Kein Grund zur Angst

von S. Levent Oezkan

Das Wort Angst ist indogermanischen Ursprungs und setzt sich zusammen aus den Wörtern angh – »Enge«, und st – »was dazu gehört«. Also ist Angst etwas, dass zur Enge gehört. Was bedeutet das?

Es weißt wohl hin auf das Empfinden, dass jemand hat, der Angst verspürt: Ein beengender Druck im Brust- und Schulterbereich und ein Gefühl anscheinender Ausweglosigkeit.

Angst basiert aber meist nur auf Unwissenheit. Wer wegen eines bevorstehenden Ereignisses Angst spürt, kennt wahrscheinlich nur einen, oder zumindest nur sehr wenige Wege, sich einem beängstigenden Zeitpunkt zu nähern.

Meist ist es aber eben genau die Angst selbst, die einen blind macht für die Vielzahl von Alternativen. Und wenn man sich nun fürchtet, etwas könnte schief gehen oder man könnte versagen oder etwas oder jemanden verlieren, führt meist genau diese Furcht dazu, dass das auch eintritt. Wieso? Weil man sich zur Angst ins Verhältnis setzt, man der Plus- zum Minuspol wird. Das heißt, man schreibt dem Verhältnis vom Ich und dem Ereignis, übermäßige Wichtigkeit zu.

Vielleicht aber haben sie schon öfter einmal die Erfahrung gemacht, dass Ihnen Dinge mit Leichtigkeit gelingen, die Ihnen nicht wichtig sind. Was ist damit gemeint?

Sie haben zum Beispiel Lust etwas Bestimmtes zu unternehmen. Doch es ist Ihnen gleich, ob es am Ende genau so ist wie ausgemalt, oder sich eine Alternative ebenso gut eignet. Das könnte etwa ein Ausflug oder eine kleine Reise sein. Es ist Ihnen nicht wichtig und sie fahren oder laufen einfach drauf los und nehmen die Dinge so wie sie kommen. Nichts leichter als das, nicht wahr?

Wenn sich unterwegs nun Schwierigkeiten ergäben, würden Sie einfach direkt handeln. Wenn etwas Ihren Weg auf Ihrem Spaziergang versperrt, dann suchen Sie sich eben einen Um- oder Ausweg. Wovor sollten Sie nun also Angst haben? Das Selbe gälte in Ihrer Küche. Entweder Sie kochen das eine oder das andere Mahl. Und wenn das eine Gewürz gerade aufgebraucht ist, dann verwenden Sie eben ein anderes. Doch Angst?

Natürlich ist all das bei Bewerbungsgesprächen, unserem ersten Treffen mit unserem begehrten Lebenspartner oder anderen bedeutungsvollen Ereignissen, offenbar eine andere Sache. Doch ist das wirklich so? Es liegt eigentlich nur an unserer Bewertung, wie »schwerwiegend« eine Sache für uns ist. Der Ursprung des Wortes »wichtig«, liegt im mittelhochdeutschen wihtec – das Gewicht.

Nicht ohne Grund fühlt man sich »erleichtert«, wenn man um ein bevorstehendes Ereignis bangte, dass man dann aber überstanden hat.

Haben wir etwas ausgestanden, weiten wir danach unsere Brust und atmen tief durch. Das können Sie gleich jetzt mal üben: tief durchatmen tut gut.

Bei manchen von uns, ist der Brustbereich aber dermaßen verengt, dass Atmen bereits schwer fällt und durch den offenem Mund erfolgen muss. Doch was ist mit Ihrem Bauch? Nehmen Sie ihn beim Tief durchatmen auch zu Hilfe? Atmen Sie durch die Nase oder ist ihr Mund offen? Spüren Sie den Unterschied? Durch den Mund können Sie niemals so tief einatmen, wie durch die Nase!

Ein Gefühl der Weltenge

Wir leben in einer Welt voller Angstreize. Ein ängstliches Volk lässt sich besser steuern. Denken Sie nur, Sie rannten in Todesangst vor etwas davon. Jedem ruhig erscheinenden Menschen auf dem Weg würden sie sofort glauben, sagte er zu ihnen »Lauf nach links, lauf nach rechts«. Das Fernsehen scheint voller solcher beruhigenden Gesichter zu sein. Manche davon, meist in den Nachrichten, geben sogar noch genaue Anweisungen. Und sind es nicht solche, sind es eben andere, die uns an unsere Angst erinnern – die schreien, die befehlen, die drängen uns etwas zu erstreben, das wir eigentlich gar nicht wollen und ebenso wenig brauchen.

Wenn Sie in Panik sind, ist nur noch ihr sogenanntes Reptilienhirn aktiv. Ihr Vernunftdenken aber ist komplett deaktiviert.

Wird dieser Zustand, auch in verminderter Form, über längere Zeit, immer wieder erfahren, spricht das Bewusstsein besonders auf die niedrigen Instinkte an, wie Hunger oder das Bedürfnis nach sexueller Befriedigung. Angst drängt den Menschen dann, zu all den Ausflüchten, an die man sich nur all zu leicht gewöhnen kann. Selbst dann, wenn Sie anderen oder einem selbst schaden. Besonders unsere sexuelle Freiheit, wird dann unglaublich wichtig, auch wenn sie sich vielleicht nicht wie gewünscht befriedigen lässt.

Sicher wäre der erste Schritt sich von allerhand alltäglichen Ängsten zu befreien, zunächst einmal die eigene Wichtigkeit zu verlieren, nicht mehr auf Irritationen zu reagieren und sich tagtäglich bewusst zu machen: es könnte heute auch alles ganz anders sein und vielleicht ist es sogar mein letzter Tag! Denn letztendlich ist es doch der Tod, vor dem wir uns alle fürchten. Daher weihte man die Krieger in alter Zeit, in die Geheimnisse des Todes ein. Im Mithraskult und anderen Geheimkulten, wurden die Initianden an die Todesgrenze herangeführt.

Ähnliche Rituale werden bis heute wohl auch von den indigenen Völkern Amerikas praktiziert. Dabei machen die Krieger eine Erfahrung, die ihnen die wesentlichen Aspekte des Selbst bewusst macht. Wer diese Einweihung erhielt, hat bereits vom Tod geschmeckt und ist von da an frei von alltäglichen Ängsten.

Aber auch die schwierigen Probleme im Leben, vor denen viele davonlaufen, sind ein Wink aus dieser Richtung unseres eigentlichen Endes. Wer sich den wirklich schwierigen Herausforderungen im Leben aber stellt und sie so annimmt wie sie eben gerade sind, der wird sich ihnen auch ohne große Furcht stellen können – vorausgesetzt: Leichtigkeit ersetzt die eigene Wichtigkeit.

 

 

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