Ahriman

Die Bewusstseinsstruktur des Mentalen

Die Bewusstseinsstruktur des Mentalen

Rodin: Denker, Gemälde Munch - ewigeweisheit.de

Visionen erschuf der mythische Mensch, aus seinem von Polarität umfassten Geist. Seine Gehirnaktivitäten beherrschten vornehmlich Bilder bestehender Vorstellungen. Es waren Imaginationen die er aus einem untereinander verflochtenen und miteinander verbundenen, spirituellen Gewebe bildete. Sein Denken prägten also eher Bilder als Worte. Was er erzielen wollte imaginierte er und tat es sogleich.

Auch heute begibt sich ein Mensch durch seine Imagninationsgabe, in diese, manchmal traumartige Vorstellungswelt, wo er das ihn Umgebende, als den anderen Pol seiner Wahrnehmung empfindet. Jeder der schöpferisch oder kreativ tätig ist, wendet diese Fähigkeit an – ganz gleich welcher Tätigkeit er dabei auch nachgeht.

Vor vielleicht 6.000 Jahren entwickelte die Menschheit etwas, dass Jean Gebser »Gerichtetes Denken« nennt. Es ist eine Geistesaktivität die nicht mehr polarbezogen ist, sondern objektbezogen. Das heißt, Gerichtetes Denken kehrt sich vom polaren Bewusstsein ab und richtet sich auf voneinander getrennte Gegensätze, die für sich stehend einer ursprünglich polaren Ergänzung entbehren. Hiermit erhält das Bewusstsein eine Kraft, die ihm von da an aus dem Ich des Einzelnen zufließt.

So auch kam das Ego in die Welt, was einher ging mit einer ganz grundlegenden Veränderung menschlichen Bewusstseins. Denn der Mensch verließ damit den bewahrenden Kreis des Seelischen und begann seine Welt durch Denken zu bewältigen. Was heißt das?

Nun, hierzu ist es sicher hilfreich, wenn wir uns zunächst noch einmal gedanklich zurückbegeben in die mythische Bewusstseinsstruktur. Denn lange vor der Zeitenwende in die mentale Struktur, sollte besonders ein Mythos wichtig werden: Die Sage von der Heirat des griechischen Göttervaters Zeus mit der Metis. Sie war die Tochter der Gottheiten des Meeres und selbst »Göttin des klugen Rats«. Ihr Name galt den griechischen Philosophen auch als Synonym für die Personifikation des »Scharfsinns«, eine Geistesfähigkeit die man ja auch als praktisches Wissen oder reine Vernunft beschreiben könnte.

Aus diesem Mythos aber erfahren wir nun Folgendes: Unter Schmerzen zerbrach sich Zeus den Kopf darüber, ob Metis ihm vielleicht einen mächtigeren Sohn gebären könnte, als ihm wirklich lieb sei. Er fürchtete dass ihm ein Junge vielleicht sogar den Platz als Götterkönig streitig machen könnte. Seine Angst aber schlug um in blinden Zorn und drum verschlang er seine schwangere Geliebte, samt einem in ihrem Leibe wachsenden Mädchen.

Da traten der olympische Götterschmied Hephaistos und der titanische Feuerbringer Prometheus auf. Mit der Axt des himmlischen Fabers, spaltete der Titan Zeus den Kopf, wonach dem klaffenden Götterschädel, mit lautem Kriegsgeheul, eine reife Jungfrau entstieg. In voller Rüstung kam sie zur Welt, ihre goldenen Waffen schwingend: Pallas Athene – Göttin der Weisheit, des Verstandes, der Kriegskunst und des Handwerks.

Dieser Mythos beschreibt den klassischen Anfang von Zivilisation und Städtekultur, die einen gewaltigen Bewusstseinssprung für die Menschheit einleiten sollte, denn die »göttliche Kopfgeburt« Athene »zivilisierte« die Griechen mit der Gründung der nach ihr benannten Stadt Athen.

Nicht aber nur in Griechenland schien sich da etwas zu wandeln. Auch die mosaische Tradition der Juden führte Menschen sprichwörtlich auf neuen Boden. Vom Berge Sinai herabgestiegen, stellte der Prophet Moses diesem neuen, im Menschen erwachten »Ich«, einen zürnenden doch auch verständigen Gott JHVH gegenüber. Hierbei entstand das, was wir heute Monotheismus nennen. Moses führte seine Leute aus dem Land der Ägypter, die er mit JHVHs Zorn durch Plagen und Seuchen schlug. Über die Halbinsel Sinai kam das Volk Israel schließlich ins gelobte Land, wo die Juden ihre erste Stadt erbauten: Jerusalem.

Diese scheinbar widersprüchlichen Gegensätze von Zorn und Verstand, die sowohl Zeus, Athene oder dem jüdischen JHVH zu eigen sind, eint das lateinische »mens«: ein Wort mit weitem Bedeutungsspielraum, der neben den Begriffen »Absicht«, »Mut«, »Gedanke«, »Vorstellung« oder »Sinnesart«, eben genau diese Wörter »Zorn« wie auch »Verstand« umfasst. Geht man dem indoeuropäischen Ursprung des Wortes »mens« nach, begegnet man auch dem »manas« des Sanskrit, das in sich ebenso diese Doppelbedeutung von Verstand und Zorn eint.

