Baum des Lebens

Die Reise des Helden – Eine Meditation über die 22 Archetypen

von S. Levent Oezkan

Mit dieser kleinen Geschichte, möchte ich Sie mit den 22 Archetypen der Trumpfkarten im Tarot (Große Arkana) vertraut machen. In den Tarot-Trümpfen sind die Weisheiten über den Lebensweg des Menschen verewigt. Manche sagen, die Bilder stammen aus dem ägyptischen Altertum, wo sie im Hu-Ka-Ptah-Tempel die Hallenwände zierten. Dorthin aber sollen sie aus dem untergegangenen Atlantis gekommen sein.

Die Tarot-Symbolik der Großen Arkana kam später wahrscheinlich über den Mittelmeerraum nach Europa. Gezählt werden die Karten von 0 bis 21, wobei die 0 dem Narren entspricht. In der Reise des Helden steht der Narr für das kindliche Selbst. Es ist die Reise Narren durch 21 Stufen der Selbst-Transformation. Indem er sie durchlebt, wird er vom Narren zum Helden, vom Deppen zum Weisen. Die Reise des Helden ist die Reise der Seele. In einem menschlichen Körper bewegt sie sich über die Erde.

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0 - Der Narr

Der Narr (0) hat noch keine wirkliche Vergangenheit. Er ist noch ein Junge, neu in dieser Welt, unwissend und unerfahren. So aber beschwert er sich nicht. Sein Leben nimmt er leicht. Seine Leichtigkeit gleicht manchmal aber Leichtsinnigkeit. Er handelt noch unvernünftig, da er sich der Gefahren und Risiken nicht bewusst ist, die ihm auf seiner Reise durch die Welt begegnen können.

Die 21 Stationen, die er auf seiner Reise, bis zu seiner Vollendung (Volljährigkeit) durchschreitet, verlaufen entlang der Pfade im Kabbalistischen Lebensbaum. Zu Beginn seiner Reise, steht er im Lebensbaum zwischen den ersten beiden göttlichen Emanationen: dem Angesicht Gottes (Kether) und der Weisheit Gottes (Chokmah). Sein Weg ist die Reise der menschlichen Seele, die stets durch zwei Emanationen Gottes ihre Erfahrungen macht. Die Wege, auf denen sich der Narr bewegt, entsprechen den 21 Pfaden, die ja jeweils zwei Sefiroth (Sphären von 1-10 im Kabbalistischen Lebensbaum) miteinander verbinden. Sie alle durchwandert die menschliche Seele-  im Himmel beginnend, bis sie am Ende ihrer Reise auf der Erde ankommt, und auf Erden inkarniert als menschliches Wesen. Es ist ein Zyklus der sich stets wiederholt, bis schließlich auch der menschliche Körper so sehr mit der Erde verbunden ist, dass er letztendlich selbst wieder zu Erde wird, stirbt und die Seele wieder entweicht.

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I - Der Magier

Die erste Person, die dem Narren auf seiner Reise begegnet, ist sein himmlischer Vater: der Magier (I). Er entspricht dem männlichen Teil seines spirituellen Selbst. Er zeigt ihm, dass alles möglich ist - wie im Himmel, so auf Erden - alle Erscheinungsformen entstehen durch seine bewusste Intelligenz.

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II - Die Hohepriesterin

In den Sphären des Magiers trifft er auch seine himmlische Mutter, die Hohepriesterin (II). Sie ist der weibliche Teil seines spirituellen Selbst. Als Hüterin der Geheimnisse, waltet sie über das stille Wissen seines Unterbewusstseins. An dieses Wissen gelangt er sobald er gelernt hat, reflektiert zu denken und zu handeln.

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III - Die Kaiserin

Dann begegnet er der Kaiserin (III) - sie gleicht einer irdischen, gütigen und fürsorglichen Mutter. Sie ist das weibliche Prinzip des physischen Selbst. Auf weltlicher Ebene verkörpert sie die Göttin des Erdreichs (vgl. Demeter, griechische Göttin der Landwirtschaft). Sie ist das Tor das sich ins Königreich der Erde öffnet. Die Kaiserin steht für das Urweibliche (vgl. Schekinah in der Kabbala), ist der weibliche Aspekt Gottes auf Erden.

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IV - Der Kaiser

Für das männliche Prinzip seines physischen Selbst, steht der Kaiser (IV), Symbol für Vernunft, Klarheit, die Einhaltung bestimmter Pflichten im Leben, das Befolgen des gesellschaftlichen Rechts, steht für Regeln und Gesetze. Da stellt sich die Frage: Ist nicht erst durch diese Attribute überhaupt Leben auf der Erde möglich?

Auf dieser Stufe versteht der Narr, dass er auch seine persönlichen Rechte verteidigen muss. Er wird aufgefordert zu handeln.

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V - Der Hierophant

In die Geheimnisse von Himmel und Erde wird der Narr eingeweiht durch den Hierophanten (V). Er ist das männlich-irdische Pendant zur himmlischen Hohepriesterin (vgl. Hierophant, griech. Begriff für den Hohepriester im Demetertempel zu Eleusis, der höchster Priester Attikas war; er weihte die Adepten in die heiligen Mysterien ein). Der Hierophant hütet die Schlüssel zur Himmelspforte und lehrt, wie man die Welt betrachten kann.

Neues Wissen macht den Narren nun neugierig. Er möchte mehr erfahren, als ihm bisher mitgeteilt wurde und spürt, wie schon einst, dass es Geheimnisse gibt, die er lüften möchte. All das um sich selbst zu erkennen.

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VI - Die Liebenden

Während er seine ersten erotischen Erfahrungen macht und zum ersten mal in seinem Leben das Gefühl eines Liebenden (VI) erfährt, erleuchtet in seinem Bewusstsein ein neues Licht (vgl. Venus, Göttin der Liebe, wie auch Morgen- und Abendstern), dass ihn dazu führt vom Apfel der Erkenntnis zu kosten. Doch diese Tat verbannt ihn aus seiner vertrauten Welt. Jetzt muss er das paradiesische Leben, das ihm Bekannte und Vertraute für immer verlassen. Der Narr muss sich jetzt weiter vervollkommnen - nur so kann er reifen. Doch der Preis den er dafür bezahlt, ist ihm noch unbekannt.

