Atem

Über Wesen und Wirken der kosmischen Lebenskraft Qi

von S. Levent Oezkan

Qi Lebenskraft - ewigeweisheit.de

Qi ist Lebensenergie. Das gesamte Universum ist von dieser ätherischen Substanz erfüllt. Aus Qi, so die alten chinesischen Weisen, setzen sich alle Dinge im Kosmos zusammen. Auch ein Mensch lebt da in ihm die elementare Lebenskraft Qi zufließt.

Vielleicht könnte man sich Qi als etwas vorstellen, das die moderne Wissenschaft als Modell der Quanten-Felder liefert: subatomare Energie-Potential, die sich zu Licht oder Materie verdichten können.

Die eigentliche Idee von der kosmischen Qi-Kraft jedoch ist bereits sehr viel älter. Ihrer Bedeutung wurden erst sehr viel später wissenschaftliche Erklärungsmodelle angedichtet. Schon lange nämlich stand der Begriff Qi im Alten China für eine kosmische Kraft, die alles in Makrokosmos, wie auch im Mikrokosmos in Bewegung hält. Manchmal ist auch die Rede von Ki, wie etwa im Kunstwort Reiki: "geistig-seelische Lebensenergie". Oder Chi, wie in Tai-Chi: der Lehre von den "großen Gegensätzen" von Kraft und Stille. Immer aber ist das gemeint, was wir auch im Folgenden mit dem Begriff Qi bezeichnen: ein feinstoffliches Fließen, das wie der Lebensatem des Kosmos alles darin vitalisiert.

Auf der philosophischen Vorstellung einer solchen, allgegenwärtigen und universalen, spirituellen Kraft, basiert auch die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM).

Qi: spirituelles Konzept der chinesischen Philosophie des Tao

Im alt-chinesischen Tao wird das wahrnehmbare Universum als ein Zustand zirkulierenden Strömens beschrieben, worin sich ununterbrochen Umwandlungsprozesse ereignen. Aus diesem universalen Fluss ergaben und ergeben sich bis heute all die Myriaden von Formen und Arten des Seins, manifestieren sich und lösen sich wieder auf, entstehen, bestehen und verschwinden schließlich wieder. All diese Prozessen geschehen durch das Strömen des kosmischen Qi-Flusses.

Die frühen Philosophen und Alchemisten des Tao sahen im Qi eine lebendige Kraft, mit der auch der Fluss des menschlichen Atems und der Körperflüssigkeiten zusammenhängen. Nur jene unter uns, bei denen der Qi-Strom im Fluss ist, werden ein gutes Leben führen, hohes Alter und große spirituelle Fähigkeiten erlangen.

Die Lehre vom Qi ist ein grundlegendes Konzept der philosophischen Tradition des Tao. Tao bedeutet wortgemäß "Rechter Weg". Die wahre Bedeutung des Konzepts des Tao geht allerdings weit über die Bedeutung des Tao-Begriffs hinaus. Darum haften den Erklärungen über das Wesen des Tao immer auch Paradoxien an. Es sind eben nur Beschreibungen dessen was in Wirklichkeit aber unbeschreiblich bleibt. Die Worte eines großen chinesischen Weisen fassen das Konzept des Tao sehr schön zusammen:

Worte sind da, um Gedanken zu vermitteln; wir wollen die Gedanken behalten und die Worte vergessen.

- Zhuangzi (370-287 v. Chr.), chinesischer Philosoph

Zhuangzi – ewigeweisheit.de

Der Weise Zhuangzi träumt von einem Schmetterling. Illustration aus der Ming-Dynastie (1368–1644).

Über den Ursprung des Qi

Eines der klassischen Werke des Taoismus ist das Huainanzi: der "Meister von Huainan". In dieser umfassenden Schrift geht es auch um die Entstehung des Universums und die daraus geborenen Qi-Kräfte und wie sich durch sie die vielfältigen Wirkungen im Kosmos manifestieren.

Der Himmel sank als das Formlose - flüchtig, schwingend, durchdringend und amorph. Daher nennt man es auch den Höchsten Lichtkörper. Der Tao begann mit der Aufhellung der Leerheit. Dabei entstand das Universum. Das Universum ließ das Qi entstehen. Qi aber war begrenzt. Aus der himmlisch-ätherischen Klarheit - dem Yang - formte sich der Himmel. Das Schwere und Trübe, verhärtete sich als Yin und begrenzte das, was die Erde formte. Die Verbindungen zum klaren Yang, waren fließend und leicht. Die Verbindungen zum schweren und trüben Yin, waren voller Spannung. So bildete sich der Himmel und später verfestigte sich daraus die Erde. Als Essenzen von Himmel und Erde also, entstanden Yin und Yang. Aus der geballten Essenz von Yin und Yang, entstanden die vier Jahreszeiten. Aus der verstreuten Essenz der vier Jahreszeiten, entstanden die Myriaden von Wesen. Das heiße Qi des Yang ließ das Feuer entstehen. Aus der Essenz des Feuer-Qi, entstand die Sonne. Das kalte Ki des Yin sammelte sich als Wasser. Aus der Essenz des Wasser-Qi, entstand der Mond. Wegen ihrer Essenzen hielten Sonne und Mond himmlische Hochzeit, woraus Sterne und Sternzeichen entstanden.

- Aus dem Buch Huainanzi

Qi als kosmisches Energienetz

Wer auf dem Tao-Weg beginnt Meditation zu üben, der benötigt dieses universale Verständnis vom wahren Wesen des Qi. Man könnte das grundsätzliche Wesen des Qi auch als nichtmanifestiertes Potential beschreiben, als ein in sich selbst veranlagter Zustand kinetischer Bewusstheit.

Qi aber durchdringt alles im Kosmos und die Gänze dessen, was sich darin befindet, seien es Galaxien, Sonnen und Planeten, wie auch die kleinsten Samen, Zellen, und alle Struturen im molekularen Bereich. So wird also auch alles auf unserer Erde, wie Steine, Pflanzen, Tiere und Menschen vom Strom des Qi durchdrungen und belebt.

Im Menschen gehört die Qi-Energie zur Luft, zum Atem, zum Blutfluss und zu den sublimen elektrischen Strömen die durch unsere Nervenbahnen rauschen. Qi ist die wesentliche Lebenskraft, die das Wesen unseres Seins bestimmt. Es bildet aber ein Potential, dass in uns verborgen liegt und gewissermaßen darauf wartet, aktiviert zu werden.

Man könnte Qi gewiss auch gleichsetzen mit dem Prana der indischen Tradition. Prana liegt gemäß der Chakra-Lehre als potentielle Energie in der spirituellen Körperwurzel (Muladhara). Das Qi, das Blutfluss und Nervenimpulse antreibt, ähnelt gewiss dem was man in der indischen Tradition die Kundalini oder Schlangenkraft nennt. Im tibetischen Tantrismus ist da die Rede von einer "Psychischen Wärme".

Der chinesische Weise und Philosoph Chang Chieh-Pin (1563-1640), erklärte Qi folgendermaßen:

Die Qi-Energie gibt dem Kosmos seine Struktur. Ganz gleich ob ein neuer Zustand eintritt oder sich etwas umwandelt: aller Wandel basiert auf Qi und es gibt kein Wesen im Kosmos, dass nicht aus Qi entstanden wäre. Damit umfasst Qi den gesamten Kosmos, durchdringt und bewegt alles was sich darin befindet. Wie sonst als mit der Kraft des Qi scheinen Sonne, Mond, Planeten und Fixsterne, können Donner grollen und Regen, Wind und Wolken geformt werden, können alle Wesen wachsen, reifen, Früchte tragen und sich zurückziehen im Lauf der vier Jahreszeiten? Es ist Qi, dass die menschliche Existenz bedingt!

Die drei kosmischen Kräfte

Wichtigstes Ziel in der Traditionellen Chinesischen Medizin, als auch in der taoistischen Meditationspraxis, ist die Beeinflussung des Qi-Flusses im Körper. Ein Taoist kann alle Formen von Qi-Energie wahrnehmen. Sie durchdringt den Atem, die Lebendigkeit und kontrolliert das menschliche Leistungsvermögen.

Die alten chinesischen Meister sprachen von den drei "San Cai" - drei kosmischen Kraftformen des Qi:

  • Tian - himmlisches Qi,
  • Di - irdisches Qi, und
  • Ren - menschliches Qi.