Krieg der Gegensätze

In den Jahrhunderten vor unserer Zeitrechnung nun, entstanden sowohl im Abendland wie auch im Morgenland, zwei epische Dichtungen, die »heilige Kampfhandlungen« beschreiben: der Grieche Homer schilderte da in seiner Illias den Trojanischen Krieg, während man aus der Bhagavad Gita der Inder, ebenso von einem großen, heiligen Krieg erfährt. Beide Dichtungen sollten sowohl in West und Ost ganz maßgeblich die Kulturgeschichte beeinflussen.

Hieraus ergibt sich das, was man vielleicht als die Geburt des Dualismus bezeichnen könnte: Zwei verfeindete Lager kämpfen gegeneinander, wo jeweils die einen die Guten und die anderen die Bösen sind. Es war das auch die Zeit wo in Persien der Prophet Zarathustra (um 600 v. Chr.) auftrat, um zu künden vom ewigen Streit der Mächte des Guten und des Bösen. Ein Gott der Weisheit stritt da mit einem Teufel der Zerstörung: der hell strahlende Ahura Mazda trat an gegen den finsteren Ahriman – zwei Namen allerdings die eine etymologisch gemeinsame Wurzel vermuten lassen.

Vor dieser Zeit der dualistischen Trennung des Polaren waren die Glieder der wahrgenommenen Welt eben noch untereinander verbunden, entsprachen einander. Was Polarität im Gegensatz zum Dualismus bedeutet, wird anschaulich in der Betrachtung der Pole unserer Erde. Ihr Vorhandensein nämlich ergibt sich aus der Rotationsachse unseres Planeten, über die sie ja ganz konkret miteinander verbunden sind.

Diese zwei Pole sind eben auch ein Hinweis auf jene Bewegungsform des Kreises (der Signatur der mythischen Struktur), wobei ja die Herkunft des Wortes »Pol« auf das griechische »pólos« zurückgeht, das »drehen« bedeutet – was ja eben die Bewegung der Erdachse ist.

Während jedoch das Bewusstsein der Menschheit mit dem Übergang in die mentale Struktur mutierte, wies ihr oben angedeutetes »Gerichtetsein« beispielsweise nur noch auf die Himmelsrichtungen an sich. Das heißt: man abstrahierte Norden und Süden beziehungsweise Osten und Westen, die damit sinngemäß für sich selbst stehend wurden und man sie nicht mehr primär als wechselseitige Entsprechungen empfand. Was zuvor die gegenseitige Entsprechung polarer Gegensätze war, war von da an aufgehoben.

Dieses einschneidende Ereignis, das sich in der Menschheitsgeschichte als Aufspaltung in den Dualismus äußerte, brachte nun das Prinzip der Mittlertätigkeit ins Spiel. Es bedurfte von da an eines einigenden, versöhnenden Elements, was am deutlichsten jene »Herabgestiegenen« oder »Menschensöhne« verkörpern sollten. Ihr Erscheinen in der Geschichte der Menschheit, als Mittler zwischen Mensch und Gott, zwischen Himmel und Erde, erweiterte die Dualität um ein anscheinend notwendiges Element, was in die göttliche Dreieinigkeit führte – die Trinität.

Ihr begegnen wir auch in der Trimurti des Hinduismus, die für die Vereinigung der drei kosmischen Funktionen von Erschaffung, Erhaltung und Umformung steht: als Brahma, Vishnu und Shiva. Dem Erhalter Vishnu aber kommt dabei jene Mittlertätigkeit zwischen Göttlich-Himmlischem und Irdisch-Menschlichem zu, wo er in seinen zehn Inkarnationen, den Avataras (Herabgestiegene), als Menschheitslehrer auf Erden erscheint – darunter etwa als Krishna oder Buddha, oder als Kalki-Avatar am Ende unseres gegenwärtigen Zeitalters, das die Inder das Kali-Yuga nennen: das »Zeitalter des Streits«.

Platon und Aristoteles - ewigeweisheit.de

Bildausschnitt des Gemäldes von Raphael (1483–1520): Die Schule von Athen. In der Mitte die Philosophen Platon (links) und Aristoteles (rechts).

Die Geburt des Materialismus

Ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. trat die Menschheit aus der bergenden Welt der dunklen Höhlen in die Wachheit des Tages von Himmel und Licht. Wohl kaum ein Zufall wenn damals auch Platon sein Höhlengleichnis formulierte. Darin nämlich geht es um jene »Zurückgebliebenen«, die die Schatten des Lichts auf den Höhlenwänden für die eigentliche Wirklichkeit hielten. Einem von ihnen aber gelang die Höhle verlassend, sich hinaus ins Licht des Tages zu begeben. Dort oben wurde er der Sonne gewahr. Ihr Licht aber blendete ihn. So eigentlich blieb es aber doch nur ein Sehen von Schattierungen, selbst wenn man seit damals in Europa begann, die Sonne zum Symbol einer ultimativen Wirklichkeit zu erheben.

