Tao

Freundeskreis der Edition Ewige Weisheit

Innere Weisheiten vermitteln - Spirituelle Erfahrungen teilen: Gemeinsam.

Riesige, immer neue Wogen an Informationen münden heute mehr und mehr ins Uferlose. Nur sehr wenig davon verdient als wahres Wissen gewertet zu werden.

Wer aber in Berührung kam mit innerer Welterkenntnis, der vermag auch, jenseits dieser gegenwärtigen Informations-Krise, neue Wege zu entdecken, die ihn zu wahren Weisheiten führen können.

Was man heute Wissen nennt, hat mit Weisheit doch nur wenig zu tun. Eher vergrößert vieles davon die Probleme unseres Daseins, im Informations-Strudel einer sich ständig verändernden Welt der Moderne.

Das, woraus sich unser alltägliches Wissen ursprünglich bildete, geht zurück auf ein inneres, ein esoterisches Wissen, das sich als Urwissen der Menschheit bezeichnen ließe. Vielen Menschen der Gegenwart aber ist nicht bewusst, dass so etwas überhaupt existiert – oder – sie solch Wissen nur oberflächlich betrachtet, als unwichtig einschätzen.

Wer jedoch von dem Urwissen der Ewigen Weisheitstraditionen der Welt erfährt, dem dürfte sich auch der Sinn unseres Daseins allmählich entfalten.

In solch universalem Bewusstsein, für eine allem Wissen zugrunde liegenden Urtradition, können wir entsprechend handeln und unsere gemeinsame Zukunft verantwortungsvoll bewältigen.

Das Ziel des Freundeskreises

Das Wirken des Freundeskreises prägt ein zentrales Ziel: Die traditionellen Weisheitslehren aus West und Ost stärker mit ihrem gesellschaftlichen Umfeld, im deutschsprachigen Raum zu verbinden – durch Bildungsarbeit und die ideelle Unterstützung von Menschen in Ihrer Bewusstseinsfindung.

Er trägt dazu bei, die geistigen und kulturellen Werte, einer allen spirituellen Traditionen zu Grunde liegenden Weisheit, zu fördern und zu verbreiten. Diese Weisheit nahm ihren Ursprung in den alten Menschheitskulturen. In ihr spiegeln sich bis heute die Wesensmerkmale eines inneren Wissens der Menschheit.

Dazu zählen die Weisheiten und Erkenntnisse aus der Hermetik, der Alchemie, der Kabbala, des Neuplatonismus, der Gnosis, der christlichen Mystik,  des Sufismus, des Vedanta, des Taoismus, des Schamanismus und der Traditionen indigener Spiritualität.

Die damit zusammenhängenden Überlieferungen führen den Einzelnen an die Tore höherer Bewusstheit für das, was in ihm verborgen ist, doch erkannt werden will.

Aus der im Freundeskreis erfolgenden Zusammenarbeit, soll im Jahr 2022 eine Stiftung hervorgehen, die Menschen im deutschsprachigen Raum ermöglicht, Freundschaften zu schließen, im Bewusstsein eines gemeinschaftlichen Ursprungs der traditionellen Weisheitslehren der Menschheit.

Diese Stiftung will Orte auf Erden schaffen, die spirituelle Zufluchtsstätten für all jene bereitstellen, die sich dem Trubel der modernen Welt des Alltags entziehen möchten – mit dem Zweck, einen kraftvollen Strang im tief verwurzelten Urwissen der Menschheit für sich zutage zu fördern.

Die Arbeit des Freundeskreises

Das, was aus der Wiege unserer Menschheitskultur, sich als spiritueller Impuls so kraftvoll in Bewegung setzte, um sich auf der Erde auszubreiten, will der Freundeskreis Menschen unserer Gesellschaft vermitteln, die die wesentlichen Weisheitslehren oben genannter Traditionen zu erfahren wünschen.

Es ist im Sinne des Freundeskreises der Edition Ewige Weisheit, wegen einer scheinbar überall aufdämmernden Zeitenwende, möglichst vielen Menschen das nahe zu bringen, was das innere Wissen der Kulturen in West und Ost zu tragen vermag – im Leben des Einzelnen, wie auch im Zusammenleben der Menschen untereinander.

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Qi-Gong: Eine Methode zur Kultivierung von Körper und Geist

von S. Levent Oezkan

Qi-Gong - ewigeweisheit.de

Durch sanfte Körperbewegungen, die im Fluss des Atems erfolgen, kann man durch Qi-Gong sein Bewusstsein klären und zugleich die Körperenergie ausgleichen. Qi-Gong ist ein wahrer Jungbrunnen ewigen Lebens.

Mit den Techniken des Qi-Gong, erhält ein Übender Zugang zu einer grenzenlosen Quelle von Frieden, Gesundheit und Lebenskraft. Auf dem Weg des Qi-Gong hält sich der Übende gesund und stärkt sich für die Herausforderungen des Alltags. Seien es Stress oder seelische Belastung: Qi-Gong hilft zu heilen, zu stärken und vorzubeugen.

Eine kurze Geschichte des Qi-Gong

Die Tradition des Qi-Gong ist uralt: vor 4000 Jahren im alten China entstanden, entwickelte sich eine Vielzahl verschiedener Schulrichtungen. Insbesondere die Traditionelle Chinesische Medizin profitiert von den vorbeugenden und heilenden Übungen des Qi-Gong. Auch im Konfuzianismus genießt die Praxis des Qi-Gong hohes Ansehen, gilt es doch als Form zur Verbesserung des moralischen Charakters. Insbesondere aber der Taoismus und Buddhismus integrierten Teile des Qi-Gong in ihre Meditationspraktiken.

Qi-Gong war aber schon immer mehr als nur eine praktische Körperübung. Seine gesamte Philosophie bildet die Fundamente einer meditativen, »Inneren Alchemie«.

Ziel der gesamten Qi-Gong-Philosophie ist das menschliche Leben ganzheitlich zu transformieren und niedere Aspekte des Seins auf körperlicher, emotionaler und geistiger Ebene zu veredeln. Insbesondere die Aspekte der taoistischen Meditationspraxis helfen einem Menschen Qi-Energie in seinem Körper zirkulieren zu lassen.

Traditionell wurden die Lehren des Qi-Gong vom erfahrenen Meister zum Schüler weitergegeben. Dies erfolgt normalerweise mit geheimen, esoterischen Unterweisungen von Mund zu Ohr und der direkten Einweihung in die gymnastischen Körper- und Atemübungen des Qi-Gong.

Lebensenergie im Fluss

Qi-Gong ist ein spirituelles System, das man sein ganzes Leben üben kann. Darum praktizieren in China viele Menschen die Kunst des Qi-Gong noch bis ins hohe Alter.

Qi ist die universale Urenergie – Gong die Arbeit, die Übung zur Unterstützung des Lebensflusses. Als Teil der Traditionellen Chinesischen Medizin, hilft Qi-Gong dem Übenden die Lebensenergie in seinem Körper zu harmonisieren, die Urprinzipien von Yin und Yang auszubalancieren. Durch die physischen und spirituellen Übungen des Qi-Gong wird Qi-Energie durch die feinstofflichen Meridiane des Körpers befördert, ausgeglichen und verstärkt. Es ist eine Übung der Gesundung von Körper, Seele und Geist, werden durch sie doch die Quantität und Qualität menschlicher Lebensenergie erhöht.

Wer als Kranker Qi-Gong übt, kann Blockaden des Qi im Körper beheben und den natürlichen Fluss der Lebensenergie harmonisieren. Damit kann er seine Gesundheit wiederherstellen, aber auch Krankheiten vorbeugen. Aus diesem Grund wird in China Qi-Gong auch angewendet, um Menschen zum Beispiel bei ihrer Krebstherapie zu unterstützen.

Ein Arzt der Traditionellen Chinesischen Medizin kann seinem Klienten direkt mit Methoden des Qi-Gong behandeln. Denn jeder Mensch, jeden Alters und jeder körperlichen Verfassung, kann Qi-Gong üben. Dafür zeigt ihm der Arzt eine Reihe sogenannter »Innerer Übungen«, um mit ihnen die drei lebensfördernden Schätze des Menschen zu aktivieren:

  • Qi – die Lebensenergie,
  • Jing – die Essenzen des Körpers und
  • Shen – den menschlichen Geist.

Qi-Gong-Übungen helfen den harmonischen Qi-Energiefluss im Körper zu stärken, damit das Jing zu bewahren, um letztendlich das Shen zur Erleuchtung zu führen.

Jene Übungen zur Aktivierung von Qi, Jing und Shen, basieren aber auf konzentrierten Geist-, Atem- und Körperbewegungen. Diese dynamischen Übungen und Meditationen besitzen sowohl Yin- als auch Yang-Aspekte. Man sagt:

Das Yin ist es; das Yang macht es.

Yin-Qi-Gong-Übungen erfolgen durch entspanntes Dehnen, Visualisieren und meditatives Atmen. Yang-Qi-Gong-Übungen werden dynamisch ausgeführt. Sie sind außerdem besonders wirksam zur Unterstützung des Immunsystems.

Übungen für Körper, Atem und Geist

Wer regelmäßig Qi-Gong praktiziert, erzielt positive Wirkungen für sein Leben, stärkt seine Widerstandsfähigkeit und unterstützt sich in Heilungs- und Genesungsprozessen.

Die Übungen des Qi-Gong regulieren körperliche Aspekte, die Atmung und das Denken. Sowohl Bewegungsübungen, wie auch Stille Meditationen, Massage, Gesang, Klangmeditation und berührungslose Behandlungen, kommen im Qi-Gong zur Anwendung.

Grundsätzlich lassen sich die Qi-Gong-Übungen in zwei fundamentale Kategorien einteilen:

  1. Dong-Gong: das dynamische, aktive Qi-Gong, dass in langsamen, fließenden Bewegungen ausgeführt wird.
  2. Jing-Gong: das meditative, passive Qi-Gong, das man durch besondere Ruhepositionen und Atemverfahren übt.

Aus therapeutischer Sicht, lässt sich Qi-Gong zudem unterteilen in:

  1. internes Qi-Gong, das auf die Kultivierung des Selbst abzielt und
  2. externes Qi-Gong, wo ein Therapeut ins Spiel kommt, der seinem Klienten hilft Qi auf seinen Körper zu übertragen und darin zu lenken.

Während die Details der Umsetzung verschiedener Übungen variieren, werden die Qi-Gong-Formen auch aus vier Arten von Übungen kombiniert: dynamisch, statisch, meditativ und mit Hilfe externer Mittel.