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VII - Der Wagen

Also macht sich der Held auf den Weg. In seinem Wagen (VII) stehend, ziehen ihn zwei Sphinxe (vgl. Sphinx als Tochter des Ungeheuers Typhon und Schwester der Hydra aus der griech. Mythologie) - eine schwarze und eine weiße. Beide ziehen in verschiedene Richtungen. Er muss lernen sie zu führen, sonst dreht er sich im Kreis. Beide Kräfte wollen als gleichwertig anerkannt werden. Nur so kann der Narr sich vorwärts bewegen. Sie symbolisieren widerstrebende Kräfte im Leben, stehen für die Gegensätze von Licht und Finsternis, Gut und Böse, Leben und Tod, Himmel und Hölle, Erfolg und Versagen: alles was unser physisches Sein in unserem Leben erzwingt. Der Held muss sich seiner Absicht absolut bewusst sein, muss diese sich wiederstrebenden Kräfte bündeln, muss sie unterwerfen und sich zu Nutze machen.

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VIII - Kraft

So ziehen ihn die Sphinxen also auf seinem Wagen. Er bewegt sich damit direkt zur nächsten Station: Kraft (VIII). Er weiß nun wie er seinem Willen und seinen gerichteten Kräften in der physischen Welt zur Wirkung verhelfen kann. Großes Selbstvertrauen steigt in ihm auf. Er glaubt an sich und hat nun die irdischen und spirituellen Kräfte erkannt und gelernt, wie er diese aktivieren und einsetzen kann. Aufgaben und Herausforderungen, die ihm einst unlösbar erschienen, entlarvten sich als einfach, fast schon belanglos. Es ist kein großer Kraftaufwand mehr nötig. Vielmehr entsteht wahre Kraft, wenn man mit der rechten Absicht, am rechten Ort, zur rechten Zeit ist. So lassen sich unverhältnismäßig große Kräfte unter Kontrolle bringen und im Zaum halten.

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IX - Der Eremit

Neue Erfahrungen führen den Narren weiter. All das Erlernte und all die Fähigkeiten, die er sich auf seiner bisherigen Reise angeeignet hat, muss er jetzt aber verinnerlichen. Dafür begibt er sich in die Abgeschiedenheit. Er wird zum Eremiten (IX) und versenkt sich im Geiste, denkt nach über seine gemachten Erfahrungen. Es ist ihm nun klar, dass je nach seinem Handeln, die Dinge in sein Leben kommen, oder das er die Dinge so belässt, wie sie nun einmal sind. Verlust und Zugewinn sind ihm also gleich. Sie wirken nicht mehr auf ihn. Auch seine Gedanken, seine Gefühle und die lebendigen Kräften seines Körper beobachtet er gleichgültig. Alles weltliche Verlangen hat an Bedeutung verloren. Was jedoch zunimmt ist das Vertrauen in die Natur und die Verbindung mit Gott.

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X - Das Rad des Schicksals

Nun kann er sich am Rad des Schicksals (X) seiner göttlichen Bestimmung überlassen. Alles unterliegt dem Einfluss der Mächte des Unbewussten und des Karmas (das spirituelle Konzept, nachdem jede Handlung unweigerlich eine Folge hat). Er übergibt sein Leben der himmlischen Fügung, lässt vollständig los, lässt sich fallen, übergibt sich der göttlichen Vorsehung. So wird der weitere Verlauf seines diesseitigen Lebens von höheren Mächten bestimmt. Seine Handlungen aus der Vergangenheit und seines vorherigen Lebens, werden durch seine guten Taten in der Gegenwart und durch das damit verbundene Herzempfinden dazu beitragen, sein Karma abzubauen. Das gelingt ihm nur, wenn er sich auf den Pfad der Gerechtigkeit (XI) begibt.

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XI - Gerechtigkeit

Doch was waren das für Kräfte, auf die er keinen Einfluss hatte? Haben sie sich vor ihm durch seine bisherige Sichtweise verborgen? Wie kommt er seinem wahren Selbst jetzt näher? Wie kann er diese Kräfte entschleiern? Kann er sein Karma erkennen lernen?

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XII - Der Gehängte

Ja! Er muss zum Gehängten (XII) werden! Das ist einer, der die Welt kopfüber sieht. Alles was gut war ist jetzt schlecht - aller Schaden wird nun als Nutzen erkannt. Hier wird ihm die Möglichkeit gewahr, dass sich eigentlich alle Unklarheiten auflösen könnten, betrachtete er die Dinge aus einem anderen Blickwinkel. So würden die Dinge vollkommen neue Form annehmen. Doch jetzt wird alles in seinem bisherigen Leben vollkommen in Frage gestellt.

Was macht jetzt noch wirklich Sinn?

Was von all dem Alten behält Bedeutung, was verliert an Relevanz?

Was davon erscheint jetzt sinnlos?

Er muss dieses, sein altes Leben beenden, um weiterreisen zu können. Das Erlernte, das in der Vergangenheit Kräfte zu Wirkungen umwandelte, ließ ihn an diesen Punkt kommen. Er soll muss »sterben« um leben zu können - muss sein gesamtes altes Wissen abstreifen.

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XIII - Der Tod

Tod (XIII) und Wiedergeburt, welche man jeden Atemzug erfährt, lassen ihn lernen und leben.

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XIV - Mäßigkeit

Dies verhilft ihm an neues Wissen zu gelangen und dadurch die Dinge in Mäßigkeit (XIV) in Balance zu bringen, sie auszugleichen, Vorgänge und Gegenstände in seiner Welt, nach seinen Wünschen gestalten und formen. Erfolgt all das in Mäßigkeit, so haben daran auch die Menschen teil, die ihn umgeben.

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XV - Der Teufel

Da der Narr aber einen Körper hat, halten ihn seine leidenschaftlichen Triebe in Gang. Doch ohne sie könnte er nicht leben: seine Triebe treiben ihn an! Nur können sie ihn auch in finstere Abgründe treiben. Dann werden aus körperlichen Freuden, folternde Martern. Der Teufel (XV) zwingt sie ihm auf. Er aber ist es auch, der das Licht bringt (vgl. Luzifer, der Lichtbringer, der Lichtträger), dass in der Dunkelheit scheint. In der Finsternis kann er das neue Lebenslicht erkennen und für sich gewinnen. Solange er sich immer wieder durch seine Körperlichkeit mit dem Irdischen verbindet, bleibt er in Bewegung. Er muss sich also der Erde unterwerfen, um nicht abzuheben und wie ein Blatt im Wind dahin zu treiben.

