In einem fernen Land lebte einst ein sehr reicher Magier, der eine riesige Herde Schafe besaß. Und er war sehr geizig und beschäftigte darum weder Hirten, noch wollte er Geld ausgeben für einen Weidenzaun.
Folglich kam es häufig vor,, dass die Schafe sich im nahe gelegenen Wald verirrten oder in Schluchten abstürzten. Vor allem aber rannten sie davon, denn sie wussten, dass der Magier ihre Felle und ihr Fleisch wollte. Und das gefiel ihnen garnicht.
Schließlich fand der Magier eine zauberhafte Lösung. Er hypnotisierte seine Schafe einfach. Und da flüsterte er ihnen ein, dass sie unsterblich seien und dass ihnen kein Leid zugefügt würde, wenn sie gehäutet würden, dass es im Gegenteil sehr gut für sie und sogar angenehm sei.
Dann flüsterte er ihnen ein, dass er ein gerechter und guter Hüter sei, der seine Schafherde so sehr liebte, dass er bereit war, alles auf der Welt für sie zu tun.
Drittens suggerierte er ihnen, dass, falls ihnen überhaupt etwas zustoßen sollte, dies vielleicht irgendwann einmal passieren könnte, aber nicht gerade jetzt – zumindest nicht heute. Sie bräuchten sich also überhaupt keine Sorgen machen.
Außerdem suggerierte der Magier seinen Schafen: „Ihr seid gar keine Schafe.“ Einigen von ihnen flüsterte er ein, sie seien Adler, anderen, sie seien Löwen, wieder anderen, sie seien Menschen, und noch anderen, sie seien wie er: Magier!
Auf einmal hatten alle Sorgen und Nöte der Schafe ein Ende. Sie rannten nie wieder davon, noch stürzten sie sich in Unglück und irrten auch nicht mehr umher. Sie warteten einfach, ruhig und grasend auf den Tag, an dem sie ganz unerwartet, über ihren Köpfen das Richtschwert des Magiers erblickten.