Körperübungen

Die erste innere Übung erfolgt durch das Einnehmen besonderer Körperhaltungen. Sie helfen falsche Haltungen zu korrigieren. Heutzutage sitzen viele Menschen die längste Zeit des Tages. Das natürlich schwächt den Rücken. Energiefluss und Qi-Verteilung im Körper werden dabei blockiert. Man braucht mehr Energie für Bewegungen, die eigentlich an anderer Stelle des Körpers wichtig wären. Hierdurch kann die Anfälligkeit für Verletzungen oder Krankheiten erhöht werden.

Durch die Haltungen des Qi-Gong jedoch, lässt sich der Rücken stärken und die Wirbelsäule aufrichten. Natürlich führt das zu einem verbesserten Fluss der Qi-Energie in der Wirbelsäule. Das Resultat: wir fühlen uns stark, ermüden nicht so schnell, klären unseren Geist und schärfen seine Wahrnehmung. Qi-Blockaden werden verringert, womit sich auch chronische Krankheiten behandeln lassen (z. B. Bluthochdruck, Verdauungsstörungen, Stress oder sexuelle Funktionsstörungen).

Im regelmäßigen Üben der Bewegungsabläufe des Qi-Gong (Formen), kann eine optimale Gewichtsverteilung im Körper erzielt werden, wodurch sich eine natürliche Balance und Körperhaltung herstellen lassen. Gleichzeitig werden die inneren Organe gestärkt, Muskeln, Knochen und Gelenke werden trainiert.

Das besondere an den Qi-Gong-Körperübungen ist, dass sowohl durch die Bewegungen, wie durch die Ruhepositionen, sowohl der Körper gestärkt wird, doch ebenso Entspannung und Stresskontrolle erzielt werden können. Damit wird Krankheiten vorgebeugt und das gesamte Bewusstsein auf allen Ebenen erweitert.

Die dynamischen Qi-Gong-Übungen (Dong-Gong) werden in bestimmten Formen geübt. In fließenden Bewegungen, lassen sich Körper, Atem und Bewusstsein kräftigen. Gewiss erinnern die Formen des Qi-Gong auch an jene Bewegungsabläufen im Tai-Chi. Die statischen Körperhaltungen im Qi-Gong ähneln den Positionen des indisches Yoga.

Im Qi-Gong werden insbesondere auch die anmutigen Bewegungen von fünf Tieren (Wu Qin Xi Qi-Gong) nachgeahmt: Tiger, Hirsch, Bär, Affe und Vogel (z. B. Kranich). Hierdurch wird der Durchfluss von Blut, Körperessenzen (z. B. Lymphe) und Qi im Körper erhöht.

Menschen die Beschwerden haben oder krank sind, spüren ihren Körper alleine durch ihren Schmerz. Dem entgegenwirkend ist natürlich die dynamische Qi-Gong-Übung, durch die der Praktiker ein natürliches Gefühl für seinen Körper und seine Bewegungen durch den Raum entwickelt.

Atemübungen

Durch Hektik im Alltag, durch falsche Sitzhaltung, durch Dauerkonsum angstverursachender Meldungen in TV oder sozialen Medien, wird der natürliche Atemfluss irritiert. Die Folge: der Atem wird allmählich immer flacher. Beim Einatmen füllt sich zwar unsere Brust mit Luft, doch nur wenig Luft gelangt in den Bauch. Außerdem erzeugen Stressmomente, oder schockierende Nachrichten, wenn auch unbewusst, immer eine Störung des unwillkürlichen Atemprozesses. Wer nun über lange Jahre hinweg falsch atmet, bringt sich aus dem Gleichgewicht, sowohl körperlich, emotional, wie ebenso geistig. Man kann durchaus sagen, dass der Durchschnittsmensch bis ins Erwachsenenalter, richtiges Atmen regelrecht verlernt. Als wir auf die Welt kamen, atmeten wir auf angeborene, natürliche Weise. Ziel der Atemübungen im Qi-Gong ist die Korrektur falschen Atmens.

Die im Qi-Gong verwendete Atemform nun, ist die Bauchatmung. Durch diese Atemübung kommen die Lebensessenzen im Körper in Fluss und die Verteilung des Qi wird harmonisiert.

Hierbei atmet man so, dass sich zuerst der Bauch ausdehnt und hernach sich die Brust mit Luft füllt. Beim Ausatmen gibt man Acht, dass sich umgekehrt am Ende der Atembewegung der Bauch beim Ausatmen zusammenzieht – nicht angestrengt, doch ganz natürlich uns sanft. Es reicht vollkommen aus, diese Bewegung ganz allmählich und sanft, in unser natürliches Atmen zu integrieren.

Nicht aber alleine die Technik ist wichtig, sondern vielmehr das regelmäßige Üben. Wieso? Man lernt eben wieder bewusst zu Atmen. Atmen ist Leben!

Regulierung geistiger Vorgänge

Den Geist im Hier und Jetzt zu stabilisieren ist eines der Ziele des Qi-Gong. In verschiedenen buddhistischen Traditionen versucht man Geistesaktivität zu beruhigen, indem man sich auf ein äußeres Objekt konzentriert (etwa auf den durchsichtigen, bläulichen Teil der unteren Flamme einer Kerze) oder in innerer Konzentration auf den Atem, in dessen Rhythmus etwa ein besonderes Mantra gedacht wird (das kann z. B. auch die Rezitation eines Gebets sein). Der Geist lässt sich dabei durch Vergegenwärtigen des aktuellen Moments stabilisieren.

Zwar ist es unmöglich nicht zu denken, zumindest aber können wir uns für bestimmte Zeitspannen in einen inneren Raum geistiger Ruhe und Leere begeben. Ziel ist einen Grundzustand reinen Bewusstseins zu erreichen, worin man sich von Gedanken und Emotionen löst. Das hilft Stress abzubauen und das Bewusstsein für den Augenblick zu verbessern.

Durch regelmäßiges Üben eines gegenwärtigen Bewusstseins, wird die Wahrnehmung achtsamer: allmählich zeigen sich die Dinge in ihrer wahren Form.

Im Qi-Gong werden die Körper- und Atemübungen kombiniert. Wer diese Qi-Gong-Praxis vollbewusst und aufmerksam praktiziert, sich gleichzeitig auf Bewegungs- und Atmungsform konzentriert, dem bleibt gar nichts anderes übrig, als den Gedankenstrom zum Erliegen zu bringen. So lassen sich ärgerliche Erinnerungen aus der Vergangenheit langsam auflösen und auch projizierte Zukunftsängste werden in ein Gewahrsein des Jetzt verwandelt und dabei ihre negative Wirkung entspannt.

Nur die Gegenwart ist wahr – Vergangenheit und Zukunft sind reine Projektionen unseres Geistes. Wer das verstanden hat ist auf dem besten Weg seinen Stress zu mindern und sich aus seinen Sorgen zu entwirren.

Gesundheit bewahren

Ruhe und Entspanntheit für Körper und Geist: das sind die Voraussetzungen für ein gesundes Leben. Wer Qi-Gong übt, kann diesen Zustand bewahren und ein stressfreies Leben gestalten.

Häufig leiden wir unter dem, was einst vorgefallen ist, teilweise etwas das weit in der Vergangenheit liegt. Es sind die Erinnerungen, die unseren Geist eintrüben und sich manchmal zu Verhärtungen in unserem Körper aufschichten. Doch um so etwas aufzulösen, müssen wir uns auf eine Sache konzentrieren: das Loslassen.

Doch nicht allein was in uns oder aus unserer Vergangenheit an uns dranhängt: auch äußere Lasten müssen wir nach und nach abbauen. Es führt manchmal sogar kein Weg daran vorbei, mit etwas auch einfach Schluss zu machen, von jetzt auf gleich. Natürlich können auch solche Loslösungen Belastungen mit sich bringen. Doch dies sind temporäre, negative Emotionen, durch die uns auch Qi-Gong-Übungen hinweghelfen können.

Es gilt nicht alleine den Körper stark zu halten, sondern auch den Geist. Ein starker Geist aber ist vor allem eins: er ist klar und ruhig. Ist das der Fall, kann Qi-Energie fließen, die auch unseren Körper befähigt mehr Kraft und Gesundheit zu akkumulieren.

Umgang mit Krankheit

Es ist schwieriger eine Krankheit zu heilen, als sie zu verhindern. Wer regelmäßig Qi-Gong übt, kann einer Krankheit vorbeugen. Doch auch wenn jemand bereits krank ist, können Qi-Gong-Übungen eine entscheidende Rolle spielen bei der Wiederherstellung eines gesundheitlichen Gleichgewichts.

Alle Qi-Gong-Übungen basieren auf den polaren Urprinzipien von Yin und Yang – Dunklem und Hellem, Weichem und Hartem, Langsamem und Schnellem, Innerem und Äußerem. Im Qi-Gong wird versucht diese polaren Größen miteinander zu harmonisieren, mit dem Ziel den Fluss von Qi im Organsystemen, in den Meridianen und in den Körperessenzen anzuregen.

Qi-Gong für ein langes Leben

Qi-Gong war im Alten China keineswegs eine Alltagspraxis. Nur die Eingeweihten in den Klöstern der buddhistischen und der taoistischen Traditionen, hatten Zugang zu diesem esoterischen Wissen. Man lehrte dort, wie man die Urkraft Qi, über die geheimnisvollen acht Nebenmeridiande, in das Knochenmark leitet, um es dabei zu reinigen und zu energetisieren. Diese Übung war in etwa so, als würde man überschüssige Qi-Energie im Innern der Knochen speichern. Das ist natürlich sehr interessant vor dem Hintergrund, das ja der wichtigste Lebenssaft unseres Körpers, nämlich das Blut, im Knochenmark gebildet wird.

Der Legende nach, war jenen die mit dieser Technik vertraut waren ein sehr langes Leben gewiss: manche sprechen von einer Lebensspanne von gar 150 Jahren oder länger. Ein taoistisches Sprichwort saht dazu:

Einhundertzwanzig Jahre bedeutet, jung zu sterben.

Obwohl sich nur wenige von uns der strengen Praxis dieser Mönche widmen können, bleibt unbestritten, das das Üben von Qi-Gong einen hohen gesundheitlichen Nutzen hat und die allgemeine Lebensqualität fördert.