Trotzdem bleibt all das ein Widerspruch, denn dieses Handeln schadet unserem Narren - doch es nützt ihm gleichzeitig! Wie kann das sein? Er bemerkt langsam, dass sein freier Wille begrenzt ist, sein Handeln und seine Erfahrungen werden durch die natürlichen Kräfte im Außen gelenkt und beeinflusst. All das geschieht, um das Karma in seinem Leben auszugleichen.

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XVI - Der Turm

Da er vom Apfel der Erkenntnis kostete, möchte er diese Tatsache nicht akzeptieren und versucht sich gegen das göttliche Wirken aufzulehnen. In übermütigem Stolz möchte er Gott gleichkommen – mit Gott auf einer Stufe stehen. Drum hatten Narren wie er, zuvor versucht den Turm (XVI) in Babylon zu erbauen. Er sollte bis hoch in den Himmel ragen (vgl. Altes Testament, Genesis 11, 1-9).

So wie sich der Narr nicht unendlich in die Tiefe zum Teufel begeben konnte, ebenso wenig kann er sich unendlich in himmlische Höhen zu Gott begeben. Sein menschliches Handeln ist eben begrenzt. Darum kommt es jetzt zum großen Scheitern: totaler Zusammenbruch.

Die Kunst, die er einst erlernte, wird durch dieses tabula rasa, zu einem neuen Handeln transformiert, dass in Wechselwirkung ist mit der Natur und der Welt des Lebendigen. Er ist sich der Grenzen seines Seins, seines Denkens, Fühlens und Handelns nun vollends bewusst.

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XVII - Der Stern

Seine Reise geht nun weiter - steht unter einem guten Stern (XVII). So wie der Morgenstern den Anbruch des neuen Tages ankündigt, so wird ihm das neu Erfahrene helfen, in seinem Fortschreiten zu reflektieren und die tierischen Urkräfte in seinem Innern wachzurufen. Das Irdische, das Klare, Geerdete, wird mit der Gefühlswelt in Verbindung treten. Jetzt kann der Narr das weibliche, aufnehmende Prinzip verinnerlichen. Dafür steht der Mond (XVIII). Er reflektiert das Licht der Sonne. Im Mondlicht kommen Dinge zum Vorschein, die sonst verborgen sind.

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XVIII - Der Mond

Nun hat er die Reise in die inneren Welten vollzogen und steht im strahlenden Licht, der kraftvollen Energie der aufgehenden, lebenspendenden Sonne (XIX). Er selbst strahlt Klarheit, Vertrauen und Lebensmut aus - ist kurz vor seinem Ziel.

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XIX - Die Sonne

So wie ihm einst Tod und Wiedergeburt begegneten, steht ihm jetzt, genau wie allen anderen, die sich auf der Reise befinden, ein gemeinsames, schicksalhaftes großes Ende bevor: Das jüngste Gericht (XX) - die Erlösung. Es ist das Ende seiner bisherigen Welt. Aber auch diese Welt wird durch ihren Untergang erneuert. Der Phönix verbrennt und wir aus seiner eigenen Asche neu geboren! Durch die Zerstörung der alten Welt bekommt sie eine chaotische, neue Einheit und Ordnung.

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XX - Das Gericht

Schließlich erlangt er den Sieg - gemeinsam mit allen anderen wiedergeborenen Seelen. Nun ist aus dem Narren ein Held geworden, jemand der die frohe Botschaft verkündet, dass alle Menschen in dieser Welt (XXI) am Ende ein gutes Leben haben werden.

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XXI - Die Welt

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ROTA TARO ORAT TORA ATOR

von S. Levent Oezkan

In grauer Vorzeit verewigte eine geheimnisvolle Priesterschaft uralte Bildsymbole auf Steintafeln, um sie während der Katastrophe von Atlantis vor den Meeresfluten zu retten: Das Tarot. Neben anderen Relikten waren die Bilder des Tarot wenige der gebliebenen Urkunden einer Zivilisation, die wahrscheinlich vor 14.000 Jahren im Atlantik versank. Das ist der Mythos über den Ursprung des Tarot, der sich in esoterischen Kreisen bis heute erhalten hat.

Als Kartenspiel tauchte das Tarot im 14. Jhd. wieder auf. Doch nur für kurze Zeit, da der Klerus Spielkarten als Teufelswerk verbot und so versank das Tarot wieder im Untergrund. Erst mit der Aufklärung im 18. Jhd. kamen die Bilder als Kartenspiel in verschiedenen europäischen Städten wieder in Umlauf.
In dieser Zeit lebte in Paris ein Schweizer Theologe und Freimaurer: Antoine Court de Gébelin (1719-1784). Man nennt ihn heute den "Vater des esoterischen Tarot".
Für Gébelin war das Tarot eine Sammlung uralter Symbole, die aus dem ägyptischen Alexandria nach Europa kamen. Dort sollen sie vor ungefähr 2.000 Jahren aus den Regalen der brennenden Bibliothek von Alexandria nur knapp ihrer Vernichtung entgangen sein.

Court de Gébelin - ewigeweisheit.de

Antoine Court de Gébelin - Vater des "Esoterischen Tarot"

Das Buch des Thoth

Für Gébelin war das Tarot eine Nachbildung des geheimnisvollen Buches des Thoth. Im alten Ägypten war Thoth der Gott der Weisheit, der Magie, der Schrift und der Wissenschaften. Sein Buch enthielt gemäß Gébelins Behauptung besondere Bildtafeln der Initiation, die den Hermespriestern gegeben wurden, um sie in die hermetischen Lehren einzuweihen (Hermes, griechisch, und Thoth, ägyptisch, sind identische Götter).
Mit solchen Geschichten traf Gébelin natürlich den Nerv der Zeit, denn jeder wollte die Bilder dieses außergewöhnlichen und kostbaren Buches kennenlernen. Die Neugierde vieler seiner französischen Zeitgenossen galt allem was mit dem antiken Ägypten zu tun hatte.

