Rubedo in der Alchemie

Die Rubedo, lateinisch „Rötung“, ist die höchste und letzte Stufe im großen Werk (Opus Magnum) bei der Bereitung des Steins der Weisen.

Die alten Alchemisten dachten sich einen roten Drachen, der gegen sich selbst wütet und in einem heftigen Prozess sich in sein eigenes Blut verwandelt. Die Rötung der Ausgangssubstanz zeigt an, dass die Verwandlung gelungen ist.

Jetzt ist der Stein der Weisen bereitet: er ist rubinrot, klar und vielleicht schwerer als das Gold, in dass er jeden Stoff zu verwandeln vermag.

Die Vollendung des Steins der Weisen

Psychologisch symbolisiert dieser Phase die vollständige Integration des Schattens und die glanzvolle Wiederauferstehung des erneuerten Selbst im Hier und Jetzt. Es geht nun nicht mehr um weltabgewandte Askese, sondern um die Manifestation des göttlichen Geistes im irdischen Körper. Das geläuterte Bewusstsein verbindet sich mit der reinen, weißen Materia – die heilige Hochzeit (Hieros Gamos), die den „Roten Löwen“ hervorbringt, der wie das Blut des Heiligen Grals die Leidenden heilt, sie tränkt und nährt.

Mit dem Erreichen dieser feurigen Stufe transformiert sich die so gewonnene Erkenntnis in unbedingter Schöpferkraft. Der Alchemist ist durch das Mysterium von Tod und Wiedergeburt gegangen und strahlt nun die unerschütterliche Wärme der kosmischen Sonne aus. Die Rubedo schenkt dem Individuum das integrale Bewusstsein, in dem die Polaritäten von Geist und Stoff, von Innen und Außen versöhnt sind. Jetzt ist sich der Mensch seiner Gottähnlichkeit bewusst geworden und ist damit ein Lichtquell für seine Mitwelt.

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