Glück

Was den Menschen wirklich glücklich macht

Was den Menschen wirklich glücklich macht

Fast alles was wir Menschen tun, ist dadurch motiviert, entweder einen negativen Gefühlszustand zu vermeiden oder einen langanhaltenden positiven Gefühlszustand zu finden. Diese Suche nach dem Glück nimmt aber je nach Kultur und Zeitalter ganz andere Erscheinungsformen an.

In den letzten Jahrtausenden haben oft die Religionen, die damit verbundenen Glaubenssätze und organisierten zwischenmenschlichen Interaktionen, das Erreichen eines Zustands von Glück angestrebt. Manche religiösen Institutionen sind aber auch von ihrer ursprünglichen spirituellen Basis abgekommen und haben teilweise sogar neues Leid in die Welt gebracht.

In der westlichen Welt ist, spätestens mit dem Beginn der wissenschaftlichen Psychologie im 19. Jahrhundert, die Frage nach objektiven und glaubensunabhängigen Faktoren aufgekommen, die einen positiven Einfluss auf das menschliche Erleben und Verhalten haben. Traditionell hat sich vor allem die Psychotherapie mit den Faktoren beschäftigt, die "psychische Krankheit" lindern und damit einen positiven Einfluss auf die gesunde Funktionsfähigkeit der menschlichen Psyche und das Wohlbefinden hat. Aktuell entstehen auch immer mehr präventive Maßnahmen, die zu mehr Wohlbefinden führen können, auch im Rahmen von Gesundheitspsychologie und Glücksforschung.

In der Psychologie und Psychotherapie besteht aber nach wie vor große Uneinigkeit darüber, was Menschen glücklich macht und wie dieser Zustand am besten herbei zu führen ist. Trotz tausender empirischer Theorien und Jahrzehnte langer Forschung sind die effektivsten Interventionen zum Teil diejenigen, die gar nicht aus der westlichen Wissenschaft entstanden sind sondern ihren Ursprung in östlichen spirituellen Praktiken haben. So werden inspiriert von Yoga, Meditation und Achtsamkeit Programme erstellt, die von religiösen Ritualen bereinigt und neu strukturiert werden, aber ansonsten auf die Mechanismen zurückgreifen, die schon lange vor Entstehung der westlichen Wissenschaft existiert haben und von dieser bis heute nicht vollständig verstanden werden.

Dennoch gibt es auch in der westlichen Welt einige faszinierende und wirkungsvolle Ansätze, die im Rahmen der Psychotherapiepraxis entstanden, aber in der aktuellen Forschung und Anwendung, vielleicht zu Unrecht, noch immer eher eine Randerscheinung darstellen.

Der nachfolgende Text befasst sich mit den faszinierendsten Aspekten

  • der Gesprächspsychotherapie,
  • Focusing (einer Selbsthilfetechnik zur Lösung persönlicher Probleme) und
  • dem zugrunde liegenden Menschenbild der Humanistischen Psychologie.

Humanistische Psychologie und Selbstverwirklichung

Das humanistische Menschenbild geht davon aus, dass jeder Mensch absolut einzigartig und von Grund auf gut und konstruktiv ist. Der Mensch strebt folglich danach zu wachsen und sein volles Potential zu entfalten - eine innewohnende Tendenz, die als "Selbstaktualisierung" oder "Selbstverwirklichung" bezeichnet wird.

Eine konstruktive zwischenmenschliche Beziehung voller Wertschätzung, Verständnis und vor allem Echtheit, die auch in der Gesprächspsychotherapie angestrebt wird, unterstützt diesen Entfaltungsprozess, die Selbstaktualisierungstendenz.

Abraham Maslow, einer der Mitbegründer der humanistischen Psychologie, hat anhand einer Untersuchung von bekannten und bedeutenden Persönlichkeiten (z.B. Albert Einstein, Goethe, Abraham Lincoln, Albert Schweitzer) Merkmale abgeleitet, die für ihn ein sich selbstverwirklichendes Individuum charakterisiert.

