Chakras

Kalachakra: Das Rad der Zeit

von Johan von Kirschner

Die ewige Wiederkehr des Gleichen vollzieht sich in höchst komplexer Form. Im tibetischen Buddhismus schuf man darum ein System, das den Menschen in das Wesen dieser irdischen Zeitabläufe initiiert: das Kalachakra vereinigt Ritual, Erkenntnislehre und Magie. Die Einweihung in das Kalachakra-Tantra ist der »Diamantweg« des tibetischen Buddhismus.

Kalachakra ist die »theologische Summe« des buddhistischen Tantra. Alle Beziehungen zwischen Körper, Sprache und Geist werden hierin systematisiert. Das Kalachakra-Tantra ist ein Universalsystem zum Verständnis der äußeren, der inneren und der jenseitigen Welten.

Derjenige, der das Kalachakra-Tantra beherrscht, kann sich ohne Mühen auch alle anderen buddhistischen Geheimlehren aneignen.

– Tsongkapa (1357-1419), Reformator des tibetischen Buddhismus

Ziel des Kalachakra-Rituals ist die Förderung von Herzensfreude, Glückseligkeit und Toleranz. So kann der Weltfrieden erhalten und ein ökologisches Bewusstsein geschaffen werden. Und da wir alle diesen kleinen Planeten teilen, soll heute immer mehr Menschen die Möglichkeit gegeben werden and der Kalachakra-Initiation teilzunehmen. Der XIV. Dalai Lama Tenzin Gyatso führt als buddhistische Oberhaupt, darum jährlich das heilige Ritual öffentlich durch. Der Ort wechselte jedes Jahr und wurde 1981 zum ersten mal im Westen (Madison, Wisconsin, USA) vom Dalai Lama durchgeführt. Mehr als eine Million Menschen wurden seither in die Geheimlehre des Kalachakra eingeweiht.

Viele hundert Jahre wurde das Kalachakra-Ritual nur im Geheimen durchgeführt. Seit 1954 führt der XIV. Dalai Lama Initiationen durch, die sich aus einem exoterischen und einen esoterischen Teil zusammensetzen. Die esoterischen Einweihungen bleiben den Kennern des tibetischen Buddhismus vorbehalten. Nur eine handvoll der Teilnehmer der exoterischen Einweihungen, werden zu den esoterischen Initiationen zugelassen.

Jedem Menschen steht aber die Möglichkeit offen, auch durch die Teilnahme am exoterischen Kalachakra-Ritual, die höchste Erleuchtungsstufe zu erlangen. Natürlich sind das nur wenige von den vielen Menschen (im Januar 2012 nahmen etwa 200.000 Menschen in indischen Bodhgayaan der exoterischen Initiation teil), die jährlich dem Kalachakra-Ritual beiwohnen.

Tsongkapa - ewigeweisheit.de

Tsongkapa (1357-1419), Reformator der Gelug-Schulrichtung (Gelbmützen)

Das Rad der Zeit

Kalachakra ist der Name des tibetischen Zeitgottes (sanskr. Kala: Zeit, Chakra: Rad). System und Ritualtext wurden im 10. Jhd. festgelegt und sind auf Grundlage der Überlieferungen des Buddha Shakyamuni entstanden.

Der Text des Kalachakra-Tantra ist die Krone aller lamaistischen Lehren und spirituellen Systeme des Buddhismus. Es beinhaltet eine umfassende Lehre über die Entstehung der Welt, als auch über das Ende der selben.

Es gibt drei Formen des Kalachakra:

  • Das äußere Kalachakra beschreibt die kosmologischen Gesetze von Raum, Zeit und den Bewegungen der Gestirne.
  • Das innere Kalachakra dreht sich um die Energieströme und den Fluss der Sekrete im menschlichen Körper, und wie diese mental beherrscht werden.
  • Das alternative oder andere Kalachakra beschäftigt sich mit den gegenseitige Beeinflussungen des äußeren und inneren Kalachakra.

Dem Verfasser dieser heiligen Schrift kam es vor allem darauf an, zu zeigen, wie der Mensch durch den kontrollieren Umgang mit den inneren Energieströmen seines Körpers, auf das Geschehen des Kosmos Einfluss gewinnen kann. Damit ist das Kalachakra-Tantra auch ein magisches System.

Das im Kalachakra enthaltene Wissen, setzt sich zusammen aus Lehren, die teils aus dem indischen Kulturkreis stammen, teils dem Bön (alte Religion der Tibeter) entnommen sind.

Im Folgenden wollen wir uns die interessantesten Merkmale dieses geheimnisvollen Einweihungsrituals, etwas genauer ansehen.

Die Lehre von den vier Weltzeitaltern

Das Kalachakra-Tantra beschreibt vier Yugas (Zeitalter):

Das Satya-Yuga war das Zeitalter der Wahrheit, der Tugend und der spirituellen Vollendung.

Im Treta-Yuga nahm der Materialismus allmählich zu, da der Mensch neben seiner göttlichen Existenz, auch physische Hilfsmittel benötigte, um in einer Gemeinschaft zu leben. Man könnte sagen, dass das Treta-Yuga begann, als die Menschen sesshaft wurden, begannen Acker-, Vieh- und Bergbau zu betreiben.

Im Dvapara-Yuga entwickelte sich in Indien das Kastenwesen (entsprechend der Stände im Westen). In dieser Zeit nahm der göttliche Intellekt sehr stark ab. Menschen begannen zu lügen und die ersten schweren Krankheiten kamen über die Menschheit.

Das gegenwärtige Zeitalter bezeichnen die Kalachakra-Texte als das Kali-Yuga. Es ist das »Zeitalter des Untergangs«, wo die Menschen jegliche Spiritualität verdrängt haben und das materialistische Denken auf seinen Höhepunkt zusteuert. Es ist eine finstere Phase der Menschheit, wo Naturkatastrophen, Terror, Kriege und Hungersnöte die Sicherheit der Weltgemeinschaft bedrohen.

Nach dem Kali-Yuga beginnt ein neues Satya-Yuga. Dann werden die Menschen in einem neuen Paradies auf Erden leben. Hierzu ist jedoch die Zerstörung der gegenwärtigen Zivilisation notwendig; laut Überlieferung werden Feuer und Krieg einen Großteil der gegenwärtigen Zivilisation auslöschen.

Vasubandhu - ewigeweisheit.de

Vasubandhu (4. Jhd) war einer der einflussreichsten Persönlichkeiten des Mahayana-Buddhismus.

Kosmische Geografie der Kalachakra-Lehre

Vasubandhu, Philosoph und Mönch der buddhistischen Mahayana-Tradition, verfasste zwischen 320 und 400 n. Chr. die Kalachakra-Schrift Abdiharmakosha (»Schatz des Abhidharma«, Dharma: höhere Gesetze und Riten). Darin beschreibt er Meditationspraktiken, Kosmologie, Psychologie, Inkarnationstheorie, sowie die Eigenschaften des Buddha, wie auch die Entstehung der Welt:

Vor Urzeiten strömte ein unglaublich starker Wind, der aus allen vier Himmelsrichtungen den kosmischen Urraum füllte. Aus den dabei entstandenen Wolken, ergoss sich sintflutartig Wasser in die Welt. Dies geschah wegen des gesamten Karmas aller früheren Lebewesen (d. h. jener Wesen, die in einem vergangenen Kali-Yuga lebten). Die Winde bewegten den so entstandenen Urozean, worin sich ein gigantischer, zylindrischer Sockel formte. Um diesen Sockel begannen die Wellen des stürmischen Meeres zu schäumen. Der Schaum wurde immer dichter und hatte eine gelbe Farbe. Daraus entstand die goldene Erde, aus deren Mitte sich eine viereckige Säule emporhob: der Weltenberg Meru. Um das Urzentrum dieses gewaltigen Ozeans, gruppierten sich 12 Kontinente – je drei in einer der vier Himmelsrichtungen. Den Gipfel des Meru durchragt seither die Weltachse (axis mundi), im Zentrum des buddhistischen Kosmos. Die Spitze des Meru bildet der Polarstern.

Unter dem Meru befinden sich sieben freudlose Bereiche, über ihm dehnt sich der Kosmos in 25 himmlische Gefilde aus. Zwischen Himmel und Hölle (freudlose Welt) befindet sich die Erde. Dort wohnen auf dem südlichen Kontinent Jampudvipa die Menschen und die Tiere. Im Zentrum des Weltberges Meru leben aber die Götter.

Das buddhistische Weltall gleicht einem überdimensionalen Mandala, dass einen symbolischen und einen realen Wert besitzt. Der reale Wert besteht in der Vorstellung, dass die beschriebene Kosmografie die tatsächliche »Form« des Kosmos wiedergibt. Jetzt mag einer einwenden, dass die Welt auf keinen Fall so aufgebaut sein kann. Doch die Erscheinungen in der Welt sind relativ. Zu diesem Schluss kamen nicht nur fernöstliche Philosophen. Schon in den Jahrhunderten vor der Zeitenwende, erkannten die großen Philosophen Griechenlands die Relativität aller Erscheinungen. Im 20. Jhd. wurde dies spätestens durch Albert Einsteins Relativitätstehorie bestätigt: alles ist relativ und es kommt darauf an welchem Ort und in welcher Bewegung sich Beobachter und Beobachtetes befinden. Daraus folgt, dass solange Menschen, in völlig verschiedenen Lebenssituationen leben, solange es auch verschiedene Vorstellungen gibt, von der Beschaffenheit der Erde und des wahrgenommenen Kosmos. Die Buddhisten sagen, dass der Kosmos nur eine Erscheinung des Bewusstseins ist und deshalb jeder, entsprechend seiner geistigen Verfassung, den Kosmos auch verschieden wahrnimmt.

Es gibt also eine gewisse Relativität, wie Menschen die Welt erfahren. Darum ist die buddhistische Kosmologie und der Aufbau der Kalachakra-Welt durchaus gültig und auch unwiderlegbar, da auf einer letzten Stufe der Untersuchung, eben gar keine Kosmologie geben kann, die absolut wahr ist!