Das himmlische Qi (Tian) ist die wichtigste kosmische Kraft. Sie wird ausgesendet von den Himmelskörpern, so etwa in Form der Sonnenstrahlen (Tageslicht und Wärme), durch das Mondlicht, die Gravitation der Himmelskörper (Sonne und Mond), sowie von den feineren Energien (Licht, Gravitation) der anderen Planeten unseres Sonnensystems, wie auch der weit entfernten Sterne des Tierkreises.

Wetter, Klima und auch Naturgewalten, werden von himmlischem Qi gesteuert. Da nun jedes Qi-Energiefeld nach Gleichgewicht strebt, trifft das auch zu auf das himmlische Qi: durch Wind, Regen, ja sogar durch heftige Stürme, bringt es sich ins Gleichgewicht.

Irdische Qi (Di) wird von himmlischem Qi beherrscht. Wenn zu viel Regen fällt führt das zu Hochwasser in den Flüssen, sie treten über die Ufer und ändern im Extremfall sogar ihren Lauf. Auf der anderen Seite ist eben ohne Regen kein Leben auf unserem Planeten möglich.

Die alten chinesischen Weisen lehrten, dass das irdische Qi durch besondere Kraftlinien und Energiemuster gebildet wird, deren Ströme und Kräftebündelungen, eng verwoben sind mit dem irdischen Magnetfeld und der magmatischen, unterirdischen Hitze. Auch diese Kräfte müssen im Gleichgewicht bleiben. Ungleichgewichte des irdischen Qi führen schlimmstenfalls zu Erdbeben oder Vulkanausbrüchen. Befindet sich das irdische Qi jedoch in harmonischem Gleichgewicht, so gedeiht auch die darauf lebende Pflanzen-, Tier- und Menschenwelt.

Unser menschliches Qi beeinflussen die natürlichen Zyklen von himmlischem und irdischem Qi. Daher der Wunsch mancher, durch bestimmte körperlich-spirituelle Praxis (wie etwa Qigong oder Tai-Chi) den Kreislauf des menschlichen, körperlich-geistigen Qi, mit den energetischen Kreisläufen des himmlischen und irdischen Qi in Einklang zu bringen.

Das Wesen des Qi im Menschen studierten die alten Chinesischen Weisen bereits vor 4.000 Jahren. Himmlisches und irdisches Qi bestimmen unser Schicksal. Im Wissen um die Zusammenhänge und Beziehungen zwischen der Natur und dem Menschen, schlussfolgerten die alten Weisen, dass Qi auch von Bedeutung ist in menschlichen Beziehungen (chin. "Ren Shi"). Ein wahrer Kenner der Zusammenhänge der Qi-Ströme, vermag sogar Voraussagen zu treffen über möglich eintretende Veränderungen in Bezug auf die Wünsche und Veränderungen im Temperament einer Person. So einer weiß gar gesellschaftliche Veränderungen auf den Fluss eines globalen Qi zurückzuführen.

Am wichtigsten aber bleibt das Wissen um die Zusammenhänge vom Gleichgewicht des Qi im Menschen und die damit zusammenhängenden Aspekte menschlicher Gesundheit und Langlebigkeit.

Wer also weiß dass Qi die Quelle allen Lebens ist und weiß wie es auf Körper, Seele und Geist wirkt, wie man es reguliert und positiv beeinflusst, der wird ein langes und gesundes Leben führen. So einer ist im Einklang mit der Natur und beschreitet den Pfad des Tao, in Harmonie mit Yin und Yang.

Yin und Yang – ewigeweisheit.de

Die zwei Hauptessenzen des Kosmos: Yin (schwarz) und Yang (weiß). Das Yin-und-Yang-Kosmogramm zeigt den ständigen Kreislauf der beiden Uressenzen, die sich ergänzen und jeweils ineinander enthalten sind.

Formen des Qi

Seit Jahrtausenden forschten die Weisen Chinas über die vielen verschiedenen Aspekte des menschlichen Qi. Dies umfasste die Anwendung dieses Wissens auf Massagetechniken, auf die Pflanzenheilkunde, die Meditationstechniken, wie auch auf Akupunktur und die Praxis des Qigong und Tai-Chi. 

Meditation und Qigong werden geübt, um die Gesundheit zu verbessern, sowie bestimmte Krankheiten zu heilen. Der Königsweg des Qigong führt den Taositen zur Erleuchtung. Man könnte sagen dass im Begriff des Qigong das Studium der kosmischen Kräfte des Himmels-Qi, Erd-Qi und menschlichen Qi zusammengefasst sind.

Über Qi sagen die Chinesen es repräsentiere gleichzeitig die Kräfte von Elektrizität, Magnetismus, Wärme und Licht. Elektrische Energie nennt man Dian Qi. Wärme wird durch Re Qi erzeugt. Das Wetter, wie oben bereits angedeutet, wird durch das Tian Qi gesteuert. Bei einem lebenden Menschen ist es, wie gesagt, das Ren Qi das in seinem Körper zirkuliert.

Grundsätzlich wird die Qi-Kraft in Zusammenhang mit allem Lebendigen verwendet. Was lebt, besitzt Huo Qi - lebendiges Qi. Besitzt ein Mensch die spirituelle Kraft Gutes zu vollbringen, besitzt er außerdem Zheng Qi - das Qi der Rechtschaffenen. Was aber tot ist unterliegt dem Si Qi. Spirituelle Wesen, Dämonen und Geister existieren wegen des Gui Qi.

All diese Formen des Qi sind insbesondere von Bedeutung für die Traditionelle Chinesische Medizin, das Qigong und das Feng Shui.

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

Im alten chinesischen Schriftwerk Huangdi Neijing - der "Klassischen Medizin des Gelben Kaisers" (aus dem 2. Jhd. v. Chr.) - werden erstmalig die feinstofflichen Leitbahnen des Körpers erwähnt: die sogenannten Meridiane. Sie ähneln den Nadis der indischen Tradition. Durch sie fließt Qi und zirkuliert im menschlichen Körper. Wenn dieser Qi-Energiefluss in den Meridianen unterbrochen oder blockiert wird, oder unharmonisch fließt, zeigt sich das in verschiedenen Symptomen wie Unwohlsein oder Krankheit.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin nun unterscheidet man zwischen zwei Funktionskreisen, die den Qi-Fluss im Körper befördern: Zang und Fu.

Die Organe des Zang-Funktionskreises übernehmen Speicherfunktionen und werden in der Traditionellen Chinesischen Medizin dem Yin zugeordnet. Zu diesen Organen gehören:

  1. Die Leber, Gan, in der das Blut "gespeichert" (gereinigt) wird,
  2. das Herz, Xin, das die Blutgefäße kontrolliert,
  3. die Milz, Pi, kontrolliert die Verteilung von Flüssigkeiten im Körper, sowie die Verdauung.
  4. die Lungen, Fei, lenkt die Atmung und kontrolliert das Qi (wo ja die Atemluft auf materieller Ebene dem Qi entspricht), sowie
  5. die Nieren, Shen, die den Wasserfluss im Körper kontrollieren und über die das aufgenommene Qi im Körper verteilt wird.

Die Organe des Fu-Funktionskreises übernehmen Durchgangsfunktionen und werden dem Yang zugeordnet:

  1. Die Gallenblase, Dan, ist mit Leber verknüpft.
  2. Der Dünndarm, Xiao, ist verknüpft mit dem Herzen.
  3. Der Magen, Wei, ist verknüpft mit der Milz.
  4. Der Dickdarm, Da Chang, ist verknüpft mit der Lunge.
  5. Die Harnblase, Pang Guang, ist verknüpft mit den Nieren.
  6. Der sogenannte Dreifacher Erwärmer, San Jiao, unterteilt sich in:
    • den oberen Erwärmer, Shan Jiao, der die Funktionen von Herz und Lunge umfasst,
    • den mittleren Erwärmer, Zhong Jiao, der die Funktionen von Milz und Magen umfasst und
    • den unteren Erwärmer, Xia Jiao, der die Funktionen von Leber, Niere, Dickdarm und Harnblase umfasst.

Über diese elf Funktionskreise werden also die Körperfunktionen gesteuert.

