Leiden

Die Bruderschaft der Weißen Loge

von S. Levent Oezkan

In einer Zeit, als im Alten Indien als einziger Richter physische Gewalt herrschte, waren jene, die das Wissen liebten, gezwungen die Angelegenheiten dieser Welt aufzugeben. Darum zogen sie sich in die Wälder und Höhlen der Berge zurück, um dort weiter ihren Studien der Geisteswelt nachzugehen.

Was sich da an grausamen Kämpfen ereignete, zwischen den Tyrannen ihrer Welt, zwang sie zu solch einsamem Leben, wo sie ihren Durst und Hunger mit nur wenig Brot und Wasser stillten. Sie schliefen auf der nackten Erde. Was ihnen blieb war zu meditieren, das heilige Wissen zu studieren und in kontemplativer Versenkung ihre Gebete zu sprechen – vom frühen Morgen bis spät in die Nacht hinein.

Aus ihnen wurde jene, die man in Indien als die Jnanis und Bhaktas bezeichnet: Weise Menschen die höchste Erkenntnis erlangt, zu Gottesverehrern wurden, erfüllt von der Liebe zur Weisheit. Ihr esoterisches Wissen gewannen sie aus ihren Erkenntnissen, zu denen sie fanden eben wegen ihrer durch und durch eingeschränkten Lebensweise, in ihrer vollständigen Enthaltung von allem Weltlichen.

Die Tugend die sie aus ihrer Not heraus entwickelt hatten, wurde zum Yoga. Dieses sanskritische Wort steht, seinem eigentlichen Wortsinne nach, für ein Anschirren der Erkenntnisfähigkeit, durch die Einnahme besondere Spannungshaltungen; nicht aber allein auf körperlicher, sondern auch geistiger Ebene. Damit steht der Yoga-Begriff weit höher über dem, was man als die heute so oft praktizierten Körperübungen kennt. Denn der Yoga der Jnanas war ein Yoga des Wissens und der Erkenntnis, zu der diese Yogis durch ihre ganz drastische Enthaltsamkeit fanden. Auch der Yoga der Bhaktas entstand aus dieser Selbstbeschränkung, in der man sich allein auf das rein Geistige ausrichtete, um darin letztendlich zu Liebe und Ergebenheit im Göttlichen zu finden.

Heute studieren dieses Wissen Menschen an Schulen oder gar Hochschulen, wie ebenso in besonderen Vereinen, wo man die alte Weisheit jener genannten Yogis ganz bequem in Sesseln studiert, bei elektrischem Licht und warmer Zentralheizung – gepolstert gegen die Härten der Außenwelt. Wie aber soll jemand zu innerer Erkenntnis finden, der sein Wissen aus Büchern, der es allein dem Außen entnimmt?

Lektionen des Leids

Was man als »reines Bewusstsein« bezeichnet – Erkenntnisse also, die aus der Beschränkung des eigenen Lebens gewonnen werden – lässt sich im Menschen nicht anreichern, allein durch Lesen. Solch Vermehrung von Wissen ist nur ein Teil. Oft aber führt die Kenntnis großen Wissens über die Zusammenhänge der Welt des Inneren, der Welt des Okkulten, nur zu Überheblichkeit und einem Glauben, man sei anderen, sogenannten »Unwissenden« überlegen.

Was die echten Weisen unter den Jnanas und Bhaktas aber an Wissen besaßen, das ordneten sie ihrer Liebe unter und erfüllten damit eine Aufgabe. Nur aber die Aneignung von Wissen inmitten von Annehmlichkeiten und Luxus, führt einen mitunter auf gefährliche Abwege, da sich der Geist dabei mitunter zu verhärten beginnt. Was uns Nächstenliebe lehrt und was wir in der Vergebung und dem Üben der Nachsicht erlernen können, verpassen jene, die Weisheiten aus einer Bequemlichkeit heraus, einfach nur an Zeilen ablesen.

Die Lektionen aber, die uns besondere Entbehrungen, Not und eigenes Leid erteilen, erleichtern uns den Zugang und das Verständnis für die Appelle des Leidens und die Not anderer Menschen. So können wir nachempfinden was unserem Nächsten fehlt und wir ihm geben können.