Es war das eben die Zeit in der man zu unterscheiden begann zwischen einer dunklen Unterwelt ewiger Nacht und einer tageshellen, von der Sonne erleuchteten himmlischen Welt. Dazwischen aber befand sich der Mensch in gespanntem Empfinden dieser Gegensätze.

Was wir mit der Spaltung des Seins und der Trennung der Pole andeuteten, sollte sich damit auch tatsächlich auf die menschliche Wahrnehmung der Welt übertragen. Das wird anschaulich wenn man die indoeuropäische Wortwurzel »me« oder »ma« genauer ansieht. Aus ihr nämlich leiten sich Bedeutungen ab, die sich beiderseits auf Irdisch-Unterweltliches, wie auch auf Geistig-Himmlisches übertragen lassen. Das heißt: Was in der archaischen, der magischen und mythischen Bewusstseinsstruktur noch verbunden war (wie zum Beispiel in der Einheit von Erde und Himmel), sollte die mentale Ebene nun von einander (anscheinend) für immer trennen.

Schon das Wort »mental« ist ja mit dieser Wurzel »me« (oder »ma«) verbunden und es lässt sich hieraus eine gesamte Familie weiterer Bedeutungen ableiten, die charakteristisch sind für den Wechsel von der mythischen, in eben jene der mentalen Bewusstseinsstruktur. Erinnern wir uns hier auch noch einmal an Metis, deren Name sich ja ebenso aus der Wortwurzel »me« ableitet.

Neben dem im Sanskrit bereits erwähnt auftauchenden »Manas«, dem Verstand, lässt sich aus der Wurzelsilbe »ma«, wiederum die Silbe »mat« ableiten. Aus ihr entsteht das Sanskrit-Wort »Matar«, die Mutter, das sich seinem indoeuropäischem Ursprung nach auf die griechischen Wörter »Mater«, die Mutter, und »Materie« übertragen lässt, worauf sich zum Beispiel auch »Metrum« und damit das »Maß« des »Meters« belaufen, sowie auch alles was eben als »Materialismus« einer vollständig ausgemessenen, von menschlichem Geist bestimmten Welt entstand.

Der griechische Philosoph Pythagoras (570-510 v. Chr.) war der erste »Vermesser des Abendlandes«. Er erfand die Verhältnisse im Dreieck, bewiesen in seinem berühmten mathematischen Satz. Er auch stellte eine Verbindung zwischen den Tönen her (mit dem von ihm erfundenen, einsaitigen Monochord), die während der magischen Bewusstseinsstruktur noch in den wohl überwirklich klingenden Gesängen ertönten, und dem was in dieser Zeit der mentalen Bewusstseinsstruktur, durch die Zahlen sichtbar und messbar gemacht werden sollte. Das war der Ursprung der Harmonik und eigentlich der Anfang aller Wissenschaft.

Die Zahl ist das Wesen aller Dinge

- Ausspruch des Pythagoras

Mit dem direkten Erfahren der magischen und mythischen Struktur schien seitdem ein Wille zur Abstraktion zu rivalisieren. Und dieses Abstrahieren begann durch die Erfindung der Zahlen als Ziffern. Nur wenig früher entstanden im alten Griechenland die Münzen als »Zahlungs«-Mittel.

Jenes oben bereits beschriebene lateinische »mens«, das etymologisch verwandt ist mit dem englischen »mind« (Denken, Vernunft, Erinnerung), sollte zum Wort für den intellektuellen Menschen werden, für den Menschen als Denker, in diesem Übergang aus der mythischen Bewusstseinsstruktur in die mentale.

Kehren wir aber erneut zurück zur Symbolik der Athene-Geburt. Wie der Mythos besagt, spaltete Prometheus mit der Axt des Hephaistos dem höchsten Gott Zeus den Schädel. Er aber sollte den Menschen auch das Feuer bringen. Ein anderer Mythos fügt dem hinzu, dass jener Himmelsschmied Hephaistos aus Lehm eine Frau schuf und ihr Leben einhauchte: Pandora – ein Wesen das über alle Gaben verfügte (pan »alles«, doron »Gabe«). Gewiss erinnert einen das an die Erschaffung des Menschen, wie durch den Demiurgen der Gnostiker oder die Elohim der biblischen Genesis, wo ja ebenso einem aus Lehm geschaffen Wesen Leben eingehaucht wurde.

Prometheus nun brachte den Menschen zwar das Feuer, damit er hiermit Metalle schmelze, sie in Formen gieße und daraus Werkzeuge schmiede; doch als Zeus die Pandora zu ihnen sandte, und sie unter ihnen ihre sprichwörtliche Büchse öffnete, ergoss sich alles Übel über die Menschheit, vor allem Seuchen und Krankheit.

