Paradies und Sündenfall

von Jana Kabir

Das nachfolgende Märchen versucht die verschiedenen Wahrheiten religiöser und gnostischer Schriften miteinander in Einklang zu bringen. Bewusst wird es als Märchen bezeichnet, da die Abhandlungen darin zwar aus dem Kanon der Bibel, dem heiligen Koran und Hadith, den apokryphen Schriften, dem Nag Hammadi Codex, sowie aus dem Gilgamesch Epos entnommen wurden, der Text aber seiner eigenen Chronologie folgt.

Es lassen sich Auszüge aus den heiligen Schriften in der Tat zu einer Gesamtheit ergänzen, da es teilweise deckungsgleiche Übereinstimmungen gibt, die sich geradewegs wie ein Puzzle nach Ergänzung "sehnen". Ein Warum wird in der alleinigen Genesis-Abhandlung nicht beantwortet, es sei denn man kenne die Bibel als Ganzes. Doch selbst dann bleibt die Vermutung bestehen, dass man weder eine Antwort auf dieses Warum bekommt, noch dass man versteht, wieso es zum Sündenfall kam und was der Zweck dessen war.
Alle Inhalte können über die verwendeten Fußnoten aus den heiligen Büchern entsprechend recherchiert und abgeleitet werden.

Ein Märchen aus dem Paradies

Gott schuf die Sonne, den Mond und den Tierkreis 1. Er setzte alle Sterne als Lichter an den Himmel, damit alles Irdische dem siderischen Umlauf der Gestirne folgen möge 2. Dann schuf er alle Engel und alle lebendigen Wesen, die im Feuer, in der Luft, im Wasser und aus der Erde geboren wurden 3.
Noch vor dem Menschen schuf er Lichtwesen aus rauchlosen Feuerflammen 4 und erst danach bereitete er dem Menschen einen Paradiesgarten in dieser geschaffenen Welt, über welchem die Wesen des Feuers schwebten um Gott und den Menschen zu dienen 5. Diese Welt trennte das himmlische vom irdischen Paradies und die Tore zum Himmel wurden durch den Lichtfürsten bewacht 6. Darunter befand sich der Garten Eden in welchem dann der Mensch sein Zuhause haben sollte.

Der irdische Paradiesgarten wurde durch vier Flüsse bewässert: Pischon war der Fluss der das Land des Goldes umringte, Gihon, der das ganze Land Kusch umfloss, Tigris war der im Osten gelegene dritte Fluss, welcher Aschur umfloss. Der vierte Strom hieß Euphrat 7. Und inmitten dieses paradiesischen Gartens, wuchsen zwei Bäume 8.
Beide Bäume wurzelten im Acker des Paradieses und waren alleine dem Menschen bestimmt. Die Früchte vom Baum des Lebens enthielten das Elixier des ewigen Jungbrunnens 9. Der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse war den Menschen aber verboten, weil der Genuss seiner Frucht den Tod bringen sollte 10. Aßen die Menschen aber nur vom Baum des Lebens, so blieben sie unsterblich.

Also formte Gott in seinem Abbild Mann und Frau 11 aus Erde, Wasser und Luft, denen er den Lebensgeist einhauchte 12, gleich dem aus dem Körper kommenden Windhauch, so man beim ausrufen des Amen vernimmt. Am Tag formte er den Mann aus Lehm und nannte ihn Adam. In der Nacht schuf er die Frau 13 und machte sie lebendig in der Luft. Daraufhin rief Gott alle Engel zu sich, auch den Torwächter des Paradieses, den er zu dieser Zeit noch von allen Feuerwesen am liebsten hatte, und darum einer der Erzengel war.

Und Gott ließ den Adam in den oberen Garten Eden emporsteigen 14 und sprach zu den Engeln: »Seht was ich geschaffen habe: den Menschen in meinem Abbild. Werft euch nieder vor ihm und betet ihn an«. Alle Erzengel und Engel warfen sich vor Adam nieder außer dem Lichtfürsten, welcher eine große Aufruhr machte und sprach: »Ihn hast Du nur aus Lehm geschaffen, mich aber aus Feuer. Ich bin ein höheres Wesen als er und mich gab es lange Zeit vor ihm«. Weil er aber dem Herrn widersprach, verbannte dieser ihn aus dem Paradies des Himmels 15. Er wurde vom heiligen Erzengel Michael in den finsteren Teil unterhalb des irdischen Paradieses gestürzt 16. Und so wurde er vom fürstlichen Thron des Lichtkönigs gestoßen, wurde zum Lichtbringer und zum Fürsten der Finsternis degradiert, dem Teufel auf Erden.

