Über S. Levent Oezkan

Privatgelehrter und Autor mit Schwerpunkt auf west-östliche Weisheitslehren

S. Levent Oezkan - ewigeweisheit.deIm schönen Heidelberg am Neckar kam ich zur Welt im Jahr 1971. Da wurde ich geboren als Sohn eines türkischen Vaters und einer deutschen Mutter.

Meine türkischen Vorfahren waren ursprünglich turkmenische Nomaden, die sich gegen Ende des 18. Jhd. im Gebiet zwischen dem Gebirge des Mittleren Taurus und dem Fluss Saros niederließen.

Mein türkischer Urgroßvater war Agha und Imam - oberster Herr der Gemeinde und spiritueller Lehrer, in jenem Ort aus dem meine türkische Familie stammt. In dieser Region Südanatoliens befindet sich auch das 7000 Jahre alte Tarsus – die Heimatstadt meiner türkischen Familie. Es ist die Geburtsstadt des Heiligen Apostels Paulus, in der sich auch das Mausoleum des Propheten Daniel, sowie die berühmte Höhle der Siebenschläfer befinden.

Sowohl mein türkischer wie auch mein deutscher Großvater waren sehr religiös. Einer vollzog die Pilgerfahrt nach Mekka, der andere war ein frommer christlicher Wallfahrer.

Die Familie meiner Mutter stammt aus Berlin. Mein Großvater arbeitete einst für den Deutschen Geheimdienst. Seine Vorfahren waren jüdische Pelzer, die später zum Christentum konvertierten. Er wurde geboren in einem mährischen Dorf nahe der Stadt Znaim, damals dem Kaiserreich Österreich-Ungarn zugehörig. Das Dorf gründete einst eine alte christliche Täufer-Gemeinde.

So spreizen sich die Wurzelstränge meiner Vorfahren von Mesopotamien bis hinein nach Mitteleuropa.

Kurzer Lebenslauf

Seit meiner Kindheit waren islamische wie auch christliche Spiritualität gegenwärtig. Meine Eltern handhabten das aber sehr libreal. Was sie mir an Spiritualität vermittelten, war mehr der Glaube an eine höhere Ordnung unserer Welt, in der wir als Menschen eine besondere Rolle spielen. Sie stellten mir jedoch frei, mich für einen Glauben zu entscheiden oder ohne Konfession zu bleiben.

Auch gegenüber anderen Themen, pflegte man bei uns Offenheit. Das inspierte mich auch neue Kenntnisse zu sammeln, aus spirituellen, wie auch naturwissenschaftlichen Wissensfeldern, als auch auch im Feld der Ökonomie.

Mein gleichzeitiges Interesse an Neuem und Altem, zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben.

Von meinem 11. bis zum 17. Lebensjahr verbrachte ich mit dem täglichen Studium der Alchemie und der Hermetik. Das war auch die Zeit in der ich begann fernöstliche Weisheitslehren wie Tao und Zen zu studieren. Ich übte viele Jahre Karate, Judo und Wing-Tsun-Kung-Fu.

In den 1990er Jahren reiste ich für längere Zeit in den Orient. Da besuchte ich die heiligen Stätten Jerusalems und setzte von dort meine Reise fort nach Indien, besuchte den heiligen See Pushkar, wie auch Ajmer, einen wichtigen Pilgerort vieler Sufis. Dort nämlich befindet sich das Mausoleum des islamischen Mystikers Muinuddin Chishti.

2010 erhielt ich in Dahab (Sinai) meine Einweihung zum Geistigen Heiler, durch meine dort lebende französische Meisterin. Von 2009-2011 war ich im Vorstand der International Light Association (ILA), ab 2014 dann ihr Vize-Präsident. Die ILA ist ein Zusammenschluss von Heilern und Ärzten im Umfeld der Licht- und Farbtherapie.

Anfang der 1990er Jahre, bis Ende der ersten Dekade des 21. Jhd., war ich als Musiker und Musikproduzent tätig, in nationalen und internationalen Projekten und stand auf vielen Bühnen mit verschiedenen Bands.

Labron im Taurus-Gebirge - ewigeweisheit.de

Blick aus der armenischen Burg Lambron im Taurus-Gebirge. Die Festung stammt aus dem 11. Jhd. und wurde vom damaligen Stadthalter von Tarsus erbaut. Tarsus gehörte damals zum Byzantinischen Reich.

