In der Stille Glück ernten

von S. Levent Oezkan

Manche glauben, sie müssten ihren Mitmenschen Fleiß vorzeigen, Pflichterfüllung oder demonstrativen Stress inszenieren. Und wenn da niemand ist, der dieses Theater kommentiert, gibt man in Gedanken selbst seinen Senf dazu. Eine Art obligatorisches schlechtes Gewissen. Kennen Sie das? Ich hoffe nicht!

Alles was aber Wohlgefühle erzeugt, gilt es zu bewahren, damit das, was akut geworden ist, auch sicher und nachhaltig bearbeitet und schließlich gelöst werden kann.

Wenn etwas genossen wird, genieße man im Jetzt das Tun, das Erfahren oder koste eben all die schönen Visionen und Gedanken aus, die man im Wohlfühlen hat. Wenn wir dann unsere Herausforderungen bewältigen müssen, konzentrieren wir jene im Wohlfühlen aufgespeicherte Kraft, und tun oder analysieren nur eben das, was zur Lösung unseres Problems beiträgt oder uns hilft Hindernisse im Leben zu überwinden.

Doch nicht immer ganz einfach, denn gerne funken Gedanken dazwischen, und teilen das Sein in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – was es ja eigentlich auch ist, doch ganz und gar ohne Namen. Sein, ist! Und wer es schafft, dieses Sein nicht durch seine bewertenden Urteile zu zerpflücken, der wird sich des eigentlichen, inherenten gesunden Lebensstromes gewahr. Wer davon schonmal kosten durfte, merkt irgendwann, dass das eigentlich ein naturgebener Zustand ist.

Unser Leben fließt aus uns, und manifestiert sich dort, wo wir unsere Aufmerksamkeit fokussieren. Wenden wir uns dem Guten zu, wird sich in unserem Leben Positives niederschlagen. Wer Glück säht, wird Glück ernten.

Wer aber Dornen säht, darf nicht erwarten Rosen zu ernten.

Ablegen des Angstkleids

Vor einigen Jahren meinte ich einmal zu einem Freund:

Kennst Du dieses Gefühl, wenn man sich auf einmal mit der ganzen Welt verbunden fühlt und einfach nur glücklich ist?

Worauf er nur abgeklärt antwortete:

Ja, dass ist wenn die Kruste abplatzt.

Wenn diese Art Freude, also vielleicht nur verursacht wird durch die Spritzer aus den Rissen eines durch Verpflichtungen verkrusteten Selbst, würde ein Mensch dauerhafte Glücksempfindung dann überhaupt überleben? Nun, wohl war der große Eingeweihte Jesus Christus der Inbegriff der Verwirklichung dessen. Doch er starb am Kreuz.

Ent-Rüstung

Wir alle, mehr oder minder, schleppen uns in Rüstungen durchs Leben und ent-rüsten uns dann, wenn uns etwas aus dem eigentlichen Schlaf der Normalität stößt.

Wie wär es wohl, man würde alle widrigen Zustände und Probleme, statt als solche, lieber als Heraus-Forderungen sehen – Befreiungen aus dem Harnisch jener gewohnten, furchtsamen Betroffenheit? Das Schleppende, das die Opfermentalität mit sich bringt, gibt auch die Körperhaltung wieder. Bereits ein aufrechter Gang, würde unserem Unterbewusstsein und unserer Umwelt das Gegenteil suggerieren. Eine Voraussetzung, sich des schweren Panzers zumindest einmal bewusst zu werden.

Statt also ewig Wunden zu lecken, die, während man fleißig Pseudo-Pflichten erfüllte, ihre Furchen zogen, wär doch sicher lohnend, das Gute im Leben voll auszukosten - den Geschmack der Freude, dem des Leids vorzuziehen. Und das beginnt im Kleinen.

Was mir persönlich half, war außerdem die Erkenntnis, dass sich immer alles aus Paaren von Gegensätzen zusammensetzt, die untrennbar zusammengehören. In der Hermetik stehen dafür die sieben kosmischen Gesetze, beschrieben im Buch Kybalion. Eines davon, ist das Gesetz der Polarität:

Alles ist zweifach, alles hat Pole, alles hat seine Paare von Gegensätzen, gleich und ungleich sind dasselbe. Gegensätze sind von Natur aus identisch, jedoch verschieden im Grad. Extreme berühren sich. Alle Wahrheiten sind nur Halbwahrheiten. Alle Widersprüche können miteinander in Einklang gebracht werden.

Wenn also alle Widersprüche miteinander in Einklang gebracht werden können, so gilt das ebenso für alle Lebenswidrigkeiten. Vielleicht sogar treten sie in unserem Leben nur auf, damit wir etwas finden, dass sie ausgleicht, an sich bindet und damit dem Prinzip der Einheit zuführt. Und es ist diese Einheitserfahrung, die wir als Glück empfinden. Jeder weiß das, der schon einmal jemanden liebte, sich mit ihm oder ihr ver-einigte, der sich Gleichgesinnten in einem Ver-ein anschloss.

Doch dieses Glück könnte eigentlich zuerst in uns beginnen, wenn wir entdlich mal zur Ruhe kämen.

In der Stille liegt Kraft.

 

Titelfoto: von Andrew Draper

 

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