Zeus fürchtete eben den feuerbesitzenden Menschen und ließ es nur daher dazu kommen. Die Pandora war anscheinend, so wie auch das biblische Paar Edens, ein dem bisher lebenden, sogenannten »primitiven Menschen« angeblich überlegenes Wesen. Was Pandora in ihrer Unheil versprühenden Büchse jedoch zurückhielt war die Hoffnung: das Gegenteil der Angst. Denn Angst und Hoffnung waren in der Wirklichkeit des mythischen Bewusstseins einfach die beiden, sich entsprechenden Pole dessen, was in der Zeit des magischen Bewusstseins noch ein und das Selbe war.

Nun lassen sich aus diesem Ausschnitt der griechischen Mythologie, gewiss eine Vielzahl an Parallelen zur semitischen Tradition (wie etwa in den Erzählungen über die Nachfahren Kains) finden, doch wie es scheint auch zu all dem, was mit der dereinst entstandenen Zivilisation der Menschheit einher gehen sollte. Es war der Anfang des sogenannten »Eisernen Zeitalters«, der Periode in der Geschichte der Menschheit, die im Hinduismus als das »Dunkle Zeitalter«, als das bereits oben besprochene »Kali-Yuga« bezeichnet wird.

Recht-Sprechung und Isolation

Die Verfestigung der mentalen Bewusstseinsstruktur im Abendland, erfolgte praktisch in zwei Schritten: Zum einen kam es in den 200 Jahren zwischen 550-350 v. Chr. zu einer Wende mit dem Wirken von Pythagoras, Parmenides, Sokrates, Platon und Aristoteles. Doch auch im ebenso langen Zeitraum zwischen 1.300 und 1.500 n. Chr. sollten etwa ein Dante Alighieri oder ein Leonardo da Vinci die Kulturentwicklung des Abendlandes ganz maßgeblich beeinflussen.

Es scheint als wären in diesen beiden Wendezeiten die Kernmerkmale der mentalen Struktur ganz deutlich geworden. Was wir zuvor als jene Gerichtetheit in der Raumzeit andeuteten, sollte da zu einem Nachrichten oder Ausrichten an vorgegebenem Gesetz werden, von etwas Beschlossenem also, was sich folge-richtig im selben Bedeutungshorizont bewegt wie die Wörter »Gericht« und »Recht«. Auch das »Rechte«, die Seite »rechts«, muss in diesem Zusammenhang mit angeführt werden.

Seit Pythagoras kamen auch besondere »Rechtsvorschriften« zum Ausdruck, der seinen Schülern vorgab stets auf der rechten Seite in ein Heiligtum einzutreten und etwa immer den rechten Schuh zuerst anzuziehen. Solch rechtes Handeln schien sich bis heute allgemein in der eher verbreiteten Rechtshändigkeit erhalten zu haben (in der Rechten das Wahre, in der Linken das Falsche).

Die römische Rechtslehre schließlich sollte das festigen, was man das »Ich-Bewusstsein« nennt. Im römischen Zwölftafelgesetz aus dem 5. Jahrhundert n. Chr., legte man die Rechte und Pflichten des Einzelnen im Staat fest.

Im 14. Jahrhundert nahm Römisches Recht dann entscheidenden Einfluss auf die Rechtsprechung Mitteleuropas, da im Mittelalter, in manchen Staaten dieser Region, kein einheitliches Rechtssystem bestand.

Jene zwölf römischen Tafeln aber erinnern gewiss an jene Mittlerfunktion von der bereits die Rede war. Sie waren für jeden sichtbar ausgestellt, auf dem Forum Romanum, dem Mittelpunkt des politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und religiösen Lebens in Rom.

Solch Mittlerfunktion sollten auch die Gesetzestafeln mit den zehn Geboten, sowie später die jüdische Tora einnehmen. Moses überbrachte dem Volk Israel die beiden Gesetzestafeln, als er vom Berge Sinai zu ihnen hinabstieg. Was aber sowohl in der angeführten, alten römischen Gesetzgebung auch für die jüdische galt, war die Abstraktion dessen was als allgemein strukturiertes Gesetz einem Volk gegeben wurde, zur Angleichung an eine weit höhere, übergeordnete Instanz.

Wenn Moses als Mittler, die später im Salomonischen Tempel aufbewahrten Gebotstafeln, dem Volke Israel (auf Erden) vom Gipfel des Berges Sinai (vom Himmel), von Gott empfangen überbrachte, kommt da eben wieder die zuvor angedeutete dritte Dimension der mentalen Bewusstseinsstruktur zum Vorschein.

Hatten wir nun der magischen Struktur als Signatur den Punkt zugeordnet […], hatten wir der mythischen Struktur den Kreis zugeordnet […], so ist es nur folgerichtig, wenn wir der dreidimensionalen Struktur das Dreieck als Signatur zuordnen […] Dabei steht die Basis des Dreiecks mit ihren beiden gegensätzlichen Punkten für das duale Gegensatzpaar, das in der Spitze geeint wird.

- Aus Jean Gebsers Buch »Ursprung und Gegenwart«, Kapitel »Die mentale Struktur«

Das Dreieck als Signatur der dritten Dimension, wurde immer auch als Richtungsweiser verwendet, was uns eben wieder zurückführt auf das »Gerichtete Denken« der mentalen Struktur und eben auf jene Rechtsprechung, sowohl im römischen Reich wie auch andererseits für die Israeliten. Es war das die Zeit, als man zur optischen Perspektive fand, die sich ja eben genau aus der Dreiheit der »Trigonometrie« entwickelte.