Zuwendung zur Philosophia Perennis

Über die Pythagoreische Numerologie kam ich 2004 zur jüdischen Kabbala – und wegen meines Interesses für die indogermanischen und semitischen Weisheitslehren, wandte ich mich der Philosophia Perennis zu - der Ewigen Weisheit.

Eine kurze Geschichte der west-östlichen Philosophie

Um darzustellen, was das bedeutet, lohnt es sich etwas weiter auszuholen.

Über die Karawanenrouten kamen im Mittelalter vedische Weisheit und esoterisches Wissen des tibetischen Buddhismus nach Europa. Auf den alten Routen der Seidenstraße begann im 13. Jhd. der große Wissensaustausch zwischen Okzident und Orient. Besonders in der Region des alten Reichs von Chorasan (heute eine iranische Provinz, einst aber ausgebreitet über das heutige Afghanistan, den Iran, Tadschikistan, Usbekistan und Turkmenistan), kam es wohl zu wichtigen Begegnungen der Weisen aus dem Morgen- und Abendland. Dort auch wurden die großen Sufi-Mystiker Dschallaledin Rumi und Fareduddin Attar geboren.

Im Nahen Osten des 3. Jhd. n. Chr. entstand die christliche Gnosis, die sich vornehmlich über den Propheten Mani mit den Weisheiten des fernen Ostens verband. Jener Begründer des Manichäismus nämlich, sah sich als Nachfahre Zarathustras, Buddhas und Jesus', und begann seine Mission im Zweistromland (Irak) und Medien (Iran) – jenen Urstätten unserer Zivilisation.

Aus Iran stammte auch der für Goethe so wichtige Dichter und Mystiker Hafiz. Er kam im alten Schiras zur Welt – einst kulturelles Zentrum der Perser im Herzen Irans.

Wer sich selbst und andre kennt,
Wird auch hier erkennen:
Orient und Okzident
Sind nicht mehr zu trennen.

Sinnig zwischen beiden Welten
Sich zu wiegen, lass' ich gelten;
Also zwischen Osten und Westen
Sich bewegen, sei's zum Besten!

- Goethe, Aus dem West-östlichen Diwan

Für die westliche esoterische Philosophie war insbesondere auch die alte Kultur Ägyptens von Bedeutung, die dort lebende Hermetiker und Alchemisten, Kabbalisten und späteren christlichen Gnostiker, in ihrer Gelehrsamkeit ungemein bereichert haben musste. Das alte Alexandria, im einstmaligen Reich der griechisch-ägyptischen Ptolemäer-Könige, stand nicht zufällig im Zentrum der antiken Geisteswelt. Schließlich befand sich dort einst auch die größte Bibliothek des klassischen Altertums.

Es waren wohl auch andere Faktoren, doch meine Besuche Ägyptens und der ägyptischen Halbinsel Sinai, markierten eine Wende in meinem Leben. Durch einen lieben Freund kam ich in Kontakt mit dem Bibliothekar der wahrscheinlich ältesten christlichen Bibliothek der Welt (seit etwa 548 n. Chr.), im Kloster St. Kathrin am Mosesberg. Nahe des Klosters besuchte ich auch den Eremiten Pater Moses, von dem ich einen lebenswendenden Rat bekam:

Wenn du wirklich etwas in deinem Leben verändern willst, so spreche mit niemandem darüber – nicht einmal mit deiner innigst vertrauten Person!

Kloster St. Kathrin im Sinai - ewigeweisheit.de

Das griechisch-orthodoxe Kloster St. Kathrin im Süden der Halbinsel Sinai, am Fuße des Mosesberges. Neben der Klosterkapelle, befindet sich eine kleine Moschee (rechts unten, weiße Minarett), innerhalb der Klostermauern.

Mein Leben als Sufi

Die Erfahrungen die ich beim Studium der Tora, der biblischen Propheten- und Weisheitsbücher, wie auch der Evangelien machte, brachten mich natürlich auch zum Koran. Dieses Buch aber, ließ mich zuerst massiv an der Religion des Islam zweifeln. Goethe schrieb über das heilige Buch der Muslime:

Der Stil des Korans ist, seinem Inhalt und Zweck gemäß, streng, groß, furchtbar, stellenweis wahrhaft erhaben; so treibt ein Keil den andern, und darf sich über die große Wirksamkeit des Buches niemand verwundern. Weshalb es denn auch von den echten Verehrern für unerschaffen und mit Gott gleich ewig erklärt wurde.