Buddhisten gehen aus von einer eigentlichen Leerheit und Vergänglichkeit aller Dinge (Shunyata). Sie ist die Umschreibung für das Fehlen eines konstanten Seins. Alle Existenz und jedes Ich, unterliegt dem steten Wandel seiner Existenz. Damit kann keine endgültige Aussage über Wahrheit und Unwahrheit getroffen werden, da beide der Prinzip der Vergänglichkeit unterliegen. Das bestätigt auch die wissenschaftliche Kosmologie der modernen Welt, denn die physikalischen Gesetze waren während der Weltentstehung, dem »Urknall«, außer Kraft gesetzt – was im Übrigen ja auch gegenwärtig der Fall ist, wenn wir uns solche Phänomene wie Schwarze Löcher ansehen.

Weltbild im Kalachakra - ewigeweisheit.de

Das kosmologische Modell im Kalachakra-Tantra: in der Mitte des Mandalas befindet sich der Berg Meru, über dem sich die Himmel der Götter, Lichtkörper- und Geistkörperwesen erheben. Den Meru umgeben 12 Kontinente, je drei in jeder Himmelsrichtung. Auf dem südlichen Kontinent Jambudvipa (Insel der Rosenäpfel) leben die Menschen.

Shambhala – das geheime Weltzentrum

Eingeflochten in das System der Kalachakra-Lehre ist der Shambhala-Mythos (siehe Buch: Shambhala und der Polare Mythos ). Inmitten des Weltenberges Meru verbirgt sich ein geheimnisvoller Palast aus Gold und Edelsteinen: die Shambhala-Burg. Von Kalapa aus, der Hauptstadt Shambhalas, lenkt eine geheime Weltregierung die Geschichte auf unserem Planeten. Auch der XIV. Dalai Lama ist der Meinung, dass unsere planetarische Gemeinschaft von dem mythischen Reich von Shambhala beeinflusst wird. Hier verbirgt sich der allwissende »König der Welt« und Stammvater der Menschheit: der Manu. Er harrt dem Ende des Kali-Yuga und wartet auf das Dämmern eines neuen, goldenen Zeitalters – dem kommenden Satya-Yuga. Als Meister des Universums regiert er das geheimnisvolle Königreich von Shambhala. Dieser König der Welt ist auch der Herr der Herzen der Menschen und dirigiert die spirituelle Entwicklung der gegenwärtigen Menschheit, die von den Erscheinungen der materiellen Welt geblendet ist und darum Führung benötigt – so zumindest die Kalachakra-Lehre. Diesen König der Welt, nennt man in Indien den Chakravartin – einen idealen, weltumfassenden Herrscher, der das Rad des Gesetzes bewegt. Eines Tages werden unter der Führung des Chakravartin die Boddhisattvas (heilige Priesterkönige) von Shambhala, mit unserer Welt Kontakt aufnehmen.

Chakravartin ähnelt dem Priesterkönig Melchisedek, der, laut dem apokryphen Buch der »Schatzhöhle«, sich über dem Weltberg Moriah (entspr. Meru) befindet und von dort die Geschicke aller gläubigen Christen und Juden lenkt. Gewissermaßen ähnelt er auch dem Mahdi der islamischen Schiiten und es lassen sich auch Ähnlichkeiten mit dem sagenhaften Priesterkönig Johannes von Indien feststellen, der seinerseits, als Sohn der Gralsjungfrau Repanse de Schoye und des Sarrazenenfürsten Feirefiz, im fernen Osten geboren wurde.

Es besteht eine enge Verbindung zwischen dem Kalachakra-Tantra und dem Mythos von der Suche nach dem heiligen Gral. In vieler Hinsicht ähnelt die Parzival-Legende der Reise nach Shambhala. Wie Parzival begibt sich der Sucher auf eine geheimnisvolle Pilgerreise. Doch er muss sich seinem Ziel als würdig erweisen. Was im Shambhala-Mythos der sagenhafte Wunschjuwel »Chintamani« ist, das ist der heilige Gral des nordisch-christlichen Mythos.

Im Kalachakra-Tantra werden die Lehren von Shambhala zusammengefasst. Es ist die Staatsreligion von Shambhala. Dort erhielt das Kalachakra seine erste Fassung durch den König Manjushri – einem der drei großen Bodhisattvas. Er war es der die heiligen Priesterkönige von Shambhala in die Praxis des Kalachakra-Tantra einweihte.

Das Kalachakra-Mandala

Akshobhya - ewigeweisheit.de

Buddha Akshobhya

So wie sich die Fürstentümer Shambhalas auf einer nicht sichtbaren Ebene der Welt befinden, so verbergen sich auch die Chakras im menschlichen Körper. Im Kalachakra-Tantra ist, anders als im Vedanta, die Rede von sechs Chakras:

Der vierblättrige Lotus des Scheitel-Chakras gehört in den Bereich des Geistes. 10 Götter reinigen darin den Raum, in dem sich 10 Elemente des Universums befinden: Luft, Feuer, Wasser, Erde, der Weltenberg Meru, der Lotus auf dem Meru, Mond, Sonne, Rahu (aufsteigender Mondknoten) und Kalagni (absteigender Mondknoten). Die korrespondierende Keimsilbe ist »Ham«, mit der man den Buddha Akshobhya (Symbol: Vajra, »Diamantszepter«), »Den Unerschütterlichen«, im oberen Zentrum des Kalachakra-Mandala visualisiert.

Der 16-blättrige Lotus des Stirn-Chakras gehört in den Bereich der Sprache. 10 Weltgötter (Brahma, Vishnu, Nairrti, Vayu, Yama, Agni, Samudra, Rudra, Indra, Yaksha) reinigen das Luft-Element. Über die Keimsilbe »Om« wird der Buddha Amitabha (Symbol: Lotus), »Buddha des grenzenlosen Lichts«, im Norden des Kalachakra-Mandala visualisiert.

Amitabha - ewigeweisheit.de

Buddha Amitabha

Der 32-blättrige Lotus des Kehl-Chakras gehört ebenfalls in den Bereich der Sprache. 10 Planetengötter (Rahu, Kalagni, Mond, Sonne, Merkur, Mars, Venus, Jupiter, Ketu, Saturn) reinigen das Feuer-Element. Die Keimsilbe »Ah« (lang gesprochen) entspricht diesem Chakra und mit ihr wird der Buddha Ratnasambhava (Symbol: Juwel), der »Herr der Buddhas der Juwel-Familie«, im Süden des Kalachakra-Mandala visualisiert.

Der achtblättrige Lotus des Herz-Chakras gehört in den Bereich des mystischen Körpers. 10 Schlangenkönige (10 Nagas: Raja, Vijaya, Karkotaka, Padma, Vasuki, Sankhapala, Ananta, Kulika, Mahapadma, Takshaka) reinigen das Wasser-Element. Mit der Keimsilbe »Hum« wird der Buddha Amoghasiddhi (Symbol: Schwert oder Doppel-Vajra), dem »der die Weisheit vollendet«, im Osten des Kalachakra-Mandala visualisiert.

Der 64-blättrige Lotus des Nabel-Chakras gehört ebenfalls in den Bereich des mystischen Körpers. 10 Elementar-Göttinnen (repräsentiert von 10 Erdgeistern bzw. Dämonen) reinigen das Erd-Element. Die diesem Chakra entsprechende Keimsilbe ist das »Ho«, mit der der Buddha Vairochana (Symbol: Rad), »Die Weisheit der reinen Natur«, im Westen des Kalachakra-Mandala visualisiert wird.

Ratnasambhava - ewigeweisheit.de

Buddha Ratnasambhava

Der 32-blättrige Lotus des Sexual-Chakras gehört ebenfalls in den Bereich des Geistes. 10 zornvolle Gottheiten (Ushnisha, Shumbha, Sarvanivaranavishkambhi, Niladanda, Prajnantaka, Takki, Padmantaka, Achala, Yamantaka, Mahabala), die das tiefe Gewahrsein reinigen. Diesem Chakra entspricht die Keimsilbe »Kshah«, wodurch der Buddha Vajrasattva, »Der Diamantgeist«, im unteren Zentrum des Kalachakra-Mandala visualisiert wird.

Die acht Blätter des Herz-Lotus entsprechen dem zentralen Teil des Kalachakra-Mandala, das in acht Abschnitte unterteilt ist. Dieser Bereich wird im Sandmandala-Ritual, dass während der Kalachakra-Initiation durchgeführt wird, als achtblättrige Form gemalt und symbolisiert den heiligen Palast im Zentrum von Kalapa (Hauptstadt von Shambhala). So wie das Herz im menschlichen Körper verborgen liegt, so liegt Shambhala verborgen auf unserem Planeten, der selbst einem lebendigen Körper ähnelt. Die Korrespondenzen zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos finden sich in den Formen des anderen Kalachakra-Mandalas (siehe oben) – dem idealen Archetyp des Kosmos.

Das Mandala ist ein »Kosmogramm«, eine »Blaupause des Kosmos«. So wie das berühmte Axiom der Smaragdenen Tafel des Hermes Trismegistos sagt:

Wie oben so unten, wie unten so oben

Amoghasiddhi - ewigeweisheit.de

Buddha Amoghasiddhi

so gibt es ein entsprechendes Axiom im Kalachakra-Tantra:

Wie im Außen, so im Körper. Wie im Körper, so im Anderen.

Das Wort »Körper« wird hier als Referenz auf das innere Kalachakra verwendet, weil es der innere, feinstoffliche Körper ist, aus dem sich die Korrespondenzen im Kalachakra-System ergeben. Dieser feinstoffliche Körper des inneren Kalachakra, setzt sich zusammen aus:

  • den sechs Chakras, den eben dargestellten feinstofflichen Energiezentren,
  • den Nadis, den feinstofflichen Kanälen, durch die die Energien zwischen den Chakras fließen,
  • dem Lebensatem Prana, der durch die Nadis fließt und
  • den Bindus oder »Tropfen«, die sich im Prana durch die Nadis bewegen.