Diese Merkmale umfassen unter anderem

  • eine hohe Akzeptanz der eigenen Person, anderer Menschen und der Natur im Allgemeinen,
  • Natürlichkeit, Spontaneität und Einfachheit,
  • Gemeinschaftsgefühl und Akzeptanz demokratischer Werte,
  • gleichzeitig eine Unabhängigkeit von der jeweiligen sozialen Umwelt,
  • und Resistenz gegenüber kulturellem Konformitätsdruck,
  • ein starkes ethisches Bewusstsein,
  • unverbrauchte Wertschätzung,
  • mystische oder Grenzerfahrungen,
  • enge, tiefe persönliche Beziehungen zu wenigen ausgewählten Menschen,
  • philosophischer Humor,
  • und Kreativität.

Maslow stellt das menschliche Potential der Selbstaktualisierung an die Spitze seiner Bedürfnispyramide. Dies macht es zu einem Bedürfnis, was erst nach der vollständigen Erfüllung aller anderen menschlichen Bedürfnisse (Physiologische Bedürfnisse, Sicherheit, Zugehörigkeit und Liebe, und Achtung) im Vordergrund steht.

Es geht bei der Selbstverwirklichung im psychologischen Sinne also darum, sein volles Potential als Mensch zu entfalten, während Selbstrealisation in östlicher spiritueller Tradition die Identifikation mit der unsterblichen Seele meint, etwas das jenseits der Beschränkung der menschlichen Perspektive existiert. Interessanterweise haben die von Maslow formulierten Merkmale eines selbstverwirklichenden Individuums zum Teil dennoch große Übereinstimmung mit den Beschreibungen eines spirituell selbstrealisierten Menschen.

Die großen Psychotherapieverfahren und ihr Menschenbild

Die derzeit verbreitetsten Richtungen der Psychotherapie sind die Psychoanalyse und ihre tiefenpsychologischen Weiterentwicklungen und die Verhaltenstherapie. Davon unterscheidet sich die humanistische Psychologie in ihren grundlegenden Annahmen über den Menschen deutlich und stellt damit die "Dritte Richtung" dar.

Die psychoanalytischen Verfahren, die auf Sigmund Freud zurückzuführen sind, gehen von einem triebgesteuerten, tendenziell destruktiven Menschen aus, dessen verschlüsselte Botschaften des unbewussten Geschehens durch Deutung vom Therapeuten zu enträtseln sind. Diese Einsichten dienen dann der Umstrukturierung der Persönlichkeit, insbesondere den Bereichen, die zu Leid geführt haben.

Der Behaviorismus von John B. Watson und die daraus entstandenen Verhaltenstherapien gehen davon aus, dass der Mensch lediglich ein Resultat seiner bisherigen, von der Umwelt gelernten Verhaltensweisen ist und folglich durch das Trainieren gewünschter Verhaltensweisen und Abschwächen unerwünschten Verhaltens, Besserung erfährt.

Praxis der Humanistischen Psychologie

Gesprächspsychotherapie

Die klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie wurde in den 1940ern von Carl Rogers in den USA in engem Kontakt mit der empirischen Psychologie entwickelt. Sie spricht anders als die vorherigen Therapieformen jedem Menschen die intrinsische Fähigkeit zu, sich auf konstruktive und sozial verbindende Weise zu entfalten. Die Therapie stellt hierbei einen Rahmen, in der günstige Bedingungen vorliegen, um dieses selbstaktualisierende Potential wirksam werden zu lassen.

Der Schwerpunkt liegt auf dem Hier und Jetzt der therapeutischen Situation und der realen Beziehung zwischen Therapeuten und Klient.

Der "Klient" bleibt hier in einer selbstverantwortlichen Rolle, in der er eigene Entdeckungen macht und selbstständige Entscheidungen trifft. Rogers erkannte in den Klienten im Verlauf der Therapie eine zunehmende Fähigkeit voll im unmittelbaren Augenblick zu leben, ihre Gefühle und persönlichen Bedeutungsinhalte zu äußern und Beziehungen besser zu gestalten. Zudem kamen Klienten zu der Erkenntnis, dass sie selbst Schöpfer ihrer subjektiven Realität sind.

