Das Körperzentrum zur Speicherung von Lebensfreude

Im Qi-Gong, einer chinesischen Form des Umgangs mit Lebensenergie, ergibt sich Lebensfreude, wenn Atem und Lebenskraft, das Qi (auch „Chi“), sich harmonisch und „weich“ durch die Energiebahnen der drei Ebenen von Körper, Seele und Geist strömen können.

Die Weisheit des Qi-Gong nun erwähnt die drei Dantians:

  • das „Untere Dantian“, dem Energiefluss in unserem physischen Sein entsprechen,
  • das „Mittleren Dantian“, das unseren Emotionen entspricht, sowi
  • das „Obere Dantian“, das unserem denkenden Sein entsorgt.

Fühlen wir uns schlecht, da unseren Emotionalkörper Ärger, Sorgen oder Trauer plagen, so ist der Qi-Fluss ins Stocken geraten, hat sich verhärtet, ist innerlich verkrampft, was den Fluss von Lebensenergie in uns blockiert.

Die Lebensenergie Qi in uns muss also in Bewegung gehalten werden, damit sich das positiv auf unser Wohlergehen auswirkt. Und so leitet man im Qi-Gong diese Energie in eine Art energetisches, inneres Sammelbecken, in dem sie in Bewegung bleibt, ohne zu blockieren. Und das ist im Qi-Gong das zuvor erwähnte „Untere Danitan“.

Das Meer der Energie füllen

Wenn es uns gut geht, sollten wir dennoch den Gleichmut bewahren und uns nicht gar in all zu großen Hochgefühlen verbrauchen. Und dieser Ratschlag hat nichts mit einem Unterdrücken von Freude zu tun, Im Gegenteil! Wir können unsere Hochgefühle von „Feuer und Flamme“ lenken lernen, so dass sie unsere Gefühle von Freude und Frohsinn sogar viel länger als üblich bewahrt bleiben.

Dazu gibt es eine ganz einfache Übung aus der Praxis des Qi-Gong.

Zur Vorbereitung

1. Wenn der Tag zu Ende geht, suchen Sie sich einen Ort, an dem Sie ungestört sind. Stellen Sie sich hüftbreit hin, entspannen Sie, wobei Sie Ihre Knie ganz leicht beugen.

2. Leben Sie dann Ihre Hände übereinander auf ihren Unterbauch, etwa drei Fingerbreit unter den Bauchnabel (bei Frauen kann die rechte Hand unten liegen, bei Männern die linke Hand).

Die Übung

1. Beim Einatmen: Atmen Sie tief und entspannt in den Bauch und spüren Sie, wie sich beim Einatmen die Bauchdecke hinter Ihren Händen hebt. Dabei stellen Sie sich vor, wie die positiven Gefühle des Tages als helles Licht in das Energiezentrum einströmen, wo das Untere Dantian sich diesem Kraftfluss erwartend geöffnet hat, um ihn aufzunehmen, ja, ihn in sich aufzusaugen.

2. Beim Ausatmen: Die eingeatmete Luft strömt sanft aus, während sich die Bauchdecke absenkt. Stellen Sie sich nun vor, wie das besagte Licht unter Ihren Händen zu einem ganz kleinen, unendlich dichten, leuchtenden Samenkorn zusammenschrumpft, wobei ihn ein bronzener Widerschein umstrahlt.

3. Wiederholen Sie diesen Ein- und Ausatemvorgang neunmal. Dabei wird mit jedem Ausatmen das punktförmige Korn aus Licht im Bauch immer konzentrierter und kraftvoller.

4. Zur Versiegelung reiben Sie Ihre Hände am Ende dieser Übung dreimal im Uhrzeigersinn auf Ihrem Unterbauch und stellen Sie sich dabei vor, wie das so erschaffene Energie-Depot dort, im Unteren Dantian nun lebendig und fließend aufbewahrt wird.

Das Schütteln des Baumes

Wenn Sie einmal eine unerwartete Stimmungswandlung erfahren, die Ihre Laune mit Negativität überfährt, können Sie die folgende Übung nutzen, um nicht aus dem Gleichgewicht zu geraten und eine energetische Blockade Ihres Qi-Flusses sofort zu lösen.

Manchmal kommt es vor, dass wir regelrecht erstarren oder dass unser System durch das Verhalten eines negativen Menschen oder die Wahrnehmung einer belastenden Neuigkeit unsere Haltung verhärtet.

Wenn Sie dann merken, dass Ihre Laune sinkt und Ihre Lebensenergie zu stocken beginnt, hilft eine Lockerung, die wir durch leichtes Schütteln erreichen. Im Qi-Gong nennt man das „Das Schütteln des Baumes“.

1. Stellen Sie sich hüftbreit hin. Die Knie sind ganz leicht gebeugt. Die Arme lassen Sie einfach an den Seiten hängen.

2. Beginnen Sie, sanft aus den Knien heraus auf und ab zu wippen. Übertragen Sie dieses Schütteln auf den ganzen Körper – Schultern, Arme, Hände und Becken schwingen ganz locker mit.

3. Atmen Sie durch die Nase ein. Öffnen Sie beim Ausatmen leicht den Mund, imd lassen Sie Ihren Atmen mit einem sanften Hauchen – laut ausströmen (einem Seugzen). Stellen Sie sich vor, dass der verhärtete Stau über Ihre Arme und Beine direkt in die Erde hinabfließt.

4. Machen Sie diese Übung für etwa 1 bis 2 Minuten.

5. Bleiben Sie danach für einen Moment ganz still stehen. Legen Sie die Hände wieder auf Ihr Unteres Dantian (wie oben). Da beginnen Sie ein leichtes Kribbeln und eine Wärme in Ihrem Körper spüren. Denn nun beginnt die QiEnergie wieder in Ihnen zu fließen.