Auch die Frau war eifersüchtig auf Adam, denn sie war von gleicher Kraft und Schönheit, fühlte sich von Gott aber weniger geliebt. Sie war von hohem Geist und besaß große Klugheit, mit der sie den geheimen Namen Gottes entdeckte, den erst Jahrtausende später beim Auszug aus Ägypten, dem Moses am Sinai in einem brennenden Rosenbusch 17 verkündet werden sollte, denn im Geheimnis dieses Namens lagen die Schlüssel, mit der sich die Türen zu aller Weisheit öffnen ließen. Damit war sie gegen die Einflüsterungen des Teufels gefeit, wurde selbst zur Schöpferin und fühlte Sie sich Gott ebenbürtig, was aber wegen ihrer irdischen Herkunft die Unwahrheit war. Darum brachte Gott sie in die Wüste, wo sie dann unter den Wesen des Feuers als Nachtwind leben sollte 18.

Als all das geschehen war, brachte Gott den Adam wieder hinab in den unteren Garten Eden. Er sah aber, dass Adam alleine und traurig war. Also ließ er den Adam in einen tiefen Schlaf fallen, nahm eine seiner Rippen und verschloss seine geöffnete linke Brustseite mit Fleisch. Aus der Rippe baute Gott seine Frau und nannte sie Eva 19. Da sie aber von seinem Körper genommen, ein Teil von Adam wurde und schwächer war als er, trug der Mann auch ihre Bürde.

Aber in dieser Zeit schämten sich Adam und Eva nicht voreinander, denn sie erkannten ihr Geschlecht noch nicht 20. Der Teufel aber beneidete den Adam wegen seiner Vollkommenheit und er wollte ihm und seiner Frau schaden 21. Dazu drang er in die Schlange ein und lehrte ihr das Sprechen, wie einer, der einem Vogel die Sprache lehrt, einen grossen Spiegel zwischen ihn und sich selbst stellt, und anfängt mit ihm zu reden, so bringt er den Vogel, sobald er diese Stimme hört, dazu sich zu ihm umzuwenden, wo er dann im Spiegel seine eigene Gestalt sieht und darüber so sehr in Freude gerät, denn er glaubt im Spiegelbild einen Gefährten gefunden zu haben. Und so neigte die Schlange in Ruhe ihr Ohr und hörte die Worte dessen, der auf diese Weise mit ihr redete, horchte auf und lernte sprechen 22. So brachte der Teufel die Schlange zur Sprache, wohnte in ihr und kroch hinauf zum Wipfel des verbotenen Baumes.

Er beobachtete die Eva und wartete auf den richtigen Zeitpunkt, bis sie allein war und rief sie dann durch die Schlange mit einer süßlich, flüsternden Stimme bei ihrem Namen, so dass sie zu dem verbotenen Baum kam. Und als sie zu ihr sprach, da wandte sie sich um und sah in der Schlange, ihr eigenes Bild, so wie sich einst die Schlange an ihrem Spiegelbild erfreute 23.

Die Schlange sprach zu Eva: »Hat euch Gott gesagt, ihr sollt nicht essen von dem einen der beiden Bäume mitten im Garten?«, sie antwortete, das Gott gesagt hatte die Früchte des einen Baumes weder zu berühren noch davon zu essen, denn sonst sollten sie beide sterben und in ihr erstes Kind würde der mordende Tod fahren 24.

Da sprach die Schlange zur Frau: »Gott weiß, sobald ihr von der Frucht der Gebotsübertretung esst, werden euch eure Augen aufgetan, dann werdet ihr sehen und selbst sein wie Gott und wissen, was gut und was böse ist« 25. Eva gefiel was sie gehört hatte, denn der Baum machte klug und war ein Augenschmaus 26, durch den sie von der verbotenen Frucht zu kosten trachtete. Und sie aß und ihr wurden die Augen aufgetan und sie erkannte ihr Geschlecht, wofür sie sich schämte und sich darum mit dem Apfel unter dem anderen Baum verbarg 27. Sie rief Adam, der zu ihr kam, dass er auch von der Frucht esse. Und als er davon aß, da erkannte auch er sein Geschlecht und das seiner Frau. Und als sie sich geliebt hatten, da versteckten sich beide und bedeckten ihre Geschlechter mit einem Feigenblatt 28, denn sie schämten sich vor Gott für was sie taten.

Gott suchte nach ihnen rufend »Wo seid ihr?«. Und Adam antwortete: »wir fürchteten uns vor dir, denn wir sind nackt«. Damit zeigte sich was geschah, denn sie hatten von dem verbotenen Baum gegessen und erkannten einander. Adam beschuldigte die Eva ihn überredet zu haben und die Eva beschuldigte die Schlange 29. Und Gott verfluchte die Schlange für ihre Tat, schloss die Füße in ihren Bauch ein und zwang sie den Staub der Erde zu fressen 30. Sie war von nun an der Feind der Frau und solange die Schlange an den Boden gebunden war 31, waren die Nachkommen der Schlange, die Feinde der Nachkommen des Menschen 32.