Focusing

Focusing ist ein Prozess, der mit einer Haltung von innerer Achtsamkeit Zugang zu der Intelligenz des Unbewussten eröffnet.

Das Wahrnehmen des ganzheitlichen Körpererlebens aus einer Haltung von Neugier, Geduld und wohlwollender Freundlichkeit heraus, löst innere Barrieren und eröffnet den Zugang zu der innenliegenden Weisheit, der Intelligenz des Körpers, der inneren Bilder und Empfindungen.

Focusing ist eine wissenschaftlich fundierte Methode, die die subjektiven Anteile der menschlichen Psyche exploriert und sie ohne einen Anspruch auf Objektivierbarkeit nutzt, um gewünschte Heilung oder Veränderung hervorzubringen.

Focusing kann eigenständig, als Selbsthilfemethode geübt werden. Dazu helfen Fragen, die statt mit dem Verstand alleine an das ganze Körpererleben gerichtet werden.

  • Wie fühle ich mich?
    Was ist da, wenn ich frage, wie mein Leben läuft, was gerade das Hauptthema ist?
    Antworte nicht, lass das was in deinem Körper passiert antworten. Lass Raum zwischen dir und dem Erleben.
  • Wähle ein Problem aus und betrachte, fühle die Ganzheit von ihm (mind. 30 sec). Gehe nicht in das Problem hinein, sondern stehe zurück und fühle wie es dich in deinem Körper fühlen lässt, wenn du es als Ganzes betrachtest (meistens sehr vages Gefühl).
    Du hast das Gefühl, du bist es nicht. Nimm an, was immer du fühlst.
  • Welche Qualitäten hat diese Wahrnehmung? (Worte, Bilder)
    Wenn eine Qualität auftaucht, spüre nochmal ob sie wirklich passt. Wenn ja bleibe für einen Moment dabei.
  • Was ist es (von dem ganzen Problem), das diese Qualität macht? Stelle die Frage erneut an das gesamte Körpererleben.
    Frage, was es braucht. Was jetzt gut wäre. Verzichte darauf eine rationale Erklärung zu finden, lass die Antwort auftauchen.
    Nimm wertschätzend an, was sich auftut. Nimm dir Zeit die gefühlte Veränderung wahrzunehmen.

Eine zweite Person, die den Prozess durch aktives Zuhören begleiten kann, erleichtert dem Fokussierenden enorm seine Konzentration zu bündeln und Neues zu erfassen. Durch die wohlwollende Aufmerksamkeit und Präsenz dieser zweiten Person kann der innere Prozess immens unterstützt werden.

Leid und Freuden, Freude und Leidenschaft

von S. Levent Oezkan

Welchem Zweck dient all das viele Leid auf Erden? Was sind seine wahren Ursachen? Auf solche Fragen haben manche vielleicht eine plausible Antwort. Wer aber das Feld dieser Problematik betritt, über Leid und seine Ursachen spricht oder schreibt, sollte nicht verallgemeinern. Zumal Leid immer etwas Persönliches ist – auch dann, wenn etwa wegen eines Vorfalls viele Menschen gleichzeitig leiden.

Auch die Geografie ist wesentlich, für das Verständnis und die Erklärung von Leidursachen. Denn worunter Menschen in den Industrieländern leiden, mag Menschen aus Staaten in denen große Armut herrscht, recht fragwürdig erscheinen. Mitleidsempfindungen scheinen sich proportional zum Gefälle zwischen reich und arm zu verhalten. Damit ist Leid etwas Relatives – besonders im Wissen, dass die Menschen ihr Leid ja auf verschiedenen Ebenen des Seins bekümmert.