Gébelin sah die Tarotkarten zum ersten Mal im Hause eines Freundes in Paris. Nachdem er von ihm erfuhr, dass das Spiel mittlerweile in vielen Städten Europas bekannt war, bewog dies Gébelin seine wahre Herkunft zu ergründen. Nach intensiven Recherchen gelangte er zur Auffassung, dass sich in den Tarotbildern die Schlüssel zur Weisheit und den okkulten Kräften der Alten Welt befinden. Diese Theorie fand zahlreiche Unterstützung.

Das Rad des Tarot

Gébelin sah in dem Namen Tarot das altägyptischen Wort Tarosh: "Ta" der König und "Rosh" der Weg - also ein Königsweg der Erkenntnis und Einweihung.
Für solch einen Königsweg steht im großen Arkanum des Tarot die 4. Karte: Der Kaiser (auch: Der Herrscher), der in den kleinen Arkana durch die vier Hofkarten vertreten wird – bei Edward Arthur Waite betitelt als König, Königin, Ritter und Bube, während sie bei Crowley als Ritter, Königin, Prinz und Prinzessin genannt werden.
Jede Hofkarte erscheint in vier Tarotfarben, nämlich den Stäben, den Kelchen, den Schwertern und den Münzen, die ihrerseits wieder einem alchemistischen Element zugeordnet sind: Feuer, Wasser, Luft und Erde. Da die Tarotsymbolik einen engen Bezug zur Astrologie hat, korrespondieren die vier Tarotfarben mit den vier Kardinalzeichen der Sonnenstationen:

Kreuz im Kreis, Symbol der Erde - ewigeweisheit.de

Das Kreuz im Kreis - Symbol der Erde.

  • Stäbe mit dem Widder der dem Feuerelement zugeordnet ist, während
  • Kelche dem Krebs entsprechend das Wasserelement repräsentieren,
  • Schwerter mit der Waage korrespondierend dem Luftelement entsprechen und
  • Münzen (Pentakel) dem Steinbock und dem Element Erde zugeordnet sind.

Die Sternzeichen bilden im jährlichen Sonnenzyklus vier Punkte, die mit einander verbunden ein Kreuz in den Erdkreis zeichnen und diesen in die vier Jahreszeiten unterteilen. Ab dem Zeitpunkt, an dem die Sonne in das Sternzeichen Widder eintritt, findet die Frühlingstagundnachtgleiche statt, mit dem Krebs die Sommersonnenwende, mit der Waage die Herbsttagundnachtgleiche und schließlich die Wintersonnenwende mit dem Steinbock. Die Zahl Vier bildet ein astronomisches Verhältnis der Himmelsbewegungen von der Sonne zur Erde. Dieses Gesetz kannte man auch im alten Ägypten. Die Sonnenstationen zeichnen auf der Erde den jährlichen Agrarzyklus: Aussaat, Durchbruch der Sprossen, Reifung und Ernte. Im alten Ägypten war das Einsetzen der Nilflut der Höhepunkt im landwirtschaftlichen Jahreskreis, da sich mit ihr fruchtbarer Ackerschlamm über die Felder ergoss. Die Flut ereignete sich jedes Jahr im Sommer zur Zeit des heliakischen Aufgangs des Sirius, dem die 17. Karte, "Der Stern" entspricht.

Der Stern im Tarot - ewigeweisheit.de

Der Tarot-Trumpf Nr. 17: Der Stern.

Man sieht auf dieser Karte einen großen Stern, der von 7 kleinen Sternen umgeben ist, unter dem ein Fluss hindurchläuft und ein junges Mädchen Wasser über das Land gießt. Dieses Mädchen ist die Göttin Hathor - die Tochter des ägyptischen Sonnengottes. Hathor nannte man im Ägypten die "Herrin der Sterne". In alten Hieroglyphentexten wurde sie häufig als Kuh dargestellt und war Göttin der Feuchtigkeit. Von Hathor kam der Regen, der die Quellflüsse Weißer und Blauer Nil füllte und so das Ansteigen des Flusspegels in Unterägypten bewirkte (auf der rechten Seite der Tarotkarte "Der Stern" deuten die Rinnsale das Nildelta an).

Als "Himmelsgöttin des Westens" war Hathor die Wächterin am Eingang zur Unterwelt, wodurch die Sonne jeden Abend verschwand. Für die Ägypter war es der Eingang der Seelen, die in einer Nachtmeerfahrt den Geschmack der Körperlosigkeit probierten und schließlich mit der Sonne jeden morgen im Osten zurück kehrten. Für diesen ewigen Kreislauf steht im Tarot das "Rad des Schicksals" (auch: "Glücksrad").

Über die esoterische Bedeutung des Wortes Tarot

Verschiedene Riten und Gebräuche prägten den Staatshaushalt der altägyptischen Agrarkultur bis in die Zeit des Neuen Reichs (16. bis 11. Jh. v. Chr.). Sie wurden zu Ehren lokaler Gottheiten gepflegt. Mit Pharao Tutmosis I. wurde als Sonnen- und Fruchtbarkeitsgott Amun-Ra eingeführt. Fünf Generationen später schaffte Echnaton (Amenhotep IV.) den Vielgötterglaube ab. Er erhob die Sonnenscheibe Aton zum höchsten und einzigen Gott der Ägypter – das war die Geburt des Monotheismus.

Der Okkultist Edward Arthur Waite, wie auch der Psychiater Sigmund Freud, sahen den jüdischen Monotheismus als das durch Moses vermittelte Erbe der Religion Echnatons. Mit den Nachfahren Moses kam dieser Eingottglaube nach Palästina. Aus dem ägyptischen Gottesnamen "Aton" entwickelte sich vermutlich der jüdische Name "Adon", aus dem wiederum der Gottesname "Adonai" entstand: "Mein Herr" (Adon = Herr).
Der Gottesname Adonai wird seinerseit verwendet um den vierbuchstabigen "unaussprechlichen Namen des Herrn" JHVH (Tetragrammaton) zu benennen (JHVH wir gesprochen "Jod-Heh-Vaw-Heh", hebräisch יהוה), auch bekannt als "Jehova" oder "Jahve". Kabbalistisch entsprechen den vier Buchstaben des JHVH die Elemente Feuer, Luft, Wasser und Erde.