Auf dem Weg zum Licht

In ihrem Streben nach höherer Bewusstheit, verwenden buddhistischen Weise und die Adepten des Tao, die esoterischen Techniken des Qi-Gong. Dabei versuchen sie ihr Shen, ihre hochgeistigen Fähigkeiten, zu beeinflussen. Dies erfolgt über die oben erwähnte Steuerung des Qi-Flusses, über die acht Nebenmeridiane, in Richtung der Stirnmitte. So erhöhen sie ihre Bewusstheit, gelangen darüber auf einen höheren Zustand eines Superbewusstseins.

Doch auch jeder Andere, kann sich solch einer hohen Wahrnehmung annähern, indem er regelmäßig Qi-Gong übt. Denn jedem steht es offen, so wie auch jene Adepten, einen Weg zur Erleuchtung zu finden.

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Im Einklang mit dem Tao: Leben im kosmischen Fluss

von S. Levent Oezkan

Der Taoismus ist Chinas authentische, religiöse Weisheitstradition. Selbst wenn im Taoismus verschiedene Elemente anderer chinesischen Traditionen verschmelzen, steht diese Weltanschauung doch für sich. Taoismus muss darum aber nicht als Religion oder Philosophie systematisiert werden.

Er eint in sich spirituelle wie praktische Weisheitslehren. Der Weg des Tao kann für jeden Menschen eine Quelle wahrer Erleuchtung sein.

Das theoretische Lehrgebäude des Taoismus, basiert auf der Formulierung besonderer Weisheitssprüche. Sie verband man in alter Zeit mit spirituellen Praktiken, um den Menschen damit zur Selbstverwirklichung zu führen - zum Wohle allen Seins.

Das Tao

Als Gründungsschrift des Taoismus, gilt das Tao Te King: das Buch des Weges und seiner Tugend. In diesem Werk des mythischen Philosophen Laotze, finden sich viele Aphorismen, die den Leser zu Tugend und Weisheit führen können. Auch das Zhuangzi soll hier erwähnt sein: das Buch des Meisters Zhuang. Der im 4. Jhd. v. Chr. lebende Gelehrte, vertrat eine autoritätsfeindliche Philosophie, die außerdem eine Rückwendung zur Natur forderte. Vor allem durch Meister Zhuang wurden im Laufe der Geschichte des Taoismus, viele Lehren vebreitet, die dem Schüler des Tao halfen, mit den darin behandelten, essentiellen Lehren und Weisheiten umzugehen - im Einklang mit Leben und Natur.

Was aber bedeutet "Tao"?

Tao wird eigentlich nur als Begriff benutzt, um sich auf etwas beziehen zu können, wenn man über das spricht, wofür der Begriff steht. Das Wort Tao an sich aber, lässt sich nur schwer fassen. Ungeeignet erschiene mir, es einfach mit einem deutschen Begriff zu übersetzen. Es widerspräche dem Sinn, der hinter diesem recht sonderbaren Wort steht.

Man belegte das Wort in der Vergangenheit dennoch mit zwei Hauptbedeutungen: "der Weg" und "die Methode" - gewissermaßen eine philosophische Anleitung, wie man sich, durch Denken und Handeln, auf dem Weg der Selbstkultivierung verhalten muss.

Einfacher vielleicht ist es, dass Tao in der Art seiner Ausübung zu umschreiben. Denn Ziel des Tao ist, das niedere Selbst mit dem höheren Selbst zu bezwingen und auf diese Weise die niederen Seelenaspekte irgendwann aufzulösen. Mit dem Tao-Begriff wird auch hingewiesen auf ein absolutes Prinzip, aus dem alle Formen und Erscheinungen in der Welt hervorgehen. Das Tao an sich aber bleibt unerkennbar. Weder hat das, was das Tao beschreibt, eine besondere Form, noch kann man die dahinter stehenden Prinzipien über die Sinne wahrnehmen oder durch Bilder und Worte beschreiben. Die wahre Bedeutung des Tao zu erklären, ist also ebenso unmöglich, wie das, was als Wahrheit hinter dem Namen "Gott" steht.

Was das Tao enthält, sind die Essenzen der hinter ihm wirkenden philosophischen Prinzipien. Als Ganzes bilden sie den Keim aller weltlichen Existenzen und nehmen im Tao ihren Anfang; sie werden aus ihm geboren, als Mutter aller Erscheinungen.

Der Weise Laotze - ewigeweisheit.de

Der Weise Laotze auf einem Stier reitend. Der Stier als Symbol des Körpers, der vom erhabenen Geist (Laotze) beherrscht wird.

Die Spirituelle Kosmologie des Taoismus

Das Konzept von Yin und Yang, bildet in den acht, aus ihnen zusammengesetzten Trigrammen, den daraus kombinierten 64 Hexagrammen des I-Ging und den fünf taoistischen Elementen, die Grundlage taoistischer Kosmologie. Gemeinsam entstehen daraus die unendlich mannigfaltigen Erscheinungen des Kosmos.

Sie stehen für die vervielfältigen Prinzipien jener Ureinheit, deren Wurzeln im Konzept des Tao wurzeln. Andererseits aber helfen die hier angedeuteten 64 Wandlungsstufen des I-Ging, dem Sucher dabei Wege zu finden, die ihn zu dieser Ureinheit (zurück)führen und damit sein Leben, ihm zugute neu zu ordnen. So existiert etwa die Divination mit den 64 Hexagrammen, die einem Frager wichtige Anhaltspunkte liefern können. Gleichzeitig aber ist das I-Ging auch ein Sammlung von Weisheitssprüchen. 

Auch Alchemie galt den weisen Taoisten als Weg. Wie ihrerseits die Alchemisten im Westen, suchten auch die Taoisten nach dem geheimnisvollen Stein der Weisen - dem Elixier des Lebens. Mit Hilfe dieser geheimnisvollen Substanz, konnten sie in die kosmische Konfiguration des absoluten Tao eingreifen, Metalle in Gold umwandeln, Kranke heilen und selbst das Leben eines Menschen beliebig verlängern.

Mensch und Kosmos

Immer ging es den Taoisten um die Erfahrung der kosmischen Einheit und Harmonie aller Dinge, in die das Leben des Menschen gebettet ist. Und so wie der Mensch als lebendiges Wesen, Teil der universalen Ordnung ist, so kann er sich auch als Individuum, als Teil der Gesellschaft erkennen. Daher der Wunsch der Taoisten, das Selbst zu kultivieren.

Weniger aber wird im Taoismus menschliche Perfektion angestrebt, noch versuchten die alten Weisen Anleitungen zu liefern, wie ein Mensch sich selbst zu einem "vollkommenen Wesen" entwickeln soll. Vielmehr geht es darum, den Sucher auf seinem Weg darüber aufzuklären, welche Hindernisse sich ergeben können und was er aus dem Weg räumen muss, damit eben jene Verwirklichung des Selbst erfolgen kann.

Insbesondere das Ablassen vom Wollen, das Bedürfnis aufzulösen, etwas durch bestimme Handlungen erreichen zu wünschen, gilt den Anhängern des Tao als höchst erstrebenswert. Man enthält sich einem gegen die Natur gerichteten Handeln, was man im Tao das Wu Wei nennt: das Nicht-Tun. Dieser Begriff gründet auf der Anschauung, dass alles aus dem Tao fließt und damit bereits die Ordnung und Wandlung aller Dinge bewirkt ist. Es wäre also nicht weise, in das Walten jenes kosmischen Urprinzips einzugreifen. Eigentlich aber ist es das, woran die meisten Menschen leider interessiert sind: die Welt nach ihren egoistischen Ambitionen zu gestalten. Für das Tao aber, ist solches Handeln ganz und gar unsinnig. Tun und Lassen sollen gemäß dem Wu Wei, nur spontan und damit natürlich erfolgen. 

Nicht-Tun bedeutet, das Notwendige mühelos zu tun, ohne Übereifer, ohne irgend eine Form des Aktionismus. Vielleicht ließe sich Wu Wei auch deuten, als ein Zustand innerer Stille, aus dem man zur richtigen Zeit, richtige Handlungen vollzieht, ganz ohne die Anstrengung des Willens.

Was man unter Wu Wei versteht, lässt sich mit der Wirkung des Wassers vergleichen: bei seinem Lauf über Steine, fließt es um die Felsen herum und wirkt nicht in mechanischer, geradliniger Form. Wasser fließt, durch ein in ihm vorhandenes, inneres Gespür für den natürlichen Rhythmus in der Welt.

Ohne aus dem Haus zu gehen
kannst du die Welt erkennen
Ohne aus dem Fenster zu sehen
kannst du den rechten Weg erkennen
Je weiter deine Reise dich fortführt
desto geringer deine Erkenntnis
Darum der Weise:
erkennt ohne zu reisen
versteht ohne zu sehen
vollendet ohne zu handeln

- Tao Te King, Kapitel 47

Wu Wei wird erreicht, indem man mit dem wahren Wesen der Natur harmonisch zusammenarbeitet und sich an die natürliche Ordnung der Dinge hält. Man geht damit  nach dem Prinzip des geringsten Widerstandes vor. Auf höchster Stufe praktiziert Wu Wei, wer sein Handeln als Reflexion auf Ereignisse ausübt - doch auf unerklärliche und unsichtbare Weise, auf sie Einfluss nimmt.

Wer täglich nach neuem Wissen strebt, vermehrt.
Wer Tao praktiziert, vermindert.
Stets einfacher und einfacher - bis das Nicht-Tun erreicht ist.
Man tut nicht, doch es gibt nichts Ungetanes.
Im Nicht-Tun hat man die Welt gewonnen.
Im Tun jedoch, wird man die Welt verlieren.

- Tao Te King, Kapitel 48

Das Wort "Tun" erscheint hiermit nun also als recht zweideutiger Begriff. Vor dem Hintergrund des eben Gesagten, geht es um eine Praxis, die in einem Weltbereich ausgeübt wird, den der Taoist transzendiert. Damit verhilft er dem Kern seines wahren Seins zur Geburt und bringt in sich den "kosmischen Embryo" zur Welt. Das damit angedeutete Sinnbild, für den taoistischen Eingeweihten allerdings eine ganz und gar reale Erscheinung, steht für sich: jenseits aller Körperlichkeit, jenseits aller Emotionen und Gedanken. Es bildet den Ursprung, aus dem sich jene fließenden Handlungen im kosmischen Weltenlauf ergeben, an der der Mensch in seiner irdischen Existenz aktiv teilnimmt.