Folglich lehrten die armen Studierenden von einst, was sie aus den Erfahrungen ihrer eigenen Entbehrungen erdulden mussten. Bei den Studierenden von heute aber, oft umgeben von einem gewissen Komfort, sieht es so aus, als verlören sie den Zugang zu ihrer Seele immer mehr. Denn scheinbar trachten sie allein danach ihren Verstand zu erweitern.

Aus dem Verborgenen in die Welt

Wenn nun die Rede ist von einer Bruderschaft der Weißen Loge, so meint das einen Bund außergewöhnlicher Menschen, deren Seelen einst durch Leiden vervollkommnet wurden. Und in diesem Sein sogar, wachen sie über die Menschheit von ihren erhabenen Ebenen aus, zu der sie aufgrund ihres geistigen Wachstums fanden. Von dort aus senden sie ihr Wissen und ihre Weisheit, sowie ihre Fertigkeiten in Kunst und Handwerk, auf alle jene hinab, von denen sie wissen, das ihr Karma diesen Zugang zu wahrer Esoterik erlaubt.

Sie wirken ein von einer hohen Ebene aus, auf die verschiedenen, in Verantwortung stehenden Organisationen unserer irdischen Welt, deren Mitglieder zielstrebig und aufrichtig zum Wohle der Menschen arbeiten, auch wenn nur die wenigsten von ihnen wissen, woher diese besondere Hilfe kommt.

Erkenntnisse eines Reinen Herzens

Philosophisches und wissenschaftliches Denken war noch nie so reichhaltig wie heute. Leider aber kennen die Empfänger dieser Geistesgaben ihre gnädigen Geber nicht und vereiteln damit oft den Zweck, der hinter der Vermittlung dieser Gaben steht. Es ist nämlich das besondere Interesse der Bruderschaft der Weißen Loge, Religion, Philosophie und Wissenschaft zu fördern. Und es heißt, sie unterstützten auch alle öffentlichen Einrichtungen, die diese Themen unterrichten.

Vielleicht aber meint Wissenschaft hier nicht exakt das Selbe, wie man heute diesen Begriff versteht, wo Wissenschaft sich scheinbar nur um jene weltlichen Belange kümmert, die der Entwicklung moderner Technologie dienen und leider viel zu oft auch der Konstruktion von Waffensystemen. Dabei steht das Wort Wissenschaft in seinem eigentlichen Sinne für ein Geistessystem der Erkenntnisse, die im Menschen Wissen erzeugen, über die wesentlichen Eigenschaften und Gesetzmäßigkeiten der Natur und des Denkens. Der Grund für diese Haltung der Menschen unserer Zivilisation, aber kommt nicht von ungefähr. Es scheint, als hätte sich etwas in den Herzen der Menschen abgelagert. Und es ist ja das Herz die Quelle unseres Handelns. Ist es unrein und angefüllt mit dem Unrat der Unwissenheit, der Angst, des Hasses, des Neids oder der Gier: Wie soll sich darin aus Wissen Weisheit entfalten können?

Um im Dienste jener Meister der Weisheit, die edlen Geistesgaben der Welt zu empfangen, muss das Herz aber gereinigt und in seiner ganzen Art regeneriert werden. Nur wer von uns ist für so etwas überhaupt bereit? Denn solche Läuterungsprozesse erfordern eine Unterwerfung und Zertrümmerung der niederen Natur unseres Ego.

Jene aber, die sich diese innere Arbeit zuzumuten wagen, finden allmählich Wege, die Barrieren ihrer egoistischen Motive aus ihren Herzen auszuräumen. Sie können wahrlich zu vollkommenen Kanälen werden, für die ewigen Wahrheiten jener Bruderschaft.