- Aus Goethes Mahomet

Die Beschäftigung mit dem Koran und der damit offenbarten Religion, verlangte mir ebenso viel ab, wie mein Ringen um meine wahre Identität: ich denke deutsch, habe einen türkischen Namen, meine Eltern sind weder richtig deutsch, noch richtig türkisch.

Ein anderer Gesichtspunkt, der mich zögern ließ, mich selbst dem Islam zu nähern, war, das was seit Anfang des neuen Jahrtausends bewusst eingeführt worden zu sein scheint: der sogenannte Islamismus.

Hagia Sophia by Dennis Jarvis from Halifax, Canada. Quelle: Wikipedia

Die Hagia Sophia in Istanbul (cc).

Dieses politische Phänomen trübt die Sicht auf den Islam, vieler Menschen im Westen. Viel zu leicht setzt man hier eine sehr, sehr kleine Minderheit von kriminellen Fanatikern gleich, mit der gesamten muslimischen Weltbevölkerung (1,6 Milliarden Gläubige). Hinzu kommt, dass der kranke Eifer solcher Fanatiker, hauptsächlich von politischen und gesellschaftlichen Problemen angetrieben wird und nicht etwa von Glaubensthemen. Es ist meines Erachtens einfach falsch, von den durch die Medien verbreiteten Bildern, Rückschlüsse zu ziehen auf eine Religion an sich, sei es Christentum, Judentum, Islam oder ein anderer Glaube.

Man denke etwa an das Gesicht des buddhistischen Terrors in Burma, der gezielt blutige Greueltaten gegen muslimische Menschen verübte. Oder die Gewalt in Nord-Irland, wo sich Katholiken und Protestanten bekriegen? Sicher hielte man jemanden für ungebildet, versuchte er wegen solcher Berichte, jeden Buddhisten oder Christen als gewalttätig abzustempeln. Darum ist es so gefährlich, wenn eigentlich politische Motive, nur im Gewand von Religion und Glauben gesehen werden.

Lange Zeit aber war mein Blick auf den Islam ebenso oberflächlich und darum voller Zweifel. Behauptungen aber, dass diese Religion ein Glaube der Gewalt sein soll, basiert auf Unwissen. Auch der Islam verehrt die Propheten Adam, Noah, Abraham, Moses oder den Friedensfürsten König Salomon, wie natürlich auch Jesus Christus (Isa ibn Maryam). Auch im Koran ließt man, dass Jesus Sohn einer Jungfrau war.

Fragte mich einer nach meinem Glauben, erhielte er die Antwort: »ich bin Muslim«. Doch das ist nicht ganz einfach, denn ich fühle mich sowohl den Sunnis wie auch den Schiiten verbunden. Und das wäre aus Sicht orthodoxer Muslime gänzlich unmöglich. Auch hätte ich wohl kaum zum Islam gefunden, besäße nicht auch diese Religion, so wie die mosaische Tradition die Kabbala, und die christliche Tradition die Gnosis, eine mystische Dimension: den Sufismus.

Man muss grundsätzlich unterscheiden, zwischen dem eher orthodoxen Islam der Sunniten und dem, was sich im 11. Jahrhundert aus dem Schiitischen Islam durch die Mutazila herausbildete: einer stark von der griechischen Philosophie beeinflusste islamische Strömung. Sie nämlich stellt, wie auch ich, die Willensfreiheit des Menschen in den Vordergrund und geht nicht aus von einer, nur von Gott vorherbestimmten Welt.

Grabeskirche Jerusalem - ewigeweisheit.de

Die Jerusalemer Grabeskirche um 1900.

Trotz also das meine Vorfahren Sunniten waren, fühle ich mich als Sufi eng verbunden mit dem Islam der Perser, das heißt dem Schiismus, mit dem Alevitentum und dem Ismailismus. Es liegt an meiner besonderen Verehrung für Hazret Ali, dem Schwiegersohn und ersten männlichen Anhänger des Propheten Mohammed. Besonders im Glauben der Aleviten, ist Ali von zentraler Bedeutung.

Würde ich aber behaupten, allein dem Islam oder Sufismus etwas abgewinnen zu können, wäre das falsch. Allein schon darum, da ich diese Webseite betreibe und zu verschiedensten Themen der Spiritualität Bücher schreibe, auch unter meinem Pseudonym Johan von Kirschner.