Das Kalachakra ein sehr detailliertes und komplexes System, wo das Äußere, das Innere und das Andere zusammenspielen. Das Kalachakra-Mandala stellt dieses komplexe System als bildhafter Archetyp dar.

Vairochana - ewigeweisheit.de

Buddha Vairochana, umgeben von vier weiteren Buddhas und vier Boddhisattvas

Das Herz-Sutra-Gebet

Im Mahayana-Buddhismus gehört das Herz-Sutra in die Kategorie der vollendeten Sutras (Verse der Lehrreden des Buddha) der Weisheit. Es gibt eine lange Form und eine kurze Form des Sutras. Letztere nennt man die »Essenz des Weisheitssutras«. Sie ist der Kernpunkt des Herz-Sutra und wird dargestellt durch das folgende Mantra:

Sanskrit: तद्यथा गते गते पारगते पारसंगते बोधि स्वाहा
Transliteration: tadyatha gate gate paragate parasamgate bodhi svaha
Übersetzung: Gegangen, gegangen, hinübergegangen, ganz hinübergegangen, oh welch ein Erwachen, vollkommener Segen

Mit dem Hinübergehen ist gemeint das Gelangen ans jenseitige Ufer der Weisheit. Während des Kalachakra-Rituals erklärt der Dalai Lama dieses Mantra. Es gilt als praktische Unterweisung, um die erlangten, spirituellen Errungenschaften des Meditierenden zu messen.

Vajrasattva - ewigeweisheit.de

Buddha Vajrasattva. Er hält in seiner Rechten den männlichen Vajra (Diamantenszepter) und die weibliche Gantha (Glocke) in seiner Linken: Symbole sexueller Vereinigung.

In diesem Vers werden die vier Stufen auf dem Weg zur Erleuchtung angedeutet. Viermal wird hierin das Wort »gate«, gehen (»gate gate paragate parasamgate«) gesprochen. Die ersten beiden »gate« sind die vorbereitenden Stufen auf dem Pfad zur Erleuchtung. Dem folgt der erste Schritt zur Erleuchtung, auf dem Pfad der Einsicht »paragate« - dann der zweite Schritt auf dem Pfad der Meditation »parasamgate«, bis mit dem »bodhi svaha« die Stufe der Erleuchtung und das »Ende allen Lernens« erreicht wird.

Die Sadhana-Meditation

Zum komplexen Mandala des Kalachakra, gibt es eine Meditation: das Sadhana. Es bezeichnet eine spirituelle Disziplin, mit der ein bestimmtes geistiges Ziel erreicht wird. Hier geht es um die Visualisierung des Kalachakra-Mandala, in all seinen Details. Diese Praxis stellt natürlich hohe Anforderungen an die Vorstellungskraft der ausübenden Person. Darum setzt man als Hilfsmittel gerne Abbildungen der entsprechenden Formen und Gottheiten ein. Um die Komplexität des Kalachakra-Mandala weiter aufzulösen, schuf man in der Vergangenheit das dreidimensionale Modell des Mandala-Palastes.

Wird die Sadhana-Praxis korrekt ausgeführt, erreicht der Meditierende eine »Reinigung« und Klärung der inneren und äußeren Welten. Daher nennt man das Kalachakra-Sadhana »das was reinigt«.

Die in diesem Mandala-Ritual durchgeführten Visualisierungen der sechs Gottheiten (siehe oben), fördern die Erkenntnisfähigkeit, da mit ihr ein hoher Grad an Reinheit erlangt wird und die Betrachtungen des Meditierenden von falschen Eindrücken gereinigt werden. Der Meditierende lädt einen der sechs Buddhas ein und bittet ihn vor sich, an einem reinen Ort, auf der ihm entsprechenden Lotusblüte Platz zu nehmen. Dort erschaut er ihn an, in all seinen Einzelheiten (vergl. oben die Buddhas und Lotosblüten bei der Darstellung der Chakras). Er sieht darin die »Prinzipien hinter den Prinzipien« und erkennt, dass nichts aus sich selbst existiert. Nachdem er diesem Buddha Opfer reichte (Wasser zur Reinigung, Gewänder, Schmuck, Blumen, Parfüm, Nahrung, etc.), bekennt er ihm gegenüber seine Fehler, die er im Leben begangen hat und die auch jetzt noch an ihm haften. Schließlich nimmt er Zuflucht bei diesem Buddha, spricht ein Gebet und begibt sich aus seiner Meditation, um in seinem Leben die vier Tugenden der Liebe, des Mitgefühls, der Freude und des Gleichmuts zu verwirklichen.

Gliederung des Mandalas

Voraussetzung zur Erschaffung des Kalachakra-Mandalas, ist ein reiner, angenehmer Ort. Das kann ein schöner Garten, ein Berg oder ein Palast sein. Es ist auch möglich die Kalachakra-Zeremonie an einem vorher geläuterten und gereinigten Ort durchzuführen, was voraussetzt, dass an diesem Ort weder Scherben noch Knochen gefunden wurden.

Im Kalachakra-Ritual wird, neben spirituellen Lesungen, Meditationen, Tänzen und Gebeten, von den tibetischen Yogis ein Mandala hergestellt.

Das mit farbigem Sandpulver erstellte Diagramm wird gemäß der Beschreibungen des Vasubandhu (siehe oben) angefertigt: Fünf Elementarscheiben umringen das viereckige Zentrum des Kalachakra-Palasts auf dem Berg Meru. Je einer der Ringe entspricht den Elementen des Raumes, der Luft, des Feuers, des Wassers und der Erde. Innerhalb dieser fünf äußeren Ringe, befindet sich der Berg Meru, auf dem der dreigliedrige Kalachakra-Palast steht.

Meru selbst wird im Kalachakra-Mandala nicht abgebildet, befindet sich aber zwischen dem Erdelement und dem Palast. Was der Yogi im Sadhana visualisiert, wird von den Mönchen mit farbigem Sand als Mandala gemalt. Im Zentrum des Mandalas, umgeben von fünf kreisförmigen Elementarebenen (Raum, Luft, Feuer, Wasser, Erde), befindet sich der Palast des Kalachakra. Dieser setzt sich aus drei Bereichen zusammen:

  • aus dem Körper-Mandala,
  • dem Sprach-Mandala und
  • dem Geist-Mandala.

Diese drei Mandalas gelten als Emanationen des erleuchteten Buddha. Sie formen die Gemäuer des Mandala-Palasts. Seine Wände sind schwarz im Osten, rot im Süden, weiß im Norden, gelb im Westen und blau im Zentrum. Im Inneren des Shambhala-Palastes halten sich die oben dargestellten Buddhas auf, die im Mandala-Ritual angerufen und visualisiert werden.

Kalachakra thangka painted in Sera Monastery, Tibet - ewigeweisheit.de

Das Kalachakra-Mandala

Konstruktion und Zerstörung des Mandalas

Bevor das Kalachakra-Mandala mit dem farbigen Sand gestreut werden kann, wird ein »Grundgerüst« von Linien gezeichnet. Diese Linien werden mittels einer in Kalkschlamm getränkten Schnur, der »genässten Karma-Schnur«, auf der quadratischen Oberfläche des Mandala-Tisches aufgetragen, dessen vier Kanten nach den Himmelsrichtungen weisen. Zuerst wird die Mitte des Mandalas festgelegt und von dort aus werden acht große Linien aufgetragen (Ost-West und Nord-Süd, diagonal Südost-Nordwest und Südwest-Nordost, die inneren Wandlinien des Geist-Mandala, entsprechend nach Osten, Norden, Westen und Süden hin weisend). Durch auflegen von Gerstenkörnern an bestimmten Schnittpunkten der so erzeugten Grundlinien, wird unter der Rezitation bestimmter Mantras, das Mandala belebt. Das zuvor visualisierte Mandala, wird aus dem Kosmos nun in Gedanken herabgeholt und mit dem auf dem Tisch vorbereiteten Mandala für kurze Zeit »verschmolzen«. Danach lassen die Mönche, in ihrer Imagination, das Mandala wieder in die Höhe des Weltalls verschwinden.

In Vorbereitung auf den Höhepunkt des Kalachakra-Rituals, erfolgt nun die eigentliche Konstruktion des Sandmandalas. Der Vajra-Meister (Dalai Lama) beginnt mit dem Färben der ersten Linien, die im Mandala-Palast die Ostwand des inneren Geist-Mandalas darstellen. Danach lassen in konzentrierter Feinarbeit, vier Mönche, aus ihren trichterförmigen Streuinstrumenten, von der Mitte her, langsam das gesamte Mandala entstehen, bis sie sich Schritt für Schritt bis zur Peripherie hin durchgearbeitet haben. Das hierfür verwendete Farbpulver ist eingefärbter Quarzsand (blau, grün, rot, orange, weiß und schwarz). Alle Farben und Formen sind genau vorgeschrieben. Damit ein fehlerfreies Arbeiten gewährleistet ist, bedienen sich die Künstler ihrer Notizbücher.

Zum Abschluss reinigt der Vajra-Meister die Ecken des Mandala-Tisches mit Safran-Wasser und stellt dort Blumen auf. Während der öffentlichen Kalachakra-Einweihung, wird das kunstvolle Ausstreuen des Sandmandalas, von sieben Initiationen begleitet, die wir weiter unten im Detail besprechen werden. Das Kalachakra-Mandala stellt den transzendenten, tantrischen Götterpalast dar, der sich in Mitten der elementaren Welten, im Zentrum des Berges Meru befindet.

Nach der eigentlichen Liturgie der Kalachakra-Initiation, wird das aufwendig hergestellte Sandmandala wieder zerstört. Was ist der Sinn dahinter? Im buddhistischen Mythos wendet sich Vajravega zornvoll gegen seinen eigenen Vater, den Zeitgott Kalachakra. Vajravega erscheint als der dunkle Dämon Rahu – der Finsternisplanet (vergl. Drachen- oder Finsternispunkt westlicher Astrologie), der Sonne und Mond verschlingt. An ihrer Stelle ergreift er die Macht über die Zeit. Mikrokosmisch erfolgt dabei, im mystischen Leib der Teilnehmer, die Vernichtung der beiden Hauptenergieflüsse des Körpers. Gleichzeitig wird der Hauptenergiekanal des Körpers aktiviert, durch den ein unbezwingbarer Energiefluss im zentralen Nadi des Initianden aufsteigt (durch die Wirbelsäule verlaufend, identisch mit der Kundalini-Schlangenkraft vedischer Tradition).

