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Melchisedek - König von Salem

Melchisedek - König von Salem

Als Abram nach dem Sieg über Kedor-Laomer und die mit ihm verbündeten Könige zurückkam, zog ihm der König von Sodom ins Schawetal entgegen, das jetzt Tal des Königs heißt. Aber Melchisedek, der König von Salem, trug Brot und Wein hervor. Und er war ein Priester des Höchsten Gottes. Und segnete ihn und sprach: Gesegnet seist du, Abram, dem höchsten Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat; und gelobt sei Gott der Höchste, der deine Feinde in deine Hand beschlossen hat. Und demselben gab Abram den Zehnten von allem.

- Genesis 14:17ff

Melchisedek bringt Brot und Wein heraus - ewigeweisheit.de

Wie aus dem Nichts tritt im 14. Kapitel der Genesis ein sagenhafter König auf: Melchisedek von Salem. Von seinem rätselhaften Erscheinen spricht auch der Apostel Paulus in einem seiner Briefe an die Hebräer. Darin aber erklärt er die christliche Natur dieses Königs und seine himmlische Aufgabe auf Erden, der auf Geheiß der Ordnung des Melchisedek auch Jesus folgen sollte.

Was hier angedeutet wird, beschreiben folgende Verse des fünften Paulus-Briefes:

Denn jeder Hohepriester, der von den Menschen genommen wird, der wird eingesetzt für die Menschen zum Dienst vor Gott, damit er Gaben und Opfer darbringe für die Sünden. Er kann mitfühlen mit denen, die unwissend sind und irren, weil er auch selber Schwachheit an sich trägt. Darum muss er, wie für das Volk, so auch für sich selbst opfern für die Sünden. Und niemand nimmt sich selbst diese Würde, sondern er wird von Gott berufen wie auch Aaron. So hat auch Christus sich nicht selbst die Ehre beigelegt, Hoherpriester zu werden, sondern der, der zu ihm gesagt hat 'Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt.' Wie er auch an anderer Stelle spricht: 'Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.' Und er hat in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen vor den gebracht, der ihn aus dem Tod erretten konnte; und er ist erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt. So hat er, obwohl er der Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt. Und da er vollendet war, ist er für alle, die ihm gehorsam sind, der Urheber der ewigen Seligkeit geworden, von Gott genannt ein Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks.

- Hebräer 5:1-10

Es geht also um die Erfüllung eines Priesteramtes, dessen Erfüllung seinem Inhaber nur darum gelingt, da er wegen seiner eigenen, menschlichen Schwächen, auch dazu im Stande ist Mitgefühl zu entwickeln. Doch er trägt auch die hohe Würde, die ihm nach Ordnung des Melchisedek verliehen wurde. Das machte auch den Jesus zum Christus, zum Gottgesalbten Messias, einen der höchsten Eingeweihten der Menschheitsgeschichte. Umso geheimnisvoller darum, wer oder was dieser Melchisedek von Salem eigentlich ist.

Auch König David wurde die Segnung des Priesterkönigs verliehen, worauf der 110. Psalm hinweist:

Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel unter deine Füße lege. Das Zepter deiner Macht streckt der Herr aus vom Zion her: Herrsche inmitten deiner Feinde! Dich umgibt Herrschaft am Tag deiner Macht, im Glanz des Heiligtums. Ich habe dich aus dem Schoß gezeugt vor dem Morgenstern. Der Herr hat geschworen und es wird ihn nicht gereuen: Du bist ein Priester ewiglich nach der Weise Melchisedeks.

- Psalm 110:1-4

Wer nun aber war Melchisedek?

Aus den weltlichen Lehren des Christentums erfahren wir über seine wahre Existenz wenig. Seine Identität bleibt darum zunächst ein Rätsel.

Steht der Name Melchisedek eher für ein geistiges Prinzip höchster Vollkommenheit und göttlichen Rechts, oder war er auch tatsächlich ein von Gott eingesetzter, irdischer Herrscher?

Höchstes Geistesamt der Welt

Melchisedek wird in der Bibel bezeichnet als rechtschaffener König, Friedensfürst, ewiger König des höchsten Gottes, einer, »der den Tod niemals schmecken wird«. Sein Name deutet hin auf einen »König von Jerusalem« oder auch auf einen »König des Friedens«, denn der Name »Salem« ist etymologisch verwandt mit dem hebräischen »Schalom«, der Frieden.

Der Name Melchisedek setzt sich zusammen aus zwei Wörtern: »Melchi« oder »Malik«, der König, und »Sedek« oder »Zadik«, der Gerechte. Somit steht sein Name für den Gerechten König des Friedens. Chassiden verwenden das Wort »Zadik« außerdem zur Bezeichung eines heiligen, eines religiösen Würdenträgers moralischer Vollkommenheit. Damit ist der Melchisedek von Salem auch ein Priesterkönig des Friedens, der in dieser Rolle auch das verkörpert, wofür einst der Prophet König Salomon stand. Ihn mit Melchisedek jedoch gleichsetzen zu wollen wäre falsch.

Ist darum Melchisedek allein geistiges Vorbild, dessen Leitgedanken sich auf ein irdisch geborenes Wesen, in Gottes Auftrag übertragen?

Zunächst einmal scheint jener in Genesis 14 auftretende Priesterkönig ein leiblicher Mensch gewesen zu sein, da er dem Abraham als Person begegnet. Es wäre eher fantastisch anzunehmen, dass sich der Heilige Geist oder ein Engel (etwa Gabriel) in Form eines Menschen auf Erden manifestierte oder dem Abraham gar als Geist entgegenkam.

Gleichzeitig aber heißt es in den Apokryphen, Melchisedek sei ohne Vater und Mutter auf die Erde gekommen, wurde weder geboren, noch solle er jemals sterben. Das allerdings macht die Sache kompliziert. Denn wenn er nun kein Geist und auch kein geborener Mensch ist, dürfte uns damit seine Erscheinung noch geheimnisvoller vorkommen.

Was aber, wenn er beides zugleich ist?

Die Aufgabe des Priesterkönigs von Salem

Einer der Nachkommen Seths, dem dritten Sohn von Adam und Eva, war in zehnter Generation der Urvater Noah. Lamech, der Vater Noahs, gebot seinem Sohn den heiligen Leichnam Adams an einen besonderen Ort zu bringen, der gemäß Überlieferung als »Nabel der Welt« bezeichnet wird. Und diesen Ort nennt die biblische Legende Salem – der Name des heutigen Jerusalem.

Was sich Lamech außerdem von Noahs Verantwortung versprach, war, dass er einen seiner direkten Nachfahren mit der Bewachung des heiligen Leichnams Adams in Salem verpflichte. Und dieser Nachfahre des adamitischen Geschlechts, war wohl der Sohn Noahs: Sem – Namensgeber der Semiten, einer der Urväter der Juden.

Die eingangs zitierten Verse aus dem 14. Kapitel der Genesis, finden sich, in leicht abgewandelter Form, auch in den Überlieferungen des Talmud beziehungsweise Midrasch. Es gibt außerdem eine Version dieser Geschichte, die der Schriftsteller Joseph bin Gurion in seinen »Sagen der Juden« erzählt:

Als Abram von der Schlacht mit den Königen zurückging und an dem Tale Siddim vorbeikam, woselbst die Könige miteinander gestritten hatten, kam ihm Bera, der König von Sodom, entgegen und mit ihm die anderen Leute, die in die Lehmgruben gefallen waren. Auch Adoni-Sedek (vergl. Josua 10:1), der König von Jerusalem, dies war Sem, der Sohn Noahs, kam zu ihm heraus und trug Brot und Wein hervor, und sie standen dort alle im Tal der Könige. Und Adoni-Sedek segnete Abram, und Abram gab ihm den Zehnten von dem, was er von den Feinden erbeutet hatte, denn Adoni-Sedek war Priester vor dem Herrn.

- Die Sagen der Juden, Band II, S. 165, Joseph bin Gurion

Dies scheint eine alternative Fassung zu sein, der in Genesis 14 erwähnten Erzählung von Abrahams Segnung im Tal der Könige.

In der biblischen Fassung lesen wir von Melchi-Sedek der dem Abraham mit Brot und Wein entgegenkommt, in Bin Gurions Midrasch heißt dieser aber Adoni-Sedek. Diese Namen aber sind sich eigentlich ähnlich, weisen sie beidesmal doch auf einen Herrschaftstitel hin, wofür ja »Adoni«, hebräisch für »der Herr« (im Sinne eines Regenten), wie auch synonym »Melchi«, der König hinweisen. Das hebräische »Sedek«, die Gerechtigkeit, jedoch ist sowohl Teil des Namens Adoni-Sedek wie auch Mechisedek. Und damit ist mit dem zuvor gesagten hier ein Priesterkönig gemeint, der in heiliger Kommunion den Propheten »Abram« segnet, der dann einmal Abraham heißen wird. Sowohl also in der Bibel, wie auch im Midrasch, wird in dieser mystischen Begegnung hingewiesen auf die Verwandlung eine Königs, Abram, in einen Propheten vor dem Herrn (Adon).

Golgata auf dem Zion

Was diese verschiedenen Überlieferungen zu Melchisedek aber miteinander verbindet ist, dass er teils als Mensch, teils als Verkörperung einer höheren, geistigen Ordnung auftritt.

Zwar bleibt eine abschließende, genaue Erläuterung seiner Herkunft ungewiss, doch ist es vielleicht gar nicht so wichtig, über seine wahre Herkunft zu wissen, als eher seine Rolle zu erkennen, die jenem irdischen Wesen, in diesem Falle dem Sem, geboten war einzunehmen. Und so wie Sem »ein Melchisedek« war, so sollten es auch Abraham, David und schließlich Jesus Christus sein.

Der Heilige Ephrem von Syrien (306-373) schreibt in seiner apokryphen Schrift »Die Schatzhöhle«, dass nach dem Tod Noahs, durch seinen Sohn Sem der Leichnam Adams einem Melchisedek übergeben wurde. Dieser sollte ihn dann auf der Schädelstätte zu Golgata bestatten, auf dem Berg Zion. Laut Ephrem opferte hier Abraham den Widder statt seinem Sohn Isaak, womit die Einsetzung des Pessach erfolgte - jenem Fest, an dem man später das »Lamm Gottes« an dieser Stelle als gekreuzigten Christus aufrichtete. Wenn nun Melchisedek dem Abraham Brot und Wein gab und ihn segnte, erfolgte das vor 2000 Jahren zu Pessach durch den Leib Christi der, wie es heißt, für die Menschheit starb und dessen Blut für sie vergossen wurde:

dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, gab ihn den Jüngern und sie tranken alle daraus. Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.

- Markus 14:22ff

Das Himmlische Jerusalem

Golgata ist jener Ort, über dem sich dereinst das neue, himmlische Jerusalem manifestieren wird, dessen König aber wohl bereits jetzt Melchisedek von Salem ist. Denn nachdem er den Adam hier beigesetzt hatte, lebt er seither dort als Priesterkönig des höchsten Gottes.

Grabeskirche Jerusalem - ewigeweisheit.de

Auf dem Golgata befindet sich heute die Jerusalemer Grabeskirche (Fotografie um 1900).

Laut dem griechischen Schriftgelehrten Suidas (Ende 10. Jhd.) aber, bewachte Melchisedek nicht nur das Grab Adams, sondern gilt sogar als Erbauer Jerusalems:

Melchisedek, Priester Gottes, König von Kanaan, erbaute eine Stadt auf einem Berg namens Zion. Ihr gab er den Namen Salem. Sie nennt man auch »Eirenopolis« – die Stadt des Friedens. Nach 113-jähriger Regentschaft aber starb er dort, rechtschaffen und ledig. […] Nichtsdestotrotz war Salem, wovon er der König gewesen, das berühmte Jerusalem, dass jedoch damals noch nicht den Namen »Hierusalem« trug. Erst später erhielt Salem die Vorsilbe »hieru«. Und da man ihm (Melchisedek) keine Abstammung zuschrieb heißt es, er war ohne Vater und Mutter.

Menschensohn und Gottessohn

Wie später Jesus Christus, nannte man Melchisedek einen Sohn Gottes. In fleischlicher Erscheinung als Messias, erschien er auf Erden in Gottes Auftrag.

Melchisedek ist symbolisch und mystisch gekennzeichnet als fleischgewordene Verkörperung des Heiligen Geistes. Einst wurde in den geistigen Himmelssphären ein mystischer Orden gegründet, von dem aus den Menschen auf Erden ein besonderes Bewusstsein übertragen wurde – zuerst durch den besagten Priesterkönig, später nach der Ordnung des Selben auch durch Jesus Christus.

Der Erste, der diese Einsetzung als Prophet der Menschheit erfuhr war Abraham, nachdem ihn Melchisedek in der bereits angedeuteten eucharistischen Initiation mit Brot und Wein segnete und ihn damit als ersten Propheten einsetzte.

Erst durch Abraham ergab sich das, was man später als Prophetentum bezeichnete. Wie er, wurden sie zu den gottgesandten Hohepriestern, in denen die Menschen die göttlichen Ideale erkennen konnten. Darauf weißt nun also jene zu Eingangs zitierte Bibel-Episode hin, in der Abraham seinen Segen erhielt.

Von dieser heiligen Begegnung Abrahams und Melchisedeks, erfuhren wir aus den zwei Fassungen, denen beiden aber dennoch der wahre Zweck dieses mystischen Vorgangs fehlt.

Die um 630 n. Chr. entstandene oströmische Weltchronik mit dem Titel Chronicon Constantinopolitanum, liefert eine recht erhellende Ergänzung zu dem, was wir hier bereits darstellten. Darin nämlich wird Melchisedek nicht gleichgesetzt mit Sem, sondern wird als Nachfahre des jüngsten Noah-Sohnes Ham beschrieben. Dennoch wird der Zweck der Begegnung Abrahams mit Melchisedek, und deren Ähnlichkeit mit dem Christus-Mysterium, auf besondere Weise vorgestellt:

Melchisedek war ein Mann aus dem Stamm des Ham. Gott mochte ihn, war er doch ein heiliger Nachkomme aus jenem Stamme. So bat ihn Gott in das Land jenseits des Jordan, so wie er auch den Abraham aus dem Land der Chaldäer rief. Und eben wie dieser Mann heilig und gerecht war, wurde er zum Priester des allerhöchsten Gottes, der Brot und Wein darbot, sowie die heiligen Gebete des allerhöchsten Gottes. Er betete für seine Sippe, indem er sprach: 'Herr, du erwähltest mich aus dem Kreise meines eigenen Volkes und hattest mit mir Gnade. Habe drum auch mit meinem Volke Gnade.' Doch Gott antwortete ihm und sagte: 'Ich will sie erretten, sobald ich meinen Sohn aus Ägypten her rufe.' Dieses Versprechen erhielt Melchisedek von Gott. […]

Während dieser Zeit geschah es, dass man Lot gefangen nahm und aus Sodom fortbrachte bei denen, die zum Volk Gothologomos gehörten, jene die Abraham verfolgte und zerstörte, und er befreite alle Gefangenen (vergl. Genesis 14:12). Und auch Lot, den Sohn seines Bruders Aram, befreite er aus ihren Fängen. So sprach dann Abraham bei sich: 'Herr, in meinen Tagen sende deinen Engel auf Erden, gewähre mir diesen Tag zu erleben!' Der Herr sprach: 'Das kann nicht geschehen, doch ich will dir an diesem Tag eine Person erscheinen lassen. Gehe hinab und überquere den Jordan-Fluss und du sollst sie erblicken.'

