Welchen Nutzen erfüllen magische Amulette?

von S. Levent Oezkan

Amulett - ewigeweisheit.de

Die Verwendung von Amuletten stammt aus einer Zeit, als die Menschen ihren spirituellen Segen noch im Animismus und der Magie zu finden hofften. Immer aber verwendete man diese Objekte in der Erwartung, dass sich die in ihnen enthaltenen Kräfte auf ihren Besitzer übertragen.

An unzähligen Orten fanden Archäologen Amulette und Talismane aus alter Zeit. Es scheint als hätten sich die Menschen Objekte geschaffen, um sich einerseits zu schützen und andererseits durch Amulette Einfluss auf die eigene Zukunft zu nehmen. Man hatte jede Menge Anlass sich zu beunruhigen. Tagsüber mühte man sich auf den Äckern ab, alle möglichen Verletzungen wollten kuriert und Krankheiten geheilt werden. Auch musste man sich vor feindlich gesinnten Zeitgenossen schützen. Immer schon gab es Männer und Frauen, die sich dem Dienst des Bösen verschrieben. Man fürchtete solche Schwarzmagier natürlich ebenso, wie jene unberechenbaren Raubtiere, die einem aus dem Gestrüpp auflauerten.

Vor allem die Nächte waren geprägt von Angst und Schrecken. Unbekannte Gefahren lauerten überall in der Dunkelheit. Wilde Tiere suchten nach Beute und umschlichen die Eingänge zu den von Menschen bewohnten Höhlen. Man schlief ein in Angst.

Wer nun ein Amulett bei sich trug, hoffte sich damit das Böse vom Halse halten zu können.

Der Böse Blick

Menschen schufen sich Amulette und Talismane, die ihnen Kraft beim Kinderzeugen, beim Kampf gegen sichtbare und unsichtbare Feinde helfen sollten. Doch auch das, was man den "Bösen Blick" blickt nennt, galt es durch Amulette abzuwehren. Im Orient findet sich dazu das Nazar-Amulett. Es soll den Träger vor unheilvollen Blick feindlich gesinnter Menschen schützen. Drum gleicht das Nazar-Amulett einem Auge, das quasi als Gegenzauber jeden Blick erwidert. Dem ähnelt auch die "Hand der Fatima" - einem wichtigen Schutz-Symbol des islamischen Kulturkreises, dass heute noch in unzähligen Varianten als Amulett verwendet wird.

Immer auch gab es Amulette zum Schutz von Frau, Kindern, Heim und Vieh, waren die Menschen in alter Zeit doch viel mehr auf einander angewiesen. Wilde Tiere rissen Vieh, Giftschlangen lauerten unter Felsen. Auch Unwetter waren gefürchtet, konnten sie doch das mühsam angebaute Getreide im Nu vernichten.

Hamsa: Hand der Fatima – ewigeweisheit.de

Die Hand der Fatima (auch: "Hamsa") ist eines der bedeutendsten Schutzamulette des Orients.

Die Alten Götter: Beschützer der Menschen

In vorzeitlichen Zivilisationen wusste man, dass die Welt Götter regierten. Diese höchstverehrten und gefürchteten Wesen, verwendeten Magie, um ihre Wunder zu vollbringen - in Himmel und Natur. Kaum verwunderlich, wenn darum auch Männer und Frauen versuchten, mit Hilfe magischer Kräfte ihre Probleme zu lösen und gefährliche Hindernisse im Leben aus dem Weg zu schaffen. Was den Göttern half, musste schließlich auch Menschen zur Hand gereichen. Auch aus diesem Grund schuf man Amulette. Man stellte sie gewiss auch im Andenken an die Ahnen und verehrten Gottwesen her, bildete sie nach und ritzte oder malte die Namen und Symbole der Götter, auf das zu bezaubernde Objekt.

Solch Wissen wurde über Generationen hinweg, vom Meister and den Schüler weitergegeben, auch wenn sich immer eigene, individuelle Aspekte mit einfügten. Man erhoffte sich durch das Anbringen von Amuletten die Zukunft zu beeinflussen – oder, anders gesagt: das Schicksal in gewünschte Bahnen zu lenken. So trug man Amulette auch im Bett, damit sich einem in den Träumen die Zukunft offenbarte.

Bei der Herstellung eines Amuletts ist zuerst das verwendete Material (Mineralien, organische Stoffe wie Haut, Horn oder Holz) von elementarer Bedeutung. Die darauf befindlichen Symbole, magischen Formeln oder die am Amulett angefügten Fetische, beschreiben dann quasi den Zweck des Amuletts. Natürlich spielen auch Zeit und Ort der Herstellung eine wichtige Rolle. Besondere Bedeutung aber kommt jener Person zu, die das Amulett schafft. Denn mit der charakteristischen Handlung seiner Herstellung, überträgt sich die Aura des Fertigers auf das Objekt. So etwas mag bei der Schaffung alltäglicher Produkte ganz nebensächlich sein; bei der Herstellung eines Amuletts aber, sind diese Faktoren tatsächlich von Belang.

Glauben muss eine Gewissheit sein

Der Name oder die Worte, die in einem Amulett eingezeichnet sind, dienen der Anrufung geistiger Wesen. Jedem Buchstaben entspricht ein bestimmter Schwingungszustand: er besitzt sowohl einen charakteristischen Klang, wie auch einen ihm zugehörigen Zahlenwert (Numerologie). Damit bildet ein Wort ein Schwingungsfeld, dass in sich natürlich geistige Gebilde assoziiert, die auch sogenannte Elementale erzeugt, die in mentaler Form bestehen. Je nach Art der Bedeutung, des Klanges und der Numerologie eines Wortes, fühlen sich von den damit erzeugten geistigen Formen, auch Menschen und Engel angezogen - auch dann, wenn ein Amulett Träger eines solchen Namens ist. Im positiven Falle, kann das Amulett dann als Helfer oder als Beschützer dienen.

All das aber ist nur wirksam, und wird seine magische Pflicht auch nur erfüllen, wenn sein Träger den notwendigen Glauben entwickelt. Nur in absoluter Gewissheit über seine Kraft, wird ein Amulett seinen Zweck erfüllen. Ansonsten bleibt es nur ein totes Stück Materie. Ein Psychologe würde hier vielleicht abwinken und von einem "Placebo-Effekt" sprechen. Auf lange Sicht aber, hilft auch die wirksamste Medizin nicht, wenn sie ein Mensch von einem gleichgültigen Arzt verschrieben bekommt. Dem "Patienten" fehlt dann der Glaube an die Genesung an sich. Das heißt, er kommt vielleicht bald wieder wegen einer anderen Angelegenheit, denn ihn drängt eine bestimmte Lebenseinstellung dazu.

Ist der Glaube eines Menschen aber stabil und hält er an den Symbolen, Worten oder Versen auf seinem Amulett fest, kann es für ihn seinen helfenden, bewahrenden oder heilenden Zweck erfüllen. Damit nämlich wird es zum spirituellen Träger einer vom Menschen geschaffenen Geistform.

Sicher wäre hier die Frage berechtigt, ob es überhaupt bestimmter Amulette bedarf, wenn sie nur dann an Kraft gewinnen, wenn ein Mensch auch tatsächlich an ihre Wirkung glaubt. Könnte man sich dann nicht einfach auf den Gedanken konzentrieren, der sich um einen bestimmten magischen Namen dreht? Die Antwort ist ganz klar: Ja!

Wir Menschen aber sind visuelle Wesen. Und so lassen sich Amulette als wirksame Utensilien verwenden, um die Bedeutung unseres Wunsches nach Schutz, Hilfe und Heilung, in unserer Erinnerung zu behalten. Was wir immer wieder lesen, prägt sich uns ein.

Art und Wesen eines Amuletts

Keiner kann genau sagen, welche tiefere Bedeutung dem Wort "Amulett" letztendlich zu Grunde liegt. Fest steht, dass sich seine Bedeutung änderte. Heute verwenden wir das Wort zur Bezeichnung eines besonderen Gegenstands, der in sich magische Kräfte trägt.

Die Menschen der Urzeit verwendeten Amulette, die aus natürlichen Materialien hergestellt waren. Insbesondere Form und Farbe waren da relevant. Alles das eine ungewöhnliche Tönung oder Beschaffenheit besaß, eignete sich gut. Alles neue oder unbekannte, wurde häufig zur Herstellung von Amuletten verwendet. Daran dürfte sich auch heute nichts geändert haben. Jedes Objekt, dass wir in die Hand nehmen können und was unsere Begeisterung hervorruft, eignet sich um daraus ein Amulett herzustellen. Vor allem natürliche Materialien wie Minerale, Zweige oder Teile einer Baumrinde, eignen sich sehr gut. Besondere Bedeutung erlangten irgendwann aber auch beschriebene Stoffe, Papier oder Metall. Auch die Kombination der genannten Materialien, eigneten sich ganz ausgezeichnet zur Herstellung von Amuletten.

Münze mit Sator-Quadrat – ewigeweisheit.de

Münzamulett aus dem Jahr 1570 (Antikensammlung, Schloss Skokloster, Schweden). Auf der einen Seite ist das berühmte Sator-Quadrat eingraviert: eine der verbreitetsten Zauberformeln des Abendlandes, die ihren Träger vor Seuchen und Unheil schützen sollte.
(Mynt - Skoklosters slott, von Miguel Herranz, CC BY-SA)

Münzamulette

Eine der wichtigsten und bereits sehr alten Formen von Amuletten bilden Münzen. Denn was sie von natürlich gewachsenen Materialien unterscheidet, ist, dass sich in Metall nicht nur auf jede nur erdenkliche Art prägen lässt. Münzen bleiben über Jahrtausende bestehen, sind sie doch verfertigt aus Edel- und Halbedelmetallen (Gold, Silber, Kupfer) oder Legierungen (Bronze, Messing, Stahl).

Bilder

Immer freuten sich Menschen über einen für sie persönlich wertvollen Besitz - etwas das man immer bei sich trug oder in sein Heim brachte, um es dort an besonderer Stelle abzulegen oder anzubringen. Wenn diese Zwecke in Urzeiten Amulette erfüllten, waren es im späteren Christentum manchmal auch die Ikonen der Heiligen.

Heute scheinen Fotos von Familienangehörigen und Freunden, diesen erhofften glückbringenden Zweck erfüllen zu sollen, um sich etwa das schöne Lächeln eines Menschen in Erinnerung zu rufen, wenn die Dinge einmal nicht so gut laufen, wie sie eigentlich sollten.

Zwei Hauptkategorien

Niemand weiß, welchen Zweck all jene Amulette erfüllten, die man zum Beispiel bei archäologischen Ausgrabungen fand. Schaut man sich aber die Vielzahl der Variationen gefundener Amulette an, lässt sich ausschließen, dass sie für jeden Zweck gedacht, geschweige denn geeignet waren.

Grundsätzlich aber lassen sich zwei Arten von Amuletten unterscheiden: Persönliche und Allgemeine.

Persönliche Amulette

Seit alter Zeit suchten Menschen in Amuletten ein Mittel, sich vor Krankheiten zu schützen. Man wollte damit die Naturkräfte des Körpers stärken und bewahren.

Als Zweites wären Amulette zur Stärkung der männlichen Potenz zu nennen. Schließlich entschied sie über die Fortpflanzung, und damit für den Bestand der eigenen Sippe. Natürlich gab es darum auch Amulette, die die Schwangere beschützen sollten, sie vor einer Fehlgeburt bewahren und die Geburtswehen erleichtern. Auch in der Stillzeit wurden Amulette verwendet.

Man trug, und trägt auch heute noch Amulette, zum Schutz vor verschiedenen Seuchen und Plagen, gegen die Pest, zur Bewahrung vor einem Sonnenstich, vor Blitzschlag, vor Überfällen durch wilde Tiere, vor Skorpionenstichen oder Schlangenbissen, zum Vermeiden von Wunden, die einem jemand im Kampf schlagen könnte, Amulette gegen Ertrinken, und so weiter.

Seefahrer trugen Amulette die sie vor Schiffbruch bewahren sollten. Bestimmt erfüllten einen ähnlichen Zweck tätowierte Anker von Seefahrern in jüngerer Zeit, einem Symbol von dem man sich schlicht versprach, wieder in einem Hafen anzulegen. Händler trugen Amulette bei sich, um sich auf dem Schwarzmarkt vor Betrügern und Unglück zu schützen. Ein Karawanenführer erhoffte sich vom Schutz seines Amuletts, dass seine Kamele und seine Esel, sicher von einem Ort zum anderen kamen.

Ein Bauer versteckte Amulette in seinem Acker oder hängte sie an Bäume, deren Äste über das Kornfeld ragten. Auch versah er die Stärksten unter seinem Vieh an Horn und Stirn mit besonderen Amuletten, im Glauben, damit Raubtiere abzuhalten.

Alles in Allem dienten persönliche Amulette immer dazu, einen vor dem Bösen Blick zu bewahren, den Einfluss böser Mächte abzuwenden, vor Krankheit und Versehrung zu schützen.

Allgemeine Amulette

Amulette wurden immer auch in die Fundamente beim Hausbau oder im Gemäuer verewigt. Das waren meist Münzen oder andere aus Metall verfertigte Gegenstände. Gewiss erinnern auch Richtfest-Bräuche an den Wunsch ein Bauwerk zu schützen. Dabei wird, auf dem neu errichteten Dachfirst, eine kleine, junge Fichte oder Birke angebracht, an der bunte Bänder wehen. Sie soll den Handwerkern beim Hausbau Glück und Segen bescheren. Um das Haus vor Unheil zu schützen, hing dort gelegentlich auch ein eiserner Drudenfuß: ein Pentagramm zum Schutz vor dem Bösen.

Dörfer und Gemeinden dienten Amulette ebenso zum Schutz, wieso man sie an Toren und Eingängen, oder an anderen wichtigen Orten platzierte.

Drudenfuß – ewigeweisheit.de

Drudenfuß am Torbogen eines alten Hauses. Das auf der Spitze stehende Pentagramm ist ein Symbol des Teufels. Wenn es jedoch an einem Gebäude angebracht wird, dient es quasi auch als Gegenmittel gegen das, wofür es eigentlich steht.

Übertragung geistiger Kräfte durch Amulette

Seit alter Zeit erhoffen sich Menschen, durch Amulette auf das eigene Schicksal Einfluss nehmen zu können. Der Träger eines Amuletts, mag es vielleicht küssen, wenn er ihm einen Erfolg zuschreibt. War dem aber nicht so, und ging es mit ihm bergab, entledigte er sich des Wunderdings und suchte nach einem neuen.

Natürlich kam es auch vor, dass Amulette verloren gingen oder besonders wertvolle Talismane gestohlen wurden. In solchen Fällen kam es vor, dass ihr Träger seine magischen Kräfte verlor und von einem Finder oder Dieb wegen seiner Macht einbehalten wurden. Wer sich also tatsächlich ein Amulett herstellt oder herstellen lassen will, sollte diese Eventualitäten durchaus ernst nehmen!

Similia Similibus Curentur: Ähnliches schützt vor Ähnlichem

Die Grundprinzipien der Homöopathie geben einige inspirative Ansätze bei der Herstellung eines Amuletts. Wie erwähnt, wurden Amulette nicht nur zum Schutz getragen, sondern erhoffte man sich vom Tragen solcher Wunderobjekte auch Heilung von Krankheiten. Jemandem der etwa an Gelbsucht litt, dem half ein gelb gefärbtes Amulett. Dazu verwendete man zum Beispiel gelbe Blüten, die in Wasser aufgeweicht waren, in dem gelbe Steine gewaschen wurden. Man trug rote Steine um Blutungen zu einzudämmen. Man glaubte also, dass eine Krankheit kuriert werden konnte, wegen der Ähnlichkeit der Farbe des Heil-Amuletts mit den Farberscheinungen der Symptome: Gelbes gegen Gelbsucht, Rotes gegen Blutungen und so weiter.

In alter Zeit verwendeten die Menschen Amulette auch dann, wenn sie eine bestimmte Form besaßen, die ihrem Schutzzweck entsprachen. Mit dem Zweig in Form einer Hand, weihte man Amulette, die die Hände ihres Trägers schützten oder ein Leiden seiner Hände kurieren sollten.

Träger der Willenskraft

Schon die Menschen der Urzeit schienen an spirituelle Einflüsse zu glauben. Nicht umsonst nämlich, befanden sich nur an bestimmten Orten Höhlenmalereien oder besondere Symbole, die einen Kraftort kennzeichneten.

Diese unsichtbaren, geistigen Kräfte, konnten durch belebte und unbelebte Dinge aufgenommen werden, was sie dann zu einem Amulett machten. Solch ein materielles Objekt ist dann nicht mehr nur träger Stoff, sondern birgt wirksame Kräfte in sich – das, was man im Okkultismus auch als "Egregor" bezeichnet. Es ist eine metaphysische Wesenheit, die sich aus besonderen Gedankengebilden zusammensetzt, die durch einen Meister darauf übertragen werden. Diese können von Einzelpersonen oder auch von ganzen Menschengruppen stammen. Man denke etwa an das wichtigste "Amulett" der Christenheit: das Kreuz.

Amulette können diese transzendente Kraft enthalten, die – unter anderem durch Leistungen und Taten – auf Menschen oder Naturphänomene übertragbar ist.

Zwar sind diese Krafteinflüsse nicht physisch, sondern übernatürlich, doch sie können sich dennoch äußern, als physische Kräfte oder als die besondere Vortrefflichkeit eines Menschen.