Schon sehr viel früher aber, am Ende der Zeit des mythischen Bewusstseins, brach etwas auf, wurde gespalten, das erst durch Gesetze (juristisch, politisch, religiös) wieder gerichtet beziehungsweise berichtigt werden sollte.

Mit dem gerichteten Denken ging eine allmähliche Quantifizierung der Welt einher, samt aller bewusst gewordenen Dinge der darin lebenden Menschen. Als bestes Beispiel ließe sich da etwa der in der ersten Wendephase zur mentalen Bewusstseinsstruktur lebende Philosoph Demokrit anführen, der im 5. Jahrhundert v. Chr. die Vorstellung vom Atom entwickelte. Das bedeutete eine bis zu diesem Zeitpunkt nicht dagewesene Fragmentierung der Anschauung der materiellen Welt.

Alles was den oben erwähnten zwei Mutationsphasen der mentalen Struktur, mit dem Beginn der Neuzeit folgen sollte, war eine noch drastischere Fragmentierung der Wirklichkeit. Eine wissenschaftliche oder ökonomische Philosophie, sollte sich im Abendland aller möglichen Mittel zur Erreichung ihrer Zwecke bedienen. Da Vinci exhumierte Leichname, um ihre toten Leiber aufzuschneiden und so ihre organische und skeletthafte Struktur zu untersuchen, was spätestens für die spätere Chirurgie von Belang geworden sein durfte.

Seit der Renaissance begannen aber die negativen Aspekte der mentalen Bewusstseinsstruktur, immer mehr in ihrer zunehmenden Oberflächlichkeit zum Vorschein zu kommen. Sobald das Mentale in Form des Rationalen aber maßlos wurde und sich dabei richtungslos ausbreitete, erlangte das was man als »negativen Aspekt der Psyche« bezeichnen könnte, die Herrschaft über die Vernunft. Und eben das sollte den einst noch mentalen, fließenden Dualismus, in eine ganz kompromisslos getrennte Zweiheit überführen. Damit ist gemeint, was nicht mehr auf einer einstigen Ermittlung des aus einer Logik entstandenen Wahren basiert, sondern auf Rhetorik und einer damit einhergehenden Kunst des Überzeugens. Es schien da ein reines Argumentieren die einfache Fähigkeit zur Erkenntnis übertrumpfen zu wollen.

In den fünf Jahrhunderten nach der Renaissance begannen sich die Menschen eben einfach selbst immer wichtiger zu nehmen. Was sich seit dieser Zeit, aus ihrem Ich zu einer Person, eben einer »persona«, wörtlich also einer »Maskierung« des Seelischen, verhärtete, führte zu all dem was sich in den Kulturen des Abendlandes in der Verwissenschaftlichung der Welt äußern sollte. Das ging einher mit der damals einsetzenden Überheblichkeit eines Fremdartigkeit aufbürdenden Kolonialismus.

Wo man nichts mehr zu vermessen fand, da wollte man noch weiter in die Ferne vordringen, um dabei andere Länder und Kontinente als neuen Lebensraum zu erobern.

In dem Moment, da das Maßvolle vom Maßlosen der Ratio abgelöst wurde […] begann sich die Abstraktion in ihre äußerste Manifestationsform zu wandeln, die durchaus mit dem Begriff der Isolation beschrieben werden darf

- Aus Jean Gebsers Buch »Ursprung und Gegenwart«, Kapitel »Die mentale Struktur«

Und mit dieser Isolation scheint in unseren Tagen etwas immer weiter auszuarten, das mit einer zusätzlichen Rationalisierung, einer Abstraktion und letztendlichen Technisierung all unserer Lebensbereiche in Erscheinung treten wird.

Im Sinne einer übermäßig verstandesbetonten Rationalisierung seines Lebens, die man heute als Optimierung rechtfertigt, isoliert sich der Mensch zunehmend. Und diese Isolation geht keineswegs mit irgend geartetem Schutz einher, wird die Verbindung des Menschen mit seiner Außenwelt doch durch allerhand Hightech, nur immer mehr geteilt und weiter aufgespalten.

Das heißt, dass sich jene oben angedeutete mythische Axt des Hephaistos, sich heute anscheinend in unzählige moderne Technologien differenziert hat. Sie allerdings erschaffen, allegorisch gesprochen, den in winzige Teilstücke fragmentierten Gitterrost einer Gefängniszelle, worin sich der wahre Mensch zunehmender Bedrängnis ausgesetzt fühlt. Gemäß seiner Veranlagung aber, sich wegen Sinnesreizen dem Außen gegenüber zu öffnen, verschafft er indessen immer mehr Beklemmendem Zugang zu seinem Inneren.

So ist der Mensch nicht mehr aus sich selber heraus Mensch, sondern folgt abhängig, ist gezwungen sich gegebenen Bedingungen anzupassen – seien es neue Gesetze, neue Moden oder neue Technologien. Doch wohin soll das führen?