Die Rad des Schicksals im Tarot - ewigeweisheit.de

Der Tarot-Trumpf Nr. 10: Das Rad des Schicksals. Es weist prinzipielle Ähnlichkeiten mit dem fernöstlichen Kalachakra auf - dem Rad der Zeit. Außerdem erkennt man bei genauerem Hinsehen auf dieser Karte auch die vier Buchstaben T-A-R-O, sowie die hebräischen Buchstaben des Tetragrammaton.

Aus der Sonnenzahl Vier erhalten wir durch theosophische Addition die Zahl Zehn, da 1 + 2 + 3 + 4 gleich 10 ist. Zehn "Früchte" wachsen auf dem kabbalistischen Lebensbaum (siehe Abb. am Ende dieses Artikels). Im Tarot heißt die 10. Karte "Rad des Schicksals", auf dem in den vier Ecken die vier Evangelisten Markus, Johannes, Matthäus und Lukas als Tetramorph abgebildet sind. In der Mitte der Karte sieht man ein Rad, das die vier hebräischen Buchstaben י ה ו ה enthält – wie wir oben gesehen haben, ist dies der wichtigste Gottesname im jüdischen Glauben.
In diesem drehenden Lebens- und Sonnenrad platzierte Waite außerdem noch die Buchstaben des Wortes "TAROT". Da der Name mit einem T beginnt und mit einem T endet, kann er in einen Kreis gestellt, auch nur mit einem T geschrieben werden. So ergibt sich das Bild, dass Waite als die vier lateinischen Buchstaben T A R O mit den vier Buchstaben des Gottesnamens י ה ו ה auf der 10. Karte in ein Kreuz im Kreis zeichnen ließ: das hermetische Sonnenkreuz (bei genauem Hinsehen, finden wir darin auch die Symbole der drei philosophischen Elemente Sulphur, Mercurius und Sal, sowie das astrologische Zeichen des Wassermanns). Inspiriert vom französischen Renaissancegelehrten Guillaume Postel, entwickelte Waite in Anlehnung an Gébelins Königsweg, gemäß der fünf Bücher Moses aus TARO ein Anagramm aus fünf Wörtern:

ROTA TARO ORAT TORA ATOR

Daraus leitete Waite für jeden der vierbuchstabigen Worte, ihrer Lautform gemäß, besondere Bedeutungen ab:

  • ROTA auf lateinisch "Das Rad", ein Begriff für das höchste römische Gericht des Papstes, der im Tarot durch die 5. Karte repräsentiert wird "Der Hierophant".
  • Das göttliche Gesetz steht in Zusammenhang mit Fortuna, der römischen Glücksgöttin, die günstige oder ungünstige Ereignisse hervorbringt. Damit entsprechen die vier Buchstaben des TARO dem "Spiel des Glücks", dem Tarot selbst.
  • Das Wort ORAT ist das lateinische Partizip von "oro", das für das "anbeten" oder die Befragung eines Orakels steht: "weissagen".
  • Die TORA ist das heilige Buch des Judentums (hebr. תורה), das "Gebot", die "Weisung".
  • ATOR ist ein Synonym der altägyptischen Fruchtbarkeitsgöttin Hathor, die, wie wir oben gesagt haben, auch die Einweihung in die Mysterien des Todes verkörpert.

Der Satz ROTA TARO ORAT TORA ATOR kann vielfältig gedeutet werden, denn es gibt mehrere Auslegungsmöglichkeiten. Man kann ihn allgemein mit folgendem Wortlaut übersetzten:

"Das Rad des Tarot weissagt das Gebot der Einweihung"

Man könnte diesen Satz auch als Urteil des göttliches Gerichts deuten, das uns durch die Bilder des Tarot in unser eigenes Schicksal einweiht.

Der Magier im Tarot - ewigeweisheit.de

Der solare Ritus im Tarot

Unser Schlaf- und Wachrhythmus, unsere Ernährung, die damit erzeugte Körperwärme, resultieren letzten Endes alle aus dem Wirken des Sonnenlichts. Menschen aßen schon immer die Pflanzen, die der Jahreszeit gemäß wuchsen. In größerer Gemeinschaft lebend, entwickelten sich vor etwa 10.000 Jahren die ersten Ackerbaukulturen (im Übrigen bedeutet das lat. Wort cultura, Ackerbau) und die damit begangenen Feste der Aussaat und Ernte.
Und da das Wachstum der Pflanzen immer mit der Sonnenphase in den Jahreszeiten zusammenhängt, glaubten die alten Menschen, dass dies ein Vorbild auch für das menschliche Seelenleben sei.
Die Sonne wurde deshalb als Stellvertreterin des in unserem Körper befindlichen Seelenfunken angesehen. Dieser Lichtsame in uns stellte für die alten Menschen das inkarnierte Selbst dar, das in unserem geistigen Herzen verborgen liegt –, der mikrokosmischen Sonne unseres Körpers. Alle Adepten, Avatare und Herabgestiegenen waren immer irdische Repräsentanten dieses Sonnengeheimnisses gewesen, die durch ihren eigenen Lebens- und Leidensweg die solaren Seelenfunken des einzelnen Menschen und ganzer Völker aus der Schale des Körpers zu lösen versuchten. So rettete in der indischen Bhagavad Gita der solare Held Ajurna mit Hilfe des erleuchteten Krishna sein Volk. Der solare Prophet Moses führte die Israeliten aus der ägyptischen Knechtschaft und Christus als Verkörperung des Sonnenlogos, starb am Kreuz für die Sünden der Menschen.

Der Tarot-Trumpf Nr. 1: Der Magier. Vor ihm liegen die vier Farben des Tarot: Stab, Kelch, Schwert und Münze (Pentakel). Er ist der Repräsentant der hermetischen Mysterien. Die Haltung seiner beiden Hände deuten auf das hermetische Prinzip: "Das was oben ist, entspricht dem was unten ist. Und das was unten ist, gesellt sich wiederum zum Oberen, mit dem Vermögen die Wunderwerke eines einigen Dinges zu vollbringen." Dieser "Einigkeit" von Mikro- und Makrokosmos schuldend erhielt dieser Tarottrumpf die Zahl Eins.