Wenn in einem oder mehreren bestimmten Funktionkreisen ein Ungleichgewicht an Qi herrscht, führt das zu Unwohlsein und körperlichen, wie geistig-seelischen Beschwerden.

Die Traditionelle Chinesische Medizin aber versucht diese Disharmonien in den Zang- und Fu-Organen auszugleichen, wie etwa durch chinesische Kräuterheilkunde, Ernährungsumstellung, besondere Körperübungen (Qigong, Tai-Chi-Chuan), durch Akupunktur oder Moxibustion.

In der Akupunktur werden besonders feine Nadeln in die Hautoberfläche des menschlichen Körpers gesteckt. Insgesamt werden 160 Punkte beschrieben, die auf den Akupunktur-Meridianen liegen. An diesen Körperstellen können sich Stauungen von Qi bilden, was zu Unwohlsein und Krankheit führt. Nadelstiche in diese Punkte, wie auch ihre Erhitzung durch die sogenannte Moxibustion (Verbrennen von getrocknetem Beifuß in der Nähe dieser Hautstellen), können energetische Blockaden lösen und im Körper den Fluss von Qi wieder harmonisieren.

Akupunktur-Punkte in der Traditionellen Chinesischen Medizin – ewigeweisheit.de

Akupunktur-Punkte in der Traditionellen Chinesischen Medizin. Illustration aus der Ming Dynastie (1368–1644).

Qigong

Der Begriff des Qigong steht für die Arbeit am Qi, seine Harmonisierung im Körper und die Kultivierung eines balancierten Qi im täglichen Leben. Im Qigong wird eine sanft-rhythmische, bewusste Atmung geübt, die dann von besonderen, langsamen Bewegungen begleitet wird. Dabei visualisiert sich der Übende den allgegenwärtigen Fluss der Lebenskraft Qi im Makrokosmos (Himmel, Erde) und im Mikrokosmos (Mensch).

Feng shui

Irdisches Qi bildet sich, wie bereits angedeutet, durch ein besonderes Energienetz das den gesamten Erdball umfasst. Der Begriff setzt sich zusammen aus den Wörtern "Wind", Feng, und Wasser, Shui.

Qi wird vom Wind zerstreut und stoppt an der Grenze des Wassers.

- Guo Po (276 – 324 n. Chr.), taoistischer Okkultist

Feng Shui ist die Geomantie der chinesischen Tradition. Sie beschäftigt sich mit dem Energiefluss von Qi an bestimmten Plätzen und Orten auf der Erde sowie in Gebäuden und Räumen. Bei der Bestimmung der geomantischen Verhältnisse des Qi, werden die Wechselwirkungen zwischen den fünf Elementen, zwischen den Yin- und Yang-Wirkungen und anderen Faktoren berücksichtigt. Die Speicherung und Verteilung von Qi an einem bestimmten Ort, wie beispielsweise in Wohnräumen, wirkt sich auf die Gesundheit, doch ebenso auf das Glück und Wohlhaben eines Insassen aus.

Jeder Gegenstand in einem Raum, wirkt sich auf den Fluss dortiger Qi-Kräfte aus, die darin entweder abgebremst, umgeleitet oder beschleunigt werden. Das hat Einfluss auf das Qi des Bewohners. Auch kann sich die Beschaffenheit des Qi über einen gewissen Zeitraum hinweg verändern, kann seine Wirksamkeit zu- oder abnehmen.

Das chinesische Zeichen für das Qi – ewigeweisheit.de

Chinesisches Schriftzeichen für Qi. Die Universalität dieses Zeichen, erstreckt sich über folgende Bedeutungen: Luft, Gas, Geruch, Geist, Stimmung, Lebensenergie, physische Energie, Klang, Atmosphäre, Atem, Atmung oder Hauch.

Verbesserung unseres Lebens durch ein Bewusstsein für das Qi

Die alten Weisen wussten dass dumme, plumpe oder gewalttätige Handlungen einen Qi-Fluss erzeugen, der wiederum Dummheit, Ruppigkeit und Gewalt begünstigt.

Elegantes und freundliches Verhalten wirkt hingegen einladend und erzeugt angenehme Qi-Ströme. Darum sollte man alle Bewegungen und sein Verhalten durch einen Sinn für Leichtigkeit und Freude begünstigen. Wer sich so verhält wird in den Genuss wahren Wohlbefindens kommen. Den Qi-Fluss verstärkt auch derjenige der mehr Gelassenheit in seinem täglichen Leben walten lässt.

Wer sich mit Tai-Chi oder Qigong befasst übt seine Achtsamkeit für besondere Bewegungsabläufe. So ein bewusstes Wahrnehmen der Lebensbewegungen kann man auch jederzeit im Alltag üben. Zweck solcher Übungen ist Geist und Körper gemeinsam wahrzunehmen und im bewussten Fühlen die Kräfte des Oben und des Unten zu harmonisieren, und dabei sein irdisches Bewusstsein auf das kosmische Bewusstsein einzustimmen.

Besonders der Wechsel zwischen verschiedenen Tätigkeiten, aber auch Körperhaltungenen, ist etwas, dass man bewusst vollziehen sollte, um voll und ganz im Hier und Jetzt zu sein. Wer sich in den Zwischenphasen befindet, von einer in die andere Bewegung, und den Wechsel von einer Position in die andere achtsam wahrnimmt, der schafft einen kontinuierlichen Fluss von Qi-Energie. Dieser Qi-Kraftstrom steigert dann das allgemeine Wohlbefinden und den empfundenen Nutzen jener täglichen Handlungen, die für uns von Bedeutung sind. Wenn wir zum Beispiel nach dem Sitzen aufstehen oder von einem Ort zum anderen gehen, wenn wir uns abends ins Bett legen: bei all diesen Veränderungen unserer Position, Haltung und Lage, sollten wir uns voll bewusst sein bei dem was wir gerade ändern.

Der menschliche Körper ist ein Empfänger von Qi. Wer vollbewusst in seinem Leben handelt wird auch empfänglicher für kosmisches Qi und hält sein Handeln im Fluss mit den Kreisläufen des Kosmos. Dann nimmt er sich als Teil etwas viel Größerem wahr.

Qi folgt dem Weg des geringsten Widerstands. Wer aber Qi harmonisiert und den natürlichen Fluss dieser Lebensenergie unterstützt, wird alle seine Tätigkeiten mit viel mehr Leichtigkeit ausführen können, zu seinem eigenen und auch zum Nutzen anderer.

 

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Wie lernt man meditieren?

Wie lernt man meditieren?

Es gibt unzählige Gründe regelmäßig zu meditieren. Was aber die eigentlichen Vorteile des Meditierens sind, das ist nur schwer zu beschreiben. Ohne Frage aber, lebt jemand der täglich meditiert, nicht nur gesünder und ruhiger, er lernt sich selbst auch besser kennen. Meditieren hilft eine bessere Selbstbewusstheit zu entwickeln.

Meditation zu üben, wirkt sich sehr günstig aus auf unser Leben. Zum Einen bedeutet zu meditieren, den Strom der Gedanken zu beruhigen. Damit kann Stress abgemildert werden. Meditieren heißt darum zu entspannen. Wer meditiert, gewinnt andererseits zunehmend die Fähigkeit, eine ruhige Achtsamkeit zu entwickeln. Damit lassen sich bestimmte Verhaltensmuster erkennen und auch ändern. Es ist etwas ganz Großartiges, einen einfachen und langsamen Lebenswandel zu führen. Alle Komplexität, alle Kompliziertheit weicht dem bewussten Handeln in der Einfachheit.

Schon lange weiß man, dass Meditation sich sehr positiv auf die seelisch-geistige Verfassung auswirkt. Das heißt, wer regelmäßig meditiert, verbessert seine Konzentration, sein Erinnerungsvermögen und stärkt seine Selbstkontrolle. Meditation begünstigt den Stoffwechsel, unterstützt den Blutkreislauf und regelt Puls und Atmung.

Wenige Minuten am Tag zu meditieren, wirkt Wunder: selbst wer täglich nur kurze Zeit meditiert, schafft sich Oasen der Ruhe - die in unserer heutigen Zeit scheinbar immer knapper werden.

