Asana

Was ist Meditation wirklich?

Was ist Meditation wirklich?

Meditation ist ein Überbegriff für viele unterschiedliche und zum Teil auch augenscheinlich gegensätzliche Bewusstseinsübungen. Die Einen assoziieren Meditation mit einer im Lotussitz verweilenden Person, für Andere ist das hemmungslose Tanzen bis zum Umfallen der Inbegriff von Meditation.

Wortwörtlich bedeutet Meditation so etwas wie nachdenken, nachsinnen (lat. meditatio). Der angestrebte Bewusstseinszustand entspricht jedoch einer Erfahrung von Gedanken-losigkeit, einer friedlichen Stille, einer Erfahrung von Eins-sein.

Der Ursprung der in vielen Religionen und Kulturen ausgeübten spirituellen Praxis liegt viele Jahrtausende zurück, auch wenn die heutzutage unter "Meditation" ausgeübte Tätigkeit sich von den ursprünglich nur mündlich weitergereichten Lehren unterscheiden dürfte. Die ältesten Schriften, die sich umfassend mit Meditation befassen findet man in der hinduistischen Tradition um 1500 v. Chr.

Schriften über "Yoga", das in ursprünglicher Wortverwendung Weg und Ziel von Meditation ist, reichen bis 1000 v. Chr. zurück, die Meditation im Buddhismus bis 500 v. Chr. Die Meditationspraxis wurde auch im Zusammenhang mit dem Taoismus und dem Judentum erwähnt.

Es stellt sich jedoch die Frage, warum diese uralte spirituelle Praxis aktuell Millionen von Menschen inspiriert ihr Leben zu verändern. Was ist Meditation wirklich?

Meditation im Hinduismus und Yoga

In der Bhagavad Gita, einer der zentralen Schriften indischer Kultur, ist Meditation (Sanskrit Dhyana) die letzte Stufe der Yogapraxis vor dem Erreichen des Superbewusstseins (Samadhi). Die ersten fünf des achtgliedrigen Pfades (Ashtanga, Raja Yoga) beschreiben somit Voraussetzungen, die für eine erfolgreiche Meditation erfüllt sein müssen. Diese umfassen ethische und moralische Disziplinen, den ruhigen Sitz (Asana) und Konzentration des Energieflusses und des Geistes. Die Kontrolle der eigenen Lebensenergie und Zusammenführung von Körper und Geist erfolgt hierbei auch durch spezielle Atemübungen (Pranayama). Der Zustand des Superbewusstseins, der mit der Meditation beginnt, wird beschrieben als eine Erfahrung von absoluter Stille, Frieden und unfassbarer Freude.

Der achtgliedrige Pfad stellt laut der Bhagavad Gita aber nur eine von vier Möglichkeiten dar, das Meditationsziel zu erreichen. Ebenso sollen der Weg der Liebe (Bhakti), der Weg des selbstlosen Handelns (Karma) und der Weisheit (Jnana) zu der Erfahrung des erfüllten Eins-seins führen.

Meditation im Buddhismus

Die Meditation im Buddhismus wird ebenfalls durch die vollständige Konzentration auf ein einziges Objekt, meist den Atem eingeleitet. Auch andere Meditationsobjekte, insbesondere Mantras, die auch in hinduistischer Tradition Verwendung finden, dienen als Fokus zur vollständigen Beruhigung des Geistes und der Entdeckung des wahren Selbst.

Die buddhistische Tradition ist darüber hinaus als Ursprung der Achtsamkeitsmeditation (Sati) zu sehen. Der Geist darf hierbei auch auf Geistesobjekten, körperlichen Empfindungen oder Gefühlen, die im gegenwärtigen Moment präsent sind, ruhen. Diese gerichtete und nicht wertende Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Augenblick ist die Bewusstheit, die man als Achtsamkeit bezeichnet.

Auch die Entwicklung von Liebe, Mitgefühl, Mitfreude und Gelassenheit (Brahmavihara) ist ein besonderer Fokus der buddhistischen Meditationspraxis.

Meditation in den alternativen Bewegungen des Westens

Die Praxis der Meditation hat mit Beginn des 20. Jahrhunderts zunehmend die alternativen Szenen des Westens erreicht, sowohl über indische Yogis als auch buddhistische asiatische Lehrer und einem breiten Angebot an Übersetzungen von Westlern.

Die Vielzahl von Meditationsformen, die daraus entstanden sind, haben von außen betrachtet kaum Gemeinsamkeiten und lassen sich bestenfalls auf einem Kontinuum von stiller bzw. passiver Meditation hin zu dynamischer bzw. aktiver Meditation einordnen. Passive Meditationsformen werden meist in einer ruhigen Haltung praktiziert und bringen den Geist durch Konzentration auf einen fixen Punkt zur Ruhe. Der Körper wird als vorrübergehender Sitz der Seele angesehen und mit dem Rückzug aus den Sinneswahrnehmungen (Prathyahara) kann die Identifikation mit dem wahren Selbst, die Erfahrung des erfüllten Eins-seins gelingen. Aktive Meditationsformen scheinen in ihrer Vielzahl vor allem als Produkt von östlichen und westlichen kulturellen Einflüssen entstanden zu sein. Das breite Spektrum reicht von dynamischer Tanzmeditation, über Hatha Yoga bis hin zu von Kampfkunst inspirierten Bewegungsabläufen. Dennoch ist die aktive Meditation keineswegs eine Erfindung des heutigen Zeitalters. Bereits die Praxis von Karma und Bhakti Yoga, bei der selbstloses Handeln oder auch gemeinsames Singen im Vordergrund steht, ebenso wie das Tanzen, das in unzähligen alten Kulturen zur Erweiterung von Bewusstseinszuständen praktiziert wurde, könnte als aktive Meditation verstanden werden.