Und weil sie sich für ihre Nacktheit schämten machte Gott ihnen königliche Seidengewänder aus der zarten Rinde des Lebensbaumes. Diese Kleider bildeten einen Schutz für den Körper des Schmerzes 33.

Nun aber da sie Gott eingekleidet hatte, Adam und Eva aber ihre Unsterblichkeit durch die Nahrung vom Baum des Lebens entzogen werden musste, sollten sie nicht weiter im Paradies leben, denn sonst hätte der Teufel in seiner Eifersucht das Paradies durch die Menschen zerstören können und hätte so die Menschheit ausgelöscht 34.

Also wies Gott den Menschen aus dem Garten Eden, damit Adam die Ackererde bebaue, aus der ihn Gott einst geschaffen hatte, womit sein Leben auf der Erde eine Frist bekam 35. Und so wie einst der Lichtfürst aus dem Himmelsparadies verstoßen wurde und hinabgefallen war ins Erdreich, so trieb der Erzengel Michael die Menschen in ein Lager, welches sich etwas unterhalb des Gartens befand. Die Pforte zum irdischen Paradies, die den Weg zum Baum des Lebens verschloss, ließ er durch den heiligen Erzengel Gabriel mit dem flammenden Schwert bewachen 36.

Nachdem sie in Trauer aus dem irdischen Paradies gingen, sprach Gott zu Adam:

»Gräme dich nicht, denn nach der Erfüllung eurer Lebenszeit auf Erden und derer eurer Nachkommen, werde ich ein Kind senden und es wird durch den heiligen Geist auf die Erde herabkommen und von einer Jungfrau namens Maria geboren werden. Durch ihren Sohn wird deine Erlösung und Rückkehr vollbracht sein, denn er wird sterben für eure Sünden am Kreuz. Dort auf der Schädelstätte, werden die Söhne Deiner Nachkommen, nämlich Sem, der Sohn des Noah und Melchisedek der König von Salem, deinen Leichnahm begraben, dort wo Dein Nachkomme Abraham das Lamm statt seines Sohnes Isaak opfern wird, dort wo man dann am Abend des ersten Frühlingsmondes das Lichterfest begeht, dort in der Stadt des heiligen Sterns, wo die Menschen das Licht der Welt erblicken. 37«

Fußnoten

1 Genesis 1:14-17

2 Sure 55:5

3 Genesis 1:12, 20-21, 24-25

4 Sure 55:15, Sure 66:6

5 Sure 51:56

6 Hadith Buch 39, Nr. 6754, 6754, Nag Hammadi VI-8, 82-83

7 Genesis 2:10-14, Sure 18:31

8 Genesis 2:9

9 Offenbarung 2:7

10 Genesis 2:17

11 Genesis 1:27

12 Genesis 2:7, Apokryphen Schatzhöhle 2:8

13 Gilgamesch Epos, Tafel 12, Der Huluppu Baum

14 Apokryphen Schatzhöhle 3:8

15 Sure 38:74-77, Apokryphen Schatzhöhle 3:2-6

16 Offenbarung 12:7-8, Sure 38:94-95

17 Exodus 3:2-5, 14-15

18 Jesaja 34:14

19 Genesis 2:21-24

20 Genesis 2:25

21 Apokryphen Schatzhöhle 4:4

22 Apokryphen Schatzhöhle 4:8-13

23 Apokryphen Schatzhöhle 4:13

24 Genesis 3:3, Sure 7:18, Genesis 4:8

25 Genesis 3:5, Sure 7:19

26 Genesis 3:6

27 Apokryphen Schatzhöhle 4:16

28 Genesis 3:7, Sure 7:21

29 Genesis 3:9-14

30 Genesis 3:14; Apokryphen Schatzhöhle 5:5

31 Exodus 4:3; Numeri 21:8-9

32 Genesis 3:15

33 Apokryphen Schatzhöhle 4:23

34 Ezechiel 36:34-37

35 Genesis 3:17; Genesis 3:23; Sure 38:80

36 Genesis 3:24

37 Apokryphen Schatzhöhle 5:3-12,23:15-23; Genesis 14:18-20; Hebräer 7,1; Genesis 22:13; Matthäus 1:18-20; Matthäus 5:14; Johannes 8:12; Johannes 19:17

 

Urheimat Arktis: Wahrheit oder Wahn?

Johan von Kirschner

Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, wo die indoeuropäische Kultur ihren Ursprung nahm. Ihre Nachkommen aber bilden heute eine Zivilisation, die sich mehr als 10000 Kilometer über die Nordhalbkugel unserer Erde erstreckt. Kamen die Vorfahren dieser Kultur vielleicht aus dem hohen Norden?

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