Das Wort »Leid« wird aber ebenso verwendet um den Gemütszustand eines depressiven Menschen, mit dem eines Hungernden zu bezeichnen. Echt schwierig wird's dann aber, wenn einer versucht einheitliche Regeln festlegen zu wollen, die zur Auflösung von Leidursachen führen sollen. Doch genau das geschieht, wenn in manchen Glaubensgemeinschaften das Konzept »Leid« religiös generalisiert wird. Dann nämlich treten die Atheisten auf den Plan und stellen die Frage: Warum muss es Leid geben, wenn ein allmächtiger Gott über Gut und Böse verfügt? Hätte ein so omnipotentes Wesen vollkommener Intelligenz, nicht eine Welt erschaffen können, worin seine Geschöpfe ohne Leid leben?

Das sind durchweg berechtigte Fragen, zu denen wir im Folgenden Antworten finden wollen.

Freiheit der Wahl

Der Mensch hat eine relative Freiheit zu entscheiden, zu tun und zu lassen was er will. Doch zuvor legt ihn sein Unterbewusstsein auf das fest, wofür er sich letztendlich entscheidet. Seiner Wahlfreiheit ist damit nur ein gewisser Spielraum gesetzt. Normen prägen Bewusstseinsmotive, die das Unbewusste begrenzen. Auf dieser Grundlage entscheidet ein Mensch welchen Weg er geht. Vorausgesetzt natürlich, ihm sind die Optionen seines Handlungsspielraums bewusst.

Jeder von uns mag wählen, ob er höheren Zielen zustrebt oder sich damit zufrieden gibt, sich allein niederen Instinkten zu überlassen. Gewiss aber lastet dabei auf ihm immer auch ein Teil des Gesamtwillens der Gesellschaft in der er lebt. Nur in seiner sexuellen Freiheit scheint der Mensch uneingeschränkt zu bleiben. Und so werden Leidenschaften als Vorwand ausgelebt, um wichtige Leidursachen zu verharmlosen und vor sich nicht zugeben zu müssen. Doch daraus wird heutzutage eine Menge Kapital geschlagen.

Je mehr Möglichkeiten sich uns bieten, desto schwerer fällt die Entscheidung. Statt sich zu bewegen, kommt es irgendwann zum Stillstand. Was aber wäre, wenn einem Menschen keine Wahl bleibt? Er bliebe einfach in Bewegung, ohne innezuhalten und sich zu fragen: Schlage ich diesen oder jenen Weg ein? Verlöre der Wunsch nach Freiheit dann nicht an Bedeutung?

In dieser Welt scheinen sich unzählige Gelegenheiten zu bieten, wegen denen wir unsere Wahlfreiheit bemühen, um dies oder das zu tun. Doch sind das echte Mühen? Oder versinken wir in Wirklichkeit nur immer tiefer in eine Art Schlaf, aus dem uns nur noch Leid erwachen lässt? Wenn das der Fall wäre, würde wohl das Wissen darüber verloren gehen, was einem selbst, geschweige denn anderen wirklich gut tut. Doch dieses Wissen ist ja die Grundlage des Zusammenlebens überhaupt. Und wer auf der Welt kann alleine überleben?

Die Gleichnis von der Schlange am Baum

Wenn wir als Mensch nun über die Fähigkeit zu entscheiden verfügen, bedeutet das trotzdem nicht, dass wir auch tatsächlich selbst auswählen. Meist laufen eigene Wünsche mit denen anderer zusammen oder entstehen sogar erst, wenn gewisse äußere Einflüsse an Bedeutung gewinnen.

Die biblische Symbolik der Schlange am Baum der Erkenntnis von Gutem und Bösen, deutet hin auf den Zwist der Kräfte von Licht und Finsternis, von Leben und Tod, von Freuden und Leiden. Dieses uralte Thema verdichtete sich vor ungefähr 2000 Jahren, zum zentralen Symbol der Christenheit: dem gekreuzigten Messias. So wie die Schlange sich zwischen den Ästen des Baumes der Erkenntnis emporwand, so richtete man den Leib Christi am Kreuzesbaum auf, als ultimatives Symbol für die Auflösung jener Ursünde, zur Erretung der Menschheit.

Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden.

- Johannes 3:14

Die christlichen Evangelien beschreiben Jesus als den Erlöser, der die Menschen heilte und den Unglücklichen half. Doch er tat das nicht seiner selbst willen, sondern opferte sich allen auf, für seine göttliche Bestimmung. Er trat den Leidensweg also freiwillig an, was offensichtlich genau das Gegenteil davon ist, wonach wir in unserem tagtäglichen Leben heute suchen: die Vermeidung von Leid.

Da ist eigentlich nichts, was dieses Streben in Frage stellen könnte, als ein kleines, jedoch nicht unbedeutendes Detail: Wenn wir uns erinnern, als wir selbst einmal gelitten haben oder durch eine sehr schwere und beengende Lebensphase gingen, war es da nicht so, dass wir danach klüger waren und uns ähnliche Leiderfahrungen viel weniger schmerzlich erschienen? Was man einst durchstand, wiederholt sich niemals auf selbe Weise, sondern ist als solches mit dem Durchschreiten der Leiden oder der Angst, auf immer gebannt. Man eignete sich dann nämlich, wenn vielleicht auch ungewollt, das nötige Handwerkszeug an, um in der Zukunft ähnlichen Problemen mit mehr Gelassenheit zu begegnen.

Ängste und Leiden zu überstehen, sind unsere wichtigsten Lektionen in der Schule des Lebens. Sie bereiten uns vor auf das, was man das ultimative Ziel im Leben nennt: den Tod.

Ewiges Leben ohne Leidenschaft?

Nun versucht jeder vernünftige Mensch, möglichem Leid oder dem noch schlimmeren Risiko des Todes, aus dem Weg zu gehen. Es ist ratsam und auch gesund davon auszugehen, dass wir in diese Welt geboren wurden, um ein angenehmes Leben zu führen. Weder Leid noch Tod aber, lassen sich vermeiden – auch wenn gegenwärtig manche Wissenschaftler forschen, ob der Tod nicht sogar überwunden werden könnte, in dem man den menschlichen Geist digitalisiert und auf einem Medium außerhalb des Körpers sichert. Wenn es damit sogar tatsächlich gelänge, ein elektronisches, selbst-denkendes System zu kreieren, das von einem Informationsträger aus agiert, stellt sich die Frage, wie es dann aussieht mit dem freien Willen dieses Denksystems?

Wieso außerdem, sollte diese digitale Kopie überhaupt fortleben wollen? Auf den ersten Blick ließe sich damit vielleicht der »vollständige Tod« umgehen. Doch was ist, wenn man bereits zu Lebzeiten eine digitale Kopie seines Geistes mehrfach erstellen ließe? Welche davon bliebe dann das eigentliche Ich? Und was würde geschehen, wenn nun eine dieser Kopien die Daseinsexistenz des Originals anzweifelte oder ihr sogar das Lebensrecht abspräche: Würden so nicht noch mehr Quellen des Leids entstehen?

Solche Fragen mögen heute vielleicht noch etwas fantastisch anmuten, doch es dauert keine Jahrzehnte mehr, bis so etwas tatsächlich möglich ist. Dann wäre die Frage wirklich berechtigt, ob der Wunsch Leben, Fühlen und Denken zu überlisten, zur Quelle unsäglichen Leids führen könnte.

Zu denken was man ist

Der wahrscheinlich größte Teil, auch körperlicher Leiden, steht in direktem Zusammenhang mit dem Denken eines Menschen. Denn so wie es in der physischen Welt Gesetze gibt, die Ordnung und Stabilität sichern sollen, so gibt es auch geistige Gesetze, die sich begünstigend auf das gesamte Leben auswirken.

