen Werte, einer allen spirituellen Traditionen zu Grunde liegenden Weisheit, zu fördern und zu verbreiten. Diese Weisheit nahm ihren Ursprung in den alten Menschheitskulturen. In ihr spiegeln sich bis heute die Wesensmerkmale eines inneren Wissens der Menschheit.

Dazu zählen die Weisheiten und Erkenntnisse aus der Hermetik, der Alchemie, der Kabbala, des Neuplatonismus, der Gnosis, der christlichen Mystik,  des Sufismus, des Vedanta, des Taoismus, des Schamanismus und der Traditionen indigener Spiritualität.

Die damit zusammenhängenden Überlieferungen führen den Einzelnen an die Tore höherer Bewusstheit für das, was in ihm verborgen ist, doch erkannt werden will.

Aus der im Freundeskreis erfolgenden Zusammenarbeit, soll im Jahr 2022 eine Stiftung hervorgehen, die Menschen im deutschsprachigen Raum ermöglicht, Freundschaften zu schließen, im Bewusstsein eines gemeinschaftlichen Ursprungs der traditionellen Weisheitslehren der Menschheit.

Diese Stiftung will Orte auf Erden schaffen, die spirituelle Zufluchtsstätten für all jene bereitstellen, die sich dem Trubel der modernen Welt des Alltags entziehen möchten – mit dem Zweck, einen kraftvollen Strang im tief verwurzelten Urwissen der Menschheit für sich zutage zu fördern.

Die Arbeit des Freundeskreises

Das, was aus der Wiege unserer Menschheitskultur, sich als spiritueller Impuls so kraftvoll in Bewegung setzte, um sich auf der Erde auszubreiten, will der Freundeskreis Menschen unserer Gesellschaft vermitteln, die die wesentlichen Weisheitslehren oben genannter Traditionen zu erfahren wünschen.

Es ist im Sinne des Freundeskreises der Edition Ewige Weisheit, wegen einer scheinbar überall aufdämmernden Zeitenwende, möglichst vielen Menschen das nahe zu bringen, was das innere Wissen der Kulturen in West und Ost zu tragen vermag – im Leben des Einzelnen, wie auch im Zusammenleben der Menschen untereinander.

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Neuplatonismus: Eine Wiederbelebung antiker Philosophie

Neuplatonismus: Eine Wiederbelebung antiker Philosophie

Plotin - ewigeweisheit.de

Im 3. Jahrhundert n. Chr. entstand im damaligen Römischen Reich eine neue Schule der Philosophie. Sie besann sich nicht nur zurück auf die Lehren Platons, sondern diese entwickelte daraus eine neue Form der Philosophie, weshalb man darum vom Neuplatonismus spricht. Der Usprung dieser philosophisch-religiösen Bewegung liegt zwar in Ägypten, sie sollte sich später aber von Rom aus im gesamten Römischen Reich verbreiten.

Als Gründer dieser philosophischen Schule gilt der im ägyptischen Alexandria geborene Philosoph Plotin (205-270), ein Schüler des Ammonios Sakkas (†242), der seinerzeit die Weiterentwicklung des Platonismus maßgeblich beeinflussen sollte. Heute geht man davon aus dass Plotins Philosophie ihren Grundzügen nach, mit der Lehre Sakkas' weitgehend identisch ist. Sakkas hinterließ allerdings kein Schriftwerk und man kann davon ausgehen, dass er, ähnlich wie vor ihm Pythagoras oder Sokrates, in einer rein mündlichen Tradition standen. Es ist darum aber angebracht eigentlich Ammonios Sakkas, als ursprünglichen Gründer des Neuplatonismus zu betrachten.

Plotin auf jeden Fall genoss im Römischen Reich großes Ansehen. Darum siedelte er im Jahr 244 um nach Rom, zwei Jahre nach dem Tod seines Meisters. Zu seiner Entwicklung dieser neuen Art des Platonismus sollten aber ganz wesentlich auch andere zeitgenössische Philosophen beitragen. Darunter wären der syrische Philosoph Iamblichos (245-325) zu nennen, sowie Porphyrios (233-305), ebenfalls Syrer, der außerdem zu Plotins berühmtesten Schülern zählte. Wir haben es vor allem Porphyrios zu verdanken, dass uns die Werke Plotins heute zur Verfügung stehen. Er nämlich ordnete sie zu dem was heute bekannt ist als die "Enneaden", worin sich Plotin mit verschiedensten Fragen seiner Zeit auseinandergesetzt hatte. Zentral in seinem Werk aber ist die Frage nach dem Wesen des Einen, dem höchst Seienden, also Gott.

