Kraft der Wahrheit

von S. Levent Oezkan

Nikolai Ge:

Alles das ist, ist eigentlich wahr. Wir nehmen wahr. In der Mystik der alt-vedischen Brahmen-Religion, verehrte man das Wahre. Davon künden die 3.000 Jahre alten Mahanarayana Upanischaden:

Durch die Wahrheit weht der Wind.
Durch die Wahrheit strahlt die Sonne am Himmel.
Grundlage der Sprache ist die Wahrheit.
Das All gründet auf Wahrheit.

- Mahanarayana 63:2

Besonders die beiden letzten Sätze geben etwas wieder, das man auch in der Christlichen Mystik findet. Am Anfang des Johannes-Evangeliums lesen wir ja vom Schöpfungswort Gottes:

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.

- Johannes 1:1ff

Es sind gerade die Wörter, durch die sich das Wesen der Dinge überhaupt bezeichnen lässt, gesprochen in einer Grammatik, die ihrerseits eine Wahrheit ist. Wenn es zuvor jedoch heißt, dass auf Wahrheit das All gegründet ist, dann ist Wahrheit auch ein Synonym für das, das ewig fortbesteht.

Wahrhaftig ist die Kraft des Erschaffenen, eine Energie der Ewigkeit.

Ist das Wirken dieser Kraft jedoch zeitlich begrenzt, so ist auch die Wahrheit nur von bestimmter Dauer. Was jedoch wahr ist, wirkt fort. Unwahrheit taucht auf und verschwindet wieder.

Wer Unwahres sagt, spricht wissentlich über etwas, dass allerdings keinen Bestand hat, so als würde jemand etwas sammeln, etwas zu sich nehmen in dem Glauben, er könne es für immer behalten. Nun ja, gewiss: während seiner Lebenszeit auf Erden wird das vielleicht möglich sein. Doch nichts von dem was er be-sitzt, nützt ihm auch nur im Geringsten im Grab.

Mit diesem Wissen eigentlich sollte man auch das, was man in der Welt für falsch, für unwahr, für nicht richtig hält, als etwas erkennen, dass immer zeitlich begrenzt ist. Ob man seine Richtigstellung jedoch überlebt: Wer soll das schon wissen?

Begrenzt ist auch das Leben von uns Menschen. Zwar kann der sterbliche Körper auf die Wahrheit zeigen, hinweisen auf das was wahr ist, was darunter jedoch die anderen Sterblichen verstehen (können), das steht auf einem anderen Blatt. Einer der die Wahrheit sagt, muss in dieser Welt eben oft Nachteile in Kauf nehmen oder auf etwas verzichten, dass ihm vielleicht eher zuteil würde, wüssten andere von dieser Wahrheit nichts.

Was es bedeuten kann die Wahrheit zu äußern, dass hat besonders einer mit dem Tode bezahlt, über den es im Johannes-Evangelium heißt:

Pilatus sagte zu ihm: Also bist du doch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme. Pilatus sagte zu ihm: Was ist Wahrheit? Und als er das gesagt hatte, ging er wieder hinaus zu den Juden und spricht zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm.

- Johannes 18:37f

Pilatus also wandte sich ab, ohne auf die Antwort zu warten. Die Behauptung Jesu, er lege für die Wahrheit Zeugnis ab, wies Pilatus damit zurück, denn anscheinend war diese Wahrheit, von der Jesus sprach, auch eine, die in der Welt eigentlich unerwünscht bleibt.

 

In den Pilatusakten des apokryphen Nikodemus-Evangeliums allerdings, findet sich doch eine Antwort Jesu auf Pilatus' Frage:

»Die Wahrheit stammt vom Himmel.« Und Pilatus: »Gibt es auf Erden keine Wahrheit?« Darauf Jesus zu Pilatus: »Du siehst doch, wie die, welche die Wahrheit sagen, von den irdischen Machthabern gerichtet werden.«

- Nikodemus-Evangelium, Pilatusakten, Teil 1, Cap. III:2

Unwahrheit

Wenden wir uns wieder den antiken Ritualtexte der indischen Veden zu. Aus den darin enthaltenen »Brahmana der hundert Pfade« erfahren wir, dass einst Wesen der himmlisch-göttlichen Welt nur von der Wahrheit kündeten. Wohingegen die Dämonen immer nur Scheinwahrheiten und eigentliche Lügen verbreiteten.

Durch die vielen Lügen und Unwahrheiten, die die Dämonen den Menschen einflüsterten, schichtete sich allmählich über das, was noch als ewige Wahrheit überall gegenwärtig schien, ein dunkler Schleier von Unwahrheit. Es ging so alles verschütt, was in dem ewig Wahren enthalten war. Man vergaß und der Wert jener himmlischen Wahrheiten wurde immer weniger geachtet. Und jene, die um diese Wahrheit noch wussten, verschwanden allmählich, so dass bis heute nur noch wenige unter uns sind, die von dieser Wahrheit kosten durften. Nur vereinzelt sieht man sie hier und da, mal als buddhistischer Bettelmönch im fernen Tibet oder als wandernden Derwisch in Indien oder Pakistan, oder auch in unseren Breiten, wie etwa die franziskanischen Mönche christlicher Klöster.