Meditation als grundlegende Gewohnheit

Wer meditiert beginnt seinen Tag in Ruhe, kann besser mit Stress umgehen und lebt im Jetzt. Nur wenige wissen, dass es sich besonders lohnt diese Gewohnheit zu entwickeln, wenn man andere Gewohnheiten ändern oder beenden will. Vielleicht grübelt man zu viel, malt sich ständig Angstszenarien aus oder sorgt sich um die Zukunft. Meist fällt einem aber garnicht auf, dass solche Vorstellungen sich in den Mittelpunkt des Bewusstseins stellen. Wer meditiert entwickelt aber ein Gewahrsein, wann solche Gedanken und Vorstellungen einsetzen und damit wird es leichter, die seelisch-geistigen Auswirkungen von Ängsten, Zweifeln und Sorgen abzumildern.

Alles was es bedarf um achtsamer zu werden: üben. Und wie übt man? Durch Meditation.

Schauen wir uns also an, wie Meditation hilft, bestimmte Gewohnheiten und Einstellungen zu ändern. Machen Sie Meditation zu einer neuen Gewohnheit.

Wie Sie täglich meditieren lernen

Meditieren gibt Kraft. Und man muss sich dafür gar nicht anstrengen. Im Gegenteil: es ist ganz leicht sich Meditation anzugewöhnen. Denn man kann immer meditieren und spürt sofort den positiven Effekt. Über wie viele andere Gewohnheiten lässt sich das schon sagen?

Viele glauben "richtig zu meditieren", könne man nur bei einem Meditationsmeister lernen. Doch Meditation können Sie hier beginnen, direkt nachdem sie diesen Satz zu Ende gelesen haben: indem Sie Ihren Atem beobachten. Sie können immer auf ihr Ein- und Ausatmen achten - ganz gleich ob sie im Auto sitzen, am Schreibtisch, während sie duschen oder essen. Probieren sie es mal - jetzt gleich. Es dauert nur ein oder zwei Minuten. Nehmen sie sich die Zeit: der Tag hat 1440 Minuten.

Meditieren lernen ist an sich sehr einfach.

Wie sie ihr Bewusstsein besser kennenlernen

Wer meditiert lebt bewusster. Und wer bewusster lebt kann neue Gewohnheiten entwickeln, die seinem Leben helfen, friedlicher, aufmerksamer und weniger ängstlich zu sein. Und es geht dabei nicht etwa ein Profi zu werden. "Professionell meditieren" - klingt seltsam, oder?

Meditation an sich hilft Denken und Fühlen besser zu verstehen. Bevor ich anfing Meditation zu üben, war mir überhaupt nicht klar, was in meinem Kopf eigentlich stattfand. Mein Denken führte mich mal hier, mal dort hin, folgte mal dem einen, mal dem anderen Gedanken, hielt den inneren Dialog für das Denken an sich. Meditation hilft diesen gewohnten Automatismus zu erkennen. 

Auch heute noch ertappe ich mich dabei, wie sich unentwegt Gedankenschleifen im meinem Kopf bilden. Doch es fällt mir eben auf und es wird mir immer mehr bewusst, was da vor sich geht, wie sich ein Gedankenbündel an das nächste heftet. Früher hätte ich daran einfach weiter teilgenommen - oder besser: es unwissend über mich ergehen lassen. Seit dem ich aber Meditation übe, sehe ich immer klarer und kann frei entscheiden, einen Gedankengang zu unterbrechen. Damit habe ich mir wirklich eine Menge Freiraum geschaffen. Ich bin einfach flexibler, denn ich kann unerwünschte Erinnerungen unterbrechen und etwas schönes, konstruktives denken.

Darum kann ich nur jedem ans Herz legen, Meditieren zu üben. Am Anfang ist es vielleicht nicht so einfach, da sich der Denkfluss nicht gleich als solcher erkennen lässt. Man kann es sich aber schwerer machen als nötig, wenn man zuviel von sich erwartet. Klein anzufangen und sich langsam steigern, ist vollkommen gut. Üben hilft und es geht erst am Anfang nicht darum, Meditationsexperte zu werden.

Wie man regelmäßig Meditieren übt

Eins vorweg: Es geht nicht darum alles auf einmal zu schaffen. Lesen Sie einfach mal alles durch und probieren Sie einige der Tipps aus. Dann schauen Sie immer mal wieder auf dieser Seite vorbei und probieren sie dann weitere Tipps.

Meditieren benötigt nicht viel Zeit. Zwei Minuten sind völlig ausreichend. Alles andere ist Gier - meinte mal der weise Jiddu Krishnamurti. Jeden Tag zwei Minuten sind perfekt für den Anfang. Wenn Sie damit gut klarkommen, können sie nach einer Woche, nochmal eine Minute dranhängen und so weiter. Wenn sie dann in ein paar Monaten auf zehn Minuten gekommen sind, ist das richtig klasse. Doch am Anfang wollen wir klein beginnen.

Zu Beginn

Beginnen Sie den Tag mit Meditation. Warum? Da es sehr einfach ist, die Übung einfach zu vergessen, wenn sie es nicht morgens gleich als erstes tun. Sich den Wecker stellen, um zum Beispiel um 15 Uhr zu meditieren, ist weniger vorteilhaft. Hängen Sie sich also eine Erinnerung auf, kleben Sie sich etwas an den Schrank, dass Sie daran erinnert: zwei Minuten meditieren.

Einfach meditieren

Wie genau man meditieren kann: damit wurden schon Buchbände gefüllt. Meditieren sie also einfach. Viele zerbrechen sich den Kopf darüber wie sie sitzen sollten, auf welchem Kissen oder wo im Raum. Das ist zu Anfangs nicht so wichtig. Es geht eher darum überhaupt erstmal anzufangen. Setzen sie sich vielleicht einfach auf den Bettrand oder auf einen Stuhl oder auf die Couch. Klar, Sie könne sich auch auf den Boden setzen in Schneidersitz. Alles was wichtig ist, ist aufrecht zu sitzen, damit sie nicht wieder einschlafen. Nur zwei Minuten: einfach sitzen - ruhig und bequem. Alles andere dann.

Nehmen Sie sich wahr

Zuerst sollten Sie in sich hineinspüren, um zu sehen wie Sie sich führen. Wie fühlt sich ihr Körper an? Wie sieht Ihr Denken aus? Denken sie aufwühlende Gedanken? Sind Sie traurig? Fühlen Sie sich erschöpft? Sind Sie ängstlich? Was auch immer ist: es ist für diesen Augenblick in Ordnung - so wie es ist.

Achten Sie auf Ihren Atem

Zählen Sie Ihre Atemzüge. Wenn sie sich damit wohl fühlen, richten Sie Ihre volle Aufmerksamkeit auf Ihren Atem. Fühlen Sie, wie Ihr Atem in Ihre Nase einströmt und sich dabei der innere Gesichtsbereich ganz leicht abkühlt. Nehmen Sie wahr, wie der Luftstrom Ihre Lunge mit reiner Energie anfüllt. Versuchen Sie beim Einatmen, in Gedanken zu sagen "Eins" - und "Zwei" beim Ausatmen. Zählen Sie bis "Zehn" und beginnen Sie danach von vorne. Wenn Sie sich verzählen, beginnen Sie erneut mit "Eins".

Lassen Sie sich Zeit

Wenn Sie sich in Ihren Gedanken verirren, was so gut wie sicher ist, lächeln Sie und kehren Sie dann einfach um, zurück in die Meditation. Beginnen Sie erneut Ihre Atemzüge zu zählen. Es ist absolut kein Problem. Kann schon sein, dass sich das am Anfang etwas frustrierend anfühlt. Es ist aber vollkommen in Ordnung nicht konzentriert zu sein. Das passiert einfach jedem. Meditation ist kein Zwang. Meditation soll entspannen. Sie üben noch und am Anfang werden Sie nur langsam Fortschritte machen. Und doch: Sie erkennen schon bald, wie sich Ihre Wahrnehmung ändert. Also: weiter üben.

Freundlich mit sich selbst umgehen

Entwickeln Sie sich selbst gegenüber eine liebenswürdige Haltung. Wenn in der Meditation Ihre Gefühle aufbrausen, und Sie werden diese Erfahrung ganz bestimmt auch machen, betrachten Sie sie liebevoll. Ihre Gefühle gehören zu Ihnen und sind keine Fremdlinge. Sie sind ein Teil von Ihnen. Seien Sie freundlich zu sich selbst.

