Der geheimnisvolle Krönungsstein der Könige Britanniens

Autor und Mentor S. Levent Oezkan - ewigeweisheit.de

Autor und Mentor

Stein von Scone - ewigeweisheit.de

Bis vor nicht all zu langer Zeit befand sich in der Londoner Westminster Abbey ein großer Stein, der den unteren Teil des Thrones bildete, auf dem man Königin Elisabeth II. krönte: Ein steinerner Quader mit einer recht rätselhaften wie auch bewegten Geschichte, dessen Ursprung in ferner Vergangenheit zu liegen scheint.

Niemand weiß, ob dieser Stein, den man heute in Schottland aufbewahrt, nur das Abbild eines noch geheimnisvolleren Steinartefakts ist oder tatsächlich das Original, das in der schottischen und britischen Geschichte bekannt ist unter verschiedenen Namen: Stein von Scone, Stein der Vorsehung oder einfach Krönungsstein.

Magisches Gestein der Göttin Danu

Viele Legenden ranken sich um diesen Stein von Scone. Er ist sehr alt; ja, fast schon zu alt, um sein Alter abschätzen zu können, was die Bestimmung seiner tatsächlichen Herkunft nicht gerade vereinfacht.

Im 14. Jahrhundert identifizierte der englische Geistliche und Historiker Walter von Guisborough den früheren Standort des schottischen Krönungssteins als das Kloster von Scone, drei Kilometer nördlich der schottischen Stadt Perth:

Im Kloster von Scone, in der Kirche Gottes, in der Nähe des Hochaltars, stand ein großer Stein, ausgehöhlt wie ein runder Stuhl, auf den künftige Könige nach dem Brauch zu ihrer Krönung gesetzt wurden.

Es gibt verschiedene Theorien und Legenden über die Geschichte des Steins, bevor man ihn dort in Scone aufstellte. So begegnet man ihm in alten keltischen Mythen als heiligem Stein, der da in Zusammenhang mit dem sagenhaften Volk der »Tuatha de Danaan« genannt wird. Fabeln gemäß waren die Tuatha gottähnliche Wesen, in deren Zentrum die irische Göttin Danu stand. Sie stammen ursprünglich ab von einem Volk von Seefahrern im Ägäischen Meer, auch bekannt unter dem Namen »Pelasger«. Eines Tages kamen deren Nachfahren in ihrer ursprünglich griechischen Heimat jedoch in Bedrängnis und mussten von dort fliehen (wahrscheinlich vor etwa 3.500 Jahren). Der Legende nach landeten sie auf einem Schiff in Irland am Vorabend von Beltane, wo sie aus dunklem Nebel an die Ufer hervortraten. Mit sich brachten sie da einen besonderen Stein, den sie dann auf einen Hügel namens »Tara« (im irischen County Meath) brachten, um ihn dort in einer geheimnisvollen Zeremonie aufzustellen. Auf dem Gipfel dort wollten sie von nun an ihre rechtmäßigen Könige wählen. Der sagenhafte Stein nämlich soll da den Tuatha zur Bestimmung ihres wahren Herrschers gedient haben, denn er begann der Legende nach zu schreien, sobald sich in der Krönungszeremonie der wahre König darauf setzte.

Einige Zeit später kam dieses Stein-Artefakt von Irland nach Schottland. Ob es eine eingeweihte Priesterschaft wegen seiner geheimnisvollen Eigenschaften ins alte Land der Skoten schleppte oder es von jenen als Kriegsbeute geraubt wurde, weiß niemand so recht. Dort jedoch wurde er zu einem wichtigen Symbol der schottischen Herrscher. Man bewahrte den Stein an verschiedenen Orten in Schottland auf, bis ihn im 9. Jahrhundert schließlich König Kenneth MacAlpin (810-858) ins dortige Scone brachte: dem historischen Zentrum des Königreichs der Pikten, einem Volk das bekannt wurde durch seine, mit Petroglyphen verzierten Steinmonumente (siehe Abb.).

Piktische Steinreliefkunst - ewigeweisheit.de

Piktische Steinreliefkunst aus dem 9. Jahrhundert (Schottland).

Stein des Schicksals

Manche sagen, der legendenbehaftete Stein der Tuatha de Danaan, befinde sich auf dem Gipfel des Hügels von Tara als phallisches Steinobjekt, dass auch bekannt ist, als »Lia Fáil« – der Stein von Fal. Manche meinen, es handle sich nun eben genau bei diesem um den Stein, den König Edward I. (1239-1307) in der Klostergemeinde seines Geburtsortes, dem Londoner Westminster (heute Regierungsviertel des Vereinigten Königreichs), als Symbol der Einheit Englands und Schottlands unter dem Krönungsthron der britischen Monarchen installierte.

Gut möglich, dass der ursprüngliche Stein jedoch viel größer war und man mehrere Varianten daraus entnahm. So vielleicht kam er zu all seinen vielen Namen wie »Stein des Schicksals«, »Krönungsstein«, »Stein von Scone«, »Lia Fail« und (auch »Liath Fàil«), »Kissen Jacobs«, »Säule Jacobs«. Könnte es darum sein, dass der Stein von Fal vielleicht alles davon gleichzeitig ist? Gut möglich, dass auch Teile eines eigentlich kleineren, jedoch magischen Steins auch in größere Steinformationen integriert wurde, um etwa seine Heilkräfte darauf zu übertragen.