Darum überquerte Abraham den Jordan mit seinen Männern, und da trat Melchisedek auf sie zu, um ihn zu treffen, gerufen durch den Heiligen Geist, in seinen Händen das Brot der Eucharistie haltend und den Wein der Danksagung. Abraham aber sah Melchisedek nicht, bevor er den Jordan überquerte. Das aber war ein Symbol der Taufe.

Als Abraham nun den Melchisedek sah, der da kam um ihn zu treffen mit dem Brot der Eucharistie und dem Kelch der Danksagung, warf er sich mit dem Gesichte zur Erde hin, um ihn anzubeten, sah er doch den Tag des Herrn, und freute sich.

Insbesondere die Taufe im Jordan, ist eben jener fortführende Hinweis auf das, was man im neuen Testament als das Christus-Ereignis bezeichnen könnte. Denn Jesus wurde ja in diesem Fluss von Johannes getauft, damit er jenen Segen empfange, der ihn »nach Ordnung des Melchisedek« ermächtige, seinen himmlischen Auftrag auf Erden zu vollbringen.

Der Grund seines Erscheinens

Vor dem Hintergrund des bisher Gesagten, glich Melchisedek keinem normalen Menschen. Das Reich in dem er König ist, scheint wohl eher eine Welt zu sein, die jenseits der Welt der Sterblichen liegt. Eher gleicht sie dem, was in der Offenbarung des Johannes, als das »Neue Jerusalem« bezeichnet wird: eine himmlische Stadt in deren Mitte das Geisteslicht Gottes strahlt.

Da führte mich im Geist hin auf einen großen, hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem, wie sie von Gott her aus dem Himmel herabkam. Sie hatte die Herrlichkeit Gottes.

- Offenbarung 21:10f

Es ist ein Ort vollkommener Gerechtigkeit, wo, wie es heißt:

nichts Unreines wird hineinkommen und keiner, der Gräuel tut und Lüge

- Offenbarung 21:27

An diesem Ort erwartet dereinst Abraham in seinem Schoße die Seelen der Gerechten, bevor der Messias die Tore zu jener heiligen, himmlischen Stadt eröffnet.

Melchisedeks Rolle auf Erden nun, war mit der Einsetzung Abrahams, als ersten Propheten, den Weg der Erlösung der Seelen aus ihrer irdischen Existenz vorzubereiten, in die Gefilde des himmlischen Jerusalems. Denn wenn Abraham über Könige siegte, deren Länder, ja besonders Sodom und Gomorrha, Reiche des Frevels und der Bosheit waren, trat ihm Melchisedek segnend entgegen, um den dafür notwendigen Tribut zu empfangen – in Genesis 14 der »Zehnte von Allem«.

Wenn er dann auch David segnete, in der Gerechtigkeit seines himmlischen Ordens, dürfte dieser geistige Einfluss auch Davids Psalmen beeinflusst haben. Als König schrieb er sie für sein Volk, ihnen Erleichterung und Gebete zu entbieten, als Führung auf dem Weg der Gerechten.

Gerechtigkeit in einer Welt des Verfalls

wir sind ein Theater geworden der Welt und den Engeln und den Menschen.

- 1. Korinther 4:9

Der Grund des Erscheinens des Melchisedek und all derjenigen, die im Namen seines Ordens auftraten, war wegen dem im obigen Zitat erwähnten »Theater«, dass ja allgegenwärtig, ja sich besonders heute ereignet, in einer Welt, die in den heiligen Schriften als eine »Gefallene Welt« bezeichnet wird.

Doch dieser Fall ereignete sich ja bereits am Anfang der Welt: im Sündenfall Adams. Da riss er nicht nur sich, sondern mit dem besagten Ereignis und als Vater der Menschheit, gar alle Menschen nach sich mit in den Abgrund jenseits des himmlischen Paradieses. Das ist die physische Erde. Dort sollte er im Schweiße seines Angesichts den Acker bestellen, dessen Weizen dereinst aber in fermentiert-vergeistigter Form als Brot der Eucharistie diente, was im Übrigen ja auch für den Traubensaft gilt.

Unsere Erde aber schein gegenwärtig einem Schlachtfeld zu gleichen, wo die Mächte der Rechtschaffenen gegen die Mächte der Sünde ankämpfen. Kein Wunder also, wenn dem Abraham der Melchisedek ausgerechnet dann erschien, als er die Könige im Siddimtal schlug. Sie symbolisieren in der Genesis das Böse. Mit dem Erscheinen Melchisedeks, wird damit die Welt bewahrt vor der Ausbreitung des Bösen über den gesamten Erdball.

Aus dem Kreise einer himmlischen Bruderschaft

In der esoterischen Philosophie ist die Rede von einem mystischen Orden, den man auch die »Weiße Bruderschaft« nennt. Sie soll seit jeher ihres heiligen Amtes walten, schon seit die ersten Menschen auf diesem Planeten lebten. Einem Sterblichem aber bleibt auf ewig verschlossen, seit wann diese Bruderschaft existiert.

Als Gruppe überweltlicher Wesen besitzen ihr Mitglieder weder Vorfahren, noch altern sie, noch sterben sie. Sie leben an keinem besonderen Ort auf der Erde. Was ihr Glaube ist, basiert weder auf von Menschen erdachten Ritualen oder Überzeugungen. Sie sind gänzlich frei von Autorität, denn ihnen fehlt jeder Wunsch zu kritisieren oder zu überzeugen.

Die Macht der Mitglieder dieser Bruderschaft ist göttlichen Ursprungs, nichts also, das sie sich angeeignet hätten. Ja eigentlich bilden sie an sich die Struktur, aus deren Grund sie aus dem Himmlischen ins Irdische hineinwirken – sind die geistig-spirituellen Muster dessen, was sie selbst repräsentieren.

Sicherlich aber ist diese Bruderschaft, zu der auch der Priesterkönig Melchisedek zählt, eine Gemeinschaft unzähliger anderer, ihm ähnelnden Wesenheiten. Er aber ist zum Wohle der Menschen auf diesem Planeten eingesetzt. So wollen es auch die beiden biblischen Testamente, zumindest was die westliche-spirituelle Tradition anbelangt. Melchisedek ähnelt damit vielleicht ein wenig dem Sanat Kumara der östlichen Tradition.

Melchisedek ist ein Eingeweihter in das große Sonnenmysterium. Er erschien dem Abraham auf der Erde zwar als leiblicher Mensch, doch er war in ein heiliges, ätherisches Gewand gekleidet, das er auf seinen Initianten übertrug.

Damit der Priesterkönig Melchisedek von Salem seine irdische Aufgabe erfüllen konnte, wurde der Noah-Sohn Sem von Gott verpflichtet, seine Lichterscheinung als Gottessohnschaft in sich aufzunehmen und darauf seinen göttlichen Auftrag zu erfüllen. So zumindest ließen sich die verschiedenen zuvor geschilderten Episoden seines Erscheinens zusammenfassen. Damit erschien Melchisedek also gleichermaßen als Mensch und als Gott.

Das in seinem Auftreten gegenüber Abraham wirksame Geistesprinzip gleicht dem, was auch die weiße Lilie symbolisiert, die der Erzengel Gabriel bei Mariä Verkündigung in Händen hält, beziehungsweise jene Weiße Taube, die in der Jordantaufe, als Sinnbild des Heiligen Geistes zu Häupten Jesus landet.

So also steht der Name Melchisedek für ein Lichtwesen, das »Göttliches Licht« empfangen kann und als solches in die Welt getragen, eine spezifische Rolle erfüllt. In der gnostischen Schrift »Pistis Sophia«, zählt Melchisedek daher zu den Paralemptai – den »Empfängern des Lichts«. Diese Empfänger des Lichts, die eigentlich identisch sind mit der zuvor beschriebenen Weißen Bruderschaft, nennt man auch »Söhne des Lichts« oder einfach Gottessöhne. Sie wurden ausgesendet vom Höchsten Sein, dem, was sich dem Moses auf dem Sinai in einer Flamme offenbart als der »Ich bin« (hebr. Ehje) – ein Name des Höchsten Gottes beziehungsweise des ursprünglichsten Gottesprinzips. Dies geschah nun aber zum Wohle und Schutze der Menschheit. So könnte man die Weiße Bruderschaft auch als »Bruderschaft der Menschheit« bezeichnen, die jedoch keine verkörperlichten Wesen sind, die auf unserem Planeten wandeln, als eher einem Prinzip gegenseitigen Brüderlichkeit ähneln, etwas, das aber auch in jedem von uns Erdenbewohnern veranlagt ist.

Was aber durch das Wirken Melchisedeks erfolgt, ist die Schlechtigkeit des Menschen zu überwinden und das Gute in ihm zu heiligen. Das heißt, den göttlichen Funken in ihm, im höchstem Licht Gottes zu veredeln. Sein Beistand hilft allen und trägt zu einem großen spirituellen Fortkommen der Menschheit bei.

Alle hohen Eingeweihten auf Erden, besitzen jenes Licht, dass ihnen vom Rat der Weißen Bruderschaft Melchisedeks verliehen wird – ein ewig-heiliges Priesteramt, wirksam jenseits aller weltlichen Formen.

 

Das islamische Glaubensbekenntnis und die Läuterung des Egos

Das islamische Glaubensbekenntnis und die Läuterung des Egos

Ich bezeuge: Es gibt keinen Gott außer Allah und ich bezeuge Mohammed ist der Gesandte Allahs.

Das Glaubensbekenntnis der Muslime setzt sich zusammen aus der Bezeugung des Glaubens an die Einheit Gottes, und die Bestätigung, dass Mohammed Gottes Gesandter ist. Man nennt das die Schahada. Sie ist im Vergleich zu anderen Glaubensbekenntnissen, jedoch etwas eigen: Den Glauben an den einen Gott nämlich, bezeugen Muslime mit einer Verneinung!

Damit unterscheidet es sich von den anderen abrahamitischen Glaubensbekenntnissen. Das apostolische Bekenntnis sagt:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Es wird also eine eindeutige Bejahung über das Wesen Gottes und den eigenen Glauben ausgesprochen. Etwas kürzer, im wesentlichen aber gleichbedeutend, ist das jüdische Sch'ma Jisrael:

Höre Israel! Adonai ist unser Gott, Adonai ist Eins.

In der Schahada findet sich nun aber das arabische Wort لا "La" - das kein, Nein oder nicht bedeutet. Das Ausschließen des Polytheismus durch das Wort "La", resultiert natürlich in einen Hinweis auf Gottes Einheit, der Vielgötterglauben wird verneint:

Es gibt keinen Gott außer Allah.

لا إله إلا الله

La ilaha illa Allah

Diese Verneinung ist also eine Lossagung von Falschem. Erst durch diese Trennung von der Unwahrheit, ist die Wahrheit bestätigt.

Denn wenn zu ihnen gesagt wurde: Es gibt keinen Gott außer Allah, pflegten sie sich hochmütig zu verhalten, und sprachen: Sollen wir unsere Götter aufgeben um eines besessenen Dichters willen? Nein! Vielmehr hat er die Wahrheit aller Gesandten gebracht und bestätigt.

- Sure 37:35-37

Es lässt sich in der Schahada ein ganz deutlicher Hinweis auf das Wesen des Koran erkennen, der aus dem Individuum einen geläuterten, unbefleckten, unzweifelhaften Menschen machen will. Denn immer und immer wieder, finden sich in den Versen des Koran solche Verneinungen und Ausschlüsse, die den Gläubigen nachdrücklich dazu auffordern, sich dem Guten zuzuwenden.

Diesem ersten, folgt dann der zweite Teil des Glaubensbekenntnisses:

Mohammed ist der Gesandte Allahs.

محمد رسول الله

Muhammadun rasulu 'llah

Nun heißt es, dass der Schaitan den ersten Teil akzeptiert, da er doch ganz genau weiß, dass es nur einen einzigen Gott gibt. Mohammed als Propheten aber lehnt er ab.

Mohammed ist der Gesandte Allahs. Und die mit ihm sind, sind denen die nicht an Allah glauben gegenüber stark, doch gütig gegeneinander. Du siehst sie sich verbeugen, sich im Gebet niederwerfen, wobei sie nach Huld von Allah und seinem Wohlgefallen trachten. Die Merkmale stehen auf ihren Gesichtern als die Spuren der Niederwerfungen. Das ist ihre Beschreibung in der Tora. Und ihre Beschreibung im Evangelium ist das eines Getreidefeldes, worin Schößlinge treiben, dann sie stärker werden lässt, so dass sie dick und fest auf ihren Halmen stehen, den Sämännern zur Freude. Dies, damit die nicht glauben ergrimmen mögen. Allah hat denen unter ihnen, die glauben und gute Werke tun, Vergebung verheißen und großartigen Lohn.

- Sure 48:29

Das sind ganz deutliche Worte und wer (vielleicht) kein Muslim ist, wird sich schwer damit tun, sie ihrem Wesen nach auch tatsächlich erfassen zu wollen. Daher nähern sich manche diesen erhabenen Wahrheiten, eher über den Pfad der islamischen Mystik, den die Sufis gehen. Sie nämlich pflegen eine unabhängige Grundhaltung gegenüber dem Islam. Allah ist für sie eins mit dem Kosmos und der Natur. Auch die Schwärze des gesamten Universums ist Teil dieser großen Einheit. Damit setzen sie eine fast noch selbstverständlichere, denn abstraktere Vorstellung vom Wesen ihres Glaubens voraus.

Ar-Ruh: Wesensessenz des Menschen

Das unsterbliche Selbst eines Menschen, dass in sich die Essenz seines Seelengeistes konzentriert, nennt man im Arabischen "Ar-Ruh". Hierin liegt alles Wissen über das Wesen und den Inhalt des Universums, wie auch das Bewusstsein seines eigenen Ursprungs. Es steht in direkter Verbindung zum Göttlichen, ist ein Funke der göttlichen Weltseele, "Ruh-e-Qudsi". Das gilt auch für das Ruh eines jeden Menschen - auch dann, wenn er nie von seiner Existenz erfuhr.

Ar-Ruh ist in etwa das, was die Theosophie als die Monade bezeichnet, den göttlichen Funken, der das Zentrum höchster Erkenntnis und esoterischen Verstehens bildet. Es ist eine geistig-spirituelle Instanz Gottes, die auf Erden umherwandert, sei es auf mineralischer, pflanzlicher, tierischer Ebene oder als spirituelles Wesenszentrum eines inkarnierten Menschen. Während der Mensche aber gestorben ist, lebt die Monade fort: Ar-Ruh hat einen Anfang doch existiert ewiglich.

Al-Qalb: Das spirituelle Herz

Sufis verwenden im Dhikr, manchmal die Schahada in leicht abgewandelter Form:

Es gibt keinen Gott außer ihm

لا اله الا هو

La ilaha illa Hu

Welche tiefere Bedeutung aber hat dieses "Hu" هو am Schluss dieser Variante der Schahada?

Wenn die Rede von "ihm" ist, geht es weniger um die begriffliche Beschreibung Gottes, die in der offiziellen Schahada durch den heiligen Namen "Allah" erfolgt, als um eine erfahrbare Gewissheit über Gottes Gegenwart, deren Wirken ein Sufi in sich erlebt. Er spricht die Schahada in seinem Herzen. Damit ist aber nicht etwa das physische Organ gemeint, sondern das, was die Sufis "Al-Qalb" nennen: das spirituelle Herz. In Qalb konzentriert sich höchste Weisheit. Darin glimmt das geistige Feuer von Ar-Ruh.