Sie tun Ihr bestes so, wie es Ihnen möglich ist

Sicher werden Sie sich etwas ärgern, wenn es nicht gleich so klappt, wie Sie es sich erhofften. Es gibt einfach nicht die "Perfekte Methode", um Meditieren zu lernen. Jeder versucht sein Bestes, auf seine individuelle Weise. Zuerst üben sie einfach achtsam zu atmen und Ihr Inneres und das Äußere wahrnehmen.

Denken ist normal

Viele glauben, in der Meditation ginge es darum, den Kopf klar zu kriegen oder den Gedankenfluss zu unterdrücken. Das aber ist es nicht. Es kann zwar schon vorkommen, dass einem so etwas gelingt, doch es ist nicht erstes Ziel der Meditationsübung.

Wir alle denken. Es ist normal, da unser Gehirn unentwegt neue Gedanken produziert. Es ist normalerweise nicht möglich das Gehirn einfach "abzustellen". Alternativ lohnt es sich aber zu versuchen, ihre Aufmerksamkeit verstärkt auf Ihren Atem zu richten, sobald Ihre Gedanken "ihr eigenes Ding drehen".

Negatives neugierig beobachten

Wenn Gedanken oder Gefühle in Ihnen aufsteigen, lassen Sie es zu. Wir alle versuchen Gefühle und Gedanken an Ärgerliches und an Ängste zu vermeiden. Doch genau da sollten wir aufmerksam sein. Wenn Angst- oder Wutgefühle in uns aufsteigen, können wir darin für einige Augenblicke verweilen und sie neugierig beobachten.

Sich kennenlernen

Es ist Zeit: lernen Sie sich besser kennen. Es geht nicht allein darum Ihre Wahrnehmung zu fokussieren: Es geht darum Ihre Denkweise besser kennen zu lernen:
"Was geht da vor sich in meinem Denken?"

"Ich bin mein Freund"

Freunden Sie sich mit sich an. Sie möchten sich besser kennenlernen? In Ordnung. Aber bitte seien Sie freundlich zu sich und kritisieren Sie sich nicht. Werden Sie zu Ihrem eigenen Freund, den Sie anlächeln und lieben lernen.

Innenwahrnehmung und Körperbewusstsein

Nach einigem Üben, fällt es Ihnen bald leichter Ihren Atem zu beobachten. Als nächstes nehmen Sie Ihren Körper wahr. Fühlen in jeden Teil Ihres Körpers hinein, während jedem Atemzug. Das heißt, dass Sie dabei an jeden einzelnen Körperteil denken: die Kopfhaut, das Gesicht, die Stirn, die Augenbrauen, die Augen, die Augenlieder, die Nase, den Mund, die Wangen, das Kinn, die Ohren, den Hals, die Schultern, die Wirbelsäule, dann an die Oberarme, die Unterarme, die Handgelenke, die Hände, die Finger, die Fingerspitzen, dann an die Brust, den Bauchnabel, den Schamhügel, dann an ihre Oberschenkel, an ihre Knie, an ihre Waden, die Knöchel, die Füße, die Fußsohlen, die Zehen und an die Zehenspitzen und kehren Sie zuletzt ins Zentrum ihres Körpers zurück: denken Sie an Ihren Solarplexus und dann an Ihr Herz.

Außenwahrnehmung

Nachdem Sie nun eine Woche geübt haben, können Sie nun damit beginnen, Geräusche und das Licht in Ihrer Umgebung wahrzunehmen.

Nur 40 Tage

Widmen Sie sich dieser Übung. Es reicht nicht aus zu sagen "Nun gut, ich will es mal für ein paar Tage ausprobieren". Versuchen Sie sich Ihren Meditationsübungen tatsächlich hinzugeben und jeden Morgen zu üben - wenigstens für 40 Tage. 40 ist eine magische Zahl, die einem hilft, sich eine neue Gewohnheit anzuerziehen.

Eine echte Bereicherung für's ganze Leben

Auch wenn Ihnen morgens "etwas dazwischen kommt": Sie können Meditation auch auf der Arbeit, in der Mittagspause oder auf dem Weg zur oder von der Arbeit praktizieren. Denn es geht ja vor allem um eins: bewusst zu Atmen, bewusst wahrzunehmen. Meditation wird irgendwann zum Normalzustand und eine alltägliche Gewohnheit. Doch das wir Ihr gesamtes Leben bereichern. Versprochen.

Wie geht's weiter?

Zu sitzen und den Atem zu beobachten ist eine echt hilfreiche Achtsamkeitsübung. Sie werden damit Ihre Konzentration verbessern. Wenn Sie für einige Zeit an einem ruhigen Ort Meditieren geübt haben, können Sie damit anfangen Ihre Achtsamkeit auszuweiten.

  • Wenn Sie etwas stresst, nehmen Sie sich eine Minute Zeit. Versuchen Sie in dieser Zeitspanne Ihre Aufmerksamkeit auf's Jetzt zu konzentrieren.
  • Bevor Sie darüber grübeln, wie die Zukunft aussehen könnte, gönnen Sie sich immer mal wieder einen Spaziergang. Am besten morgens. Beobachten Sie beim Gehen Ihren Atem, Ihre Körperbefindlichkeit, denken Sie an Ihre Fersen wie sie den Boden berühren und nehmen Sie die Dinge in Ihrer Umgebung wahr, ohne zu werten.
  • Wenn Sie essen, tun Sie es achtsam: spüren Sie wie es sich anfühlt wenn Sie kauen, schlucken und wie es schmeckt.
  • Eine ganz besondere Übung ist die japanische Teezeremonie, die man auch als "Laie" durchführen kann: Sie nehmen jeden Handgriff bei der Teezubereitung vollbewusst wahr. Das heißt, bevor Sie eine Handlung bei der Teezubereitung vornehmen, beabsichtigen Sie es zu tun. Sie meditieren in der Zeit wo der Tee zieht und nehmen ihn voll bewusst zu sich. Schmecken Sie, spüren Sie die Wärme. Tee-Trinken kann ein wunderbares Ritual sein.
  • Auch die Wohnung aufzuräumen, abzuwaschen und den Boden zu wischen: all das kann man in Achtsamkeit tun.

Sie können immer Achtsamkeit üben - jeden Moment: im Umgang mit anderen, bei Ihrer Arbeit. Es gibt noch so unzählige andere Beispiele. Finden Sie sie!

Was ist Zen-Meditation?

von S. Levent Oezkan

Zen-Landschaft - ewigeweisheit.de

Zen ist Gedankenstille. Es ist ein Bewusstseinszustand, für den in Fernost gerne das Bild eines Sees verwendet wird, dessen stille Wasseroberfläche alles in der Umgebung reflektiert. Im Zustand des Zen kommen Denken und innerer Dialog zur Ruhe. Zen ist ein meditativer Zustand innerer Stille. 

Die Tradition des Zen ist sehr alt. In ihren Weisheitslehren fließen zwei alte Traditionen zusammen: der chinesische Daoismus und der Mahayana-Buddhismus. Die Weisheit vom Dao (Weg) wurde bereits in der chinesischen Tang-Dynastie (618–907) gelehrt, insbesondere vom großen Meister Laotze, dem das Werk Daodejing (auch: Tao-Te-King) zugeschrieben wird. Von China ausgehend, verbreitete sich der Zen-Buddhismus, dann über Vietnam, Korea bis nach Japan.

Ursprünge des Zen

Zen ist die japanische Aussprache des chinesischen Schriftsymbols für "Chan", dass seinerseits die chinesische Übersetzung des Sanskrit-Namens "Dhyana" ist, was soviel bedeutet wie "meditative Kontemplation".

Gemäß traditioneller Überieferung, gilt als Begründer des Zen, der buddhistische Mönch Bodhidharma. In ihm sehen die Lehrer des Zen, den 28. Patriarchen in der Ahnenreihe des Buddha. Man weiß allerdings nicht, ob es ihn als Person jemals gab, denn es existieren praktisch keine historischen Belege über seine Herkunft oder sein Leben. Der chinesische Mönch Daoxuan aber, verfasste um 630 n. Chr. eine Biografie über den sagenhaften Boddhidharma.

