Heilige Geometrie als Weg zum ewig Wahren

Wenn wir Menschen wieder finden wollen zu einer praktischen Weisheit, setzt das als erstes voraus, dass wir die Dinge so annehmen im Leben, wie sie sich uns manchmal aufzudrängen scheinen.

Denn der Weise hat doch verstanden, dass den Schwierigkeiten im Leben immer auch wieder gute Zeiten folgen. Es sind doch eben die Weisen seit alter Zeit, die eben solch Schwierigkeiten überwanden, und dabei – und nur dabei – zu ihren wichtigsten Erkenntnissen fanden, die sie zu Erfahrenen, die sie zu Wissenden machte.

Wie die Mitglieder der verschiedenen Weisheits-Traditionen im Westen und im Osten unserer Welt, so finden auch wir nur im erfahren, in der Praxis der Gestaltung unseres Lebens auf diesen Pfad.

Ein ganz ausgezeichnetes Wissen, dass von jener, eben angedeuteten, praktischen Anwendbarkeit profitiert, das ist eine universale Weisheit, die man findet in der inneren Wissenschaft der Heiligen Geometrie.
Weniger ist damit gemeint, eine rein mathematische Geistesdisziplin, als vielmehr eine Beschäftigung mit besonderen, optischen Formen und Mustern.

Auf dieser Grundlage könnten wir einmal unseren Blick richten, auf die so genannte „Ideenlehre“ des griechischen Philosophen Platon (428–348 v. Chr.). Denn in der Philosophie der platonischen Ideenlehre ist die Rede von zwei Welten: eine metaphysischen Welt der Ideen (oder Ideale), die die Ursache bildet von allem in der physischen, vergänglichen Welt Entstandene und Fortexistierende (ausführlich dargestellt im Liniengleichnis des Sokrates, wie beschrieben im 6. Buch der platonischen Schriftensamlung „Der Staat“, griech. Politeia).

So bildet zum Beispiel der Kreis, den wir mit unseren Händen zeichnen ein Abbild der Idee eines perfekten Kreises, dessen Form auf metaphysischer Ebene als Urbild präexistent und ewig ist.

Für Platon war eine Beschäftigung mit dem, was wir heute „Heilige Geometrie“ nennen, auch ein Weg, sein Denken von der sinnlich wahrnehmbaren Welt zu lösen und sein Bewusstsein zu transzendieren in eine Welt vollkommener Ideen. Dabei fiel ihm auf, dass das geometrische Denken darauf beruht, dass zum Beispiel die Kreisform sinnlich wahrnehmbar ist, da es in der Welt der Ideen einen „Kreis an sich“ gibt, dessen bildliches Erscheinen in der irdischen Welt dann wahrgenommen werden kann und dadurch Erkenntnisse gewonnen werden, die für den „Kreis an sich“ gelten. Die Idee des Kreises erwies sich damit für Platon als das Urbild, das allen sichtbaren Kreisen zugrunde liegt.

Platons Lehrer, der griechische Philosoph Sokrates (470–399 v. Chr.), beschrieb darum das, was wir Geometrie nennen. als „Kunst des ewig Wahren“, worin alle Abbilde einem bestimmten Urbild ihre Existenz verdanken.

Und das, was Sokrates das „Ewig Wahre“ nannte, das findet der Mensch in der Regel ja in dem, was man als die Ewige Weisheit bezeichnet, aus der all die vielen Philosophien und religiösen Wege entsprungen sind – was für all jene, die dazu ihrer heiligen Schriften verfassten, meist entstand aus einem ultimativen Bestreben sich der Wahrheit zu nähern.

Sokrates fragte danach, was eigentlich Geometrie ist. und eben das war, was sein Schüler Platon verhüllte in Form sehr wichtiger philosophischer und, wenn man so will, religiöser Begriffe.