Aber worin liegt jetzt der gemeinsame Nenner aller dieser Praktiken, was bedeutet "Meditation" angesichts dieser Vielzahl an Tätigkeiten? Und wieso ist die Meditationspraxis so relevant?

Es wird offensichtlich, dass nicht das "was“, sondern das "wie" des Tuns kennzeichnend für die Praxis der Meditation ist. So kann das stille Sitzen im Lotus zu einer Möglichkeit des Verstandes werden wild in Gedanken umherzuschweifen, über den Ärger mit den Nachbarn bis zur nächsten Urlaubsplanung. Andererseits kann selbst das Geschirr waschen zur Gelegenheit werden, den eigenen Körper in Bewegung zu beobachten, den Kontakt mit dem Wasser zu spüren und damit die Gedankenkreise loszulassen. Die Konzentration auf das Hier und Jetzt, mit vollständig klarer Bewusstheit, sei es über den Fokus auf eine Sinneswahrnehmung oder auf ein Objekt des Geistes, ist wohl zentral in jeder Form der Meditationspraxis.

Meditation als Trend und Fokus westlicher Wissenschaft

Gerade in den letzten Jahren wird die Achtsamkeitsmeditation immer beliebter und sowohl zur Produktivitätssteigerung von Arbeitskräften als auch für therapeutische Zwecke im klinischen und psychotherapeutischen Bereich angewendet. Verschiedenen Meditationsformen und Achtsamkeitstrainings werden in wissenschaftlichen Studien ein weitreichender positiver Einfluss auf die psychische und körperliche Gesundheit, sowie der allgemeinen Lebenszufriedenheit und dem Wohlbefinden zugeschrieben.

Es ist aber nicht zu vergessen, dass der Ursprung und die Kraft der Jahrtausend alten Meditationspraxis darin besteht, das Alltagsbewusstsein und damit die Gebundenheit an die physische Welt zu transzendieren. Die Erfahrung des Eins-seins mit der Quelle der Schöpfung und Allem was ist geht wohl über jegliche Freude über materiellen Erfolg hinaus. Das Erreichen des Superbewusstseins ist jedoch nichts, was üblicherweise in einem Wochenendseminar mal schnell passiert. Es ist auch keine selbsterarbeitete Leistung, sondern vielmehr ein seltenes Phänomen, was oft denen Menschen zuteilwird, die bereit sind ihr Leben hingebungsvoll der Mediationspraxis zu widmen.

Was ist die richtige Methode für mich?

Um von den unzähligen Vorzügen und Wirkungen von Meditation zu profitieren ist es jedoch keineswegs notwendig sein Leben dafür aufzugeben. Bereits 10 minütiges regelmäßiges Meditieren oder die gelegentliche Teilnahme an Meditationsretreats hat Studien zufolge einen positiven Einfluss in Form von Stressreduktion, Verbesserung des Immunsystems, Verlangsamung des Alterungsprozesses, Linderung von Schmerzen, besseren Konzentrationsleistungen, körperlicher Leistungsfähigkeit, einer Zunahme von Mitgefühl, Einfühlungsvermögen und Kreativität.

Ein guter Anfang kann die passive Meditation im Sitzen sein, bei der das Ein- und Ausströmen des Atems im Fokus ist. Beim Abschweifen der Aufmerksamkeit auf die Gedanken wird diese einfach wieder sanft zurück zum Atem geholt, immer und immer wieder.

Auch die Wahrnehmung des Körpers, durch das absichtslose Scannen, von den Zehenspitzen bis zur Kopfkrone, hat einen besonders erdenden und beruhigenden Effekt.

Die aktiven Meditationsformen werden oft mit Aspekten der Selbstentwicklung verbunden, was eine Möglichkeit sein kann, sich von alten Mustern und Gewohnheiten zu befreien und das Leben immer mehr lieben zu lernen.


Bei der Auswahl der richtigen Meditationspraxis ist es essentiell, sich von dem eigenen inneren Kompass, der eigenen Intuition leiten zu lassen. Denn nur du selbst, weißt am besten, was du im Moment brauchst, was dich weiterbringt. Gib aber nicht gleich auf, sobald du auf diesem Weg inneren Widerständen begegnest, die Meditationspraxis bedeutet auch Willenskraft und Selbstdisziplin aufzubauen und innere Barrieren zu überwinden.

So lange, bis man vielleicht zu der Realisation kommt, dass alles bereits perfekt ist, so wie es ist.