Geschichten von Schlüsseln, Wegen und Brücken (Teil 1)

von Liljana Strbac

Die Brücken die wir benutzen, begehen und überqueren, Geschichten, die zufällig passieren, uns zufallen und uns einfallen und von Abenteuern und Reisen, die wir erleben, erzählen die Menschen seit ewigen Zeiten, denn sie sind ein fester Bestandteil der Menschheitsgeschichte und Entwicklung aller menschlicher Kultur und Geschichte. Das Erzählen und das Zählen sind zweifellos nicht wegzudenken aus dem Leben des Menschen und untrennbar mit dem Fortbestehen der Menschen verbunden.

Der Weg steht auch als Symbol für den Lebensweg jedes einzelnen Menschen, betrachtet als eine Entwicklungssequenz und Suche. Schon der Umstand des Reisens ist ein besonderer Zustand im Leben: Ausdruck eines notwendigen, angeborenen Bedürfnisses nach Abwechslung, Austausch, Tausch und Handel, Veränderung und Verbindung.

Ein dringendes Bedürfnis treibt uns manchmal dazu, unsere vertrauten und sicheren Häuser und Alltagsperspektiven zu verlassen, um uns selbst zu vervollständigen, wie ein Puzzlespiel, oder Bilderrätsel, Kreutzworträtsel oder Mosaikbild, das zu vervollständigen, zu lösen und zu ergänzen ist, damit wir es dann als ganzes Bild entziffern, dekodieren, verstehen und begreifen können.

So verwirklichen wir auch unsere Lebensträume, indem wir uns auf neuen, manchmal unbekannten Weg begeben, um neue Räume und Gegenden zu erkunden.

Der Ruf, der uns auf unsere abenteuerliche Reise bringt zeigt sich uns manchmal durch andere Menschen oder Erscheinungen in der Welt und Natur. Doch manchmal ist es nur eine leise oder laute innere Sprache, in der wir uns selbst Kraft unserer Wünsche, unserer Sehnsüchte, unserer Leidenschaften und Liebe zum Aufbruch nach neuen Horizonten auffordern.

Eine geheimnisvolle Sprache ist tief verankert und codiert im individuellen und kollektiven menschlichen Unterbewußtsein und Bewußtsein, in Form einer symbolhaften Bilderfibel, manchmal tief verborgen an den tiefen Wurzeln unseres Menschseins.

Träume, das traumhafte Visualisieren und die Visualisierung neuer Ziele, die wir anvisieren im Verlauf unseres Lebens bilden eine bunte und manchmal wirklich enorme Sammlung ab an Erfahrungen, Wahrnehmungen, Sach- und Fachkenntnissen und persönlichen Erkenntnissen und Wahrheiten, die wir zum Wachsen und Lernen brauchen, sind die Schätze, die es auf unseren Wegen und Reisen zu bergen gibt.

Das Abenteuer unseres Lebens sind die Suche und die Fragen, die sich uns stellen. Die Reise an sich ist unser Lebensziel und wird zu unserem Schicksal und Los im Spiel, das „Leben“ heisst, wenn wir unserem Ruf und der vitalen Aufforderung Folge leisten.

Auf unseren Reisen durchqueren wir ferne Länder, hören andere Sprachen, sehen andere Menschen und Dinge, die uns manchmal ganz fremd und neu sind, und von denen wir zuvor nichts wußten. Manchmal sehen wir sie einfach nur anders, denn sie sind uns eigentlich schon vertraut auf irgendeine Art und Weise.
Doch sehen wir sie dann vielleicht einfach nur aus einer anderen Perspektive und entdecken Vertrautes und Neues nebeneinander, als etwas ganz Neues, sich gegenseitig Ergänzendes und Vervollständigendes.

Damit sind Brücken in ihrer besonderen Rolle im Zusammenhang mit Wegen auch ein kleiner Teil des unstillbaren Durstes der Menschheit, durch Überwindung der Naturgesetzte zu fliegen, und die irdischen Dinge aus ganz anderen Perspektiven zu sehen.

Auch verkürzen uns Brücken sonst lange Umwege, indem sie Verbindung schlagen zwischen zwei Ufern oder zwei Seiten einer scheinbar unüberwindlichen Schlucht oder eines reißenden Flusses.

Natürliche Hindernisse und dem Menschen sonst unzugängliche Kluften überbrücken großartige Bauwerke aus Marmor, Stein, Holz und Metall, allen zugänglich und offen für alle, und ermöglichen die Aufhebung von nur scheinbar Trennendem und Getrenntem.
Sie sind leise, dienen allen und sind tief verankert im menschlichen Bewußtsein als ein Inbegriff für Ewigkeit, insbesondere Bogenbrücken, die den Regenbogen nachbilden: ewiges Ur-Muster für Anschluß und Kontinuität vor den Augen aller Menschengeschlechter bis heute, und derer, die einen Anteil an der Zukunt haben werden.

Brücken sind manchmal auch Teile unseres ureigensten Weges, in einer ganz besonderen Form: Sie führen uns in einen Existenzzustand zwischen Himmel und Erde, denn auf solchen Kunstwerken der menschlichen Baukunst und des menschlichen Könnens erst, gelingt es dem visionären Geist, die Schwerkraft zu überwinden, sie wenigstens ansatzweise und zeitweise fast auszublenden.

 


 

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