Vom Wesen der geheimnisvollen Zinnoberfelder

So wie dem himmlischen Blick, Sonne, Mond und Gestirne in ihrer kreisläufigen Bewegung um den Nordpolarstern erscheinen, so zirkuliert im menschlichen Körper der Blutkreislauf um das Herz. Darum heißt es im Tao über das Herz, es sei das Zentrum im Menschen. Die kosmische Dreiheit von Sonne, Mond und Sternen, findet sich auch im Menschen, als Geist, Atem und körperliche Wesensessenz. Diese Dreiheit konzentriert sich in den drei energetischen Kraftzentren von Kopf, Herz und Bauch. Im Tao nennt man sie die "Zinnoberfelder". Zugegebenermaßen eine recht ungewöhnliche Betitelung, die aber auf dem Geheimwissen chinesischer Alchemie gründet.

In der Chemie ist Zinnober bekannt als rotes Quecksilbersulfid-Mineral, das man insbesondere in vulkanischen Gegenden findet. Dieses Mineral galt den alten Alchemisten als jener sagenhafte Stoff, der auch bekannt ist unter dem berüchtigten Namen des "Steins der Weisen". Mit anderen Worten: aus dem kristallinen Zinnober versuchten Alchemisten die Transmutation auf Gold.

In der inneren Alchemie des Taoismus, galt Zinnober als Ausgangssubstanz, bei der Bereitung des Lebenselixiers. Zinnober nennt man darum in der Traditionellen Chinesischen Medizin auch den König der Umwandlungen. Er wurde (und wird wohl auch) noch bis in jüngste Zeit, in homöopathsicher Dosis, pflanzlichen Präparaten zugesetzt.

Das man in China das Symbol der Zinnoberfelder entwickelte, hat einen Grund: die Form, wie das Mineral in Felsen gediegen vorkommt, ähnelt der Vorstellung energetischer Zentren im menschlichen Körper. Außerdem verwendet man im Chinesischen das Wort "Dan", das sowohl Zinnober als auch (Lebens)Elixier bedeutet. Seit jeher ist das Zinnoberrot eine Farbe, die auch im Kontext von Weisheit und Unsterblichkeit verwendet wird. So wird etwa der Buddha Amitabha in Illustrationen stets in roter Farbe dargestellt.

Besonders die Farbe geronnenen Blutes erinnert an das Aussehen jenes Zinnobers, der einerseits Mineral andererseits jener Stein der Weisen ist, aus dem man das Elixier des Lebens darstellt.

Drei Kraftzentren im Menschen

Jenes "Dan", von dem eben die Rede war - "das Elixier" - gilt als feinstoffliche Substanz, durch die im Körper Energie gespeichert werden kann. In drei sogenannten Feldern, den "Tian", sammelt sich dieses energetische Elixier im Körper. Darum spricht man im Taoismus auch von den "Elixierfelder" beziehungsweise eben von den "Zinnoberfeldern": den Dantian. Laut taoistischer Alchemie, können darin Umwandlungen von Energie und Stoff, sowie die Verwandlung unedler in edle Substanzen erfolgen.

Es gibt drei Dantian, die die kosmische Lebenskraft Qi speichern. Diesen Speichervorgang, versuchen Taoisten durch besondere Meditationsübungen, auch für ihren Körper zu praktizieren. Wir gehen darauf später noch einmal genauer ein.

Die Dantian ähneln dem spirituellen Konzept der Chakras im Vedanta. Auch in den Chakras bündeln sich besondere Kräfte. Doch es gibt einen Hauptunterschied: die Chakras werden eher als energetische, farbige Lichtwirbel gedacht, während man sich die taoistischen Dantian als Energispeicher vorstellt. Man könnte aber sagen, dass die Chakras, als Kanäle des Energieaustauschs, mit den drei Dantian als Energiespeicher, im Ätherleib des Menschen zusammenwirken.

Die Wirkweise der drei Dantian, gestaltet sich folgendermaßen:

  • Das obere Dantian sitzt im Zentrum der Stirn. Es bildet den Energiespeicher des Gehirns, sowie der Sinnesorgane. Vom Zustand des oberen Dantian, hängen außerdem psychische Vorgänge ab, wie Denkprozesse und Konzentration.
  • Das mittlere Dantian sitzt zwischen den beiden Brusthälften, auf Höhe des physischen Herzens. Hier werden die Kräfte gespeichert, die benötigt werden für die Zirkulation von Blut und der Lebenskraft Qi.
  • Das untere Dantian befindet sich im Unterleib, zwischen Nabel und Schambein. Hieraus kommt die Energie, die in Verdauungsprozesse involviert wird und auch in die Vorgänge bei der Fortpflanzung. Es ist gewissermaßen der Erdungspunkt, der uns Sicherheit und Harmonie vermittelt.

In Laotzes Lehre, ist insbesondere das untere Dantian von Bedeutung. Es gilt als wichtigstes Speicherzentrum von Qi im Körper und ist damit der energetische Schwerpunkt des Körpers. Von diesem Körperzentrum, spricht man in der spirituellen Praxis des Tai Chi und Qigong, als Basis für Körperbewusstsein, den festen Stand und die tiefe Bauchatmung. Letzteres Konzept ist identisch mit der japanischen Vorstellung des "Hara" - dem Bauch, als physisch-körperliches Zentrum der irdischen Schwerkraft im Menschen.

Auf den Menschen übertragen, manifestiert sich die Kraft des unteren Dantian im Sperma des Mannes, wie im Menstrualblut der Frau: den Reproduktionssubstanzen des Menschen.

Die unsterbliche Seele des taoistischen Adepten - ewigeweisheit.de

Die unsterbliche Seele des taoistischen Adepten: hier symbolisiert durch einen Zinnober, die der Eingeweihte vor seinem unteren Dantian hält.

Innere Alchemie im Taoismus

Ältere Schriften des Taoismus, sprechen über die drei Dantian-Kraftzentren, als Orte im Menschen, worin Götter residieren. Die Adepten visualisieren sich diese erhabenen Entitäten in ihren Meditationen, als spirituelle Erscheinungen im oberen, mittleren und unteren Dantian. Diese spirituelle Praxis nennt man im Taoismus Neidan: innere Alchemie. Im Gegensatz zur äußeren Alchemie - dem Waidan - geht es hier nicht um die Herstellung eines besonderen Stoffes im Labor. Vielmehr dreht sich die innere Alchemie um besondere Techniken, die den Meditierenden zur Erleuchtung führen sollen. Statt also das alchemistische Sonnenmetall Gold in der Retorte zu züchten, wird die mystische innere Sonne, in der Seele zum Strahlen gebracht.

Ziel innerer Alchemie, ist die Geburt des oben erwähnten, sogenannten "kosmischen Embryos" - dem Shengtai. Er wird als reiner Körper, innerhalb des physischen Körpers visualisiert. Der Körper des Eingeweihten entspricht der Retorte oder dem Kessel des äußeren Alchemisten. Darin verdichten sich diese drei Lebenssubstanzen zum kosmischen Urwesen des Shengtai:

  • Jing, die Essenz,
  • Qi, die Lebensenergie, und
  • Shen, der Geist.

In einem mystischen Prozess, werden sie im Körper geborgen, umgewälzt und zurückgeführt, bis sich der Geist Shen im Körper zum Heiligen Embryo "verdichtet" hat. Dieser spirituelle Embryo muss sodann genährt werden, bis er sich ausdehnt und sich in eine Einheit mit dem Körper des Übenden erwächst.

Zweck dieser Praxis ist in die Transzendenz einzugehen und "Unsterblichkeit" zu erlangen. Was hier Unsterblichkeit meint, ist jedoch ein Zustand, der nur von überlegenen Wesen erreicht wurde - mit Sicherheit jedoch von Laotze. Es ist aber vor Allem der Wunsch, das eigene Sein zu transformieren und damit im wörtlichen Sinne, sich über die Form des eigenen Körpers hinauszubewegen.

Taoistische Praxis der Dantian-Meditation

Wer meditiert, so die Taoisten, hält im Körper den Fluss des Lebensatems Qi aufrecht. Das soll außerdem gewährleisten, dass sich jene Gottwesenheiten, von denen oben die Rede war, weiterhin in den Dantian aufhalten.

Qi ist die Nahrung der Götter, die gewiss identisch ist mit dem Amrita der Inder, dem Haoma der Perser oder der Ambrosia der Griechen. So kann sich der Meditierende auf ein langes und gesundes Leben vorbereiten. Nur aber solange die Qi-Kraft im Fluss ist, halten sich die Götter in den Dantian auf. Wird der Kraftstrom unterbrochen, fliehen sie aus dem Körper und an ihrer Stelle machen sich in den Dantian die "Geister" von Krankheit breit, was sogar zu frühem Tod führen kann.

Die Dantian lassen sich jedoch über den Atem energetisieren. Darum wollen wir unseren Ausführungen über das Tao, eine praktische Übung anschließen: eine Meditation über die drei Dantian. Hierbei wird durch Konzentration auf Atem und das Dantian, der natürliche Kreislauf von Qi und Blut im Körper angeregt und dabei diese drei spirituellen Zentren aktiviert.

(Zur Vorbereitung: um ihre Atemzüge zu zählen, eignet sich eine Gebetskette mit Perlen.)

Schließen Sie ihre Augen und senken sie Ihre Wahrnehmung allmählich in den Bereich des unteren Dantian (Unterleib). Atmen sie in diese Gegend fünf tiefe Atemzüge.

Nun atmen sie in das untere Dantian, während sie sich vorstellen, wie sie dabei neue Qi-Enerie von Außen in sich aufnehmen. Mit dem Ausatmen strahlen sie diese Kraft aus, so dass sie sich um sie herum verteilt, den Raum erfüllt, in dem sie sitzen und selbst die äußersten Grenzen unserer Erde durchdringt. Wiederholen Sie diese Praxi zwölf mal (oder öfter).

Nun atmen sie in das mittlere Dantian und wiederholen diese Übung erneut zwölf mal.

Nun atmen sie in das untere Dantian und wiederholen diese Übung erneut zwölf mal.

Nachdem sie diese meditative Atemphase abgeschlossen haben, visualisieren Sie beim Atmen, wie sich mit jedem Ausatmen Qi im unteren Dantian ansammelt. Wiederholen diese Übung erneut zwölf mal.

Nun öffnen Sie langsam ihre Augen. Reiben Sie Ihre Handflächen, bis sie warm werden - spüren nach.

