Das Auge des Horus - Mystisches Licht der Seele

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Als Ursprungsgott der Menschheit stand der Sonnengott Ra an der Spitze des ägyptischen Pantheon. Ras Licht brachte die wesenhafte Existenz aller Dinge auf der Erde hervor und bestimmte die Zyklen des Lebens. Die Abwesenheit des Sonnengottes bedeutete darum Dunkelheit, Tod und das Erwachen des Bösen.

Die alten Ägypter glaubten am Abend würde Ra im Meer versinken und sich auf seine Nachtmeerfahrt durch die Unterwelt begeben. Am Morgen tauchte er wieder auf, und erschien am Horizont als rotes Sonnenauge. In Begleitung seiner Tochter Maat, der Göttin der Weltordnung, fuhr  er dann in der Sonnenbarke über das Firmament und sendete sein Licht auf die Erde. Dieses Licht verkörperte der goldene Horus-Falke. Seine beiden Augen waren die Himmelskörper Sonne und Mond.

Ein berühmter ägyptischer Mythos berichtet von einem Streit zwischen Horus und seinem Widersacher Seth, dem Gott der Finsternis. In einem Kampf schlug Seth dem Horus ein Auge aus und zerschmetterte es, so dass es in sechs Teile zerfiel. Thoth, der Gott der Magie und der Heilkunst, sammelte die Teile des Auges auf und fügte sie zusammen. Das geheilte Auge übergab er dann wieder dem Horus. Statt es aber selbst zu benutzen, opferte Horus sein Auge. Er setzte es seinem Vater Osiris, dem ägyptischen Totengott, als drittes Auge ein. Damit erweckte er in Osiris ein neues Bewusstsein und brachte Licht in die Dunkelheit der Unterwelt.
Aus diesem Mythos entwickelte sich die Hieroglyphe des Horusauges, welches ein Symbol für alle Opfergaben und Sinnbild für Licht, Ganzheit und Heilung wurde.

Neben seiner mythologischen Bedeutung, hatte das Auge des Horus aber auch konkrete Entsprechungen in der Heilkunde der alten Ägypter. Dem Horusauge wurden sechs Formen der Wahrnehmung zugeordnet: Geruch (rechter Teil des Auges), Gesicht (Pupille), Gedanken (Augenbraue), Gehör (linker Teil des Auges), Geschmack (Spirale) und Gefühl (senkrechter Teil). Zudem entsprach jedem dieser Teile ein mathematischer Bruch: 1/2 (rechter Teil des Auges), 1/4 (Pupille), 1/8 (Augenbraue), 1/16 (linker Teil des Auges), 1/32 (Spirale) und 1/64 (senkrechter Teil). Diese Brüche bildeten die Teile eines alt-ägyptischen Hohlmaßes und wurden als medizinisches Messsystem verwendet, mittels dessen man Dosierungen bei der Zubereitung von Arzneimitteln angab.

Die Zirbeldrüse: unser drittes Auge

Interessanterweise erhält man als Summe der Addition dieser sechs Brüche ein Verhältnis von 63/64. Aber eben nicht 64/64, was dem unversehrten Auge des Horus entsprach. Ein 64stel fehlte also.
Wie man alten Hieroglyphentexten entnehmen kann, verwendete Thoth diesen verborgenen, »magischen« Teil, um das Auge des Horus zu heilen. Dieser Teil entspricht auch dem 6. Sinn des Menschen - der Intuition. Auf feinstofflicher Ebene ist er dem 6. Chakra zugeordnet, welches man auch als das dritte Auge bezeichnet.

Tatsächlich gibt es ein Zentrum im Gehirn, das schon seit langer Zeit mit übersinnlichen Erfahrungen in Verbindung gebracht wird: die Zirbeldrüse.
Die physische Existenz dieser Drüse ist bereits seit 2000 Jahren bekannt. Im alten Ägypten wusste man, dass sich im Inneren des Gehirns ein Organ befindet, über das sich der Mensch mit der spirituellen Ebene des Bewusstseins verbinden kann. Aus diesem Grund befanden sich bestimmte Kraftsymbole auf dem Kopfschmuck der Pharaonen. Die aufgerichtete Kobra, wie man sie auf der Maske des Tutanchamun findet, ist ein Zeichen für Königtum und Licht, sowie ein Verweis auf die Uräus-Schlange, welche sich als drittes Auge auf der Stirn des Sonnengottes befand.

Heute weiß man, dass es sich bei der Zirbeldrüse tatsächlich um eine Art drittes Auge handelt. Denn die Zirbeldrüse besitzt lichtempfindliche Zellen und fungiert als Lichtmesser innerhalb des Gehirns. Das Augenlicht wird über den Hypothalamus, der Schaltzentrale des Gehirns, in die verschiedenen Hirnregionen geführt. Ein Teil des Lichtes wird dazu verwendet die Zirbeldrüse zu stimulieren. Je weniger Licht zur Zirbeldrüse gelangt, desto aktiver produziert sie das Schlafhormon Melatonin, welches sowohl unsere Schlaf- und Wachzyklen, als auch die Dauer der nächtlichen Traumphasen regelt.

Das Organ der Seele

Der im 17. Jahrhundert lebende Philosoph René Descartes vertrat die Idee, dass die Zirbeldrüse sogar der Stammsitz der Seele sei. Ähnlich der ägyptischen Vorstellung war für ihn dieses Organ ein Bindeglied zwischen dem Körper und dem geistig-seelischen Bewusstsein. Nach Meinung Descartes’ trennte sich im Zeitpunkt des Todes an dieser Stelle der astralische vom physischen Körper.
Man nimmt heute an, dass unmittelbar vor dem Tod die Zirbeldrüse noch ein anderes Hormon ausschüttet: das Dimethyltryptamin - kurz DMT. Diese körpereigene Substanz wirkt auf den visuellen Cortex des Gehirns und spielt eine wichtige Rolle in Nah-Tod-Erfahrungen.