Also sprach Zarathustra: Denke, rede und handle gut

Also sprach Zarathustra: Denke, rede und handle gut

Lehre mich vor allem eines: dankbar zu sein für deine Güte, aber auch danken zu können für die geringsten Taten der Menschen gegen mich.

- Zarathustra

Zarathustra - ewigeweisheit.de

Eine der außergewöhnlichsten Religionen auf unserem Planeten ist der Zoroastrismus. Nicht nur ihre makellose Ethik macht sie so besonders: Auch ihre vielen Parallelen zum Christentum, lassen staunen.

Drei zoroastrische Priesterkönige kamen nach Bethlehem, um ihre geweihten Gaben, Josef, der Heiligen Mutter und dem neugeborenen Christuskind zu überreichen. Im zweiten Kapitel seines Evangeliums, spricht der Evangelist Matthäus von ihnen als den Magoi apo Anatolon – den Magiern aus dem Morgenland. Sie sollen ausgesprochen kluge Männer gewesen sein, Könige großer Weisheit.

Diese drei Weisen besaßen genaue Kenntnisse über die Himmelsbewegungen und erkannten das von Zarathustra prophezeite Zeichen am Nachthimmel: den Stern von Bethlehem – einen astralen Vorboten, der auf das Kommen des großen Weltlehrers hinweist.

Im Anfang war das Wort

Ihren Gott sahen diese orientalischen Priesterkönige im Allweisen Herrn Ahura Mazda – den einen und guten Gott. Sein Prophet war Zarathustra, der im ersten Jahrtausend vor Christus im alten Iran lebte und als Philosoph und Priester lehrte.

Zarathustras Gott Ahura Mazda, wurde jedoch nicht gezeugt, sondern existierte immer. Denn er ist ohne Anfang und ohne Ende. Er gab sich zu erkennen, als das vortreffliche, reine und zündende Wort, das im Anfang stand. Im Sprechen des Heiligen Wortes Ahuna Vairya, entstand die Welt. Und so existierte das Wort vor allem Anderen, das dereinst sein sollte.

Das war das Wort Ahuna Vairya, O Zarathustra, das ich dir verkündete, vor der Erschaffung des Himmels, vor dem Wasser, vor der Erde, vor dem Rind, vor der Pflanze, vor dem Feuer, dem Sohn Ahura Mazdas, vor dem wahrheitsgläubigen Menschen, vor den Devas wie den üblen Menschen, vor der gesamten stofflichen Welt, vor allem Guten von Mazda Geschaffem, die die Saat der Rechtschaffenheit sind.

- Yasna 19:3

Davon scheint ja ebenso das Evangelium Johanni zu künden: mit den griechischen Worten en arkhei en ho logos, »Im Anfang war das Wort«.

Auch im noch viel älteren, indischen Rigveda, lesen wir vom vach, dem alles durchdringenden Wort des Uranfangs.

Ewig heilige Flamme

Und so wie dieses Urwort Ahura Mazdas das Licht des Universums entzündete, so existiert bis heute das Licht jenes heiligen, leuchtenden Feuers fort: Atasch. Es gehört ebenso zu Ahura Mazda, wie das Licht zur Sonne gehört. Im Atasch sehen die Gläubigen, dass sie lebendig und untereinander verbunden sind.

Für dieses Licht des Atasch, brennen auf den zoroastrischen Feueraltaren, wie etwa im Tempel von Yazd, die Heiligen Flammen der Zarathustra-Priester, dem allweisen Ahura Mazda geopfert werden. Es sind die Flammen des Heiligen Feuers, dass nie erlöschen und durch nichts verunreinigt werden darf.

Der Gott Zarathustras

Es gibt einen Gott - den allmächtigen Ahura Mazda.
Er schuf diese Erde.
Er schuf diesen Himmel.
Er schuf den sterblichen Menschen.
Er schuf dem Menschen die Glückseligkeit.

- Aus dem Gandschname des König Darius, Keilschrift-Gravierung im Alvand-Gebirge

Ahura Mazda erschuf die wahre Reinheit Ascha, durch die er die kosmische Ordnung aufrecht erhält. Sowohl die moralische, wie auch die materielle Beschaffenheit der Welt, entstand durch das Ascha Ahura Mazdas. So ist er der Erschaffende, der Herrschende (Ahura), der Allwissende (Mazdao) und der, der durch Ascha, alles im Universum ordnete. Durch sein Handeln entstand die Welt und sein darin wirkendes, ewig-universales Weltgesetz.

Mit diesen Eigenschaften entspricht er auch dem vedischen Gott Varuna – dem Allumfassenden, den man in früh-vedischer Zeit als höchsten Gott verehrte.

Im Avesta, der Heiligen Schrift der Zoroastrier, werden die spirituellen Vorstellungen des Ahura Mazda, ganz klar dargestellt: sein Auge ist die Sonne, der Himmel sein göttliches Kleid, die Fluten seine Gemahlinnen.

Ahriman – der arge Geist

Dem lichtvollen, die reine Wahrheit verkörpernden Ahura Mazda, widersetzt sich der lügende Verderber Ahriman. Er ist jener, den die judeo-christliche Tradition als Satan bezeichnet. So ist er Verkörperung der bösen Mächte der Finsternis.