Manche Legenden sagen, Bodhidharma hätte durch seine Meditationspraxis ein Alter von 150 Jahren erlangt. Er soll aus Persien nach Indien gekommen sein und begann dort seine Lehrtätigkeit. Schließlich verbreiteten sich seine Lehren in ganz Fernost. Bodhidharma wird häufig auch im Zusammenhang mit den fabelhaften Shaolin-Mönchen erwähnt, die im alten China, neben besonderen Meditationspraktiken, die Kampfkünste (zum Beispiel Kung-Fu) zu höchster Form entwickelten.

Bodhidharma – ewigeweisheit.de

Der Patriarch Bodhidharma (wahrscheinlich 440-530): der Legende nach stammte er aus Zentralasien. Er gilt heute als Urvater der buddhistischen Zen-Tradition.

Was im Zen wichtig ist

Im Zen wird die Kontrolle des Selbst betont, die ein Mensch durch Meditation erreichen kann. Ziel ist es, durch Meditation Einblicke in die Natur des Buddhatums zu bekommen. Dabei wird auch die Bedeutung des alltäglichen Lebens besser verständlich. Auch anderen Menschen zuliebe, wird Zen praktiziert. Daher ist eines der zentralen Aspekte des Zen, die Ideale der erleuchteten Bodhisattvas zu erfüllen. Den sie gleichen aufgestiegenen Meistern, deren Bestreben es ist, nicht allein für sich Erleuchtung zu erlangen, sondern zuvor allen anderen Wesenheiten dabei zu helfen, sich aus dem Zyklus irdischen Leids zu befreien.

Das sogenannte Diamand-Sutra spricht von sechs Idealen:

  • Dana - Großzügigkeit,
  • Sila - Tugendhaftigkeit, Moral und rechte Führung,
  • Ksanti - Geduld, Toleranz und Langmut,
  • Virya - Kraft, Gewissenhaftigkeit und rechtes Bestreben,
  • Dhyana - Meditation und geistige Stille, und
  • Prajna - Weisheit und Einsicht.

Alleiniges Wissen von den Inhalten der heiligen Schriften, ist im Zen-Buddhismus eher zweitrangig. Dennoch sollen im Folgenden die wichtigsten Wissensaspekte des Zen dargestellt werden.

Im Zen gibt es vier Polaritäten: das Absolut-Relative, die Buddha-Natur, plötzliche und allmähliche Erleuchtung, sowie die esoterische und die exoterische Übertragung des Erleuchtungswissens.

Das Absolut-Relative

Form und Leere betrachten bestimmte Zen-Lehren (zum Beispiel "Madhyamaka") als nicht-dual, das heißt, sie sind eins:

Form ist Leere und Leere ist Form.

- Aus dem Sutra der höchsten Weisheit

Damit wird aber gleichzeitig verneint, dass Samsara und Nirvana nicht von einander verschieden sind. Samsara bezeichnet den fortwährenden Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt. Nirvana aber steht für das Verlassen des leidvollen Zyklus des Samsara. Wenn Samsara und Nirvana aber nicht das Selbe sind, wie stehen sie dann zueinander in Verbindung?

Dafür steht ein Mantra, mit dem das sogenannte "Sutra der höchsten Weisheit" (auch: "Herzsutra") schließt:

gate gate paragate parasamgate bodhi svaha
Übersetzung: Gegangen, gegangen, hinübergegangen, ganz hinübergegangen, oh welch ein Erwachen, vollkommener Segen!

 

Das bedeutet, dass das Streben des Erleuchteten im Samsara letztendlichübergeht ins Nirvana. Damit sind beide Konzepte nicht voneinander getrennt, sind Nicht-Dual und nur verschieden im Grad. Sobald sich eine neue Seele in die Welt des Samsara inkarniert, ist sie bereits im Begriff diese Welt wieder zu verlassen. Alles was körperliche Form annimmt, verliert irgendwann seine Form und entschwindet wieder in die Leere. Aus der Lebensspanne eines Menschen betrachtet, bewegt sich, wer geboren wird, bereits wieder aus seinem Körper heraus, denn dieser altert und stirbt irgendwann. Die ewige Seele aber lebt fort.

Buddha-Natur und Leerheit

Alle fühlenden Wesen, Pflanzen, Tiere und Menschen besitzen Buddha-Natur. Aus ihr entwickelt sich das Erwachen in die Realität des Seins. Jeder Mensch, nicht allein Mönche, tragen dieses spirituelle Potential in sich. Wem das bewusst wird und wer die Verunreinigungen in Fühlen und Denken beseitigt hat, wird sich dieser absoluten Realität bewusst. So einer transformiert seine Existenz in den Buddha-Körper - den Dharmakaya. Er ist die vollkommen reale Erscheinung, worin man einen Buddha erkennt - aufgeladen mit der spirituellen Kraft aller weltlichen Erscheinungen.

Sowohl im Buddhsimus, wie auch im Daoismus heißt es, dass die Welt der Erscheinungen, auf einer transzendentalen Realität beruht. Das bedeutet, dass das Transzendentale auf der Vorstellung basiert, dass man Erkenntnisse nicht allein durch empirische Beweise erlangen kann, sondern es Erkenntnisse gibt, deren Gültigkeit überhaupt nicht erst bewiesen werden muss! Vielmehr geht es um ein direktes Erfahren von Wahrheiten, was etwa in einer Initiation, als absolute "Gewissheit" wahr-genommen wird.

Diese transzendentale Realität bezeichnet man im Buddhismus als Shunyata: alles ist leer und nicht von Dauer, wobei sich dennoch alles gegenseitig bedingt. Im Daoismus nennt man diese Realität, der eigentlichen Leerheit aller Dinge, "Wu" - die Nichtheit. Unsere Wahrnehmung jedoch empfindet die Welt als Raum, der konkrete Objekte enthält, die einen Namen tragen. Doch je näher man sich diese Dinge in der Welt anschaut, desto mehr erkennt man ihre eigentliche Leerheit.

Das belegt auch die moderne Quantenphysik: der alte Philosoph Demokrit glaubte an ein unteilbares Teilchen, dem er den Namen "Atom" gab (griech.: atomos, "das Unteilbare"). Anfang des 20. Jhd. aber wusste man, dass sich ein Atom aus Elektronen und Atomkern zusammengesetzt. Atomkern und Atomhülle aber trennt ein verhältnismäßig riesiger leerer Raum. Atomkern und -hülle stehen zueinander Verhältnis, wie ein Stecknadelkopf zu einer Kugel von 100 Metern Durchmesser! Dazwischen ist nur Leere. Das heißt, die sogenannte, von den Elektronen gebildete Atomhülle (Orbital) trennt ein Vakuum vom Atomkern, ist ein Nichts. Auch die Elementarteilchen des Atomkerns, das sind Protonen und Neutronen, auch sie bestehen, wie man heute weiß, wiederum aus noch viel kleineren Einheiten (Quarks). Letztendlich sind sich immer mehr Wissenschaftler darüber einig, dass selbst auf dieser subatomaren Ebene, erneut unzählige Untereinheiten aufgerollt sind (String-Theorie). Doch was befindet sich zwischen diesen Einheiten? Auch wieder Leere?

Im buddhistischen Sutra der höchsten Weisheit lesen wir:

Oh, Sariputra: die Formen unterscheiden sich nicht von der Leere,
und die Leere unterscheidet sich nicht von der Form.
Form ist Leere und Leere ist Form;
Das Selbe gilt für die Gefühle, Wahrnehmungen, den Willen und das Bewusstsein.

Alles was wir wahrnehmen ist das Resultat der soegannten Skandhas: der Sinnesempfindungen des Körpers, der Gefühle, der Wahrnehmungen, der Geistformen unseres Denkens und des Bewusstseins. Die wahrgenommenen Dinge sind aber bloße Vorstellungen und niemals das Ding an sich. Darum kann man sagen: eigentlich ist alles leer. Nur lässt sich das intellektuell nicht vorstellen, sondern muss, so die Zen-Meister, in der tiefer Meditation be-griffen werden. 

Plötzliche und allmähliche Erleuchtung

Im Buddhismus bezeichnet man einen Erkenntnisvorgang als Bodhi, was häugig auch als "Erwachen" oder eben als "Erleuchtung" bezeichnet wird. Dieser Vorgang erfolgt auf dem vom Buddha gelehrten Erlösungs­weg. Einer der Bodhi aus eigener Kraft entwickelt hat, den nennt man einen Buddha - jemanden, der Reinheit und Vollkommenheit seines Geistes erreicht hat, der unendliches Mitgefühl und vollkommene Heiterkeit besitzt.