Ganz wenige Menschen nur haben die natürliche Veranlagung positiv zu denken. Die Wertung »positives Denken« mag manchen schon recht abgedroschen erscheinen, was aber wohl nur daran liegt, dass sie es nie wirklich versucht haben. Es hilft eben nicht, alleine nur ein gutes Buch über bessere Lebensführung oder Ernährung zu lesen. Nur wer tagtäglich zur Entwicklung seiner konstruktiver Weltsicht durch richtiges Denken beiträgt, wird positive Resultate ernten, die irgendwann auch auf seine Umwelt übergehen.

Jeder Schöpfung geht ein Gedanke voraus und Denken ist eine kreative Kraft, mit der man äußert vorsichtig umgehen sollte. Zweifel, Sorgen und Ängste scheinen Unglück regelrecht einzuladen. Und wer sein Bewusstsein ständig mit Negativinformationen beeindruckt, darf sich nicht wundern, wenn sich diese auch irgendwann als leidvolle Erfahrungen im Leben manifestieren.

Wir sind was wir denken, und was wir denken wird zu dem, was uns in unserem Leben begegnet. Man sollte sich darum immer wieder daran erinnern, dass Ängste tatsächlich in Erfüllung gehen, vielleicht noch schneller, als man denkt. Das Selbe aber gilt auch für unsere Wünsche. Doch Vorsicht! Viele von uns nämlich erhoffen sich dies und das im Leben, einen Liebespartner, mehr Geld oder Gesundheit, sind aber mental noch gar nicht auf die Erfüllung des Wunsches vorbereitet. Und wenn sich diese Wünsche dann erfüllen, hat man sich vielleicht alles ganz anders vorgestellt. Jeder von uns ändert sich ständig. Und wenn so ein Wunsch sich erfüllt, sind wir vielleicht bereits über ihn hinausgewachsen und er erscheint uns womöglich unbedeutend.

Oft sind außerdem viele der Wünsche die wir hegen, die Wünsche anderer, die sich nur als unsere eigenen ausgeben. Hierzu zählen sicherlich all die Moden, die wir alle mehr oder minder mitmachen. Individualismus scheint dazu ein wirksames Gegenmodell, dass sich dem Wahn aufoktroyierter Sehnsüchte zu entziehen versucht. Wer das aber als Lebensmotto wählt, dürfte irgendwann die leidvolle Erfahrung machen, das man mit so etwas sehr schnell vereinsamt.

Herren des Seelengifts

Schwierig wird es, wenn Regierungen mancher Staaten Steuergelder verschwenden, um den Menschen Ideologien einzubläuen, die sie gegen anders gesinnte Menschen aufbringen. Das scheint besonders heute sehr einfach zu gelingen, bei all den Falschmeldungen in sozialen Medien. Bestes Beispiel ist die Verteufelung des Islam. Doch auch die Lächerlichkeit mit der über christliche Gläubige geurteilt wird, basiert auf eigentlicher Unwissenheit.

Wenn auch indirekt, ist es die Unwissenheit unter der die Menschheit gegenwärtig am meisten leidet. Der Großteil der Weltbevölkerung hat eben nicht die leiseste Ahnung von der Kraft unserer Gedanken. Einem verständigen Menschen dürfte das aber vollkommen absurd erscheinen.

Statt das Regierungen riesige Geldmengen bewegen, um damit Hass zu schüren, gegen die Mitglieder einer anderen Gemeinschaft, bedürfte es viel weniger Geld die Mittel zur Verfügung zu stellen, um in den Köpfen der Menschen, durch entsprechendes Wissen, zuerst einmal Frieden zu schaffen – ist es doch der Frieden, der den Menschen in der Gemeinschaft stärkt.

Gemeinsam eine Menschheit

Immer mehr scheint das Verständnis über das gemeinsame Miteinander zu schwinden. Begriffe wie Brüderlichkeit und Menschlichkeit, empfinden viele nur noch als Erinnerungen aus alter Zeit. Unzählige junge Menschen »üben« Zerstörung und Krieg, wenn auch »nur« im Spiel. Wo aber verläuft die Grenze?

