Geschichten von Schlüsseln, Wegen und Brücken (2)

von Ljiljana Strbac

Die Brücken die wir benutzen, begehen und überqueren, Geschichten, die zufällig passieren, uns zufallen und uns einfallen und von Abenteuern und Reisen, die wir erleben, erzählen die Menschen seit ewigen Zeiten, denn sie sind ein fester Bestandteil der Menschheitsgeschichte und Entwicklung aller menschlicher Kultur und Geschichte. Das Erzählen und das Zählen sind zweifellos nicht wegzudenken aus dem Leben des Menschen und untrennbar mit dem Fortbestehen der Menschen verbunden.

Der Weg steht auch als Symbol für den Lebensweg jedes einzelnen Menschen, betrachtet als eine Entwicklungssequenz und Suche. Schon der Umstand des Reisens ist ein besonderer Zustand im Leben: Ausdruck eines notwendigen, angeborenen Bedürfnisses nach Abwechslung, Austausch, Tausch und Handel, Veränderung und Verbindung.

Ein dringendes Bedürfnis treibt uns manchmal dazu, unsere vertrauten und sicheren Häuser und Alltagsperspektiven zu verlassen, um uns selbst zu vervollständigen, wie ein Puzzlespiel, oder Bilderrätsel, Kreutzworträtsel oder Mosaikbild, das zu vervollständigen, zu lösen und zu ergänzen ist, damit wir es dann als ganzes Bild entziffern, dekodieren, verstehen und begreifen können.

So verwirklichen wir auch unsere Lebensträume, indem wir uns auf neuen, manchmal unbekannten Weg begeben, um neue Räume und Gegenden zu erkunden.

Der Ruf, der uns auf unsere abenteuerliche Reise bringt zeigt sich uns manchmal durch andere Menschen oder Erscheinungen in der Welt und Natur. Doch manchmal ist es nur eine leise oder laute innere Sprache, in der wir uns selbst Kraft unserer Wünsche, unserer Sehnsüchte, unserer Leidenschaften und Liebe zum Aufbruch nach neuen Horizonten auffordern.

Eine geheimnisvolle Sprache ist tief verankert und codiert im individuellen und kollektiven menschlichen Unterbewußtsein und Bewußtsein, in Form einer symbolhaften Bilderfibel, manchmal tief verborgen an den tiefen Wurzeln unseres Menschseins.

Träume, das traumhafte Visualisieren und die Visualisierung neuer Ziele, die wir anvisieren im Verlauf unseres Lebens bilden eine bunte und manchmal wirklich enorme Sammlung ab an Erfahrungen, Wahrnehmungen, Sach- und Fachkenntnissen und persönlichen Erkenntnissen und Wahrheiten, die wir zum Wachsen und Lernen brauchen, sind die Schätze, die es auf unseren Wegen und Reisen zu bergen gibt.

Das Abenteuer unseres Lebens sind die Suche und die Fragen, die sich uns stellen. Die Reise an sich ist unser Lebensziel und wird zu unserem Schicksal und Los im Spiel, das „Leben“ heisst, wenn wir unserem Ruf und der vitalen Aufforderung Folge leisten.

Auf unseren Reisen durchqueren wir ferne Länder, hören andere Sprachen, sehen andere Menschen und Dinge, die uns manchmal ganz fremd und neu sind, und von denen wir zuvor nichts wussten. Manchmal sehen wir sie einfach nur anders, denn sie sind uns eigentlich schon vertraut auf irgendeine Art und Weise.

Doch sehen wir sie dann vielleicht einfach nur aus einer anderen Perspektive und entdecken Vertrautes und Neues nebeneinander, als etwas ganz Neues, sich gegenseitig Ergänzendes und Vervollständigendes.

Damit sind Brücken in ihrer besonderen Rolle im Zusammenhang mit Wegen auch ein kleiner Teil des unstillbaren Durstes der Menschheit, durch Überwindung der Naturgesetzte zu fliegen, und die irdischen Dinge aus ganz anderen Perspektiven zu sehen.
Auch verkürzen uns Brücken sonst lange Umwege, indem sie Verbindung schlagen zwischen zwei Ufern oder zwei Seiten einer scheinbar unüberwindlichen Schlucht oder eines reißenden Flusses.

Natürliche Hindernisse und dem Menschen sonst unzugängliche Kluften überbrücken großartige Bauwerke aus Marmor, Stein, Holz und Metall, allen zugänglich und offen für alle, und ermöglichen die Aufhebung von nur scheinbar Trennendem und Getrenntem.
Sie sind leise, dienen allen und sind tief verankert im menschlichen Bewußtsein als ein Inbegriff für Ewigkeit, insbesondere Bogenbrücken, die den Regenbogen nachbilden: ewiges Ur-Muster für Anschluss und Kontinuität vor den Augen aller Menschengeschlechter bis heute, und derer, die einen Anteil an der Zukunt haben werden.

Brücken sind manchmal auch Teile unseres ureigensten Weges, in einer ganz besonderen Form: Sie führen uns in einen Existenzzustand zwischen Himmel und Erde, denn auf solchen Kunstwerken der menschlichen Baukunst und des menschlichen Könnens erst, gelingt es dem visionären Geist, die Schwerkraft zu überwinden, sie wenigstens ansatzweise und zeitweise fast auszublenden.