Vier Ebenen der geometrischen Wissenschaft

Wenn zu eingangs die Rede war von einer Heiligen Geometrie, muss an dieser Stelle unbedingt eingegangen worden sein, auch auf das, was Geometrie im Allgemeinen bedeutet: die Kunst der Vermessung der Erde. Und so lässt sich das, was wir Geometrie nennen eigentlich in vier Kategorien unterteilen:

1. Die unterste Ebene bildet eine Geometrie des Eigentums. Denn wenn man die Erde vermisst, um Landbesitz zu gründen, bilden die dabei gemessenen Maße doch die Grundlagen der dabei relevant werdenden, rechtmäßigen Eigentumsurkunden. Hieraus aber leider erwachsen auch die meisten Konflikte – sei es im kleinen, familiären oder aber im großen staatlichen Bereich.

2. Dieser Ebene folgt eine, man könnte sagen, eine „Geometrie des Intellekts“, wie sie uns durch den griechischen Mathematiker Euklid (3. Jahrhundert v. Chr.) Überliefert wurde, worin Punkte, Linien und Ebenen als reine, immaterielle Formen existieren und die nur vom Verstand erfasst werden können – als eine Art „logische Übung vollkommener Ordnung“, wodurch sich mathematische Gesetzmäßigkeiten beweisen lassen.

3. Erst mit einer „Philosophischen Geometrie“ erhält jene mathematische Gesetzmäßigkeit für die Form, wie sie uns durch Euklid überliefert wurde, ihre Bedeutung. Sie gibt Antworten darauf, was zum Beispiel ein rechter Winkel in seiner Form, was ein gleichschenkliges Dreieck in seiner Form bedeutet oder was ein Kreis bedeutet. Besonders der Kreis steht in seiner Form für die Bedeutung des Alls und des Nichts – was sich nur durch das Paradox erfassen lässt. Man kann damit also nicht nur erkennen, was die Welt um einen bedeutet, sondern was sie als Ganzes bedeutet. Und es ist diese Ebene der Geometrie, die einem Menschen erlaubt, sich den Formen bewusst zu werden, mittels derer eher sich vorwärts wagen kann, auch in die verborgenen Bereiche seiner Seele.

4. Die höchste Ebene aber, und das ist sehr wichtig, bildet eine „Heilige Geometrie“. Und was „heilig“ in diesem Zusammenhang meint, ist das, was der Eingeweihte versteht als eine Geometrie die dem Erschaffer unserer Welt als schöpferische Kraft aus einer rein geistigen Welt die zentrale Ideen bilden„ – auch wenn wir da nur reine Abstraktionen erahnen können.

Das Kalachakra-Mandala

Was mit dem eben Gesagten gemeint ist, dafür ist ein geeignetes Beispiel, das in der tibetisch-buddhistischen Tradition so wichtige Kalacchakra-Mandala. In seiner eigentlichen Bedeutung, eröffnet dieses Mandala dem Betrachter Eine Perspektive zur Betrachtung des Wesens der Welt als Ganzes. Wer die bedeutungen, der verschiedenen Elemente dieses Mandala genau kennt, den vermag seine Form in ihrer Esoterik, tatsächlich in einen meditativen oder gar tranceartigen Zustand zu versetzen, womit ihm das Wesen des gesamten Kosmos auf einmal bewusst wird.

Dabei ist eine ganz besondere Eigenheit der tibetischen Kalachakra-Tradition, dass es wenige Zeit, nachdem es aus farbigem Sand in feinsten Detail vollendet wurde, wieder aufgelöst wird, zerstört, womit zuletzt ein Häufchen grauer Sand zurückbleibt, der dann den kosmisch-irdischen Zyklen übergeben wird – einem Bach oder Fluss.

Für jene, die dieses Kunstwerk erschaffen haben, entstand bei der Verfertigung des Mandala eine initiatische Geistform, die mit der Zerstörung und Übergabe in das fließende Wasser, auf Ihr bewusstes Gewahrsein übertragen wurde.

Kalachakra: Das Rad der Zeit

Geometrie: das Maß für die harmonischen Erscheinungen in der Natur

Wie die eine oder der andere Lesende bereits vermuten dürfte, bildet Geometrie eigentlich ja die Wurzel aller Manifestation und damit den Ausgangspunkt aller Kreation und Schöpfung. Und dabei formt alles im Kosmos das sich bewegt und dabei lebendig ist, eine Bewegungsstruktur in Form des Kreises, genau genommen aber der Spirale – seien es die Kohlenstoffatome in der Helix unserer DNS oder die zyklischen Bewegungen der Planeten – worin Geometrie dem Raum, seine Ordnung und Struktur verleiht, seien es die Formen einer Galaxie, eines Sonnensystems, eines Gebirges auf der Erde, eines Baumes oder einer mineralischen Kristallstruktur.