Denn Weisheit zieht ein in dein Herz, und Erkenntnis wird deiner Seele lieb.

- Sprüche 2:10, aus dem Mischle Schelomo (Biblische Sprichwörter Königs Salomo)

Das Herz ist das Haus Gottes, reinige es von allem,
was sich außer ihm (Gott) darin befindet,
damit der Barmherzige des Nachts in seinen
Palast hinabsteigen kann.

- Ibrahim Haqqi

In der Psychologie der Sufis gilt als höchstes Ziel, in diesem spirituellen Herzen Aufrichtigkeit, Liebe und Mitgefühl zu entwickeln. Sie sprechen dann von der Herz-Intelligenz, die tiefgehender, jedoch mit höherer Vernunft begabt ist, als das rationale Denken.

So wie das organische Herz Blut im Körper verteilt, nährt das spirituelle Herz die Seele mit Weisheit und Licht. Durch dieses heilige Strahlen von Al-Qalb, erzielt der Sufi die Reinigung der Wesensmerkmale seiner persönlichen Ich-Natur. Und das hat eine höhere Bedeutung. Denn aus seinem Ich strömt die Emotionalität seiner Existenz. Sie nennt man "An-Nafs": das Seelen-Ich oder Ego. Al-Qalb fungiert als Mittler zwischen Ar-Ruh und An-Nafs. Qalbs Aufgabe ist es, damit die Nafs zu kontrollieren und den Menschen in Richtung des höheren Geistes zu geleiten, während das Ego immer kleiner wird.

An-Nafs: Das Seelen-Ich

Um jedoch diese Stufe weltlich-göttlichen Empfindens zu erreichen, sollten wir uns noch einmal obige Aussage ansehen: nämlich dass die Verneinung in der Schahada, auf die Absicht des Heiligen Koran hindeutet, den Menschen von seinen schlechten Eigenschaften zu reinigen und aus ihm ein vollkommenes In-Dividuum zu machen: einen ungeteilten, ganzen Menschen. Dafür steht der arabische Begriff Tazkiah An-Nafs.

Tazkiah An-Nafs enthält das arabische Wort "Nafs", im Sufismus ein spirituelles Konzept zur Beschreibung des menschlichen Ich. Im Koran wird die Nafs häufig in ihren drei Stufen erwähnt. Sie bilden die Stadien in der menschlichen Entwicklung, die die Seele veredeln und den Menschen zur vollkommenen Beherrschung seines triebhaften Empfindens führen.

Das Wort Tazkiah weist seinem Ursprung nach hin, auf das Stutzen einer Pflanze. Man stutzt alles, was sie in ihrem Wachstum behindert. Bezogen auf die Persönlichkeit eines Menschen, geht es darum sie von allen Spuren jedes nur erdenklichen Übels zu befreien. Alles was sie an Gotterkenntnis hindert, wird durch Tazkiah An-Nafs entfernt.

An-Nafs Al-Ammara

Mit dem Tier, hat der Mensch die Triebseele gemein. Sie steht unter dem bösen Einfluss Schaitans.

Und ich spreche mich selbst nicht frei von Schwäche. Denn die Nafs gebietet fürwahr oft Böses, außer dass mein Herr Sich erbarmt. Fürwahr, mein Herr ist allvergebend und barmherzig.

- Sure 12:23

So spricht der Prophet Josef in der 12. Sure über sein Schicksal. Vom seinem schönen Äußeren betört, verspürte die Zuleikha Verlangen nach Josef, was dieser jedoch nicht erwiderte (vergl. Genesis 39). Ihre Seele stand unter dem Einfluss von Schaita, der ja ebenso Eva verführte. Ihr Wirken ist dafür verantwortlich, dass Al-Qalb, vom Wesen des körperlichen, tierischen Menschseins überwältigt wird. Die Nafs ist das niedere Selbst, dass den Menschen verleitet übel, unmoralisch zu handeln.

An-Nafs Al-Lawwama

Wer diese Stufe der niederen Triebhaftigkeit in sich erkannte, der wird sich der Stimmen seines "tadelnden Ichs" gewahr: dem An-Nafs Al-Lawwama. In diesem Stadium erwacht das menschliche Gewissen, dass das Selbst veranlasst das Ego in Frage zu stellen.

Nein! Ich rufe zum Zeugen die sich selbst tadelnde Seele.

- Sure 75:2

Der arabische Begriff Lawwama meint die Fähigkeit sich der Triebseele zu widersetzen und Gott um Vergebung zu bitten, für die Verfehlungen der Triebseele.

Ich bitte Allah um Vergebung

أَسْتَغْفِرُ الله

Astaghfirullah

Dieses tadelnde Ich wacht über die Handlungen eines Menschen und hilft ihm seine Triebe zu zügeln. Doch es ist mehr als das.

Hier erfährt ein Mensch die negativen Auswirkungen seiner ego-zentrierten Sicht auf die Welt. Auch wenn ein Sufi in diesem Stadium des Läuterungsprozesses, sich noch nicht in der Lage befindet, sich tatsächlich zu verändern, empfindet er seine schlechten Taten jedoch als großes Übel - etwas, das er verändern will. Hier beginnt er zu bedauern. Auch wenn er erneut Fehler begeht, ist er sich derer aber jedesmal voll bewusst. Das ist die Voraussetzung, sich auf die nächste Stufe der Vervollkommnung zu begeben.

Nun ist sein Ich inspiriert und der Sufi beginnt wirkliche Zufriedenheit zu empfinden, in seinem Pflichtgebet (Salaat), in den Bittgebeten (Dua) und in der spirituellen Meditation (Dhikr). Jetzt nämlich beginnt er zu ahnen, was Religion und Spiritualität eigentlich bedeuten. Diesen Zustand nennt man auch An-Nafs Al-Mulhima, das "Beruhigte Ich", was eine Zwischenstufe zum höchsten Stadium des An-Nafs Al-Mutma'inna bildet.

Langsam beginnt ein Mensch hier wirkliche Liebe und Zuneigung zu seinen Mitmenschen zu empfinden. Besonders was jemand an eigenem Leibe erlitten hat, weiß er auch an Mitgefühl für andere zu entwickeln. Hier erst ist jemand dazu fähig wahre spirituelle Praxis auszuüben.

An-Nafs Al-Mutma'inna

In diesem letzten Stadium des Läuterungsprozesses, empfindet der Sufi größte Zufriedenheit und Gottvertrauen.

O beruhigte Seele kehre zu deinem Herrn zurück, befriedigt und mit Wohlgefallen. Tritt denn ein unter meine Diener, und tritt ein in mein Paradies.

- Sure 89:27-30

Wer diese Stufe erreicht, ist frei von Achtlosigkeit. Was ihn zuvor noch quälte ist nun vorüber. Hier hat seine Seele Frieden gefunden.

Es sind diejenigen die glauben und deren Herzen im Gedenken Allahs Ruhe finden. Sicherlich, im Gedenken Allahs finden die Herzen Ruhe!

- Sure 13:28

Dieses Stadium bildet den Ausgangspunkt wahren Mitgefühls und vollkommener Liebe. Ein Sufi, der diese Stufe erreicht hat, befindet sich auf dem Weg die Liebe Allahs, "Ischq", durch sich und sein Handeln, auch anderen zufließen zu lassen.

Somit schließlich gelangt der Sufi zu einer Schahada der Liebe, die etwa lauten könnte:

Es gibt keinen Gott außer der Liebe.

لا إله إلا عشق‎

La ilaha illa Ischq

 

Dua: Das persönliche Gebet im Islam

Dua: Das persönliche Gebet im Islam

Zu dir allein flehen wir um Hilfe. [...] Euer Herr sagt: Ruft mich an, so erhöre ich euch.

- Sure 1:5, 40:60

Dua - ewigeweisheit.de

Das arabische Wort "Dua", ist die Bezeichnung für das Bitt- oder Dankesgebet im Islam. Ein Dua kann zu jeder Zeit gebetet werden - im Unterschied zum "Salaat", dem islamischen Pflichtgebet, dass sich nach den Tageszeiten richtet. Im Dua dankt ein Muslim oder fleht Allah um Hilfe an. Als solches aber ist es Inbegriff göttlicher Verehrung.

In der Zeit des Propheten Mohammed (as) waren seine Gefährten stets bemüht, seine Bittgebete aufzuzeichnen, um diese auch an kommende Generationen zu verteilen. Hieraus entwickelte sich eine eigene Tradition, die diese und auch andere Gebete aufschrieb und versuchte, sie in kleinen Gebetsbüchern so viel wie möglich Menschen zugänglich zu machen.

Muslime glauben, dass wer Gott anruft von ihm auch Hilfe erhält - vorausgesetzt er erfüllt besondere Pflichten (siehe unten).

Eines Tages besuchte der Prophet Allahs einen der Gläubigen. Er wollte sich wegen seines Wohlbefindens bei ihm erkundigen, denn wie es schien war er sehr krank und geschwächt. Allahs Prophet sprach: 'Betest du oder bittest du ihn (Gott) um Hilfe?' Darauf antwortete dieser: 'Ja! Ich sprach diese Worte: Bestrafe mich jetzt, bevor du (Gott) mir die Strafen im Jenseits aufbürdest.' Darauf sprach der Prophet: 'Lob sei Allah, doch weder hast du die Macht mit dir selbst nachsichtig zu sein, noch die Bürde, Strafen auf dich zu nehmen. Warum sprachest du nicht so: Oh Allah, gewähre uns Gutes in dieser Welt und Gutes im Jenseits und behüte uns vor den Qualen des Feuers.' Nachdem der Heilige Prophet dieses Gebet gesprochen hatte, war der Mann geheilt.

- Muslim ibn Al-Hajjaj

Allahs Prophet sprach: 'Niemand von euch soll sich nach dem Tode sehnen. Wenn einem schweres Schicksal widerfährt und er sich dennoch nach dem Tode sehnt, soll er sagen: Oh Allah! Lass mich so lange leben, wie mir mein Leben Gutes gewährt, doch nehme mir das Leben, wenn es für mich besser sei zu sterben.'

- Sahih al-Bukhari

Neben den Gebetsschriften, die sich auf die Aussagen des Propheten Mohammed (as) beschränken, wurden auch nach seiner Zeit persönliche Gebete islamischer Heiliger aufgezeichnet. Unter ihnen wäre etwa zu nennen Scheikh Al-Schadhili (1196-1258), Verfasser des Seefahrergebets Hizb Al-Bahr: "Die Litanei des Meeres". Auch die Weisheitssprüche (Hikam) des Ibn Ata Allah (gest. 1309) sind eine Sammlung trostvoller Worte, die in der gesamten islamischen Welt gelesen werden.

Die Gebetssammlung Dala'il Al-Khayrat

Eines der wichtigsten Gebetshandbücher verfasste im 15. Jhd. Mohammed ibn Suleyman Al-Jazuli von Marrakesch (gest. 1465): das Dala'il Al-Khayrat - "Wegmarken der Wohltat". Er entstammte einer Berber-Familie aus dem Süden Marokkos und wurde später als Scheikh des Schadhiliya Sufi-Ordens, zu einem der bedeutendsten Islam-Gelehrten Nordafrikas.

Eine Legende erzählt, wie er eines morgens an seinen Brunnen ging, um dort für das Morgengebet Wasser zu schöpfen. Doch er kein Behältnis, dass er hätte dafür verwenden könnte, war irritiert und wusste sich nicht zu helfen. An einem hoch gelegenen Ort stand ein Mädchen, dass ihn beobachtete. In seiner Verwunderung rief es ihm von dort aus zu:

Nun bist du doch jener, den die Menschen wegen seines großen Wissens und seiner Wundertaten so sehr verehren, doch du schaffst es nicht dir Wasser aus dem Brunnen zu schöpfen?

Kurz darauf kam sie zu ihm an den Brunnen. Sie spuckte ins Wasser, dass plötzlich geheimnisvoll zu sprudeln begann und langsam anstieg. Es schwoll immer weiter an, bis es über den Brunnenrand hinaus, über den gesamten Hof strömte. Nun konnte Al-Jazuli also seine rituelle Waschung vollziehen. Doch verwundert wandte er sich dem Mädchen zu und fragte:

Ich bschwöre dich, bitte verrate mir wie du so eine hohe Stufe der Vervollkommung erreicht hast?

Sie aber sprach:

In dem ich Segnungen über jenen aussprach, dem die Tiere treu folgten, als er durch die Wildnis ging.

Inhalt des Dala'il Al-Khayrat

Al-Jazuli half mit seinem besonderen Gebetbuch Gläubigen über Schwierigkeiten im Leben hinweg. Wegen der Schönheit und spirituellen Kraft seines Buches, sammelten sich tausende Anhänger um Al-Jazuli. Ganz Marokko schien damals unter dem magischen Einfluss des Dala'il Al-Khayrat gestanden zu haben.

Kernpunkte der in diesem Buch enthaltenen Gebetslehren, sind Segnenswünsche auf den Propheten Mohammed (as), wie auch die damit verbundene Liebe an Allah und seinen Gesandten. Auch finden sich darin Anleitungen zur Auslöschung des niederen Selbst und der damit einhergehenden Triebhaftigkeit.

Diese Schrift beginnt mit den Lobpreisungen Allahs und seines Gesandten Propheten Mohammed (as). Besonders Mohammed, wird darin als der Diener Allahs gepriesen. Es zielt ab auf die Hoffnung eines Betenden, dass die Wirkungen beim Rezitieren dieser Verse auch auf den Rezitator übergehen und ihm damit zu Geduld, Kraft und gutem Denken verholfen wird:

  • Astaghfir ullah: Allah, vergib mir (dreimal).
  • Subhan Allah wa Alhamdu lillah: Gepriesen sei Allah und Dank sei Allah (dreimal).
  • Aus Sure 3:173: Uns genügt Allah, und er ist der beste Anwalt! (dreimal).
  • Dem folgen die Rezitationen der Suren Al-Ichlas (dreimal), Al-Falaq (einmal) und An-Nas (einmal).
  • Darauf wird die Sure Al-Fatiha rezitiert und außerdem die ersten vier Verse der 2. Sure Al-Baqara.
  • Nun folgt die Litanei der 99 Namen Allahs (Asma Al-Husna).

Abschließend wird auf das Wesen des Menschseins und sein Verhältnis zu Gott näher eingegangen, sowie ausführlich die Wirkungen des Gebets beschrieben. Schließlich endet Al-Jazulis Litanei mit einer Aufforderung, sich in Not immer dieser Schrift zuzuwenden:

Wenn du spürst, wie deine Triebseele (Nafs) dich zu beherrschen begehrt,
Und dich ins Feuer der Begierden drängt,
So banne dieses Begehren ganz hartnäckig durch das Gebet,
Insbesondere mit dem Dala'il Al-Khayrat.
Halte fest am Dala'il Al-Khayrat,
Und klammere dich an seine Rezitation, so wirst du erhalten was du wünschst.
Lichtglanz geht von ihm aus,
Oh Bruder, darum lass nicht davon ab!

- Aus dem Dala'il al-Khayrat

Voraussetzungen für die Erfüllung der Duas

Oh ihr Gesandten, esset von den reinen Dingen und tut Gutes. Wahrlich, ich weiß recht wohl, was ihr tut.