Es ist einfach so, dass ich großen Respekt verspüre, besonders für die Tradition der Juden. Denn sind jene Gläubigen über all die Jahrtausende der Verfolgung und Diaspora, ihrer Religion immer treu geblieben. Dieses Festhalten an alten Sitten und Gebräuchen ist etwas, dass unserer heutigen, modernen Kultur einfach fehlt.

Fraglos also, dass ich auch viele jüdische Freunde habe. Manche senden mir im heiligen Monat Ramadan die besten Grüße. Ein befreundeter Biologe aus Haifa (Israel) nahm mich Samstags mit zum Gottesdienst in seine Synagoge. Auf dieser zweiten Israel-Reise betete ich auch im Felsendom gen Mekka, kniete in der Grabeskirche in Jerusalem am Grab Jesu.

Das mag manchen Muslimen, Christen oder Juden gänzlich absurd erscheinen. Es ist mein Weg.

Diese Offenheit und Toleranz wurde mir durch meine Eltern vermittelt:

Mache keinen Unterschied zwischen Herkunft, Hautfarbe oder religiöser Gesinnung eines Menschen.

Sie lebten mir vor, dass sich glücklich schätzen kann, wer Gäste hat und sie auch als Menschen verschiedener Herkunft, zum Wohle aller zusammenbringt.

Drum ist's mir ein Anliegen, durch meinen Umgang mit Menschen verschiedenen Glaubens, zu zeigen, dass es durchaus möglich ist, den Kern eigener, religiöser Werte auch in einem diesen Traditionen fremden Umfeld zu leben.

Nicht die Kenntnis der Unterschiede stärken den Glauben eines Menschen, sondern das Wissen von der Relevanz der Ursprünge seiner Tradition, und den damit zwingend begründeten Gemeinsamkeiten. Sie nämlich ziehen sich als kontinuierlicher Strang der Weisheit durch die theosophisch-religiösen Strömungen in West und Ost, und entfalteten sich über die Jahrtausende aus eigentlich einem selben Ursprung.

ewigeweisheit.de

Die Beduinen des Süd-Sinai

In 2008 traft ich im Sinai Beduinen im schönen Küstenort Dahab. Ich lernte sie kennen über einen guten Freund. Sie halfen mir später bei der Durchführung mehrerer spiritueller Wüsten-Expeditionen zur Oase Ain Hodra, zum Mosesberg / Berg Sinai und zum Kloster St. Kathrin. Als Reiseführer begleitete ich dabei Menschen, die sich für die Ursprünge unserer religiösen Kultur interessieren. Das zweite Buch der Tora (Exodus) beschreibt unter anderem, wie Gott dem Moses seinen mystischen Namen JHVH am Berg Sinai offenbarte.

Die Kamelroute, auf denen ich meine Reisegäste zum Heiligen Berg brachte, schlug ein Scheich der Muszeina-Beduinen vor, mit dem ich heute befreundet bin. Ein anderes Mitglied der Dschebeliyya-Beduinen empfing uns dann im Protektorat St. Kathrin, am dortigen griechisch-orthodoxen Kloster St. Kathrin.

Beide Beduinen tragen den Namen Salman – eine arabische Form des Namen Salomon. Ungewöhnlich viele Beduinen tragen diesen Namen oder sogar den selben Vornamen wie ich. Und was heißt Selim? Er ist, wie Salman oder Salomon, ein Name semitischen Ursprungs, und bedeutet »Frieden«, so wie auch das arabische Selam order das hebräische Schalom.

Mein zweiter Vorname, Levent, ist französischen Ursprungs und bedeutet »Sonnenaufgang«. Er steht allegorisch für das Morgenland. Wenn im Dunkel der Weihnachtszeit das Licht der Sonne wieder zunimmt: diese Zeit hieß den Römern »Sol Invictus«, die unbesiegbare Sonne. Auch das ist Teil des Namens Levent: der Unbesiegbare.