Den spirituellen Wesenskern formen

Meditation ist eine praktische Methode, die Wahrheiten des Tao zu erfahren. Wie auch in anderen Geheimtraditionen, geht es auch hier um die, aus besonderen Erlebnissen gewonnene Erkenntnis, die eigentlich nicht, nur durch Text und Wort vermittelt werden kann. Das unterstreicht, wieso es eigentlich unmöglich ist, den Begriff Tao durch Worte zu beschreiben. Das Tao ist etwas das man erfahren muss. Und genau nach dieser Erfahrung streben die Anhänger des Taoismus - durch Meditation und die Praxis innerer und äußerer Alchemie.

Besonders die 64 Symbole des I-Ging, deuten als Hinweise auf Erfahrungen, die ein jeder Mensch in seinem Leben macht, zumindest aber machen kann. Allerdings ist es eben die Fähigkeit eines Menschen, sich dem kosmischen Fluss - im Kleinen, wie auch im Großen - hingeben zu können.

Statt auf die Ereignisse im Leben zu reagieren, wird durch die Haltung des Wu Wei, des Nicht-Tuns, ihre wahre Ursache erkannt. Dem entsprechend versucht der Taoist sein Handeln auf die Ereignisse im Leben abzustimmen. Jene Energie des kosmischen Flusses aber, das Qi der Taoisten, wird dabei die drei Dantian mit Kraft erfüllen.

Nur wer nichts erwartet, der wird auch bekommen und fähig sein, in sich die Qi-Kraft zu konzentrieren, damit es zur Gerinnung des zinnoberroten Elixiers kommt: dem Kern wahren Lebens.

 

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Die 64 Hexagramme des I-Ging

Die 64 Hexagramme des I-Ging

Das Buch der Wandlungen - das taoistische I-Ging - ist das älteste aller chinesischen Wahrsagebücher. Heute gehört dieser alt-chinesische Text zu den meist gelesenen Schriften der Welt. Ob aus Religion, Psychoanalyse, der Geschäftswelt, Literatur und der Kunst: Seit mehr als 2500 Jahren liefern die Weissagungen der 64 Hexagramme des I-Ging vielen Menschen wichtige Inspirationen.

Jedes Hexagramm wird von zwei Trigrammen gebildet, die ihrerseits aus einer Kombination dreier Einheiten zusammengesetzt sind: Yang - als ganze Linie - oder Yin - als unterbrochene Linie. Aus mathematischer Sicht, entsprechen diese Symbolkombinationen dem, was man in der Mathematik als duale Zahlen kennt: Nummern die sich nur aus Einsen (Yang) und Nullen (Yin) zusammensetzen.

Das I-Ging-Orakel

Als Orakel befragt man seit jeher das I Ging als Orakel. Die I-Ging Befragung ist sehr einfach. Alles was man benötigt, sind drei gleiche 1-Cent-Münzen (zahl = Yang, Eichblatt = Yin). Man kann seine Orakelfrage mit sechs Würfen dieser drei Münzen stellen. Der Wert jedes Wurfs wird notiert. Hieraus ergibt sich das Hexagramm für die Antwort des Orakles.

Beispiel

Nach dem Wurf ordnet man die Reihenfolge der Münzen nach Belieben. Was zählt ist die Summe der Ergebnisse:
Blatt = 2, Zahl = 3

Wurf Ergebnis Punkte Yin-Yang Symbol
1. Blatt-Blatt-Zahl 7 Yang ___
2. Zahl-Zahl-Zahl 9 Altes Yang _9_
3. Zahl-Zahl-Blatt 8 Yin _  _
4. Zahl-Zahl-Zahl 9 Altes Yang _9_
5. Blatt-Blatt-Zahl 7 Yang ___
5. Blatt-Blatt-Blatt 6 Altes Yin _6_

Hiermit erhalten wir das Hexagramm. Wenn einer der Würfe ein Altes Yang oder Altes Yin enthält, wird noch ein zweites Hexagramm erzeugt. Entsprechend gibt es also diese beiden Hexagramme: aus dem Alten Yang wird also im ersten Hexagramm ein ___ und im zweiten Hexagramm ein _  _ während aus dem Alten Yin im ersten Hexagramm ein ___ und im zweiten Hexagramm ein _  _ wird.

   

 

Ba Gua: Die acht Trigramme

Ba Gua: Die acht Trigramme

Die Ba Gua sind acht Trigramme, die in der taoistischen Kosmologie verwendet werden. Jedes dieser acht Symbole repräsentiert ein Prinzip der Realität, dass jedoch mit allen anderen Prinzipien verwandt ist. Denn jedes Trigramm kann sich aus Yin-Zeichen oder Yang-Zeichen zusammensetzen.

Yang wird als durchgezogene Linie dargestellt - Yin als unterbrochene Linie. Man könnte sagen: Yin ist verdichtet oder bindend - Yang ist durchdringend oder auflösend. Yin ist Stille - Yang ist Bewegung.

Die acht Trigramme im Ba Gua - ewigeweisheit.de

Die acht Trigramme im Ba Gua.

Ein Beispiel

Das Trigramm für Wasser ☵ setzt sich zusammen aus einem inneren Yang-Symbol, dass zwei äußere Yin-Symbole ergeben. Das innere auflösende Yang dringt durch die verfestigten äußeren Yin-Symbole, bringt sie zum schwingen, wie Wasserwellen.

Beim Feuer-Trigram ☲ befindet sich zwischen den beiden Lichtaspekten des Yang, ein festes, dunkles Yin. Dieses feste Yin ist zum Beispiel Holz, was das Feuer verbrennt und zu schwarzer Kohle wird, wobei es Licht (Yang) freisetzt.

I-Ging

Die Trigramme sind ein universales Orientierungsmodell aus der alt-chinesischen Philosophie und Orakelkunde. Es sind darin auch Elemente enthalten, die auf die Lebensgestaltung eines Menschen Einfluss nehmen. Daher auch ihre Verwendung im altchinesischen I Ging - dem Buch der Wandlungen. Darin werden die acht Trigramme jeweils miteinander kombiniert, woraus die 8 x 8 = 64, sogenannte Hexagramme entstehen.

Der alt-chinesische Philosoph Laotze, kam durch dieses Buch zu einigen seiner tiefsten Aphorismen. Es scheint sogar, als sei seine gesamte Gedankenwelt von den Lehren des I-Ging inspiriert.

 

Über Wesen und Wirken der kosmischen Lebenskraft Qi

von S. Levent Oezkan

Qi Lebenskraft - ewigeweisheit.de

Qi ist Lebensenergie. Das gesamte Universum ist von dieser ätherischen Substanz erfüllt. Aus Qi, so die alten chinesischen Weisen, setzen sich alle Dinge im Kosmos zusammen. Auch ein Mensch lebt da in ihm die elementare Lebenskraft Qi zufließt.

Vielleicht könnte man sich Qi als etwas vorstellen, das die moderne Wissenschaft als Modell der Quanten-Felder liefert: subatomare Energie-Potential, die sich zu Licht oder Materie verdichten können.

Die eigentliche Idee von der kosmischen Qi-Kraft jedoch ist bereits sehr viel älter. Ihrer Bedeutung wurden erst sehr viel später wissenschaftliche Erklärungsmodelle angedichtet. Schon lange nämlich stand der Begriff Qi im Alten China für eine kosmische Kraft, die alles in Makrokosmos, wie auch im Mikrokosmos in Bewegung hält. Manchmal ist auch die Rede von Ki, wie etwa im Kunstwort Reiki: "geistig-seelische Lebensenergie". Oder Chi, wie in Tai-Chi: der Lehre von den "großen Gegensätzen" von Kraft und Stille. Immer aber ist das gemeint, was wir auch im Folgenden mit dem Begriff Qi bezeichnen: ein feinstoffliches Fließen, das wie der Lebensatem des Kosmos alles darin vitalisiert.

Auf der philosophischen Vorstellung einer solchen, allgegenwärtigen und universalen, spirituellen Kraft, basiert auch die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM).

Qi: spirituelles Konzept der chinesischen Philosophie des Tao

Im alt-chinesischen Tao wird das wahrnehmbare Universum als ein Zustand zirkulierenden Strömens beschrieben, worin sich ununterbrochen Umwandlungsprozesse ereignen. Aus diesem universalen Fluss ergaben und ergeben sich bis heute all die Myriaden von Formen und Arten des Seins, manifestieren sich und lösen sich wieder auf, entstehen, bestehen und verschwinden schließlich wieder. All diese Prozessen geschehen durch das Strömen des kosmischen Qi-Flusses.

Die frühen Philosophen und Alchemisten des Tao sahen im Qi eine lebendige Kraft, mit der auch der Fluss des menschlichen Atems und der Körperflüssigkeiten zusammenhängen. Nur jene unter uns, bei denen der Qi-Strom im Fluss ist, werden ein gutes Leben führen, hohes Alter und große spirituelle Fähigkeiten erlangen.

Die Lehre vom Qi ist ein grundlegendes Konzept der philosophischen Tradition des Tao. Tao bedeutet wortgemäß "Rechter Weg". Die wahre Bedeutung des Konzepts des Tao geht allerdings weit über die Bedeutung des Tao-Begriffs hinaus. Darum haften den Erklärungen über das Wesen des Tao immer auch Paradoxien an. Es sind eben nur Beschreibungen dessen was in Wirklichkeit aber unbeschreiblich bleibt. Die Worte eines großen chinesischen Weisen fassen das Konzept des Tao sehr schön zusammen:

Worte sind da, um Gedanken zu vermitteln; wir wollen die Gedanken behalten und die Worte vergessen.

- Zhuangzi (370-287 v. Chr.), chinesischer Philosoph

Zhuangzi – ewigeweisheit.de

Der Weise Zhuangzi träumt von einem Schmetterling. Illustration aus der Ming-Dynastie (1368–1644).

Über den Ursprung des Qi

Eines der klassischen Werke des Taoismus ist das Huainanzi: der "Meister von Huainan". In dieser umfassenden Schrift geht es auch um die Entstehung des Universums und die daraus geborenen Qi-Kräfte und wie sich durch sie die vielfältigen Wirkungen im Kosmos manifestieren.