Bei der Auswahl des Trägermaterials, sollte wieder das obig angedeutete Simile-Prinzip der Homöopathie zur Hilfe genommen werden. Die alten Menschen etwa trugen besondere Fetische, die Krallen oder Zähne von Löwen enthielten. Damit glaubte man sich eben vor den selben Tieren zu schützen. Man versprach sich davon aber ebenso höhere Fähigkeiten und Kräfte. Dem Tragen von Adler-Federn, schrieb man hohe Schnelligkeit zu und auch die Sicht sollte sich damit schärfen. Amulette aus Schlangenleder sollten ihrem Träger die Schläue und Gerissenheit des Reptils verleihen.

Die in diesen Stoffen und Materialien geglaubten Kräfte, dienen auch heute noch Schamanen, Zauberern und Geistheilern in ihrer Arbeit. Diese Objekte verleihen ihrem Träger Kraft – etwas das sich jenseits natürlichen, menschlichen Vermögens abspielt.

Heilwirkungen der Kraft

Diese transzendente Kraft wirkt auch an Orten. Das können Orte des Schreckens oder Orte der Heilung sein. Da wäre natürlich die Quelle von Lourdes zu nennen, an die sich jährlich tausende Menschen begeben. Viele Wunderheilungen ereigneten sich dort in der Vergangheit.

Auch die Gräber der Propheten und Heiligen, das Christusgrab in Jerusalem und viele dieser Art an anderen Orten auf der Welt: dort wirkt eine Kraft, die auf die Anwesenden übergeht.

Wenn also besondere Gedankenformen, die sich um Objekte und Orte drehen, diesen Dingen eine eigenartige Kraft verleihen, so ist das auch einem Menschen möglich, der ein Amulett besitzt. Er kann es durch seine Gedanken sozusagen "aufladen". Doch wenn es sich um das Amulett eines anderen, vielleicht sogar schon verstorbenen Menschen handelt, können seine Geistformen noch immer darin gegenwärtig sein.

Wer ein Amulet zum Schutz oder einen Talisman als Glücksbringer verwenden möchte, sollte ihn sich selbst suchen oder anfertigen. Ein Amulett dass einem Menschen göttlichen Beistand in allen möglichen Lebenssituationen gewähren soll, darf nur von einer spirituell reinen Person verfertigt sein. In beiden Fällen aber wird das Amulett durch bestimmte Sprüche oder Gebete geweiht und gesegnet.

 

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Amulette und Talismane in der islamischen Welt

von S. Levent Oezkan

Arabisches Kalligramm - ewigeweisheit.de

Seit uralter Zeit verwenden die Araber Amulette und Talismane, um sich und ihren Besitz vor bösen Geistern und dem Bösen Blick zu schützen. Doch auch heute noch duldet die islamische Welt magische Objekte die Schutzformeln tragen. Gern wird das Wissen vom Gebrauch solchen Wunderwerks, dem islamischen Propheten Suleyman zugeschrieben: dem jüdischen König Salomon.

Keinem Sterblichen wurde je so viel verliehen, wie König Salomo, dem Sohne Davids. Er nämlich gebot über Menschen und Dschinnen, über Vögel und Vierbeiner. Sogar die Geister, die Mârids und die Satane vermochte er in Messingflaschen einzusperren, die er mit geschmolzenem Blei verschloß und mit seinem Siegelring versiegelte!

- Aus "Die Messingstadt", einem Märchen aus tausendundeiner Nacht

Ein wunderbarer Siegelring muss das gewesen sein. Wohl gewiss ein Archetyp eines magischen Amuletts und Talismans. Salomo soll über ihn durch Allahs Gnade verfügt haben. Allah, so die Legende, erlaubte dem König über dessen magische Kräfte zu verfügen. Es heißt, dieser magische Siegelring befinde sich heute, bei dem in der Verborgenheit lebenden Imam Mahdi.

Der besagte Ring soll ein mit fünf ineinandergreifenden Linien gezeichnetes Pentagramm zeigen: das Siegel Salomos. Andere beschreiben den Ring mit der Gravur eines entsprechenden Hexagrams. Das es sich um ein Wunderding handelte, beschreibt Ludwig Storch in seinem Gedicht "Der Ring des Salomo", aus dem die ersten Verse hier wiedergegeben seien:

Tief aus des Ostens heiliger Morgenfrühe
Tönt eine Sage, wie aus Kindermund,
Und doch voll hohen Sinns uralter Weisheit
Und Gleichnis der Entwicklung unsres Geistes:
Das Märchen von dem Ring des Salomo.
Des Ringes werden wir noch heute froh.

An diesen Ring – so flüstert das Gedicht –
Gebunden war der Weisheit höchster Schatz
Und ob der Geisterwelt gewalt’ge Herrschaft.

Der Siegelring des weisen Königs war
Der Talisman, der jedes Übel abhielt
Und seinem Herrn zur größten Macht verhalf.
Denn der verstand nicht nur der Vögel Wort;
Der Dichtung Zauber und der Weisheit Hort,
Der Liebe Süße und der Eintracht Segen,
Sie haben – sagt man – in dem Ring gelegen.

- Aus "Der Ring des Salomo", Prolog zu Lessing’s "Nathan der Weise", von Ludwig Storch

Aus was dieser wundersame Ring des Salomon verfertigt war bleibt unbekannt, wie auch keine sicher weiß, wie das darauf befindliche Siegel letztendlich aussah. Sicher aber ist, dass die vermuteten Symbole darauf, ihre ganz eigenen Kräfte besitzen. So zumindest wollen es all jene, die sich mit den geheimen Schlüsseln des Salomon befassten.

Fest steht, dass Hexagramm und Pentagramm auf allen möglichen Talismanen, Amuletten oder Münzen zu sehen sind, um ihre ganz explizite Wirkung zu erzeugen.

Im Westen und im Orient sind solche Glückbringer und Schutz-Amulette aber nicht immer aus wertvollen Metallen oder Edelsteinen verfertigt. Heute werden solche Amulette oft aus Holz, Knochen oder kleinen Steinen hergestellt, auf denen sich eingraviert magische Formeln finden.

Üblich sind aber auch kleine beschriftete Papierstücke, auf denen sich heilige Namen, kurze Gebetsformeln oder Verse aus dem Koran befinden.

Die auf einem Amulett oder Talisman befindlichen Zeilen, sollte ein Mullah oder Imam auf von ihm erwählten Papier, mit schwarzer Tinte notiert haben. Zumindest soll der Hersteller eines islamischen Amuletts, ein frommer Muslim sein. Vor der Herstellung also, hat er die rituelle Waschung und das Gebet vollzogen.

Sobald das Stück Papier mit den heiligen Zeichen und Worten beschriftet ist, wird es gefaltet und dann vielleicht in ein simples Leder-Etui gesteckt, dass der Gläubige an einer Kette um seinen Hals trägt. Selten werden statt beschriebenem Papiel, auch dünne Bleiplättchen verwendet, in die Amulett-Texte geritzt sind. Sie faltet man dann und trägt sie bei sich in einem kleinen Metallbehältnis.

Das Wissen von der Magie der Symbole und Buchstaben

Da den 99 wichtigsten Namen Allahs magische Eigenschaften nachgesagt werden, verwendet man solche auch in Amulett-Inschriften. Auf arabischen Amuletten befinden sich auch geheime Symbole, Zahlen, magische Namen, Namen der Planeten, der Wochentage, Namen von Engeln und so weiter.

Da nun jedem der 28 arabischen Buchstaben, geheime Kräfte nachgesagt werden, finden sich in Amulett-Texten oft auch teils erfundene Namen, die sich aus arabischen Buchstaben zusammengefügt wurden, die von hoher magischer Relevanz sind. Schon die alten Araber wussten um die okkulten Eigenschaften ihrer Buchstaben. Wegen ihrer Anzahl assoziiert man sie seit alters her mit den 28 Mondstationen. Anderen der Buchstaben entsprechen besondere Himmelskörper, Sternzeichen oder astrologische Dekanate.

Aus diesem Wissen ergaben sich in der Hochphase der arabischen Kutlur im Mittelalter, ganz neue Sparten der magischen Wissenschaft. In unzähligen Traktaten über Mathematik, Sternenkunde, Astrologie und Magie, wurde ausführlich über die Kräfte der Planeten und den ihnen entsprechenden Buchstabensymbole gesprochen (hier sei natürlich das Rasa'il Ikhwan al-Safa angeführt, die Enzyklopädie der Eingeweihten Brüder der Reinheit).

28 Mondphasen mit arab. Buchstaben - ewigeweisheit.de

Schaubild: Die 28 Mondphasen mit den 28 arabischen Buchstaben.
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Die 28 arabischen Buchstaben

Jedem der Buchstaben des arabischen Alphabets werden magische Kräfte nachgesagt. Wie auch die Buchstaben anderer Alphabete (lateinisch, griechisch, hebräisch) verwendete man diese als Zahlensymbole, bevor sich das arabische Zahlensystem ab Ende des 9. Jhd. im Westen verbreitete. Für die Herstellung magischer Amulette, ist dies natürlich von essentieller Bedeutung, denn die "Welt ist Zahl", wie uns Pythagoras lehrt. Und wenn nun jedem Buchstaben eine besondere Zahl entspricht, lassen sich Buchstaben mittels ihrer Numerologie so anordnen, dass sie ihren magischen Zweck erfüllen.

Vor diesem Hintergrund wussten die Araber sich nur jede erdenkliche Form eines Amuletts herzustellen. Meist wurden die Buchstaben dazu rechteckig zusammengestellt und nach Maß eines magischen Quadrats geordnet.

Magisches Quadrat des Saturn - ewigeweisheit.de

Das Magische Quadrat des Saturn.

Es gibt sieben magische Quadrate die mit den Planetenkräften der sieben astrologischen Gestirne korrespondieren: Sonne (6x6), Mond (9x9), Mars (5x5), Merkur (8x8), Jupiter (4x4), Venus (7x7) und Saturn (3x3).

Werden nun also bestimmte arabische Namen oder sogar die Buchstaben ganzer Koran-Verse in einem dieser magischen Quadrat untergebracht, sollen sie die Kraft der in den Ayat eingezeichneten Sprüche transformieren.

Das einfachste magische Quadrat bilden die Ziffern 1-9 (3 x 3 = 9) – das Saturn-Quadrat.

Wieso aber nennt man diese Quadrate "magisch"?

Die Zahlen sind darin so angeordnet, dass die Summen, ganz gleich ob in den Reihen, Spalten oder Diagonalen, immer den selben Wert ergeben. Für ein 3x3-Magisches-Quadrat mit den Ziffern von 1-9, ergibt sich immer die selbe Summe: 15.

Wie aber schafft man in diesen 9 Positionen Platz für 28 Buchstaben?

22 4 27 9 20 2
13   18   11  
21 3 23 5 25 7
12   14   16  
26 8 19 1 24 6
17   10 28 15  

Tab. 1: Magisches Saturn-Quadrat mit 28 geordneten Zahlen

Die Methode ist denkbar einfach: man addiert die Anzahl der darin enthaltenen Ziffern auf die Zahlen in den einzelnen Positionen – so oft, bis die Zahl 28, der Reihe nach erreicht wurde: Position 1 erhält noch eine 10, die 2 noch eine 11, und so weiter, bis nach dem 3. Durchlauf die Stelle des 28. Buchstaben wieder auf die Position 1 fällt (siehe Tab. 1 und 2). Natürlich ist das bei jedem magischen Quadrat anders.

In obiger Tabelle lassen sich nun aus Worten besondere Sigillen bilden, die sich als Namen im magischen Quadrat eines Planeten einzeichnen lassen. Besonders den 99 Namen Allahs, werden ganz ausgesprochene magische Kräfte zugeschrieben. Doch auch die Namen der Erzengel, Verse aus den Koran-Suren, erfüllen ihren Zweck bei der Erzeugung von Sigillen. Doch es eignen sich auch alle anderen Namen und Sätze, von denen der Hersteller des Amuletts glaubt, dass sie dem Träger von Diensten sind.

Die schönsten Namen Allahs

Die eigentliche Bedeutung des Wortes "Allah" bleibt ein Geheimnis. Die "99 schönsten Namen" aber (arab. "Asma Al-Husna"), die das Wort "Allah" umschreiben, über sie sagte Mohammed (as):

Wer sie rezitiert wird das Paradies betreten.

ت د ظ ط ر ب
م   ص   ك  
ش ج ث ه ذ ز
ل   ن   ع  
ض ح ق ا خ و
ف   ي غ س  

Tab. 2: Magisches Saturn-Quadrat mit den 28 arabischen Buchstaben, entsprechend ihres Stellenwerts geordnet. In diesem, wie auch in den anderen 6 Planetensiegeln, lassen sich die Asma Al-Husna auf besondere Weise einzeichnen. Dazu an anderer Stelle mehr.

Im Koran wird Allah mit jedem dieser Namen beschrieben. Sie bilden gemeinsam die göttlichen Attribute und schönsten Namen Gottes, wie es heißt. Jeder von ihnen resoniert auch mit einem Lebensthema:

1. Ar-Rahman الرحمن der Gnädige  –  2. Ar-Rahim الرحيم der Barmherzige  –  3. Al-Malik الملك der König  –  4. Al-Quddus القدوس der Heilige  –  5. As-Salam السلام der Verleiher des Friedens  –  6. Al-Mumin المؤمن der Bewahrer  –  7. Al-Muhaymin المهيمن der Beschützer  –  8. Al-Aziz العزيز der Ehrwürdige  –  9. Al-Jabbar الجبار der Gewaltige  –  10. Al-Mutakabbir المتكبر der Vornehme  –  11. Al-Khaliq الخالق der Erschaffer  –  12. Al-Bari البارئ Der, der alles aus dem Nichts erschuf  –  13. Al-Musawwir المصور der Former  –  14. Al-Ghaffar الغفار der große Vergeber  –  15. Al-Qahhar القهار der alles Bezwingende  –  16. Al-Wahhab الوهاب der Geber und Verleiher  –  17. Ar-Razzaq الرزاق der Versorger  –  18. Al-Fattah الفتاح der Eröffner  –  19. Al-Alim العليم der Allwissende  –  20. Al-Qabid القابض der Zügelnde  –  21. Al-Basit الباسط der Gewährer  –  22. Al-Khafid الخافض der Erniedriger der Hochmütigen  –  23. Ar-Rafi الرافع der Erhörer der Demütigen  –  24. Al-Muizz المعز der Verleiher wahrer Ehre  –  25. Al-Mudhill المذل der Demütiger  –  26. As-Sami السميع der Hörende  –  27. Al-Basir البصير der Sehende  –  28. Al-Hakam الحكم der Richter  –  29. Al-Adl العدل der Gerechte  –  30. Al-Latif اللطيف der Feinfühlige  –  31. Al-Khabir الخبير der Kundige  –  32. Al-Halim الحليم der Nachsichtige  –  33. Al-Azim العظيم der Großartige  –  34. Al-Ghafur الغفور Der Vergebende  –  35. Ash-Shakur الشكور der Dankbare  –  36. Al-Aliy العلي der Erhabene  –  37. Al-Kabir الكبير der unvergleichlich Große  –  38. Al-Hafiz الحفيظ der Bewahrer  –  39. Al-Muqit المقيت der Stärkende  –  40. Al-Hasib الحسيب der Garant  –  41. Al-Jalil الجليل der Majestätische  –  42. Al-Karim الكريم der Ehrenvolle  –  43. Ar-Raqib الرقيب der Beobachter  –  44. Al-Mujib المجيب der Erhörer der Gebete  –  45. Al-Wasi الواسع der Allumfassende  –  46. Al-Hakim الحكيم der Weise  –  47. Al-Wadud الودود der Liebende  –  48. Al-Mayid المجيد der Glorreiche  –  49. Al-Baith الباعث der Erwecker  –  50. Ash-Shahid الشهيد der Zeuge  –  51. Al-Haqq الحق der Wahre  –  52. Al-Wakil الوكيل der Vertrauenswürdige  –  53. Al-Qawwiyy القوى der Starke  –  54. Al-Matin المتين der Standhafte  –  55. Al-Waliyy الولى der Patron  –  56. Al-Hamid الحميد der Preiswürdige  –  57. Al-Muhsi المحصى der alles Aufzeichnende  –  58. Al-Mubdi المبدئ der Beginnende  –  59. Al-Muid المعيد der wieder Herstellende  –  60. Al-Muhyi المحيى der Belebende  –  61. Al-Mumit المميت der Tötende  –  62. Al-Hayy الحي der aus sich Lebende  –  63. Al-Qayyum القيوم der Fortdauernde  –  64. Al-Wajid الواجد der Findende  –  65. Al-Majid الماجد der Ruhmvolle  –  66. Al-Wahid الواحد der Eine  –  67. Al-Ahad الاحد der Alleinige  –  68. As-Samad الصمد der Ewige  –  69. Al-Qadir القادر der Mächtige  –  70. Al-Muqtadir المقتدر der Obsiegende  –  71. Al-Muqaddim المقدم der Beförderer  –  72. Al-Muakhkhir المؤخر der Aufschiebende  –  73. Al-Awwal الأول der Erste  –  74. Al-Akhir الأخر der Letzte  –  75. Az-Zahir الظاهر der Offenbarer  –  76. Al-Batin الباطن der Verborgene  –  77. Al-Wali الوالي der Schutzherr  –  78. Al-Mutaali المتعالي der Reine  –  79. Al-Barr البر der Rechtschaffene  –  80. At-Tawwab التواب der Reue Annehmende  –  81. Al-Muntaqim المنتقم der Vergelter  –  82. Al-Afuww العفو der Vergebende  –  83. Ar-Rauf الرؤوف der Mitleidige  –  84. Malik-ul-Mulk مالك الملك Inhaber aller Reichtümer  –  85. Dhul-Dschalali-wal-Ikram ذو الجلال والإكرام Dem Majestät und Ehre gebühren  –  86. Al-Muqsit المقسط der unparteiisch Richtende  –  87. Al-Jami الجامع der Versammler  –  88. Al-Ghaniyy الغني der Unabhängige  –  89. Al-Mughni المغني der unabhängig Machende  –  90. Al-Mani المانع der Zurückweisende  –  91. Ad-Darr الضار der Peiniger  –  92. An-Nafi النافع der Wohltäter  –  93. An-Nur النور Das Licht  –  94. Al-Hadi الهادي der Führende  –  95. Al-Badi البديع der Erschaffer des Neuen  –  96. Al-Baqi الباقي der Dauernde  –  97. Al-Warith الوارث der Erbe  –  98. Ar-Rashid الرشيد der recht Leitende  –  99. As-Sabur الصبور der Geduldige.