Am Ende der siebten Initiation beginnt also die Zerstörung des Mandalas durch den Vajra-Meister. Danach werden Pinsel verwendet, um das mit eingefärbten Sand gemalte Kalachakra-Mandala zusammenzuwischen, wobei ein graues Sandpulver entsteht, das man in eine Vase füllt. Dieses Gefäß wird nun in ein Gottesgewand gekleidet und mit einem besonderen Utensil gekrönt. Mit Gebeten und Gesängen trägt eine Prozession den sandigen Inhalt der Vase an einen nahegelegenen Fluss, wo ihn der Vajra-Meister ins Wasser schüttet – als Geschenk an die Schlangengötter (Nagas). Dabei entsteht im Wasser ein letztes Mandala (Wellenringe auf der Wasseroberfläche), was das Ende des Kalachakra-Rituals besiegelt.

Kalachakra und Vishvamata - ewigeweisheit.de

Kalachakra vereinigt sich mit Vishvamata

Die Kalachakra-Initiation

In der Einweihung (sanskr. »Abhisheka«) geht es um die Übertragung spiritueller Energie vom Priester (bzw. Meister) auf den Schüler (Teilnehmer der Kalachakra-Initiation). Diese Übertragung findet freiwillig statt. D. h. der Priester wird um die Einweihung gebeten. Wenn dies erfolgt ist, überträgt der Priester sein Wissen und seine spirituellen Kräfte auf den Schüler. All jene, die andere einweihen, saßen einst selbst zu Füßen eines Meisters. Die Kalachakra-Tradition beruft sich auf eine lange Kette von Eingeweihten, die sich bis auf den historischen Buddha zurückführen lässt. Das ähnelt in etwa dem, was im Sufismus »Silsila« genannt wird, wo die Sheiks sich als Nachfolger verstehen, der vom Propheten Mohammed eingeweihten Kalifen. Der Schüler dient nun also als leeres Gefäß, in das der Geist seines Meisters einströmt – der den Geist aller in der Linie vorangegangenen Meister enthält.

Der Meisters (oder Guru) repräsentiert Kalachakra (Zeitgott, Symbol: Diamantenszepter) und Vishvamata (Zeitgöttin, Symbol: Glocke).

Die Einweihung findet statt sowohl von Mund zu Ohr, wie auch durch Zeigen von Handgesten und Bildsymbolen. Hier wird der sogenannte Linienbaum enthüllt, auf der alle hohen Eingeweihten des Lamaismus verzeichnet sind. In der Krone dieses mystischen Stammbaumes, sitzt der Adi Buddha, den wir am Schluss noch genauer beschreiben werden.

Auf dem Weg zur Erleuchtung, bewegt sich der Initiand, auf komplizierte Weise, über mehrere Ebenen der Erkenntnis. Die unteren Ebenen der Einweihung simulieren die höheren Ebenen der Einweihung, sind ihre Vorwegnahme und haben den Zweck eines systematischen Einübens, das zum eigentlichen Stadium der Vollendung hinleitet.

Die sieben unteren Einweihungen ahmen die Phasen der Kindheit nach – von der Geburt (Wassereinweihung) bis zum Erwachsensein (Ermächtigungseinweihung). Man betritt das »Feld der Initiation« völlig unwissend und nähert sich Schritt für Schritt den Geheimnissen.

Nach Ablegen eines Gelübdes, wird der Vorhang vor dem Kalachakra-Mandala entfernt und der Initiand ist nun bereit in Gedanken das Mandala zu betreten. Dabei verpflichtet er sich, ohne Unterlass nach Buddhaschaft zu streben, alle Fehlgriffe zu bereuen, ihre Wiederholung zu meiden, andere Menschen auf den Erleuchtungsweg zu führen und den Anleitungen seines Meisters Folge zu leisten.

Seine Augen sind zu Anfangs mit einer roten Augenbinde verbunden. Der Schüler betritt das Mandala sozusagen »blind«. An der Hand führt in der Meister, wie ein kleines Kind, durch die fünf Elementarwelten. Nachdem er sie durchschritten hat, muss er erneut ein Gelübde ablegen. Danach darf er mit seinem Meister das Osttor des Mandala-Palastes betreten: hier betritt er das Körper-Mandala. Während er durch das Körper-Mandala wandelt, nimmt er die Formen der verschiedenen Buddhas an, die sich im Körper-Mandala aufhalten. Nachdem ihm jetzt die Augenbinde kurz abgenommen wird, erscheint ihm eine Farbe, die er seinem Meister mitteilt. Dieser Farbe entsprechend erkennt der Meister, welche Energie im Initianden wirkt (besänftigende, besiegende, vermehrende oder kontrollierende Energie). Jetzt wirft der Initiand eine Blüte in das Mandala. Die Stelle an die die Blüte fällt, zeigt den Buddha an, mit dem sich der Schüler auf seiner Reise durch das Kalachakra-Mandala identifizieren soll. Nach weiteren rituellen Prozessen wird dem Initianden die Augenbinde endgültig abgenommen und er darf jetzt das gesamte Mandala vollständig betrachten.

Es folgen weitere Rituale, durch die der Initiand geläutert wird. Am Ende der Einweihung der ersten sieben Phasen (Ermächtigungseinweihung), löst der Meister den Schüler imaginativ in der »Leerheit« auf. So kann er anschließend sein eigenes polares Ebenbild imaginieren, mit dem er sich vereint und dabei auflöst, was ja das eigentliche Ziel buddhistischen Strebens ist. So verlässt er das Samsara, den ewigen Kreislauf der Inkarnationen in der Welt der Illusionen.

Jetzt erreicht der Initiand eindeutig die Erkenntnis der Korrelation zwischen seinem Körper und dem Universum. Wer dieses Ziel erreicht, kann die zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos wirkenden Kräfte, bewusst kontrollieren.

Über die Meditation der eigentlichen Leerheit aller Dinge, kann der Initiand jetzt all seine ungünstigen Vorstellungen endgültig auflösen.

Die sieben exoterischen Initiationsgrade

  1. Die Wassereinweihung ist die erste Reinigung des mystischen Leibes. Sie entspricht dem »Baden des Kindes« kurz nach der Geburt. Hier findet die Reinigung der fünf Elemente des Energiekörpers statt: Raum (Äther), Luft, Feuer, Wasser und Erde. In seiner Imagination ist der Initiand jetzt zur Größe eines Tropfen zusammengeschmolzen. Der Meister verschlingt diesen Tropfen und ejakuliert ihn als Kalachakra-Gott, anschließend durch seinen Penis (Vajra, »Diamantszepter«) aus, in die Gebärmutter (Padma, »Lotus«) seiner göttlichen Gemahlin Vishvamata. Diese tantrische Vereinigung nennt man auf tibetisch »Yab-Yum« (»Vater-Mutter«). Auch wenn die Symbole eindeutig sexuellen Charakter besitzen, haben sie keine wirklich erotische Intention, sondern symbolisieren die mystische Aufhebung der Gegensätze, wie das etwa auch durch das taoistische Symbol des Yin-Yang ausgedrückt wird. Gleichzeitig wird Sexualität im tantrischen Buddhismus aber auch nicht verneint und deshalb offen dargestellt. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass Sex einen wichtigen Stellenwert im Leben hat. Schließlich ist die erotische Vereinigung der Geschlechter die Voraussetzung um Leben zu erschaffen. Sexualität wird darum nicht verneint. Was es mit dieser Zustimmung tatsächlich auf sich hat, davon wissen nur diejenigen Schüler, die die höheren Initiationsgrade absolviert haben.
    Jetzt bringt Vishvamata, die Gattin des Kalachakra, den Initianden selbst als Gottheit zu Welt. Abschließend berührt der Meister den Initianden mit einer Muschel – ein Symbol für das Wasserelement – an »fünf Stellen« seines Körpers: am Scheitel, an den Schultern, an den Oberarmen, an der Hüfte und an den Oberschenkeln.
  2. Die Kroneneinweihung ist die zweite Reinigung des mystischen Leibes. Hier werden die fünf »Aggregate« des Schülers gereinigt: Bewusstsein, Geistesregungen, Empfindungen (Gefühle), Wahrnehmungen und Körperlichkeit. Jetzt lösen sich alle individuellen Persönlichkeitsstrukturen auf, um eine anschließende Neuschaffung in Form einer Gottheit zu ermöglichen. Abschließend berührt der Meister die »fünf Stellen« mit einer Krone. Im Menschwerdungsprozess entspricht diese Stufe dem »ersten Haarschnitt« bzw. dem ersten »Aufbinden des Haares«.
  3. Die Kronenbandeinweihung ist die erste Reinigung der Sprache. Erneut verschlingt der Meister in seiner Imagination den Initianden, so dass er von Vishvamata, als Gott geboren wird. Es werden hier die Energiekanäle (Nadis) gereinigt. Sie bilden das mystische Gerüst des feinstofflichen Körpers. In der Kindheitsentwicklung entspricht diese Initiation dem Durchstechen des Ohrläppchens, so dass ein goldener Ohrring als Schmuck getragen werden kann. In dieser Initiation werden die 10 Winde im Schüler gereinigt (Feuerbegleitender Wind, Schildkröten-Wind, Aufwärtsbewegender Wind, Chamäleon-Wind, Alldurchdringender Wind, Devadatta-Wind, Schlangen-Wind, Dhamnajaya-Wind, Lebenserhaltender Wind, Abwärtsbewegender Wind).
  4. Die Vajra-Glockeneinweihung ist die zweite Reinigung der Sprache. Sie entspricht im Prozess der Menschwerdung, dem Sprechen der ersten Worte, bzw. dem ersten Lachen des Kindes. In dieser Phase werden die drei Haupt-Nadis im Körper des Initianden gereinigt. Diese drei Energiekanäle verlaufen entlang der Wirbelsäule und bilden das feinstoffliche Rückgrat des Eingeweihten. Im Energiekörper des Menschen, entsprechen sie dem linken Ida-Nadi (Mondenergie), dem rechten Pingala-Nadi (Sonnenenergie) und dem zentralen Sushumna-Nadi (Erfahrung der Einheit) aus der vedischen Chakralehre. Die Tibeter nennen den linken Nadi Gantha (»Glocke«), den rechten Vajra (»Diamantszepter). Der mittlere Nadi bewirkt eine Vereinigung der beiden anderen, polar entgegengesetzten Nadis, was in der höchsten Initiation das Hauptereignis darstellt. Nachdem der Initiand vom Meister die Gantha und den Vajra überreicht bekommt, überträgt sich auf ihn die spirituelle Androgynität und damit das absolute Erfahren des Jetzt.
  5. In der Verhaltenseinweihung erfolgt die erste Reinigung des Geistes. Hier geht es um die sinnbildliche Erfahrung eines Kindes, das sich an den Sinnesobjekten erfreut. Es werden in dieser Phase die sechs Sinne (Gehör, Geruch, Gefühl, Gesicht, Geschmack, Gedanken) und ihre Sinnesobjekte meditativ vernichtet und danach auf göttlicher Ebene, neu geschaffen. Diese Initiation wird vom Meister abgeschlossen, indem er die »fünf Stellen« am Körper des Schülers, mit je einem Ring berührt, die er an seinen fünf Fingern, entsprechend der fünf Elemente trägt. Der Daumenring korreliert mit der Erde und ist deshalb gelb.
  6. In der Namenseinweihung geht es um die zweite Reinigung des Geistes. Dabei bekommt der Initiand einen religiösen Geheimnamen mitgeteilt, der einer bestimmten Gottheit entspricht. Sie wurde während der Vorbereitungsriten aus dem Kalachakra-Mandala ermittelt (siehe oben). Hiernach spricht der Guru eine Prophezeiung aus. Darin soll der Schüler als ein Buddha in Erscheinung treten. Während dieses Vorgangs werden die sechs Handlungsorgane des Körpers gereinigt: der Mund, die Arme, die Beine, die Geschlechtsorgane, der Urinapparat und der Anus – sowie die sechs Handlungen, die mit diesen sechs Organen in Verbindung stehen: Sprechen, Greifen, Gehen, Kopulieren, Urinieren und Kot ausscheiden.
  7. Die Ermächtigungseinweihung entspricht auf menschlicher Ebene der ersten Lesestunde des Kindes. Hier wird das »Tiefe Gewahrsein« geläutert. In dieser Stufe verschlingt der Meister in seiner Imagination erneut den Schüler, wonach er mit der Vereinigung von Kalachakra und Vishvamata wieder zur Welt kommt. Jetzt reicht der Guru dem Initianden, eins nach dem anderen, die fünf Bewusstseinssymbole: Vajra (Feuer), Juwel (Erde), Schwert (Luft), Lotus (Wasser) und Rad (Raumzeit). Jetzt bekommt er auf seine Bitte hin, vom Meister das Diamantszepter und die Glocke. Dabei »strömen« aus dem Mund des Meisters heilige Mantras, die vom Initianden im Herzzentrum gesammelt werden. Jetzt wird dem Initianden mit einem goldenen Löffel eine »Augenmedizin« verabreicht und er legt dabei den »Schleier der Unwissenheit« ab. Jetzt kann er die illusionären Dinge der Welt und ihre eigentliche Leerheit erkennen. Ein Spiegel wird ihm dazu als Ermahnung überreicht. Um sich auf diese Wahrheit zu konzentrieren, überreicht ihm der Meister symbolisch einen Bogen und einen Pfeil.