Wanderung auf dem schmalen Pfad

Sobald, im übertragenen Sinne, der alte Mensch stirbt und auch die verführerische Schlange (aus dem Garten Eden) gestorben ist, kann der Mensch ein Diener jener Fürsten der Weisheit werden, um hier auf Erden mit ihnen zusammenzuarbeiten. Es kommt darum oft vor, dass diejenigen, die von jenen Königen unter den Brüdern der Weißen Loge geehrt werden sollen, zuerst lernen müssen Sklaven und Diener zu sein, lernen müssen zu gehorchen. Erst dann dürfen sie anderen Instruktionen geben und versuchen sie zu einem besseren Leben zu führen. Ist darum vielleicht möglich, dass jene, die besonderes Leid erfahren haben, zu den Auserwählten zählen, denen die Weiße Loge mit ihren Herausforderungen und Sorgen sogar half, sich ihrer eigenen Vollkommenheit zu nähern?

Einsamkeit, Armut oder Krankheit: Das muss ein Mensch der sich auf dem Weg zu wahrer Weisheit begibt, kennengelernt haben, damit in ihm Stolz und Unnahbarkeit mürbe werden, zerfallen und sich damit in Wohlgefallen auflösen. Jene verarmten Jnanas und Bhaktas von einst, von denen oben die Rede war, mussten eine solch harte Ausbildung durchlaufen, bevor aus ihnen taugliche Boten jener Weißen Loge werden konnten. Bis zum letzten Tropfen mussten sie  kosten aus dem Kelch der Bitterkeit. Erst durch ihr eigenes Erfahren von Leid lernten sie, mit den Leiden anderer Menschen mitzufühlen. Es war das, der gerade und schmale Pfad, der von ihnen beschritten werden musste, doch sie zum ewigen Leben führte, auch wenn er für die Augen des Fleisches, die schmerzlichen Empfindungen und Entbehrungen im Leben, einfach nur rätselhaft bleibt. Jeder Nachteil aber gebiert Vorteile, jeder Verlust einen Zugewinn!

Es ist nur unsere eigene Blindheit und die Beschränktheit unseres eigenen Lebens, die uns die Gesetze der göttlichen Welt als ungerecht erscheinen lassen und in uns nur auf Ablehnung stoßen, obwohl sie eigentlich weise und damit gut für uns sind. Erst wenn sich uns die Gelegenheit bietet, auf die sich ereigneten Erschwernisse der Vergangenheit zurückzublicken, vermögen wir darin zu erkennen, welch großen Wert sie für unser Leben hatten.

Das Schicksal als Mittel zur Vollendung

Was immer wir im äußeren Leben eines Menschen sehen, bildet nur einen ganz kleinen Teil dessen, was in seinem Inneren vor sich geht. Doch das innere Leben seiner Seele ist eine wichtige Realität. Auf sie kommt es an, denn in dieser Realität findet das Erlösungswerk der Seele statt.

Verbringen wir unser äußeres Leben manchmal sogar in übler Bitterkeit, berührt das natürlich unser inneres Leben. Doch genau darin liegt die Methode, durch die die Bruderschaft der Weißen Loge ihre Schüler auf der irdischen Weltebene zu schulen vermag – vorausgesetzt, jene Schüler laufen nicht vor ihrem Schicksal davon, sondern vermögen es zu erfüllen, ja zu umarmen das, was ihr Schicksal von ihnen abverlangt, damit es dabei gleichzeitig überwunden und abgegolten werden kann.

Die alten Weisen stammten aus den ärmsten Familien, und die Propheten der Zukunft werden aus der Gosse gerettet werden müssen, bevor sie ihre Botschaft verkünden können. Es ist daher angebracht, dass diejenigen, die den Willen dieser Meister der Weißen Loge erfüllen wollen, sich diese Tatsache vor Augen halten.

Die Weiße Loge hat ihre Vertreter auf Erden, ihre Boten und Lehrer und Schüler. Was von ihrem Wirken oder gar Erscheinen auf Erden wir zu erkennen vermögen, gebührt uns nur entsprechend des Grades unserer spirituellen Läuterung. Hüten wir uns also davor, uns gegen unser Schicksal auch nur im Geringsten aufzulehnen, damit wir nicht zu jenen gehören, die gegen das gute Gesetz und gegen den Willen jener arbeiten, die als die Hüter der Bruderschaft der Weißen Loge aus dem Verborgenen heraus, zu unserem und dem Wohle unserer Mitmenschen wirken.

 

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Leben als freier Mensch

Leben als freier Mensch

Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.

