Ursprung

Der Fluss

Der Fluss

Ich war einst in einen großen Fluss geworfen, von einem, den ich meinen Meister nannte. Doch schwimmen konnte ich noch nicht. Das musste ich erst lernen.

Heute, Jahre später, kann ich mich mühsam über Wasser halten. Das ruhige und gleichmäßige Atmen fällt mir noch schwer, aber ich schwimme, bin immer noch in dem Fluss und kann nicht aus ihm heraustreten. Ich kann auch nicht in denselben Fluss noch einmal eintreten. Es ist wie es ist.

Das Dahinfließen im Fluss wurde zu meiner Heimat, wissend, dass es kein Zurück mehr gibt. So bin ich ständig umgeben vom Ursprung, der Quelle. Alles um mich herum, alles Wasser, was ich in dem Fluss wahrnehme, war einst an der Quelle, ist dort entsprungen, nahm dort seinen Anfang.

Und die Reise führt mich zum großen Ozean, dort wo alle Flüsse ineinander fließen. Bin ich erst einmal dort angekommen, werde ich auch ein perfekter Schwimmer sein, andere Schwimmer treffen, die durch andere Flüsse den Weg in den großen Ozean gefunden haben. Jeder dieser Flüsse ist einzigartig und doch fließt in allen dasselbe Wasser.

So bleibe ich im Vertrauen und diene dem Wasser so gut ich kann. Ich will es sauber halten, glasklar, auf dass ich immer den Grund vor Augen habe. Würde ich im Trüben schwimmen, verlöre ich die Zuversicht, dass der große Ozean lichtdurchflutet ist.

 

Die archaische Bewusstseinsstruktur

Die archaische Bewusstseinsstruktur

Archaische Zeit - ewigeweisheit.de

Die Menschen der Urzeit, vor etwa 50.000 Jahren, schliefen ohne zu träumen. Ihre Seelen waren noch unerwacht, fern von dem was man heute unter Bewusstsein versteht. Träume sind Manifestationsformen des Seelischen. In alter Zeit aber war der Mensch sich seiner Identität noch nicht bewusst und kannte darum auch kein personelles Gegenüber.

Das war in der archaische Zeit, der Zeit der Ursprünge (»archaisch« vom griechischen »arché«, Anfang, Ursprung). Es war die Anfangsphase der Menschheitsentwicklung, wo weder Raum- noch Zeitvorstellungen als solche existierten. Der Mensch fühlte sich da noch verbunden mit dem Kosmos, fühlte sich mit ihm eins. Vorstellungen von Dimensionalität der Welt kannte er noch nicht. Seine Seele war zu dieser Zeit also Teil seiner Ununterschiedenheit und Einheit mit der ihn umgebenden natürlichen Welt. So kannte er, als Angehöriger der archaischen Kultur, weder eine Trennung von Himmel und Erde, noch von der Welt und sich selbst.

Seine Seele brauchte also noch keinen Zweck erfüllen, denn er lebte allein für die Gemeinschaft, in der die Seelenentwicklung erst viel später einsetzte, als sich der Mensch zu individualisieren begann, zur Person wurde (man beachte hier den Ursprung des Wortes »Person« aus dem griechischen persona: die Maske).

Was man als Seele bezeichnet aber war schon immer in jedem Menschen veranlagt, doch eher als etwas, das man vielleicht als Gruppenseele beschreiben könnte: ein Bewusstsein vollkommener Einheit mit der Gemeinschaft und dem All der Welt.

Der Grund dass die Menschen damals nicht träumten ist einfach: Voraussetzung zu träumen ist ein Individualbewusstsein. Und so ein Bewusstsein lässt sich eben herauslösen aus dem kollektiven Unbewussten, denn es benötigt als solches die Traumphase zur Reflexion, das heißt zur transformierten Wandlung gemachter Erfahrungen auf einer am Wachbewusstsein gemessenen anderen, wohl höheren Ebene.

Träume dienen bekanntlich in erster Linie der Verarbeitung der vom Selbst gemachten Erlebnisse. Das heißt, als die Menschen noch in der Kollektivität verflochten waren, sich noch eins mit ihren Mitmenschen und der Natur empfanden, hätte die Rolle der Seele, als quasi spirituelle Traumsubstanz, einfach noch keinen Zweck erfüllt. Erst als der Mensch begann sich seiner selbst bewusst zu werden und dabei ein Außen von sich getrennt erfuhr, fing er auch damit an das ihm Zugängliche, im Erfahren seines Inneren erfassen zu wollen.

Als die Seele schließlich aus der Traumlosigkeit erwacht war, sollte der Mensch beginnen sein Selbst in der Welt zu erkennen. Damit entwickelte er einen Bezug zu etwas außer ihm Befindlichem, auf das er Einfluss zu nehmen suchte, durch sein Handeln – sein Machen.