Leben als freier Mensch

von S. Levent Oezkan

Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.

- Jean-Jacques Rousseau

Luftballon - ewigeweisheit.de

Leben ist Leiden - so war der Titel eines Seminars. Leben als Selbstmitleid? Ich suchte das Weite. Zum Glück, denn für mich heißt Leben frei zu sein.

Wovon aber? Sind wir denn nicht bereits frei? Haben wir nicht die Freiheit der Wahl?

Da stellt sich die Frage, ob man zunächst einmal unterscheiden sollte zwischen Freiheit und Bestimmtheit.

Was bedeutet das?

Freiheit in Bezug auf unsere Wahlmöglichkeiten: jeder besitzt sie jetzt schon und keiner muss wirklich dafür kämpfen. Selbst in Staaten unserer Erde, deren politische Systeme die Menschen stark in ihrem Handlungsspielraum einschränken und wo es sehr viele Verbote gibt, selbst da haben Menschen die Freiheit zu entscheiden, wenn auch nicht in unseren Konzepten gedacht.

Freizügigkeit und Körperbewusstsein

Frei aber sind in unserer, westlichen Kultur eigentlich alle Menschen in der Ausübung ihrer Sexualität, scheint sich im Westen in den vergangenen Jahrzehnten, eine regelrechte Freiheits-Kultur entwickelt zu haben. Bedeutet das Ausleben körperlicher Freizügigkeit aber eigentlich wirklich Unabhängigkeit?

Vielleicht wäre es zunächst einmal klug zu schauen, was es bedarf, um sich körperlich zu befreien. Ein Bezug zur Materie bleibt aber immer bestehen. Wenn wir mit uns sind, können wir immer tun und lassen was wir wollen, allein oder zweisam. Wer jedoch glaubt, Freiheit allein im sexuellen Bereich ausüben zu können, eilt einer Illusion nach, denn er wird immer unfähiger die Ursachen seiner eigentlichen Unfreiheit zu erkennen und zu bekämpfen. Jene, in den westlichen Gesellschaften gegenwärtige, grenzenlose Freizügigkeit scheint sich aber immer weiter in Richtung sinnlicher Verödung zu bewegen.

In all unseren Handlungen in der materiellen Welt, sind wir immer auf Äußeres angewiesen. Wohl lässt sich der Durst nach äußerem Erfahren niemals stillen. Freiheit könnte aber erlangen, wer zuerst einmal beginnt sich von jenen, aus seinem Innern drängenden Zwängen zu befreien. Denn wer einer Sache bedarf, erleidet einen Mangel. Wer Hunger hat muss essen, wer Durst hat trinkt. Da der Mensch aber nicht vom Brot allein lebt, stellen wir uns vielleicht irgendwann die Frage, welche der vielen anderen Bedürfnisse eigentlich echt sind?

Unendlich viele Wege führen ins Nirgendwo

Stellen Sie sich vor, Sie stehen an einer beschilderten Weggabelung. Jedes Schild deutet hin auf einen Erfolg im Leben oder garantiert Ihnen die Befriedigung eines besonderen Wunsches. Alle dort gezeigten Versprechen werden ihr Leben verschönern. Wie lange aber zögern Sie, um letztendlich einen Weg einzuschlagen?

Schauen Sie sich um: unzählige Möglichkeiten bieten sich Ihnen im Leben. Führt eine solche unbegrenzte Auswahlmöglichkeit aber nicht zu einer langsamen Verflachung ihres letztendlichen Nutzens? Die Stromstärke von Elektrizität die durch ein Kabel fließt, nimmt in jeder folgenden Kabel-Verzweigung ab, wird immer schwächer.

Die Freiheit der Wahl ist in Wirklichkeit ein Synonym für mentale Sklaverei. Wer frei sein möchte, sollte sich auf genau eine Sache festlegen - sich zumindest aber, nur nach wenigen Dimensionen hin ausbreiten wollen. Denn wenn sich uns viele Auswahlmöglichkeiten anbieten, fühlt sich zwar unser Ego geschmeichelt, doch wo es keine Auswahl gibt, da existiert einzig und allein die Tat. Nichts sonst im Leben zählt. In die Freiheit bewegt man sich mit dem ersten Schritt.

 

 

Nicht wurde Sokrates totgefragt

Johan von Kirschner

Ein Philosoph ist jemand der die Weisheit liebt, was aber gar nicht bedeuten muss, dass er schon weise ist. Vielmehr strebt er nach Weisheit, möchte sie entdecken, sie erringen. Für den Denker Sokrates ähnelte er dem Eros, dem Gott der Liebe, für den nicht der Besitz des Geliebten wichtig ist, sondern das Streben danach.

Ein Philosoph ahnt von dieser Liebe, die er irgendwo, vielleicht in der Ferne, in einer Weisheit finden könnte, verliebt sich darin und bricht schließlich auf, um ihr zu begegnen, sie zu finden und sie allenfalls zu erlangen. Und zu so etwas fand einer etwa auf der Agorá – dem Marktplatz des alten Athen.

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