Das Wichtige an diesen Namen ist, dass wenn Allah durch ihre Rezitation angerufen wird, Engel dazu verpflichtet werden, dem Gebetswunsch des Rezitierenden zu entsprechen. Und was für das Aufsagen gilt, soll in vielleicht anderer Form, auch bei der Verwendung in Amuletten seine Pflicht erfüllen.

Aus diesem Grund sollte jemand der nach göttlicher Hilfe sucht, sich zuerst genau überlegen, welchen der Namen er für die Herstellung eines Amuletts verwenden möchte. Schließlich erhoffen sie sich Allah's Zuneigung und eine Antwort auf ihr Flehen.

Der Koran als Amulett

والله Bei Allah!
علي بن ابي طالب الغالب Ali ibn Abi Talib ist der Siegreiche!
رضي الله تعالى عنه Der erhabene Gott möge an ihm Wohlgefallen haben
وكرم الله وجهه und Gott möge ihm Ehre erweisen!

Für die Araber ist der Koran an sich ein Amulett, das seinen Besitzer schützt. Daher reisen viele niemals ohne einen Koran mit sich zu führen.

Einige der im Koran befindlichen Kapitel – der Suren – erachten Muslime als besonders wichtig. Auch bestimmte Verse – die Ayats – aus manchen Suren, nehmen eine prominente Rolle ein. Dazu etwa gehört der sogenannte Thronvers, (arab. "Ayat Al-Kursi"), Sure 2:255.

Er beschreibt auf wunderbare Weise das, was man die "Göttliche Vorsehung" nennen könnte, etwas also, dass dem Menschen auf ewig unbegreiflich bleibt.

Zu den wichtigsten Suren des Koran, zählen

  • die 1. Sure Al-Fatiha, "die Eröffnende",
  • Sure 112 Al-Ichlas, "Die Aufrichtigkeit",
  • Sure 113 Al-Falaq, "Die Dämmerung" und
  • Sure 114 An-Nas, "Die Menschheit".

Kalligramme auf Amuletten

In Arabischen Traktaten, die sich mit magischen Texten befassen, werden auch solche heiligen Verse besprochen, die auf kunstvolle Weise in verschiedene Formen geschrieben, als Kalligramme darin Menschen, Tiere, Engel, ja gar den ganzen Tierkreis und die sieben Planeten abbilden. Sie durchsetzen also irdische, himmlische und göttliche Erscheinungen durch heilige Namen und Sätze.

Eines der wohl bekanntesten Beispiele eines solchen arabische Kalligramm-Amuletts, ist das Bild des "Löwen Gottes", einem Beinamen des Kalifen Ali ibn Abi Talib, dem Schwiegersohn des Propheten Mohammed (as).

Weniger geht es darum, dieses Amulett einfach nur um den Hals zu tragen, als dass es dem Träger als religiöses Hilfsmittel dient.

Über solche geweihten Amulette, die heilige Namen und Worte enthalten, soll der Gläubige direkt mit Allah in Kontakt treten können. Damit, heißt es, erhält er seinen ersehnten Schutz. Die Araber sehen das Tragen eines solchen Amuletts darum als Würde, macht es doch aus dem der es zu verwenden weiß, einen frommen Menschen.

 

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Ursprung von Krankheit und Medizin gemäß den Überlieferungen der Cherokee-Schamanen

von S. Levent Oezkan

Cherokee - ewigeweisheit.de

Der folgend geschilderte Mythos erzählt davon, warum die Menschen von Krankheiten befallen wurden und wie sie die nötigen Heilmittel fanden. Was immer der Leser von dieser Geschichte auch halten mag, wird er am Ende wohl zugeben, dass die darin beschriebenen Gebräuche in sich schlüssig und plausibel erscheinen. Man mache sich jedoch sein eigenes Bild.

Vom Ursprung der Krankheiten und der Heilkunde

Eine Nacherzählung

In alter Zeit konnten alle Vierbeiner, Vögel, Fische und Insekten sprechen. Damals waren sie mit den Menschen verbrüdert. Im Laufe der Zeit aber vermehrten sich die Menschen so rapide, dass sie die ganze Erde besiedelten. Immer weniger Land blieb den Tieren. Die Menschen verdrängten sie immer weiter.

Hinzu kam, dass die Menschen Pfeil und Bogen, Messer, Blasrohre und Speere erfanden und begannen, damit die Tiere wegen ihrer Häute und Felle hinzumetzeln. Kleinere Tiere wie Frösche oder Würmer, wurden aus reiner Unachtsamkeit totgetreten.

Darum beschlossen die Tiere gegen die Menschen vorzugehen, um für die Sicherheit ihrer Nachkommen zu sorgen.

Der Rat der Bären

Die Bären gründeten unter dem Vorsitz von Alter Weißer Bär, einen heiligen Rat auf dem Berg Clingman's Dome in den Smoky-Mountains.

Man beklagte damals, dass die Menschen ihre befreundeten Tiere mordeten, ihr Fleisch verschlangen und ihre Häute missbrauchten, um sich damit selbst zu bekleiden.

Nachdem alle Bären ihren Unmut darüber geäußert hatten, beschloss man einstimmig in den Krieg gegen das Menschengeschlecht zu ziehen.

Zuerst versuchten sie die selben Waffen herzustellen, wie sie vom Menschen verwendet wurden. Doch sie sahen, dass diese Waffen nicht für sie geeignet waren. Die Bären begriffe also, dass sie nur mit den eigenen Klauen und Reißzähnen die Menschen an ihrer weiteren Ausbreitung hindern konnten.

Darum löste Alter Weißer Bär die Versammlung auf. Die Bären liefen auseinander, zurück in ihre Jagdgründe der großen Wälder. Leider aber hatten sie nicht beschlossen, wie sie letztendlich gegen die Menschen vorgehen könnten. Hätten die Bären aber einen anderen Beschluss gefasst, wären die Menschen von nun an in Gefahr gewesen. Doch wie es scheint, ahnte davon kein Mensch. Weiter wurden die Bären ermordet, ohne sie um Gnade zu bitten.

Der Rat der Hirsche

Als Nächstes versammelten sich die Hirsche, unter Vorsitz ihres Häuptlings Kleiner Hirsch. Er war schnell wie der Wind und keine der Waffen der Menschen konnte ihn verwunden.

Nachdem sich die Hirsche versammelt und beraten hatten kamen sie zu einem Beschluss: jeder Jäger, der bei einem gejagten Tier nicht um Verzeihung bitten würde, ihn solle schlimmes Rheuma plagen. Hierzu entsandte der Rat der Hirsche jemanden, der die Menschen der nahegelegenen Indianersiedlung über ihren Beschluss unterrichtete:

Wann immer einer von euch einen der Hirsche töten muss, soll er danach den Geist des Getöteten um Sanftmut bitten. Nur so kann er sich mit dem Stamm der Hirsche wieder aussöhnen.

Wenn nun also ein indianischer Jäger einen Hirsch erlegte, sprang Kleiner Hirsch an jenen Ort, wo der Mensch Blut vergoss. Dort fragte er den Geist des Hirsches, ob sich der Jäger in einem Gebet beim erlegten Hirsch entschuldigte. War die Antwort des Tiergeists ein Ja, war alles in Ordnung und Kleiner Hirsch zog seines Weges. Wenn sich der Jäger aber undankbar entfernte, so verfolgte Kleiner Hirsch die Blutspur, bis er das Lager des Jägers fand. Als unsichtbarer Geist näherte er sich dann dem Menschen und schlug jenen gleichgültigen Jäger mit schlimmem Rheuma, sogar so leidig, dass dieser danach zu einem hilflosen Krüppel verkümmerte.

Ein kluger Jäger, dem an seiner Gesundheit liegt, wird darum natürlich das gejagte Wild um Vergebung bitten. Doch es gibt manche, die das rechte Vergebungsritual nie geübt oder gelernt hatten. Sie versuchen die Heimsuchung von Kleiner Hirsch damit zu umgehen, dass sie ihre Spur hinter sich durch Feuer beseitigen.

Der Rat der Fische und Reptilien

Als nächstes versammelten sich die Fische und Reptilien. Auch sie grollten gegen das Menschengeschlecht.

In ihrem Rat beschlossen sie, ihren Opfern schlimme Alpträume einzugeben. Nachts sollten in ihren Träumen Schlangen erscheinen, die an ihren Körpern entlangkriechen und sich nach und nach um ihre Glieder winden. Dann fänden sie sich in übelriechenden, schleimigen Pferchen eingeengt, wo man sie zwingt fauligen Fisch zu essen. Wer aber aus solch einem Alptraum erwachte, der würde seinen Appetit verlieren, allmählich krank werden und schließlich sterben.

Darum verschworen sich die Schlangen und Fische, den Menschen diese Alpträume durch die Magie ihrer bösen Geister einzugeben.

Der Rat der kleinen Tiere

Schließlich versammelten sich die Vögel, Insekten und andere kleine Tiere, darunter Frösche, Würmer und Käfer. Auch sie berieten sich aus ähnlichem Grund wie die Bären, Hirsche, Fische und Schlangen. Ihr Vorsteher war die Käferlarve.

Jeder der Anwesenden sollte nun seine Ansichten über die Menschen vortragen und entscheiden, ob man sie als Schuldige ansähe. Sieben stimmten den Menschen zu verurteilen. Wegen seiner Grausamkeit und Ungerechtigkeit gegen die anderen Tiere, sollten die Menschen mit dem Tode bestraft werden.

Zuerst sprach der Frosch:

Wir müssen dafür sorgen, etwas gegen die weitere Zunahme der menschlichen Bevölkerung zu tun. Denn wenn wir ihr keinen Einhalt gebieten, werden wir Tiere gänzlich von dieser Erde verdrängt. Der Mensch sagt, ich sei hässlich - und er tritt nach mir darum. Seht nur die Narben auf meinem Rücken.

Da zeigte er den Anwesenden seine Verletzungen.

Als nächstes trat der Vogel vor die Versammlung und sprach:

Der Mensch reißt mir das Gefieder vom Leibe und verbrennt mir die Zehen. Ein Jäger erschießt meine Artgenossen, spießt sie auf und brät sie über dem Feuer.

Auch andere Tiere stimmten dem zu.

Nur das Murmeltier hatte weniger kritische Worte für den Menschen übrig. Denn nur selten würde es der Mensch verletzen oder gar töten, denn es ist so klein, dass er an ihm kein Interesse hat. Das aber machte die anderen Tiere der Versammlung so wütend, dass sie über das Murmeltier herfielen und es mit ihren Zähnen und Klauen verstümmelten, damit es auch einen vernarbten Rücken bekomme.

Nun schmiedeten die Teilnehmer der Versammlung einen Plan. Jeder nannte eine Krankheit, die dem Menschen schaden und ihn töten solle. Jede neue Krankheit die eines der Tiere erfand, wurde von der Käferlarve bejubelt. Die Liste der Krankheiten wurde immer länger und länger, bis eines der Tiere vorschlug, es sollten die Menstruationen der Menschenfrauen gelegentlich tödlich verlaufen. Damit aber war die Liste der Krankheiten beendet. Denn die Vorsteherin der Versammlung, die Käferlarve, war darüber so sehr entzückt, dass sie vor Dank aufsprang und schrie:

Ich bin so froh darüber das manche von ihnen sterben werden, denn manche von ihnen werden so fett, dass sie einfach auf mir herumtrampeln.

Doch da begann die Käferlarve zu taumeln und fiel Kopf über um und schaffte nicht mehr sich wieder aufzurichten. Von da an musste sie sich auf ihrem Bauch kriechen.

Damit scheiterte der Plan der Tiere, ihrer Liste immer neue Krankheiten hinzuzufügen. Wäre das nämlich geschehen, hätte es wohl die gesamte Menschheit ausgerottet.

Als die Pflanzen den Menschen zu Hilfe kamen

Die Pflanzen waren den Menschen gut gesonnen. Als sie von den üblen Machenschaften der Tiere erfuhren, beschlossen sie den Menschen zu helfen. Jeder Baum, Busch und jedes Kraut, selbst Gräser und Mose, beschlossen, sich für einige der genannten Krankheiten, als Heilmittel zur Verfügung zu stellen.

Ich sollte dem Menschen eine Helferin sein, wenn er mich in seiner Not in Anspruch nehmen möchte.

So entstanden Heilkunde und Medizin. Jede der Pflanzen aber hat eine Verwendung für alle, die Kenntnis ihrer Heilkräfte besitzen. Sie können sie als Heilmittel gegen den teuflischen Pakt der rachsüchtigen Tiere verwenden.

Selbst wenn ein Heiler nicht genau weiß, wie er einen Kranken behandeln soll, kann er den Pflanzengeist anrufen, der ihm ein angemessenes pflanzliches Heilmittel zeigt.

 

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Peyote: ein spirituelles Heilmittel

von S. Levent Oezkan

Peyote - ewigeweisheit.de

Wissenschaftler bestätigen: den Peyote-Kaktus verwenden die Schamanen Amerikas seit mindestens 10.000 Jahren, als höher-spirituell wirkende Medizin. Im Süden des amerikanischen Bundesstaates Texas etwa, fand man Überreste von Peyote-Zeremonien, die auf etwa 3.700 v. Chr. zurückreichen. Darauf verweisen eigenartige Skulpturen, wie man sie etwa in den Höhlen von Shumla fand, in der Nähe des Rio Grande.

Eigenartig an dieser Kaktee ist, dass sie nur im Süden von Texas und Norden Mexikos verbreitet ist, so dass sie ursprünglich nur von den dort lebenden indigenen Kulturen als Kraftpflanze verwendet wurde. Erst Anfang des 16. Jhd. verboten katholische Geistliche der einheimischen Bevölkerung den Konsum des Peyote. Man drang die Einheimischen zum Alkoholkonsum (Tequila), der weiter legal blieb, während man den Peyote-Kult als reinen Aberglauben oder sogar schwarze Magie abstempelte.

Gegen Ende des 18. Jhd. begann sich der Kult erneut zu verbreiten und drang auch weiter in die Vereinigten Staaten vor. Indianische Weise, wie etwa der Comanchenhäuptling Quanah Parker, involvierten im 19. Jhd. christliche Aspekte in den historischen Peyote-Kult. Parker soll bei einer schweren Verletzung und der Einnahme des Peyote, eine Vision von Jesus Christus gehabt haben.

Quanah Parker gilt als Begründer der Native American Church, der Religion des Peyote-Kults (auch: Peyotismus), der bis heute in den USA unter indigenen Völkern, die am weitesten verbreitete Religion ist.

Anfang des 20. Jhd. gab es in den USA und Mexiko wahrscheinlich zehntausende Angehörige dieser neuen Peyote-Religion. Wegen der besonderen Entwicklung des Kults, entstand 1927 eine erste ausführliche Studie zu dem im Peyote enthaltenden Alkaloid Meskalin, durch den deutschen Neurologen, Psychiater und Psychonauten Kurt Beringer (1893-1949) - einem Pionier der Drogenforschung.

In den folgenden Jahren gab es eine ganze Reihe neuer Studien und Selbstversuche, von Medizinern und Psychiatern, insbesondere in den USA. Selbst die amerikanische Marine (US-Navy) beteiligte sich nach dem Zweiten Weltkrieg an dieser Forschung, unter dem Decknamen "Project Chatter" (1947).

Vom Wesen der Peyote-Zeremonie

In alter Zeit sprach ein Medizinmann ein Gebet und führte danach die Teilnehmer in das Wesen des Peyote-Kults ein. Man sang gemeinsam das Peyote-Lied. Diese Zeremonie wurde von Trommeln begleitet. Nach einer weiteren kurzen Ansprache, gab der Zeremonienmeister seine Trommel und Insignien an einen Assistenten zu seiner Rechten.

Nun sang jener ein anderes Peyote-Lied und sprach danach zu den anderen Teilnehmern. Dieser gab Trommel und Ornate dann an einen Dritten zu seiner Rechten, jener an einen Vierten und so setzte sich die Zeremonie fort. War der letzte schließlich mit seiner Ansprache fertig, gab er alles an den Medizinmann zurück.

Diese zeremonielle Handlung des wiederholten Übergebens der heiligen Insignien, heiligen Gesänge und Ansprachen, wird die bis um Mitternacht vollzogen. Ab Mitternacht dann, beginnt der Geist des Peyote in den Teilnehmern zu wirken. Jeder von ihnen spricht dann über seine Unterlassungen und Fehler, klagt sich vor den anderen selbst an. Doch danach geht man aufeinander zu, bittet um Vergebung und gibt sich die Hände.