- Jean-Jacques Rousseau

Luftballon - ewigeweisheit.de

Leben ist Leiden - so war der Titel eines Seminars. Leben als Selbstmitleid? Ich suchte das Weite. Zum Glück, denn für mich heißt Leben frei zu sein.

Wovon aber? Sind wir denn nicht bereits frei? Haben wir nicht die Freiheit der Wahl?

Da stellt sich die Frage, ob man zunächst einmal unterscheiden sollte zwischen Freiheit und Bestimmtheit.

Was bedeutet das?

Freiheit in Bezug auf unsere Wahlmöglichkeiten: jeder besitzt sie jetzt schon und keiner muss wirklich dafür kämpfen. Selbst in Staaten unserer Erde, deren politische Systeme die Menschen stark in ihrem Handlungsspielraum einschränken und wo es sehr viele Verbote gibt, selbst da haben Menschen die Freiheit zu entscheiden, wenn auch nicht in unseren Konzepten gedacht.

Freizügigkeit und Körperbewusstsein

Frei aber sind in unserer, westlichen Kultur eigentlich alle Menschen in der Ausübung ihrer Sexualität, scheint sich im Westen in den vergangenen Jahrzehnten, eine regelrechte Freiheits-Kultur entwickelt zu haben. Bedeutet das Ausleben körperlicher Freizügigkeit aber eigentlich wirklich Unabhängigkeit?

Vielleicht wäre es zunächst einmal klug zu schauen, was es bedarf, um sich körperlich zu befreien. Ein Bezug zur Materie bleibt aber immer bestehen. Wenn wir mit uns sind, können wir immer tun und lassen was wir wollen, allein oder zweisam. Wer jedoch glaubt, Freiheit allein im sexuellen Bereich ausüben zu können, eilt einer Illusion nach, denn er wird immer unfähiger die Ursachen seiner eigentlichen Unfreiheit zu erkennen und zu bekämpfen. Jene, in den westlichen Gesellschaften gegenwärtige, grenzenlose Freizügigkeit scheint sich aber immer weiter in Richtung sinnlicher Verödung zu bewegen.

In all unseren Handlungen in der materiellen Welt, sind wir immer auf Äußeres angewiesen. Wohl lässt sich der Durst nach äußerem Erfahren niemals stillen. Freiheit könnte aber erlangen, wer zuerst einmal beginnt sich von jenen, aus seinem Innern drängenden Zwängen zu befreien. Denn wer einer Sache bedarf, erleidet einen Mangel. Wer Hunger hat muss essen, wer Durst hat trinkt. Da der Mensch aber nicht vom Brot allein lebt, stellen wir uns vielleicht irgendwann die Frage, welche der vielen anderen Bedürfnisse eigentlich echt sind?

Unendlich viele Wege führen ins Nirgendwo

Stellen Sie sich vor, Sie stehen an einer beschilderten Weggabelung. Jedes Schild deutet hin auf einen Erfolg im Leben oder garantiert Ihnen die Befriedigung eines besonderen Wunsches. Alle dort gezeigten Versprechen werden ihr Leben verschönern. Wie lange aber zögern Sie, um letztendlich einen Weg einzuschlagen?

Schauen Sie sich um: unzählige Möglichkeiten bieten sich Ihnen im Leben. Führt eine solche unbegrenzte Auswahlmöglichkeit aber nicht zu einer langsamen Verflachung ihres letztendlichen Nutzens? Die Stromstärke von Elektrizität die durch ein Kabel fließt, nimmt in jeder folgenden Kabel-Verzweigung ab, wird immer schwächer.

Die Freiheit der Wahl ist in Wirklichkeit ein Synonym für mentale Sklaverei. Wer frei sein möchte, sollte sich auf genau eine Sache festlegen - sich zumindest aber, nur nach wenigen Dimensionen hin ausbreiten wollen. Denn wenn sich uns viele Auswahlmöglichkeiten anbieten, fühlt sich zwar unser Ego geschmeichelt, doch wo es keine Auswahl gibt, da existiert einzig und allein die Tat. Nichts sonst im Leben zählt. In die Freiheit bewegt man sich mit dem ersten Schritt.