- Sure 23:51

Damit ein Dua von Allah angenommen wird, sagen die islamischen Weisen, sollten Gläubige diese Bedingungen erfüllen:

  • Immer nur gute Absichten haben (Sure 7:47, 7:89),
  • dabei stets aufrichtig denken, sprechen und handeln,
  • geduldig mit dem sein, was einem das Schicksal vorhält (Suren 2:250, 7:126),
  • rein sein im Geiste,
  • im Herzen und
  • sich um die rituelle Reinheit des Körper sorgen.

Das sind die allgemeinen Eigenschaften, die ein Gläubiger braucht, damit seine Gebete erhört werden.

Wege sich Gott zu nähern

Im Islam gibt es im Kontext der Dua, aber auch noch die besondere religiöse Praxis der Mittlerschaft: die Tawassul. Sie hilft in ihren verschiedenen Formen einem Menschen, sich Gott besser annähern zu können.

Mittler können dabei islamische Heilige sein oder auch der Scheikh eines Sufi-Ordens. Sogar die Grabstätten verstorbener Sufi-Heiliger, können jemandem bei der Annäherung an Gott helfen. Daher die Tradition des Pilgertums im Sufismus. Man denke etwa an die vielen tausend Gläubigen, die jedes Jahr ins indische Ajmer strömen, zum Mausoleum des Sufi-Heiligen Muinuddin Chishti (1141-1230) oder ins türkische Konya, wo sich die Grabstätte des berühmten Sufi Dschalaladdin Rumi (1207-1273) befindet.

Besonder die 99 Heiligen Namen Allahs eignen sich, um sich Allah zu nähern, bilden sie doch Synonyme für sein universales Wesen.

Doch auch Bitten an Verwandte oder Freunde, dass sie ein Dua für einen Menschen in Not sprechen sollen, zählen zu den Tawassul. So ein Bittgebet etwa, kann dann lauten:

Oh Allah, ich bitte dich darum (Sache oder Zustand), um der Liebe zu Mohammeds (as) Willen.

Eine bekannte Überlieferung zu diesem Thema handelt von einem blinden Mann:

Ein blinder Mann kam zum Propheten Mohammed und sagte: 'Meine Augen sind von einer Krankheit befallen, darum bete zu Allah für mich.' Der Prophet Mohammed antwortete: 'Geh und vollführe die rituelle Waschung, bete zwei Rekat (Niederwerfungen) und sage dann: Oh Allah, ich bitte Dich, wende mich an Dich durch Deinen Propheten Mohammed, den Propheten der Barmherzigkeit. Oh Mohammed, ich erbitte deine Fürsprache bei meinem Herrn, dass er mir mein Augenlicht wiedergebe.' Und er fügte hinzu: 'Und wenn ihr einer Sache bedürft, so tut das Gleiche.'

- Al-Tirmidhi

Bittgebete eines Gläubigen

Grundsätzlich kann jeder Mensch ein Dua beten, denn es werden keine intellektuellen Anforderungen an die Bittgebene eines Gläubigen gestellt. Er öffnet dabei empfangend die Hände gen Himmel, spricht sein Dua und beendet es mit der Sure Al-Fatiha. Danach streift er mit den Handflächen über sein Gesicht.

Es gibt jedoch zwei Arten von Duas:

  • Religiöse Duas sind Bitten um Festigung des Glaubens (Sure 3:8, 3:193), um Weisheit (Sure 2:129) oder für die Vergebung der Sünden (Suren 2:286, 3:16, 3:147, 14:41).
  • Im Ausrichten weltlicher Duas, liegt der Wunsch nach Wohlstand (Sure 5:114), nach Gesundheit (Sure 2:201), einem Ehepartner oder Kindersegen (Suren 2:128, 25:74).

Alle nur erdenklichen Lebenssituationen, werden aber bereits in den Versen der 114. Suren des Koran angesprochen. Daher ist es unter vielen Muslimen auch üblich, bestimmte Verse daraus zu rezitieren und die eigenen Bitten und Wünsche, damit an Allah zu richten.

Aus der Sure Al-Baqara

Eine der wohl wichtigsten Verse, die auf das Wesen des Dua hindeutet, ist der 216. Vers der Sure Al-Baqara:

mag sein, dass euch etwas zuwider ist, während es aber gut für euch ist. Und es mag sein, dass euch etwas lieb ist, während es euch aber schadet. Allah weiß, doch ihr wisset nicht.

- Sure 2:216

Dieser Vers eigentlich, stellt jedem Menschen den Wunsch frei ein Bittgebet zu äußern. Es ist ein Hinweis für Gläubige, dass Manches, besonders die unangenehmen Dinge, durchaus einen höheren Sinn erfüllen, sich ihm aber erst später als solche zu erkennen geben.

Die letzten beiden Verse der Sure Al-Baqara zu rezitieren, helfen dem Betenden sich gegen allerhand schädliche und üble Einflüsse zu schützen:

Der Prophet glaubt an das, was ihm sein Herr offenbarte, und ebenso die Gläubigen. Alle glauben an Allah, seine Engel, seine Bücher und seine Propheten. Wir machen keinen Unterschied bei einem seiner Propheten. Und sie sagen: 'Wir hören und gehorchen. Gewähre Vergebung, unser Herr! Und zu Dir führt der Lebensweg.'

Allah verpflichtet niemanden mit etwas außer dem, wozu er in der Lage ist. Ihm gereicht zum Vorteil, was er erworben hat, und ihm gereicht zum Schaden, was er begangen hat. 'Unser Herr, belange uns nicht, wenn wir vergessen oder einen Fehler begehen. Unser Herr, lege uns keine Bürde auf, wie Du sie denjenigen vor uns auferlegt hast. Unser Herr, bürde uns nichts auf, wozu wir keine Kraft haben. Verzeihe uns, vergib uns und erbarme Dich unser! Du bist unser Schutzherr, so unterstütze uns gegen die ungläubigen Menschen!

Auch in vielen anderen Versen des Heiligen Korans, liest man die Aufforderung "Sprich!". Was ihr folgt, ließe sich in vielen Fällen ebenfalls als Dua verwenden.

Sprich: Er ist mein Herr; kein Gott ist da außer ihm. In ihn setze ich mein Vertrauen und zu ihm werde ich heimkehren.

- Sure 13:30

Der Thron Gottes

In zwei Suren, Al-Baqara (Die Kuh) und At-Tauba (Die Umkehr), findet Erwähnung der Thron Gottes (vergl. Merkabah).

Sure 2:255 ist der Thronvers - "Ayat Al-Kursi". Ihm werden große geistige und physische Schutzkräfte zugesprochen. Daher rezitieren ihn Muslime, wenn sie sich auf eine Reise begeben. Denn wer ihn spricht bestätigt damit Allahs universale Größe.

Allah, kein Gott ist da außer ihm, dem Lebendigen, dem Ewigen. Ihn ergreift weder Schlummer noch Schlaf. Ihm gehört, was in den Himmeln und was auf der Erde ist. Wer ist es, der bei Ihm Fürsprache einlegen kann, es sei denn mit seiner Erlaubnis? Er weiß, was vor ihnen und was hinter ihnen liegt. Sie aber begreifen nichts von seinem Wissen, es sei denn das, was er wünscht. Sein Thron umfaßt die Himmel und die Erde, und ihre Behütung beschwert ihn nicht. Und er ist der Hohe, der Allmächtige.

- Sure 2:255

Auch die letzten beiden Verse der Sure At-Tauba, dem anderen Thronvers, seien hier mit angeführt, denn ihre Rezitation vollbringt im Betenden ein tiefes Vertrauen in Allah - besonders wenn er sich in Not befindet:

Wahrlich ist nunmehr ein Gesandter aus eurer Mitte zu euch gekommen. Es schmerzt ihn sehr, wenn ihr in Bedrängnis seid. Er ist eifrig um euer Wohl bemüht, zu den Gläubigen gnadenvoll und barmherzig. Doch wenn sie sich abkehren, so sprich: Allah allein soll mir genügen. Es gibt keinen Gott außer Ihm. Auf ihn vertraue ich, und er ist der Herr des gewaltigen Throns.

- Sure 9:128f

Aus der Sure Al-Haschr

Wer die letzten drei Verse der Sure Al-Haschr rezitiert, dem sendet Allah 70000 Engel, die ihm Gnade und Segen spenden.

Er ist Allah, außer dem es keinen Gott gibt. Er kennt das Unsichtbare und das Sichtbare. Er ist der Gnädige, der Barmherzige.
Er ist Allah, außer dem es keinen Gott gibt. Er ist der König, der Heilige, der Eigner des Friedens, der Gewährer der Sicherheit, der Beschützer, der Allmächtige, der Verbesserer, der Majestätische. Nichts kommt ihm gleich!
Er ist Allah, der Schöpfer, der Bildner, der Gestalter. Seine Namen sind die schönsten. Alles, was in den Himmeln und auf Erden ist, preist ihn, und er ist der Allmächtige, der Allweise.

 

Dua bei Sorgen

Oh Lebendiger, Oh Selbstexistierender, durch deine Gnade: hilf mir!

Dua gegen Wut

Ich suche Zuflucht bei Allah vor den Übeln des Satans.

Dua bei Krankheit

Oh Allah, Herr der Menschheit, nimm hinweg allen Schaden. Lass Heilung über mich kommen, bist du doch der alles heilt. Keine Heilung außer deiner. Gesundheit, frei von Gebrechen.

Dua beim Krankenbesuch

Kein Grund zur Sorge. Denn Krankheit nimmt die Übel hinfort, wenn Allah will.

Dhikr der heiligen Worte

Abschließend sei auf eine wichtige Sufi-Praxis hingewiesen. Sie vermag jeder Gläubige zu vollziehen, sobald er oder sie ihre Bedeutung erkannte. Es geht dabei um die stille oder laute Rezitation dieser heiligen Worte:

  • Subhan Allah - Gepriesen sei Allah,
  • Alhamdu lillah - Dank sei Allah,
  • La illaha illa Allah - Es gibt keinen Gott außer Allah und
  • Allahu Akbar - Allah ist der Größte.

In Zeilen des folgenden Hadith, soll der Prophet Mohammed (as) folgendes gesagt haben:

Wer morgens und abends hundertmal Subhan Allah sagt, dem käme Segen zu als hätte er hundert Pilgerfahrten verrichtet. Wer morgens und abends hundert mal Alhamdu lillah sagt, ist, als ob er hundert berittene Pferde für den Weg Allahs bereitgestellt und geschickt hat. Wer morgens und abends hundertmal La illaha illa Allah sagt, ist als ob er hundert Sklaven der Söhne Ismails befreit hätte. Wer morgens und abends hundert mal Allahu Akbar sagt, wird am Tag des Jüngsten Gerichts niemand bleiben, der mehr gute Taten vollbrachte als jener, es sei denn dieser hätte Allahu Akbar noch häufiger gesagt.

- Al-Tirmidhi

 

Sure An-Nas im Koran

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Sprich: Ich nehme meine Zuflucht beim Herrn der Menschen, (1)
Dem König der Menschen, (2)
Dem Gott der Menschen, (3)
Vor dem Übel des Einflüsterers, der entweicht und wiederkehrt, (4)
Der den Menschen in die Brust einflüstert, (5)
Unter den Dschinn und den Menschen. (6)

بِسْمِ اللهِ الرَّحْمنِ الرَّحِيمِِ

(قُل أَعوذُ بِرَبِّ النّاسِ (١
(مَلِكِ النّاسِ (٢
(اله النّاسِ (٣
(مِن شَرِّ الوَسواسِ الخَنّاسِ (٤
(الَّذى يُوَسوِسُ فى صُدورِ النّاسِ (٥
مِنَ الجِنَّةِ وَالنّاسِ (٦)‏

Bismi-llahi-r-rahmani-r-rahim

Qul audhu bi-rabbi an-nas (1)
Maliki an-nas (2)
Ilahi an-nas (3)
Min scharri al-waswasil chanas (4)
Alladhi yu waswisu fi suduri an-nas (5)
Min al-dschinnati wa an-nas. (6)

Bedeutungen der An-Nas

An-Nas ist die 114. und letzte Sure des Heiligen Koran, dem Buch der Muslime. Ihre Verse sind kurz. Dem Propheten Mohammed (as) wurde sie in Mekka offenbart, das heißt, während den Anfängen der islamischen Religion. Auch wenn diese Sure heute den Abschluss des Koran bildet, zählt sie zu den ersten Suren, die Mohammed (as) in Mekka geoffenbart wurden.

Sie beginnt mit der Erwähnung Allahs, als "Herrn der Menschen". Dem folgen die Anrufungen als "richtendem König der Menschen" und "anbetungswürdigem Gott der Menschen".

Als letzte Sure des Heiligen Koran ist sie gewissermaßen die Antwort auf das Gebet der Al-Fatiha, der ersten Sure des heiligen Buches. Diese Antwort leitet den Gläubigen dazu an zu beten, um sich von den Einflüsterungen (Waswasa) des Schaitan zu schützen.

Herkunft des Namens der Sure An-Nas

Der Titel dieser Sure bedeutet "Menschen", "Leute" oder eben auch "Menschheit". Mit der 113. Sure Al-Falaq, bildet sie die Al-Muawwidhata: das Paar der beiden Schutzsuren.

Wirkungen der Rezitation der Sure An-Nas

Diese Sure fordert den Betenden auf, bei Allah vor den Einflüsterungen Schaitans Zuflucht zu suchen, wie auch vor üblen Einflüssen durch Dschinnen (Genien) und Menschen. Das gilt im Übrigen ebenso für die eigenen schlechten Gedanken, Gefühle und Wünsche, vor denen man in der Sure An-Nas Zuflucht bei Gott sucht.

Wie gesagt, hilft sie dem Betenden, gemeinsam mit der 113. Sure Al-Falaq, sich gegen üble Einflüsse zu schützen. Die Sure Al-Falaq schützt gegen üble Einflüsse von Außen, die Sure An-Nas schützt gegen alles Übel, dass im Innern eines Menschen aufsteigt. Diese inneren Übel sind etwa jene Gedanken

  • die den eigenen Glauben schwächen,
  • die einen Menschen an sich, am Leben und an anderen zweifeln lassen,
  • die die heiligen Schriften in Frage stellen, oder
  • die einen zu schlechten oder bösen Taten verleiten.

Insbesondere wichtig ist die Rezitation dieser beiden Suren (Al-Falaq und An-Nas) abends vor dem Einschlafen und morgens vor dem Aufstehen.

Als ich mich mit Mohammed (as) auf einer unserer Reisen befand, sprach dieser zu mir: 'O Uqbah! Möchtest Du nicht lieber reiten?' Ich aber fürchtete mich, denn es hätte ja als Ungehorsam aufgefasst werden können. Doch Mohammed (as) setzte ab und so kam es, dass ich für eine Zeit lang ritt. Dann ritt er wieder und sprach: 'O Uqbah! Wäre es angebracht, wenn ich dir zwei Suren beibrächte, die besten Suren, die jemand rezitieren kann?' Da sagte ich, 'Mohammed, natürlich!' Also lehrte er mich diese Verse: 'Ich suche Zuflucht beim Herrn der Morgendämmerung' und fügte hinzu, 'Ich suche Zuflucht beim Herrn der Menschheit.' Dann ertönte der Gebetsruf, als Mohammed (as) vorausging, um den Gläubigen vorzubeten. Da rezitierte er diese Verse im Gebet. Danach lief er an mir vorüber und sprach: 'Du solltest wissen, O Uqbah: rezitiere diese beiden Suren, wann immer du zu Bett gehst und wann immer du am Morgen dein Nachtlager verlässt.