Als weiterer wichtiger Neuplatoniker muss aber auch der Universalgelehrte Proklos (412-485) genannt werden. Er sollte einst wichtigster Wortführer der Schulrichtung des Neuplatonismus werden. Über fast fünf Jahrzehnte leitete Proklos die neuplatonische Schule Athens. Proklos' wichtigstes philosophisches Modell war die Emanationslehre, worin er von einer Vielfalt des Existierenden ausgeht, die nach ihm aus einer ursprünglichen, ungeteilten und alles umfassenden Einheit entstand.

Eine gewisse Rolle für den Neuplatonismus spielten aber auch ältere Systeme der Philosophie, wozu sicherlich die Weisheiten der Stoiker und der Pythagoreer zählen, die in der Renaissance der italienische Philosoph Marsilio Ficino wieder ins Bewusstsein seiner Zeitgenossen brachte.

Plotin - ewigeweisheit.de

Plotin (205-270 n. Chr.) antiker Philosoph und bekanntester Vertreter des Neuplatonismus.

Abgrenzung zum Platonismus

Plotin führte in der Spätantike die Tradition Platons fort. Damit aber sah er sich nicht als Erfinder eines neuen Systems der Philosophie, sondern versuchte, als Anhänger der Lehren Platons, daraus seine Darlegungen abzuleiten. Hierzu wäre insbesondere das platonische Werk Parmenides zu nennen, worin in Dialogform die Konzepte von Einheit und Vielheit, von Sein und Nichtsein beschrieben werden. Sie zählen zu den Kernkonzepten des Neuplatonismus.

In den fast sechs Jahrhunderten seit der Zeit Platons wurde dessen philosophische Tradition durch Plotin fortgeführt. Beginnend mit Aristoteles bildete sich aus Platons Philosophie der sogenannte Mittelplatonismus. Plotin sprach in seiner Fortsetzung dieser alten Tradition aber weiterhin von Platonismus. Erst im 18. Jahrhundert erhielt diese Schulrichtung den Namen Neuplatonismus, um damit eine tatsächiche Unterscheidung zur eigentlichen Philosophie Platons deutlich zu machen, auch wenn sich dennoch keine wirkliche Unterscheidung von Platons Werk bestimmen ließ. Es kam wohl erst durch den Theologen Friedrich Schleiermacher (1768-1834) zu dieser eigentlichen Abgrenzung. Anfang des 19. Jahrhunderts. Der nämlich hatte die Werke Platons ins Deutsche übersetzt, und zog damit eine Trennlinie zwischen Platons Werken und jenen der Neuplatoniker.

Was Plotins Philosophie besonders macht ist seine Einbeziehung alt-griechisch religiöser Gedankenmodelle, die sich sinngemäß auch als Mystik bezeichnen ließen. Diese wurden zwar in der eher akademischen Schulrichtung Platons bereits angedeutet (wie etwa im Phaidon oder der Apologie des Sokrates), doch damals noch nicht mit der selben Betonung besprochen wie bei Plotin. Sehr wahrscheinlich war Plotin dabei durch den jüdischen Philosophen Philon von Alexandria (10 v. Chr. - 40 n. Chr.) inspiriert, der nämlich bereits den Versuch unternommen hatte die religiöse Mystik des Alten Testamens mit der Philosophie Platons zu verbinden. Er wagte damals als Erster die Lehren des Platonismus einzuflechten in die jüdische Philosophie, woraus entstand was für Plotin so wichtig werden sollte: nämlich auf die religiösen Aspekte der Philosophie in der griechischen Antike einzugehen. 

Vor diesem Hintergrund also kam es zu einer Neuinterpretation der Lehren im Platonismus, in deren Tradition seit der Spätantike viele wichtige Werke entstanden, die auch die spätere Esoterische Tradition nachhaltig beeinflussen sollten.

Grundzüge neuplatonischer Weltanschauung

Lange Zeit sahen christliche Gelehrte im Neuplatonismus einfach die Philosophie eines neuen Heidentums, trotz ihrer engen Affinität zur griechischen Religion. Ihrerseits aber lehnten die Neuplatoniker das zu damaliger Zeit im römischen Reich erstarkende Christentum ab. Neuplatonische Vorstellungen über Gott, das Sein und den Menschen, sollten indes sowohl das noch junge Christentum, wie insbesondere auch die Schule der Gnosis ganz wesentlich inspirieren. Neuplatoniker nämlich glaubten an das was man erst viel später als rein christliche Vorstellung begreifen wollte: Den Begriff des "Einen", der göttliche Quelle alles Guten, aus dem die Welt entstand, was gewiss an das erinnert worüber man später auch in der Bibel lesen kann.

