Die Derwische und die Sonne

von S. Levent Oezkan

Alles in der Welt dreht und bewegt sich, von den Atomen bis zum Sonnensystem und dem Blut im Körper. Sema, die Tanz- bzw. Kulturübung der Mevlana-Derwische ist eine Reise des Menschen ins Innerste der Seele. Diese Seele reift dadurch und gelangt damit zu einer Einheit mit Gott. Ein konzentriert auf die Göttlichkeit ausgerichtetes Bewusstsein wird so geschaffen.

Dies wird durch den Verzicht auf Begierden und Leidenschaften, durch das Hören der Musik gesucht, indem sich der Körper in sich wiederholenden Kreisen dreht. Dies ist eine symbolische Nachahmung und stellt die Bewegung der Himmelskörper dar. Ganz so wie die Sterne und die Planeten um die Sonne kreisen, drehen sich die Derwische gegen den Uhrzeigersinn, sowohl um sich selbst und um den Kreis.
Der Tanz der Derwische wurde von Dschellaladin Rumi, einem persischen Dichter als Meditationstanz entdeckt. Seine Schüler drehten sich hingebungsvoll um ihre eigene Achse und sanken so in den Raum der Wachsamkeit.
Auch heute noch wird der Tanz der Derwische praktiziert. Dabei dreht sich der Sufitänzer zunächst mit gekreuzten Armen, dann allmählich öffnet er seine Arme und hält dabei die rechte Hand nach oben und den linken Arm nach unten.

Eine Hand ist zum Himmel hin geöffnet, die andere zur Erde. Während des Drehens sehen die Augen des Tänzers auf die Finger seiner rechten Hand. Durch das Drehen wird ein Zustand innerer Ruhe durch die Bewegung im Außen gefunden. Damit offenbart sich dem Derwisch das Leben als ein Leben des Herzens. Er lernt loszulassen statt gedanklich an etwas festzuhalten, ganz einfach, indem man sich dreht. So wird sein Ego geläutert und er wird zu einem transparenten Gefäß, welches sich mit dem göttlichen Licht der Spiritualität füllt. Über diese Meditation, werden die göttlichen Segnungen ausgesendet und durchdringen so als Schwingungen den Weltraum im Gedenken an die allumfassenden, göttlichen Emanationen. Durch die stillen Gesänge der 99 heiligen Namen Gottes, Allahs, werden die Herzen aller beim Tanz Anwesenden angerufen. Es ist wie das Eintauchen in einen Fluss der göttlichen Liebe, der zu einem Strom anschwillt und das Herz in Freude wiegt. Das Herz wird so zum Zentrum der Liebe zur Welt. Es wird das Herz der Liebe im eigenen Dasein.

 

 

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Auf dem Pfad der Sufis

S. Levent Oezkan

Die meisten Sufis sind Muslime, die ihr Leben auf Rücksichtnahme, Selbsthingabe und Ergebenheit ausrichten: als Helfer der Schutzlosen und Unglücklichen. 

Um solch edles Streben drehte sich auch das Leben des großen Eingeweihten Mevlana Rumi, den viele Millionen Menschen weltweit als Heiligen verehren. 

Ein Sufi weiß aber, dass die Welt nicht das wahre Zuhause seiner Seele ist. Sie befindet sich auf einer Reise, auf der sich ihr Träger dem Pfad der Wahrheit nähert.
Im Dhikr - der ekstatischen Praxis der Sufis - geht es darum, sich auf dieses erhabene Ziel zuzubewegen, um für sich selbst und seine Mitmenschen, Frieden und Erfüllung zu bringen.

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