Religion und Totenkult der Alten Berber

Autor und Mentor Selim Levent Oezkan - ewigeweisheit.de

von

Für ein Neues Bewusstsein

Medracen (Foto: Boualleg Mortada) - ewigeweisheit.de

Ureinwohner Nordafrikas sind die Berber, deren religiösen Vorstellungen sowohl Einflüsse aus alt-ägyptischen Göttervorstellungen besitzen, doch ebenso inspiriert sind vom Judentum, von alt-tunesischen Bräuchen wie auch von der Mythologie Iberiens und Alt-Griechenlands.

Bis heute bewohnen die Berber die Gebiete der nördlichen Sahara, insbesondere in den Ländern Morokko, Algerien, Tunesien und Libyen (oft als Maghreb bezeichnet, dem arabischen Wort für den Westen). Vor allem ihre ägyptischen Nachbarn teilten in alter Zeit mit den östlichen Berbern Libyens den Glauben an die Göttin Isis oder den Gott Seth. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot (484-425 v. Chr.) schrieb über ihre Religion:

Keiner dieser Stämme hat jemals vom Fleisch der Kuh gekostet, sondern hält sich aus demselben Grund wie die Ägypter davon fern. Auch züchtet keiner von ihnen Schweine. Selbst in Kyrene (antike griechische Stadt im heutigen Libyen) halten es die Frauen für falsch, das Fleisch der Kuh zu essen, weil sie damit doch die ägyptische Göttin Isis ehren, die sie mit Fasten und Festen verehren. Die Frauen von Barcaea (Libyen) enthalten sich nicht nur des Kuhfleisches, sondern auch des Fleisches von Schweinen (da Zusammenhang zum Gott Seth besteht).

Auch der göttliche Gatte der Isis, Osiris, wurde von den Berbern Libyens verehrt. Der berühmte englische Ägyptologe E. A. Thompson Wallis Budge (1857-1934) war der Ansicht, dass Osiris ursprünglich sogar ein libyscher Gott war:

Alles, was die Texte aller Epochen über ihn (Osiris) berichten, deutet darauf hin, dass er ein einheimischer Gott Nordostafrikas (des heutigen Libyens) war, und dass seine Heimat und sein Ursprung möglicherweise libysch waren.

Junge Berberfrau (1904) - ewigeweisheit.de

Fotografie einer Jungen Berberfrau aus dem Stamm der Ouled Nayil (1904, Sahara, Algerien).

Denn die Ägypter gingen davon aus, dass einige ihrer Gottheiten tatsächlich libyschen Ursprungs waren. So etwa die Göttin Neith, die man sowohl als Schöpfergöttin, Muttergöttin, Kriegsgöttin und Totengöttin verehrte (ein geistiges Wesen also das über Sein, Werden und Vergehen allen Lebens herrscht). Die alten Ägypter nahmen an, dass Neith einst aus Libyen ausgewandert war, um dereinst ihren Tempel am westlichen Nildelta zu errichten, in der antiken Stadt Sais, deren Patronin sie wurde.

Das es einen engeren historischen Zusammenhang gibt zwischen dem alten Libyen und der religiösen Kulte der Pharaonen am Nil, darauf finden sich etwa auch Hinweise in alt-libyschen Schriftzeichen, die verewigt wurden in Darstellungen alt-ägyptischer Gottheiten (wie etwa der Amentet, Göttin der Bestattung, die manchmal mit zwei Federn dargestellt wurde, was im alten Libyen eine übliche Zierde göttlicher Wesenheiten gewesen war, als Symbol für eine notwendige Leichtigkeit, sich jederzeit gen Himmel zu bewegen).

Auch der Fruchtbarkeitsgott Amun (der später mit dem Sonnengott Re, zu Amun-Re verschmolz) zählte zu den vielleicht größten Gottheiten der alten Berber. Der berühmteste, der ihm geweihten Tempel befand sich in der ägyptischen Oase Siwa, die auch heute Berber bewohnen.

