Die Tabula Smaragdina Hermetis - die Smaragdene Tafel des Hermes Trismegistos

Von S. Levent Oezkan

Die Tabula Smaragdina, die Smaragdtafel des Ur-Alchemisten Hermes Trismegistos, ist die wohl älteste, atlantisch-ägyptische Überlieferung eines Textes, der die Lehre von den kosmischen und alchemistischen Entsprechungen und Prinzipien beinhaltet. Es ist der wichtigste, als auch bekannteste Text der hermetischen Literatur.
Die 15 sehr einfach abgefassten, allegorischen Sätze, spiegeln die Zusammenhänge von Mikrokosmos und Makrokosmos.

Es gibt verschiedene Legenden, wie, wo und von wem die Tabula Smaragdina ursprünglich gefunden wurde. Eine Überlieferung erwähnt Sarah, die Frau des Propheten Abraham, die die Tafel im Grab des Hermes Trismegistos bei Hebron gefunden haben soll. Eine andere Legende schreibt den Fund dem Eroberer Alexander von Makedonien zu. Er soll die Smaragdtafel in der Cheops-Pyramide in Gizeh gefunden haben. Der im 17. Jhr. lebende Universalgelehrte Athanasius Kircher war allerdings der Auffassung, dass der Text auf der Tafel als eine Zusammenstellung aus einem Dialog des Corpus Hermeticum entnommen wurde.

Dennoch – wo und von wem auch immer dieser Text gefunden wurde oder herstammt, spielt eine nebensächliche Rolle. Wichtig ist der bemerkenswerte Inhalt!
Der Text birgt trotz seiner wenigen Zeilen eine sehr tiefliegende Aussage, die beim ersten Lesen nicht sofort verinnerlicht werden kann. Es handelt sich um eine Allegorie auf die gesamte Geheimwissenschaft der Alchemie, der Wanderung der Seele, sowie den kosmischen Zusammenhängen unserer Welt.

Wie auch die anderen hermetischen Texte des Corpus Hermeticum, ist auch dieser ein Studium wert und bildet die Grundlage für die Lehren der Hermetik.

Zum ersten mal wurde der Text um 1150 aus dem Phönizischen durch Gerhard von Cremona in Spanien, ins Lateinische übersetzt. Erst später folgten Übersetzungen der Smaragdtafel in andere Sprachen.
Heute werden von den Geheimnissen dieser Tafel, viele esoterische Lehren abgeleitet oder beziehen sich darauf in unzähligen philosophischen.

 

Tabula Smaragdina

Illustration: Augustus Knapp

I. Wahr ist, zweifellos, gewiss wahrhaftig und ohne jede Lüge.

II. Das was oben ist, entspricht dem was unten ist.
Und das was unten ist, gesellt sich wiederum zum Oberen,
mit dem Vermögen die Wunderwerke eines einigen Dinges zu vollbringen.

III. Und so wie das ganze Universum aus dem reinen Geist Gottes durch sein Wort entspringt,
so wird durch die Nachahmung der Natur alles aus diesem einigen Ding geboren.

IV. Sein Vater ist die Sonne, seine Mutter ist der Mond.

V. Der Wind trägt es in seinem Bauch. Die Erde ist seine Ernährerin.

VI. Dieses Ding ist der Vater aller Vollendungen der ganzen Welt.

VII. Seine Kraft ist am vollkommensten, wenn es sich in die Erde ergießt und sich mit ihr vereint.

VIII. Darum löse das Feuer aus der Erde, und scheide das Feine vom Groben, mit Verstand und liebevollem Feingefühl.
So steigt es von der Erde empor zum Himmel und wiederum zur Erde hinab um sich mit ihr zu vereinigen.
Dabei wird es veredelt, und nimmt die Kräfte der oberen und unteren Welt in sich auf.

IX. Mit ihm wirst Du das Licht und die Herrlichkeit der ganzen Welt erlangen
und alle Finsternis wird von dir weichen.

X. Dieses einige Ding ist von allen Kräften die stärkste Kraft,
denn es überwindet alles Feine und durchdringt alles Feste.

XI. So wurde im Ebenbild des Einigen die ganze Welt erschaffen.

XII. Und wenn Du auf die mitgeteilte Weise verfährst,
so kannst auch Du solch wundersame Nachahmungen bewirken.

XIII. Man nennt mich darum Hermes Trismegistos,
der ich die dreifältige Weisheit der ganzen Welt besitze.

XIV. Hiermit sei vollendet, was vom Meisterwerk der Sonne verkündet werden sollte.

Interpretation der Tabula Smaragdina lesen >>

 

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