Es handelt sich bei den meisten der hier genannten Beispiele, natürlich um raumzeitliche Erscheinungen, die sich unserer alltäglichen Sinneswahrnehmung entziehen.
Trotzdem offenbart sich uns In der Natur eigentlich alles. Und wenn ich hier das Wort Natur benutze, ist für mich auch all das natürlich, was ich im Makrokosmos jenseits der Gefilde des irdischen zeigt, doch für Auge, Ohr und Tastsinn zunächst unbegreiflich bleibt.
Ebenso aber auch die mikrokosmischen Erscheinungen, die sich im mikroskopischen Bereich unentwegt ereignen, entziehen sich unserer Sinneswahrnehmung.

Sobald uns aber Hilfsmittel zur Verfügung stehen, um diese Vorgänge wesentlich oder abstrakt zu veranschaulichen (Fotografie, Mikroskopie, Teleskopie), Können sie eine gar überwältigende Wirkung in uns auslösen. Denken Sie sich zum Beispiel die Blüten einer Rose, wie sie sich mit dem aufgehen der Sonne allmählich öffnen, um sich dem Sonnenlicht himzugeben, es aufzunehmen und dabei ihren Duft zu verströmen.

Erleben wir so etwas, dann sind auf einmal nicht mehr allein unsere Sinne die feinstofflichen Organe unseres Körpers, sondern bilden besondere Kanäle, durch die die-energetischen Kräfte, wie etwa Licht, Farben, Klänge, Düfte oder Wärme direkt Empfindungen in unserer Seele wachrufen. Und was einem Menschen in solch sakralen Empfinden dann deutlich ins Bewusstsein tritt, ist die Tatsache, dass sein Körper ein Ausdruck seiner Seele ist. Gleichermaßen ist die Seele ein Ausdruck eines heiligen Geistes, durch den sie als seelische Leibesempfindung in diese Welt als fleischgewordenes Wesen eintrat.

Auch hier wieder lässt sich Platons Ideenlehre anführen, wo dann eben der auf Erden inkarnierte menschliche Körper das Abbild eines göttlichen Menschen darstellt, wie etwa beschrieben in der jüdischen Kabbala als der himmlische Urmensch „Adam Kadmon“.

Und was sind diese hiermit besagten Dinge, als eben symbolische Bedeutungen der Wahrheit. Dabei bildet das Symbol den grafischen Schlüssel in eine Welt, in der wir tief in das verborgene Wesen aller Dinge im Sein hin eingeführt werden. Dabei ist die Bedeutung des Wesens dieser Dinge deutlich bekannt und vertraut nur dem, der sie aus Perspektive seiner Tradition zu erkennen vermag. Denn die Tradition ist etwas, die seit uralten Zeiten das weitergab, was man ein „inneres Wissen“ nennt – ein Wissen, dass ich ganz jenseits allen Intellekts über viele Jahrtausende hinweg zu einer Essenz ewiger Weisheit verdichtete.

Tradition ist unbedingt wichtig dann, wenn es darum geht, die Geschichte des Wesens unserer eigenen Kultur den Menschen zu beschreiben. Dabei ist Tradition, sei sie philosophisch oder religiös, immer auch das, was an Weisheiten und Erkenntnislehren von Mund zu Ohr weitergegeben wurde. Wer aber seine Tradition vergessen hat, dem entzieht sich auch jeglicher Zugang zu seinem seelischen Dasein.