Der Kosmos

Aus der einen, übergeordneten, rein geistigen Welt (griech. Kosmos Noetos) emanierte die sinnlich wahrnehmbare Welt (griech. Kosmos Aisthetos), die sich damit ersterer Welt unterordnet. Hieraus ergibt sich eine hierarisch gegliederte Beschreibung einer kosmischen Wirklichkeit. In dieser Wirklichkeit nun existiert ein Teil, der den Sinnen unzugänglich ist und sich nach Plotin in drei Bereiche gliedert:

  • das Eine,
  • den überindividuellen Geist (griech. Nous) und
  • das Seelische, worin die Weltseele und die aus ihr geborenen anderen Seelen entstanden.

Durch die Einwirkung dieser geistigen Welt auf die Urmaterie entstanden schließlich die verschiedenen Sinnesobjekte der wahrnehmbaren Welt.

Auch die neutestamentliche Trinitätslehre von den drei göttlichen Personen, die in einer Einheit zusammenwirken, ist dem Neuplatonismus entlehnt:

  • Der jenseitige Gott äußert sich
  • im Logos (Sitz und Träger der Ideen), der sich in seinem Sohn repräsentiert (später also der Christus),
  • wobei Gott die Liebe als Band zwischen sich und dem Sohn hat, was der Mittlerschaft des Heiligen Geistes entspricht.

Gut und Böse

Mit jeder weiteren Verfielfältigung dieser ureigentlichen Quelle der Einheit aber verliert das Entstandene immer weiter an Vollkommenheit, verliert seine Makellosigkeit und vermindert dabei sein Wesen, bis es schließlich als das endet, was man das Böse nennt. Es ist im Neuplatonismus also etwas, das zwar ursprünglich aus der Einheit des Urwesens Gottes entstand, dann aber, in den entferntesten Sphären seiner Verfielfältigung, zum Gegenteil des Göttlich-Einen verdarb.

Zwar werden nun die menschlichen Seelen aus dem Logos geboren, sinken dann aber in diese von Gott entfernte Sphäre in ihr zeitliches Dasein. Wegen ihrer irdischen Lust gehören sie damit nicht mehr nur dem göttlichen Leben an, sondern zugleich auch der Sinnenwelt. Gelingt es aber der Seele sich von dieser Sinnlichkeit zu lösen, vermag sie sich das Göttliche, selbst hier, weit entfernt von ihrem eigentlichen Ursprung, in geistiger Anschauung und Ekstase anzueignen.

Wirklichkeitsebenen im Neuplatonismus

In der Trennung zwischen geistiger und sinnlich erfahrbarer Welt, zwischen Gut und Böse klingt etwas an, worauf Platon in seinem Buch "Der Staat" (griech. Politeia) eingeht. Die Welt des Sinnlich-Erfahrbaren ist Spiegelbild der geistigen Welt, eine schattenhafte Erscheinung, die sich aus der Überschneidung der Ideen ergibt, die notwendig sind um Erkenntnis vom Einen und seinen Emanationen zu gewinnen (vergl. Platons Höhlengleichnis). Der besagte Logos als Ursprung aller Ideen, bildet dabei die Quelle der in der materiellen Welt erscheinenden Urbilder. Das Niedere ist also ein Erzeugnis des Höheren, was sich auch wieder auf die christliche Trinitätslehre übertragen ließe, als Emanation, Vorstellung und Erfahrung – entsprechend Gott-Vater, Heiligem Geist und Sohn.

Da sich die Welt als Emanation aus dem Einen entfaltete, dafür steht im Zentrum des Neuplatonismus die Einheit, das Eine, also Gott, aus dem die Vielheit aller Einzeldinge hervorgeht. Doch wie vor ihm Philon, betonte später auch Plotin die eigentliche Unerkennbarkeit dieses Einen. Was der Mensch nämlich geistig erfassen könne sei lediglich das, was von diesem Einen als Wirkung ausgeht: die Emanation. Und da dabei das Eine unerkennbar bleibt, kann es auch weder das Seiende noch das Vernünftige sein, sind beides doch Bezeichnungen für etwas, das der Menschen als solches erkennen kann. Als Unerkennbares bleibt das Eine, als höchste Wirklichkeitsebene, darum jenseits alles Seienden und alles Vernünftigen.