Abschließend übergibt der Guru dem Initianden feierlich das Diamantenszepter (Vajra) und die Glocke (Gantha). Seine geheime Natur besteht in der erhabenen Weisheit der großen Glückseligkeit desjenigen, der die »Methode« Upaya empfangen hat. Jetzt kreuzt der Schüler den männlichen Vajra in seiner Rechten mit die weibliche Gantha in seiner Linken – diese Geste heißt Vajrahumkara, was die tantrische Fertigkeit symbolisiert, die weiblichen Weisheitsenergien durch das Upaya zu beherrschen.

Hiermit enden die sieben unteren Initiationsphasen des Sadhakas (Schüler, Sucher, der Initiand der unteren Kalachakra-Einweihung geworden ist). Er darf sich jetzt als »Herr der siebten Ebenen« bezeichnen und erhält damit das Recht, die Lehre des Buddha zu verbreiten.

Kalachakra-Mandala - ewigeweisheit.de

Das Kalachakra-Mantra besteht aus sieben ineinandergreifen Sanskrit-Buchstaben: Ham (Mond), Kshah (Lotus), Ma (Meru), La (Erde), Va (Wasser), Ra (Feuer) und Ya (Luft). Bild: (cc)

Die esoterischen Initiationsgrade

So wie die sieben unteren Einweihungen den Initianden gereinigt haben, so sollen die vier höheren Einweihungen ihm helfen sich in eine Gottheit zu verwandeln. Diese Einweihungen dürfen nur von einer kleinen Zahl von Auserwählten empfangen werden und unterliegen strengster Geheimhaltung:

  1. Die Vaseneinweihung
  2. Die Geheime Einweihung
  3. Die Weisheitseinweihung
  4. Die Worteinweihung

Die Meister des Kalachakra-Tantra geben die Geheimnisse dieser vier Einweihungsstufen nicht preis. Sie ähneln vielleicht dem, was ja auch in den Riten der Freimaurer unter strengster Geheimhaltung verschwiegen werden muss. Würde einer die Initiationsgeheimnisse der höheren Grade ausplaudern, brächte er sich damit in Gefahr.

Es scheint, als spielten sich während der esoterischen Einweihungen Vorgänge ab, die jeder Erklärung entbehren und den Nichteingeweihten, durch ihren Verrat, mit Sicherheit schockieren würden. Was gesagt werden kann, ist das es sich hier teilweise um sexualmagische Praktiken handelt, von denen man sich aber keine biederen Vorstellungen machen darf. Wahrscheinlich finden bei allen Geheim-Initiationen Handlungen statt, die, würden sie durch Worte beschrieben, einfach nur zu schlimmer Irreführung und schrecklichen Vermutungen führten.

Adi Buddha – der höchste Initiationsgrad

Letzte Stufe und Ebene absoluter Vollkommenheit, auf dem Weg der Kalachakra-Initiation, ist die Erreichung eines geistigen Zustandes, der »Adi Buddha« genannt wird. Derjenige, der diesen höchsten Buddha erkannt hat, der hat auch das Rad der Zeit (Kalachakra) erkannt. Den Adi Buddha nennt man auch den »Höchsten Einen«, aus dem alles andere hervorgeht – was ja dem Konzept der monotheistischen Religionen, verblüffend nahe kommt.

Der Adi Buddha ist als großer, kosmischer Androgyn aus sich selbst entstanden, hat also keine Vorgänger von denen er abstammt. Er ist die Vereinigung der Gegensätze, ist ungeteilt. Bar aller Leiden lebt er in höchster Glückseligkeit. Wie der heilige und oberste Herr-Gott der Hebräer JHVH, besteht der Adi Buddha schon immer und wird bis in alle Ewigkeit fortbestehen. Dieser transzendente Ewigkeitsaspekt, lässt ihn ohne Befleckung auch in einer Welt der Makel bestehen, da aller Makel ja bereits auf dem Weg des Zerfalls und seiner Auflösung ist. Alles schlechte, böse und unreine fällt vom Adi Buddha darum einfach ab. Er ist der Allgott und höchster Herr des Universums.

Der Adi Buddha verkörpert sich als das Rad der Zeit. Er lässt alles es entstehen, im Zyklus von Schöpfung und Zerstörung aller niederen Existenzen. Er ist der König des Kalachakra-Tantra, beherrscht Körper, Sprache und Geist und kann, im höchsten Initiationsgrad, als anthropomorphe Gestalt in einem Adepten erscheinen.

Wer in diesen höchsten Grad eingeweiht wurde, der ist durchdrungen vom Adi Buddha. Aus seinem Herz strahlt das Licht der universellen Wahrheit.

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Die acht Glieder des Yoga

Die acht Glieder des Yoga

Moderne westliche Medizin verfolgt hauptsächlich die rasche Rehabilitation eines Menschen, damit er so schnell wie möglich wieder als Arbeiter oder Angestellter eingesetzt werden kann. Das erfüllt durchaus seinen Zweck und ihm soll hier auch nicht der Sinn abgesprochen werden. Die Vorstellungen von Zeit, sind damit aber ganz anders geartet, als bei den Indern, auch wenn heute der westliche Einfluss, dort immer deutlichere Züge annimmt.

Um das eigene Leben zum Guten zu führen und die Chakras zu harmonisieren, kann man sich auf den sogenannten achtgliedrigen Yoga-Pfad begeben. Er führt zu mehr Ruhe, Gelassenheit, harmonisiert die Chakras und verbessert den Zustand der körperlich-psychischen Gesamtkonstitution. Letztendlich führt dieser Weg zur vollkommenen Klärung des Geistes und zur vollständigen Befreiung von Ärger, Sorgen, Wut und Angst. Denn ein ruhiger, klarer Geist ist Voraussetzung für seelisches und körperliches Wohlbefinden.

Der Weg des Yoga ist lang, führt aber, wenn man ihn geduldig geht, zu Gesundheit, Heilung und schließlich zu Erleuchtung – so der große Patanjali, Autor der Yoga-Sutras. Dieser indische Heilige bietet in seinen Sutras Hilfe zur Überwindung von Lebenshindernissen (Kleshas), die letztendlich zu Leid führen. Patanjali spricht von einem praktischen Weg (Kriya-Yoga) und einem königlichen Weg (Raja-Yoga). Diese beiden Wege beschreitet ein Yogi im Umgang mit dem Selbst, dem Atem, dem Körper und den Sinneswahrnehmungen aus seiner Umwelt. Wer diese fünf unteren Yoga-Übungen des praktischen Weges gemeistert hat, kann sich auf den geistigen Weg begeben. Damit übt er Konzentration, Meditation und die höchste, innere Befreiung seines Geistes.