In diesem Bewusstsein entsteht eine vollständige Entfremdung von dem, was Menschsein eigentlich ausmacht: das Anteil haben am Leben der Anderen, nicht um einen Zweck zu erfüllen, sondern weil alle Menschen auf diesem Planeten aufeinander angewiesen sind – direkt oder indirekt. Jeder Mensch ist Teil unserer gesamten Menschheit. Nur, wie viele Menschen erinnern sich daran, bevor sie morgens das Haus verlassen?

Jeder von uns ist unlösbar verbunden mit dem Rest der Menschheit. Denn was andere tun, sagen und denken, beeinflusst unser Leben, unser Schicksal und trägt zu unserem Glück oder Unglück bei. Was wir unserem Nächsten antun, tun wir gewiss der ganzen Menschheit an. Und so lange auch nur ein Mensch leidet, hält das Leid der Menschheit an.

»Geld heilt alle Wunden«

Viele glauben, dass wenn sie nur genügend Geld hätten, sich ihre Probleme lösen ließen. Armut aber ist nur einer der vielen Gründe für Kummer und Sorgen. Wenn nämlich allein Geld die Schwierigkeiten in der Welt lösen könnte, hätten die Reichen keine Probleme mehr. So mag es vielen auch erscheinen, doch in Wirklichkeit ist das nur eine Seite der Wahrheit.

Sorgen die Geld zu heilen vermag, sind keine wirklichen Sorgen. Der Besitz und Verlust von Geld jedoch, führt manchmal zu viel größeren Tragödien, besonders dann, wenn damit menschliche Enttäuschungen, Trennungen und der Schmerz der Einsamkeit einher gehen.

Manche, sehr reiche Menschen scheinen ein unbeschwertes Leben zu führen. Doch nur sie wissen welche Last ihre Herzen bedrückt. Wer hinter die Fassaden vermeintlichen Glücks schauen könnte, würde sich wohl wundern zu sehen, dass es keinen Menschen gibt, der ohne Last beladen auf dieser Erde wandelt.

Geld an sich versklavt den Menschen, doch wir alle brauchen das Geld. Je mehr wir davon aber haben, desto eher neigen wir dazu Dinge zu tun, die sich gegen unser gutes Gewissen richten. Denn Geld will nicht nur besessen werden, es will auch beschützt sein. Und je mehr Geld einer hat, desto größer die Gefahr, dass es ihn darum zu seinem eigenen Sklaven macht.

Kein Leid ohne Freude - keine Süße ohne Bitternis

Jeder der schon einmal gezwungen war sich durch eine schwierige Phase in seinem Leben zu drängen, der weiß nur zu gut wie es sich anfühlt, wenn die schweren Fesseln der Sorgen fallen. Vielleicht war es die Einstellung, die einer der Sache gegenüber hatte, die mühevolle Überwindung etwas zu schaffen, vor dem er sich bisher fürchtete. Doch ist das erst einmal erfolgt, lösen sich die dunklen Wolken der Angst schnell auf.

Wenn man der wortgetreuen Bedeutung der Begriffe »Freuden« und »Leidenschaften« nachgeht, könnte man den Eindruck gewinnen, als seien auch Freude und Leid irgendwie miteinander verwandt. Könnte es sogar sein, dass sie sich gegenseitig bedingen?

Fest steht, dass Freude nur erfahren werden kann, wenn man auch weiß was Leid ist. Man denke an die Kinder, die wegen jeder Kleinigkeit in Geheul ausbrechen. Und dann wieder ist ihr freudiges Lächeln so süß, dass auch Erwachsene zu grinsen beginnen.

Wir können Freude nur empfinden, wenn wir im Leben auch schonmal vom Leid kosteten. Ohne Schatten kein Licht, ohne Klang keine Stille, ohne Bitterkeit keine Süße. Etwas lässt sich nur als gut bemessen, wenn wir auch schon Schlechtes, Nachteile und Unwohlsein erfuhren. Keine Unendlichkeit ohne Begrenzungen im Raum, keine Wahrheit ohne vom Irrtum zu wissen!