Wandernder Stein

Die Tuatha de Danaan brachten vor langer Zeit, wie wir sagten, den Stein auf einer magischen Reise von Griechenland in ihre neue irische Heimat. Wenn ihnen das gelang, vielleicht hatten sie ihn einst selbst entwendet, aus noch östlicheren Regionen.

Wie sich heute aus archäologischen Funden bestätigen lässt, lebten die Nachfahren der Tuatha de Danaan einst sogar in Kleinasien, inmitten der anatolischen Halbinsel (heutige Türkei). Vor diesem Hintergrund kamen manche Mythenforscher immer wieder zu der Annahme, dass der Stein vielleicht sogar verwandt ist mit jenem Stein auf dem der biblische Patriarch Jakob (von dessen Söhnen die zwölf Stämme Israels stammen) in Bet-El (heute im Westjordanland gelegen, deutsch: »Haus Gottes) sein Haupt zur Nachtruhe legte:

Und Jakob stand früh am Morgen auf und nahm den Stein, den er zu seinen Kissen gelegt hatte, und richtete ihn zu einer Säule auf und goss Öl darauf

- Genesis 28:18

Elf Söhne Jakobs sollen den Stein dann nach Ägypten mit sich gebracht haben. Durch König Gathelus, einem Sohn des Kekrops (halb Mensch, halb Drache, der als mythischer Gründer Athens gilt), gelangte der Stein dann über viele Umwege aber schließlich nach Spanien. Gemäß schottischer Sagenerzählungen brachte den sagenhaften Stein der legendäre König der Schotten, Simon Brech, um 700 v. Chr. aus der Stadt Betanzos (spanisches Galizien) nach Irland, und von dort dann 370 Jahre später nach Schottland, wo ihn Kenneth MacAlpin im Jahr 850 zum Krönungsstein bestimmte. Seitdem war er bei jeder Einweihung ins Königtum von zentraler Bedeutung. Er sollte in der Folgezeit dann weiter zur Krönung berühmter schottischer Könige verwendet werden und gewann so immer mehr Bedeutung als sichtbares Symbol der Macht.

Als Edward I. von England nach triumphalen Siegeszug gegen die Schotten im Jahre 1296 den Krönungsstein nach London brachte, bekam er seinen Platz in der Abtei zu Westminster, wo man ihn in den Boden des für Ihn erbauten Thrones integrierte (siehe Titelbild).

Raub und Rückkehr des heiligen Artefakts

Der Weihnachtstag des Jahres 1950 markiert ein bemerkenswertestes Kapitel in der Geschichte des besagten Steins. Vier Studenten aus Glasgow (Kay Matheson, Ian Hamilton, Gavin Vernon und Alan Stuart) schmiedeten in London einen Plan: Sie wollten den Stein von Scone stehlen, der ihrem Patriotismus entsprechend nach Schottland zurückgebracht werden musste. So kam es, dass sie zu Mitternacht am Weihnachtstag des Jahres 1950 in eine Seitentür der Abtei zu Westminster einbrachen. Tatsächlich gelang ihnen da, den Stein aus seinem Platz im Krönungsthron der Abtei zu fortzunehmen und nach Schottland zu bringen, um ihn dort an einem geheimen Ort zu verstecken.

Nach diesem Einfall in die Krönungskirche der Britischen Monarchie, sandten die Räuber des Steins einen Brief an den damaligen englischen König George VI. (1895-1952, Vater der 2022 verstorbenen Königin Elisabeth II.). Darin hieß es, sie würden den Standort des Steins preisgeben, sobald der König versprechen würde, dass er alles dafür tun würde, dass der Stein auf jeden Fall in Schottland bleibt.

Nicht lange danach aber fanden britische Sicherheitskräfte anscheinend den Stein und brachten ihn zurück nach London, wo man ihn wieder in den Thron der Westminster Abbey einsetzte. Doch war das der echte Stein von Scone oder hatten ihn die Studenten nur gegen einen ähnlich behauenen ausgetauscht? Die vier schottischen Studenten verweigerten damals jede Aussage. Sie wurden eigenartiger Weise dafür aber nie belangt. Die englischen Behörden spürten, dass ihre Taten in der schottischen Bevölkerung auf große Zustimmung stoßen würden.

So kam es, dass man den Stein aus der Westminster Abbey im November 1996 sogar zurück nach Schottland brachte, wo er sich jetzt im Schloss von Edinburgh befindet. Im Vorfeld der Krönung von König Charles III. wird er von Edinburgh Castle, nur für dieses Ereignis nach London gebracht, damit er in der Westminster Abbey in den für ihn vorgesehenen Thron wieder eingesetzt werde.

Ob das aber der wahre Stein von Scone ist, der alte Lia Fáil, der mit dem Jakobsstein verwandt ist, kann niemand sagen. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass der echte Krönungsstein von Scone sein Versteck in Schottland erst einmal nicht verlassen wird und verborgen bleibt, bis der ihm würdige Zeitpunkt eingetroffen ist, um ihn wieder auftauchen zu lassen.

Anscheinend aber wird dieser geheimnisvolle Stein eine nicht unbedeutende Rolle bei der offiziellen Krönung von Charles III. spielen (die voraussichtlich im nächsten Jahr 2023 stattfinden wird) und dafür sogar vom Schloss zu Edinburgh (Schottland) nach London gebracht werden.

 

     

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