Was Sie über die sieben Chakras unbedingt wissen sollten

von S. Levent Oezkan

Geheimnisse der Chakras - ewigeweisheit.de

Jeder kennt sie: die sieben Chakras. Doch nur wenige wissen, dass die Menschheit bisher nur die unteren fünf Chakras voll entwickelt hat. Die beiden höchsten Chakras sind zwar im Körper aktiv, doch die Menschen werden ihre wahren Bedeutungen und Eigenschaften erst in ferner Zukunft erkennen.

Muladhara-Chakra

Das Muladhara sitzt im Perineum, dem Damm zwischen After und den äußeren Geschlechtsorganen. Hier sitzt die Wurzel unseres feinstofflichen Körpers. Dorthin zieht sich unser Körperbewusstsein im Schlaf zurück. Es ist das Muladhara-Chakra die Wurzel aus der unser Leben hervorwächst, dass uns an die Erde bindet und uns mit den tagtäglichen Lebensaufgaben hilft. In ihm wurzelt unser Sein auf der Erde. Von hier aus dehnt sich unsere bewusste Wahrnehmung in die vier Himmelsrichtungen hin aus - daher die vier Blütenblätter des Muladhara-Lotus.

Was immer über das Muladhara-Chakra ausgesagt werden kann, dass trifft auch auf die äußere Welt zu. Zwar wird diese Welt vom gewöhnlichen Menschen für die eigentliche, tatsächliche Welt gehalten, doch ist es eher eine Welt, in der wir den Impulsen, Instinkten und unbewussten Eindrücken regelrecht ausgeliefert sind. Das Bewusstsein von Muladhara ist wie ein dunkler Ort, an dem sich unser wahres Selbst in einem unbewussten Zustand, ja man könnte fast sagen, in einem Schlafzustand aufhält.

Darum fühlen wir uns immer wieder ungerecht von anderen behandelt, als Opfer der gegebenen Umstände, selbst wenn unsere Vernunft versucht, Auswege aus unangenehmen Situationen zu finden.

Muladhara-Chakra - ewigeweisheit.de

Yantra des Muladhara-Chakra

Swadhisthana-Chakra

Im Nachtmeer der Psyche ist es der symbolische Sitz des sich windenden, allmächtigen Leviathan. Er bewegt sich in der wässrigen Ebene des Swadhisthana-Chakra - einem Bewusstseinsbereich, der von C. G. Jung als das Unbewusste beschrieben wird. Wer in diesem Bewusstseins-Ozean erste Tauchübungen macht, sei es durch eine Psychoanalyse oder andere tiefenpsychologische Methoden, dem kann es entweder nutzen oder schaden, dass dort schlafende Ungeheuer kennenzulernen.

Manipura-Chakra

Manipura ist das Zentrum der göttlichen Substanz im Menschen. Dort erkennt er die Unsterblichkeit seiner Seele. Dieses Chakra befindet sich zwischen den Bereichen hinter dem Solar-Plexus und dem Bauchnabel. Es ist eines der ältesten Bewusstseinszentren im humanoiden Menschen. Wenn man vom »Bauchgefühl« spricht, bekommt das Bewusstsein "Nachrichten" aus diesem Chakra-Zentrum. Die Redewendung »etwas hat mir auf den Magen geschlagen« deutet darauf hin. Das die Farbe des Manipura gelb ist, findet man auch in der Redewendung »gelb vor Wut« (Gelbsucht) sein. Ist einer ängstlich hat er »Schiss« (Durchfall). Wenn einer starrsinnig an etwas festhält bekommt er vielleicht Verstopfung.

Swadhisthana-Chakra - ewigeweisheit.de

Yantra des Swadhisthana-Chakra

Die Fähigkeit des »Bauchdenkens« stammt aus einer Zeit der Menschheitsentwicklung, als die ersten humanoiden Wesen begannen die Befindlichkeit ihres Unterleibs wahrzunehmen.

Anahata-Chakra

Der Übergang von Manipura nach Vishudda ist etwas kompliziert. Nur ungern wollen wir uns sagen lassen, das sich unsere Psyche manchmal ziemlich eigenwillig in Bewegung versetzt. Es scheint als sei sie etwas Eigenständiges, etwas von uns Getrenntes. Unser Bewusstsein mag von uns wohlgeordnet sein, jeder Teil sich an dem Ort befinden, von dem man glaubt dass er dort hin gehört. Trotzdem kommt es aber vor, und jeder weiß das, dass wir plötzlich nicht mehr Herr unseres eigenen Hauses sind und andere Anteile unseres Bewusstseins wie unabhängig beginnen ihr Unwesen zu treiben. Das ist der Moment in dem wir erkennen, dass in uns etwas ist das viel urtypischer ist, als das was unser bewusster Geist zu ordnen versucht. Hierbei erkennen wir das Wirken der Urseele in uns – Purusha genannt. Purusha wird im Chakra-Yantra des Anahata als Gazelle symbolisiert (siehe Abb.) - ein Wesen nämlich, dass plötzlich aus dem Unterholz auf die Lichtung tritt und sogleich wieder zwischen Büschen und Bäumen verschwindet. Diese Symbolik steht für die überraschenden Moment großer Erkenntnis im Leben - wo uns die "Augen des Herzens" aufgehen und die Dinge sehen lassen wie sie in Wirklichkeit sind.

Manipura-Chakra - ewigeweisheit.de

Yantra des Manipura-Chakra

Sowohl aus der amerikanischen Pueblo-Kultur wie auch im Kontext der Kabbala (insbesondere im Buch Sefer Yetzirah) wird davon gesprochen, dass das Denken nicht im Kopf sondern im Herzen stattfindet. Zum einen merkt sich das Herz, als Teil des organisch-neuronalen Bewusstseins, bestimmte Erfahrungen. Wissen wird aber in den Windungen der Großhirnrinde gespeichert.

Herz und Denken im Gleichgewicht

Wenn hier gesagt wird, dass der Mensch mit dem Herzen denkt, ist es ein Hinweis auf die Kohärenz oder Inkohärenz im Blutkreislauf zwischen Herz und Gehirn. Ist unser Herzschlag ruhig, so ist auch unser Denken ruhig. Bluthochdruck, Vorhofflimmern oder andere Kreislauf-Probleme deuten auf eine Inkohärenz, ein Ungleichgewicht im Fluss der Lebensenergie (Prana) zwischen Herz und Kopf - das kann natürlich verschiedene Ursachen haben. Die Redewendung "jemand koche vor Wut", zeigt aber deutlich dass Bluthochdruck und Herzrasen auch sehr viel mit unserem Denken zu tun haben.

In der Chakra-Lehre ist das Herz dem Anahata-Zentrum zugeordnet, auf dass wir z. B. durch unsere Atmung Einfluss nehmen können. Die Herzaktivität ist direkt mit unserer Atmung verbunden.

Auf der Ebene des Anahata bewegen wir uns jenseits von Wünschen und Leidenschaften. Die Chakras unterhalb des Zwerchfells sind die Chakras die im menschlichen Körper den energetischen Bereich der Leidenschaften gehören und allem irdischen und unterirdischen unseres Planeten in Verbindung stehen. In Anahata haben wir uns über diese Ebenen erhoben, so als wären wir aus der Höhle der Leidenschaften auf die Erdoberfläche gestiegen. Was in der Natur, löst die Dinge vom Boden und erhebt sie in die Luft? Der Wind! Es ist also der Atem mit dem wir uns von den Trieben und Leidenschaften befreien können. Daher muss in allen Formen der Meditationspraxis (Buchtipp) zuerst der ruhige Atem geübt werden.

Anahata-Chakra - ewigeweisheit.de

Yantra des Anahata-Chakra

Vishudda-Chakra

Über der Ebene von Anahata befindet sich das Vishudda-Chakra. Man nennt es auch die "Sphäre der Abstraktion", da es sich dort befindet, wo der Mensch die Wirklichkeit seiner Erfahrungen durch seine Sprache (Hals, Kehlkopf, Unterkiefer) abstrahiert. Über Vishudda treten wir ein in die Ebene menschlichen Austausch. Es ist ein wissenschaftlicher Bereich unseres Bewusstseins. Nur mit Wissen, mit der Kenntnis der Sprache, können wir Konzepte erzeugen, die anderen zum Verständnis dienen.

Vishudda ist aber auch das Chakra des Atmens, da die Atemwege auf dieser Höhe ihren äußeren Eingang in die Lungen nehmen. Sprechen und Atmen sind untrennbare Glieder unseres lebendigen Körpers. Man kann Vishudda also dem Lufthauch des Atems zuordnen. Die alten Griechen nannten ihn "Pneuma" - Lebensgeist. So also ließe sich Vishudda als Geistprinzip der Atemseele definieren. Das indische Wort »Atman« - das Selbst - und das Wort »Atem«, sind ihrer Herkunft nach miteinander etymologisch verwandt. Das Geistprinzip des Atmens können wir mit der Lebensenergie Prana gleichsetzen (was die Chinesen »Chi« oder die Japaner »Ki« nennen). Prana gehört im System der fünf Tattvas (Elemente im Vedanta) zum Akasha - dem Lebensäther. 
Hiermit wäre die Chakra-Reihe eigentlich abgeschlossen, da die fünf Tattvas die elementare Basis und Schwingungsgrundlage der fünf unteren Chakras bilden:

  • Das Muladhara (Wurzelchakra) basiert auf dem Erd-Tattva Prittvi,
  • das Swadhisthana (Sakralchakra) auf dem Wasser-Tattva Apas,
  • das Manipura (Nabel- bzw. Solarplexus-Chakra) auf dem Feuer-Tattva Agni (in anderen Systemen "Tejas" genannt),
  • das Anahata (Herzchakra) auf dem Luft-Tattva Vayu und schließlich
  • das Vishudda (Kehlkopfchakra), wie wir im letzten Absatz dargestellt haben, auf dem ätherischen Tattva Akasha.