Die Christen feiern dieses Sonnengeheimnis theoretisch jedes Jahr mit der Geburt des Jesuskindes an Weihnachten, denn ab dem 24.12. nehmen die Sonnenstunden wieder zu, während die Auferstehung des Christus an Ostern das Überwiegen der Sonnenstunden und Unterliegen der Nachtstunden zelebriert - der Sieg der Licht- über die Finsterniskräfte.

Das Heraustreten aus dem Kreislauf der Leiden (Rad der Zeit), wird im Tarot durch die 19. Karte versinnbildlicht "Die Sonne". Es geht darum das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Handeln entspricht im Hebräischen dem Buchstaben Kaph כ, Hand. Dieser Buchstabe entspricht im Sefer Yetzirah auf himmlischer Ebene wiederum der Sonne, im Tarot der 10. Karte "Rad des Schicksals". Nach und nach wird deutlich welche initiatorische Bedeutung die Karten 1, 10, 19 haben.

Der Narr im Tarot - ewigeweisheit.de

Der Narr im Tarot - der eigentliche Held!

Die Null 0 entspricht dem "Narren". Er ist der solare Archetyp des Reisenden, der durch die 21 großen Arkana seinem Schicksal entgegenschreitet. Synonym verbildlicht der Narr die Reise unserer Seele durch die Welt. Er verinnerlicht alle anderen Werte der 21 Tarotkarten, denn eine Zahl die man zur 0 addiert, ergibt immer diese Zahl. Mit der 1. Karte "Der Magier" wird ihm "das Gesetz" gegeben - die zehn Gebote der Tora. Auch Moses war ein in die ägyptischen Mysterien eingeweihter Magier. Da er das göttliche Gesetz befolgte, schien ihm nichts unmöglich zu sein, denn er konnte die unbegrenzten kosmischen Kräfte vom Himmel herableiten, um Wunder auf Erden zu vollbringen (Teilung des Meeres, usw.).

Der Narr durchschreitet neun weitere Arkana, bis er zum Rad des Schicksals kommt – die Zehn. Diese Zahl korrespondiert zum einen mit der Vier (siehe oben) und über ihre Quersumme mit der Eins (1 + 0 = 1).
In seiner Abwärtsbewegung durch den Kreis der 21 Tarot-Trümpfe wir der Narr mit dem Passieren der zehnten Karte (Rad des Schicksals) von den Kräften der Finsternis in die Tiefe gezogen und dabei in die Mysterien der Erde eingeweiht. Während er sich daraus wieder befreit, tritt er mit der 19. Karte - Die Sonne - am Tage heraus - um wiedergeboren zu werden. Auch die 19 bildet als Quersumme die Zehn des Schicksalsrades, sowie die Eins des Magiers - denn 1 + 9 = 10 und 1 + 0 = 1.

Die 21. Karte steht für die von ihm wiederhergestellte "heile Welt", die in sich bereits wieder den Keim für einen neuen Zyklus enthält. So ist es auch mit unserer Seele. In der Kabbala steigt sie über die 10 Lebensfrüchte entlang der 21 Zweige hinab in das "Königreich des Körpers", um durch die Einweihung wieder in entgegengesetzter Richtung aufzusteigen und mit dem Tod zu ihrem göttlichen Ursprung zurückzukehren, um dereinst erneut zu inkarnieren.

Tarot-Baum - ewigeweisheit.de

Der Lebensbaum der Kabbala: Jeder der 22 Pfade zwischen den 10 Sefiroth, entspricht einer der 22 Großen Arkana.

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Der Baum des Lebens

Das Aur (hebr. אור), ist das hebräische Wort für Licht. Aus diesem entstand die Welt und aus diesem ging der kabbalistische Lebensbaum hervor. Dieses System, auch als Etz Chaim (hebr. עץ חיים) bezeichnet, spielt eine zentrale Rolle in der mystischen Kabbala und beschreibt die Vorgänge der göttlichen Schöpfung im Buch der Formung, dem Sefer Yetzirah (hebr. ספר יצירה).Kabbala Lebensbaum nach Rodurago

Der Lebensbaum ist unterteilt in sieben Stufen der zehn Urziffern, den Sefirot. Zwischen jeweils Zwei dieser Sefirot befinden sich als Verbindungsglieder die insgesamt 22 Pfade, welche den hebräischen Buchstaben und den Trümpfen im Tarot entsprechen.
Das Urlicht, das Ayin Soph (oder En Sof) das noch nicht manifestierte, unendliche Licht Gottes, bildet allen Anfang und Ursprung und kann als die erste Motivation der Schöpfung Gottes oder vielmehr als die erste Bewegung des Urknalls begriffen werden. Die Göttlichkeit des Universums, welche für den menschlichen Verstand nicht annähernd zu erfassen ist, bildete in sieben Stufen, nämlich den Schöpfungstagen die Welt: Licht, Wasser, Erde, Mond und Sonne, Tiere und Pflanzen, den Menschen und die Stille. Bemerkenswert ist die Parallele zu einem Zitat aus den hinduistischen Veden, in denen es heißt: »Am Anfang gab es Licht, Wasser und Materie. Und aus den Drei wurden viele«, wobei letztere jegliche physische Existenzen umfasst.

Durch die Kontraktion und Expansion innerhalb dieser Stufen des Göttlichen Lichts, auch Zim-Zum (hebr. צמצום) genannt, entstanden die einzelnen Sefirot und somit alle Erscheinungen des Seins innerhalb der vier Welten Assia (Erde), der Welt der Handlung, Yetzirah (Wasser), der Welt der Formung, Briah (Luft), der Welt der Kreation und Schöpfung, und der Welt Atziluth (Feuer) deren Heimat alles Übernatürliche ist.
Die oberste Sefirah Kether, stellt hierbei die Anwesenheit Gottest in der Schöpfung dar, während die unterste Sefirah Malkuth, die Materie beschreibt - die Erde und damit unseren Planeten. Zwischen diesen beiden Entitäten, liegt das menschliche Bewusstsein, dessen Zentrum die Sefirah Tiferet ist. Sie steht für das Herz dessen kabbalistische Zahl die Sechs ist, welche in der hermetischen Tradition der Sonne zugeordnet ist. Zwischen dem Selbstbewusstsein und dem Irdischen, liegt das Unterbewusstsein aus welchem die Sefirah Yesod hervorgeht. Diese Sefirah ist der archetypischen Zahl Neun zugeordnet, der Zahl des Mondes.