Der Himmel sank als das Formlose - flüchtig, schwingend, durchdringend und amorph. Daher nennt man es auch den Höchsten Lichtkörper. Der Tao begann mit der Aufhellung der Leerheit. Dabei entstand das Universum. Das Universum ließ das Qi entstehen. Qi aber war begrenzt. Aus der himmlisch-ätherischen Klarheit - dem Yang - formte sich der Himmel. Das Schwere und Trübe, verhärtete sich als Yin und begrenzte das, was die Erde formte. Die Verbindungen zum klaren Yang, waren fließend und leicht. Die Verbindungen zum schweren und trüben Yin, waren voller Spannung. So bildete sich der Himmel und später verfestigte sich daraus die Erde. Als Essenzen von Himmel und Erde also, entstanden Yin und Yang. Aus der geballten Essenz von Yin und Yang, entstanden die vier Jahreszeiten. Aus der verstreuten Essenz der vier Jahreszeiten, entstanden die Myriaden von Wesen. Das heiße Qi des Yang ließ das Feuer entstehen. Aus der Essenz des Feuer-Qi, entstand die Sonne. Das kalte Ki des Yin sammelte sich als Wasser. Aus der Essenz des Wasser-Qi, entstand der Mond. Wegen ihrer Essenzen hielten Sonne und Mond himmlische Hochzeit, woraus Sterne und Sternzeichen entstanden.

- Aus dem Buch Huainanzi

Qi als kosmisches Energienetz

Wer auf dem Tao-Weg beginnt Meditation zu üben, der benötigt dieses universale Verständnis vom wahren Wesen des Qi. Man könnte das grundsätzliche Wesen des Qi auch als nichtmanifestiertes Potential beschreiben, als ein in sich selbst veranlagter Zustand kinetischer Bewusstheit.

Qi aber durchdringt alles im Kosmos und die Gänze dessen, was sich darin befindet, seien es Galaxien, Sonnen und Planeten, wie auch die kleinsten Samen, Zellen, und alle Struturen im molekularen Bereich. So wird also auch alles auf unserer Erde, wie Steine, Pflanzen, Tiere und Menschen vom Strom des Qi durchdrungen und belebt.

Im Menschen gehört die Qi-Energie zur Luft, zum Atem, zum Blutfluss und zu den sublimen elektrischen Strömen die durch unsere Nervenbahnen rauschen. Qi ist die wesentliche Lebenskraft, die das Wesen unseres Seins bestimmt. Es bildet aber ein Potential, dass in uns verborgen liegt und gewissermaßen darauf wartet, aktiviert zu werden.

Man könnte Qi gewiss auch gleichsetzen mit dem Prana der indischen Tradition. Prana liegt gemäß der Chakra-Lehre als potentielle Energie in der spirituellen Körperwurzel (Muladhara). Das Qi, das Blutfluss und Nervenimpulse antreibt, ähnelt gewiss dem was man in der indischen Tradition die Kundalini oder Schlangenkraft nennt. Im tibetischen Tantrismus ist da die Rede von einer "Psychischen Wärme".

Der chinesische Weise und Philosoph Chang Chieh-Pin (1563-1640), erklärte Qi folgendermaßen:

Die Qi-Energie gibt dem Kosmos seine Struktur. Ganz gleich ob ein neuer Zustand eintritt oder sich etwas umwandelt: aller Wandel basiert auf Qi und es gibt kein Wesen im Kosmos, dass nicht aus Qi entstanden wäre. Damit umfasst Qi den gesamten Kosmos, durchdringt und bewegt alles was sich darin befindet. Wie sonst als mit der Kraft des Qi scheinen Sonne, Mond, Planeten und Fixsterne, können Donner grollen und Regen, Wind und Wolken geformt werden, können alle Wesen wachsen, reifen, Früchte tragen und sich zurückziehen im Lauf der vier Jahreszeiten? Es ist Qi, dass die menschliche Existenz bedingt!

Die drei kosmischen Kräfte

Wichtigstes Ziel in der Traditionellen Chinesischen Medizin, als auch in der taoistischen Meditationspraxis, ist die Beeinflussung des Qi-Flusses im Körper. Ein Taoist kann alle Formen von Qi-Energie wahrnehmen. Sie durchdringt den Atem, die Lebendigkeit und kontrolliert das menschliche Leistungsvermögen.

Die alten chinesischen Meister sprachen von den drei "San Cai" - drei kosmischen Kraftformen des Qi:

  • Tian - himmlisches Qi,
  • Di - irdisches Qi, und
  • Ren - menschliches Qi.

Das himmlische Qi (Tian) ist die wichtigste kosmische Kraft. Sie wird ausgesendet von den Himmelskörpern, so etwa in Form der Sonnenstrahlen (Tageslicht und Wärme), durch das Mondlicht, die Gravitation der Himmelskörper (Sonne und Mond), sowie von den feineren Energien (Licht, Gravitation) der anderen Planeten unseres Sonnensystems, wie auch der weit entfernten Sterne des Tierkreises.

Wetter, Klima und auch Naturgewalten, werden von himmlischem Qi gesteuert. Da nun jedes Qi-Energiefeld nach Gleichgewicht strebt, trifft das auch zu auf das himmlische Qi: durch Wind, Regen, ja sogar durch heftige Stürme, bringt es sich ins Gleichgewicht.

Irdische Qi (Di) wird von himmlischem Qi beherrscht. Wenn zu viel Regen fällt führt das zu Hochwasser in den Flüssen, sie treten über die Ufer und ändern im Extremfall sogar ihren Lauf. Auf der anderen Seite ist eben ohne Regen kein Leben auf unserem Planeten möglich.

Die alten chinesischen Weisen lehrten, dass das irdische Qi durch besondere Kraftlinien und Energiemuster gebildet wird, deren Ströme und Kräftebündelungen, eng verwoben sind mit dem irdischen Magnetfeld und der magmatischen, unterirdischen Hitze. Auch diese Kräfte müssen im Gleichgewicht bleiben. Ungleichgewichte des irdischen Qi führen schlimmstenfalls zu Erdbeben oder Vulkanausbrüchen. Befindet sich das irdische Qi jedoch in harmonischem Gleichgewicht, so gedeiht auch die darauf lebende Pflanzen-, Tier- und Menschenwelt.

Unser menschliches Qi beeinflussen die natürlichen Zyklen von himmlischem und irdischem Qi. Daher der Wunsch mancher, durch bestimmte körperlich-spirituelle Praxis (wie etwa Qigong oder Tai-Chi) den Kreislauf des menschlichen, körperlich-geistigen Qi, mit den energetischen Kreisläufen des himmlischen und irdischen Qi in Einklang zu bringen.

Das Wesen des Qi im Menschen studierten die alten Chinesischen Weisen bereits vor 4.000 Jahren. Himmlisches und irdisches Qi bestimmen unser Schicksal. Im Wissen um die Zusammenhänge und Beziehungen zwischen der Natur und dem Menschen, schlussfolgerten die alten Weisen, dass Qi auch von Bedeutung ist in menschlichen Beziehungen (chin. "Ren Shi"). Ein wahrer Kenner der Zusammenhänge der Qi-Ströme, vermag sogar Voraussagen zu treffen über möglich eintretende Veränderungen in Bezug auf die Wünsche und Veränderungen im Temperament einer Person. So einer weiß gar gesellschaftliche Veränderungen auf den Fluss eines globalen Qi zurückzuführen.

Am wichtigsten aber bleibt das Wissen um die Zusammenhänge vom Gleichgewicht des Qi im Menschen und die damit zusammenhängenden Aspekte menschlicher Gesundheit und Langlebigkeit.

Wer also weiß dass Qi die Quelle allen Lebens ist und weiß wie es auf Körper, Seele und Geist wirkt, wie man es reguliert und positiv beeinflusst, der wird ein langes und gesundes Leben führen. So einer ist im Einklang mit der Natur und beschreitet den Pfad des Tao, in Harmonie mit Yin und Yang.

Yin und Yang – ewigeweisheit.de

Die zwei Hauptessenzen des Kosmos: Yin (schwarz) und Yang (weiß). Das Yin-und-Yang-Kosmogramm zeigt den ständigen Kreislauf der beiden Uressenzen, die sich ergänzen und jeweils ineinander enthalten sind.

Formen des Qi

Seit Jahrtausenden forschten die Weisen Chinas über die vielen verschiedenen Aspekte des menschlichen Qi. Dies umfasste die Anwendung dieses Wissens auf Massagetechniken, auf die Pflanzenheilkunde, die Meditationstechniken, wie auch auf Akupunktur und die Praxis des Qigong und Tai-Chi. 

Meditation und Qigong werden geübt, um die Gesundheit zu verbessern, sowie bestimmte Krankheiten zu heilen. Der Königsweg des Qigong führt den Taositen zur Erleuchtung. Man könnte sagen dass im Begriff des Qigong das Studium der kosmischen Kräfte des Himmels-Qi, Erd-Qi und menschlichen Qi zusammengefasst sind.

Über Qi sagen die Chinesen es repräsentiere gleichzeitig die Kräfte von Elektrizität, Magnetismus, Wärme und Licht. Elektrische Energie nennt man Dian Qi. Wärme wird durch Re Qi erzeugt. Das Wetter, wie oben bereits angedeutet, wird durch das Tian Qi gesteuert. Bei einem lebenden Menschen ist es, wie gesagt, das Ren Qi das in seinem Körper zirkuliert.

Grundsätzlich wird die Qi-Kraft in Zusammenhang mit allem Lebendigen verwendet. Was lebt, besitzt Huo Qi - lebendiges Qi. Besitzt ein Mensch die spirituelle Kraft Gutes zu vollbringen, besitzt er außerdem Zheng Qi - das Qi der Rechtschaffenen. Was aber tot ist unterliegt dem Si Qi. Spirituelle Wesen, Dämonen und Geister existieren wegen des Gui Qi.

All diese Formen des Qi sind insbesondere von Bedeutung für die Traditionelle Chinesische Medizin, das Qigong und das Feng Shui.

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

Im alten chinesischen Schriftwerk Huangdi Neijing - der "Klassischen Medizin des Gelben Kaisers" (aus dem 2. Jhd. v. Chr.) - werden erstmalig die feinstofflichen Leitbahnen des Körpers erwähnt: die sogenannten Meridiane. Sie ähneln den Nadis der indischen Tradition. Durch sie fließt Qi und zirkuliert im menschlichen Körper. Wenn dieser Qi-Energiefluss in den Meridianen unterbrochen oder blockiert wird, oder unharmonisch fließt, zeigt sich das in verschiedenen Symptomen wie Unwohlsein oder Krankheit.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin nun unterscheidet man zwischen zwei Funktionskreisen, die den Qi-Fluss im Körper befördern: Zang und Fu.