Für die zweithöchste Wirklichkeitsebene entwickelte man die Vorstellung eines überindividuellen Geistes, griechisch "Nous", der anfänglich dem Einen entströmt, während die Quelle, das Eine, unberührt bestehen bleibt.

Die dritte Ebene der Wirklichkeit bildet im Neuplatonismus dann die Weltseele, die den vom Einen erschaffenen Kosmos belebt. Mit dem Bereich des Seelischen grenzt sich die rein geistige Welt von der sinnlich erfahrbaren Welt ab. Allerdings differieren hier die Lehren der Neuplatoniker. Iamblichos und Proklos lokalisierten innerhalb der geistigen Welt auch die Zeit. Für Plotin aber war die Zeit außerhalb des Geistigen, war Ursache aller Formbildung und gleichzeitig aber auch der Grund für den Zerfall aller entstandenen Formen. Im Zeitlichen existierte für Plotin die Wirklichkeit des Sinnlich-Erfahrbaren, der materiellen Welt. Sie stand für ihn am Ende des Emanationsvorgangs, der, wie bereits angedeutet, als schlecht angesehen wird, in dem Sinne, als dass sie am weitesten vom Guten der drei höchsten, hier definierten Wirklichkeitsebenen entfernt ist.

Marsilio Ficino - ewigeweisheit.de

Der Italienische Philosoph Marsilio Ficino (1433-1499): Platon der Neuzeit.

Neuplatonismus in der Renaissance

Zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert, im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit, erinnerte man sich an die kulturellen Leistungen alter Weltsichten und Denkweisen der Philosophen Griechenlands und Roms. Ausgehend von Italien kam es zu einer Wiedererweckung antiker Philosophien, die ganz wesentlich die damaligen Künste und Geisteswissenschaften inspirieren sollten. Es war auch die Zeit in der der Neuplatonismus eine Wiederbelebung erfahren sollte. Man könnte sogar sagen, dass der Neoplatonismus eines der wichtigsten Antriebsmittel für die Renaissance-Bewegung an sich gewesen ist.

Drei italienische Philosophen der Renaissance trugen zu dieser Entwicklung ganz maßgeblich bei: Marsilio Ficino (1433-1492), über den wir bereits erfuhren. Des Weiteren sind da der junge Giovanni Pico della Mirandola (1463-1494) und später dann auch der berühmte Giordano Bruno (1548-1600) zu nennen.

Marsilio Ficino

Insbesondere die Philosophie Ficinos hauchte dem Neuplatonismus neues Leben ein. Er übersetzte und kommentierte die Enneaden Plotins, schrieb über die Mysterien der Ägypter, als ein Traktat zu Iamblichos, und übersetzte auch Auszüge aus den Schriften des Porphyrios und Proklos, jene Mitbegründer des Neuplatonismus, auf die wir oben bereits zu sprechen kamen. Nicht aber war Ficino nur ein Gelehrter, sondern interpretierte die neuplatonischen Schriften auf eine bis dahin nicht dagewesene Art, womit man ihn zu einem der namhaften Philsophen der Renaissance zählte.

In seinen Traktaten zur Philosophie Platons liefert er uns, mit dem Essay zu den "Fünf Fragen über den Geist", eine einfach zu verstehende Zusammenfassung der Lehren des Neuplatonismus. Darin beschreibt er auch das Ideal für die Beschaffenheit der menschlichen Seele, wo sie sich auf ihre innerste, eigene Natur konzentrieren solle, was aber immer mit Kummer und Leid verbunden sei. Denn dabei wird sich die Seele über den physischen Körper erheben, sich aber zu einem Sein läutern, dass den gesegneten Engelrängen entspricht.

Pico della Mirandola

Ficinos junger Freund Pico della Mirandola öffnete neue Sichtachsen auf den Neuplatonismus. Della Mirandolas berühmtestes Werk "Über die Würde des Menschen" (Originaltitel: "De hominis dignitate") betonte, im Kontext des Neuplatonismus, die Wichtigkeit der menschlichen Suche nach Erkenntnis. Für ihn entstand diese Schrift durch das direkte Wirken eines unbestimmbaren Wesens, dass durch einen ganz und gar freien Willen begabt war. Picos freigeistliche Interpretationen schienen sich in gewisser Form zwar über das alte platonische Gedankengut erheben zu wollen, durch seine Affinität zur Kabbala aber schien er sich doch erkennen zu geben, als geistiger Nachfahre der Tradition Plotins und Philons.