Zwischen der Selbstbewusstheit und dem Unterbewusstsein, liegt im Baum des Lebens das Denken: links, in Sefirah Hod, das analytische Denken, rechts davon in Sefirah Netzach das kreative Denken. Die rechte Seite des Etz Chaim, beschreibt daraus folgend, das nehmende, weibliche Prinzip, welches sich durch die Sefirah Chokmah manifestiert. Das gebende, männliche Prinzip, auf der linken Seite, ist manifestiert durch die Sefirah Binah. Man stelle sich dies natürlich umgekehrt im menschlichen Körper selbst vor: die linke Seite der Abbildung, entspricht der rechten Seite des menschlichen Körpers und umgekehrt.

Im Lebensbaum gibt es sieben irdische Sefirot (Malkuth, Yesod, Netzach, Hod, Tiferet, Geburah, Chesed) und drei himmlische bzw. göttliche Sefirot (Binah, Chokmah, Kether). Diese sind voneinander getrennt und werden über die Erkenntnis (Daat) überbrückt. Diese »Bewusstseinsbrücke« steht in engem Zusammenhang mit der Komplexität des Ayna, dem Chakra des dritten Auges.

Ausserdem finden Sie am Fuß meiner Illustration, die drei Säulen: die Härte (Binah, Geburah und Hod), die Milde (Kether, Tiferet, Yesod und Malkuth) und die Barmherzigkeit (Chokmah, Chesed und Netzach). Die Symbolik der drei Säulen weisst auf die Geheimnisse des salomonischen Tempels hin, dessen Tor auf diesen Säulen stützt. Zuerst wurde die Säule Jachin, dann die Säule Boaz aufgestellt - In der Mitte steht die imaginative Säule der Milde und Ausgleichung. Die an dieser Stelle abgebildeten hebräischen Buchstaben entsprechen den kabbalistischen Werten der drei aufrechten Pfade der Mitte, welche die Sefirot Kether (universelles Bewusstsein), Tiferet (Selbstbewusstsein), Yesod (Unterbewusstsein) und Malkuth (das Körperliche) von oben hindurch nach unten verbinden.

Sowohl in östlichen als auch in den westlichen, spirituellen Lehren, findet man die Systeme der Chakren und die der Sefirot auch heute noch zusammen dargestellt. Anscheinend bietet es sich an, die sieben Stufen des Lebensbaumes mit den sieben Chakren in Verbindung zu bringen. Bereits in den letzten Jahrhunderten findet man diese beiden Systeme in den esoterischen Schriften des Sufismus, der Theosophie und des Rosenkreuzertums wieder. Licht spielt sowohl in der Kabbala als auch in der tantrischen Chakrenlehre eine zentrale Rolle.

Durch das Schwingen des unendlichen Lichts (Ayin Soph Aur), entstehen die einzelnen Sefirot im Baum des Lebens, welcher in allen Wesen der Erde, ja wenn man so will, die Grundlage jeder seienden Existenz ist. Dieses innere Licht strömt über die sich drehenden Farbspiralen der Chakren aus den Körpern in die Umwelt des lebenden Wesens. Auch lässt sich dieses Phänomen auf Mineralien anwenden, denn so wie der Mensch zur Erinnerung fähig ist, können in Edelsteinen und Kristallen Informationen gespeichert, abgerufen und umgewandelt werden. Eigentlich ist das ganz einfach zu veranschaulichen, wenn man die Farbinformation des Rubins oder des Smaragds vor Augen hat: alleine schon durch ihr farbiges Licht wirken Sie auf die gesamte Wahrnehmung eine merkliche Wirkung aus und energetisieren hierdurch die jeweiligen Chakren des Körpers. Indigo, welches dem Stirn-Chakra als Farbe zugeordnet ist, wirkt auf den Organismus und die Psyche eher beruhigend und entspannend und wird als abkühlend wahrgenommen. Man denke hier an die Redewendung »einen kühlen Kopf bewahren«.
 
Sieht man genau hin, kann man erkennen, dass in der Tat gewisse »Zonen« die entsprechenden Bezeichnungen in beiden Systemen gemeinsam haben. Anahata, das Herz-Chakra ist das Zentrum, sowohl in der Physiologie als auch das Herz in der Kabbala und bezeichnet die Sefirah Tiferet oder auch das Schalom. Dieser Position werden im kabbalistischen Lebensbaum die Attribute Schönheit, Zierde, Balance, Spiritualität, Mitgefühl, Frieden und Integration zugewiesen.

Interessant ist auch der Zusammenhang der Pfade im Lebensbaum und deren Zuordnung zu einzelnen Körperregionen. Jeder Pfad entspricht einem physioloischen Körperteil und wie bereits oben erwähnt einem hebräischen Buchstaben, der als Hieroglyphe oder Piktogramm jeweils eine archetypische Bedeutung hat (Tarotkarten) und die Sefirot untereinander verbindet. So ist beispielsweise der Garten Gottes (das Königreich), die unterste Sefirah Malkuth, welche auf der selben Ebene mit dem Muladhara-Chakra sitzt. Diese Sefirah ist über die Pfade im Lebensbaum, mit den Bedeutungen für Zahn, Kreuz und Hinterkopf mit den darüberliegenden Sefirot (Hod, Yesod,  Netzach) verbunden.

Großes Augenmerk möchte ich auch auf die Betrachtung legen, dass in der Kabbala, die ersten drei Sefirot, nämlich Kether, Chokmah und Binah, ähnlich einem Baldachin, über dem Menschen schweben und als sein Über-Ich betrachtet werden können. Es steht in direkter Verbindung mit dem omnipotent Seienden, dessen universale Energie durch das Ayin (hebräisch für Auge) zur Manifestation in der physischen Welt gelangt. Ähnlich wie in den philosophischen Upanischaden der Veden möchte ich hier darauf anspielen, dass alles was in der Welt existiert nur deshalb ist, weil es ein Auge gibt, dass das Seiende betrachtet.