In Zeiten größerer Anspannung

Damit dSie die positiv Wirkung dieser energetischen Arbeit in Lebensphasen nutzen können, wo Sie Sorgen, Ängste oder Wut plagen, lassen sich die eben beschriebenen beiden Werkzeuge wie folgt in Ihren Tagesrhythmus einbetten:

Der Morgen-Impuls

Machen Sie direkt nach dem Aufstehen, noch vor dem Frühstück, für etwa 1 Minute das eben genannte „Schütteln des Baumes“.
Direkt nach dem Aufstehen, noch vor dem Frühstück. Damit öffnen Sie die Energiebahnen für den folgenden Tag und starten in einem Zustand des „Flusses“. Damit sind Sie weniger anfällig für schlechte Laune am Vormittag.

Zur Nacht

Bevor Sie zu Bett gehen, nehmen Sie noch einmal Platz auf einem bequemen Sessel, der Couch oder so.

Nutzen Sie die Übung, die wir oben besprachen („Das Meer der Energie füllen“). Lassen Sie gedanklich den Tag nochmal vor Ihrem inneren Auge ablaufen und schauen Sie darin nach dem schönsten, positivsten Moment (auch wenn er nur sehr klein war). Atmen Sie diese Energie 9-mal in Ihr Unteres Dantian ein.
Damit versiegeln Sie die gute Kraft, die Sie in diesem positiven Moment verspürten, in Ihrem Körper, in dem sie die Nacht über ganz ruhig und heilsam zirkuliert. Das Gehirn regeneriert im Schlaf mit diesem positiven Fokus. So füllt sich Ihr inneres Energie-Depot Nacht für Nacht.

Bei akutem Energie-Stau

Sobald Sie im Alltag auf einmal Frust, Ärger, Stress oder plötzliche Erschöpfung spüren, dann ziehen Sie sich für 2 Minuten zurück (notfalls auf die Toilette). Schütteln Sie den Ärger mit dem Ausatmen über den Mund aus (wie oben im „Schütteln des Baumes“ beschrieben). Sobald der Stau gelöst ist, legen Sie die Hände auf den Bauch, atmen dreimal tief ein und rufen das Gefühl Ihres warmen Abend-Depots ab.

Was Sie tun können, um den Energiefluss in Ihrem Körper zu unterstützen

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) bestimmen die Lebensmittel und Gewürze, wie die Qi-Energie im Körper fließen kann. Ob sie stagniert oder frei zirkuliert.

Ziel ist es, die Organe Milz (Energieproduktion) und Leber (Verantwortlich für den freien Fluss) zu unterstützen.

Schärfere Gewürze lösen Energie-Staus

Der scharfe Geschmack von frischem Ingwer bewegt das Qi im Körper und löst damit Blockaden auf. Ingwer wärmt den Bauch und bringt festsitzendes Qi sofort in Fluss. Ingwer kann zum Beispiel als Tee getrunken werden oder auch klein geraspelt als Schärfe in einem Salat verzehrt werden.

Auch Kardamom oder Koriandersamen helfen, um etwa Schleim- und Gefühlsstaus im Magen-Darm-Trakt aufzulösen und ein Gefühl inneren Freiwerdens zu vermitteln.
Der Hauptgrund für Frust und Gereiztheit ist ein Qi-Energie-Stau im der Leber. Laut der TCM gilt Kurkuma als hervorragender Qi-Beweger.

Fenchel wirkt harmonisierend auf das Mittlere Dantian. Er sorgt dafür, dass die gewonnene Qi-Energie dann sanft in den Speicher des Unteren Dantian absinken kann.

Süßes und Warmes

Der milde, natürliche und kühlend süße Geschmack von Trauben- oder Fruchtzucker (nicht Industriezucker!) nährt die Milz und füllt das Energie-Depot im Unteren Dantian.

Industriezucker („Raffinierter Zucker“) hingegen sorgt für einen kurzen „Energie-Schock“, doch hinterlässt danach oft eine energetische Blockade (durch Schleim), die den freien Qi-Fluss blockiert.

Als warme Speisen unterstützen gekochter Hafer oder Hirse, wunderbar zum Frühstück verzehrbar, um den Körper mit Qi zu versorgen. Sie lassen sich leicht im Unteren Dantian speichern.

Was Sie bei Energiestau meiden sollten

Rohes Gemüse und Obst ist gesund. Keine Frage! Doch wenn Sie sich unwohl fühlen und sie Freust oder Ärger plagen ist zu viel Rohkost eher ungeeignet. Auch sollten sehr kalte Getränke in Maßen verzehrt werden, da ihre Kälte das Verdauungsfeuer löschen und die Energie im Bauchraum buchstäblich einfrieren und verhärten.

Das Zusammenspiel der Kräfte für dauerhafte Lebensfreude

Wenn wir achtsam wählen, was Swir unserem Körper zuführen – sei es durch die Nahrung, den Atem oder unsere Gedanken –, behalten wir den Schlüssel für unser Wohlbefinden in der Hand.

Wenn wir die oben beschriebenen Methoden fest in unser Leben integrieren, lässt sich Lebensfreude auch länger speichern.

Auf diese Weise schließt sich der Kreis zu den drei Dantians und den kosmischen Kräften in uns: Nur wenn wir unsere physische Basis im Unteren Dantian pflegen, können die Emotionen im Mittleren Dantian frei fließen und der Geist im Oberen Dantian klar bleiben. Die tägliche Praxis ist somit der wichtigste Schritt, um die Harmonie auf allen Ebenen unseres Seins lange zu bewahren.

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