Phoenix aus der Asche

Autor und Mentor S. Levent Oezkan - ewigeweisheit.de

Autor und Mentor

Phoenix aus dem Aberdeen Bestiary - ewigeweisheit.de

Der Name des Phoenix hat seinen Ursprung im griechischen phoinix, was die alte Bezeichnung ist für den mythischen Vogel Greif. Auch der Name des alten Volkes der Phönizier, aus deren Alphabet sich auch unsere Buchstaben entwickelten, scheint von der gleichen Wortwurzel zu stammen. Als solch »phönizischer Vogel« bildet sein Kleid ein purpur-rotes Gefieder.

Clemens von Rom (50-101 n. Chr.), eine der bedeutendsten Gestalten des jungen Christentums, schrieb in Briefen an die Korinther über die besondere Natur dieses Wundervogels:

Es gibt einen bestimmten Vogel, der Phoenix genannt wird. Dieser ist der einzige seiner Art und lebt fünfhundert Jahre. Und wenn sich die Zeit seiner Auflösung nähert, dass er sterben muss, baut er sich ein Nest aus Weihrauch und Myrrhe und anderen Gewürzen, in das er, wenn die Zeit erfüllt ist, hineinfliegt und stirbt. Wenn aber das Fleisch verwest, entsteht eine bestimmte Art von Wurm, der, genährt von den Säften des toten Vogels, Federn hervorbringt. Dann, wenn er stark geworden ist, nimmt er das Nest, in dem sich die Knochen seines Elternteils befinden, und zieht mit diesen aus dem Land Arabien nach Ägypten, in die Stadt, die Heliopolis heißt. Am hellen Tag legt er sie vor den Augen aller Menschen auf den Sonnenaltar und kehrt dann an seinen früheren Aufenthaltsort zurück. Die Priester prüfen dann die Datumsregister und stellen fest, dass er genau so zurückgekehrt ist, wie das fünfhundertste Jahr vollendet wurde.

- Clemens von Rom, Brief an die Korinther 25:2-5

Aus Sicht des griechischen Völkerkundlers Herodot von Halikarnassos (490-420 v. Chr.) liegt der Ursprung des Phoenix im Alten Ägypten. Man nannte ihn dort den »Benu«, einem Namen für den neugeborenen Sohn, in der Hieroglyphenschrift abgebildet, als Symbol für den Purpur-Reiher. Möglicherweise hieraus, entwickelte sich im Laufe der Zeit das Phoenix-Motiv der Wiederauferstehung, womit auch die Vorstellungen einer Seelenwanderung zusammenhängen. Kaum verwunderlich darum, wenn der mythologische Phoenix zu einer Metapher für die Auferstehung Christi wurde.

Der Phoenix in der Alchemie

Splendor Solis 12 - ewigeweisheit.de

Tafel 12 aus dem Buch Spledor Solis.

Aber auch den Alchemisten gilt der Phoenix als wichtiges Symbol. Das Ziel der Alchemie, das Finden des sogenannten »Steins der Weisen«, gilt da als ein Entdecken des Phoenix, ist der sagenhafte Stein bekanntlich doch purpurrot. Und es ist eben dieser mythische Vogel Phoenix, der seinen Prozess der Seelenentwicklung durch eine Selbstopferung erzwingt, wobei er sein Nest zu seinem eigenen Scheiterhaufen macht, wo er es selbst entzündet um darin zu verbrennen. Aus seiner Asche aber erhebt er sich dann, zu neuem Leben verwandelt (die bekannte Redewendung »wie ein Phoenix aus der Asche« aufzuerstehen, steht ja für den Neuanfang nach einer endgültigen Niederlage).

Solcherart Erneuerung und Auferstehung, sind auch zwei grundlegende Konzepte der Alchemie. Und wird dieser roten Stein der Weisen, in einer Transmutation durch Feuer gewonnen. Drum findet man in einigen alchemistische Darstellungen den Phoenix abgebildet, als Sinnbild für die letzte Phase bei der Bereitung des Steins der Weisen, als quasi die Auferstehung des (roten) Steins.

Es geht damit einher die besondere Erfahrung des Alchemisten, durch eine dabei erfolgende Vergeistigung. Er hat sein Wesen so weit integriert, dass er nicht mehr auf seinen physischen Körper als Grundlage seines Seins angewiesen ist und steht nun auf der Gewissheit des Spirituellen – er hat in diesem Sinne den Stein der Weisen erlangt, als spirituellen Kern seines Wesens. Wir können darum auch vom Prozess einer Seelenalchemie sprechen, einer Integration und Reinigung, einer Transmutation der Seele. Alchemisten haben diesen Vorgang abgebildet, durch die Darstellung verschiedener Symbole, die Vögel abbilden, von denen der Phoenix eben als letzter erscheint, auch als ein Hinweis auf das symbolische Sterben im Leben, dass Voraussetzung für allen Neuanfang bildet. Für die Mystiker der Antike war der Phoenix darum auch ein Symbol für die Unsterblichkeit der menschlichen Seele.

Er galt darum den Eingeweihten von einst darum als Symbol der Umwandlung und Regeneration der schöpferischen Energie. Manche behaupten gar, dass der doppelköpfige Phoenix einen Prototyp des androgynen Menschen bildet, der angeblich dereinst als Wesen mit zwei Wirbelsäulensträngen auf Erden leben wird, mit deren Hilfe er das Schwingungsgleichgewicht im Körper aufrechterhalten will.