Immer vergleicht der Mensch die Gegensätze – im Geist und im Gefühlten. Wie, als nur durch den Vergleich, sollte ein Mensch darum Freude genießen, wenn ihm niemals Leid widerfuhr? Nur wer schonmal Schmerzen überwunden hat, kann Wonne genießen. Niemand kann andauernde Wohlgefühle haben. Gewohnte Harmonie nehmen wir nur dann als Glück wahr, wenn sie sich wieder einstellt, nach unmittelbar vorangegangenem Unglück. Für einen weisen Menschen liegt Wonne bereits darin, zu erkennen, dass man gerade kein Leid erfährt.

Den Leidensweg zu Ende gehen

Unsere Zivilisation pflegt eine regelrechte Leid-Vermeidungs-Kultur. Die Ursprünge dessen liegen wohl sehr weit in der Vergangenheit, als sich der Großteil der Menschheit vom Nomadentum verabschiedete, um sesshaft zu werden. Man lagerte Vorräte und die dort verwahrten Güter mussten in Speichern beschützt werden. Das war auch die Zeit der ersten Könige, die ihre Männer in Armeen scharten, um über ihre Äcker und Ländereien zu wachen.

Wer mehr besaß, wurde beneidet, was letztendlich Missgunst anderer aufbrachte. Räuber kamen und wurden bekämpft. Das aber sollte sich dereinst zur grausamsten Ursache allen Leids verschlimmern: dem Krieg.

Die Vermeidung von Leid in unserer heutigen Zeit, ergibt sich, wie schon damals, allein aus der Unwissenheit des eigentlichen Zwecks der Leiden. Es kann also vorkommen, dass ein leidender Mensch seinen Leidensweg nicht zu Ende geht. Dann bleibt er stehen, erträgt willig was geschieht und sagt zu allem Ja. Damit glauben die meisten tatsächlich bereits die höchste Stufe des Seins erlangt zu haben. Mit Glück und Freude hat das aber nichts zu tun. Viele darunter werden zu Nörglern oder Kritikern, da sie, wenn auch unwissend, sich nur am Schaden der Anderen erfreuen. Doch gleichzeitig fürchten sie sich panisch davor, dass ihr Leben nur begrenzt ist. Würden diese Menschen aber verstehen, das sie sich nur durch Leiden über diese Furcht erheben können, gelänge es ihnen auch diese Begrenzungen zu überwinden. Doch die Gewohnheit hält sie davon ab.

Vielleicht ist es auch die über viele Jahrhunderte missverstandene Bedeutung jenes berühmten Leidensweges Christi. Jesus warb nicht für obligatorischen Jammer, sondern versuchte den Menschen zu verdeutlichen sich nicht gegen das Leid zu stellen, sondern es durchzustehen, um letztendlich Freude zu ernten. Das aber setzt voraus, dass man überhaupt erst einmal gelernt hat sich zu freuen!

Die Ehrfurcht vor Verboten, Strafen und Züchtigungen – die es in allen Religionen gibt – hält viele davon ab sich aus den Fesseln des Leids zu lösen und sich endlich auch einmal zu freuen. Ist das aber nicht eine Verleugnung des eigenen Schmerzes, ein Verbergen der Tränen unter einem Lächeln, das eigentlich nur ein allzu leidendes, allzu verwundbares Gemüt verbirgt?

Aus der Tiefe des Leids strebt zwar keine Heiterkeit oder Sorglosigkeit empor, doch wer das Leben grundsätzlich bejaht – auch in Zeiten von Not, Schmerz oder Sorgen –, entwickelt ein natürliches Vertrauen dafür, dass kein Problem endgültig ist.

Der Weg geht vom Leiden müssen, durch Leiden wollen, zum Leiden können und schließlich zur Heiligung des Leids. Doch ist dabei der Blick nicht auf das Leid zu richten, sondern auf eine sicher kommende Erheiterung.

Unsere Leiden sind nie das Ziel, immer nur der Weg – der Weg zur Freude, zum Strahlen und zum Licht.

 

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