Quanah Parker - ewigeweisheit.de

Quanah Parker (nach 1840-1911): Comanchen-Häuptling und legendärer Begründer der Native American Church.

Bericht eines Peyote-Essers

Um Mitternacht aßen wir vom Peyote. Doch ich bekam riesige Angst als ich plötzlich fühlte, wie etwas Lebendiges in mich eindrang.

Ich fragte mich, was in der Welt mich dazu veranlasst hatte tatsächlich vom Peyote zu essen. Denn mit einem Mal wusste ich, dass ich von einer vielleicht tödlichen Droge gegessen hatte. Sicher würde es mir schaden, dachte ich. Konnte ich es nicht erbrechen, so dass das Gift des Peyote aus mir trat? Ich versuchte also mich zu übergeben. Doch nach ein paar Versuchen gab ich auf. Erst war ich ganz versessen darauf und setzte alles daran, an dieser Peyote-Zeremonie teilzunehmen. Doch jetzt hatte ich mich vergiftet und wusste, dass es mir einfach nur schaden würde.

Was ging hier bloß vor sich? Es war doch nur dieses eine Stück Kaktus das ich aß. Jetzt aber, wo es sich in meinem Magen befindet, scheint es lebendig geworden zu sein und bewegt sich innerhalb meines Bauches.

Ich hatte Angst - schreckliche Angst. Wären doch nur meine Lieben bei mir! Dann wüssten sie, was mit mir los ist und ich wäre nicht so verloren wie jetzt: ich habe mich selbst getötet!

Was aber nun passierte war noch unheimlicher, denn das, was sich zuvor in meinem Magen bewegte, schien nun herauskommen zu wollen. Nein, bitte nicht! Es war schon fast draußen und ich fühlte entsetzt mit meiner Hand nach dem Etwas. Dann aber schien es wieder umzukehren.

Wieso nur, fragte ich mich erneut, hatte ich bloß davon gegessen? Besser ich hätte es nie eingenommen. Jetzt war ich mir sicher, ich würde sterben. Und so ging es weiter bis zum Morgengrauen. Als die Sonne schon hoch über dem Horizont stand, sahen ich und die anderen Teilnehmer uns an und begannen zu lachen. Doch während der nächtlichen Peyote-Erfahrung, war wirklich überhaupt nicht danach zu Mute.

Die zweite Nacht

Trotz dass ich in der vergangenen Nacht vollkommen sicher war, dass ich einen Fehler begangen hatte, aßen wir am folgenden Abend wieder von dem magischen Kaktus. Jeder von uns kaute sieben Stücke Peyote.

Und da: Plötzlich war ich eine riesige Schlange. Ungaublich war meine Bestürzung darüber. Was alles noch schlimmer machte, war eine andere Schlange, die plötzlich mit ihrer schuppigen Haut über meinen Rücken glitt. Keine Ahung was sich da abspielte. Es schien mir etwas im Nacken zu sitzen. Als ich mich erkundigend umwand, um zu sehen was sich auf meinem Rücken befindet, sah ich plötzlich ein gigantisches Reptil, das drauf und dran war mich zu verschlingen. Doch es war kein mir bekanntes Reptil, sondern glich eher einem Drachen, denn es hatte Arme und Beine. Sein Schwanz aber glich einem langen Speer. 

Wieder überkam mich schreckliche Todesangst. Dann schaute ich in eine andere Richtung. Da war ein gehörnter Mann mit langen Klauen, der in seiner Hand einen Speer hielt. Er sprang vor mich hin, doch vor Schreck warf ich mich zu Boden, so dass mich sein Speer knapp verfehlte. Als ich mich umsah, warf er erneut seinen Speer auf mich, doch wieder sprang ich zur Seite. Bei all dem Graus, schien es für mich aber keinen Ausweg zu geben.

Plötzlich wurde mir klar, dass all das was ich gerade erfuhr, durch den Peyote verursacht wurde. Drum schrie ich um Hilfe, bat dabei sogar den Peyote selbst. Ich wusste er war heilig und würde meine Rufe erhören. Dann plötzlich endeten die schrecklichen Visionen und meine grausamen Leiden fanden ein Ende.

Nun aber wusste ich, dass ich im Peyote einen Verbündeten gefunden hatte: Ein helfendes Wesen voller Kraft und Heilung.

Diese Erfahrung war durch und durch positiv, ja eigentlich heilig. Sie hielt an für einen ganzen Tag und eine ganze Nacht, in der ich nicht schlief.

Die dritte Nacht

Der Tag war bereits angebrochen. Wir frühstückten. Am Abend aber aß ich erneut acht Stücke Peyote.

Um Mitternacht erlebte ich etwas Außergewöhliches: mir war, als ahnte ich was Gott wirklich sei. Mir schien als spürte ich seine Gegenwart und betete darum um Hilfe und um Wissen. Ich fleht ihn an, er möge mir helfen keine bösen Taten mehr zu begehen. Bat ich aber eigentlich den eingenommenen Peyote um Hilfe?

Die Pflanze in mir fühlte sich an wie ein Ahne. Der Peyote war wie ein lieber Großvater für mich, dem ich voll und ganz vertraute. Ihn bat ich um Hilfe, denn ich wollte verstehen was die Welt und was Gott ist.

Danach saß ich ruhig da und verfolgte das morgendliche Spektakel der rötlichen Dämmerung. Da sah ich den Morgenstern leuchten und genoss seine himmlische Erscheinung. Sein Licht tat mir gut.

Während ich mich Nachts fürchtete, fühlte ich mich nun vollkommen selig. Als der Tag anbrach befand ich mich in einem Zustand vollkommener Klarheit. Nichts schien sich vor meinem alles durchdingenden Blick verbergen zu können. Ich konnte gar in weite Ferne blicken. Da sah ich das Haus in dem ich lebte. Obwohl es so weit weg war, konnte ich es direkt vor mir stehen sehen. Am Fenster spielten meine Kinder. Plötzlich aber erschien da ein Fremder. Es war ein Trunkenbold. Er machte auch meine Familie trunken und belästigte sie. Dann aber rannte er fort und ich dachte nur, dass es eben das sei, was sie mit uns Menschen taten: sie machten uns zu verschlafenen Trunkenbolden, die Ausflüchte im Leben suchen mussten, um sich selbst in dieser Welt zu ertragen.
Jetzt erblickte ich meine Frau. Sie stand vor mir, gehüllt in ein rotes Tuch. Es schien als müsse sie eine Entscheidung treffen.

Doch eigentlich ging es Allen gut - meinem Bruder, meiner Schwester und auch meinen Eltern. Das gab mir ein Gefühl tiefer Zufriedenheit.

So also wusste ich, dass mein Peyote-Großvater es gut mit mir meinte. Er war eben eine heilige Pflanze, der ich mich ganz und gar hinzugeben traute.

Während all der Jahre die ich auf der Erde wandle, wusste ich eigentlich nie, was das Wort "heilig" eigentlich bedeutet. Drei Tage und Nächte aß ich vom Peyote und ebenso lange schlief ich nicht. Jetzt aber verstand ich zum ersten Mal das Unaussprechliche und worauf das Wort "heilig" eigentlich hindeutet.

Peyote-Trommler - ewigeweisheit.de

Foto eines Peyote-Trommlers von Edward Sheriff Curtis (1868-1952) (cc).

Was ein Peyote-Ritual bewirken kann

Peyote-Zeremonien haben einen ganz klaren Zweck: Jemand der die Pflanze einnimmt, öffnet sich seiner inneren, höheren Geistigkeit. Ihm wird klar, dass er über viel größere Kräfte verfügt, als er eigentlich glaubte. Damit wächst er quasi über sein bisheriges Selbst hinaus. Denn durch die Peyote-Erfahrung leuchtet das Licht einer höheren Wahrnehmungm jene Begrenzungen des Peyote-Initianden aus, die ihm in seinem Leben im Weg stehen. Es kommt auch vor, so zumindest berichten Peyote-Esser, dass das, was jemanden im Leben in seinem Denken behindert, dabei sogar sofort aus dem Weg geschafft wird.

Jemand der Peyote einnimmt lernt, wie seine negativen Einstellungen auf sein gesamtes Leben einen Schatten werfen. Dabei geht es aber gar nicht einmal darum, sich von sich selbst zu entfernen. Vielmehr versucht der Peyote-Esser das sich der Geist des Kaktus, mit den eigenen, angeborenen geistigen Fähigkeiten vermengt. Dies geschieht in einem fließenden Vorgang, der in etwa zwei Schlangen gleicht, die sich um einander winden. Die Weisheit die dabei erfahren wird ist aber keine Kopfsache, sondern wird als tiefer Frieden im Herzen empfunden.

Nie aber scheint sich die Welt weiter entfernt zu haben von diesem inneren Frieden, als heute. Unter Geistigkeit nämlich versteht man alleine die Fähigkeiten des Gehirns, während diese Herzensverbindung die meisten Menschen anscheinend verloren haben. Doch genau dort im Herzen wartet jene große geistige Seeligkeit erweckt zu werden.

Kopfdenken ist von unserem Ego gesteuert. Das Herzdenken aber von unserem höheren Selbst. Unserer Ängste und unser häufiges Unbehagen in bestimmten Lebenssituationen, basiert in Wirklichkeit auf mangelhaftem Wissen über die eigenen, höheren Fähigkeiten. Nur darum neigen wir dazu, nach Ersatzbefriedigungen zu suchen. Doch wie jeder weiß, sind das nur Ausflüchte, die schon bald durch neue oder häufigere Ausflüchte kompensiert werden wollen. Das Loch dass wir so aber in uns immer mehr ausweiten, lässt sich irgendwann einfach nicht mehr füllen.

Die Frustration aller unbewusst lebenden Menschen, die nach irgendwelchen, nicht (mehr) erfüllbaren Sehnsüchten lechzen, hat sich aufaddiert zu einer weltweit verbreiteten Krankheit zerstörender Schlagkraft. Je mehr Menschen aber aus ihrem Alltagsschlaf erwachen, desto wahrscheinlicher ist, dass dieser globale Alptraum ein Ende findet.

 

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Salomons Liebeslied

von S. Levent Oezkan

Sinnlichste aller biblischen Schriften und Buch höchster Vortrefflichkeit: Das Hohelied Salomons. Wer es auch immer ließt, wird sich seines erbaulich-heiligen Schrifttums sofort bewusst. Wohl kaum einem anderen Dichter gelang es, sich poetisch der Schönheit der Verse des salomonischen Hohelieds zu nähern. Doch wer sollte es lesen?

Fraglos, dass dieses außergewöhnliche Poem vom Leser eine gebührende Reife verlangt. Frommen Juden gilt es darum als verpönt, diese Schrift zu studieren, bevor man das 30. Lebensjahr erreicht hat. Nur wer über ein adäquates Maß an Lebenserfahrung verfügt, soll in den Gefilden jener heiligen Mysterien des Hohelieds zurechtfinden.

Vielleicht bleibt vieles in den Versen des Hohelieds unerklärlich. Trotzdem findet der Leser darin tiefste Erkenntnis, über das wahre Wesen der Liebe.

Dreifältige Liebe

Für manche ist das Hohelied Teil eines dreistufigen Einweihungsweges. Für diese drei Stufen stehen allegorisch die drei Bereiche des alten Salomonischen Tempels zu Jerusalem.

Durch seine Weisheitsbücher öffnet Salomon drei Pforten, die den Initianden in die Mysterien der Liebe einweihen.

Zuerst führt er den Leser durch das Buch der Sprichwörter, in das sittliche Wertesystem ein. Allegorisch betritt er damit den Vorhof des alten Tempels zu Jerusalem. Im Buch Kohelet, worin Salomon als Prediger auftritt, erklärt er dem Leser wie er den Zugang zur Natur des Sinnlichen findet, versinnbildlicht durch das Tempelheiligtum. Die höchsten Mysterien schließlich findet er im Hohelied Salomons. Es ist die Einweihung in die mystische Verbindung zweier Liebender - doch auch zwischen Gott und der Tempelgemeinde. Hier nämlich waltet der Hohepriester allen Liebseins seines Amtes - im Allerheiligsten des salomonischen Tempels, der nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist.

Setze mich wie ein Siegel auf dein Herz und wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod, und ihr Eifer ist fest wie die Hölle. Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des Herrn (Jah)

- Hohelied 8:6

In allen Mysterienschulen spielt der Tod eine zentrale Bedeutung. Denn beim Überschreiten der Schwelle zwischen Leben und Sterben, erfährt der Initiand Einheit - erlebt Ein-Weihung.

Schulamith - ewigeweisheit.de

Schulamith - die Tochter des Pharao. Illustration von Ephraim Moses Lilie in "Die Bücher der Bibel".

Schöne Tochter Schulamith

Im Mittelpunkt des Hohelieds steht eine Frau: Schulamith, die schöne Tochter des Pharao. Ihr Gesang eröffnet und beschließt die Sammlung. Von ihr strömt das Liebende aus, als weiblicher Widerpart Salomons, dem Prinz des Friedens. Schulamith ist die Weingärtnerin, Schäferin, Gemahlin des Prinzen. Er aber ist ein bittstellender Fürst, neugierig, wirbt er durchnässt von nächtlichem Tau, um die Gunst der bezaubernden Schulamith.

Zieh mich dir nach, so wollen wir laufen.
Der König führte mich in seine Kammern.
Wir wollen uns freuen und fröhlich sein über dich;
wir preisen deine Liebe mehr als den Wein.
mit Recht lieben sie dich!

- Hohelied 1:4

Wer aber ist hier gemeint? Doch nicht nur eine Person. Freut sich etwa gemeinsam an der Liebe eines verborgenen Dritten? Ein ständiger Wechsel der Protagonisten, der plötzliche Übergang von der Rede der einen, in die Rede einer anderen Person: das lässt einen als Leser tatsächlich wechseln, zwischen Vorstellungen erotischer, zwischenmenschlicher und göttlicher Liebe - aus religiöser Sicht scheinbar unvereinbar. Auch wenn der Gottesname nur an einer Stelle im Hohelied Erwähnung findet, in seiner abgekürzten Form Jah, ließe sich die im Hohelied beschriebene Liebe zwischen Mann und Frau, durchaus als Allegorie auf die Beziehung zwischen Gott und Israel deuten. Christen deuteten das Hohelied daher später auch um, auf das Verhältnis von Christus zu seiner Gemeinde.

Dem Leser ist also nicht immer klar, ob die schöne Schulamith mit einem oder mit zwei männlichen Charakteren, ob sie mit Salomon oder zu Gott selbst spricht.

Schwarz bin ich, doch gar lieblich, ihr Töchter Jerusalems!
Wie die Zelte Kedars, wie Salomons Zeltdecken.
Seht mich nicht an, daß ich so schwärzlich bin, dass die Sonne mich verbrannt hat.
Die Söhne meiner Mutter zürnten auf mich; sie bestellten mich zur Weingärtnerin - meinen eigenen Weinberg habe ich nicht gehütet!

- Hohelied 1:5-6

Es sind lustvolle Andeutungen, die im Leser sofort ein Gefühl der Sinnlichkeit wachrufen. Doch es sind auch Allegorien, die seit alter Zeit assoziiert wurden mit dem Verhältnis, in dem das Volk Israel zu Gott steht. Insbesondere im Christentum ist das Bild vom Liebenden und dem Geliebten, eine wichtige Metapher für die Rolle Christi als himmlischem Liebesgesandten.

Blume zu Saron - ewigeweisheit.de

Illustration aus "Geheime Figuren der Rosenkreuzer" (1785)

Die Essenz des Hohelieds

Ich bin eine Blume zu Saron und eine Rose im Tal.
Wie eine Rose unter den Dornen, so ist meine Freundin unter den Töchtern.
Wie ein Apfelbaum unter den wilden Bäumen, so ist mein Freund unter den Söhnen.
Ich sitze unter dem Schatten, des ich begehre, und seine Frucht ist meiner Kehle süß.
Er führt mich in den Weinkeller, und die Liebe ist sein Banner über mir.
Er erquickt mich mit Blumen und labt mich mit Äpfeln; denn ich bin krank vor Liebe.
Seine Linke liegt unter meinem Haupt, und seine Rechte herzt mich. [...]
Meine Taube in den Felsklüften, in den Steinritzen, zeige mir deine Gestalt, lass mich hören deine Stimme; denn die Stimme ist süß, und deine Gestalt ist lieblich.
Fanget uns die Füchse, die kleinen Füchse, die die Weinberge verderben; denn unsere Weinberge haben Blüten gewonnen.
Mein Freund ist mein, und ich bin sein, der unter Rosen weidet.

- Hohelied 1-6,14-16

Die wörtliche Interpretation des Buches ließe sich als Abhandlung über die Verlobung und Hochzeit der Königstochter Schulamith und Königs Salomon verstehen.

Andererseits ist auch möglich, jene Zeilen als die Entscheidung der Prinzessin zu deuten, wem sie sich tatsächlich zuwendet: König Salomon oder dem geliebten Schäfer. Doch eben jenen trifft sie auch in ihrem Schlafgemach.

Schulamith denkt an anderer Stelle an ihren Geliebten, der da aber nicht König Salomon ist, sondern wieder Gärtner und Hirte:

Mein Freund ist hinabgegangen in seinen Garten, zu den Würzgärtlein, dass er weide in den Gärten und Rosen breche.
Mein Freund ist mein, und ich bin sein, der unter den Rosen weidet.

- Hohelied 6:2-3

König Solomo. Russische Ikone - ewigeweisheit.de

König Solomo. Russische Ikone aus dem ersten Viertel des 18. Jhd.