Die Organe des Zang-Funktionskreises übernehmen Speicherfunktionen und werden in der Traditionellen Chinesischen Medizin dem Yin zugeordnet. Zu diesen Organen gehören:

  1. Die Leber, Gan, in der das Blut "gespeichert" (gereinigt) wird,
  2. das Herz, Xin, das die Blutgefäße kontrolliert,
  3. die Milz, Pi, kontrolliert die Verteilung von Flüssigkeiten im Körper, sowie die Verdauung.
  4. die Lungen, Fei, lenkt die Atmung und kontrolliert das Qi (wo ja die Atemluft auf materieller Ebene dem Qi entspricht), sowie
  5. die Nieren, Shen, die den Wasserfluss im Körper kontrollieren und über die das aufgenommene Qi im Körper verteilt wird.

Die Organe des Fu-Funktionskreises übernehmen Durchgangsfunktionen und werden dem Yang zugeordnet:

  1. Die Gallenblase, Dan, ist mit Leber verknüpft.
  2. Der Dünndarm, Xiao, ist verknüpft mit dem Herzen.
  3. Der Magen, Wei, ist verknüpft mit der Milz.
  4. Der Dickdarm, Da Chang, ist verknüpft mit der Lunge.
  5. Die Harnblase, Pang Guang, ist verknüpft mit den Nieren.
  6. Der sogenannte Dreifacher Erwärmer, San Jiao, unterteilt sich in:
    • den oberen Erwärmer, Shan Jiao, der die Funktionen von Herz und Lunge umfasst,
    • den mittleren Erwärmer, Zhong Jiao, der die Funktionen von Milz und Magen umfasst und
    • den unteren Erwärmer, Xia Jiao, der die Funktionen von Leber, Niere, Dickdarm und Harnblase umfasst.

Über diese elf Funktionskreise werden also die Körperfunktionen gesteuert.

Wenn in einem oder mehreren bestimmten Funktionkreisen ein Ungleichgewicht an Qi herrscht, führt das zu Unwohlsein und körperlichen, wie geistig-seelischen Beschwerden.

Die Traditionelle Chinesische Medizin aber versucht diese Disharmonien in den Zang- und Fu-Organen auszugleichen, wie etwa durch chinesische Kräuterheilkunde, Ernährungsumstellung, besondere Körperübungen (Qigong, Tai-Chi-Chuan), durch Akupunktur oder Moxibustion.

In der Akupunktur werden besonders feine Nadeln in die Hautoberfläche des menschlichen Körpers gesteckt. Insgesamt werden 160 Punkte beschrieben, die auf den Akupunktur-Meridianen liegen. An diesen Körperstellen können sich Stauungen von Qi bilden, was zu Unwohlsein und Krankheit führt. Nadelstiche in diese Punkte, wie auch ihre Erhitzung durch die sogenannte Moxibustion (Verbrennen von getrocknetem Beifuß in der Nähe dieser Hautstellen), können energetische Blockaden lösen und im Körper den Fluss von Qi wieder harmonisieren.

Akupunktur-Punkte in der Traditionellen Chinesischen Medizin – ewigeweisheit.de

Akupunktur-Punkte in der Traditionellen Chinesischen Medizin. Illustration aus der Ming Dynastie (1368–1644).

Qigong

Der Begriff des Qigong steht für die Arbeit am Qi, seine Harmonisierung im Körper und die Kultivierung eines balancierten Qi im täglichen Leben. Im Qigong wird eine sanft-rhythmische, bewusste Atmung geübt, die dann von besonderen, langsamen Bewegungen begleitet wird. Dabei visualisiert sich der Übende den allgegenwärtigen Fluss der Lebenskraft Qi im Makrokosmos (Himmel, Erde) und im Mikrokosmos (Mensch).

Feng shui

Irdisches Qi bildet sich, wie bereits angedeutet, durch ein besonderes Energienetz das den gesamten Erdball umfasst. Der Begriff setzt sich zusammen aus den Wörtern "Wind", Feng, und Wasser, Shui.

Qi wird vom Wind zerstreut und stoppt an der Grenze des Wassers.

- Guo Po (276 – 324 n. Chr.), taoistischer Okkultist

Feng Shui ist die Geomantie der chinesischen Tradition. Sie beschäftigt sich mit dem Energiefluss von Qi an bestimmten Plätzen und Orten auf der Erde sowie in Gebäuden und Räumen. Bei der Bestimmung der geomantischen Verhältnisse des Qi, werden die Wechselwirkungen zwischen den fünf Elementen, zwischen den Yin- und Yang-Wirkungen und anderen Faktoren berücksichtigt. Die Speicherung und Verteilung von Qi an einem bestimmten Ort, wie beispielsweise in Wohnräumen, wirkt sich auf die Gesundheit, doch ebenso auf das Glück und Wohlhaben eines Insassen aus.

Jeder Gegenstand in einem Raum, wirkt sich auf den Fluss dortiger Qi-Kräfte aus, die darin entweder abgebremst, umgeleitet oder beschleunigt werden. Das hat Einfluss auf das Qi des Bewohners. Auch kann sich die Beschaffenheit des Qi über einen gewissen Zeitraum hinweg verändern, kann seine Wirksamkeit zu- oder abnehmen.

Das chinesische Zeichen für das Qi – ewigeweisheit.de

Chinesisches Schriftzeichen für Qi. Die Universalität dieses Zeichen, erstreckt sich über folgende Bedeutungen: Luft, Gas, Geruch, Geist, Stimmung, Lebensenergie, physische Energie, Klang, Atmosphäre, Atem, Atmung oder Hauch.

Verbesserung unseres Lebens durch ein Bewusstsein für das Qi

Die alten Weisen wussten dass dumme, plumpe oder gewalttätige Handlungen einen Qi-Fluss erzeugen, der wiederum Dummheit, Ruppigkeit und Gewalt begünstigt.

Elegantes und freundliches Verhalten wirkt hingegen einladend und erzeugt angenehme Qi-Ströme. Darum sollte man alle Bewegungen und sein Verhalten durch einen Sinn für Leichtigkeit und Freude begünstigen. Wer sich so verhält wird in den Genuss wahren Wohlbefindens kommen. Den Qi-Fluss verstärkt auch derjenige der mehr Gelassenheit in seinem täglichen Leben walten lässt.

Wer sich mit Tai-Chi oder Qigong befasst übt seine Achtsamkeit für besondere Bewegungsabläufe. So ein bewusstes Wahrnehmen der Lebensbewegungen kann man auch jederzeit im Alltag üben. Zweck solcher Übungen ist Geist und Körper gemeinsam wahrzunehmen und im bewussten Fühlen die Kräfte des Oben und des Unten zu harmonisieren, und dabei sein irdisches Bewusstsein auf das kosmische Bewusstsein einzustimmen.

Besonders der Wechsel zwischen verschiedenen Tätigkeiten, aber auch Körperhaltungenen, ist etwas, dass man bewusst vollziehen sollte, um voll und ganz im Hier und Jetzt zu sein. Wer sich in den Zwischenphasen befindet, von einer in die andere Bewegung, und den Wechsel von einer Position in die andere achtsam wahrnimmt, der schafft einen kontinuierlichen Fluss von Qi-Energie. Dieser Qi-Kraftstrom steigert dann das allgemeine Wohlbefinden und den empfundenen Nutzen jener täglichen Handlungen, die für uns von Bedeutung sind. Wenn wir zum Beispiel nach dem Sitzen aufstehen oder von einem Ort zum anderen gehen, wenn wir uns abends ins Bett legen: bei all diesen Veränderungen unserer Position, Haltung und Lage, sollten wir uns voll bewusst sein bei dem was wir gerade ändern.

Der menschliche Körper ist ein Empfänger von Qi. Wer vollbewusst in seinem Leben handelt wird auch empfänglicher für kosmisches Qi und hält sein Handeln im Fluss mit den Kreisläufen des Kosmos. Dann nimmt er sich als Teil etwas viel Größerem wahr.

Qi folgt dem Weg des geringsten Widerstands. Wer aber Qi harmonisiert und den natürlichen Fluss dieser Lebensenergie unterstützt, wird alle seine Tätigkeiten mit viel mehr Leichtigkeit ausführen können, zu seinem eigenen und auch zum Nutzen anderer.

 

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Was ist Gott und was sind wir?

von S. Levent Oezkan

Gott ist eine Essenz ohne Dualität, doch nicht ohne Beziehungen. Er ist die absolute, ungeteilte Gegenwart, an der alles Leben teilhat. Er ist die Essenz des Guten, Wahren und Weisen, die sich auf zwei Arten offenbart: als Seiendes und Werdendes. Gott bleibt ewig und unsterblich. Er verkörpert sich in weltlichen Geschöpfen, die aber sterblich sind.

Diese Arten göttlichen Erscheinens, bilden eine allumfassende Ganzheit. Sie wirkt sich direkt und indirekt auf die Welt und die in ihr lebenden Wesen aus: Z. B. einmal als das Grollen des Donners, ein andermal als das sanfte Gefühl des eigenen Herzschlags. Im Hinduismus steht dafür das »Schabda-Schabda«: Schabda ist der Grundton der Welt, wie auch der hörbare Lebensstrom eines jeden lebendigen Wesens. Schabda-Schabda ist der Klang des Urklangs, die lebendige Essenz der Essenzen. Das bezeichnet im indischen Vedanta das Wort »Advaita« - die ewige Einheit, an der alles in der Welt Anteil hat - jedes lebendige Wesen. In Advaita sind Seiendes und Werdendes eins.

Um den Sinn dieser göttlichen Einheit zu begreifen, bedarf es zunächst eines Wesens, das diesen Sinn überhaupt begreifen will. Und da Gott nicht ohne das von ihm geschaffene Leben existiert, ergeben sich unzählige Beziehungen zu all seinen Lebewesen. Im lebenspendende Atem von Mensch, Tier und Pflanze, ist Gott gegenwärtig. Das Wort »Atem« ist verwandt mit dem indischen »Atman«: das Selbst. Nicht zufällig üben alle Meditationsformen die Entwicklung eines Selbst bewussten Atmens. Wer vollbewusst seinen Atem »erkennt« und gleichzeitig sich vom Strom der Gedanken löst, der nähert sich der oben erwähnten Einheit Gottes. Wer immer die Einheit auf diese Weise unmittelbar erfahren hat, d. h. den in ihr innewohnenden Eigenschaften schon einmal gewahr wurde, beginnt die Aspekte des Göttlichen zu verstehen. So jemand kann sich jenseits des Bereichs der normalen Sinneswahrnehmung begeben und sich ganz von den äußeren Reizen lösen. Er überschreitet die Grenzen der endlichen Erfahrungswelt seiner Sinne, Gefühle und Gedanken – begibt sich jenseits des normalen Wahrnehmungshorizonts – kurz: er ist in der Lage die Grenzen seines Egos zu übersteigen. Erst dann wird der Prozess der Erkenntnis überhaupt in Gang gesetzt. Es ist die Erkenntnis, dass die mikrokosmische Person die in unserem Herzen wohnt, einer makrokosmischen Person entspricht, die im Herzen der Sonne wohnt. Das ist ein Bild dafür, was im Vedanta mit Atman und Brahman bezeichnet wird: dem individuellen Selbst und der kosmischen Weltseele.