Weiser Friedensfürst Salomo

Strahlend und unvergänglich ist die Weisheit;
Wer sie liebt, erblickt sie schnell, und wer sie sucht, findet sie.
Denen, die nach ihr verlangen, gibt sie sich sogleich zu erkennen.
Wer sie am frühen Morgen sucht, braucht keine Mühe, er findet sie vor seiner Türe sitzen.
Über sie nachzusinnen ist vollkommene Klugheit; wer ihretwegen wacht, wird schnell von Sorge frei.
Sie geht selbst umher, um die zu suchen, die ihrer würdig sind; freundlich erscheint sie ihnen auf allen Wegen und kommt jenen entgegen, die an sie denken.
Ihr Anfang ist aufrichtiges Verlangen nach Bildung; das eifrige Bemühen um Bildung aber ist Liebe.
Liebe ist Halten ihrer Gebote; Erfüllen der Gebote sichert Unvergänglichkeit, und Unvergänglichkeit bringt in Gottes Nähe.
So führt das Verlangen nach Weisheit zur Herrschaft hinauf.
Ihr Herrscher der Völker, wenn ihr Gefallen an Thronen und Zeptern habt, dann ehrt die Weisheit, damit ihr ewig herrscht.

- Aus dem Buch der Weisheit Salomos

Gerade die Erkenntnisse, die ich aus den biblischen Büchern der Weisheit gewann, inspirierten mich, die Ursprünge unserer westlichen Kultur zu erforschen. Die Sprüche Salomos und das Buch der Weisheit Salomos, sind Teil der sieben Weisheitsbücher der Bibel und für mich eine wertvolle Quelle der Inspiration.

Aber das Thomas-Evangelium, dass ich 2016 aus dem Koptischen neu übersetzte, ist für mich eine Quelle wahrer Esoterik.

Wer auch immer die Auslegung dieser Worte findet, wird den Tod nicht schmecken.

- Thomas-Evangelium, Logion 1

S. Levent Oezkan - ewigeweisheit.de

Der Weiße Lotus: Symbol der Reinheit.

Sufi Orden des Weißen Lotus

Ein Weißer Lotus wächst aus dunkel-schlammigem Grund empor, doch öffnet seine weiße Blüte keusch den Sonnenstrahlen. So schwarz wie der nährend-fruchtbare Schlamm in dem er schwimmt, so makellos rein öffnet er seine Blätter. Nichts als nur Licht benetzt seine Blüte.

Der Lotus wurzelt aber nicht etwa fest in der Erde, sondern ist ungebunden und verändert schwimmend, allmählich Lage und Form. Für mich steht er darum als Symbol der Ewigen Weisheit, die weder westlich noch östlich und an keinen bestimmten Ort gebunden ist, doch sich in ihrer Reinheit zum Göttlichen hin öffnet.

Doch natürlich ist der Lotus eines der markantesten Symbole der Spiritualität überhaupt. Im Koran repräsentiert er den Gipfelpunkt göttlicher Offenbarung. In der Sure »Der Stern« heißt es:

Und tatsächlich hat er ihn gesehen, bei einer anderen Begegnung beim Lotusbaum am äußersten Ende, wo das Paradies der Zuflucht liegt. Dabei überflutete (Licht) den Lotusbaum, was (ihn) überflutete. Da wankte nicht der Blick, noch schweifte er ab. Wahrlich, er hatte gesehen eines der größten Zeichen seines Herrn.

Die selbe Sure nennt an anderer Stelle Allah ganz klar und unmissverständlich, den Herrn des Sirius – jenen Stern der in den Isis-Mysterien des Alten Ägypten, doch von so hoher Wichtigkeit war. Denn mit seinem heliakischen Aufgang, wenn sein weißes Licht die rötliche Morgendämmerung durchstrahlt, setzt die Nilflut ein, die den schwarzen, fruchtbaren Schlamm über die Äcker flutet.

Es heißt, die Urform des Lotus brachte Isis vom Sirius auf die Erde. Nicht zufällig gehörten Lotus und Sirius, zu den wichtigsten Symbolen der heiligen Stätten Alt-Ägyptens.

Auch im Osten umgibt den Lotus, als Symbol der Unberührtheit, ein besonderer Glanz. Darauf deutet ein buddhistisches Mantra hin: »Om mani padme hum« – Om, Juwel im Lotus. Im tibetischen Buddhismus denkt man sich diese Silben als Ausdruck vollkommenen Mitgefühls. Das Leuchten jenes Juwels, dass die reinen Blätter des weißen Lotus hüllen, schaut dann der zu vollem Bewusstsein erwachte.

So steht der Lotus für eine Haltung, die geprägt ist von der Achtung der Würde des Menschen und damit die Fähigkeit der Menschheit, zu einer besseren Existenzform zu finden.