Auch ließen sich sehr gut Erweiterungen in Betracht ziehen, mit denen man den Kabbala-Baum des menschlichen Körpers in tantrischem Zusammenhang näher kommt - das Ayna nämlich, das dritte Auge, beschreibt ein gesamtes System subtiler Chakren (Ayna-System) welche den intellektuellen, psychisch-geistigen Ebenen des menschlichen Bewusstseins gleich kommen. Alleine die Orthographie der Wörter Ayin und Ayna, zeigen deutlich, dass es sich hier um die gleiche Ebene des Bewusstseins handeln muss.

Durch die Aufschlüsselung des Ayna-Systems in seine subtileren Chakren, lässt sich das Daat (Kabbala), was die Vereinigung des göttlichen Lichts und der menschlichen Wahrnehmung ist, als Transformation des menschlichen Bewusstseins verstehen. Auf diese Weise tritt sozusagen das Daat mit einem der Ayna-Chakren (Manas, Buddhi, Nirvana) in Resonanz, womit man den Vorgang bei »übersinnlichen« Wahrnehmungen beschreiben könnte. Hierdurch werden die mentalen Ebenen des Ayna-Chakras in vielschichtiger Weise in die göttliche Triade des Überirdischen (Kether, Chokma, Binah) erhoben und damit die Göttlichkeit erkannt.

Bewegt man sich weiter durch die einzelnen Sefirot, kann man mit Erstaunen feststellen, wie sehr diese Stufen des Seins sich in die Chakrenlehre einbetten lassen. Natürlich ist in diesen Zusammenhang nicht zu erwarten, in der kabbalistischen Literatur des Mittelalters solche Informationen zu finden. Vielmehr liegt es an uns selbst wie wir diese Ähnlichkeiten miteinander in Kongruenz bringen. Man kann sagen, dass wir Menschen diese Sefirot und Chakren auf sehr ähnliche Weise wahrnehmen, doch das Wichtigste ist, sich hierbei selbst aufmerksam zu beobachten - denn in der Kunst die Analogien dieser beiden Systeme zu finden, liegt das Erkennen der eigentlichen Zusammenhänge und darin die Meditation, wofür die mantrische Silbe Aum steht.

Die 10 Sefiroth im Kabbala-Lebensbaum

In zweiunddreißig wunderbaren Pfaden der Weisheit zeichnete Jah, JHVH Zabaoth, der Herr der Heerscharen, der Gott Israels, der ewig lebendige Gott, gnädig, barmherzig und hoch erhaben, lebt er in der Höhe und bewohnt die Ewigkeit, sein Name ist heilig. Er erschuf sein Universum durch drei Zählprinzipien: Zahl, Zähler und Erzähltes.

– Sefer Yetzirah I:1

Der kabbalistische Lebensbaum, der Etz Chaim (hebr. עץ חיים), ist ein zentrales System der Kabbala und beschreibt die Emanationen der göttlichen Schöpfung, wie diese im Buch der Formgebung, dem Sefer Yetzirah (hebr. ספר יצירה), beschrieben werden.Kabbala Lebensbaum nach Selim Oezkan

Der Lebensbaum ist untergliedert in Dreierpaare, welche sich aus den zehn Urziffern, den Sefiroth (sing. Sefira) in bestimmter Weise gruppieren. Über kabbalistische Gesetzmäßigkeiten, die sich aus einem System von 22 Pfaden ergeben, sind diese 10 Urspähren der Sefiroth untereinander auf geheimnisvolle Weise verbunden. Hier gibt es einen direkten Zusammenhang zum hebräischen Alphabeth und den Karten des großen Arkanums im Tarot.

Das Urlicht, das Ayn Soph (oder En Sof), welches man auch als das unendliche, unbegrenzte, unsichtbare Licht Gottes begreifen könnte, fließt aus einer Welt, die man mit der platonischen Lehre von der Welt der Ideen vergleichen kann. Aus diesem, einem Chaos ähnelndem Zustand, entspringt die erste Motivation der Schöpfung Gottes, seine erste Bewegung, die durch seine Kontraktion und Expansion die 10 Sefiroth aus dem reinen Urlicht entstehen lässt. Diese 10 Sphären des Ur-Seienden entfalten sich in die vier Welten: Assia, die Welt der Handlung, Yetzirah, die Welt der Formung, Briah, die Welt der Kreation (oder Schöpfung), und der Welt Atziluth, die sich in einer übernatürlichen Dreiheit über den diesseitigen, darunterliegenden, seelisch-stofflichen Emanationen, gleich einem geistigen Baldachin schwebt, der mit den unteren Welten über die verborgene Sefirah Da'at verbunden ist.

Zwischen der reinen Bewusstheit und dem Unterbewusstsein, liegt im Baum des Lebens das Denken: links, in Sefira Hod, das analytische Denken, rechts davon in Sefira Netzach das kreative Denken.

Die oberste Sefira Kether, stellt hierbei die Anwesenheit Gottes in der Schöpfung dar, während die unterste Sefira Malkuth, die Materie beschreibt (die Erde, unseren Planeten). Zwischen diesen Beiden Entitäten, liegt das menschliche Bewusstsein, Sefira Tiferet. Zwischen dem Bewusstsein und dem Irdischen, liegt das Unterbewusstsein, welche der Sefira Yesod entspricht.

Die rechte Seite des Etz Chaim, beschreibt daraus folgend, das nehmende, weibliche Prinzip (man stelle sich dies natürlich umgekehrt im menschlichen Körper selbst vor: die linke Seite des Baums, entspricht der rechten Seite des menschlichen Körpers und umgekehrt), welches sich durch die Sefirah Chokmah manifestiert, das gebende, männliche Prinzip, auf der linken Seite, manifestiert durch die Sefira Binah.

Es gibt sieben irdische Sefirot (Malkuth, Yesod, Netzach, Hod, Tiferet, Geburah, Chesed) und drei himmlische oder göttliche Sefirot (Binah, Chokmah, Kether). Diese sind voneinander getrennt und werden über die Erkenntnis (Daat) überbrückt.

In meiner Veranschaulichung finden sich ausserdem, am Fuß der Illustration, die drei Säulen: die Härte (Binah, Geburah und Hod), die Milde (Kether, Tiferet, Yesod und Malkuth) und die Barmherzigkeit (Chokmah, Chesed und Netzach).

Links des Baumes versuche ich die sieben Ebenen dieser Entitäten des menschlichen Seins mit den Chakren aus der fernöstlich-indischen Tradition in Verbindung zu bringen.