Akasha ist bereits jenseits menschlicher Vorstellungskraft, da es unsere Sinneswahrnehmungen nicht berührt. Darum ist die Definition der beiden Chakras oberhalb des Vishudda - Ajna und Sahasrara - sehr schwierig. Sie befinden sich jenseits der Elementarwelt, jenseits des Akasha und damit ganz außerhalb unserer körperlichen und psychischen Wahrnehmung.

Vishudda-Chakra - ewigeweisheit.de

Yantra des Vishudda-Chakra

Ajna-Chakra

Es wäre eher frech zu behaupten, man wüsste worum es sich beim sechsten Chakra Ajna in Wirklichkeit dreht. Selbst wenn jeder durchschnittlich gebildete Esoteriker sofort auf die Stirn deutet, um die Position des Ajna-Chakra im menschlichen Körper zu zeigen, ist damit das Wesen dieses geheimnisvollen Chakras noch nicht erklärt.

Auf seiner Entwicklungsebene hat der heutige Mensch nicht einmal die fünfte Chakra-Ebene voll entwickelt. Er befindet sich immer noch am Anfang. In der Theosophie ist die Rede von Entwicklungsschritten der Menschheit die in großen Zeitzyklen erfolgen. Jeder dieser Entwicklungsschritte läuft parallel zur planetarischen Entwicklung (Sonne, Sonnensystem, Erdentwicklung und Austritt des Mondes aus der Urerde, usw.). Diese Schritte werden in der indischen Theosophie als Manvantaras bezeichnet. Es sind die Zeitalter der Manus, überweltliche Führer der Menschheit. Die Bezeichnung »Manu« leitet sich vom Wort »Manas« ab, das mit dem deutschen Wort »Mensch« verwandt ist. Als indischer Fachausdruck entspricht Manas dem, was man im Christentum als den »Heiligen Geist« bezeichnet. Manus sind also geistige Stammväter einer jeweiligen Menschheitskultur. In der Theosophie werden sieben große Zeiträume genannt, in denen ein Manu die Menschheit führt und ihre feinstofflichen Lichtkörper weiterentwickelt werden:

  1. Polarische Zeit: Entwicklung des Muladhara

  2. Hyperboräische Zeit: Entwicklung des Swadhisthana (vergl. Genesis 4:1, wo nach der Kost vom Baum der Erkenntnis, Adam Eva erkennt und sie schwanger wird)

  3. Lemurische Zeit: Entwicklung des Manipura

  4. Atlantische Zeit: Entwicklung des Anahata

  5. Gegenwart: Entwicklung des Vishudda

  6. Sechste Menschheit (Zukunft): Entwicklung des Ajna

  7. Siebte Menschheit (Zukunft): Entwicklung des Sahasrara

Als Mensch besitzen wir zwar alle Chakras, die auch in ihrer Gesamtheit in Körper, Seele und Geist zusammenspielen, die Rolle des Menschen in seiner gegenwärtigen Verkörperung aber wird sich erst in ferner Zukunft zu einem hochgeistigen Wesen entwickeln. Dann erst werden wir die wahre Bedeutung der oberen beiden Chakras (Ajna und Sahasrara) erkennen. Das heißt, der Mensch ist im Besitzt all der Eigenschaften der sieben Chakras, hat aber erst die unteren vier Chakras (Muladhara, Swadhisthana, Manipura, Anahata) in ihrer vollen Wirksamkeit ausgebildet und erkannt.

In den fünf Chakra-Yantras wird jeweils ein Tier abgebildet:

  1. Muladhara: Elefant (mit sieben Rüsseln)

  2. Swadhisthana: Alligator

  3. Manipura: Widder

  4. Anahata: Antilope

  5. Vishudda: Elefant

Die Tierbilder in den Yantras stehen für die physischen Faktoren, die je auf eines dieser Chakras spürbar einwirken. Im Yantra des Ajna-Chakra fehlt jegliche Tiersymbolik. Gott der im Schlafzustand Muladharas ruhte, ist in Ajna vollkommen erwacht. Es ist das energetische Zentrum wo sich das menschliche Bewusstsein mit der Shiva-Kraft verbindet. Man nennt dieses Bewusstsein Shakti. Es ist die kosmische Gattin Gottes, an deren Wirkung der Mensch teilhat. Die vollständige Erlangung der Shakti wird bei der Einweihung in die Mysterien vollzogen. Wir als »Normalsterbliche« können sie aber allmählich in unserem Bewusstsein entwickeln, indem wir immer mehr die Angst vor dem eigenen Tod verlieren. Daher auch die göttliche Hochzeit von Shakti mit ihrem männlichen Konstorten Shiva – dem Gott des Todes, der Zerstörung, aber Erneuerung. Einweihung bedeutet nichts anderes als sich »dem Einen zu weihen«, also den Tod zu überwinden, der ja die Grenze zwischen polarem Bewusstsein (Gut und Böse, Licht und Finsternis, Mann und Frau, etc.) und dem Einheitsbewusstsein ist. Wir finden dies im Yantra des Ajna versinnbildlicht, dessen zwei nach links und rechts weisende Lotusblätter durch einen Kreis dazwischen verbunden, vereinheitlicht werden.

Ajna-Chakra - ewigeweisheit.de

Yantra des Ajna-Chakra

Auf der Ebene des Ajna ist sich der Mensch bewusst, dass er ursprünglich ein geistig-seelisches Wesen war, dass in die irdische Realität »gefallen« ist (Stichwort: Sündenfall, durch die Kost vom Baum der Erkenntnis von Gutem und Bösen, von Licht und Finsternis; kurz: der Erkenntnis der Polarität die gleichzeitig die Erkenntnis des Todes ist). Wenn es in der Genesis heißt "Adam erkannte sein Weib Eva und sie ward schwanger", heißt dass, das die beiden Geschlechter des Menschen ihre Unterschiede erkennen, die sich durch Vereinigung gegenseitig ergänzen, miteinander verbinden, verschmelzen lassen, und der Mensch in diesem Vereinen zum Lebensschöpfer wird. Für den Einzelnen bedeutet das, dass die Erkenntnis auf psychisch-geistiger Ebene durch die Vermählung von Verstand und Gefühl errungen wird.

So können wird über das Ajna-Chakra die Ich-Illusionen auflösen, die ja wesentlich zu den Konflikten in unserem Leben beitragen. Psychisches ist nicht mehr ein Teil von uns, sondern wir werden ein Teil des Psychischen - werden damit eins. Hier ist eine Stufe erreicht, in der Vorstellungen über die Wesensgestalt des Seins nicht mehr erklärt werden müssen - ja sogar überflüssig werden. Um in Ajna anzukommen muss menschliches Denken vollkommen still werden. In diesem Zustand wird man zum Gefäß des Göttlichen. Alles was in diesem Bewusstsein geschieht, ist dem Verlangen Gottes nachzukommen, wobei eigentlich nichts von einem verlangt wird, da man es bereits von selbst erfüllt. Man ist eins mit Gott geworden und diese Kraft kehrt zurück in Gott.

Sahasrara-Chakra

Wir erreichen in Sahasrara das Kronenchakra. Wovon soll man sich hier ein Bild machen? Es ist ein Bereich jenseits aller Gedankenleere!

Sahasrara ist eher eine philosophische Auffassung als ein tatsächlicher Erfahrungswert. Es mag deshalb nicht verwundern, dass diese Ebene in manchen Chakra-Systemen einfach weggelassen wird und nur von sechs Chakras die Rede ist.
Und doch scheint auch diese Ebene auf unser Dasein zu wirken. Es wäre aber sinnlos hier eine Erklärung über das wahre Wesen des Sahasrara abzugeben. Vielleicht können wir sagen, dass Sahasrara auf die Wahrheit dessen deutet, was in der westlichen Tradition mit der in Genesis genannten »wüsten Leere« beschrieben wird - ganz am Anfang des Schöpfunsberichts der Bibel. Die Inder nennen das Brahman. Es ist die Einheit ohne etwas anderes, dass neben ihm existiert. Es ist absolutes Chaos und absolute Ruhe zugleich, in der das »Wehen des Nichts« alles erloschen hat und gleichzeitig jede Schöpfung aus dem Nichts hervorbrechen kann. Diesen Zustand nennt man im Osten das Nirvana.

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Schlangenkraft Kundalini: Urenergie des Universums

von Johan von Kirschner

Kundalini - ewigeweisheit.de

Im Hinduismus stehen die drei Gottheiten Brahma, Vishnu und Shiva, auf Sanskrit Trimurti, für die drei Formen des Ursprungs der göttlichen Wirkungen in der Einheit aller Welten. Somit sind die Trimurti also nicht getrennt voneinander existierende »Götter«, sondern drei Aspekte von sich gegenseitig, ergänzender Prinzipien göttlichen Seins:

Brahma ist der schöpferische Aspekt.
Vishnu der erhaltende und verwandelnde Aspekt.
Shiva der zerstörende, jedoch erlösende Aspekt.

Brahma steht für den Neubeginn, nachdem Shiva den dunklen Geist der Unwissenheit zerstört hat. Vishnu repräsentiert die zwischen beiden bestehende Harmonie und Gutmütigkeit Gottes, die für eine gewisse Zeit besteht. Diesen drei Prinzipien begegnen wir erneut, in den Kapiteln über die Chakras.

Die Urenergie des Universums

Im Hinduismus ist Shakti die weibliche, aktive Urenergie im Universum. Sie repräsentiert Macht und Kraft, als weiblicher Gegenpart der männlichen Trimurti. Auch sie erscheint in drei Formen:

  1. Als Gattin des Brahma nennt man sie Sarasvati, die Mutter der Künste und der Wissenschaften.
  2. Als Gattin Vishnus ist die Lakshmi, Göttin des Glücks und der Reichtümer.
  3. Die Shakti des Shiva ist Parvati, die entweder als sanfte oder kriegerische Göttin auftritt.