Dieser Bodhi-Zustand soll laut verschiedener Lehrmeinungen entweder spontan oder allmäglich eintreten. Doch hier bewegen sich die Gelehrten des Zen auf einem Scheideweg. Denn dem Erlebnis plötzlichen Erwachens steht, die allmähliche Erlangung der Erleuchtung gegenüber. Plötzliche Erleuchtung, sagen manche, ist ohne spirituellen Meister unmöglich. Zum Zustand der Erleuchtung, wie sie etwa der achtgliedrige Pfad des indischen Yoga beschreibt, kann einen Schüler nur ein Eingeweihter führen. 

Wer unbedingt darauf aus ist Erleuchtung zu erlangen, der erreicht laut mancher Zen-Meister genau das Gegenteil. Denn für sie ist der Wunsch ein Erleuchteter zu werden, ganz und gar absurd. Schließlich bedeutet Erleuchtung einen Akt selbstlosen Aufgehens in dem, was wir oben als die Buddha-Natur bezeichneten: jenem erhabenen Ziel der Bodhisattvas.

Ausschnitt eines Gemäldes aus dem 9. Jhd. in der Höhle von Bezeklik, nahe Turfan (China) – ewigeweisheit.de

Der Meister (links, möglicherweise eine andere Darstellung des Bodhidharma) unterrichtet seinen Schüler (rechts). Ausschnitt eines Gemäldes aus dem 9. Jhd. in der Höhle von Bezeklik, nahe Turfan (China).

Esoterische und exoterische Übertragung

Es gibt im Zen die Vorstellung einer Übertragung von Geist zu Geist. Dies nennt man die "esoterische Übertragung" der Tradition, wo ein Schüler von einem Meister, durch dessen Anwesenheit, sozusagen von Angesicht zu Angesicht erleuchtet wird. Es ist etwa zu vergleichen mit einer Kerze, die eine andere Kerze entzünden kann und damit quasi "erleuchtet". Die Lehren von einem Meister zu empfangen, sind wesentlicher Bestandteil der Zen-Tradition. Ein Meister hat die Barrieren des Unwissens durchbrochen und kann durch seine Ausstrahlung, seine Mimik und seine Redeart, in der Gegenwart des Schülers weit mehr erreichen, als würde dieser nur alleine lernen. Mit anderen Worten: Ein Zen-Meister vermag in seinem Schüler erstaunliche Visionen zu entfachen. Es geht im Zen weniger um intellektuelles Verstehen, als vielmehr um ein direktes Erfahren der esoterischen Lehren des Buddhismus. 

Für eine exoterische Übertragung bedarf es eines direkten Zugangs zu den Zen-Lehren. Gerne wird hierfür das Bild einer leuchtenden Lampe verwendet, die ein Zen-Schüler plötzlich "entdeckt". Ein Zen-Schüler kann sich durch persönliche Studien, auch selbst in einen Zustand inneren Gewahrseins bringen und dabei durchaus erleuchtende Erweckungsmomente erleben. Es geht also um beides: in der esoterischen Übertragung der Lehre spielt der richtige Meister eine Rolle, in der exoterischen Übertragung, wird durch die Kontemplation, einer von Außen kommenden Inspiration, der Zen-Schüler zur Erleuchtung gebracht.

Zazen: Meditative Praxis im Zen

Im Zentrum der Zen-Tradition steht die Praxis der Meditation - genannt Zazen (das "z" wird als stimmhaftes "s" ausgesprochen, wie etwa bei "sitzen"). Ziel des Zazen ist ruhig sitzen zu lernen und dabei alle beurteilenden und wertenden Gedanken auszublenden. Alle Vorstellungen, inneren Bilder und Gedanken gehen vor dem inneren Auge vorrüber, ohne daran zu haften, ohne den Wunsch an ihnen festzuhalten.

Sitzhaltung

Die Sitzhaltung im Zazen erfolgt aufrecht, mit entspannter Wirbelsäule und mit verschränkten Beinen und Händen. Eine Hand hält den Daumen der anderen, während die andere, die Daumen-haltende Hand unten umschließt und dabei im Schoß liegt. Alternativ können beide Hände auch das sogenannte Dhyana-Mudra einnehmen (siehe Handhaltung Abb. unten). In dieser Sitzhaltung atmet der Übende aus dem Unterbauch (japanisch: Hara). Seine Augen sind halb-geöffnet, damit er weder durch äußere Eindrücke gestört wird, noch sich zu sehr von den Vorgängen im Außen entfernt.

Für die Beinhaltung gibt es verschiedene Möglichkeiten: vom Lotus- über den Halb-Lotus-Sitz, bis zum Kniesitz oder dem im Westen so genannten "Schneidersitz". Letzte Sitzhaltung ist für Anfänger im Zazen besonders geeignet. Auch im Stuhl zu sitzen ist durchaus möglich, am besten auf einem geeigneten Kissen. Jedoch lehnt sich der Meditierende nicht an, sondern setzt sich halb auf die Stuhlkante.

Man kann sich entspannt setzen, egal ob auf den Boden oder auf einen Stuhl. Doch es sollte nicht zu bequem sein, da sonst die "Gefahr" besteht einzuschlafen.

Daisetz Teitaro Suzuki – ewigeweisheit.de

Das Dhyana-Mudra: eine Form der Handhaltung in der Zazen-Meditation.

Beobachten von Atem und Denken

Um den Gedankenfluss zu kontrollieren schaut man auf die Bewegung des Atems, während man die Atemzüge zählt. Dabei konzentriert man seine innere Aufmerksamkeit auf das Energiezentrum zwischen Nabel und Schamhügel - was die Japaner "Hara" nennen.

In diesem bewussten Atmen, betrachtet der Meditierende seinen Gedankenstrom, ohne an einzelnen Gedanken festzuhalten oder sie zu bewerten. Wie Wolken erheben sie sich vor ihm und schweben an ihm vorrüber. Doch diese Übung ist leichter beschrieben, als tatsächlich praktiziert. Es ist nicht immer einfach die Kette von Gedanken und inneren Bildern, einfach loszulassen. Am besten man lenkt den Gedankenstrom auf tatsächlich belanglose Gedanken, wie etwa über das Wetter oder darüber was man aß. Auch nach den Geräuschen des Atems zu lauschen hilft.

Wenn im Zazen grundsätzlich angeraten ist, in Stille zu meditieren, lässt es sich nicht immer vermeiden, dass externe Geräusche zu einem durchdringen. Solche Geräusche können vom Wind rauschender Blätter stammen oder ein entfernter Straßenlärm sein. Auf solche Hintergrundgeräusche, kann man sich während der Atemübung sehr gut konzentrieren.

So kehrt allmählich innere Stille und Gedankenleere ein. Doch diese Stille besitzt ihre eigene Konsistenz, die dann in einem weiteren Schritt, durch heilige Verse gefüllt werden kann. Solche Mantras kann man in die Meditationsstimmung denkend, sprechend oder sogar singend einfließen lassen.

Heiliges Reden und heiliges Schweigen gehören beide zum Tun des Erwachten.

- Ausspruch eines Zen-Meisters

Wer nach langem und geduldigem Üben, auf dieser Stufe der Meditation angelangt ist, bewegt sich in einen Bewusstseinsbereich, den man als Satori bezeichnet. Es ist ein Zustand der vom Übenden, gewiss als Lohn für eine ausreichende Meditationspraxis "empfangen" wird.

Das japanische Wort Satori steht für die Erkenntnis vom universellen Wesen des Daseins. Letztendlich kann man den Satori-Zustand nicht beschreiben, sondern nur persönlich erfahren. Wer diese Erfahrung jedoch macht, kennt für immer den Unterschied zwischen Denken (oder dem ununterbrochenen inneren Dialog) und vollkommener Gedankenstille.

Als man den japanischen Zen-Meister Daisetsu Teitaro Suzuki einst fragte, was Satori sei, antwortete er:

Ws ist wie die gewöhnliche Erfahrung des Alltags - nur zwei Fingerbreit über dem Boden schwebend.

