Esoterik

Chancen einer integralen Bewusstseinsstruktur

Chancen einer integralen Bewusstseinsstruktur

Integrales Bewusstsein - ewigeweisheit.de

Ausgehend von der großen Trennung der exoterischen von den esoterischen Wissenschaften, wie sie insbesondere nach der zweiten Mutationsphase der mentalen Struktur einsetzte (ab dem Beginn der Neuzeit), entwickelte unsere Wissenskultur einen Ausschließlichkeitscharakter. Das heißt: Entweder man ist jemand der seine Zeit den Natur- und Geisteswissenschaften widmet oder eben den Geheimwissenschaften.

Erstere Wissenschaftsdisziplin basiert auf eher materialistisch Geprägtem, während die Geheimwissenschaften, also die Esoterik, manchmal scheinbar grenzenlos ins Spirituelle ausschweift, dann aber im Rahmen einer ziemlich leichtfüßigen Flexibilität.

Beide aber, die Exoterik und die Esoterik, sind voneinander abhängig, teilen sie doch historische Wurzeln, die sich erst am Ende des Mittelalters verzweigen sollten. Beide Wissenschaftslinien aber scheinen sich jeweils in folgenden Dualismen zu spiegeln:

  • weltlich - kosmisch-universell
  • materialistisch – spirituell
  • quantitativ – qualitativ
  • zeitlich vorwärts gerichtet – zeitlich rückwärts gerichtet
  • Streben nach Differenzierung – Streben nach Einung

Doch sich als Interessierter ausschließlich um einen dieser beiden Stränge zu scharen, ist heute schlicht unmöglich. Denn die einen springen gelegentlich ins Esoterische, während sich das so lange schon verfeindete Lager der Geheimwissenschaften, auch mal ins Exoterische wagt. Und das geschieht immer dann, wenn sich der Kreis wissenschaftlich Interessierter mit dem anderen der Esoteriker überschneidet und man sich dabei notwendiger Rechtfertigungselemente bedient – seien es zum Beispiel bestimmte Maße oder Messungen, die ein Esoteriker zu Rate zieht, oder etwa das Heranziehen der ersten Genesis-Verse zur Rechtfertigung einer Urknall-Theorie.

Man abstrahiert die Perspektive, ganz nach Belieben, öffnet sich in die eine oder die andere Richtung. Doch bei diesem, eigentlich ego-bedingten Springen zwischen Einzelfällen, ist man sich kaum der eigentlichen Abgründe bewusst.

Jene gegenseitigen, bereichernden Aspekte des Exoterischen, wie auch des Esoterischen, sollten doch besser integriert werden, in einer gemeinsamen Struktur der Einheit. Jean Gebser sprach darum von der »Integralen Bewusstseinsstruktur«. Nicht eine weitere Abstrahierung, sondern eine Konkretisierung der Voraussetzungen sollte selbstverständlich werden. Integral bedeutet damit, insbesondere die anderen Bewusstseinsstrukturen (archaisch, magisch, mythisch, mental), in all ihrer eigentlichen Kraft, in dieses Gleichgewicht miteinzubeziehen.

Doch geht es dabei nicht darum nur mentale oder dingliche Erscheinungen zu konkretisieren. Vielmehr könnte das Ziel sein diese Erscheinungen quasi durchsichtig machen zu wollen und dabei zu entlarven, um so ihre Auswirkungen auf das eigene Leben und Schicksal bewusst zu machen. Nachteilig wirkende Aspekte würden durch Einsicht gemeistert und damit versucht, sie im eigenen Leben ins Gleichgewicht zu bringen, mit dem was gemeistert wurde und dem was als positiv bleibend erscheint.

Man darf sich nicht weiter mit jenem Springen zwischen den beiden esoterischen und exoterischen Wissenschaftssträngen zufrieden geben. Auch wenn das nicht einfach ist, müssen sie jeweils konkretisiert und dabei integriert, vergegenwärtigt und durchschaubar gemacht werden. Das Resultat aber wäre eine Bewusstseins-Intensivierung, die, in der Arbeit und der Konkretisierung eines integralen Bewusstseins, nur von Vorteil sein kann.

Wenn also die integrale Struktur, die vier vorhergehenden Strukturen des Bewusstseins in einem neuen Ganzen zusammenfassen will, führt das zur Darstellung eines besonderen Mittels. Das heißt, dass sich alle Bewusstseinsstrukturen nicht nur zu etwas aufsummieren, was der Mensch heute ist, sondern er damit lernt sie auf ganzheitliche Weise selbst zu repräsentieren.

Das vermittelt ihm eine praktische Handhabe zur Beantwortung seiner eigentlich wichtigsten Fragen: Wie kann man als Mensch das Mittel dieser Ebenen des Bewusstseins, in sich wirksam machen?

Sicher ist die eine oder andere Bewusstseinsstruktur in jedem Menschen stärker betont als diese oder jene andere. Deshalb wäre die Antwort auf die eben gestellte Frage, eine weitere Frage, die sich nämlich danach erkundigt wie man die Fähigkeit entwickelt, entsprechend seiner Veranlagungen, adäquat auf Lebensereignisse zu antworten.

Wer beispielsweise vorwiegend im Magischen beheimatet ist, wird nur schwer den Forderungen des Lebens gerecht werden können, die ihm aus der mythischen, geschweige denn aus der mentalen Struktur zugetragen werden

- Aus Jean Gebsers Buch »Ursprung und Gegenwart«, Kapitel »Die Mutationen als ganzheitliches Phänomen«

Nur insofern ein Mensch die Ganzheit jener Schritte in der Entwicklung seiner Bewusstseinsstrukturen zu leben lernt, führt er ein ganzheitliches Leben.

Es gilt darum die in uns am stärksten veranlagte Bewusstseinsstruktur mit den anderen Strukturen ins Gleichgewicht zu bringen. Hiermit kann es uns gelingen eine weitere, neue Bewusstseinsmutation einzuleiten, die aus der eigentlichen Sackgasse der mentalen Ebene herausführt: einem uns immer und immer wieder eingebläuten dualistischen Denken.

Diese neue Bewusstseinsstruktur kann uns helfen die Wertung in Gegensätze von richtig und falsch, von gut und schlecht, licht und dunkel, endlich zu überwinden. So lassen sich in Widersprüchen und Gegensätzen Entsprechungen erkennen, die nicht weiter rationalisieren und teilen, sondern verbinden, einigen.

In der Fähigkeit dies zu erzielen und dem Bewusstsein dass uns eigentlich alle dargestellten Strukturen bestimmen und in uns bedingen, werden wir unser Leben als ein Ganzes leben können. Es wäre darum unangebracht, irgend eine der uns minder entsprechenden Bewusstseinsstrukturen zu leugnen oder andere Strukturen in unserem Leben überzubetonen.

Mit der Vergegenwärtigung der ihnen allen zu Grunde liegenden strukturellen Zusammenhänge, lässt sich unser Bewusstseins in eine integrale Struktur bringen, die uns als Einzelne, doch damit immer auch als Gemeinschaft, in die in uns wirkende Ganzheit eines neuen Bewusstseins führen.

Denn diese Struktur umfasst auch das Zukünftige, das auch uns heute schon mitkonstituiert. Nicht nur wir formen es, es formt auch uns.

- Aus Jean Gebsers Buch »Ursprung und Gegenwart«, Kapitel »Die Mutationen als ganzheitliches Phänomen«