- Imam Ahmad über Uqbah bin Amir

Wer diese Sure rezitiert, schützt sich vor den üblen Einflüssen der Dschinnen, vor Schmerz und auch vor schwarzer Magie.

- Aisha bint Abu Bakr

Mohammed (as) versuchte sich vor dem Bösen Blick der Dschinnen und der Menschen zu schützen. Als Gott ihm aber die Muawwidhata (zwei Schutzsuren) offenbarte, verwendete er diese um sich vor diesen Einflüssen und auch vor allem anderen Übel zu schützen.

- Abu Said

Diese Sure ist also gewissermaßen eine Medizin für die menschliche Seele. Denn sie hilft einem Menschen, sich vor den offenbaren und verborgenenen Einflüsterungen des Schaitans zu schützen.

 

Sure Al-Falaq im Koran

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen,

Sprich: Ich suche meine Zuflucht beim Herrn der Morgendämmerung (1)
Vor dem Übel dessen, was er erschaffen hat (2),
Und vor dem Übel der Dunkelheit, wenn sie hereinbricht (3),
Und vor dem Übel der Knotenanbläser (4)
Und vor dem Übel jeden Neiders, wenn er neidet. (5)

 

بِسْمِ اللهِ الرَّحْمنِ الرَّحِيمِِ

(قُلْ أَعُوذُ بِرَبِّ ٱلْفَلَقِ (١
(مِن شَرِّ مَا خَلَقَ (٢
(وَمِن شَرِّ غَاسِقٍ إِذَا وَقَبَ (٣
(وَمِن شَرِّ النفثت فِى ٱلْعُقَدِ (٤
(وَمِن شَرِّ حَاسِدٍ إِذَا حَسَدَ (٥‎

Bismi-llahi-r-rahmani-r-rahim

Kul audhu bi-rabbi al-falak, (1)
Min scharri ma khalak, (2)
Wa min scharri ghasikin idha wakab, (3)
Wa min scharri an-naffasati fil-ukad, (4)
Wa min scharri chasidin idha chasad. (5)

Bedeutungen der Al-Falaq

Diese Sure wurde dem Propheten Mohammed (as) in Mekka offenbart, noch bevor er nach Medina floh.

In der Sure Al-Falaq wird Gott in einem Bittgebet angerufen, um den Betenden vor den Übeln der Welt und des Satans zu schützen. Sie zählt zu jenen Suren des Heiligen Koran, die sich mit der Beziehung von Mensch zu Gott, mit Spiritualität und dem islamischen Glauben an sich beschäftigen.

Herkunft des Namens der Sure Al-Falaq

"Al-Falaq" bezieht sich auf die Aufteilung der Welt in Pole, denn seine wörtliche Bedeutung ist "Trennung" oder "Spalt". Wenn im ersten Vers aber die Rede ist von einer "Dämmerung", ist das ein Hinweis auf eben solch einen "Spalt", der die Phase der Trennung zwischen Nacht und Tag bemisst. Al-Falaq steht somit für das Verschwinden der Finsternis und das Kommen des Lichts.

Im übertragenen Sinne deutet der Titel dieser Sure jedoch auch auf das Heraufdämmern der Wahrheit hin, beziehungsweise meint jene Gewissheit, das auf eine "dunkle Lebensphase" auch wieder eine Zeit des Lichts folgen wird. Wenn also die Dunkelheit der Nacht am furchterregendsten ist, dringen schon bald wieder Lichtstrahlen hindurch, die zur Dämmerung führen. Wenn also Allah als Herr der Morgendämmerung angerufen wird, ist das auch zu interpretieren als Aufruf nach dem Guten zu streben. So ließe sich die Zuflucht beim Herrn, auch gleichsetzen mit einem Streben nach Licht und Wahrheit.

In der berühmten Licht-Sure heißt es:

Gott ist das Licht der Himmel und der Erde. Das Gleichnis seines Lichtes ist das einer Nische, in der eine Lampe ist. Die Lampe ist in einem Glas. Das Glas gleicht einem funkelnden Stern. Das Öl der Lampe stammt von einem gesegneten Baum, einem Ölbaum, der nicht östlich und nicht westlich ist und dessen Öl beinahe von selbst leuchtet, ohne dass es das Feuer berührt hätte. Licht über Licht. Gott leitet zu Seinem Licht wen Er will.

- Sure 24:35

In diesem Kontext ließe sich die Nacht, als Symbol für das Nichtsein interpretieren, für den Tod und die Übel. Während der Tag jedoch für Leben und Aktivität steht. Urheber und Quell des wahren Lichts aber ist allein Allah, der alle die sich ihm nähern von den Schatten der Unwissenheit und damit von den Übeln des Aberglaubens befreit.

Wirkungen der Rezitation der Sure Al-Falaq

Gemeinsam mit der 114. Sure An-Nas (die Menschen), gehört die Sure Al-Falaq zu den sogenannten "Suren der Zuflucht". Während die Sure An-Nas dem Gläubigen hilft, bei Gott vor inneren Übeln Zuflucht zu nehmen (böse Gedanken, Neid auf andere, Hassgefühle, Rachegelüste, Selbstüberschätzung), stehen einem die Verse der Sure Al-Falaq bei, wenn man bei Gott Zuflucht sucht vor äußeren Übeln: dem Schaden durch Fremde, durch Flüche, fremdem Neid, durch den Bösen Blick und so weiter.

Es ließen sich dieser polaren Thematik, durchaus aber auch menschliche Eigenschaften und Gefühle zuordnen, wie etwa Liebe und Feindschaft. Denn wenn es im 5. Vers dieser Sure heißt

Und vor dem Übel der Knotenanbläser

Die Knotenanbläser stehen synonym für böse Hexen oder Schwarzmagier. Jene Knoten können auch verstanden werden als die Verbindung zweier Menschen. Ein böser Knotenanbläser versucht durch das Anblasen jener Verbindung (des Knotens), ein Bündnis zu lösen, Menschen zu trennen und aus dem Licht in die Finsternis hinab zu ziehen. Er will das Band der Ehe durch einen Fluch brechen.

Jener 5. Vers der Sure Al-Falaq verweist auch auf die bösen Machenschaften eines Menschen oder eines dunklen Schattenarbeiters, der, während er jemanden verflucht, mit jedem Satz einen Knoten in ein Stück Darm oder Strick flechtet und dabei festzieht. In vorislamischer Zeit gab es solche Menschen auch in Arabien. Sie machte man verantwortlich für alle möglichen Krankheiten. Um einen Fluch über eine Person zu lösen, musste aber erst das Stück Band gefunden werden, in dem sich der zu lösende Knoten befand. Sicher aber war, dass auch der Verflucher selbst, an seinen Fluch gebunden, mit dem Schicksal seines Opfers untrennbar "verknotet" war.

Wenn im 2. Vers dieser Sure der "Herr der Trennung" (oben als "Herr der Morgendämmerung" übersetzt) angerufen wird, geht es um die Suche nach Zuflucht bei Allah, der ja auch für das Aufgehen neuer, guter und fruchtbringender Resultate ist. Das gilt etwa auch für jene "Spalten" in der Erde, in denen die Saat zu keinem beginnt. Auch das dazu benötigte Sonnenlicht "spaltet" die Wolken des Himmels, die dabei ihren segnenden Regen hinabsenden. Gewiss klingen in dieser Thematik also auch die geheimen Mysterien der Landwirtschaft an, wie sie in der Antike abgehalten wurden - und zwar immer zur Tagundnachtgleiche (Frühling und Herbst).

Wer die Sure Al-Falaq im heiligen Monat Ramadan häufig rezitiert, so heißt es, dem sollen Segnungen zukommen, als befände er sich auf der kleinen (Umrah) oder großen Pilgerfahrt (Hadsch) nach Mekka.

 

Sure Al-Ichlas im Koran

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Sprich: Gott ist Einer, (1)
Ein ewig reiner, (2)
Hat nicht gezeugt und ward nicht gezeugt, (3)
Und keiner ist ihm gleich. (4)

 

بِسْمِ اللهِ الرَّحْمنِ الرَّحِيمِِ

(قُلْ هُوَ اللَّهُ أَحَد ٌ (١
(اللَّهُ الصَّمَدُ (٢
 (لَمْ يَلِدْ وَلَمْ يُولَدْ (٣
(وَلَمْ يَكُنْ لَه ُُ كُفُواً أَحَد ٌ (٤

Bismi-llahi-r-rahmani-r-rahim

Qul huwa al-lahu ahad, (1)
Alllahu as-samad, (2)
Lam yalid wa lam yulad (3)
Wa lam yakun lahu kufuwan ahad. (4)

Bedeutungen der Al-Ichlas

Es ist dies die Sure der Treue, Aufrichtigkeit und Wahrheitsliebe. Sie besteht aus vier Versen und gehört damit zu den kürzesten Suren des Heiligen Koran.

Uneinigkeit besteht darüber, ob sie dem Propheten Mohammed (as) in Mekka oder in Medina offenbart wurde. Einiges aber scheint darauf hinzudeuten, dass sie medinischen Ursprungs ist. Sie entstand wohl, als man Mohammed nach der Abstammung seines Herrn fragte, worauf Allah ihm eingab, dass er eben

nicht gezeugt hat und nicht gezeugt wurde

- Sure 112:3

Herkunft des Namens der Sure Al-Ichlas

Trotz dass das Wort "Al-Ichlas" nirgends in der nach ihm benannten Sure auftaucht, beschreibt ihr Titel doch ihren Inhalt. Sie nämlich dreht sich einzig und allein um den Glauben an die ungeteilte Einheit Gottes. Man nennt sie daher auch Sure Al-Tauhid. Der Begriff "Tauhid" ließe sich wohl übersetzen als "Monotheismus". Damit steht Al-Ichlas für den wichtigsten Grundsatz islamischen Glaubens: die absolute und all-einige Einzigkeit Allahs, seine Absolutheit, die aller Andichtungen entbehrt. Darum nennen sie manche auch "Sure der Reinheit", da sie auf die Wichtigkeit anspielt, dass es neben Gott keine anderen Götter gibt, die ihm gleich sind. Auf dieser Auffassung basiert der gesamte Islam: Gott ist der Erste (Al-Awwal), Einige (Al-Ahad) und Alleinige (Al-Wahid).

Wer auch immer die vermeintliche Einfachheit dieser Sure zu durchdringen vermag und in ihrem innersten, einigen Kern verstanden hat, für den erübrigt sich aller Polytheismus (Schirk).

Wirkungen der Rezitation der Sure Al-Ichlas

Es heißt, wer diese Sure rezitiert, dem werde Allah ein Heim im Paradies schaffen. So ist sie eine Sure höchsten Lohns und größter Tugendhaftigkeit. Wer Al-Ichlas spricht, so heißt es, der empfange Gottes Segen, als hätte er ein Drittel des gesamten Koran rezitiert.

Einst fragte der Gesandte Allahs seine Gefährten: 'Seid ihr nicht alle dazu im Stande, bevor ihr zu Bett geht, ein Drittel des Korans aufzusagen?' Verwundert fragten sie ihn: 'Oh Gesandter Gottes, wer kann so etwas vollbringen?' Er sprach: 'Er ist Gott, der All-Einige und Einzige: das ist ein Drittel des Koran.'

- Hadith Abu Said

Muslime die von Armut betroffen sind, sollen diese Sure aussprechen, sobald sie ihr Heim betreten, damit ihnen Allah helfe, über ihre Nöte hinweg zu kommen. Damit ist Al-Ichlas auch eine Sure der Versorgung (Rizq) und des Lebensunterhalts. Mit ihrer Rezitation kommen dem Gläubigen sowohl materielle wie auch immaterielle Güter zu, die für sein Leben im Diesseits notwendig sind und mit denen ihn sein Schöpfer beschenkt.

Ein authentischer Hadith berichtet, dass

Wer die Sure Al-Ichlas gemeinsam mit den Versen der Zuflucht (in Suren Al-Falaq und An-Nas) nach dem Aufwachen am morgen und vor dem Einschlafen am Abend, dreimal rezitiert, dem wird an nichts fehlen.

- Hadith Al-Tirmidhi

Sahi Al-Bukhari fügte dem in einem anderen Hadith hinzu, dass

Immer wenn der Prophet Mohammed (as) abends zu Bett ging, öffnete er im Gebet seine Hände empfangend gen Himmel, sprach die Suren Al-Ichlas, Al-Falaq und An-Nas, und bließ danach über seine empfangenden Hände. Damit strich er über sich, beginnend mit dem Haupt, dann über das Gesicht und über die Vorderseite seines Leibes. Dies vollzog er dreimal.

Ein anderer Hadith sagt:

Wer immer im Bett vor dem Einschlafen, auf seiner Rechten liegend die Sure Al-Ichlas hundertmal rezitiert, dem wird Allah am Tage des jüngsten Gerichts verlautbaren: 'Mein Diener, gehe ein ins Paradies zu Deiner Rechten.'

Im arabischen Volksglauben heißt es, dass wer die Sure auf ein Schutz-Amulett geschrieben, bei sich trage, von dem werde jeder böse Blick abgleiten.

 

Also sprach Zarathustra: Denke, rede und handle gut

Also sprach Zarathustra: Denke, rede und handle gut

Lehre mich vor allem eines: dankbar zu sein für deine Güte, aber auch danken zu können für die geringsten Taten der Menschen gegen mich.

- Zarathustra

Zarathustra - ewigeweisheit.de

Eine der außergewöhnlichsten Religionen auf unserem Planeten ist der Zoroastrismus. Nicht nur ihre makellose Ethik macht sie so besonders: Auch ihre vielen Parallelen zum Christentum, lassen staunen.

Drei zoroastrische Priesterkönige kamen nach Bethlehem, um ihre geweihten Gaben, Josef, der Heiligen Mutter und dem neugeborenen Christuskind zu überreichen. Im zweiten Kapitel seines Evangeliums, spricht der Evangelist Matthäus von ihnen als den Magoi apo Anatolon – den Magiern aus dem Morgenland. Sie sollen ausgesprochen kluge Männer gewesen sein, Könige großer Weisheit.

Diese drei Weisen besaßen genaue Kenntnisse über die Himmelsbewegungen und erkannten das von Zarathustra prophezeite Zeichen am Nachthimmel: den Stern von Bethlehem – einen astralen Vorboten, der auf das Kommen des großen Weltlehrers hinweist.

Im Anfang war das Wort

Ihren Gott sahen diese orientalischen Priesterkönige im Allweisen Herrn Ahura Mazda – den einen und guten Gott. Sein Prophet war Zarathustra, der im ersten Jahrtausend vor Christus im alten Iran lebte und als Philosoph und Priester lehrte.

Zarathustras Gott Ahura Mazda, wurde jedoch nicht gezeugt, sondern existierte immer. Denn er ist ohne Anfang und ohne Ende. Er gab sich zu erkennen, als das vortreffliche, reine und zündende Wort, das im Anfang stand. Im Sprechen des Heiligen Wortes Ahuna Vairya, entstand die Welt. Und so existierte das Wort vor allem Anderen, das dereinst sein sollte.

