Vom Wunsch nach Veränderung

von S. Levent Oezkan

Manche fühlen sich in Ihrem gegenwärtigen Zustand einfach nicht mehr wohl. Gerne würden sie etwas verändern, doch wissen nicht so recht: wo anfangen?

Denn meist sind es ja verschiedene Dinge, die einem vielleicht nicht mehr gut tun. Fünf grundsätzliche Lebensbereiche ließen sich nennen: der Ort an dem wir leben, unser körperliches Befinden, der Beruf den wir ausüben, unser Lebenspartner und die anderen Menschen die uns umgeben.

All diese Dinge hängen miteinander zusammen. Schließlich betreffen sie unsere Person und werden von uns individuell empfunden.

Kaum möglich aber, einen Bereich davon zu ändern, ohne dass sich das auf die anderen Lebensbereiche auswirkt. Und genau hier liegt der Grundgedanke: sobald manche merken, dass sich in den anderen Bereichen, die ihnen momentan vielleicht sogar sehr gut tun, sich auch etwas verändern könnte, machen sie lieber einen Rückzieher. Sie nehmen was sie eigentlich stört und an ihren Energiequellen zehrt, lieber in Kauf, und das sogar dann, wenn es dem anderen Lebensbereich, der sich gerade positiv entwickelt, irgendwann schadet.

Doch wer will schon aufhören, wenn es am schönsten ist, wenn man sich mit etwas am wohlsten fühlt?

Früher oder später aber könnte das unangenehm werden und aus einem Negativthema werden zwei, drei und mehr. Denn wenn uns eben etwas im Leben nicht mehr passt, sei es im Beruf, mit unserem Partner, mit der Wohnung, unserem körperlichen Wohlbefinden oder mit unseren Freunden, werden wir immer und immer wieder darüber nachdenken es zu ändern. Was uns Sorgen bereitet oder uns ärgert, geht auf lange Sicht an Negativität auf andere Lebensbereiche über.

Was nun aber, wenn sich dadurch plötzlich alles ändert?

Denken Sie einmal an diese Situation: Ihre Arbeit als Angestellte oder als Angestellter bringt Ihnen zwar das nötige Geld zum Leben, aber sie fühlen sich echt unterfordert und langweilen sich. Ihre Kollegen sind zwar ganz nett, zumindest manche, aber der ewige Konkurrenzkampf mit manchen Anderen, zehrt an Ihrer Nervensubstanz. Was Anderes könnten Sie tun, als zu kündigen und woanders neu anzufangen? Könnte es damit vielleicht zu Geldproblemen kommen, da so ein Schritt die eigene Zukunft unabsehbar macht?

Wenn Sie bald wieder woanders arbeiten und Geld verdienen, sollte das eigentlich alles recht einfach ablaufen. Was aber wenn Ihr Vorhaben sich aber nicht so schnell normalisiert, wie sie dachten? Vielleicht fängt Ihr Lebenspartner an zu mäkeln, dass Ihnen einfach das nötige Geld fehlt, um mit seinem Lebensstil mithalten zu können. Oder Sie haben Probleme Ihre laufenden Kosten zu bezahlen oder vielleicht nicht mehr das nötige Kleingeld, um die Raten auf das Haus abbezahlen zu können.

Solche oder ähnliche Gedanken gehen wohl allen durch den Kopf, wenn sie darüber nachdenken, ob sie ihre Anstellung tatsächlich kündigen.

Das ist nur eines von vielen Beispielen um zu zeigen: mann muss kompromissbereit und flexibel bleiben. Zu sehr mit Dingen oder Menschen verhaftet zu sein, ist nicht nur von Vorteil. Viele Dinge sind lebensnotwendig und wir können nur in der Gemeinschaft mit anderen Menschen (über)leben. Sowohl aber aus den Notwendigkeiten, wie auch aus der Menge all unserer Mitmenschen, können wir wählen wer und was uns gut tut und wem oder was wir von Nutzen sind. Darauf nämlich kommt es doch an.

Wer in oben geschilderter Lebenssituation Kinder hat, steht natürlich vor noch komplexeren Herausforderungen. Sicher aber ist auch hier, dass selbst wenn sich das vermeintliche Netz zwischenmenschlicher Probleme in immer neuen Maschen ausweitet, es selbst aus dieser Angelegenheit Auswege gibt. Es sei denn man weiß, dass das wie es ist, das wie es sein sollte und das wie es aber auch sein könnte, drei verschiedene Perspektiven auf ein und die selbe Sache sind: Sein, Müssen, Können. Vor Allem bringt Geduld aus sich, selbst im Patt Alternativen hervor.