Nachdem Ahura Mazda, die Welt als Reich des Lichts vollendet hatte, griff Ahriman in die Schöpfung ein und verdarb sie.

Auch gegenwärtig wirkt er dem erschaffenen, eigentlichen Lichtreich Ahura Mazdas, durch seine finsteren Machenschafren entgegen. Um jeden Preis will er diese Welt zerstören. Im Kampf dieser beiden Licht- und Finsterniskräfte, ist die gesamte Geschichte der Welt begründet.

Doch dieser Kampf zwischen Gutem und Bösem, ist ja etwas, dem wir ja in eigentlich allen Religionen und Mythen begegnen.

So ist Ahriman auch identisch mit jenem »Alten Drachen« der Indo-Arier, der sich wiederum in alt-vedischen Schriften, als Schlangendämon Vritra personifiziert. Als dieser nämlich kämpft er gegen den Götterkönig Indra.

Jener Kampf zwischen dem lichtvollen Feuergott und dem Schlangendämon Afrasiab, begegnet uns als solcher auch in der Religion der Indo-Iraner.

Ebenso im griechischen Mythos finden sich diese entgegengesetzten Wirkprinzipien in hohen, göttlichen Wesen verkörpert. Da nämlich tötet der Lichtgott Apollon, die aus dem dunklen Schlamm geborene Schlange Python.

Nicht zuletzt finden wir eine ähnliche Symbolik auch im Kampf des christlichen Heiligen St. Georg gegen den Drachen.

Die Frucht des ewigen Lebens

Im Garten Eden, wie ihn das 1. Buch Mose (biblische Genesis) beschreibt, wuchs einst eine Wunderpflanze: der Lebensbaum, dessen Früchte ewiges Leben verleihen. Die Vorstellung von einem solch geheimnisvollen Gewächs, stammt aus dem alten Reich von Akkad und entwickelte sich dort lange bevor die Fünf Bücher Mose entstanden, vermutlich vor 5000 Jahren.

Damit ist das Bild vom Baum des Lebens bereits uralt und zeitlich kaum noch zu bestimmen. Vermutlich entstand die Idee von einem Leben spendenden Gewächs nämlich bereits in einer Zeit, als sich die Menschen ausschließlich von den Früchten der Bäume ernährten. Damit war der paradiesische Lebensbaum also eine Pflanze gewesen, auf dem für die Menschen lebenswichtige Nahrung wuchs.

Diese alte Vorstellung wurde von den Assyrern dann in ihr Glaubenssystem aufgenommen, die es dann an die Babylonier weitergaben, bis es schließlich von dort zu den alten Persern kam – den Urahnen Zarathustras.

Das Heilige Opfer

Wie die biblische Genesis aber weiter erzählt, wuchs in Eden ein Baum mit verbotenen Früchten: der Baum der Erkenntnis von Gutem und Bösem. Die Schlange verführte Eva und versprach, dass ihr die »Augen aufgingen«, sobald sie von diesen Früchten esse. Was für ein Baum war das? Wuchsen auf ihm vielleicht Früchte, deren Samen psychedelische, bewusstsein-erweiternde Substanzen enthielten?

Im zoroastrischen Feuerritual, nehmen die Priester den heiligen Haoma-Trank ein. Diesen magischen Trank bereiten sie wohl aus den Samen der Ephedra (Meerträubel), sowie Zweigen und Blättern des Granatapfelbaumes. Naheliegend ist, dass wer die Essenz dieser Samen einnimmt, in einen rauschartigen Zustand eingeht, enthalten Ephedra-Samen doch das psychoaktive Alkaloid Ephidrin.

Mit dem Saft dieser Ephedra-Samen, könnte darum auch das gemeint sein, was im Zoroastrismus mit dem Namen »Gaokerena« bezeichnet wird: dem Saft einer magischen Pflanze, der das Elixier des ewigen Lebens enthält.

Einer alt-persischen Legende nach, brachte der heilige Vogel Simurgh die Samen der Haoma-Pflanze auf die Erde. Er flog von seinem Nest auf dem Gipfel des Berges Alburz, hinauf ins himmlische Paradies, wo er in Mitten des Meeres Vourukascha, von den Zweigen eines riesigen strahlend-weißen Baumes brach.

Gewiss besteht im Haoma-Ritual eine Ähnlichkeit zum vedischen Ritus und dem dabei eingenommenen Soma.

Was später in der heiligen Eucharistie mit der Einnahme des gesegneten Weines und Brotes erfolgte, weist gewisse Parallelen zum Haoma-Ritual auf. Denn in ähnlicher Form werden beim zoroastrischen Feueropfer den Priestern Haoma und kleine, gesegnete Kuchen den Gläubigen zur Einnahme gereicht.