Giordano Bruno

In den folgenden Jahrzehnten nach Pico della Mirandola aber hatte sich die kirchliche Dogmatik zu etwas entwickelt, dass für manche zeitgenössische Philosophen einfach inakzeptabel wurde. Für Giordano Bruno reichte nicht mehr aus, was die Kirche in ihrer Trinitätslehre propagierte, um ein wirkliches Verständnis für die grundlegende Bedeutung des Seins im Kosmos entwickeln zu können. Für Bruno ließen sich alle Vorgänge in der Welt auf ein einziges Grundprinzip zurückführen. Zu diesem Schluss hatte ihn Plotins Emanationslehre gebracht, von der er wahrscheinlich zuerst durch das Werk Marsilio Ficinos erfuhr. Aus der "göttlichen Einheit" kam alles zum Ausdruck und durchwaltete als allumfassender, schöpferischer Gott das unendliche Universum. Dieses vom Menschen bewohnte Universum war gemäß Giordano Brunos Philosophie eine Reflexion Gottes, der für ihn also das erste Prinzip aller Existenz bildete, und wiederum unendlich viele Welten enthielt. Diese Vorstellung einer Unendlichkeit des Kosmos, hatte vor Bruno jedoch kein anderer neuplatonischer Philosoph formuliert.

Aus dem ersten Sein entfaltete sich für Bruno die Welt als prinzipielle, kosmische Existenz der Seelen. Daraus dann entstanden die Formen, die sich schließlich zur unvollkommensten und dichtesten Form des Seins verhärteten: der Materie. In dieser materiellen Welt aber befinden sich laut Bruno die Seelen, sobald sie sich in einen irdischen Körper hüllen, getrennt von Gott, bis sie ihre Leibeshülle ablegen und wieder in die Weltseele zurückkehren. Die menschlichen Seelen, als Funken der Weltseele, befinden sich aber in einem ewigen Auf- und Abstieg, worin sie sich Gott nähern und sich wieder von ihm entfernen.

Für uns heute, und wohl auch damals bereits, völlig unverständlich dass man Giordano Bruno wegen seiner esoterischen Betrachtungen zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilte. Sein Vergehen bestand darin die Gottessohnschaft Christi zu leugnen und auch Vorstellungen vom Jüngsten Gericht in Frage zu stellen. Außerdem nahm die Kirche Anstoß an seiner Behauptung, das wir nicht in einem Universum, sondern in nur einem von unzähligen Universen leben. Damit hätte er aber öffentlich alles Geschehen in der Stadt (Rom) und dem Erdkreis (Urbi et Orbi) relativiert, und hierbei ganz und gar die Relevanz der Kirche in Frage gestellt.

Eine schwer, doch gleichzeitig jedem zugängliche Philosophie

Das der Neuplatonismus lange Zeit nur einem kleinen Kreise zugänglich blieb, scheint an eben solchen Anschaungen der Welt gelegen zu haben. Sie sind eben mit den allgemeinen, in den vergangenen Jahrhunderten von der Kirche geprägten Sichtweisen auf unser Sein, nur schwer verträglich. Aus diesem Grund besprach man sie bereits damals nur im engeren Kreis Eingeweihter, die aber über das benötigte Hintergrundwissen verfügten, um die Weisheiten des Neuplatonismus auch in ihrer tatsächlichen Bedeutung erfassen zu können.

Zwar dürften auch heute nur wenige einen direkten Zugang zum Neuplatonismus finden, doch die benötigen Kenntnisse über seine Bedetung, stehen theoretisch jedem zur Verfügung und zählen sicherlich zu den wichtigsten Grundlagen jeder Form von Theosophie.

Eigenartig an dieser philosophischen Schulrichtung ist, dass sie in vieler Hinsicht Themen anspricht, die einem bisher vielleicht eher aus dem Kontext fernöstlicher Philosophie geläufig waren. Zwar scheint diese Hypothese heute widerlegt zu sein, doch man nahm einmal an, dass jener ursprüngliche Gründer des Neuplatonismus, Ammonios Sakkas, einen indischen Nachnahmen trug. Es scheint als hätten bereits andere die Vermutung angestellt, dass es einen noch älteren Einfluss gab, der in der Spätantike zur Gründung der Schule des Neuplatonismus geführt hatte.

 

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