Liebeserkenntnis

Lass deine Brüste sein wie Trauben am Weinstock und deiner Nase Duft wie Äpfel

- Hohelied 7:8

Auch in die Kunst der Liebe kann man eingeweiht werden. Nicht zufällig, war es jene »Kunst«, von der Adam und Eva erfuhren, nachdem sie den verbotenen Apfel aßen, vom Baum der Erkenntnis.

Und Adam erkannte sein Weib Eva, und sie ward schwanger

- Genesis 4:1

Es geht besonders um die rechte Wahl, die man als Liebende oder als Liebender trifft: mit wem will man sich vereinen, mit wem vielleicht Kinder zeugen? Doch es lässt sich diese Wahl nicht von alleine treffen. Man muss auf die kommende Liebe auch warten können.

Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems [...] weckt nicht auf, erweckt nicht die Liebe, bis es ihr selbst gefällt!

- Hohelied 3:5

Was das Allerwichtigste ist in der Liebe zwischen zwei Verliebten, darüber spricht das Hohelied. Man findet darin zu wahrem Verständnis über die Liebe des Anderen und jene Erinnerung daran, dass man einst, bestimmt ja auch selbst verliebt war oder wie es sich anfühlte geliebt worden zu sein.

Einführung in die Kunst zu Lieben

So wie das Hohelied Salomons geschrieben wurde, kann es wirklich als Lehrbuch der Liebe gelesen werden. Es geht um die »Wahre Liebe« und das Finden der oder des »Wahren Geliebten« – jemandem, der erst als solcher enthüllt werden muss, sich einem als solcher offenbart.

Meine Schwester, liebe Braut, du bist ein verschlossener Garten, eine verschlossene Quelle, ein versiegelter Brunnen.

- Hohelied 4:12

Wenn man jenen Menschen aber gefunden hat, so zeigt sich einem die wahre Liebe, man hört und spürt sie rauschen wie die Wasser einer lebensspendenden Quelle:

Eine Gartenquelle bist du, ein Brunnen lebendigen Wassers und vom Libanon rinnende Bäche.

- Hohelied 4:15

Der Verfasser des Hohelieds schrieb über das Warten auf die Liebe. Darin liegt die ganze Magie, ist doch die Liebe schon nicht mehr die selbe, wenn man sie bereits gewonnen hat.

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Weisheit macht attraktiv

von S. Levent Oezkan

Gutes Aussehen, gutes Betragen, erhaltene Jugend und Freigebigkeit: das sind die wohl wichtigsten der natürlichen Mittel, mit denen man sich in den Augen anderer attraktiv macht. Wer darüber nicht verfügt, gleich ob als Mann oder Frau, kann jedoch auf höhere Künste zurückgreifen, die schon seit vielen Jahrhunderten unzähligen Menschen nutzen.

Zu einer der wichtigsten dieser Künste, zählt zweifelsohne die Schminkkunst. Schon in der Steinzeit stellten sich kluge Frauen besondere Salben her, die sie verwendeten, um ihren Gesichtszügen besondere Akzente zu verleihen. Die Pflanzenwelt liefert eben eine Fülle an natürlichen Pigmenten - auch in unseren Breiten. Ebenfalls lassen sich Schminkstoffe herstellen, aus dem Ruß von brennendem Wachs, Harzen oder Fetten. Seit alter Zeit verwendeten Frauen solche Schwärze, um sie etwa auf Wimpern oder Augenbrauen aufzutragen, um damit die visuelle Wirkung dieser Gesichtspartien zu betonen.

Vornehmlich in heißen Ländern wie Ägypten oder Indien, hat das Schminken eine sehr lange Tradition. Man glaubte, solch schwarze Umrandungen der Gesichstpartien, könnten Fliegen und andere Insekten abschrecken. Der alt-ägyptische Adel aber, benutzte den später so genannten Al-Kuhl (in Indien als Kajal bekannt: der schwarze Lidstrich) insbesondere aus religiösen Gründen. Das Auge nämlich war Symbol für den Sonnengott Re.

Jene alt-ägyptische Schminkkunst ist besonders schön wiedergegeben in der berühmten Nofretete-Büste. Kein Zufall das der Name dieser alten Fürstin, Ehefrau des ägyptischen Königs Echnaton, bedeutet "Die Schöne ist gekommen". Für Echnaton aber war unsere Sonne Symbol absoluter Perfektion und göttlicher Schönheit. Sie erklärte er als Aton - der Sonnenscheibe - zum höchsten und einzigen Gott.

Vom Wert des Raren

Das was man nicht haben kann, wird eher begehrt als was immer jedem verfügbar ist. Nicht ohne Grund haben Diamanten und Gold, wegen ihrer Rarität so hohen Wert. In alter Zeit versteckte man auch sehr attraktive, pubertierende Mädchen vor ihren Verehrern. Ähnliches scheinen ja auch die Menschen in manchen muslimischen Familien zu versuchen, wenn sie ihre Töchter mit Beginn der Pubertät verschleiern. 
Nur der klügste, schönste und wohlhabendste, wird dann von den Eltern erwählt, um ihm die Hand der schönen Tochter zu geben. Diese Tage scheinen bei uns heute lange vergangen, doch die eigentliche Weisheit die dahinter steht, dürfte wohl fortdauern.

Durch die Art und Weise wie man Schönheit gekonnt versteckt, lässt sich der Reiz also steigern. Das scheint in unserer heutigen Zeit etwas verloren gegangen zu sein. Nackte Haut sieht man im Sommer überall. Nur wenn das Bare jederzeit und überall verfügbar ist, was davon kann seinen Reiz noch behalten?

Eher ist es doch die Schwierigkeit sich etwas Schönem zu nähern, dass leidenschaftliches Begehren hervorruft. Etwas also zu verbergen, besonders wenn es schön ist - ein Mensch, ein Ding - erhöht seine Schönheit in den Augen der Anderen.

Eine Badende - ewigeweisheit.de

Eine Badende. Gemälde von Guillaume Dubufe (1853–1909).

Lässt sich Schönheit berechnen?

Im alten Rom dachte man sich die Schönheit verkörpert in der Göttin Venus. Sie trug einen magischen Gürtel, der auf andere einen anziehenden, unwiderstehlichen Liebreiz übertrug. Venus war aber weit mehr als nur ein erotisches Lustsymbol.

Auch die alten Griechen wussten noch wörtlich zu unterscheiden, zwischen drei Formen liebeserfüllter Sehnsucht: Agape, der göttlichen Liebe, der freundschaftlichen Liebe Philia und der körperlichen Liebe, Eros. Letztere Form verkörperte die so genannte "gemeine Aphrodite". In ihrer Schönheit drückte sich das sinnlich Wahrnehmbare aus. Doch sie stand für die Vorstellungen schöner Ideen - dem also, was den alten Griechen als Agape und Philia heilig war.

Es gibt nun einen sehr interessanten Aspekt der Vollkommenheit, auf den der eigenartige Himmelslauf des Planeten Venus andeutet. Denn innerhalb acht Jahren, zeichnet die Venus über dem Horizont ein Pentagramm in den Himmel. Seit der Antike benutzte man diese geometrische Figur als Symbol für den Planeten, wie auch für die Göttin Venus beziehungsweise Aphrodite.

Das besondere an diesem Symbol ist das Ebenmaß, dass sich in den Verhältnissen seiner Linienkreuzungen ergibt. Sie teilen die fünf Linien in einen längeren und in einen kürzeren Abschnitt. Die beiden dabei entstehenden geometrischen Strecken, stehen zu einander in einem Verhältnis, das man spätestens seit der griechischen Antike, als den "Goldenen Schnitt" bezeichnete.

Der griechische Architekt Phidias (490-430 v. Chr.), Erbauer des Partheon der athener Akropolis, richtete sich stets an diesem Goldenen Verhältnis, dass die Zahl 1,618 bestimmt (diese Zahl hat eigentlich unendlich viele, sich nicht wiederholende Stellen, der Zweckmäßigkeit jedoch hier abgekürzt). Das Besondere an diesem Verhältnis ist, dass dabei eben diese eigenartige Zahl eine Rolle spielt, die mit dem Buchstaben φ (phi) bezeichnet wird. Sie ist in der Mathematik eine der sogenannten "irrationalen Zahlen", die sich also nicht durch einen Bruch darstellen lassen.

Das besondere an der Zahl φ ist, dass sie die einzige aller Zahlen ist, die diese recht ungewöhnliche mathematische Gleichung zulässt:

φ - 1 = 1 / φ

In Zahlen: 1,618... - 1 = 1 / 1,618... = 0,618...

Es ist eine wahrhafte Wunderzahl, die ganz bezaubernd auf die okkulten Eigenschaften des Goldenen Verhältnisses hinweist.

Seit dem Altertum gilt dieses Goldene Verhältnis als Basis aller optischen Harmonie. Aus diesem Grund auch befolgte man alle Gesetze äußerst gewissenhaft, die sich vom Goldenen Schnitt ableiten ließen.

Der Goldene Schnitt in der Natur

Man findet dieses geometrische Verhältnis eben auch überall in der Natur. Sehen Sie sich beispielsweise ihren Zeigefinger an: das Glied das diesen Finger mit dem Handteller verbindet, ist ungefähr im Goldenen Verhältnis zu den beiden vorderen Gliedern (Mittelglied und Fingernagel-Glied). Diese Proportion setzt sich fort im Verhältnis des Fingernagelgliedes und des Zwischengliedes, was im Übrigen auch in allen anderen Fingern, einschließlich im Daumen sichtbar ist.
Auch das Gesicht eines Menschen lässt sich im Goldenen Schnitt sehen; schauen Sie in den Spiegel: ihre Augenlinie unterteilt ihr Gesicht zwischen Schädeldecke und Kinnspitze ungefähr im goldenen Schnitt.
Ebenos das Verhältnis dass sich durch die Position des Baunabels zwischen Schädeldecke und Fußsohle unterteilen lässt, steht ungefähr im Goldenen Schnitt.

So also ließen sich die Proportionen eines gut aussehenden Körpers und Gesichts, nach dem Maß eben jenes Goldenen Schnitts einteilen.

Das Pentagramm - ewigeweisheit.de

Das Pentagramm: Symbol der Schönheit - Symbol der Venus. Der Abschnitt von A-B steht im Verhältnis zum Abschnitt B-C im Goldenen Schnitt - dem Schönheitsmaß der Natur. Das Selbe gilt im Übrigen für das Verhältnis der Abschnitt A-C und C-D zueinander. Ganz gleich aus welchem Winkel man die Figur betrachtet: die Linien schneiden sich immer im Goldenen Schnitt.

Worauf es ankommt

Wer schön ist, dem ergeben sich manche Dinge einfacher im Leben. Einem gutaussehenden Mädchen laufen die Jungen hinterher. Doch bleibt diese Schönheit ja nicht für immer.
Was also macht wahre Schönheit aus, die Menschen zusammenbringt? Erst durch Eigenschaften wie Humor und Intelligenz lässt sich Großartiges aus den Angeln heben. Und ist das erst einmal geschafft, hält Sympathie dauerhaft an. Ob das Aussehen da noch eine große Rolle spielt? Ich wage zu bezweifeln. Einem attraktiven Äußeren ohne innere Werte aber, bleibt das Tor zu wahrer Freundschaft für immer verschlossen.

Die Kunst sich selbst begehrlich zu machen

Männer haben es wohl etwas leichter als Frauen. Auch sind sich Frauen in Sachen männlicher Attraktiviät oft uneins. Allerdings: Ein Mann sollte Humor haben. Wer sich selbst zu wichtig nimmt und Angst hat beim Lachen erwischt zu werden, dessen Liebreiz bleibt wenig aufregend.
Wen interessiert schon der schmissige Typ der alles weiß, sich vollkommen unter Kontrolle hat und dem Humor ganz fremd ist? Schon ein freundliches Lächeln wirkt Wunder, ein herzliches Lachen bringt jedes Frauenherz zum schmelzen.

Alleine das Aussehen hat nur oberflächlichen Wert. Natürlich will ich hier nicht etwa behaupten, dass es nicht wichtig ist. Doch was nützt einem Mann eine Gestalt wie Adonis, wenn aus seinem Mund nur Unsinn kommt? Tiefgehende Gespräche auf jeden Fall machen einen Menschen sehr viel interessanter, ja können durchaus etwas Erotisches haben. Es ist eben ein Nehmen und Geben. Denn was ist ein Gespräch, als eben die Fähigkeit zuhören zu können. Man muss sich als Mann garnicht aufspielen, um das Herz einer Frau zu gewinnen. Man sollte sich nur eben wirklich für die Bedürfnisse seines Gegenübers interessieren. Das alles sind wohl Eigenschaften die einen Mann als Freund liebenswürdig machen.

Es geht aber gewiss auch um ein gepflegtes Äußeres. Was uns eben vom Tier unterscheidet, die Katzen vielleicht ausgenommen, ist dass wir Zeit für Körperpflege aufwenden. Dazu gehört neben der Sauberkeit auch die Kleidung.

Über alle dem aber steht wohl das Selbstbewusstsein, dass ein Mann hat - einer der weiß was er ist. Seine Stärke macht ihn als Mann aus. Das soll bloß keine Härte sein, sondern vielleicht eher Mut, Besonnenheit und Zuverlässigkeit. Frauen sind außerdem oft dazu bereit Abstriche zu machen, zugunsten der Charaktereigenschaften oder dem sozialen Status eines Mannes.

Und was wollen dann die Männer von Frauen?

Männer lassen sich bei ihrer Partnerwahl insbesondere von visuellen Kriterien leiten. Doch auch das natürliche Lachen einer Frau, etwas das sie zum Strahlen bringt: ein sehr wichtiges Kriterium. Am besten da lächeln saubere Zähne. Angeblich wollen psychologische Studien beweisen, dass Männer lachende Frauen sogar ganz besonders anziehend finden. Besonders, wenn sie sie mit ihrem eigenen Humor dazu gebracht haben. 

Lächeln signalisiert Offenheit. Das ist generell so und man weiß das ja auch, wenn uns ein Mensch gleichen Geschlechts anlächelt.

Und doch ist auch hier wieder das Selbstbewusstsein ausschlaggebend. Sich selbst bewusst zu sein heißt auch, dass man weiß wie man auf andere wirkt. Dabei ist ganz egal, ob sich die Wirkung in eine Kategorie einordnen oder auf einer Skala eintragen lässt. Es ist viel mehr als das. Jemand der mit sich selbst vertraut ist, wirkt auf das andere Geschlecht attraktiv. Niemand sehnt sich nach den Sorgen oder Krankheiten der Anderen - und das trifft zu auf Männer, wie auch auf Frauen. Meist sind Nörgler außerdem noch unverbesserlich.

Doch was will ein Mann von einer Frau? Er will sie glücklich machen!

 

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Was ist Ayurveda?

von S. Levent Oezkan

Seit alter Zeit gibt es in Indien ein ganzheitliches System der Medizin: das Ayurveda. Es dient gleichermaßen der Erhaltung, wie auch der Wiederherstellung der Gesundheit. Wie die Sanskrit-Silbe »veda« bereits andeutet, steht der Name für ein »heiliges Wissen«. Ayurveda ist auch eine Wissenschaft vom »Leben«, im Sanskrit »ayus«. Man könnte sagen: Ayurveda ist das Wissen vom Leben an sich.

Auf dem indischen Subkontinent akzeptiert die Bevölkerung Ayurveda als vollkommene Heilswissenschaft. Es gilt dort als traditionelle Heilkunst und ist wohl auch das weltweit älteste System der Medizin. In alt-vedischer Zeit entstand das, was man heute als medizinisches System des Ayurveda kennt und anwendet.

Bei uns im Westen, assoziieren die meisten den Begriff Ayurveda eher mit Wohlfühlen und Ganzheitlichkeit. Genau letzteres, nämlich das Ganzheitliche des Ayurveda, führte es bei uns ein, als traditionelles Systems der Alternativmedizin. Mit naturwissenschaftlichen Konzepten ist Ayurveda weniger vereinbar, im Vergleich zur westlicher Heilkunst ist es jedoch einzigartig. Ayurveda umfasst ein ausführliches Wissen über vier essentielle Teile menschlichen Lebens: Geist, Körper, Sinne und das, was man als die Vorgänge der Seele betiteln könnte. Gemäß dieser vier Kernpunkte ayurvedischer Lehren, lässt sich das Wesen dieser uralten Wissenschaft folgendermaßen umreißen:

  1. Es ist keine allgemeine, diagnostische Methode, sondern kommt entsprechend der Voraussetzungen einer Person zur Anwendung, je nach individueller Verfassung eines Menschen.

  2. Alles was man im Ayurveda bewertet, erfolgt durch Beobachten, Fragen und über direkte Untersuchung, die mittels besonderer Gesetzmäßigkeiten erfolgt, die in alt-vedischen Schriften zu finden sind.

  3. Man geht im Ayurveda zudem davon aus, dass überall in der Natur und im Menschen feinstoffliche Kräfte wirken, die die Befindlichkeit eines Menschen beeinflussen. Das sind die Tridoshas, die sich aus Vata, Pitta und Kapha zusammensetzen. Wichtigstes dieser drei ist das Vata-Dosha.
    Befindet sich Vata über lange Zeiträume hinweg im Ungleichgewicht, werden dadurch auch Pitta- und Kapha-Dosha negativ beeinflusst. Durch das Vata-Dosha erfolgt die Menstruation, die Aussonderung des Fötus, des männlichen Samens, sowie auch die Schweiß-Sekretion und die Ausscheidung von Urin. Es ist damit auch für den Stoffwechsel im menschlichen Körper verantwortlich. Auch Atmung, Herzschlag, sowie alle Körperbewegungen regelt das das Vata-Dosha. Außerdem erfolgt durch das Vata-Dosha die Übermittlung der Nerveimpulse von den Wahrnehmungsorganen an das Gehirn.