Instrumente der Geometrie

Wichtigstes geometrisches Werkzeug ist der Zirkel. Die mit ihm gezeichneten Kreislinien und Bögen, lassen sich dann mit Lineal und Bleistift zur grafischen Vollendung des Bildes einer geometrischen Form ergänzen. Aber auch das für Plato so wichtige Dreieck aus dem 90°-, 60°- und 30°-Winkel, muss an dieser Stelle unbedingt mit aufgelistet werden. bereits damit kann man die komplexen Zeichnungen machen, wie sie uns etwa in der Architektur der schönsten Bauwerke der Welt begegnen.

besonders aber das zeichnen mit diesen Werkzeugen an sich ist etwas, das ein Zeichner geometrischer Formen direkt erfährt und dabei lebendig werden lässt. Nicht zufällig darum gibt es da im Hinduismus so etwas wie das Karma-Yoga, wenn es darum geht, die eigenen spirituellen Fähigkeiten durch eben dieses sakrale zeichnen, heiliger, geometrischer Figuren zu vollziehen. Kaum ein Zufall wenn auch im Westen der alten Griechen Sokrates Geometrie bezeichnete, als „Kunst des ewig Wahren“, worin sich eigentlich alle grundlegenden Formen der Realität darstellen lassen.

 

 

Der Zirkel als wichtigstes Werkzeug der Geometrie

Wir wollen uns im Folgenden einmal diesen in der Abbildung gezeigten klassischen Zirkel genauer ansehen.
Sein Drehknopf, am obersten Ende, bildet ein Kreis, der als ein Symbol für das Göttliche gedeutet werden kann. Sein rechter Schenkel, an dem das Zirkel-Gelenk befestigt ist und dessen spitze den Kreisbogen zeichnet, ist ein Symbol für den Schöpfungsstrahl.
Sein linker Schenkel, dessen Spitze in das verwendete Blatt sticht, damit um ihn herum der entsprechende Kreisbogen gezeichnet werden kann, versinnbildlich das Zentrum, die Einheit, das Eine, was gleichgesetzt werden kann mit dem Konzept der Einheit Gottes. Im Islam zum Beispiel nennt man diese Einheit „Tawhid“. Aus dieser zentralen Einheit als Punkt, entspringen alle vollkommenen Formen, wie sie als geometrische Muster in der islamischen Kunst zum Ausdruck kommen (in Moscheen oder Palästen), als grafische Formen, die der besagten Einheit und Unendlichkeit Gottes entspringen.
Somit wird aus dem Drehknopf, an dem man den Zirkel „ergreift“, der Punkt an dem wir uns unsererseits vom göttlichen ergriffen fühlen Können.

Nun haben wir mit dem Zirkel also zwei Schenkel, woüber, wie in der Abbildung gezeigt, der rechte Schenkel die Zeichnung macht, während der linke Schenke den Radius vor gibt. Sie beide bilden gemeinsam eine Dualität. Der Zirkel aber als Ganzes bildet, gemeinsam mit dieser Dualität, eine Trinität, wobei der dritte Teil eben der besagte Drehknopf ist, an dem man den Zirkel in seiner Drehbewegung führt. Und so ist in dieser Bewegung gegenwärtig das Sein – während die Einstellung des linken Schenkels ein Symbol für den Intellekt und der gezeichnete Kreisbogen durch den rechten Schenkel des Zirkels ein Symbol für das Leben arstellt.

 

Vesica Piscis, Chalice Well Brunnen im südenglischen Glastonbury - ewigeweisheit.de
Die Vesica Piscis: Hier beim „Weißen Brunnen“ in Glastonbury – der Stadt König Artus‘ und der Alten Riten vom Heiligen Gral (Südengland).

 

Vesica Piscis

Das wahrscheinlich wichtigste Symbol, dass sich allein mit einem Zirkel auf malen lässt, ist die Vesica Piscis: Die geometrische Figur der sogenannten „Fischblase.“ die sich aus der Überlappung zweier identischer Kreise ergibt, wobei der Mittelpunkt jedes Kreises auf dem Umfang des jeweils anderen Kreises liegt.

Diese Form bildet zum Beispiel im Hinduismus das Symbol der „Yoni“, dem „Mutterschoß“ als Ursprung und Quelle allen Lebens, allen seins. Damit ist die Yoni, symbolisiert in der Vesica Piscis im indischen Tantra das wichtigste Symbol für die weibliche Schöpfungskraft.

