Es ist wunderbar, einen flüchtigen Blick auf die eigene Selbstverliebtheit zu erhaschen und über sie lachen zu können. Je öfter das passiert, desto mehr geht dabei das überempfindliche Gehabe des eigenen Egos verloren.
Und das bedeutet mehr Ausgeglichenheit. Unser Einfühlungsvermögen wächst, was anderen Menschen den Zugang zu uns erleichtert.
Als es mir zum ersten Mal gelang meine eigene Selbstverliebtheit in Aktion zu erwischen und mir gelang ihren Automatismus über längere Zeit zu beobachten, erhielt ich einen immer kompletter werdenden Überblick davon, wie meine Selbstverliebtheit in der bisherigen Zeit meines Lebens verlaufen war.
Mir wurde klar, das nichts von mir so unruhig, so leicht zu provozieren und so schnell in Wut zu versetzen ist. Und das war mir vor mir selbst einfach nur peinlich.
So oft wurde meine Selbstverliebtheit nicht gemäß ihrer eigenen Eitelkeit geehrt oder brach in Enttäuschung und Frust in sich zusammen. wenn ihr etwas nicht nach ihrem Gefallen und Verlangen gelungen war. Egoismus und Selbstliebe stehen einfach wie Synonyme, händchenhaltend nebeneinander.
Wie aber sieht Selbstverliebtheit eigentlich aus und wie wirkt sie?
Sie ist ein Aspekt des Egos von allen, die sich mit ihrer Alltagsmaske identifizieren. Und darauf leider beruht die Selbstliebe aller Menschen. Da sie sich immer neue Masken überzieht, ist die Selbstverliebtheit wie ein Wolf in vielen Schafspelzen. Und sie hasst nichts mehr, als ausgelacht zu werden. Über sich selbst lachen aber kann sie nicht –, zumindest so lange nicht, wie man sich noch unbewusst von ihr hinreißen lässt.
Die eigene Selbstverliebtheit möchte, dass jeder sie bewundert und sich vor ihr verneigt. Im letzteren Fall tarnt sie sich als äußerste Bescheidenheit und gibt sich ganz demütig. Doch wenn sie durch etwas, das sie zufällig mitbekommen hat, gekränkt wird, spricht sie mit einer Stimme wie eine Wespe die in ein Glas Honig gestürzt ist.
Im Grunde ist die Selbstverliebtheit ziemlich empfindungslos, außer gegenüber jenen, die ihre Vorzüge hervorheben. Diesen gegenüber mag sie sich als Freundlichkeit tarnen, die jedoch hart wird, sobald Kritik geäußert oder ein Fehler begangen wird. Man kann sicher sein, dass sie stets ihre eigenen Interessen im Blick behält – so sehr man auch beteuern mag, dass man es einfach nicht glauben kann.
Man kann seine Selbstverliebtheit eben nicht direkt erkennen. Doch was der Selbstverliebtheit folgt, kann man ganz einfach erkennen: Groll, Unruhe, viel zu leichte Reizbarkeit und auch heftige Wut sind Folgen, die man vielleicht an sich selbst erkennen kann, um Selbstverliebtheit an ihrem finsteren Tarnmantel zu packen.
Und da kann man sich leicht vorstellen das Selbstverliebtheit nichts als nur unglücklich macht. Wir sind davon betroffen und es ist sinnlos, auf einen anderen herabzuschauen und zu sagen: „EIn Glück, dass ich nicht so selbstverliebt bin“. Denn es ist einfach immer die eigene Selbstverliebtheit, die, in dieser billigen, dünnen Verkleidung jenes Tarnmantels, einem ganz süß und verführerisch etwas einflüstert.
Ein Beispiel: Hans verachtet Fritz und lacht ihn aus. Fritz verachtet Hans und lacht ihn aus. Aber Hans kann nicht über Hans lachen, und Fritz kann nicht über Fritz lachen. Das ist das Problem bei uns allen. Deshalb müssen wir lernen uns aus unserer Persönlichkeit zu lösen und dabei unser wesentliches Selbst entlarven. Denn unser Wesenskern käme sehr gut ohne all die Eitelkeiten unserer Selbstverliebtheit aus – wenn wir sie ihm nur nicht mehr in den Weg stellen bräuchten.
Eine Möglichkeit, die Selbstverliebtheit anzugreifen, ist die Selbstbeobachtung. Man kann lernen, ihre dummen Erfindungen zu bemerken und sie dabei nach und nach ins Licht des eigenen Bewusstseins rücken. Und dieses Licht der Selbstbeobachtung entblößt die Selbstliebe in ihrer Lächerlichkeit. Wenn man über sich selbst lachen kann, schwächt das die eigene Selbstverliebtheit und man bewegt sich so einen beachtlichen Schritt nach vorne.
Das Bewusste – also das Licht – trifft auf das, was unbewusst, in der Dunkelheit, wirkte. Das Helle und das Finstere treffen aufeinander. Langsam. Doch immer, wenn dies geschieht, wird die Selbstverliebtheit geschwächt, und das Bewusstsein wächst auf ihre Kosten.
Über einen Teil der eigenen Selbstverliebtheit einmal so richtig lachen zu können. Was für ein befreiendes Gefühl, das mit einem Mal einen riesigen Haufen an Problemen links und rechts von einem absinken lässt!
Wir sollten einsehen, das fast unser gesamtes Leben sich auf dieser irren Selbstverliebtheit ausruht. Ich muss darum an Felix Maibaum arbeiten und in der Lage sein, über ihn zu lachen.