  4. Aufgabe des Pita-Dosha ist die Regelung von Stoffwechselvorgängen, der Körpertemperatur und Sehfähigkeit. Auch für das Verständnis von Informationen, ihre Verarbeitung und Bewertung, ist das Pita-Dosha verantwortlich.

    Kapha-Dosha ist für die Kraft im Körper verantwortlich, die ein Mensch aufwenden muss, um bestimmte Aufgaben zu erfüllen. Es ist außerdem für die sogenannte »Erdung« des Körpers, wie auch für die Stabilisierung geistiger Vorgänge verantwortlich. Auch fallen in den Wirkungsbereich des Kapha-Dosha Fortpflanzungsfähigkeit und Fruchtbarkeit.

  5. Im Ayurveda ist außerdem die starke Verbindung zwischen Geist und Körper wichtig.

Ayurveda als Therapie-Form

Als ganzheitliches Weisheitssystem, ist Ayurveda gewiss eine Wissenschaft über Gesundheit und Langlebigkeit. Es unterstützt den Menschen bei seiner Gesundung und der Herstellung inneren Gleichgewichts.

Dabei arbeitet die ayurvedische Wissenschaft nicht allein auf Erfahrungswerten, sondern ist so universal anwendbar, dass bei jedem konkreten Fall entschieden werden kann, welche Behandlungsmethode sich am geeignetsten erweist. Das heißt, dass das ayurvedische System, individuell auf das biologisch-physiologische Befinden eines Menschen abgestimmt, einen stabil wirksamen Gesundheitszustand herzustellen weiß - für jeden spezifischen Fall. Hierbei hilft dem Ayurveda-Therapeuten eine individuelle Anamnese beziehungsweise eine Analyse der Verfassung eines Hilfesuchenden. Man weiß nicht nur Symptome zu erkennen, sondern hat insbesondere auch verstanden, wie sich eine bestimmte Krankheit manifestiert.

Somit bildet das Ayurveda-Heilungssystem ganz konkrete Therapie-Empfehlungen, die sich aus dem Lebensstil eines Hilfesuchenden ergeben. Nicht allein wird nur von außen, mittels direkter Behandlung, etwa mit Aroma- und Pflanzentherapie oder der Verabreichung von Arzneien gearbeitet, sondern außerdem bestimmte Diäten empfohlen oder auch die Praxis besonderer Yoga-Übungen. Außerdem kann ein Ayurveda-Therapeut auch spirituelle Anleitungen geben, damit ein Hilfesuchender durch bestimmte Gebete und Meditationen, seine innere Balance, insbesondere während einer Therapie, selbst aufrechterhalten kann.

Ayurveda bildet ein Therapiesystem, dass ganz stark die Individualität eines Menschen hervorhebt und fragt: Warum wird jemand krank, und wieso reagiert sein Geist oder Körper dabei anders, als bei anderen?

Ursprünge des Ayurveda

Auf der Suche nach den Ursprüngen dieser ganzheitlichen Wissenschaft, bewegt man sich in eine Zeit, als Philosophie und Heilkunst noch ein einheitliches Gesamtsystem bildeten, und die Denkweise ayurvedischer Behandlungsmethoden prägten. Niemand aber kann genau sagen, wo und wann in der Vergangenheit dieses universale Therapie-System entstand. Laut alt-indischer Legenden, stammt die Wissenschaft des Ayurveda gar aus einer Zeit, in der der Schöpfergott Brahman seinem Sohn Daksha im Ayurveda unterwies, der seinerseits der Lehrer der himmlischen Ärzte Dasya und Nasatya war (vergl. Castor und Pollux in der griechischen Mythologie). Sie waren die ersten Heilsgötter der Menschheit, die ihr Wissen dann an den vedischen Gott Indra weitergaben.

Als sich vor sehr langer Zeit unter den Menschen die verschiedenen Krankheiten verbreiteten, kam laut Legende der Gott Indra und zeigte dem Weisen Bharadvaja, wie man Arzneien und Medizin herstellt. Nach und nach erweiterte sich die Gelehrsamkeit des Bharavaja zu einem riesigen Wissensschatz über die Heilkünste, der später in verschiedenen Wissenzweigen den Erkenntnishorizont seiner Nachfahren immer mehr erweiterte.

Man weiß zwar kein exaktes Datum, wann die Ayurveda-Wissenschaft entstand, Historiker gehen aber davon aus, dass Heiler bereits vor 5000 Jahren Ayurveda praktizierten und in dieser Zeit auch die ersten Ayurveda-Schriften entstanden. Darauf verweisen älteste vedische Texte, wie etwa das Rig-Veda. Darin werden über 60 Präparate erwähnt, die zu Heilzwecken zur Anwendung kommen.

Doch wie mehrfach angedeutet, handelt es sich beim Ayurveda um weit mehr, als ein medizinisches Therapiesystem. Vielmehr ließe sich Ayurveda, als Wissenschaft vom Leben beschreiben. Und da wir alle Teil der Natur sind, zu der ja auch die Tier- und Pflanzenwelt gehört, die auf natürliche Weise versuchen im Einklang mit den Naturgesetzen zu leben, so kann auch der Mensch in sich diese natürlichen Prinzipien befolgen.

Man kann darum sagen: Ayurveda bildete schon in uralter Zeit ein ganzheitliches System, dass den Menschen half Gesundheit aus sich selbst heraus, gemäß den Gesetzmäßigkeiten der Natur herzustellen.

Dhanvantari

Die indischen Puranas gehören zu den ältesten Schriften des Hinduismus. Darin ist insbesondere die Rede von einer Gottheit, die die hohe Weisheit des Ayurveda an sich repräsentiert: Dhanvantari. Ihn sandte der Gotterkönig Indra auf die Erde. Die Puranas sprechen von ihm als Gott der Heilkunst. Anhänger des Hinduismus beten zu Dhanvantari, um von ihm heilende Segnungen zu empfangen. Er gilt als Arzt der Götter und Ursprung aller Heilkunst. Er inkarnierte als Königssohn und kam zur Welt im indischen Varanasi am Ganges - der heiligsten Stadt der Hindus.

Die indische Ikonographie zeigt diesen Gott des Ayurveda stets als schönen jungen Mann. Er trägt manchmal ein gelbes Kleid, dass an das Fell eines Löwen erinnern soll. Seine vier Hände halten je ein Gefäß. Darin befindet sich unter anderem der Trank der Unsterblickeit (Amrita), in seinen anderen Händen sieht man auf verschiedenen Darstellungen mal ein Heilkraut, mal ein Muschelhorn, einen magischen Diskus oder auch Blutegel. Da manche ihn auch als Sohn des Vishnu betrachten, wird seine Haut in der Ikonographie manchmal blau dargestellt.

Geist, Körper und die Sinne

Es ist normal, dass sich die meisten von uns allein über ihren Körper wahrnehmen. Zwar scheint dieser im Spiegel wider, fühlt sich schwer an oder leicht, schmerzt oder verspürt Lust: in Wirklichkeit aber sind wir mehr als das, was unsere Sinnesorgane wahrnehmen. Andere würden sagen, sie seien ihr Denken. Doch auch das ist nicht vollkommen richtig, besitzen wir doch eben auch unseren physischen Leib.

Auch wenn er selbst kein Ayurveda-Spezialist war, brachte einst der italienische Psychologe Roberto Assagioli ganz klar auf den Punkt, was hier gemeint ist:

Ich habe einen Körper, aber ich bin nicht mein Körper.
Ich habe Gefühle, aber ich bin nicht meine Gefühle.
Ich habe einen Verstand, aber ich bin nicht mein Verstand.

Jeder weiß, dass seiner physischen Erscheinung eine geistige Struktur zu Grunde liegt, womit man denkt, spricht, schreibt und alle nur erdenklichen Objekte erschafft – kurz: alles was durch den Intellekt an Kreativem aus einem hervorgebracht wird. Doch auch Alltagshandlungen, führen wir aus mit Hilfe unseres Geistes. Ebenfalls unsere Atmung, unser Kreislauf und unsere Verdauung, hängen zusammen mit unseren Denkprozessen. Geist und Körper wirken gemeinsam in unserer Physiologie und sind doch unabhängig von unserem wahren Sein, das rein, das ewig ist.

Damit unser Denken die Körpervorgänge unterstützt und ihnen nicht entgegenwirkt, ist es wichtig, dass wir unsere Sinne zur Sammlung von Eindrücken und Informationen angemessen anwenden. Über unsere Sinnesorgane, strömen unserem Denken positive und negative Eindrücke zu. Eben so, wie auch unser Mund gesunde oder ungesunde Nahrung zu sich nehmen kann. Wer seinen Geist also überwiegend mit positiven, entspannenden und lebensbejahenden Eindrücken nährt, der wird mit seinem Körper entsprechende Handlungen vollziehen, beziehungsweise eine Lebenshaltung haben, die auch seiner Physiologie zu Gute kommt. Denn ein ständig belastender, stressfördernder Informationsfluss, wirkt sich indirekt auf unsere körperliche Befindlichkeit aus. Ich denke die meisten Menschen wissen das aus Erfahrung.

Geruch und Geschmack

Unser Geruchs- und Geschmackssinn wirkt direkt auf unseren Körper und hilft dem Verdauungsprozess. Drum sind wohlriechende und wohlschmeckende Speisen bevorzugt einzunehmen. Wieso? Unser Denken registriert, was wir zu uns nehmen und führt demgemäß unseren Körper dazu, besondere Verdauungsvorgänge anzustoßen und dabei wichtige Enzyme und Körpersäfte freizusetzen.

So dürfte es kaum verwundern, dass jemand der immer nur Nahrung sehr intensiven Geschmacks zu sich nimmt, oder auch zu viele Süßigkeiten isst, die Wahrnehmungsfähigkeit seines Geschmacks- und Geruchssinns beeinträchtigt. Die Sinne stumpfen dabei ab, was aber letztendlich dazu führt, dass Körperfunktionen nicht mehr entsprechend in Gang gesetzt werden können. Es fehlen einfach die entsprechenden Reizmechanismen.
Wer darum seine Sinne rein hält und Überreizung durch bestimmte Gerüche oder Geschmäcker (und auch visuelle Eindrücke) vermeidet, unterstützt Körper und Geist dabei gemeinsam effektiv zu arbeiten.

Die Seele im Ayurveda

Bevor der Mensch in einem physischen Körper auf die Welt kommt, so die Weisen des Ayurveda, existiert seine Seele bereits in einer feinstofflichen Form. Die alten Seher Indiens glaubten, dass wir in uns eine besondere, seelische Essenz tragen. Zwar nimmt sie immer wieder einen physischen, sterblichen Körper an, sie selbst aber bleibt unverändert und ist unsterblich.

Im Augenblick des Todes dringt die Seele aus dem Körper und verliert dabei all ihr Wünschen, ihre Ängste und ihr leidenschaftliches Verlangen. Die Seele lebt jetzt nicht mehr im Irrglauben, sie sei identisch mit jenem körperlichen Gewand, in das sie zu Lebzeiten eingeschlossen war. Mit dem Tod lösen sich alle Begierden vollkommen auf. Nicht zufällig berichten Menschen, die sogenannte Nah-Tod-Erfahrungen machten, dass sie sich außerhalb ihres »engen Körpers« befanden, sich frei und ungebunden fühlten.

Ayurvedische Grundprinzipien

Jeder Mensch ist einzigartig. Sein Körper ist ganz individuelle aus den fünf grundlegenden Elementen zusammengesetzt: Äther (Raum), Luft, Feuer, Wasser und Erde. Sicher sind diese Elemente den meisten Lesern bekannt, als die fünf alchemistischen Elemente. Aus ihnen bilden wir unser irdisches, körperliches Dasein. Je nach dem wie stark wir von einem oder mehreren dieser Elemente umgeben sind, wirken ihre Eigenschaften auf uns. Auch die aufgenommene Nahrung setzt sich aus diesen Elementen zusammen. Das selbe trifft zu auf das Wetter.

Im Zusammenwirken dieser Elemente, ergeben sich, gemäß ihrer Konzentration und Beschaffenheit, die physiologischen Funktionen des menschlichen Körpers.

Wir hatten Eingangs bereits hingewiesen auf die Kräfte der drei Doshas (Tridosha). Sie entstehen im Zusammenwirken dieser fünf Elemente:

  • Das Vata-Dosha bildet sich aus Äther und Luft (siehe Abb. unten), denn Vata regiert die Prinzipien der Bewegung. Durch dieses Dosha werden die elektronischen Impulse durch Nerven geführt, durch Vata erfolgt die Atmung, wird der Kreislauf angeregt und die Ausscheidung angetrieben.

  • Das Pitta-Dosha bilden Feuer und Wasser. Pitta beschreibt die Prozesse der Stoffwechsels (in Organen, Gewebe und Körperzellen) und der Umwandlungsvorgänge im Körper (zum Beispiel durch die Verdauung).

  • Schließlich bilden Wasser und Erde das Kapha-dosha. Durch das Kapha erfolgt das Körperwachstum eines Menschen. Auch die natürlichen Schutzmechanismen des Körpers, hängen mit dem Wirken des Kapha-Dosha zusammen. So etwa schützt es den Fluss des Gehirnwassers im Kopf und im Rückgrat. Auch die Funktionen der Schleimhäute, werden durch die Wirkung des Kapha geschützt.

Aus Perspektive des Ayurveda nun, kann man die Herausforderungen, die uns unser biologisches Fahrzeug (Körper) durch Krankheiten oder bei Verletzungen stellt, mit dem Wissen über die Doshas behandeln. Je nach dem, welches der Doshas besonders ausgeprägt oder andererseits eher schwach ist, gibt es im Ayurveda besondere Empfehlungen. Das kann sich zum Beispiel ausdrücken in einer Ernährungsumstellung, die bewirkt, dass ein Mensch ein Dosha, das zum Beispiel besonders im Vordergrund steht, etwas abzuschwächen weiß.

Auch die Anwendung von Heilkräutern zu diesem oder anderen Zwecken, spielt im Ayurveda eine wichtige Rolle. Denn auch Pflanzen wirken auf die Beschaffenheit der Dosha-Zusammensetzung im Körper. Überwiegen andererseits Giftstoffe im Körper, können diese ausgetrieben werden, mit einer Methode die sich Pancha Karma nennt.

Dosha-Pentagramm - ewigeweisheit.de

Das System der Dosha-Pentagramms und mit den Elementen und wie sie zusammen wirken (die verwendeten Farben haben keine Bedeutung und dienen lediglich der Darstellung).

Ayurveda als ganzheitliches Heilungs- und Weisheitssystem

Wie mehrfach erwähnt, ist im Ayurveda insbesondere wichtig, jeden Menschen als individuelles, lebendes Wesen zu betrachten. Im Westen ist diese medizinische Herangehensweise etwas ins Hintertreffen geraten. Der Grund dafür ist einfach: Zeitmangel - etwas, das mit der Industrialisierung zunahm. Eine individuelle Anamnese und Behandlung war also immer weniger möglich. Wahre Heilung ist aber nur möglich für einen, der auf einen Hilfesuchenden auch wirklich eingeht.

Heute scheinen Menschen wieder dazu bereit, mehr Zeit in das Wissen vom Wohlbefinden und die Pflege ihres Daseins zu investieren. Das bedeutet jedoch auch, dass man sich etwa mehr auf alternative Heilverfahren einstellt, wie etwa das Ayurveda.

Wenn im Ayurveda nun also nicht nur nach den Befindlichkeiten oder nach Beschwerden gefragt wird, ist die Herangehensweise eine ganz andere. Es ist insbesondere wichtig, dem Klienten Methoden und Erklärungen zu liefern, wie er sich selbst wieder gesund macht und ins Gleichgewicht bringt.

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Qi-Gong: Eine Methode zur Kultivierung von Körper und Geist

von S. Levent Oezkan

Qi-Gong - ewigeweisheit.de

Durch sanfte Körperbewegungen, die im Fluss des Atems erfolgen, kann man durch Qi-Gong sein Bewusstsein klären und zugleich die Körperenergie ausgleichen. Qi-Gong ist ein wahrer Jungbrunnen ewigen Lebens.

Mit den Techniken des Qi-Gong, erhält ein Übender Zugang zu einer grenzenlosen Quelle von Frieden, Gesundheit und Lebenskraft. Auf dem Weg des Qi-Gong hält sich der Übende gesund und stärkt sich für die Herausforderungen des Alltags. Seien es Stress oder seelische Belastung: Qi-Gong hilft zu heilen, zu stärken und vorzubeugen.

Eine kurze Geschichte des Qi-Gong

Die Tradition des Qi-Gong ist uralt: vor 4000 Jahren im alten China entstanden, entwickelte sich eine Vielzahl verschiedener Schulrichtungen. Insbesondere die Traditionelle Chinesische Medizin profitiert von den vorbeugenden und heilenden Übungen des Qi-Gong. Auch im Konfuzianismus genießt die Praxis des Qi-Gong hohes Ansehen, gilt es doch als Form zur Verbesserung des moralischen Charakters. Insbesondere aber der Taoismus und Buddhismus integrierten Teile des Qi-Gong in ihre Meditationspraktiken.

Qi-Gong war aber schon immer mehr als nur eine praktische Körperübung. Seine gesamte Philosophie bildet die Fundamente einer meditativen, »Inneren Alchemie«.