Der Phoenix bei Herodot

Es gibt noch einen anderen heiligen Vogel, der Phoenix genannt wird, den ich selbst nicht gesehen habe, außer auf einem Gemälde, denn in Wahrheit kommt er sehr selten zu ihnen, in Abständen, wie die Leute von Heliopolis sagen, von fünfhundert Jahren; und diese sagen, dass er regelmäßig kommt, wenn sein Vater stirbt; und wenn er wie das Gemälde ist, ist er von dieser Größe und Beschaffenheit, das heißt, einige seiner Federn sind von goldener Farbe und andere rot, und in Umriss und Größe ist er so ähnlich wie möglich wie ein Adler. Dieser Vogel, so sagt man (aber ich kann die Geschichte nicht glauben), geht folgendermaßen vor: Er zieht von Arabien aus und bringt seinen Vater, so sagt man, in den Sonnentempel (Helios), eingegipst in Myrrhe, und begräbt ihn im Sonnentempel; und er bringt ihn so: Er formt zuerst ein Ei aus Myrrhe, so groß, wie er es tragen kann, und dann versucht er, es zu tragen, und wenn er es ausreichend versucht hat, dann höhlt er das Ei aus und legt seinen Vater hinein und übergießt den Teil des Eies, wo er es ausgehöhlt hat, um seinen Vater hineinzulegen, mit anderer Myrrhe, und wenn sein Vater hineingelegt ist, beweist es (sagen sie), dass es das gleiche Gewicht hat, wie es war; und nachdem er es übergossen hat, bringt er das Ganze nach Ägypten zum Sonnentempel. So sagt man, dass dieser Vogel es tut.

- Aus Herodots Historiae II:73

Herodot beschrieb auch die Erscheinungsform des Phoenix, als einem Adler gleichend. Auch er beschreibt seinen Vogelleib mit glänzenden purpurroten Federn bedeckt, während seine langen Schwanzfedern abwechselnd blau und rot wären. Der Kopf des Phoenix aber ist von heller Farbe, seinen Hals schmückt ein goldener Federkranz. Man könnte auch sagen, dass der Phoenix der Schwan der Alten Griechen und der Adler der Römer war, wie vielleicht auch in Zusammenhang gesehen werden kann, mit dem Pfau als Symbol orientalischer Mythologie (etwa der »Melek Tausi« der Jesiden).

Der Phoenix ist ein heiliges Symbol für das Solare gewesen. Seine Lebensdauer von 500 Jahren setzte den Maßstab für die Bewegung der Himmelskörper, wobei seinen Namen auch ein südliches Sternbildes trägt, womit seine mythische Erscheinung als Symbol, damit auch eine astronomische und astrologische Bedeutung hat.

 

     

BUCHTIPP

Gralssuche und Selbstfindung

Johan von Kirschner

Das Mysterium vom Heiligen Gral ist eine der faszinierendsten Legenden des Mittelalters. Seine mythisch-historische Bedeutung aber, hat sich bis zum heutigen Tage keineswegs vermindert. Im Mythos vom Gral verbergen sich ganz zentrale Schlüssel zur Erkenntnis der Welt und des Selbst.
Auf drei Erzählebenen, führt dieses Buch den Leser ein, in das Geheimnis vom Heiligen Gral: historisch, psychologisch, magisch.

Auf Amazon.de ansehen ► Hier im Shop ansehen ►

BUCHTIPP

Lehrbuch der esoterischen Erdkunde: Das spirituelle Wesen unserer Erde

Johan von Kirschner

Die esoterische Erdkunde befasst sich mit dem spirituellen Wesen unserer Erde und dem auf ihr beheimateten, intelligenten Leben.
In diesem Buch werden mit der universalen Sprache der heiligen Geometrie, die inneren Gesetze unseres Planeten, die esoterische Mineralogie und die Heilkräfte der Steine besprochen.

Der alte Stierkult, Schlangenkult und die Religion der großen Mutter, sind ebenso wichtige Themen dieses Buches. Es wird gezeigt, dass der Ursprung unserer Schrift in der Ur-Religion der Erdgöttin wurzelt.
In einem Kapitel über die esoterische Bedeutung der Symbole, widmet sich der Autor insbesondere dem Geheimnis des Labyrinths und dem damit zusammenhängenden mystischen Wesen unserer Inkarnation.

In drei Kapiteln über Geomantie und Radiästhesie, werden die subtilen Kräfte unseres Planeten erklärt und wie dieses Wissen in den Zeremonien der Jahresfeste praktisch angewendet wird.

Es werden Antworten auf Fragen gegeben, die sich mit der Existenz des Kontinents Atlantis, dem Wesen der nachsintflutlichen Zivilisation, den geheimnisvollen Urmenschen Irlands und dem Mythos der Insel Thule beschäftigen.

Auf Amazon.de ansehen ► Hier im Shop ansehen ►

BUCHTIPP

Die Jesiden: Kinder der Sonne

von S. Levent Oezkan

Immer wieder versuchte man den Jesiden zu unterstellen, sie seien Teufelsanbeter. In Wirklichkeit aber verehren die Mitglieder dieser geheimnisvollen Religion die Sonne. Im Sonnenlicht erkennen sie das Gute als Gottes Heiligkeit. Und dieser Gott schuf sieben Engel, unter denen er seinen Stellvertreter ernannte: Melek Taus - die zentrale Wesenheit im Jesidentum.

Auf Amazon.de ansehen ► Hier im Shop ansehen ►