Die Dimension völliger Reinheit der Lotus-Blüte, ist inhaltlich auch verbunden mit dem arabischen Wort safā – dem Reinsein – der Wortwurzel des Wortes Sufi. So erscheinen die Namen Sufi und Lotus in unversehrtem Licht.

Dieses rein werden aber, war und ist für mich ein langer Weg. Denn es bedeutet für zuerst die tagtäglichen Handlungen im Umgang mit Anderen zu reinigen, die Sätze die aus meinem Mund kommen von negativen Worten zu säubern und schließlich, mein nicht willentlich beeinflussbares, irdisches Sein, durch richtiges Denken zu kontrollieren. Der große Sufi-Mystiker Hadschi Bektasch Veli nannte das die Reinheit von Zunge, Hand und Lenden.

Im Zentrum des freien Sufi Ordens des Weißen Lotus, stehen die Ichwan as-Safa, die Brüder der Reinheit.

Ziele die ich verfolge

Meiner Herkunft geschuldet, liegt mir viel daran, sowohl als Gastgeber, als Lehrer und Autor, auf die Berührungspunkte hinzuweisen und auf die Vielfalt wissenschaftlicher Ideen, religiöser und ethischer Vorstellungen.

Auf die Kernpunkte der großen Religionen unseres Planeten hinzuweisen und Wege zu zeigen, wo sich östliche und westliche Kultur annähern können: dazu möchte ich durch mein Schreiben beitragen. Mein Ziel dabei ist aber nicht etwa, mich über Glauben und religiöse Tradition hinweg zu setzen. Stattdessen möchte ich Menschen zu einer traditionellen Gesinnung ermutigen, und zu einem Bewusstsein für einen nicht-hegemonialen Universalismus. Das bedeutet: ich stelle für mich selbst keinen Absolutheitsanspruch und maße mir nicht an, mich über andere Traditionen und Religionen zu stellen.

Jede spirituelle Traditionen als solche, gilt es in ihrer Eigenart zu betrachten. Es liegt mir viel daran die überlieferten Sitten und Gebräuche aller bereits Jahrtausende alten Religionen und Philosophischen Schulen, dem heutigen Menschen zugänglich zu machen.

Ein neues Zeitmaß

Unsere Welt verändert sich in atemberaubendem Tempo. Wohin die Weltgesellschaft steuert ist ungewiss. Sicher aber findet gerade eine neue industrielle Revolution statt. Sie bringt zwar viel Gutes und eine Erleichterung für viele arme Menschen. Doch auf der anderen Seite weiß keiner so recht, ob die zunehmende Digitalisierung unseres Lebens, tatsächlich nur zu unserem Wohlergehen beiträgt.

Was an technologischem Fortschritt den Menschen in den vergangenen 20 Jahren gegeben wurde, entspricht den Erwartungen vieler Menschen. Wenn Ende des letzten Jahrtausends weniger als 10% in Deutschland über Internet verfügten, sind heute 90% aller Deutschen, vollkommen selbstverständlich im Internet zu Gange. Die Form zwischenmenschlicher Kommunikation aber, verflacht dabei zusehends.

Dies macht aus menschlicher Lebensart einen Modus – ein sich ständig verformendes Modell, dass sich den immer wieder neuen Entwicklungen anzupassen scheint: den von uns allen verwendeten Technologien. Was aber bleibt von unserer Kultur, wenn keiner mehr Zeit findet sich mit den Grundwerten seines eigenen Lebens zu befassen?

Daher mein Hinweis auf die Traditionen in West und Ost, dass, was unsere Vorfahren, seit Jahrtausenden weitergaben – an Glaubensvorstellungen und Überzeugungen.

Und doch haben alle Traditionen dieser Welt einen gemeinsamen Kern, der aber durch die Wirrungen unserer modernen Zeit in Vergessenheit geriet. Denn nicht zufällig gab es in der Vergangenheit in Europa, in Afrika und Asien, immer wieder Gruppen von Menschen verschiedener Konfessionen, die Haus an Haus in Frieden miteinander lebten.

Andererseits finden sich in den Kerngedanken der west-östlichen Traditionen, ganz wesentliche Qualitäten, die uns auch heute noch helfen. Sie sind eben von den Grundprinzipien irdischen Daseins geleitet, die das Leben eines Menschen, mit diesen wertvollen und praktischen Weisheiten bereichern können.