Ziel der gesamten Qi-Gong-Philosophie ist das menschliche Leben ganzheitlich zu transformieren und niedere Aspekte des Seins auf körperlicher, emotionaler und geistiger Ebene zu veredeln. Insbesondere die Aspekte der taoistischen Meditationspraxis helfen einem Menschen Qi-Energie in seinem Körper zirkulieren zu lassen.

Traditionell wurden die Lehren des Qi-Gong vom erfahrenen Meister zum Schüler weitergegeben. Dies erfolgt normalerweise mit geheimen, esoterischen Unterweisungen von Mund zu Ohr und der direkten Einweihung in die gymnastischen Körper- und Atemübungen des Qi-Gong.

Lebensenergie im Fluss

Qi-Gong ist ein spirituelles System, das man sein ganzes Leben üben kann. Darum praktizieren in China viele Menschen die Kunst des Qi-Gong noch bis ins hohe Alter.

Qi ist die universale Urenergie – Gong die Arbeit, die Übung zur Unterstützung des Lebensflusses. Als Teil der Traditionellen Chinesischen Medizin, hilft Qi-Gong dem Übenden die Lebensenergie in seinem Körper zu harmonisieren, die Urprinzipien von Yin und Yang auszubalancieren. Durch die physischen und spirituellen Übungen des Qi-Gong wird Qi-Energie durch die feinstofflichen Meridiane des Körpers befördert, ausgeglichen und verstärkt. Es ist eine Übung der Gesundung von Körper, Seele und Geist, werden durch sie doch die Quantität und Qualität menschlicher Lebensenergie erhöht.

Wer als Kranker Qi-Gong übt, kann Blockaden des Qi im Körper beheben und den natürlichen Fluss der Lebensenergie harmonisieren. Damit kann er seine Gesundheit wiederherstellen, aber auch Krankheiten vorbeugen. Aus diesem Grund wird in China Qi-Gong auch angewendet, um Menschen zum Beispiel bei ihrer Krebstherapie zu unterstützen.

Ein Arzt der Traditionellen Chinesischen Medizin kann seinem Klienten direkt mit Methoden des Qi-Gong behandeln. Denn jeder Mensch, jeden Alters und jeder körperlichen Verfassung, kann Qi-Gong üben. Dafür zeigt ihm der Arzt eine Reihe sogenannter »Innerer Übungen«, um mit ihnen die drei lebensfördernden Schätze des Menschen zu aktivieren:

  • Qi – die Lebensenergie,

  • Jing – die Essenzen des Körpers und

  • Shen – den menschlichen Geist.

Qi-Gong-Übungen helfen den harmonischen Qi-Energiefluss im Körper zu stärken, damit das Jing zu bewahren, um letztendlich das Shen zur Erleuchtung zu führen.

Jene Übungen zur Aktivierung von Qi, Jing und Shen, basieren aber auf konzentrierten Geist-, Atem- und Körperbewegungen. Diese dynamischen Übungen und Meditationen besitzen sowohl Yin- als auch Yang-Aspekte. Man sagt:

Das Yin ist es; das Yang macht es.

Yin-Qi-Gong-Übungen erfolgen durch entspanntes Dehnen, Visualisieren und meditatives Atmen. Yang-Qi-Gong-Übungen werden dynamisch ausgeführt. Sie sind außerdem besonders wirksam zur Unterstützung des Immunsystems.

Übungen für Körper, Atem und Geist

Wer regelmäßig Qi-Gong praktiziert, erzielt positive Wirkungen für sein Leben, stärkt seine Widerstandsfähigkeit und unterstützt sich in Heilungs- und Genesungsprozessen.

Die Übungen des Qi-Gong regulieren körperliche Aspekte, die Atmung und das Denken. Sowohl Bewegungsübungen, wie auch Stille Meditationen, Massage, Gesang, Klangmeditation und berührungslose Behandlungen, kommen im Qi-Gong zur Anwendung.

Grundsätzlich lassen sich die Qi-Gong-Übungen in zwei fundamentale Kategorien einteilen:

  1. Dong-Gong: das dynamische, aktive Qi-Gong, dass in langsamen, fließenden Bewegungen ausgeführt wird.
  2. Jing-Gong: das meditative, passive Qi-Gong, das man durch besondere Ruhepositionen und Atemverfahren übt.

Aus therapeutischer Sicht, lässt sich Qi-Gong zudem unterteilen in:

  1. internes Qi-Gong, das auf die Kultivierung des Selbst abzielt und
  2. externes Qi-Gong, wo ein Therapeut ins Spiel kommt, der seinem Klienten hilft Qi auf seinen Körper zu übertragen und darin zu lenken.

Während die Details der Umsetzung verschiedener Übungen variieren, werden die Qi-Gong-Formen auch aus vier Arten von Übungen kombiniert: dynamisch, statisch, meditativ und mit Hilfe externer Mittel.

Körperübungen

Die erste innere Übung erfolgt durch das Einnehmen besonderer Körperhaltungen. Sie helfen falsche Haltungen zu korrigieren. Heutzutage sitzen viele Menschen die längste Zeit des Tages. Das natürlich schwächt den Rücken. Energiefluss und Qi-Verteilung im Körper werden dabei blockiert. Man braucht mehr Energie für Bewegungen, die eigentlich an anderer Stelle des Körpers wichtig wären. Hierdurch kann die Anfälligkeit für Verletzungen oder Krankheiten erhöht werden.

Durch die Haltungen des Qi-Gong jedoch, lässt sich der Rücken stärken und die Wirbelsäule aufrichten. Natürlich führt das zu einem verbesserten Fluss der Qi-Energie in der Wirbelsäule. Das Resultat: wir fühlen uns stark, ermüden nicht so schnell, klären unseren Geist und schärfen seine Wahrnehmung. Qi-Blockaden werden verringert, womit sich auch chronische Krankheiten behandeln lassen (z. B. Bluthochdruck, Verdauungsstörungen, Stress oder sexuelle Funktionsstörungen).

Im regelmäßigen Üben der Bewegungsabläufe des Qi-Gong (Formen), kann eine optimale Gewichtsverteilung im Körper erzielt werden, wodurch sich eine natürliche Balance und Körperhaltung herstellen lassen. Gleichzeitig werden die inneren Organe gestärkt, Muskeln, Knochen und Gelenke werden trainiert.

Das besondere an den Qi-Gong-Körperübungen ist, dass sowohl durch die Bewegungen, wie durch die Ruhepositionen, sowohl der Körper gestärkt wird, doch ebenso Entspannung und Stresskontrolle erzielt werden können. Damit wird Krankheiten vorgebeugt und das gesamte Bewusstsein auf allen Ebenen erweitert.

Die dynamischen Qi-Gong-Übungen (Dong-Gong) werden in bestimmten Formen geübt. In fließenden Bewegungen, lassen sich Körper, Atem und Bewusstsein kräftigen. Gewiss erinnern die Formen des Qi-Gong auch an jene Bewegungsabläufen im Tai-Chi. Die statischen Körperhaltungen im Qi-Gong ähneln den Positionen des indisches Yoga.

Im Qi-Gong werden insbesondere auch die anmutigen Bewegungen von fünf Tieren (Wu Qin Xi Qi-Gong) nachgeahmt: Tiger, Hirsch, Bär, Affe und Vogel (z. B. Kranich). Hierdurch wird der Durchfluss von Blut, Körperessenzen (z. B. Lymphe) und Qi im Körper erhöht.

Menschen die Beschwerden haben oder krank sind, spüren ihren Körper alleine durch ihren Schmerz. Dem entgegenwirkend ist natürlich die dynamische Qi-Gong-Übung, durch die der Praktiker ein natürliches Gefühl für seinen Körper und seine Bewegungen durch den Raum entwickelt.

Atemübungen

Durch Hektik im Alltag, durch falsche Sitzhaltung, durch Dauerkonsum angstverursachender Meldungen in TV oder sozialen Medien, wird der natürliche Atemfluss irritiert. Die Folge: der Atem wird allmählich immer flacher. Beim Einatmen füllt sich zwar unsere Brust mit Luft, doch nur wenig Luft gelangt in den Bauch. Außerdem erzeugen Stressmomente, oder schockierende Nachrichten, wenn auch unbewusst, immer eine Störung des unwillkürlichen Atemprozesses. Wer nun über lange Jahre hinweg falsch atmet, bringt sich aus dem Gleichgewicht, sowohl körperlich, emotional, wie ebenso geistig. Man kann durchaus sagen, dass der Durchschnittsmensch bis ins Erwachsenenalter, richtiges Atmen regelrecht verlernt. Als wir auf die Welt kamen, atmeten wir auf angeborene, natürliche Weise. Ziel der Atemübungen im Qi-Gong ist die Korrektur falschen Atmens.

Die im Qi-Gong verwendete Atemform nun, ist die Bauchatmung. Durch diese Atemübung kommen die Lebensessenzen im Körper in Fluss und die Verteilung des Qi wird harmonisiert.

Hierbei atmet man so, dass sich zuerst der Bauch ausdehnt und hernach sich die Brust mit Luft füllt. Beim Ausatmen gibt man Acht, dass sich umgekehrt am Ende der Atembewegung der Bauch beim Ausatmen zusammenzieht – nicht angestrengt, doch ganz natürlich uns sanft. Es reicht vollkommen aus, diese Bewegung ganz allmählich und sanft, in unser natürliches Atmen zu integrieren.

Nicht aber alleine die Technik ist wichtig, sondern vielmehr das regelmäßige Üben. Wieso? Man lernt eben wieder bewusst zu Atmen. Atmen ist Leben!

Regulierung geistiger Vorgänge

Den Geist im Hier und Jetzt zu stabilisieren ist eines der Ziele des Qi-Gong. In verschiedenen buddhistischen Traditionen versucht man Geistesaktivität zu beruhigen, indem man sich auf ein äußeres Objekt konzentriert (etwa auf den durchsichtigen, bläulichen Teil der unteren Flamme einer Kerze) oder in innerer Konzentration auf den Atem, in dessen Rhythmus etwa ein besonderes Mantra gedacht wird (das kann z. B. auch die Rezitation eines Gebets sein). Der Geist lässt sich dabei durch Vergegenwärtigen des aktuellen Moments stabilisieren.

Zwar ist es unmöglich nicht zu denken, zumindest aber können wir uns für bestimmte Zeitspannen in einen inneren Raum geistiger Ruhe und Leere begeben. Ziel ist einen Grundzustand reinen Bewusstseins zu erreichen, worin man sich von Gedanken und Emotionen löst. Das hilft Stress abzubauen und das Bewusstsein für den Augenblick zu verbessern.

Durch regelmäßiges Üben eines gegenwärtigen Bewusstseins, wird die Wahrnehmung achtsamer: allmählich zeigen sich die Dinge in ihrer wahren Form.

Im Qi-Gong werden die Körper- und Atemübungen kombiniert. Wer diese Qi-Gong-Praxis vollbewusst und aufmerksam praktiziert, sich gleichzeitig auf Bewegungs- und Atmungsform konzentriert, dem bleibt gar nichts anderes übrig, als den Gedankenstrom zum Erliegen zu bringen. So lassen sich ärgerliche Erinnerungen aus der Vergangenheit langsam auflösen und auch projizierte Zukunftsängste werden in ein Gewahrsein des Jetzt verwandelt und dabei ihre negative Wirkung entspannt.

Nur die Gegenwart ist wahr – Vergangenheit und Zukunft sind reine Projektionen unseres Geistes. Wer das verstanden hat ist auf dem besten Weg seinen Stress zu mindern und sich aus seinen Sorgen zu entwirren.

Gesundheit bewahren

Ruhe und Entspanntheit für Körper und Geist: das sind die Voraussetzungen für ein gesundes Leben. Wer Qi-Gong übt, kann diesen Zustand bewahren und ein stressfreies Leben gestalten.

Häufig leiden wir unter dem, was einst vorgefallen ist, teilweise etwas das weit in der Vergangenheit liegt. Es sind die Erinnerungen, die unseren Geist eintrüben und sich manchmal zu Verhärtungen in unserem Körper aufschichten. Doch um so etwas aufzulösen, müssen wir uns auf eine Sache konzentrieren: das Loslassen.

Doch nicht allein was in uns oder aus unserer Vergangenheit an uns dranhängt: auch äußere Lasten müssen wir nach und nach abbauen. Es führt manchmal sogar kein Weg daran vorbei, mit etwas auch einfach Schluss zu machen, von jetzt auf gleich. Natürlich können auch solche Loslösungen Belastungen mit sich bringen. Doch dies sind temporäre, negative Emotionen, durch die uns auch Qi-Gong-Übungen hinweghelfen können.

Es gilt nicht alleine den Körper stark zu halten, sondern auch den Geist. Ein starker Geist aber ist vor allem eins: er ist klar und ruhig. Ist das der Fall, kann Qi-Energie fließen, die auch unseren Körper befähigt mehr Kraft und Gesundheit zu akkumulieren.

Umgang mit Krankheit

Es ist schwieriger eine Krankheit zu heilen, als sie zu verhindern. Wer regelmäßig Qi-Gong übt, kann einer Krankheit vorbeugen. Doch auch wenn jemand bereits krank ist, können Qi-Gong-Übungen eine entscheidende Rolle spielen bei der Wiederherstellung eines gesundheitlichen Gleichgewichts.

Alle Qi-Gong-Übungen basieren auf den polaren Urprinzipien von Yin und Yang – Dunklem und Hellem, Weichem und Hartem, Langsamem und Schnellem, Innerem und Äußerem. Im Qi-Gong wird versucht diese polaren Größen miteinander zu harmonisieren, mit dem Ziel den Fluss von Qi im Organsystemen, in den Meridianen und in den Körperessenzen anzuregen.

Qi-Gong für ein langes Leben

Qi-Gong war im Alten China keineswegs eine Alltagspraxis. Nur die Eingeweihten in den Klöstern der buddhistischen und der taoistischen Traditionen, hatten Zugang zu diesem esoterischen Wissen. Man lehrte dort, wie man die Urkraft Qi, über die geheimnisvollen acht Nebenmeridiande, in das Knochenmark leitet, um es dabei zu reinigen und zu energetisieren. Diese Übung war in etwa so, als würde man überschüssige Qi-Energie im Innern der Knochen speichern. Das ist natürlich sehr interessant vor dem Hintergrund, das ja der wichtigste Lebenssaft unseres Körpers, nämlich das Blut, im Knochenmark gebildet wird.

Der Legende nach, war jenen die mit dieser Technik vertraut waren ein sehr langes Leben gewiss: manche sprechen von einer Lebensspanne von gar 150 Jahren oder länger. Ein taoistisches Sprichwort saht dazu:

Einhundertzwanzig Jahre bedeutet, jung zu sterben.

Obwohl sich nur wenige von uns der strengen Praxis dieser Mönche widmen können, bleibt unbestritten, das das Üben von Qi-Gong einen hohen gesundheitlichen Nutzen hat und die allgemeine Lebensqualität fördert.

Auf dem Weg zum Licht

In ihrem Streben nach höherer Bewusstheit, verwenden buddhistischen Weise und die Adepten des Tao, die esoterischen Techniken des Qi-Gong. Dabei versuchen sie ihr Shen, ihre hochgeistigen Fähigkeiten, zu beeinflussen. Dies erfolgt über die oben erwähnte Steuerung des Qi-Flusses, über die acht Nebenmeridiane, in Richtung der Stirnmitte. So erhöhen sie ihre Bewusstheit, gelangen darüber auf einen höheren Zustand eines Superbewusstseins.

Doch auch jeder Andere, kann sich solch einer hohen Wahrnehmung annähern, indem er regelmäßig Qi-Gong übt. Denn jedem steht es offen, so wie auch jene Adepten, einen Weg zur Erleuchtung zu finden.

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Der Körper in der Traditionellen Chinesischen Medizin

von S. Levent Oezkan

Vor bereits mehr als 2200 Jahren entstand in Fernost eine umfassende Heilkunde: Die Traditionelle Chinesische Medizin - kurz: TCM. Ihre Lehren beschreiben die Vorgänge dynamischer Harmonisierung von Yin und Yang. Sind sie im Gleichgewicht, ist ein Mensch gesund.

Älteste Schrift über chinesische Medizin ist das Huangdi Neijing aus dem 3. Jhd. v. Chr. Dieses umfassende Medizinische Lehrwerk enthält die theoretischen Konzepte der Traditionellen Chinesischen Medizin und bildet bis heute die praktische Grundlage aller chinesischen Heilkunde.

Hierzu schufen chinesische Mediziner zwischen dem 3. und 16. Jhd. riesige Enzyklopädien und kommentierten ausführlich die klassischen Werke der TCM.

Die Urkräfte Yin und Yang

Zentrale Größen der chinesischen Weisheitslehre des Tao, bilden die polaren Urkräfte des passiven Yin und des aktiven Yang. Sie durchfließen atomare Strukturen ebenso, wie den menschlichen Körper, als auch den gesamten Kosmos. 

Die Organe des menschlichen Körpers werden entweder dem Yin- oder dem Yang zugeordnet. Yin-Organe stehen für Weiblichkeit, Ergebenheit, Verdichtung, Kälte und Dunkelheit. Yang-Organe stehen für Männlichkeit, Ausdehnung, Bewegung, Hitze und Licht.

Vereint bilden Yin und Yang eine Quelle göttlicher, heilender Energie, die den Fluss der Lebenskräfte begünstigt. Einer Person geht es gut, wenn Yin und Yang in ihrem Körper im Gleichgewicht sind. Störungen dieses Gleichgewichts führen zu Krankheiten.