Die Totenriten der Alten Berber

Die Berber und ihre Vorfahren glaubten an ein Leben nach dem Tod. Darauf deuten ihre alten Grabstätten hin. Anfänglich wurden ihre Verstorbenen in Höhlen beigesetzt, später häufte man über ihnen Grabhügel auf, die dann entsprechend mit äußeren Grabsteinen befestigt wurden (siehe Titelbild). Solcherart Grabstätten entwickelten sich jedoch erst über die Zeit hinweg zu immer aufwändigeren Mausoleen wie etwa die in ganz Nordafrika verbreiteten Pyramidengräber. Jedoch waren solch pompöse Grabgebäude nur denjenigen vorbehalten, die für ihre Gemeinschaften eine wichtige Rolle gespielt hatten. Dennoch schien den Berbern von einst das Ableben ihrer Angehörigen von höchster Bedeutung gewesen zu sein. Und das seit der Antike. Besonders verehrten die Berber ihre Könige, deren Grabstätten zu den bemerkenswertesten Denkmälern zählen.

Aus den Schriften Herodots nämlich erfährt man bereits, dass der Totenkult ein charakteristisches Merkmal des antiken Libyens war. Auch der 45 n. Chr. verstorbene römische Geograph Pomponius Mela berichtete, dass man in den Oasen von Augilae (heutige Audschila-Oasen) die Geister der Vorfahren, gar als Götter verehrte. Man schwor dort auf sie und versuchte gebetsartig, mit ihnen Kontakt aufzunehmen, um sie etwa zu konsultieren bei wichtigen Lebensfragen. Nachdem man so seine Bitten geäußert hatte, blieb man in dem Grab, um dort zu übernachten, in der Hoffnung, im Traum Antwort zu erhalten.

Herodot berichtete von solchen Riten auch über die Nasamonen, einem nomadisch lebenden Volk, dass in den Wüsten um die Oasen von Siwa und Audschila lebte:

Sie schwören bei den Männern, von denen es heißt, sie seien die rechtschaffensten und tapfersten gewesen, weil sie an ihren Gräbern die Hände auflegen; und sie beten, indem sie die Grabhügel ihrer Vorfahren aufsuchen und sich nach dem Gebet auf ihnen niederlegen, um zu schlafen; und was immer solch Mann in seinem Traum sieht, das wird er für sich annehmen.

Archäologische Untersuchungen prähistorischer Gräber im Maghreb zeigen, dass man dort die Körper der Toten mit Ocker bemalte. Auch setzte man die Toten bei mit Schalen von Straußeneiern (Symbolen des Lebens), mit Schmuck und Waffen, wo man die Leichen in der Regel aber in der Fötusstellung bestattete – ein deutlicher Hinweis auf den Glauben an ein Leben nach dem Tod und vom Ritus her den Beisetzungen ägyptischer Pharaonen ähnlich. Darauf deutet auch eine im Jahre 1958 gefundene libysche ca. 5.500 Jahre alte Mumie, die etwa tausend Jahre älter als jede bekannte alt-ägyptische Mumie ist!

Ihrem alten Kult immer treu geblieben

Wie wir sehen konnten besaßen die Berber lange Zeit vor der Ankunft der abrahamitischen Religionen in Nordafrika, ihre traditionelle Religion. Und selbst wenn der Kultur der Berber über Jahrhunderte hinweg fremde Religionen übergeprägt wurden, hielten sie an ihrem animistischen Glauben an Naturkräfte fest. Vor der Islamisierung hatten verschiedene Berber-Stämme den jüdischen und später andere Stämme den christlichen Glauben angenommen. Aber auch nachdem die Berber schließlich Muslime wurden, behielten sie Elemente ihrer alten Religion bei, die sie an ihre Volksgefährten mündlich weitergaben, mittels besonderen Mythen und Märchen.

 

Titelbild: Das königliche Mausoleum von Madghacen (in Algerien), fotografiert von Boualleg Mortada.

 

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