Das war das Wort Ahuna Vairya, O Zarathustra, das ich dir verkündete, vor der Erschaffung des Himmels, vor dem Wasser, vor der Erde, vor dem Rind, vor der Pflanze, vor dem Feuer, dem Sohn Ahura Mazdas, vor dem wahrheitsgläubigen Menschen, vor den Devas wie den üblen Menschen, vor der gesamten stofflichen Welt, vor allem Guten von Mazda Geschaffem, die die Saat der Rechtschaffenheit sind.

- Yasna 19:3

Davon scheint ja ebenso das Evangelium Johanni zu künden: mit den griechischen Worten en arkhei en ho logos, »Im Anfang war das Wort«.

Auch im noch viel älteren, indischen Rigveda, lesen wir vom vach, dem alles durchdringenden Wort des Uranfangs.

Ewig heilige Flamme

Und so wie dieses Urwort Ahura Mazdas das Licht des Universums entzündete, so existiert bis heute das Licht jenes heiligen, leuchtenden Feuers fort: Atasch. Es gehört ebenso zu Ahura Mazda, wie das Licht zur Sonne gehört. Im Atasch sehen die Gläubigen, dass sie lebendig und untereinander verbunden sind.

Für dieses Licht des Atasch, brennen auf den zoroastrischen Feueraltaren, wie etwa im Tempel von Yazd, die Heiligen Flammen der Zarathustra-Priester, dem allweisen Ahura Mazda geopfert werden. Es sind die Flammen des Heiligen Feuers, dass nie erlöschen und durch nichts verunreinigt werden darf.

Der Gott Zarathustras

Es gibt einen Gott - den allmächtigen Ahura Mazda.
Er schuf diese Erde.
Er schuf diesen Himmel.
Er schuf den sterblichen Menschen.
Er schuf dem Menschen die Glückseligkeit.

- Aus dem Gandschname des König Darius, Keilschrift-Gravierung im Alvand-Gebirge

Ahura Mazda erschuf die wahre Reinheit Ascha, durch die er die kosmische Ordnung aufrecht erhält. Sowohl die moralische, wie auch die materielle Beschaffenheit der Welt, entstand durch das Ascha Ahura Mazdas. So ist er der Erschaffende, der Herrschende (Ahura), der Allwissende (Mazdao) und der, der durch Ascha, alles im Universum ordnete. Durch sein Handeln entstand die Welt und sein darin wirkendes, ewig-universales Weltgesetz.

Mit diesen Eigenschaften entspricht er auch dem vedischen Gott Varuna – dem Allumfassenden, den man in früh-vedischer Zeit als höchsten Gott verehrte.

Im Avesta, der Heiligen Schrift der Zoroastrier, werden die spirituellen Vorstellungen des Ahura Mazda, ganz klar dargestellt: sein Auge ist die Sonne, der Himmel sein göttliches Kleid, die Fluten seine Gemahlinnen.

Ahriman – der arge Geist

Dem lichtvollen, die reine Wahrheit verkörpernden Ahura Mazda, widersetzt sich der lügende Verderber Ahriman. Er ist jener, den die judeo-christliche Tradition als Satan bezeichnet. So ist er Verkörperung der bösen Mächte der Finsternis.

Nachdem Ahura Mazda, die Welt als Reich des Lichts vollendet hatte, griff Ahriman in die Schöpfung ein und verdarb sie.

Auch gegenwärtig wirkt er dem erschaffenen, eigentlichen Lichtreich Ahura Mazdas, durch seine finsteren Machenschafren entgegen. Um jeden Preis will er diese Welt zerstören. Im Kampf dieser beiden Licht- und Finsterniskräfte, ist die gesamte Geschichte der Welt begründet.

Doch dieser Kampf zwischen Gutem und Bösem, ist ja etwas, dem wir ja in eigentlich allen Religionen und Mythen begegnen.

So ist Ahriman auch identisch mit jenem »Alten Drachen« der Indo-Arier, der sich wiederum in alt-vedischen Schriften, als Schlangendämon Vritra personifiziert. Als dieser nämlich kämpft er gegen den Götterkönig Indra.

Jener Kampf zwischen dem lichtvollen Feuergott und dem Schlangendämon Afrasiab, begegnet uns als solcher auch in der Religion der Indo-Iraner.

Ebenso im griechischen Mythos finden sich diese entgegengesetzten Wirkprinzipien in hohen, göttlichen Wesen verkörpert. Da nämlich tötet der Lichtgott Apollon, die aus dem dunklen Schlamm geborene Schlange Python.

Nicht zuletzt finden wir eine ähnliche Symbolik auch im Kampf des christlichen Heiligen St. Georg gegen den Drachen.

Die Frucht des ewigen Lebens

Im Garten Eden, wie ihn das 1. Buch Mose (biblische Genesis) beschreibt, wuchs einst eine Wunderpflanze: der Lebensbaum, dessen Früchte ewiges Leben verleihen. Die Vorstellung von einem solch geheimnisvollen Gewächs, stammt aus dem alten Reich von Akkad und entwickelte sich dort lange bevor die Fünf Bücher Mose entstanden, vermutlich vor 5000 Jahren.

Damit ist das Bild vom Baum des Lebens bereits uralt und zeitlich kaum noch zu bestimmen. Vermutlich entstand die Idee von einem Leben spendenden Gewächs nämlich bereits in einer Zeit, als sich die Menschen ausschließlich von den Früchten der Bäume ernährten. Damit war der paradiesische Lebensbaum also eine Pflanze gewesen, auf dem für die Menschen lebenswichtige Nahrung wuchs.

Diese alte Vorstellung wurde von den Assyrern dann in ihr Glaubenssystem aufgenommen, die es dann an die Babylonier weitergaben, bis es schließlich von dort zu den alten Persern kam – den Urahnen Zarathustras.

Das Heilige Opfer

Wie die biblische Genesis aber weiter erzählt, wuchs in Eden ein Baum mit verbotenen Früchten: der Baum der Erkenntnis von Gutem und Bösem. Die Schlange verführte Eva und versprach, dass ihr die »Augen aufgingen«, sobald sie von diesen Früchten esse. Was für ein Baum war das? Wuchsen auf ihm vielleicht Früchte, deren Samen psychedelische, bewusstsein-erweiternde Substanzen enthielten?

Im zoroastrischen Feuerritual, nehmen die Priester den heiligen Haoma-Trank ein. Diesen magischen Trank bereiten sie wohl aus den Samen der Ephedra (Meerträubel), sowie Zweigen und Blättern des Granatapfelbaumes. Naheliegend ist, dass wer die Essenz dieser Samen einnimmt, in einen rauschartigen Zustand eingeht, enthalten Ephedra-Samen doch das psychoaktive Alkaloid Ephidrin.

Mit dem Saft dieser Ephedra-Samen, könnte darum auch das gemeint sein, was im Zoroastrismus mit dem Namen »Gaokerena« bezeichnet wird: dem Saft einer magischen Pflanze, der das Elixier des ewigen Lebens enthält.

Einer alt-persischen Legende nach, brachte der heilige Vogel Simurgh die Samen der Haoma-Pflanze auf die Erde. Er flog von seinem Nest auf dem Gipfel des Berges Alburz, hinauf ins himmlische Paradies, wo er in Mitten des Meeres Vourukascha, von den Zweigen eines riesigen strahlend-weißen Baumes brach.

Gewiss besteht im Haoma-Ritual eine Ähnlichkeit zum vedischen Ritus und dem dabei eingenommenen Soma.

Was später in der heiligen Eucharistie mit der Einnahme des gesegneten Weines und Brotes erfolgte, weist gewisse Parallelen zum Haoma-Ritual auf. Denn in ähnlicher Form werden beim zoroastrischen Feueropfer den Priestern Haoma und kleine, gesegnete Kuchen den Gläubigen zur Einnahme gereicht.

Vom Kommen der Endzeit

Eine der charakteristischen Züge persischer Religion ist die Vorstellung vom Nahen der Endzeit. Seit dem Ableben des Propheten Zarathustra, fürchtet man sich vor einer kommenden, großen Weltkrise, in die sich die gesamte Menschheit begibt – etwas das besonders heute bedrohlich aufzudämmern scheint. Nicht aber dachte man, dass mit dem »Ende der Welt« alles schlimmer würde, sondern wusste vielmehr um die Erneuerung der selben.

Mit diesen großen Ereignissen, werden die Erretter der Menschheit erscheinen, Nachfahren des großen Zarathustra. Mit ihnen werden die Toten auferstehen. Ein von einer Jungfer geborener Erlöser werde erscheinen: der Saoschyant – Sohn der Eredat-fedhri, der »Siegreichen Helferin«:

Wir verehren den wachenden Geist (Faravahar) des rechtschaffenen Erlösers (Astvatereta). Er wird ein siegreicher Erretter (Saoschyant) sein und sein Name wird Fleisch gewordene Rechtschaffenheit (Astvatereta) sein. Ihn soll man nennen den Gütigen, den Heiland, denn er wird das Gute bringen, wird alle Fleisch gewordene Welt erretten. Ihn soll man nennen die Fleisch gewordene Rechtschaffenheit (Astvatereta), denn als solcher, begnadet mit mit Lebenskraft, wird er als Unverweslicher dem Teufel (Druj) widerstehen, mit seiner zweibeinigen Nachkommenschaft, um zu widerstehen den Bösen Taten der Gläubigen.

- Aus dem Hymnus an den Schutzengel, Yascht 13:128-129

Faravahar - ewigeweisheit.de

Faravahar: das wohl am meisten verwendete Symbol zur Kennzeichnung der zoroastrischen Kultur

Mit dem Auftreten des Saoschyant werden die Lebenden unsterblich, ihre Leiber verklärt, so dass sie als schattenlose Körper wandeln.

Solch Vorstellungen sind gewiss Vorausahnungen von etwas, das dereinst ja auch im Neuen Testament auftauchte. Denn auf ähnliche Weise prophezeiten Johannes der Täufer und Jesus von Nazareth, vom Kommen eines himmlischen Königreichs. Der Heilige Paulus von Tarsus glaubte gar, dass er noch zu seinen Lebzeiten diesen Neubeginn des Guten erlebe. Die Toten, in Gott ruhenden, würden zu neuem Leben erweckt, ihre fleischlichen Körper verklärt und unsterblich.

Doch nicht allein im Christentum existiert solch eine Vorstellung. Eigentlich in allen Traditionen auf der Erde, hegte man den Glauben an eine kommende Welt, eine Zeit der Seligen, eine lichtvolle Zukunft für die Menschheit.

Ob nun die alten Griechen, Ägypter, Hindus, die alten Kelten oder Germanen: der Glaube der Menschen der Antike bezeugt dieses große Ereignis. Dann werden die Guten für ihre Wohltaten belohnt, die Bösen aber für ihr übles Handeln bestraft. Wahrheit wird über Unwahrheit siegen und alles Übel in der Welt zerstört.

Daher sollte jeder Mensch nach dem Guten streben, damit die Menschheit sich selbst perfektioniere und sich am Ende die Welt erneure – in vollkommener Wahrheit und im Licht reiner Güte. So werde ein Reich vollkommener Souveränität nahen, ein gelobte Land der Reinheit und des Friedens.

Daher wies der Prophet Zarathustra die Gläubigen an, stets gut zu denken, gut zu sprechen und gut zu handeln.

Der wachende Allgeist Faravahar

Für diese drei Grundprinzipien der Güte, steht im Zoroastrismus der Faravahar, ein Schutzgeist oder Schutzengel, der den Menschen während seines Lebens begleitet.

Das Symbol für den Faravahar, der auch manchmal »Frawaschi« genannt wird, ist einer, der ein geflügeltes Fahrzeug lenkt. Zahlreiche Reliefs in der altpersischen Stadt Persepolis, zeigen diese Figur.

Es wird bewusst als Mensch dargestellt, was gewiss als Verweis auf das menschliche Denken, den humanen Geist hinweisen soll. Der Bart dieser Person verweist auf die Reife und Weisheit, die ein jeder Mensch in seinem Leben erstreben sollte. Das er die rechte Hand erhebt, verweist er auf rechtes Streben in allen Handlungen, in allem Sprechen und Denken.

Wer sein Denken, sein Sprechen und Handeln geläutert hat, den beflügelt die Kraft seines Faravahar. Wohl daher die Schwingen des Bildes.

Im Erfüllen der genannten drei Prinzipien des Guten, kann sich ein Mensch seinem Schutzgeist nähern, wird sich seines persönlichen Schutzengels bewusst.

Und was bedeutet gut zu denken, gut zu sprechen und gut zu handeln? Nur wessen Geist von Unwissenheit getrübt und mit Unwahrheit belastet ist, dessen Sprache ist durchdrungen von Lüge und entsprechend schlecht sind seine Handlungen.

Der Faravahar aber ist wissend und sein Geist gleicht dem Licht Ahura Mazdas. Wer daher sein Denken läutert, wird auch in Wahrheit sprechen und sein Handeln in Harmonie bringen mit dem Guten.

Salomons Liebeslied

von Johan von Kirschner

Sinnlichste aller biblischen Schriften und Buch höchster Vortrefflichkeit: Das Hohelied Salomons. Wer es auch immer liest, wird sich seines erbaulich-heiligen Schrifttums sofort bewusst. Wohl kaum einem anderen Dichter gelang es sich poetisch der Schönheit der Verse des salomonischen Hohelieds zu nähern. Doch wer sollte es lesen?

Fraglos, dass dieses außergewöhnliche Gedicht vom Leser eine gebührende Reife verlangt. Frommen Juden gilt es darum als verpönt, diese Schrift zu studieren, bevor man das 30. Lebensjahr erreicht hat. Nur wer über ein adäquates Maß an Lebenserfahrung verfügt, soll in den Gefilden jener heiligen Mysterien des Hohelieds zurechtfinden.

Und dennoch: Ganz gleich wieviel Lebenserfahrung man auch sammelte, dürfte vieles in den Versen des Hohelieds unerklärlich bleiben. Und trotzdem findet der Leser darin tiefste Erkenntnis, über das wahre Wesen der Liebe. Es gleicht einer Einweihung, einer Erfahrung die eben der Leser und Kenner dieser Schrift über die Jahre hinweg wohl immer und immer wieder machen kann.

Dreifältige Liebe

Für manche ist das Hohelied darum Teil eines dreistufigen Einweihungsweges. Für diese drei Stufen stehen allegorisch die drei Bereiche des alten Salomonischen Tempels zu Jerusalem. Das Hohelied aber ist ein Stufe davon.

Durch seine Weisheitsbücher öffnet Salomon drei Pforten, die den Initianden in die Mysterien der Liebe einweihen.

  • Zuerst führt er den Leser durch das Buch der Sprichwörter, in das sittliche Wertesystem ein. Allegorisch betritt er damit den Vorhof des alten Tempels zu Jerusalem.
  • Im Buch Kohelet, worin Salomon als Prediger auftritt, erklärt er dem Leser wie er den Zugang zur Natur des Sinnlichen findet, versinnbildlicht durch das Tempelheiligtum.
  • Die höchsten Mysterien schließlich findet er im Hohelied Salomons. Es ist die Einweihung in die mystische Verbindung zweier Liebender - doch auch zwischen Gott und der Tempelgemeinde. Hier nämlich waltet der Hohepriester allen Liebseins seines Amtes - im Allerheiligsten des salomonischen Tempels, der nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist.

Der Tod als Schlüssel

Setze mich wie ein Siegel auf dein Herz und wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod, und ihr Eifer ist fest wie die Hölle. Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des Herrn (Jah)

- Hohelied 8:6

In allen Mysterienschulen spielt der Tod eine zentrale Bedeutung. Denn beim Überschreiten der Schwelle zwischen Leben und Sterben, erfährt der Initiand Einheit - erlebt Ein-Weihung.