Aus der Brückenperspektive haben wir einen erweiterten Blick, ein Panorama, wir sehen beide Ufer und den Fluss oder die Schlucht aus einer ungewohnten, aber sicheren und einmaligen Perspektive.

So wie die Brücken und Wege Zeichen und Spuren der Anwesenheit von Menschen sind und Zeugen seiner Suche und Wanderungen, so sind auch Zeichen und Zahlen und Symbole und Bilder seit alters her die Begleiter und Zeugen des Menschen, die er sich selbst erschafft, um von seiner Anwesenheit zu berichten, um sich manchmal ihrer zu vergewissern, sich anderen Menschen mitzuteilen und sie mit anderen Menschen zu teilen. Die Zeichen, Zahlen und Bilder erzählen, was wir auf unserem Weg erlebt, überlebt, gesehen und entdeckt haben und welche Wege wir beschritten und welche Brücken wir überquert haben.

Mit den Menschen wanderten auch manchmal ihre Aufzeichnungen, andere Aufzeichnungen warteten still irgendwo darauf, wurden von Wanderern, die auch aus ganz fernen Ländern kamen manchmal, aus anderen Ländern, auf ihrer Reise entdeckt. Der wechselseitige Prozess des Mitteilens, Kommunizierens, Teilhabens und Teilens mit unseren Mitmenschen überall auf dieser Welt ist die einzige Art, sich nicht zu verirren in unserem Leben und auf unserem Lebensweg zu uns selbst zu finden, indem wir uns in anderen wiederfinden und andere sich in uns wiederfinden lassen. Um uns gegenseitig zu finden, helfen Wege, Brücken und Zeichen als Transportmittel und Mittler von Information.

In derartigen Prozessen und deren Verarbeitung entstehen Geschichten über die Wege der wandernden Zeichen und Wanderer, über die Erfindung, Entdeckung und den Austausch von Zeichen.

Die hier von mir hinzugefügte Geschichte ist sicherlich von ihrem Inhalt sehr alt und jedem Reisenden, Wanderer und Sucher vertraut.

Ich versuche, sie hier nun noch einmal zu erzählen, auf jene Art, wie sie mich damals fand, mich immer wieder findet, und wie mir die Geschichte übertragen wurde von einem Meistererzähler und Magier der Erzählkunst …

[… Die] Geschichte eines Jünglings, der sich, irrend durch die Welt und suchend nach seinem Glück, auf einen gefährlichen Weg begab, von dem er nicht wusste, wohin er ihn führen würde. Um sich nicht zu verirren, schlug der Jüngling mit einer Axt in die Baumstämme am Wegesrand Zeichen, die ihm später den Weg zurück weisen würden. Dieser Jüngling ist die Verkörperung des allgemeinen und ewigen menschlichen Schicksals: einerseits der ungewisse und gefährliche Weg, andererseits das grosse menschliche Bedürfnis, sich dabei nicht zu verlieren, sich zurechtfinden, eine Spur hinterlassen. Zeichen, die wir hinterlassen, Vergänglichkeit und Vergessen. Vielleicht werden sie ganz unbemerkt bleiben? Vielleicht wird niemand sie durchdringen? Und dennoch, sie sind notwendig, so wie es natürlich und notwendig ist, dass wir Menschen uns einander mitteilen und uns gegenseitig entdecken. Wenn uns auch diese kurzen und geheimnisvollen Zeichen nicht retten können vor Irrungen und Versuchungen, so können sie uns doch die Irrungen und Versuchungen erleichtern, uns eine Hilfe sein, indem sie uns wenigstens davon Zeugnis ablegen, dass wir in Allem, was uns widerfährt, weder die Einzigen, Ersten noch die Letzten sind.“ Erzählungen als Sprachbilder und Zeichen und Zahlen als Schriftbilder sind materiell wahrnehmbare Schlüssel und Codes des menschlichen Geistes und seines Erlebens und Lebens und Überlebens, die uns helfen, uns selbst zu erschließen, anderenetwas zu erschließen und Tore zu neuen Formen des Seins aufzuschließen in unserer bunten Vielfalt einer vielfältig bunten Welt, voller neuer und alter, entschlüsselter und noch unentschlüsselter Zeichen, Zahlen, Buchstaben und Bilder, „[…] denn alle Dinge sind dazu da, damit sie uns Bilder werden in irgendeinem Sinn […].

– Ivo Andrić

Erzählungen als Sprachbilder und Zeichen und Zahlen als Schriftbilder sind materiell wahrnehmbare Schlüssel und Codes des menschlichen Geistes und seines Erlebens und Lebens und Überlebens, die uns helfen, uns selbst zu erschließen, anderenetwas zu erschließen und Tore zu neuen Formen des Seins aufzuschließen in unserer bunten Vielfalt einer vielfältig bunten Welt, voller neuer und alter, entschlüsselter und noch unentschlüsselter Zeichen, Zahlen, Buchstaben und Bilder, ...

[…] denn alle Dinge sind dazu da, damit sie uns Bilder werden in irgendeinem Sinn […].

 

Urheimat Arktis: Wahrheit oder Wahn?

Johan von Kirschner

Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, wo die indoeuropäische Kultur ihren Ursprung nahm. Ihre Nachkommen aber bilden heute eine Zivilisation, die sich mehr als 10000 Kilometer über die Nordhalbkugel unserer Erde erstreckt. Kamen die Vorfahren dieser Kultur vielleicht aus dem hohen Norden?

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