Gott Brahma - ewigeweisheit.de

Der Gott Brahma: Lehrer der Götter und der Menschen.

So können wir sagen, dass Gott nicht von irgendwo herkommt, noch zu irgendetwas wird, sondern sich allen möglichen Arten der Existenz, als lebenspendendes Wesen anbietet – was ja auch die Sonne gegenüber den Lebewesen auf der Erde tut. Den »Besitzern des Atman«, also den Menschen, ist selbst überlassen, ob sie dieses Angebot annehmen oder ablehnen, daran teilhaben oder es ignorieren.

Namen der Einheit

All die vielen Namen dessen, war wir hier zu definieren versuchen, sind nur Bezeichnungen eines selben, ewiglichen Seins und Werdens, das man Elohim, ein andermal Jahwe, JHVH, Christus, Deiwos, Zeus, Guda, Manitu, Tyr, Odin, Wodan, Isis, Gaia, Ymir, Aton, Ra, Brahma oder Allah nennt. Ein Gott oder eine Göttin verkörpern sich eben in der Form, wie sie von ihren Verehrern vorgestellt wird. Mal ist Gott ein alter Wolkenmann mit langem Bart, ein andermal der Gekreuzigte. Der Islam verbietet, sich überhaupt ein Bild vom göttlichen Namen zu machen. Wieder andere denken sich ihn als die »Emanationen aus den Schwingen des kosmischen Adlers«. All diese Namen und Verkörperungen dessen, was wir hier der Einfachheit halber aber weiterhin »Gott« nennen wollen, dafür steht in Indien die heilige Silbe »Om«. In etwas abgewandelter Form sprechen die Schamanen Zentralasiens »Ommen«, was natürlich dem im Westen gebräuchlichen »Amen« entspricht. Die heilige Silbe Om wird in der vedischen Tradition die »Essenz der Essenzen« genannt.

Die Essenz aller Lebewesen ist die Erde,
Die Essenz der Erde ist das Wasser
(denn sonst wäre sie nur Staub),
Die Essenz des Wassers sind die Pflanzen
(den sie wachsen nur dort, wo es Wasser gibt),
Die Essenz der Pflanzen ist der Mensch
(da er sich von pflanzlicher Nahrung ernährt),
Die Essenz des Menschen ist die Sprache
(denn durch sie unterscheidet er sich von anderen Lebewesen),
Die Essenz der Sprache ist der Rigveda
(der älteste Teil der indischen Veden),
Die Essenz des Rigveda ist der Samaveda
(der melodische Gesang der Verse des Rigveda),
Die Essenz des Samaveda ist der Udgitha
(das ist die heilige Silbe Om die in der Lithurgie gesunden wird).
Dieser Udgitha (Om) ist die beste aller Essenzen, ist die Höchste, die die höchste Stufe verdient, die Achte
(denn sie ist die achte Essenz all der hier aufgeführten Essenzen).

- Chandogya Upanischaden 1:1:1-3

Diese heiligen Verse aus den Upanischaden zeigen, was allen spirituellen Vorstellungen über Gott gemein ist: So wie der Pflanzensaft durch die Äste eines Baumes, gleichgeartete Früchte an seinen vielen Zweigen nährt, ebenso haben die vielen Gläubigen auf dieser Erde Anteil an einer ewigen, ungeteilten und werdenden Essenz, der sie nur ihre individuellen Namen, Formen und Symbole geben.

Der, die, das Eine

All die Formen in der Vorstellung eines Gläubigen, sind nur Mittel, sich dem Formlosen anzunähern. Der Mensch verwendet gesehene Bilder, um sich das Unsichtbare zu visualisieren, verwendet das Gehörte, um sich das Ungehörte vorzustellen. Ganz gleich ob wir ihn als männliches, weibliches oder neutrales Hauptwort bezeichnen, als die »Große Mutter«, »Allah«, »Sonne«, »Den Einen« oder sonst wie: sie alle vereinigen sich in der hier immer wieder erwähnten Essenz. Um an der lebenspendenden Essenz dieser universalen, spirituellen Einheit teilzuhaben, sollten wir uns aber allmählich von den vielen Vorstellungen darüber lösen.

Pilger beim Bad im heiligen Fluss Ganges (1880) - ewigeweisheit.de

Pilger beim Bad im heiligen Fluss Ganges (1880).

In den Fußstapfen unserer Vorgänger

Ist es nicht so, das wir alle irgendwelchen Vorgängern nachlaufen, die dieser Essenz, der göttlichen Einheit, nur unterschiedliche Namen gaben? Wir folgen ihren Fußstapfen, auf der Suche nach unserem eigenen spirituellen Weg. Doch in der »Welt der Wahrheit«, gibt es keine Wege, keine verborgenen Pfade die man auffinden könnte. Wir müssen den Mut haben, dieses »Land der Begriffslosigkeiten« selbst, ohne einen Führer zu betreten. Es ist, wie als würden wir einen Fluss durchwaten hinauf zur Quelle. Jeder weiß, dass auf dem Grund des Flusses alles fort gespült wird, woran man sich orientieren könnte. Ganz gleich wie breit dieser Fluss auch sein mag: gehen wir nicht bereits in die richtige Richtung, wenn wir uns gegen den Strom bewegen?

So wie das Wasser der vielen Seitenarme in den Flussdeltas von Ganges (Indien) und Nil (Ägypten) ins Meer fließen, so strömt sinnbildlich die Essenz der göttlichen Weltseele, in das Meer aller Menschenseelen.

Der Nil (NASA Bild aus dem Weltall) - ewigeweisheit.de

Der Nil (NASA Bild aus dem Weltall).

Panta rhei - Alles fließt

Die alten Ägypter verehrten den Nil als göttlichen Vater-Mutter-Androgyn – als männlich-weiblichen Gott. Der Nil ähnelt einer fließenden Lebensachse, von Süden nach Norden – auf dessen beiden Ufern Bauern ihre Äcker bestellen. Hierin wird auf die anfangs erwähnte Nicht-Dualität Gottes hingewiesen. Zwar hat jeder Fluss zwei Ufer, er selbst kann sie aber nur als ein Fluss trennen. Somit verkörpert er ein Symbol der Befreiung von den Gegensätzen.

Wer sich immer zwischen den Polen von Rechtem und Schlechtem bewegt, wird brüchig, bis er gänzlich in der Hilflosigkeit der äußeren Lebensumstände erstarrt. Leben aber heißt Fließen.

Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen.
Wer in denselben Fluss steigt, dem fließt anderes und wieder anderes Wasser zu.
Wir steigen in denselben Fluss und doch nicht in denselben,
Wir sind es und wir sind es nicht.

- Aus Fragmenten der Vorsokratiker

Der Mensch muss lernen sich über die Gegensätze zu erheben, über das was war und das was sein könnte. Gutes und Böses, Angenehmes und Widerliches, Glück und Unglück sollten wir mit dem selben Gleichmut hinnehmen, als ob gar kein Unterschied bestünde. So nähern wir uns dem, was der alte chinesische Meister Laotze »Tao« nannte. Tao ist der eine Weg, auf dem jene gehen, denen die Vereinigung der Gegensätze gelingt –, symbolisiert durch das Yin-und-Yang. Wer diesem Weg folgt, wird Gott ähnlich. Tao wurde von den alten Chinesen auch als »Tau Gi«, der »Große Firstbalken« bezeichnet. Dieser Balken bildet in einem Haus das Gerippe, das die Sparren des Dachstuhls zusammenhält. Dieser Balken ist auch der Kiel, der das Unterste vom Balkenwerk des Schiffsbauches bildet (jenem Schiff, dass sich auf dem Lebensfluss auf die Quelle des Lebens zubewegt). Auch die menschliche Wirbelsäule entspricht diesem Einen, woraus die Rippen ebenso hervorgehen, wie die Rippen aus dem Kiel des Schiffsbauches. Im indischen Kundalini-Yoga trägt die Wirbelsäule den Namen »Meru«, da der Körper zur Wirbelsäule im selben Verhältnis steht, wie der Kosmos zum Weltenberg Meru (den die Juden »Moriah« nannten).

In diesem Tao – dem mittleren Weg – dem Dachkiel und Mittelpfosten unseres spirituellen Himmelsgebäudes, finden wir die Essenz der göttlichen Einheit. Nach ihr sollten wir suchen – sie sollten wir zu erkennen trachten.

Auch wenn wir uns gleichzeitig immer nur auf einem, dann auf einem anderen Pfad bewegen können, beabsichtigen letztendlich alle spirituellen Wege, den Menschen näher an die Essenz seiner lebendigen Seele heranzuführen. Dies erfolgt solange, bis eines Tages alle Seelen den letzten Schritt in ihrem Werdeprozess auf Erden gegangen sind. Dann verlassen sie den langen Inkarnationszyklus der Erde, um die unendlichen Weiten des Universums zu durchmessen. Ihnen bleibt auch nichts anderes übrig, denn dereinst, in einigen Milliarden Jahren, wird die Sonne mit der Erde und den anderen Planeten, wieder zu einer großen Einheit verschmelzen.

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Die fünf Elemente des Tao

Die fünf Elemente des Tao

Die taoistische Lehre von den fünf Elementen hat ihre Wurzeln in China. Sie beschreibt die dynamischen Gesetzmäßigkeiten und Wandlungsprozesse, die im Lebendigen ablaufen. Diese fünf Wandlungsphasen durch fünf Grundelementen beschrieben: Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser.

Alle Naturerscheinungen werden durch das Zusammenspiel dieser Wirkprinzipien geregelt. Allen fünf Elementen liegen die Polaritäten von Yin- und Yang-Kräften zu Grunde, über welche die Eigenschaften in den Beziehungen zwischen Erde, Mensch und Himmel beschrieben werden.

Bis heute stützt sich die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) auf diese Naturmethapher. Auch in anderen sehr wichtigen Bereichen der chinesischen Philosophie wie im Shiatsu, Feng-Shui, Tai-Chi, Qi-Gung und der Akupunktur, spielen diese Aspekte eine grundlegende Rolle.