Doch, wie wir bereits sahen, ist das Symbol universal, steigt doch auch der Lichtkörper Christi aus ihr hervor, aus dem Schoss Mariens. Besonders aber in den alten Bauwerken islamischer Moscheen, findet sich die Vesica in Form sich wiederholender Muster (Wie Sie etwa ja auch rechtwinklig angeordnet, in der so genannten „Blume des Lebens“ dargestellt sind), die ornamentartig ihre Oberflächen verzieren, zumal naturalistische Darstellungen im Islam verboten sind – soll doch der Mensch sich kein Bild von Gott machen.

So bilden die Muster heiliger Geometrie entsprechende Formen, in der sich das Visuelle in einer Unendlichkeit des göttlichen ausdehnen und schließlich auflösen kann, damit an Stelle der besagten Muster, die höchsten Formen göttlivher Geistigkeit in das Herz sich zu ergießen beginnen

Darum ist in der islamischen Kultur sakrale Geometrie allgegenwärtig. Und hieraus ergaben sich ganz grundlegende Weiterentwicklungen in der mathematischen Wissenschaft, da zur Erzeugung solcher Muster entsprechende geometrische Methoden entwickelt werden mussten. Abstraktionen und komplexe Geometrie sollten bald die Grundlage bilden für die Verzierung solcher sakraler Bauwerke in der islamischen Welt, wo eben mittels Kreiskonstruktionen eine immer komplexere Ornamentik ermöglicht wurdee, wo dier Vesica Piscis eine ganz wesentliche geometrische Ausgangsfoorm war.

Das Heilige Symbol der Vesica Piscis

Die heilige Dreiheit

Aus der Kreiskonstruktion der Vesica Piscis lässt sich nun konstruieren das gleichschenklige Dreieck: Symbol der heiligen Triade. Hierauf ließe sich eine Spiegelung davon, direkt darunter einzeichnen, so dass wir daraus eine Ansicht zweier Dreiecke bekommen: oben, die „Aufsteigende Triade“ oder „Triade des Gebets“, und darunter die „Absteigende Triade“ oder die „Triade der Segnung“. Dabei bilden die beiden Bögen der Vesica gleichzeitig astrale Wirkmächte, wo der rechte Bogen das solare, ausstrahlende Prinzip sinnbildlich verkörpert und der Linke Bogen das lunare, reflektierende oder aufnehmende Prinzip.

 

Mosaike und Arabesken an einer Wand des Myrtenhofs der Alhambra-Moschee in Spanien.

Erfahrbare Spiritualität in den Gebäuden sakraler Baukunst

Als Platon die Dinge in der Welt untersuchte, wollte er nicht nur wissen, wie diese Dinge sind, sondern auch, wieso sie so sind, wie sie sind. Für ihn existierte ja alles in einer konkret erfahrbaren Erlebniswelt seines Alltags, deren Erscheinungen und Formen jedoch eine übersinnliche Welt der Ideen als ihren unentbehrlichen Ursprung voraussetzten.

Solch Unveränderlichkeit lässt sich mittels der Zahlen, ihrer Ordnungen und Verhältnisse zueinander genau beschreiben, messen und dementsprechend auch darstellen. Das bestärkte schon in der Antike verschiedene Architekten, sich geometrischer Prinzipien zu bedienen, die ihnen halfen, Bauwerken eine sakrale Erscheinung zu geben. Damit gelang ihnen das Göttliche in der physischen Welt sichtbar und somit auch erfahrbar zu machen.
Ihre Kenntnisse heiliger Geometrie statteten sie mit den Werkzeugen aus, durch die sie die universalen Prinzipien des Göttlichen in ihre sakralen Bauwerke – wie Tempel, Kirchen oder Moscheen – zu integrieren wussten.

Diese heilige Harmonie der besagten Bauwerke wirkt darum auch heute noch auf einen Besucher in seiner Erhabenheit beruhigend, wo symmetrische Beziehungen zwischen Gängen, Wänden, Säulen und Wild Nissen mit den da vernehmbaren akustischen Verhältnissen zusammenwirken und wo darum jemand leicht Zugang findet zu einer Offenheit, sich mit der spirituellen Welt zu verbinden.

 

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