Schulamith - ewigeweisheit.de

Schulamith - die Tochter des Pharao. Illustration von Ephraim Moses Lilie in "Die Bücher der Bibel".

Schöne Tochter Schulamith

Im Mittelpunkt des Hohelieds steht eine Frau: Schulamith, die schöne Tochter des Pharao. Ihr Gesang eröffnet und beschließt die Sammlung. Von ihr strömt das Liebende aus, als weiblicher Widerpart Salomons, dem Prinz des Friedens. Schulamith ist die Weingärtnerin, Schäferin, Gemahlin des Prinzen. Er aber ist ein bittstellender Fürst, neugierig, wirbt er durchnässt von nächtlichem Tau, um die Gunst der bezaubernden Schulamith.

Zieh mich dir nach, so wollen wir laufen.
Der König führte mich in seine Kammern.
Wir wollen uns freuen und fröhlich sein über dich;
wir preisen deine Liebe mehr als den Wein.
mit Recht lieben sie dich!

- Hohelied 1:4

Wer aber ist hier gemeint? Wohl nicht nur eine Person. Erfreut sich Salomon etwa gemeinsam an der Liebe eines verborgenen Dritten?

Ein ständiger Wechsel der Protagonisten, der plötzliche Übergang von der Rede der einen in die Rede einer anderen Person: das lässt einen als Leser tatsächlich wechseln, zwischen Vorstellungen erotischer, zwischenmenschlicher und göttlicher Liebe - aus religiöser Sicht scheinbar unvereinbar. 

Doch auch wenn der Gottesname nur an einer Stelle im Hohelied Erwähnung findet, in seiner abgekürzten Form Jah, ließe sich die im Hohelied beschriebene Liebe zwischen Mann und Frau, durchaus als Allegorie auf die Beziehung zwischen Gott und Israel deuten. Christen deuteten das Hohelied daher später auch um, auf das Verhältnis von Christus zu seiner Gemeinde.

Dem Leser ist also nicht immer klar, ob die schöne Schulamith mit einem oder mit zwei männlichen Charakteren, ob sie mit Salomon oder zu Gott selbst spricht.

Schwarz bin ich, doch gar lieblich, ihr Töchter Jerusalems!
Wie die Zelte Kedars, wie Salomons Zeltdecken.
Seht mich nicht an, daß ich so schwärzlich bin, dass die Sonne mich verbrannt hat.
Die Söhne meiner Mutter zürnten auf mich; sie bestellten mich zur Weingärtnerin - meinen eigenen Weinberg habe ich nicht gehütet!

- Hohelied 1:5-6

Es sind lustvolle Andeutungen, die im Leser sofort ein Gefühl der Sinnlichkeit wachrufen. Doch es sind auch Allegorien, die seit alter Zeit assoziiert wurden mit dem Verhältnis in dem das Volk Israel zu Gott steht. Insbesondere im Christentum ist das Bild vom Liebenden und dem Geliebten eine wichtige Metapher für die Rolle Christi als himmlischem Liebesgesandten.

Blume zu Saron - ewigeweisheit.de

Illustration aus "Geheime Figuren der Rosenkreuzer" (1785)

Die Essenz des Hohelieds

Ich bin eine Blume zu Saron und eine Rose im Tal.
Wie eine Rose unter den Dornen, so ist meine Freundin unter den Töchtern.
Wie ein Apfelbaum unter den wilden Bäumen, so ist mein Freund unter den Söhnen.
Ich sitze unter dem Schatten, des ich begehre, und seine Frucht ist meiner Kehle süß.
Er führt mich in den Weinkeller, und die Liebe ist sein Banner über mir.
Er erquickt mich mit Blumen und labt mich mit Äpfeln; denn ich bin krank vor Liebe.
Seine Linke liegt unter meinem Haupt, und seine Rechte herzt mich. [...]
Meine Taube in den Felsklüften, in den Steinritzen, zeige mir deine Gestalt, lass mich hören deine Stimme; denn die Stimme ist süß, und deine Gestalt ist lieblich.
Fanget uns die Füchse, die kleinen Füchse, die die Weinberge verderben; denn unsere Weinberge haben Blüten gewonnen.
Mein Freund ist mein, und ich bin sein, der unter Rosen weidet.

- Hohelied 1-6,14-16

Die wörtliche Interpretation des Buches ließe sich als Abhandlung über die Verlobung und Hochzeit der Königstochter Schulamith und Königs Salomon verstehen. Andererseits ist auch möglich, jene Zeilen als die Entscheidung der Prinzessin zu deuten, dem sie sich tatsächlich zuwendet: König Salomon. Er ist der geliebte Schäfer. Doch eben jenen trifft sie auch in ihrem Schlafgemach.

Schulamith denkt an anderer Stelle an ihren Geliebten, der da aber nicht König Salomon ist, sondern wieder Gärtner und Hirte:

Mein Freund ist hinabgegangen in seinen Garten, zu den Würzgärtlein, dass er weide in den Gärten und Rosen breche.
Mein Freund ist mein, und ich bin sein, der unter den Rosen weidet.

- Hohelied 6:2-3

König Solomo. Russische Ikone - ewigeweisheit.de

König Solomo. Russische Ikone aus dem ersten Viertel des 18. Jhd.

Liebeserkenntnis

Lass deine Brüste sein wie Trauben am Weinstock und deiner Nase Duft wie Äpfel

- Hohelied 7:8

Auch in die Kunst der Liebe kann man eingeweiht werden. Nicht zufällig war es jene »Kunst« von der ja auch Adam und Eva erfuhren, nachdem sie den verbotenen Apfel vom Baum der Erkenntnis aßen.

Und Adam erkannte sein Weib Eva, und sie ward schwanger

- Genesis 4:1

Es geht besonders um die rechte Wahl, die man als Liebende oder als Liebender trifft: mit wem will man sich vereinen, mit wem vielleicht Kinder zeugen?

Doch es lässt sich diese Wahl nicht von alleine treffen. Man muss auf die kommende Liebe auch warten können.

Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems [...] weckt nicht auf, erweckt nicht die Liebe, bis es ihr selbst gefällt!

- Hohelied 3:5

Was das Allerwichtigste ist in der Liebe zwischen zwei Verliebten, darüber spricht das Hohelied. Man findet darin zu wahrem Verständnis über die Liebe des Anderen und jene Erinnerung daran, dass man einst ja bestimmt auch selbst verliebt war oder aber wie es sich anfühlte geliebt worden zu sein.

Einführung in die Kunst zu Lieben

So wie das Hohelied Salomons geschrieben wurde kann es wirklich als Lehrbuch der Liebe gelesen werden. Es geht um die »Wahre Liebe« und das Finden der oder des »Wahren Geliebten« – jemandem, der erst als solcher enthüllt werden muss oder sich einem als solcher offenbart.

Meine Schwester, liebe Braut, du bist ein verschlossener Garten, eine verschlossene Quelle, ein versiegelter Brunnen.

- Hohelied 4:12

Wenn man jenen Menschen aber gefunden hat, so zeigt sich einem die wahre Liebe, man hört und spürt sie rauschen wie die Wasser einer lebensspendenden Quelle:

Eine Gartenquelle bist du, ein Brunnen lebendigen Wassers und vom Libanon rinnende Bäche.

- Hohelied 4:15

Der Verfasser des Hohelieds schrieb über das Warten auf die Liebe. Darin liegt die ganze Magie, ist doch die Liebe schon nicht mehr die selbe, wenn man sie bereits gewonnen hat.

 

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Vom wahren Wesen der Schutzengel bei den Zoroastriern, den Christen und im Islam

Vom wahren Wesen der Schutzengel bei den Zoroastriern, den Christen und im Islam

Gleich von der Geburt an begleitet einen jeden ein Schutzgeist, der unbemerkt sein Leben leitet.

- Menandros

Schutzengel - ewigeweisheit.de

Aus den Lehren der esoterischen Wissenschaften wissen wir, dass es hohe Wesenheiten gibt, die als Beschützer walten über Personen, Gruppen von Individuen, über Königreiche und Staaten. Schon immer glaubten Menschen an Schutzengel. Mancher Kabbalist behauptet, man könne im Wissen der Geburtsminute sogar seine persönlichen Schutzengel berechnen.

Die Kirchenväter aber sagen, dass einem Christen sein Schutzengel von Gott erwählt wird, den er mit der Taufe empfängt. Seit dem 5. Jhd. entwickelte sich im Christentum eine regelrechte Schutzengel-Theologie. Gelehrte in Ost und West sagten, dass sich ein Schutzengel andauernd im Gebet befindet - im Namen einer Person und zu ihrem Schutze. Im Islam heißt es, dass einem Neugeborenen die Schutzengel eigenständig zum Geleit durchs Leben zufliegen, und zwar gleich vier - je einer zu jeder Seite (links, rechts, zuvor und hinter ihm).

Insbesondere aber die Religion des Zarathustra besitzt einen ausgeprägten Schutzengelkult. In ihrer Heiligen Schrift - dem zoroastrischen Avesta - widmet sich ein ganzes Kapitel der Bedeutung der Schutzengel eines Menschen.

Die Fravaschis der Zoroastrier

Was erst vor etwa 1600 Jahren im Christentum als Engellehre verfeinert wurde und noch etwas später als solche im Islam entstand, das kannten die Zoroastrier Persiens schon seit sehr alter Zeit. Sie sprachen vom Fravaschi, Faravahar oder Firavarti. Man stellte sich Schutzengel vor als geflügelte, vogelartige Wesen, meist auch abgebildet als geflügelte Scheiben. Auf dem inneren eines Kreisrunds, bildete man meist eine Person ab (siehe Abb. unten).

Jeder Gegenstand den ein Name bezeichnet – gewöhnlich oder außergewöhnlich – steht im Glauben der Zoroastrier unter der Gnade eines Fravaschi. In seiner Form als Firavarti, ist insbesondere die Wortwurzel »var« von Bedeutung: das Auserwählen. So könnte man das Wort Firavarti, beziehungweise Fravaschi, erklären als »einen der für die spirituelle Erhebung auserwählt wurde.« Somit ist der Fravaschi ein höheres Wesen, das zum Schutze eines Menschen erwählt wurde.

Selbst aber der lichtvolle und weise Schöpfergott Ahura Mazda, Vater aller Existenzen – auch er besitzt einen Fravaschi. Seiner natürlich ist der höchster von allen, von ultimativer Größe, Schönheit, Stärke und Weisheit. Doch auch dem Himmel, den Gewässern, Pflanzen und Tieren der Erde ist ein Fravaschi-Schutzengel ergeben.

So also gehorcht allem Seienden – vom höchsten lichterfüllten Gott, bis zur niedrigsten Kreatur auf Erden, ein Fravaschi. In ihm manifestieren sich die göttlich-universalen Kräfte, durch die die Ordnung der gesamten Schöpfung aufrecht erhalten wird. Allein der Gott der Finsternis Ahriman, wie auch seine Dämonen: sie besitzen überhaupt keinen Schutzengel.

Zoroastrischer Fravaschi - ewigeweisheit.de

Felsrelief in Persepolis, mit der Abbildung eines Fravaschis - Schutzengel der Zoroastrier.

Der Fravaschi des Menschen

Ahura Mazda aber gestellt jedem Menschen einen heiligen Schutzengel bei. Ein ganzes Leben lang begleitet eine Person so ein himmlisch-geistiger Hüter des Guten. Im avestischen Yasna heißt es dazu:

Wir verehren nun die Lebenskraft und die Wesenheit und das Wahrnehmungsvermögen und die Seele und die Fravaschi (Schutzengel) der ersten Verkünder und der ersten Hörer der heiligen Lehren, asha-gläubiger Männer und asha-gläubiger Frauen, die zu Gunsten des Asha (wahrhaftige Rechtschaffenheit) den Sieg davon getragen haben.

- Yasna 26:4

Alles Hab und Gut und unsere Leiber und den Knochenbau und die Lebenskräfte und die Körper und die Körperkräfte und das Wahrnehmungsvermögen und die Seele und die Fravaschis (Schutzengel) widmen und weihen wir.

- Yasna 55:1

Als besondere Form höherer Intelligenzen, spielen die Fravaschis eine zentrale Rolle im Glauben der Zoroastrier. Aus der Menschenwelt strömen ihnen höchste Verehrung und spirituelle Opfergaben zu. Man kann in ihnen auch die reinste Wesensform sehen, die schon als Vorgänger der Menschheit die Himmelsgefilde unseres Planeten bewohnten.

Die Fravaschis sind zudem Wesenheiten, die die vom Stern Sirius stammenden Seelen auf die Erde führen, wo sie in Körpern geboren, bis ans Ende ihrer Tage leben. Jener Vorgang der Beseelung erfolgt jedoch gemäß eines höheren, kosmischen Plans. Denn die Seelen der Menschen inkarnieren in der materiellen Welt, um das Böse zu bekämpfen. Verstirbt ein Mensch, so kehrt am Ende des vierten Tages die Seele (Urvan) zurück zu ihrem Fravaschi. Er sammelt die Erfahrungen die die Seele in ihrem irdischen Kampf machte. Die Summe dieser Erfahrungen helfen der kommenden Generation von Seelen, die auf Erden diese Verantwortung übernehmen sollen. Damit könnte man sagen, dass im Glauben der Zoroastrier der Fravaschi als hohes Ideal dient, nach dem die Seele des Menschen streben sollte. Ihn nachzuahmen in seinem guten Handeln, wäre vielleicht ein wahrhaft erhabenes Ziel. Denn wenn sie nach dem Tod dorthin zurückkehrt, könnte sie sich mit dem Fravaschi vereinen.

Ein Hymnus an die Schutzengel

Über diese himmlischen Geistwesen lesen wir ausführlich in den Yascht - den avestischen Opferhymnen. Ein ganzes Kapitel des Yascht ist den Fravaschis gewidmet. Man nennt es den »Hymnus an die Schutzengel«. Darin lesen wir über ein besonders kraftvolles Schutzgebet für jene, die sich in großen Schwierigkeiten befinden:

Ahura Mazda sprach zu Spitama Zaratushtra: Wenn in dieser materiellen Welt, O Spitama Zaratushtra, du dich auf heillosen Wegen bewegst, voller Gefahren und Ängste, O Zaratushtra und wenn du dich um dein Leben fürchtest, dann rezitiere diese Worte, dann rufe diese, jeden bösen Geist zerschlagenden Worte: "Ich lobe, ich beschwöre, ich sinne darüber nach und wir opfern den guten, starken, segensvollen Fravaschis der Gläubigen (Schutzengeln). Wir verehren die Fravaschis der Herren der Häuser, jene Herren der Gemeinden, jene Herren der Städte, jene Herren der Reiche, jene der Zarathustrotemas (den Hohepriestern eines Reiches); den Fravaschis der Seienden, den Fravaschis der Gewesenen, den Fravaschis der Kommenden; Allen Fravaschis aller Nationen und den freundlichsten Fravaschis der freundlichen Nationen;

- Yasht 13:20f

Schutzengel im Christentum

Engel sind die himmlisch bestimmten Mittler zwischen Gott und den Menschen. All ihre Handlungen sind vollkommen und ohne Fehl. Das überhaupt macht sie zu Engeln. Die Verehrung dieser himmlischen Wesen begann schon mit dem Entstehen der christlichen Klostertradition. Anstoß zur Verehrung der Schutzengel gab unter anderem der Mystiker Bernhard von Clairvaux (1090-1153). Laut dem Philosophen Thomas von Aquin (1225-1274) gehören die Schutzengel der dritten englischen Hierarchie an: dem Chor der sogenannten »Angeloi«. Über jeden Menschen, gleich ob Christ oder nicht, waltet ein solcher Schutzengel. 

