Lotus

Der Weiße Lotus

Der Weiße Lotus

Ein Weißer Lotus wächst aus dunkel-schlammigem Grund empor, doch öffnet seine weiße Blüte keusch den Sonnenstrahlen. So schwarz wie der nährend-fruchtbare Schlamm in dem er schwimmt, so makellos rein öffnet er seine Blätter. Seine Blüte benetzt nichts als nur Licht.

Der Lotus wurzelt aber nicht etwa fest in der Erde, sondern ist ungebunden und verändert schwimmend, allmählich seine Lage und Form. Für mich steht er darum als Symbol der Ewigen Weisheit, die weder westlich noch östlich und an keinen bestimmten Ort gebunden ist, doch sich in ihrer Reinheit zum Licht des Göttlichen hin öffnet.

Gott ist das Licht des Himmels und der Erde, das Gleichnis seines Lichtes ist wie eine Nische, in welcher eine Lampe steht, die Lampe ist in einem Glas. Das Glas ist wie ein funkelnder Stern. Es wird angezündet von einem gesegneten Baum. Einem Ölbaum, nicht östlich, nicht westlich, dessen Öl leuchtet beinahe, ohne dass es das Feuer berührt hätte. Licht über Licht. Gott leitet zu Seinem Licht wen Er will.

- Sure 24:35

Stern Sirius (Foto: Mellostrom, Lizenz: CC BY-SA 3.0) - ewigeweisheit.de

Der Sirius - Hellster Stern am Nachthimmel (Foto: Mellostrom; Quelle: Wikimedia; Lizenz CC BY-SA 3.0)

Funkelndes Licht des Sirius

Natürlich ist der Lotus eines der markantesten Symbole der Spiritualität überhaupt. Im Koran repräsentiert er den Gipfelpunkt göttlicher Offenbarung. In der Sure »Der Stern« heißt es:

Und tatsächlich hat er ihn gesehen, bei einer anderen Begegnung beim Lotusbaum am äußersten Ende, wo das Paradies der Zuflucht liegt. Dabei überflutete (Licht) den Lotusbaum, was (ihn) überflutete. Da wankte nicht der Blick, noch schweifte er ab. Wahrlich, er hatte gesehen eines der größten Zeichen seines Herrn.

- Sure 53:13-18

Die selbe Sure nennt an anderer Stelle Allah ganz klar und unmissverständlich, den Herrn des Sirius – jenen Stern der in den Isis-Mysterien des Alten Ägypten, doch von so hoher Wichtigkeit war. Denn mit seinem heliakischen Aufgang setzt die Nilflut ein, wenn sein weißes Licht die rötliche Morgendämmerung durchstrahlt, die den schwarzen, fruchtbaren Schlamm über die Äcker flutet.

Es heißt, die Urform des Lotus brachte Isis vom Sirius auf die Erde. Nicht zufällig gehörten Lotus und Sirius, zu den wichtigsten Symbolen der heiligen Stätten Alt-Ägyptens.

Leuchtendes Juwel

Auch im Osten umgibt den Lotus, als Symbol der Unberührtheit, ein besonderer Glanz. Darauf deutet ein buddhistisches Mantra hin: »Om mani padme hum« – Om, Juwel im Lotus. Im tibetischen Buddhismus denkt man sich diese Silben als Ausdruck vollkommenen Mitgefühls. Das Leuchten jenes Juwels, dass die reinen Blätter des weißen Lotus hüllen, schaut dann, ein zu vollem Bewusstsein Erwachter.

So steht der Lotus für eine Haltung, die geprägt ist von der Achtung der Würde des Menschen und damit die Fähigkeit der Menschheit, zu einer besseren Existenzform zu finden.

Die Dimension völliger Reinheit der Lotus-Blüte, ist inhaltlich auch verbunden mit dem arabischen Wort safā – dem Reinsein – der Wortwurzel des Wortes Sufi. So erscheinen die Namen Sufi und Lotus in unversehrtem Licht.

Dieses rein werden aber, war und ist für mich ein langer Weg. Denn es bedeutet, sich zuerst für die tagtäglichen Handlungen im Umgang mit Anderen zu reinigen, die Sätze die aus meinem Mund kommen von negativen Worten zu säubern und schließlich, mein nicht willentlich beeinflussbares, irdisches Sein, durch richtiges Denken zu kontrollieren. Der große Sufi-Mystiker Hadschi Bektasch Veli nannte das die Reinheit von Zunge, Hand und Lenden.

Im Zentrum des freien Sufi Ordens des Weißen Lotus, stehen die Ichwan As-Safā, die Brüder der Reinheit.

 

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