Vom Kommen der Endzeit

Eine der charakteristischen Züge persischer Religion ist die Vorstellung vom Nahen der Endzeit. Seit dem Ableben des Propheten Zarathustra, fürchtet man sich vor einer kommenden, großen Weltkrise, in die sich die gesamte Menschheit begibt – etwas das besonders heute bedrohlich aufzudämmern scheint. Nicht aber dachte man, dass mit dem »Ende der Welt« alles schlimmer würde, sondern wusste vielmehr um die Erneuerung der selben.

Mit diesen großen Ereignissen, werden die Erretter der Menschheit erscheinen, Nachfahren des großen Zarathustra. Mit ihnen werden die Toten auferstehen. Ein von einer Jungfer geborener Erlöser werde erscheinen: der Saoschyant – Sohn der Eredat-fedhri, der »Siegreichen Helferin«:

Wir verehren den wachenden Geist (Faravahar) des rechtschaffenen Erlösers (Astvatereta). Er wird ein siegreicher Erretter (Saoschyant) sein und sein Name wird Fleisch gewordene Rechtschaffenheit (Astvatereta) sein. Ihn soll man nennen den Gütigen, den Heiland, denn er wird das Gute bringen, wird alle Fleisch gewordene Welt erretten. Ihn soll man nennen die Fleisch gewordene Rechtschaffenheit (Astvatereta), denn als solcher, begnadet mit mit Lebenskraft, wird er als Unverweslicher dem Teufel (Druj) widerstehen, mit seiner zweibeinigen Nachkommenschaft, um zu widerstehen den Bösen Taten der Gläubigen.

- Aus dem Hymnus an den Schutzengel, Yascht 13:128-129

Faravahar - ewigeweisheit.de

Faravahar: das wohl am meisten verwendete Symbol zur Kennzeichnung der zoroastrischen Kultur

Mit dem Auftreten des Saoschyant werden die Lebenden unsterblich, ihre Leiber verklärt, so dass sie als schattenlose Körper wandeln.

Solch Vorstellungen sind gewiss Vorausahnungen von etwas, das dereinst ja auch im Neuen Testament auftauchte. Denn auf ähnliche Weise prophezeiten Johannes der Täufer und Jesus von Nazareth, vom Kommen eines himmlischen Königreichs. Der Heilige Paulus von Tarsus glaubte gar, dass er noch zu seinen Lebzeiten diesen Neubeginn des Guten erlebe. Die Toten, in Gott ruhenden, würden zu neuem Leben erweckt, ihre fleischlichen Körper verklärt und unsterblich.

Doch nicht allein im Christentum existiert solch eine Vorstellung. Eigentlich in allen Traditionen auf der Erde, hegte man den Glauben an eine kommende Welt, eine Zeit der Seligen, eine lichtvolle Zukunft für die Menschheit.

Ob nun die alten Griechen, Ägypter, Hindus, die alten Kelten oder Germanen: der Glaube der Menschen der Antike bezeugt dieses große Ereignis. Dann werden die Guten für ihre Wohltaten belohnt, die Bösen aber für ihr übles Handeln bestraft. Wahrheit wird über Unwahrheit siegen und alles Übel in der Welt zerstört.

Daher sollte jeder Mensch nach dem Guten streben, damit die Menschheit sich selbst perfektioniere und sich am Ende die Welt erneure – in vollkommener Wahrheit und im Licht reiner Güte. So werde ein Reich vollkommener Souveränität nahen, ein gelobte Land der Reinheit und des Friedens.

Daher wies der Prophet Zarathustra die Gläubigen an, stets gut zu denken, gut zu sprechen und gut zu handeln.

Der wachende Allgeist Faravahar

Für diese drei Grundprinzipien der Güte, steht im Zoroastrismus der Faravahar, ein Schutzgeist oder Schutzengel, der den Menschen während seines Lebens begleitet.

Das Symbol für den Faravahar, der auch manchmal »Frawaschi« genannt wird, ist einer, der ein geflügeltes Fahrzeug lenkt. Zahlreiche Reliefs in der altpersischen Stadt Persepolis, zeigen diese Figur.

Es wird bewusst als Mensch dargestellt, was gewiss als Verweis auf das menschliche Denken, den humanen Geist hinweisen soll. Der Bart dieser Person verweist auf die Reife und Weisheit, die ein jeder Mensch in seinem Leben erstreben sollte. Das er die rechte Hand erhebt, verweist er auf rechtes Streben in allen Handlungen, in allem Sprechen und Denken.

Wer sein Denken, sein Sprechen und Handeln geläutert hat, den beflügelt die Kraft seines Faravahar. Wohl daher die Schwingen des Bildes.

Im Erfüllen der genannten drei Prinzipien des Guten, kann sich ein Mensch seinem Schutzgeist nähern, wird sich seines persönlichen Schutzengels bewusst.

Und was bedeutet gut zu denken, gut zu sprechen und gut zu handeln? Nur wessen Geist von Unwissenheit getrübt und mit Unwahrheit belastet ist, dessen Sprache ist durchdrungen von Lüge und entsprechend schlecht sind seine Handlungen.

Der Faravahar aber ist wissend und sein Geist gleicht dem Licht Ahura Mazdas. Wer daher sein Denken läutert, wird auch in Wahrheit sprechen und sein Handeln in Harmonie bringen mit dem Guten.