DMT kommt auch in der Dschungelpflanze Banisteria Caapi vor, die von den Schamanen Südamerikas Ayahuasca genannt wird und als Kraftpflanze in rituellen Einweihungen verwendet wird. Durch den Trank des aus dieser Pflanze gewonnenen Suds, erfährt der Adept in einem tranceartigen Zustand die Geheimnisse des Lebens und wird an die Pforten des Jenseits geführt.

Um dieselbe Erfahrung ging es auch bei den Einweihungen in die Mysterien der alt-ägyptischen Religion. Mit dem Tod wurde der Seele, so glaubte man, der Übergang in eine andere, höhere Welt, ermöglicht. Im Augenblick des Todes, löste sich das »Ba« (Teil der Seele, Karma) in Form eines Vogels vom Körper, und begab sich in Begleitung des Seelenführers Anubis in die Unterwelt. Dort, in der sogenannten »Halle der vollständigen Wahrheit«, tagte ein Totengericht, wo die Seele von den Sünden des Lebens befreit werden konnte. Auf einer Waage wurde das Herz des Verstorbenen mit der Feder der Maat gewogen. Waren Herz und Maat im Gleichgewicht, hatte der Tote die Prüfung bestanden und wurde von Horus vor den Thron des Osiris geführt. Hier wurde ihm das Urteil verkündet. War das Urteil positiv, konnte sich die Seele des Verstorbenen wieder mit dem Körper vereinigen und wurde mit der Sonnenbarke des Ra in eine höhere Welt übergesetzt.
War das Herz jedoch karmisch belastet, da der Verstorbene zu Lebzeiten ungerecht gehandelt hatte, wurde seine Seele in einem neuen irdischen Körper wiedergeboren. Laut anthroposophischer Lehre sollte dann das Herz aus der vorangegangenen Inkarnation kräftemäßig in die Zirbeldrüse der folgenden Inkarnation umgewandelt und auf diese Weise geläutert werden.

Mit dem geistigen Auge sieht man besser

Die Zirbeldrüse ist das Organ der psychischen Energie im Bewusstsein des Menschen. Sie ist ein Zentrum der imaginativen Wahrnehmung des Geistes und bildet mit dem visuellen Auge einen Antagonismus: je mehr Licht die Augen aufnehmen, desto weniger aktiv ist die Zirbeldrüse.

Heute leben wir in einer Welt, in der überwiegend visuelle Reize den Alltag bestimmen. Durch die ständige Flut künstlicher Bilder, die in unser Bewusstsein einströmen, werden unsere Augen und unser Gehirn teilweise überfordert. Hinzu kommt, dass Beleuchtungen mit größtenteils minderwertiger Lichtqualität (Neonlicht, Energiesparlampen) unseren Körper und unsere Umwelt belasten. Durch den Einfluss dieser großen Lichtmengen wird die Zirbeldrüse in ihrer Funktion gestört. Und so lässt die Kraft unseres dritten Auges allmählich nach, unsere Intuition schwindet, und wir brauchen die Bilder im Außen, um uns im Leben zurechtzufinden.

Doch wie eigentlich in allen westlichen und östlichen esoterischen Traditionen gelehrt wird, ist das hohe Ziel sich von diesen äußeren Bildern zu lösen, und zu lernen mit dem inneren Auge zu sehen. Denn das geschaute Licht im Außen ist nur ein Abglanz der Wirklichkeit.
Die innere Natur des Lichtes unserer Seele wird durch die alltäglichen Bilder verdrängt. Diese Bilder bedeuten letztendlich nichts, da man nicht weiß, was hinter ihnen steht – schliesslich kann man das, was das Sehen möglich macht, nämlich die Sonne, mit dem Auge nicht fassen.
Sind es also wirklich die Bilder, die das Leben ausmachen? Oder ist es das Licht selbst, was das Leben ausmacht?

Erst wenn das Auge die alltäglichen Bilder fallen lässt, erst dann vermittelt sich unserem Selbst das Wesentliche unserer Seele. Dann beginnen Augen zu leuchten, und es scheint aus ihnen das Licht der eigenen Wesensnatur. Dieses Leuchten in den Augen zu finden und zu bewahren, ist Sinn des Lebens. So wird das Auge selbst sonnenhaft und der Körper zur lebendigen Quelle des Lichts.

Aktivierung der Zirbel

Die Zirbeldrüse ist am aktivsten wenn es dunkel ist. Darum bietet es sich an täglich in einem dunklen Raum für einige Minuten zu meditieren.
Wir legen uns hin, schließen die Augen und konzentrieren uns auf die Mitte unserer Stirn. Dann stellen wir uns vor, wie entlang unseres Wirbelsäulenkanals ein warmer Energiestrom ins Zentrum unseres Gehirns aufsteigt. Mit jedem Ausatmen fachen wir die mystische Flamme der Zirbeldrüse an und erfahren damit ein inneres Leuchten, das uns auf den verborgenen Pfaden unseres Unterbewusstsein als Lichtquelle dient. Durch diese Übung können wir uns allmählich besser mit unserer Intuition verbinden und so zu höheren spirituellen Einsichten gelangen.

Feature Tick: 

Kommentare

Aus meiner Sicht sehr gelungener Text. Am Anfang der ägyptische Mythos, ohne auf seine tiefere Bedeutung einzugehen. Danach Fakten und zum Schluss eine praktische Übung. Der Weg vom Geist zum Körper. Die wiederholte Anwendung der Licht Imagination regt die Zellen im Körper an sich zu verbinden. Bessere interne Komunikation der Organe verbessert das Leben.

 

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