Das Schutzengel im christlichen Glauben eine zentrale Rolle spielen, dass sollen einige Hinweise in der Bibel beweisen. Eine Aufgabe des persönlichen Schutzengels ist, so glauben Christen, die Gebete eines Gläubigen dem Gott zu übermitteln. Auch weisen sie als Führer den Menschen den Weg ins himmlische Königreich. Denn von diesem Weg, so der Glaube, kann aber der Mensch leicht abkommen - denn er ist schmal und auf dem Weg lauern Gefahren. So lange sich der Mensch aber auf edlem Pfade hin zur Heiligkeit bewegt, ist ihm zum Schutz ein Engel zugewiesen.

Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

- Psalm 91:11f

Nach dem Tod eines Menschen, bringt sein Schutzengel die Seele des Verstorbenen vor Gott. Diese Vorstellung erinnert gewiss auch an Abbildungen aus den Alt-Ägyptischen Pyramidentexte. Darin nämlich wird die menschlich verkörperte Seele, vom geflügelten Falkengott Horus dem höchsten Gott Osiris vorgeführt, nachdem die guten und schlechten Taten ihres Trägers abgewogen wurden.

Ein Schutzengel war es, der den Heiligen St. Petrus aus dem Gefängnis befreite:

Und da ihn Herodes wollte vorstellen, in derselben Nacht schlief Petrus zwischen zwei Kriegsknechten, gebunden mit zwei Ketten, und die Hüter vor der Tür hüteten das Gefängnis. Und siehe, der Engel des Herrn kam daher, und ein Licht schien in dem Gemach; und er schlug Petrus an die Seite und weckte ihn und sprach: Stehe sogleich auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen. Und der Engel sprach zu ihm: Gürte dich und tu deine Schuhe an! Und er tat also. Und er sprach zu ihm: Wirf deinen Mantel um dich und folge mir nach! Und er ging hinaus und folgte ihm und wußte nicht, daß ihm wahrhaftig solches geschähe durch den Engel; sondern es deuchte ihn, er sähe ein Gesicht. Sie gingen aber durch die erste und andere Hut und kamen zu der eisernen Tür, welche zur Stadt führt; die tat sich ihnen von selber auf. Und sie traten hinaus und gingen hin eine Gasse lang; und alsobald schied der Engel von ihm. Und da Petrus zu sich selber kam, sprach er: Nun weiß ich wahrhaftig, daß der Herr seinen Engel gesandt hat und mich errettet aus der Hand des Herodes und von allen Warten des jüdischen Volkes.

- Apostelgeschichte 12:6-11

Dieser Geschichte zu Folge kam es, dass Sankt Peters Schutzengel, in der Kunst zur am meisten dargestellen Engelsgestalt wurde – so auch in Raphaels Fresco im römischen Vatikan.

Die Vorstellung eines persönlichen Schutzengels, der jeden Lebendigen behütend durch sein Leben begleitet, war im katholischen Christentum immer von Bedeutung. Als wichtigster Hinweis darauf, gelten die Worte Jesu in Matthäus 18:10:

Seht zu, dass ihr nicht eines dieser Kleinen verachtet! Denn ich sage euch, dass ihre Engel in den Himmeln allezeit das Angesicht meines Vaters schauen, der in den Himmeln ist.

Ein heiliges Fest zu Ehren der Schutzengel pflegten auch die Mönche des Franziskaner-Ordens, seit 1500. Im Jahre 1607 dann, führte Papst Paul V. das Fest zum Gedenken an die Schutzengel ein. Diesen katholischen Festtag begeht man seither am 2. Oktober.

Russische Ikone eines Schutzengels, von V. Meshkov (1904) - ewigeweisheit.de

Russische Ikone eines Schutzengels des Malers V. Meshkov (1904).

Schutzengel im griechisch-orthodoxen Glauben

In den Ostkirchen lehrt man, dass der Schutzengel eines jeden Menschen sich vor dem Angesicht Gottes befindet. Nicht nur ist da ein Schutzengel ein guter Freund des Menschen, sein Beschützer und Bewahrer. Gott selbst scheint in jedem Engel wieder, so dass jeder Schutzengel das Urbild eines jeden Menschen bildet. Damit sind unsere Schutzengel unsere spirituellen Freunde.

Doch nicht allein Menschen, sondern auch die Elemente, Orte, ganze Gesellschaften und Völker sind den hütenden Geistwesenheiten der englischen Himmelsränge von Gott anvertraut. Den Elementen über die sie wachen, strömt die geistige Essenz ihrer heiligen Genialität zu. So soll es möglich sein, mit ihnen Verbindung aufzunehmen, um ihr heiliges Wirken zu empfangen.

Hierfür gibt es im griechisch-orthodoxen Glauben ein Gebet:

O Engel Christi, heiliger Hüter und Beschützer meiner Seele und meines Leibes: vergib mir alle Sünden die ich heute beging. Befreie mich von der List des Gegners (Teufel), so dass ich Gott nicht durch sündhaftes Handeln verärgere. Bete für mich frevlerischen und unwürdigen Diener, dass Du mich würdig darstelltest, der Güte und Gnade der allheiligen Trinität und der Mutter meines Herrn Jesus Christus, wie auch allen Heiligen. Amen.

Die heiligen Schutzengel im Islam

Es gibt in der islamischen Tradition die Vorstellung von den zwei Kiraman Katibin – den ehrwürdigen, englischen Schreibern. Wir werden zwar noch sehen, dass sie gemeinsam mit zwei anderen Engeln über die Bestimmung eines Menschen walten, doch ist ihre Rolle gewiss mit denen der Schutzengel zu vergleichen.

Ihre Namen sind Raqib und Atid. Sie verzeichnen in einer verborgenen Liste alle Taten einer Person, ihre Gedanken und Gefühle. Diese Liste wird dann nach dem Ableben eines Menschen, so die islamische Geheimlehre, dem allmächtigen Allah vorgelegt. Am Tag des Jüngsten Gerichts konfrontieren diese Engel jede Person mit der Liste ihrer Taten. Anhand dessen wird dann entschieden, ob einer nach Dschannah, ins Paradies, oder nach Dschahannam, in die Hölle gesendet wird.

Abbildung eines Engels im persischen Königsbuch Schahname - ewigeweisheit.de

Abbildung eines Engels im persischen Königsbuch Schahname aus dem 16. Jhd.

Auch der Koran verweist auf diese beiden Engel:

Wir haben den Menschen ja erschaffen und wissen, was ihm seine Seele alles einflüstert, und wir sind ihm doch näher als seine Halsschlagader, wo die beiden Empfänger (Raqib und Atid) aufzeichnen, zur Rechten und zur Linken sitzend. Kein Wort äußert er, ohne dass bei ihm ein Beobachter bereit wäre.

- Sure 50:16-18

Über euch sind wahrlich Hüter eingesetzt, edle, die aufschreiben und die wissen was ihr tut.

- Sure 82:10-12

So also ist die Aufgabe der Kiraman Katibin, Raqib und Atid, täglich jede Handlung, jeden Gedanken und jedes Gefühl einer Person aufzuzeichnen. Der eine sitzt auf der rechten, der andere auf der linken Schulter. Der rechte Engel zeichnet die guten Taten auf, der linke Engel die schlechten. Am Ende jeden islamischen Gebets aber, grüßt der Gläubige beide Engel, indem er seinen Kopf zu erst nach rechts und dann nach links wendet, wobei er jeweils die Worte spricht:

Salaam aleykum wa rahmetullah.
Friede sei mit Dir und Gottes Segen.

Es heißt nun, dass die schlechten Taten mit einer Zeitverzögerung von sechs Stunden in jene verborgene Listen der beiden Engel eingetragen werden. Wenn ein Muslim darum innerhalb dieser Zeit etwa eine begangene Sünde erkennt und auch bereut, dann landet diese Tat nicht auf seinem Sündenkonto. Außerdem soll es auch möglich sein, jenes Sündenkonto durch gute Taten auszugleichen. Wer aber entscheidet darüber, was gute und was schlechte Taten sind, als nur alleine der allmächtige Allah? Dennoch glaubt man im Islam, dass gute Taten neunfach mehr gewertet werden, als schlechte Taten.

Die beiden Al-Muaqqibat

Neben den Kiraman Katibin, den englischen Schreibern – nach denen sich, wie wir gesehen haben, durch des Menschen Handeln sein Schicksal rechnet – gibt es noch zwei weitere Engel. Sie sind ausschließlich zum Schutze eines Individuums erkoren. Ihr arabischer Name »Al-Muaggibat« heißt wörtlich: »jene, die aufeinander folgen«. Einer nämlich bewegt sich vor einem Menschen her, der andere schützt seinen Rücken.

Er hat Beschützer vor und hinter sich; sie behüten ihn auf Allahs Geheiß […]

- Sure 13:11

Und Er (Allah) ist es, der alle Macht über seine Diener hat, und Er sendet über euch Wächter, bis endlich, wenn der Tod an einen von euch herantritt, Unsere Boten seine Seele dahinnehmen; und sie vernachläßigen nichts.

- Sure 6:61

Jene beiden Engel schützen einen Menschen vor Schaden und den Einflüsterungen des Sheitans und seiner üblen Jinnen. Es heißt gemäß islamischer Tradition, dass jedem Wesen das lebt, schläft, gestorben oder auferstanden, ein Schutzengel zugewiesen ist. Der islamische Prophet Mohammed (as) sagte, jedem Menschen seien von Allah sogar zehn Schutzengel zugewiesen.

Ursprünge von Karneval und Fastnacht

Ursprünge von Karneval und Fastnacht

Karneval in Venedig - ewigeweisheit.de

Venezianische Karnevalskostüme in einem Gemälde von Pietro Longhi (1701-1785).

Schon vor 5000 Jahren feierten Menschen Karneval. Der alte babylonische Priesterkönig Gudea, ließ nach Neujahr ein siebentägiges Fest abhalten, zu Ehren des Stadtgottes Ningirsu. Von dem was man damals bereits feierte, wurden Bräuche überliefert, die bis in unsere heutige Zeit erhalten geblieben sind. 

Damals war es verboten in der Karnevalszeit Getreide zu mahlen. Sklaven waren ihren Herren gleichgestellt, Mächtige galten so viel wie die Niederen des Volkes.
Auch im Alten Ägypten feierte man ein ausgelassenes Fest zu Ehren der Muttergöttin Isis. In Griechenland wurde ein großes Dionysos-Fest veranstaltet: das Apokries.

Im alten Rom feierte man bereits Mitte Dezember die Saturnalien zu Ehren des großen Gottes Saturnus. Es war ein maßloses Gelage, wo ebenfalls Herrscher und Sklaven ihre Rollen tauschten und nebeneinander zu Tische saßen, tranken und aßen. Wegen der Saturnalien verschob man sogar Hinrichtungen. 
Diener und Herrscher überschütteten sich mit kleinen Rosen, was vermutlich dem Rosenmontag seinen Titel gab. Auch die farbenprächtigen Umzüge, gehen auf diese Zeit zurück.

Viele Masken, Figuren und Bräuche deuten auch hin auf vorchristliche, keltische Riten. Man feierte den Wechsel von der Kältezeit an der Schwelle zum neuen Frühling. Um den kalten Winter zu vertreiben, verkleideten sich die Menschen als Geister und unheimliche Wesen. Man schlug mit Besen und ließ Rasseln schnarren, um den tosenden Kampf zwischen den Finsternis- und Lichtkräften anzudeuten.

Karneval im Mittelalter

Die Kirchen in Europa, begannen im Mittelalter, sich die alten Karnevalsbräuche immer mehr einzuverleiben. Kleriker unterer Ränge übernahmen temporär die Privilegien der Bischöfe und man parodierte kirchliche Bräuche. Selbst der Papst wurde zeitweise ausgetauscht, gegen einen Laien. Sogar saßen Kinder auf dem Thron des Kirchenfürsten.

Man nannte die mittelalterliche Fastnacht auch civitas diaboli - den Staat des Teufels. Der Kirche diente das wild ausgelassene Spektakel, quasi als didaktisches Beispiel. Man wollte dem Volk zeigen, dass jener Staat des Teufels wie auch das Menschenleben vergänglich sind. Am Ende nämlich siegt Gott. So wurde der Aschermittwoch zum Tag jenes Endes, was die unausweichliche Rückkehr zum Gottesglauben verdeutlicht. Wer nach diesem Tag weiterfeierte, wurde streng bestraft.

Der Karneval aber ist ein katholisches Fest, stellte der Protestantismus die vorösterliche Fastenzeit doch in Frage. Darum gingen in reformierten Gegenden, viele alte Fastnachtsbräuche verloren. Das schweizerische Basel jedoch macht da eine Ausnahme: trotz des dort seit Jahrhunderten vorherrschenden Protestantismus, feiert man auch heute noch die alte, traditionelle Fastnacht.

Was aber bedeutet das Wort Fastnacht?

Der Name bildet sich aus dem althochdeutschen fasta - die Fastenzeit - und naht - die Nacht, beziehungsweise der Vorabend. Denn ursprünglich bezeichnete man damit den Tag vor Beginn der christlichen Fastenzeit.
Auch das Wort Karneval deutet auf eine Zeit der Enthaltung: carne levare heißt "Fleisch wegnehmen". Der Karneval also eine "Fleischwegzeit"?

Die sogenannte Narrenzeit jedoch, beginnt ja bereits Mitte November - am 11.11. um 11:11 Uhr. Inmitten der astrologischen Zeit des Sternbildes Skorpion ertönt der Faschingsruf. Es ist aber auch die Jahresperiode, in der wir das Sterben in der Natur erleben. Daher ja auch die verschiedenen Toten-Gedenktage, wie etwa der Totensonntag Ende November.

Am Ende der 12-wöchigen festlichen und auch sehr ausgelassenen Periode des Jahres, zwischen Sankt Martin und Mariä Lichtmess, beginnt im liturgischen Kalender eine Zeit höchster Besinnlichkeit, des Fastens, der Zurückhaltung und der Ruhe.

Die fünfte Jahreszeit

Nach den 12 heiligen Nächten (zwischen 24.12. und 6.1.), sollen sich die Gläubigen wieder auf die stoffliche Welt besinnen. Ein organischer Dämmerzustand des Bewusstseins tritt ein. Jetzt haben die Kräfte der Finsternis Zugang zum Menschen, der sich ganz und gar der Materie hingeben darf, die schließlich im Februar, während der civitas diaboli, ihren Höhepunkt erreicht. Zeitweise also, dürfen all die mühsamen Sitten ruhen, was den Gläubigen eine ungemeine Entlastung bringt. Man begibt sich in ein "Sodom auf Zeit", springt ins Feuer seiner urtümlichsten Menschennatur. Jetzt darf man seinen Urmenschen entdecken und sich verbinden mit den närrischen Mächten der Unterwelt.

Schon im alten Germanien beschwor man in diesen Tagen die Unterweltsgöttin Hel, in die Welt aufzufahren.
Stammt daher vielleicht der Narrenruf "Hell au(f)"?

 

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