Nicht zufällig entstanden daher in Europa, zwischen Mitte des 19. und Mitte des 20. Jahrhundert, verschiedene Organisationen und Vereinigungen, die auf diesen essentiellen Kern aller spirituellen Traditionen hinwiesen.

Der Mond - ewigeweisheit.de

Das alte Zeitmaß

Der Mond galt einst als Maß für die Zeit des Laufs der Monate und Jahre, während man am Stand der Sonne die Stunden ablaß. Erst mit der Erfindung der Räderwerke, wurde die Zeit in noch kleinere Einheiten unterteilt, bis sie heute schließlich in die Mikrozeiten der Atomuhren zerfielen. In aber allen Religionen, war insbesondere der Mond von zentraler Bedeutung. Nicht zufällig bestimmt der Frühlingsvollmond das christliche Osterdatum oder der islamische Mondkalender, den Beginn und das Ende des heiligen Monats Ramadan. Yotisch - die indische Astrologie, basiert ebenfalls auf den Phasen des Mondes. Besonders den alten Mutterkulten matriarchaler Zeit, war der Mond heilig. Seine Phasen von Licht und Finsternis sind auch eine Allegorie auf den Wandel unseres Lebens.

Was hat der traditionalistische Ansatz für einen Sinn?

In der Zeit in der wir leben, dem Zeitalter der Menschen (Anthropozän), werden wir täglich daran erinnert, dass unklar ist, welche Zukunft unser instabiler Wohnort Erde, derzeit für Mensch und Natur hat.

Es scheint schon einen Grund zu dafür zu geben, wieso unzählige Titel in Zeitungsartikeln und TV-Sendungen davor warnen, dass sich unser Lebensraum kurz vor einem ökologischen Zusammenbruch befindet: Waldrodung, Raubbau von Bodenschätzen, Plastikmüll und die Auslöschung ganzer Spezies. Allein in den vergangenen 10 Jahren tauchten unzählige solcher Hiobsbotschaften in den Medien auf.

Manche winken solche Warnungen ab, denn sie glauben alles auf die Überbevölkerung schieben zu können, zu der ja besonders die sogenannten Entwicklungsländer beitragen. Doch das sind nur rassistische Auffassungen, die genau in die Gegenrichtung der Wirklichkeit laufen. Natürlich stimmt es, dass wir in den kommenden Jahrzehnten vor einem gigantischen Bevölkerungsproblem stehen. Doch das hat überhaupt nichts mit armen Menschen zu tun. Das eigentliche Problem ist, dass es zu viele reiche Verschwender gibt! Wer von den wohlhabenden Menschen auf unserer Erde, als bis auf die wenigen Fürsten, pflegen die Gebräuche und Sitten ihrer Kultur?

Mir erscheint es ganz und gar nicht abwegig, wieder auf die alten Traditionen zu blicken, die ihre Festtage dem jährlichen Zyklus und Zusammenspiel von Erde, Sonne und Gestirnen anglichen.

Unsere Vorfahren dachten sich das Leben des Menschen auf der Erde als Mysterium, abhängig vom Lauf der Himmelslichter. In mythologischer Urzeit vergötterte man Gestirne und Natur, philosophierte über ihr Wesen in der Antike, um schließlich über die daraus gewonnenen Weisheiten, sich allmählich eine höhere Einheit auszumalen, was schließlich zur Gründung der Religionen führte.

In dieser Einheit von Himmlischem und Irdischem, steht der Mensch, als ein mit Intellekt begabtes Wesen in der Verantwortung, seinen irdischen Wohnort zu bewahren. Das kann nur geschehen, in dem er alte, überlieferte, ewig gültige Werte bewahrt - ein Brauch, der auch auf die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Religion hinweist. Es sind jene Werte, die seit Anbeginn der Zivilisation auf unserem Planeten von Beutung waren, und durch die verschiedenen Traditionen am Leben erhalten und somit auch kommenden Generationen zur Verfügung stehen.

Es ist unser kulturelles Erbe, dass menschliches Dasein auf unserem Planeten lebenswert macht. Und was bedeutet Kultur? Es ist die Pflege jener Ursprünge, die aus den Tiefen des Erdreichs kommend, im Wissen des Laufs von Sonne, Erde und Gestirnen, zum Nutzen Aller urbar gemacht werden.

Ich für meinen Teil, möchte hierzu beitragen, mit meiner Arbeit in der Edition Ewige Weisheit.

 

Ihr