Grundlagen chinesischer Heilkunst

Wer sich mit Traditioneller Chinesischer Medizin beschäftigt, lernt den Umgang mit Heilpflanzen, lernt verschiedene geistige und körperliche Übungen, wie etwa Akupunktur und Tai-Chi. Mit diesen Methoden lässt sich der Fluss von Yin und Yang im menschlichen Körper harmonisieren, lassen sich Krankheiten heilen, doch auch Menschen vor Gesundheitsproblemen schützen.

Chinesische Heilpflanzenkunde

Der chinesische Heiler greift hierbei zurück auf eine gigantische Sammlung traditioneller Heilmittel, die vielfältig kombiniert werden. Darunter sind insbesondere pflanzliche, doch auch mineralische und tierische Heilmittel (z. B. getrocknete Schlangen, Skorpione).

Von den Pflanzenheilmitteln werden Blätter, Wurzeln, Stengel und Samen verwendet. Die aus Blättern gewonnenen Mittel werden oft zu besonderen Heiltees gemischt, oder zu Kapseln, Flüssigextrakten und Pulvern weiterverarbeitet.

Akupunktur

In dieser chinesischen Heilmethode geht es um eine ganze Gruppe verschiedener Verfahren, die den Körper über die Haut, an bestimmten Punkten behandelt. Hierzu werden besondere Nadeln verwendet, die in die Oberhaut gesteckt werden oder aber Wärmequellen, die in der Nähe dieser Punkte abgebrannt werden. Auch können diese Akupunkturpunkte durch Fingerdruck stimuliert werden. Man spricht dann von Akupressur.

Qi-Gong

Diese uralte Geistes- und Körperübung erstrebt durch besondere Bewegungen und Atmung, eine Fokussierung des Geistes. Die dabei eingenommenen Posen wirken entspannend auf den Körper und beruhigend auf den Geist.

Heilpraxis der Chinesen

In der TCM sucht man nach Krankheiten und Disharmonien eines Klienten, ganz anders als in der westlichen Medizin. Ein chinesischer Heiler riecht, hört die Atmung seines Klienten und die Art seiner Sprache, er betastet die Haut, er sieht sich Form und Farbe der Zunge an und erfühlt mit seinen Fingern die Qualität des Pulses.

Außerdem macht er Gebrauch vom Konzept der fünf Wandlungsphasen (Wuxing). Dabei schaut er sich das Verhalten des Körpers an, in Bezug auf die natürlichen Gesetze, sowie ihre unzähligen, sichtbaren wie unsichtbaren Korrespondenzen. Die inneren Organe stehen unter direktem Einfluss von fünf elementaren Wandlungsphasen: Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Sie werden auch als die taoistischen Elemente bezeichnet. Mit ihnen werden wir uns später noch ausführlich beschäftigen.

Funktionelle Instanzen in der TCM

Es gibt fünf Instanzen, die für den chinesischen Heiler von Bedeutung sind:

  • die universelle Lebenskraft – Qi,
  • das Blut – Yue,
  • die Essenz – Jing,
  • die Elementarphasen – Zang-Fu und
  • die Meridiane – Jing-Luo.

Wir hatten oben gesagt, dass in jedem Körperorgan die Urkräfte Yin und Yang wirken. Außerdem sind diese Organe untereinander gepaart. Das bedeutet, dass sie ihre Kraft über das Blut austauschen, woraus sie wiederum Qi speichern, um damit bestimmte Vorgänge auszuführen. Sie jedoch stehen in Zusammenhang mit ihrem entgegengesetzten Yin- bzw. Yang-Organ. Die Meridiane bilden dabei das verbindende funktionale System und durchstreben den gesamten Körper.

Wir wollen nun genauer eingehen auf die Elemente dieses fünffältigen Modells des Körpers in der TCM.

Qi

Es gibt viele Formen von Qi – der kosmischen Lebenskraft. Grundlegend werden fünf Funktionen in der TCM unterschieden:

  • Das Aktivierungs-Qi wirkt auf den Körperkreislauf von Blut, Lymphen und Körpersäften, die in den Zang-Organen (Leber, Herz, Milz, Lungen, Nieren), den Fu-Organen (Gallenblase, Dünndarm, Magen, Dickdarm, Harnblase, Dreifacher Erwärmer) und durch die Meridiane strömen.

  • Wärmendes Qi gibt Körper und Gliedmaßen die benötigte Temperatur.

  • Abwehrendes Qi schützt den Körper vor äußeren, krankheitserregenden Einflüssen.

  • Bewahrendes Qi behält die Körperflüssigkeiten zurück, das Blut in den Adern, den Schweiß in den Drüsen und bewahrt vor exzessiver Ausschüttung.

  • Das Transformations-Qi bewirkt die Umwandlung von Essen, Getränken in Blut und in Wärme.

Das Qi im Körper entsteht aus der aufgenommenen Nahrung, dem getrunkenen Wasser und der Atemluft. Ein weiterer Teil des Qi wird uns aber auch von unseren Eltern vererbt, sowie aufgenommen im Austausch mit unseren Mitmenschen. Manche geben uns, andere nehmen uns Qi.

Einen ausführlichen Artikel über die Lebenskraft Qi finden Sie hier.

Xue – Blut

Im Gegensatz zu den überwiegend funktionellen Instanzen, entspricht Xue vor allem der Physis und damit dem Yin des Körpers. Denn über das Xue werden alle Körperbestandteile (Gewebe, Feuchtigkeit) mit den von ihnen benötigten Stoffen versorgt.

Ein Mangel an Xue führt zu Blassheit, Taubheitsgefühl, Schwindelgefühlen, doch andererseits auch zu Herzrasen, Schlaflosigkeit, schwachem Puls.

Jing – Essenzen

Wie auch das Xue bestimmen die Yin-Kräfte die Jing. Sie sind verantwortlich für die Nährung und die Zufuhr von Feuchtigkeit, worüber sie das Gleichgewicht von Yin und Yang im Körper regeln. Über die Jing kommt es außerdem zur Ausscheidung von Exkrementen.

Wie auch das Xue, extrahiert der Körper das Jing aus Essen und Trinken. Aus den groberen Bestandteilen wird Xue. Doch auch umgekehrt kann Jing aus Xue entstehen. Materiell entstehen aus den Jing Tränen, Speichel, Magensäure, Schweiß, Urin und Sperma.

Jing-luo – Meridiane

Die Meridiane der TCM sind feinstoffliche Kanäle, über die den Gliedern und Gelenken, Qi und Xue aus den inneren Yin- und Yang-Organen zufließen.

Sechs Yin- und sechs Yang-Organe bilden gemeinsam die 12 Hauptmeridiane. Außerdem gibt es acht Sondermeridiane, die dem Ausgleich der Hauptmeridiane dienen.

Das Energienetz der Meridiane verbinden Organe, Gewebe, Venen, Nerven, Zellen, bis auf atomarer Ebene, wie auch auf Ebene menschlichen Bewusstseins.

Meridiane - ewigeweisheit.de

Darstellung der Meridiane in einer japanischen Handschrift (Anfang 18. Jhd.)

Zang-fu – Die elementaren Organfunktionen

Das zentrale System der Körperfunktionen in der TCM, ist das Zang-Fu. Zang-Fu steht in enger Verbindung mit den 12 Hauptmeridianen im Körper. Jeder Yin-Meridian ist mit dem Zang verbunden, jeder Yang-Meridian mit dem Fu. Wie die Schreibweise bereits vermuten lässt, bildet sich der Begriff aus zwei Wörtern:

  • Zang weist hin auf die fünf Yin-Organe: Herz, Leber, Milz, Lungen und Nieren.
  • Fu steht für die sechs Yang-Organe: Dünndarm, Dickdarm, Galle, Harnblase, Magen und Dreifacher Erwärmer.

Der Dreifache Erwärmer ist eine Besonderheit in der TCM. Er bezeichnet die Art und Weise wie das Bindegewebe zwischen den drei Bereichen von Brustraum, Unterleib und Becken, diese voneinander abgrenzt.

Hautaufgabe des Zang ist die Herstellung und Speicherung von Qi und Xue (Blut). Mit ihnen werden Atmung, der Wasser-Stoffwechsel und die Verdauung geregelt. Doch sie wirken auch mit im Alterungsprozess, in emotionalen Vorgängen, stabilisieren die Sinneswahrnehmung und Geistestätigkeit des Gehirns. Aufgabe der Fu Organe ist die Beförderung der Stoffe im Körper, ihre Verdauung und Ausscheidung.

Im Folgenden wollen wir uns die funktionalen Aspekte der fünf elementaren Wandlungsphasen (taoistische Elemente) ansehen.

Fünf Wandlungsphasen im Überblick

  木 Holz 火 Feuer 土 Erde 金 Metall 水 Wasser
Geschmack sauer bitter süß scharf salzig
Umwandlungen Zeugung Wachstum Reife Ernte Aufbewahrung
Geometrie Zylinder Pyramide Quader Kuppel irregulär
Planeten Jupiter Mars Saturn Venus Merkur
Yin-Organe Leber Herz Milz Lunge Niere
Yang-Organe Gallenblase Dünndarm Magen Dickdarm Blase

Organe des Holzes

Die kreativen Kräfte des Holz-Elements regulieren das Körperwachstum. Diesem Element zugeordnete Organe sind Leber und Gallenblase.

Yin: Die Leber ist ein Yin-Organ steuert auf Zellebene den Energiefluss im Körper. Sie hat einen starken Einfluss auf die Effizienz und Wirksamkeit des Immunsystems. In der Leber speichert der Körper Blut, das als physische Manifestation des Selbst gilt. Somit wirkt das Holz-Element der Leber auch auf unseren seelischen Haushalt und steuert das Wesen des Selbst.

Zustand: Ungleichgewichte der Leber können Launenhaftigkeit, Ärger, Schmerz und mangelndes Selbstwertgefühl hervorrufen. Auf körperlicher Ebene kann ein disharmonisches Holz-Element der Leber zu Muskelkrämpfen führen, aber auch zu Taubheit, Zittern, Bluthochdruck oder Arthritis.

Meridian: Der Lebermeridian beginnt am großen Zeh. Von dort aus verläuft er entlang des inneren Beins über die Genitalien und endet auf der Brust.

Yang: Die Gallenblase als holzkontrolliertes Yang-Organ, bestimmt die Entscheidungsfähigkeit eines Menschen.

Zustand: Hat ein Mensch Ungleichgewichte im Gallenblasensystem, kann das auf emotionaler Ebene dazu führen, dass ein Mensch unentschlossen ist. Auf physischer Ebene führt eine entsprechende Disharmonie zu Fettleibigkeit.

Meridian: Der Gallenblasenmeridian beginnt am äußeren Rand des Auges, verläuft entlang der Kopfseite, über den Rumpf und das Bein, bis er an der Außenseite des vierten Zehs endet.

Organe des Feuers

Des Feuers Kraft steht für Transformation und entspricht der Macht des Göttlichen. Herz und Dünndarm werden vom Feuer reguliert.

Yin: Als Yin-Organ steuert das Herz den Puls und manifestiert sich im Gesicht und in der Zunge. Auf spiritueller Ebene steht es für die geheime Verbindung zwischen Mensch und Himmel.

Zustand: Ist die Funktionsfähigkeit des Herzens gestört, führt das zu Schlaflosigkeit, zur Störung des Geistes und zu unregelmäßigem Puls.

Meridian: Der Herzmeridian beginnt in der Brust, bewegt sich über die innere Seite des Arms bis zur Handfläche und endet im kleinen Finger.

Yang: Der Dünndarm als Yang-Organ, trennt Reines von Unreinem im Körper. Die reinen Körperessenzen gehen zur Milz, während die unreinen Essenzen in die Blase und den Dickdarm abgegeben werden.

Zustand: Eine Dysfunktion des Dünndarms führt zu Problemen mit der Körperhülle. Auf emotionaler Ebene wirkt eine Disharmonie in diesem Bereich zu Gefühlen des Misstrauens, auch hinsichtlich des eigenen Selbstwertgefühls.

Meridian: Der Dünndarmmeridian beginnt am kleinen Finger, bewegt sich an der Unterseite des Arms bis zur Oberseite des Schulterblatts, dann entlang des Halses bis an die Vorderseite des Ohres.

Organe der Erde

Erde ist das Element der Weiblichkeit und der Fruchtbarkeit. Es regiert die Milz und den Magen.

Yin: Die Milz ist ein Yin-Organ, das Verdauung und Stoffwechsel reguliert. Es hält Muskeln und Organe zusammen. Außerdem reguliert es die aufsteigenden Flüsse von Körpersäften und Essenzen. Mental hilft die Milz bei der Konzentration.

Zustand: Befindet sich die Milz im Ungleichgewicht, kommt es zu einem Mangel an Qi im Körper. Das führt zu Kopfschmerzen doch kann ebenso zu Durchfall und Organvorfällen führen.

Meridian: Ein Ende des Milzmeridians befindet sich am großen Zeh, bewegt sich über die Innenseite des Beins, bis zur Vorderseite des Torsos und endet an der Seite des Rumpfes.

Yang: Der Magen ist das aktivste Yang-Organ. Durch seine Energie wird bekanntermaßen Nahrung zerlegt. Er reguliert den absteigenden Fluss von Qi im Körper.

Zustand: Ein Ungleichgewicht des Magen-Yangs führt zu Aufstoßen oder sogar zu Erbrechen.

Meridian: Der Magenmeridian beginnt unterhalb des Auges, verläuft auf der Vorderseite des Gesichts über den Torso bis zum äußeren Teil des Beins und endet am dritten Zeh.

Organe des Metalls

Metall ist das Element der Reinheit und der Männlichkeit. Es reguliert die Lunge und den Dickdarm.

Yin: Die Lunge ist ein Yin-Organ. Mit dem Einatmen sammelt man über die Lunge neues Qi im Körper. Mit dem Ausatmen werden die schweren, unreinen Anteile des Atems aus dem Körper entfernt. Die Lungen sind also für die Verteilung des Qi im Körper verantwortlich und bereichern damit die Flüssigkeiten im Körper. Auch der Geruchssinn wird von der Lunge reguliert.

Zustand: Funktionsstörungen der Lunge führen zu Erkältungen, Grippe, Schleim und Asthma.

Meridian: Der Lungenmeridian beginnt bei der Brust und bewegt sich entlang des inneren Arms über die Handfläche und endet am Daumen.

Yang: Der Dickdarm ist ein Yang-Organ. Er ist für die Ausscheidung fester Abfallprodukte verantwortlich. In Zusammenhang mit der Fähigkeit zur Ausscheidung, stehen aber auch emotionale Themen, die mit Loslassen und Lösen zu tun haben.

Zustand: Ungleichgewichte im Dickdarm führen entweder zu Verstopfung oder zu Durchfall.

Meridian: Der Dickdarmmeridian beginnt am Zeigefinger und verläuft am Armrücken über die Schulter, den Nacken und die Wange und endet neben dem gegenüberliegenden Nasenloch.

Organe des Wassers

Wasser steht in der TCM synonym für Leben und Tod. Es reguliert den Wasserhaushalt von Nieren und Blase.

Yin: Die Nieren sind Yin-Organe. Sie steuern das endokrine System und erhalten außerdem Luft in den Lungen.

Zustand: Eine Nierenfunktionsstörung führt zu einem Mangel an Yin oder Yang. Es führt auch zu unausgewogenen Hormonen, schwächt den Knochenbau und stört den Sexualtrieb. Eine gestörte Verteilung von Yin und Yang in den Nieren ruft auch Schwindelgefühle im Menschen hervor. Zuviel vom Wasserelement kann außerdem depressive Episoden hervorrufen.

Meridian: Der Nierenmeridian beginnt an der Sohle, bewegt sich entlang das inneren Beins in die Leistengegend, den Rumpf hinauf und endet unter dem Schlüsselbein.

Yang: Die Blase speichert und entfernt Flüssigkeit aus dem Körper, durch das von ihr aufgenommene Nieren-Qi.

Zustand: Ungleichgewichte der Blase führen zu häufigem oder unkontrolliertem Urinieren.

Meridian: Der Blasenmeridian beginnt im Augenwinkel, bewegt sich den Rücken entlang nach unten und endet in der Kniekehle. Die Blase hat auch eine andere Linie, die neben der vorherigen Linie beginnt, sich bis zum äußeren Fußrand bewegt und am kleinen Zeh endet.

Yin und Yang im Gesamtsystem Mensch

Durch die Meridiane fließt die Lebensenergie Qi. Sie hilft dem Körper seine Yin- und Yang-Kräfte zu harmonisieren. Sind Yin und Yang nicht im Gleichgewicht, wird ein Mensch krank. Auf diesem einfachen Prinzip beruhen die Heilkünste der TCM.

Während sich westliche Medizin auch stark um die anatomischen Strukturen des menschlichen Körpers kümmert, widmet sich die TCM insbesondere den funktionellen Prozessen im Körper, der Verdauung, der Atmung, der Art des Pulses und der Temperatur. Weniger geht es also um die körperlichen Strukturen, als vielmehr um die dynamische Aktivität im Gesamtsystem Mensch. Das heißt, dass Körperfunktionen, Emotionen, Sinneswahrnehmungen und geistige Aktivität nicht getrennt voneinander untersucht werden, sondern als funktionelle Einheiten verstanden. Diese stehen also eher für dynamische Konzepte als weniger für biochemische Vorgänge oder anatomische Eigenschaften. Damit also ist die TCM eine ganzheitliche Heilkunde, die versucht, statt Symptome zu behandeln, das Gleichgewicht zwischen Yin und Yang im Körper wieder herzustellen oder zu erhalten.

 

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