Nutzen des Zazen

Wer Zazen praktiziert, kommt sich selbst allmählich näher und erwacht aus dem schlafähnlichen Zustand ununterbrochenen Denkens. Wie gesagt, bedarf es zum Üben nicht viel: eine bequeme Sitzmöglichkeit, vielleicht durch ein Kissen unterstützt und eine individuell, als bequem empfundene Sitzhaltung reichen aus. Als Meditierender nimmt man dann die Gegenwart des Atems war. Durch die Praxis des Zazen, kamen die Heiligen in Fernost zur Erleuchtung - auch der Gautama Buddha.

Zazen bedeutet aber nicht nur eine bestimmte Form der Meditation, sondern ist eine Lebenshaltung, die den Praktizierenden nach und nach, sich und die Welt, bewusster wahrnehmen lässt. Es ist eine Kraftquelle, aus der man für alle täglichen Aktivitäten schöpfen kann. Ganz gleich ob man sitzt, geht, arbeitet, denkt oder redet: Zazen hilft, all das, unvermindert, in vollkommener Ruhe zu tun.

Doch Zazen will geübt sein - im stillen Raum zuhause, zusammen mit anderen im Tempel oder bei einem gemütlichen Spaziergang. Es kommt darauf an, die Bewusstheit zunächst auf den Atem, dann auf den Körper und schließlich auf die Eindrücke im Außen zu richten - völlig klar und ohne Wertung. 

Wer die Rufe seines Ego und die sprudelnden Gedankenreize des Unterbewusstseins, durch Zazen zum Schweigen bringt, der wird immer mehr mit der universalen Kraft des Kosmos verschmelzen.

 

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Pranayama: Beherrschung des Atems

Pranayama: Beherrschung des Atems

Pranayama ist Grundlage aller Meditation und Chakra-Arbeit. Prana ist kosmische Lebensenergie, beziehungsweise das magnetische Strömen des Atems – und Yama die Kontrolle oder Beherrschung dessen. So ist Pranayama also die Kunst des kontrollierten Atmens, der den Körper mit Lebensenergie versorgt.

Unsere inkarnierte Seele lebt in einem »Meer aus Luft«, dass Licht und Wärme durchströmen. Dieses Strömen, an dem wir als Lebewesen mit unserem Körper teilnehmen, basiert auf einem belebenden Prinzip, mit dem wir unsere Körperlichkeit gestalten – feinstofflich und grobstofflich. So wie unser Atem ist, so ist unser Leben. Leben ist Atmen.

Hektik und Anspannung führen zu unregelmäßigem Atmen, während ein ausgeglichener, gleichmäßiger Atem unser geistig-körperliches Wohlbefinden fördert.

Harmonie im Atmen bedeutet Harmonie im Herzen – Atmung und Blutkreislauf hängen zusammen. In den Lungenbläschen wird der über den Atem aufgenommene Sauerstoff im Blut gelöst und oxidiert die darin gelöste Glukose (Traubenzucker). Dabei entsteht Energie, die den Körper mit Wärme versorgt. Auf den Blutkreislauf und den Herzschlag können wir funktionell keinen direkten Einfluss ausüben. Doch es lässt sich über bewusstes Atmen die Herzfrequenz indirekt beeinflussen.

Mensch und Kosmos

Im gesunden Zustand, atmet ein Erwachsener pro Minute etwa 18mal, wobei der normale Puls ungefähr 72mal pro Minute schlägt. So erhalten wir ein Verhältnis von etwa 1:4 – einen Atemzug pro vier Pulsschlägen.

Nun haben die Zahlen 72, 18 und vier eine kosmische Bedeutung. Das heißt, ihre Werte messen bestimmte Zyklen, denen die Tierkreiszeichen, Sonne, Mond und Erde folgen. Alle 72 Jahre bewegt sich der Frühlingspunkt, das ist die Position des Sonnenaufgangs am 21. März, um ein Grad durch den Tierkreis. Gegenwärtig wandert dieser Frühlingspunkt langsam in das Sternzeichen Wassermann – daher die Rede vom »Wassermannzeitalter«. Die 18 misst den sogenannten Saroszyklus. Er dauert etwa 18 Jahre und beschreibt den Zyklus wo Sonne, Erde und Mond in einer Linie stehen (Finsterniszyklus). Vier ist natürlich die Zahl der Grundelemente, in dem unser Körper in den vier Jahreszeiten lebt: Erde (Knochen, Zähne, Eiweißstoffe), Wasser (Blut und Körpersäfte), Luft (Atem) und Feuer (Körperwärme, Nervenimpulse).

Bewusste Atemsteuerung

Wer bewusst seinen Atem zu regeln lernt und es schafft, diesen mit dem Pulsschlag abzustimmen, ist innerlich mit den oben beschriebenen Zyklen des Kosmos verbunden.

Wenn wir uns aber aus dem hier beschriebenen kosmischen Gefüge lösen wollen, um z. B. andere Bewusstseinszustände zu erreichen, können wir das ebenfalls durch bewusste Steuerung des Atems bewirken.

Im bewussten Atem und der damit verbundenen Kontrolle und Harmonisierung des Blutkreislaufs, entwickelt man langsam die Fähigkeit, nach Belieben Prana-Energie in die Chakras zu leiten.

Praxis des Pranayama

Man nimmt die Lotus-Haltung ein, oder setzt sich im Schneidersitz, bequem auf den Boden – die Wirbelsäule aufrecht, Augen und Mund geschlossen und entspannt. Nun schließt man die Augen und richtet den inneren Blick auf den Bereich zwischen den Augenbrauen.

Jetzt entspannt man den Kiefer, wobei die oberen Zähne die unteren Zähne nicht berühren. Die Zunge wird entspannt, so dass sie frei im Mundraum »schwebt«. Den sich beim Atmen ansammelnden Speichel im Mundraum, kann man einfach herunterschlucken.

Um nun mit dem Pranayama zu beginnen, benötigt man einen bestimmten Zähltakt. Der könnte optimalerweise basieren auf der Pulsfrequenz, die man sich ja am Unterarm selbst messen kann. Es ist aber nicht zwingend notwendig, dass man genau mit dem Puls zählt, doch optimal, wenn man den Takt des Pulses ungefähr weiß. Alternativ ließe sich auch ungefähr im Sekundentakt zählen.

Hat man den für sich optimalen Takt gefunden, zählt man mit dem Einatmen auf Zwei und atmet doppelt so lange aus. Nachdem man vollständig ausgeatmet hat, zieht man zusätzlich den Bauchnabel ein, so dass auch die Restluft aus dem Körper entweicht, was ebenso lang dauert wie das Ausatmen. Hieraus ergibt sich, für die gezählten Takte, diese Atemformel:

Einatmen Ausatmen Restluft entweicht
2 4 4

Man atmet also sehr schnell, tief ein, wonach die Ausatmung entsprechend ausgedehnt erfolgt.

Alternativ kann man diese Atemübung auch umkehren. So dass die Pranayama-Formel so aussieht:

Einatmen Ausatmen Restluft entweicht
4 4 2

Als nächstes sind Einatmen und Ausatmen gleichlang, tief und entspannt, so dass sich diese Formel ergibt:

Einatmen Ausatmen Restluft entweicht
8 6 2

Alle drei Atemformeln lassen sich getrennt voneinander einmal täglich, ca. 3-5 Minuten üben.

Mit dieser Art der Atemkontrolle wird man sich überhaupt erst über das geheimnisvolle Wesen des eigenen Atmens bewusst. Wer seinen Atem geduldig regeln lernt, bemerkt allmählich, wie beim Einatmen nicht nur Atemluft in seinen Körper strömt, sondern sich ihm dabei auch die Geheimnisse des Kosmos offenbaren. Unser atmender Körper ist eben ein Teil des lebendigen Kosmos.

Ein sehr positiver Effekt des Pranayama ist, dass bei wirklicher Konzentration auf den Atem, Gedankenfluss und innerer Dialog aufhören. Es ist jedoch vollkommen natürlich, dass sich bestimmte Gedanken wieder einstreuen und man während der Pranayama-Übung aus dem Zähltakt kommt. Doch dann beginnt man einfach von vorn.

Der Atem ist das Pferd,
der Gedanke der Reiter.

– Tibetisches Sprichwort

Ziel von Pranayama ist einen elastischen und bewussten Atem zu erzeugen. Damit lassen sich Geist, Gefühle und Sinne reinigen. So klärt man die Aufmerksamkeit für die nächste Stufe der Meditation: dem Pratyahara.

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