Ist es aber nicht eigenartig, dass sie doch eigentlich jene sind, auch heute noch, die von diesen Wahrheiten wissen, daraus Weisheit freizusetzen vermögen, die ihren Mitmenschen im Leben helfen. Wären es nicht eigentlich sie, die von allen geehrt und bewundert, denen man zu Ruhm verhelfen könnte, zumal ihr Wissen um die Wahrheit doch offenbar von hohem Wert ist?

Stattdessen aber sind sie dennoch arme Menschen, ja wie gesagt manchmal sogar Bettler, von deren Weisheiten und kostbarem Wissen keiner weiß – oder die man aus reiner Ignoranz nur unwissend belächelt.

[...] Die Himmlischen, die beständig die Wahrheit sprachen, wurden scheinbar geringer und ärmer. Darum wird einer, der ständig die Wahrheit spricht, auch heutzutage scheinbar geringer und ärmer. [...]

- Brahmana der Hundert Pfade 9:5:1:16

Und auch wenn die Aussage dieses Verses schon Jahrtausende alt ist, scheint sie sich doch bis heute immer wieder zu bestätigen. Das mag vielleicht auch an unserer modernen Kultur liegen, wo die Menschen ihre Aufmerksamkeit immer mehr jenen schenken, die offensichtlich die Unwahrheit sagen und sei es nur in erfundenen Geschichten über unrechtmäßig handelnde Menschen.

Es mag das wohl auch der allgemeinen Trägheit oder Faulheit vieler Menschen geschuldet sein, was ja eigentlich ins sich wieder Unwahrheiten sind. Der Mensch nämlich ist von Natur aus doch jemand der sich bewegt. Nicht nur im Sinne eines nomadischen Lebens, dass ja noch bis vor ungefähr 6.000 Jahren weit verbreitet war. Worauf hier mit »Bewegung« hingedeutet werden soll, ist eher die Bereitschaft Neues zu erschaffen oder eben neue Vorstellungen in das eigene Leben zu integrieren, um daraus etwas zu gestalten, wie auch die Natur jedes Jahr aufs Neue die Dinge auf so vielgestaltige Weise formt.

Wer jedoch in Faulheit verharrt, der glaubt auch schon einmal Unwahres, wohl um in seinem vermeintlichen Wohlfühlbereich passiv verharren zu können. Unwissenheit und Unwahrheit liegen da nahe bei einander. Wozu aber so etwas führt, das zeigte uns bereits die jüngere Geschichte Europas.

Scheinbar uralten Gesetzmäßigkeiten gemäß aber, und das zeigen uns unzählige Episoden der Menschheitsgeschichte, ist das Unwahre nicht von Dauer. Davon künden auch die 2.500 Jahre alten Brahmana der Hundert Pfade:

Die […] die beständig die Unwahrheit sprachen, glänzten wie Salzboden äußerlich, scheinbar wurden sie reich. Darum glänzt auch heutzutage einer, der ständig die Unwahrheit spricht, wie Salzboden äußerlich, scheinbar wird er reich. Aber schließlich gerät er ins Unglück. Denn schließlich gerieten die Dämonen ins Unglück.

- Brahmana der Hundert Pfade 9:5:1:17

 

 

Nicht wurde Sokrates totgefragt

Johan von Kirschner

Ein Philosoph ist jemand der die Weisheit liebt, was aber gar nicht bedeuten muss, dass er schon weise ist. Vielmehr strebt er nach Weisheit, möchte sie entdecken, sie erringen. Für den Denker Sokrates ähnelte er dem Eros, dem Gott der Liebe, für den nicht der Besitz des Geliebten wichtig ist, sondern das Streben danach.

Ein Philosoph ahnt von dieser Liebe, die er irgendwo, vielleicht in der Ferne, in einer Weisheit finden könnte, verliebt sich darin und bricht schließlich auf, um ihr zu begegnen, sie zu finden und sie allenfalls zu erlangen. Und zu so etwas fand einer etwa auf der Agorá – dem Marktplatz des alten Athen.

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Die Bruderschaft der Essener - Johan von Kirschner

Die Bruderschaft der Essener

Johan von Kirschner

Um die Zeitenwende - vor ungefähr 2.000 Jahren - lebte in Palästina eine spirituelle Gemeinschaft: die Essener.

Es waren fromme Männer, die über besondere, geistige und heilerische Fähigkeiten verfügten. Sie konnten als Eingeweihte die Kräfte aus der Welt der Engelhierarchien, hinab auf die Erde führen und diese in ihr Leben mit einbeziehen. Sie widmeten sich ganz und gar dem Dienst an der Menschheit.

Es scheint, als wäre die Bruderschaft der Essener nur für eine bestimmte Zeit auf der Erde gewesen, mit der Aufgabe, zwei Gottgesandten den Weg zu ebnen:

Jesus von Nazareth und Johannes dem Täufer.

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