Ein anderes Beispiel: Sie leben mit Ihrer Lebenspartnerin in einem wunderschönen Haus zur Miete, dass sie aber nur gemeinsam bezahlen können. Sie haben häufig Gäste. Für viele Ihrer Freunde, sind Ihre Einladungen wirklich wichtig geworden. Sie genießen für andere da sein zu können. Doch Ihre Beziehung funktioniert einfach nicht mehr und es wäre sinnlos weiterzumachen. Beide aber halten daran fest, denn sie wollen, was sie über Jahre aufgebaut haben, nicht loslassen und auf keinen Fall verlieren. Wie lange geht das gut?

Alles unterliegt dem Wandel

Die menschlichen Körper und die unter ihnen zusammenhängenden emotionalen Bindungen, unterliegen einer ständigen Veränderung und letztendlich dem Verfall. Das mag für unser eigenes Sein durchaus traurig klingen. Es ist aber die Realität. Doch sie ist durchaus in unsere eigene Wahrnehmung positiv integrierbar. Das heißt, dass unsere menschlichen Körper alle nur eine begrenzte Zeit auf diesem Planeten haben und sie nur genau einmal auf der Erde erscheinen. Selbst wenn tausende absolut identische Zwillinge am selben Tag das Licht der Welt erblickten, bewegen sich ihre Individualitäten doch jeder in seinem eigenen Lebenslauf und können mit ihren Füßen niemals exakt am selben Ort stehen.
Die Zellen unseres Körpers teilen sich unablässig. Selbst wenn moderne Technologie und Kosmetik dem entgegenzuwirken strebt, bleibt es sinnlos gegen unsere biologische Uhr anzukämpfen. 

Wir können das so annehmen, als unabänderliches Gesetz der Natur. Denn nur in der Akzeptanz unseres Problems können wir uns darüber erheben. Wer gegen seine Probleme ankämpft, macht sie zu seinen Widersachern. Lösen lassen sie sich nur in der Annahme, doch nicht in der Verneinung ihrer Existenz. Wer sich ihnen verweigert, bleibt in einem ewigen Gestern gefangen. Die Welt aber dreht sich immer weiter, unterliegt dem Wandel. Und es ist dieser Wandel der uns zwingt, unser Leben ständig neu auszurichten und anzugleichen. Der Versuch alte Zustände ewig aufrecht zu erhalten, muss gezwungenermaßen scheitern. Und doch versuchen wir es alle immer wieder.

Es ist einfacher Gewohntes aufrechterhalten zu wollen, als etwas Neues im eigenen Leben einzuführen. Das nämlich bedeutet einen wirklichen Aufwand.

Scheinbar ist es eine Krankheit unserer Zivilisation, etwas dass die Sesshaftigkeit mit sich bringt: alles soll der Gewohnheit gemäß bleiben wie es ist.

Denken Sie an Ihren oder den Garten eines Nachbarn: Wer ihn schön halten will, muss sich um die Pflanzen darin kümmern. Unkraut muss gejätet, im Herbst altes Laub zusammengerecht und kompostiert, Pflanzen von Ungeziefer befreit werden. Kurz: es bedarf so einigen Opfers, dass alles weiterhin grünt und blüht und Früchte bringt. Ignoriert der Gärtner einen dieser Aufgabenbereiche, wirkt sich das sicher negativ auf andere Felder aus.

Und so wie es der Gärtner versteht, so gilt es auch in unserem Leben. Wir können nicht umhin, in unserem Leben Opfer zu erbringen. Zwar deuten auch religiöse Feste auf diese Notwendigkeit hin, in unserem eigenen Leben aber würden wir lieber auf wichtige Entbehrungen verzichten. Das geht sicher für eine zeitlang gut. Irgendwann aber ist es soweit, dass wir auch lernen uns zu trennen von dem was war. Damit schaffen wir Raum für neue Wege, neue Aufgaben, neue Freunde und vielleicht sogar für eine neue Liebe – sei es zu einer neuen Tätigkeit oder zu einem anderen Menschen.


 

 

 

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