Wer hat noch nie geliebt?

von S. Levent Oezkan

Was sagen die Weisen und die Philosophen über die Liebe? Was meinen sie über ihr Entstehen und die Ursachen, die die Liebe notwendigerweise herbeiführen?

Die Liebe ist eine Realität in unserer Welt. In jede Seele ist Liebe eingepflanzt. Und solange die Welt besteht, wird auch die Liebe bestehen.

Manchen der alten Gelehrten war die Liebe ein Laster. Sie führten nur ihre schlechten Eigenschaften an. Andere aber behaupten, die Liebe sei eine Tugend der Seele. Sie heben ihre guten Eigenschaften hervor und schmücken ihre Formulierungen aus.

Diese Unterscheidung zwischen lobenswerter und tadelnswerter Liebe, geht zurück auf den Philosophen Platon (427–347 v. Chr.). Ihm ging es vielleicht weniger um die Geheimnisse, die die Liebe verbirgt. Mit dem Wort Liebe assoziierte er, mit all ihren positiven und negativen Auswirkungen, auch eine seelische Krankheit. Denn zwischen dem Genuss der Liebe und des seelischen Leids, besteht offensichtlich eine Verbindung. Manchmal nämlich treibt die Liebe den Menschen von der Begierde in den Wahnsinn.

Die Liebe ist ein echtes Leiden, das als Leidenschaft zwar angenehm empfunden wird, doch sich eigentlich nach Krankheit sehnt.
Auch schreibt man darum der Liebe dämonische Eigenschaften zu, die die Seele in Bewegung halten, sie mal gemächlich wiegen oder aber schwindeln lassen.

Der byzantinische Arzt Paulus von Aegina (625–690 n. Chr.) meinte, wer unter der Liebeskrankheit leide, solle den Geist auf andere Sorgen lenken und sich so von den Liebesleiden entlasten.

Er erquickt mich mit Blumen und labt mich mit Äpfeln; denn ich bin krank vor Liebe.

- Hohelied Salomos 2:5

Was man in alter Zeit als Liebeskrankheit bezeichnete, war eine Art Steigerung der natürlichen Sehnsucht der Seele nach allen schönen Dingen.
Der persische Arzt und Alchemist Avicenna (980–1037) empfiehlt dem Liebeskranken, seine Vereinigung mit dem Geliebten. So soll er sich von seinen Leiden heilen. Und eigentlich lassen sie in der Seele keinen Raum, für irgend ein anderes Streben, außer dem nach dem Geliebten – Gott. Die Liebe denkt unentwegt über ihn nach und alles was durch sein Wirken besteht.

Was aber ist, wenn darum die Sehnsüchte der Seele in Wirklichkeit eine Art göttlicher Wahn sind? Das Herz ist erregt und die Sinne sind verwirrt.
Vielleicht ja ist eine Seele leer und strebt sich durch Liebe zu erfüllen! Daher aber sprachen manche wieder davon, dass die Liebe eine Tat der Untätigen sei, der leeren Gemüter, jener, die eigentlich nichts (Besseres) zu tun haben.

Die Liebe ist kein Wahn

All die aber sagen, die Liebe sei ein Wahn oder eine Geisteskrankheit, tun das nur aus Unwissenheit. Sie haben nämlich keine Ahnung von den wahren Geheimnissen der Liebe. Sie sehen lediglich das, was einem Liebenden widerfährt: er magert ab, schläft kaum und sein Puls rast. Doch es ist keine Krankheit oder irgend ein göttlicher Taumel. Auch wenn Platon so darüber an anderer Stelle sprach, wusste er doch, dass die Liebe eigentlich ein göttlicher Segen ist:

Unwahr ist jene Rede, welche behauptet, dass wenn ein Liebhaber da sei, man vielmehr dem Nichtliebenden seine Wünsche erfüllen müsse, weil nämlich jener wahnsinnig sei, dieser aber bei Sinnen. Denn wenn freilich ohne Einschränkung gölte, dass der Wahnsinn ein Übel ist, dann wäre dieses wohl gesprochen: nun aber entstehen uns die größten Güter aus einem Wahnsinn, der jedoch durch göttliche Gunst verliehen wird. Denn die Prophetin zu Delphi und die Priesterinnen zu Dodone haben im Wahnsinn vieles Gute in besonderen und öffentlichen Angelegenheiten unserer Hellas (Griechenland) zugewendet, bei Verstande aber kümmerliches oder gar nichts.

- Phaidros 244a

Nur weil man kein Heilmittel gegen die Liebesleiden kennt, bedeutet das nicht, dass es sich um Wahnsinn und Geisteskrankheit handelt.

Liebesleidenschaft ist einfach ein Übermaß an Liebe. Man fühlt sich zu einer einzigen einzigen Person hemmungslos hingezogen. Alles andere schließt man aus.

Kein Mensch ist frei davon, denn niemand liebt etwas nur notwendigerweise oder liebt mal dies und dann wieder das. Wer das Gegenteil behauptet, hat wahrscheinlich noch nie geliebt!

 

 

 

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