Gemeinsam mit Prakriti, dem Urstoff (Urmaterie) und Maya, den Illusionen des Vergänglichen, bildet Shakti die drei Urkräfte des Universums. In jedem Chakra wirken diese Aspekte von Gottheit und Urenergie (Shakti).

Shakti-Energie ist jedoch keine materielle Kraft wie Elektrizität, Magnetismus, keine zentripetale oder zentrifugale Kraft. Sie ist vielmehr etwas Geistiges, das den gesamten Kosmos durchdringt, sich jedoch als physische Kraft manifestieren kann.

Energiekanäle des Ätherkörpers

Wir hatten oben gesagt, dass der physische und der ätherischer Körper, ineinander bestehen. So wie im physischen Leib, durch Nervenbahnen, Lymphgefäße und Blutgefäße, Energie, Körpersäfte und Blut fließen, so wird ätherische Energie durch die sogenannten Nadis transportiert.

Im ätherischen Körper gibt es zwei Hauptströme, die im Körper zirkulieren:

  • Rechts der Wirbelsäule der Sonnenstrom Ha.
  • Links der Wirbelsäule der Mondstrom Tha.

Daher stammt der Begriff »Hatha-Yoga«, einer Form des Yoga mit dem Ziel, Gleichgewicht zwischen Körper, Seele und Geist herzustellen. Dies geschieht durch das Einnehmen besonderer Körperhaltungen (Asanas) und dem bewussten Atmen (Pranayama). Die meisten Menschen setzen die Bezeichnung des Hatha-Yoga mit dem Begriff des Yoga gleich. Yoga an sich ist aber weit mehr als nur die Praxis bestimmter Körperübungen. Es ist ein Weg der Befreiung.

Yoga ist die Kontrolle über die Denkbewegungen des
Geistes. Damit verweilt der Mensch in seiner wahren Wesensnatur. Wenn sich der Mensch nicht im Yoga- Zustand befindet, identifiziert er sich mit den
Denkbewegungen seines Geistes.

– Yoga Sutras 1:2-4

In diesem Yoga-Zustand, wo Geist, Emotionen und Körper, vom Meditierenden kontrolliert werden, sind die Energieflüsse in den Nadis gleichmäßig und ausgewogen.

Im Yoga-System unterscheidet man drei Haupt-Energiekanäle, die mit drei feinstofflichen Pforten des Körpers verbunden sind.

Ida-Nadi

Ida, ist kühl und gleicht dem blassen Glanz des Mondlichts. Hier fließt Lebensenergie durch das linke Nasenloch in den Körper ein. Dieser Nadi ist weiblicher Natur, durch den lebensspendende, feinstofflich-wässrige Energie fließt.

Pingala-Nadi

Pingala, ist heiß, dem Strahlen der Sonne gleich und fließt durch das rechte Nasenloch in den Körper ein. Dieser Nadi ist männlicher Natur, durch den auflösende, feinstofflich-feurige Energie fließt.

Shushumna-Nadi

Shushumna ist der zentrale Nadi, der sich parallel zum Rückenmark-Kanal des physischen Körpers befindet. Das Energietor dieses Nadis öffnet sich an der Stelle, wo sich die noch offene Fontanelle befindet, im Schädeldach des Neugeborenen. Beim Erwachsenen ist diese Stelle im Normalfall geschlossen.

Shushumna hat seinen Ursprung im Wurzelchakra (Muldahara) und steigt entlang des Rückenmarkkanals durch den Körper auf, um sich ins Kronenchakra (Sahasrara) zu öffnen.

Lebensenergie

Prana bedeutet wörtlich »Lebensatem« und ist ein untrennbarer Teil der kosmischen Energie Shakti, durch die das Weltall geschaffen wurde. Atmen heißt Leben und so ist Prana an sich ein Synonym für die Lebenskraft oder Lebensenergie. Es entspricht dem Qi oder Chi (auch: Ki) der Traditionellen Chinesischen Medizin. Diese Lebensenergie ist Teil der Materie, auch wenn sie nicht für jeden Menschen direkt wahrnehmbar ist. Durch die richtige Yoga-Praxis, kann ein Mensch ein Gespür für diese Energie entwickeln.

Verschiedene Aspekte annehmend, zirkuliert Prana im Körper durch die oben beschriebenen Nadis Ida, Pingala und Shushumna, sowie durch ihre Nebenäste (im klassischen Hatha Yoga Pradipika ist die Rede von 72.000 Nadis). Prana ist die darin aufsteigende Lebensenergie. Absteigendes Prana nennt man Apana. Beide, Prana und Apana, strömen beim Ein- und Ausatmen durch die beiden Nasenlöcher. Sind Prana und Apana im Gleichgewicht, ist ein Mensch gesund.

Für den Menschen ist dieses Strömen jedoch nicht spürbar, da er vom ersten Augenblick seines Lebens daran gewöhnt ist.

Biologische Aspekte des Prana

Der Fluss von Prana und Apana bewirkt den Stoffwechsel und die Erzeugung von Wärme im menschlichen Körper. Auf physisch-biologischer Ebene, lässt sich der Prana-Fluss mit dem Atmungsvorgang vergleichen. So entspricht Prana der eingeatmeten Luft, während Apana der ausgeatmeten Luft entspricht.

Unsere eingeatmete Atemluft (Prana) besteht aus ungefähr 21% Sauerstoff, 78% Stickstoff und 1% anderen Gasen (überwiegend das Edelgas Argon). Die ausgeatmete Luft enthält dann nur noch etwa 17% Sauerstoff, jedoch ungefähr 4% Kohlendioxid (Kohlensäure). Dieses Gas entsteht bei der Oxidation des im Blut gelösten Traubenzuckers (Glukose). Diese Substanz wird bei der Verdauung aus den aufgenommenen Kohlenhydraten erzeugt und zirkuliert als Energieträger im Blutkreislauf. Beim Einatmen »verbrennt« dieser Zucker in den Lungen, was die lebensnotwendige Körperwärme erzeugt.

So also stehen Prana und Apana in Zusammenhang mit dem Stoffwechsel im menschlichen Körper.

Doch Prana ist mehr als nur Luft. Die Sonne strahlt ununterbrochen eine enorme Menge an pranischer Energie auf die Erde aus. Darum sind, im Bereich der feinstofflichen Wirkungen, Sonnenfinsternisse besondere Ereignisse. Dann nämlich ist die Erde, wenn auch nur kurz, vom solaren Prana-Strom abgeschnitten.

Die andere kosmische Prana-Quelle für die Erde ist der Mond. Auch Planeten und Sterne beleben die Erde mit pranischer Energie. Jede dieser kosmischen Kraftwirkungen, übt auf den menschlichen Energiehaushalt seine besondere Wirkung aus. Ohne Prana gibt es kein Leben auf der Erde.

Die Kundalini

Zentrales Wesen des esoterischen Yoga-Systems ist die Kundalini. Sie ist die verkörperte Urenergie des Weltalls und ist vom Prinzip her identisch mit der bereits erwähnten Shakti. So wie die Shakti die kosmische Energie des Kosmos darstellt, stellt die Kundalini, die ja ein Teil dieser Shakti ist, die geistig-kosmische Energie im menschlichen Körper dar.

Kundalini nennt man die Schlangenkraft; daher auch ihr Name: »Die Aufgerollte«. In den Yoga-Lehren heißt es, die Kundalini sei in dreieinhalb Windungen am unteren Ende der Wirbelsäule aufgerollt. Die drei Windungen entsprechen den drei Gunas – den Qualitäten der Materie: Sattva (Reinheit), Rajas (Bewegung) und Tamas (Trägheit). Jene halbe Schwanz-Windung bleibt in der Urmaterie Prakriti verwurzelt. Ist die Kundalini-Schlange aufgerollt, schläft sie im Wurzelchakra des Ätherkörpers.

Diese geheimnisvolle Kundalini-Schlange ruht am Beginn des Shushumna Nadi, am untersten Punkt der Wirbelsäule. Wird die Kundalini erweckt, soll sie einen zischenden Laut von sich geben, man sagt, so als hätte man sie mit einem Stock geschlagen. Dann steigt sie entlang des Shushumna-Nadi auf, dem zentralen Energie-Kanal, und durchläuft dabei alle Chakras. Wer die Kundalini langsam zu erwecken vermag, dem verleiht sie Glückseligkeit und Weisheit.

Prana, das in unserem Körper fließt, ist ein Aspekt der Kundalini. Der natürliche Egoismus, der Intellekt, die Sinneswahrnehmungen und das Bewusstsein, bilden, zusammen mit den fünf Tattvas (Elementen), Produkte der Kundalini. Wenn nun die göttliche Kraft der Kundalini, auf das Prana in den Nadis wirkt, bringt sie einen mystischen Klang hervor. In umgekehrter Weise kommt es zum Mitschwingen der Kundalini-Energie, wenn bestimmte Klänge im Körper erzeugt werden. Das sind die sogenannten Mantras (sanskritisch für »Lied« oder »Hymne«). Mit dem Singen oder Wiederholen besonderer, den Chakras eigenen Mantras, beginnt die Kundalini den Shushumna-Nadi aufzusteigen. Da kommt einem das Bild des indischen Schlangenbeschwörers, der durch die Melodien seiner Klarinette, die Kobra aus ihrem Korb lockt, bis sie sich vollständig aufgerichtet hat.

Ist die Kundalini erweckt, wird ihre Vibration in allen Teilen des Körpers wirksam. Daher rühren auch die mystischen Erfahrungen, die Gläubige in Ost und West in besonderen Gottesdiensten machen, wie etwa die Sufis bei ihrem Dhikr – dem Wiederholen der heiligen Namen Allahs.

Kundalini und Prana hängen direkt zusammen. Ihr Zusammenspiel wirkt auf die Nadis und damit auf die Chakras. So können die Wirkungen bestimmter Mantras sich bis in jede Körperzelle fortpflanzen. Von dort aus können sie, etwa bei einem kranken Menschen, Heilprozesse in Gang setzen, die sich auf alle umliegenden Körperzellen hin ausbreiten.

Die Kundalini eines Menschen existiert also in zwei Zuständen: schlafend und erwacht, ist statisch und dynamisch. Durch richtiges, bewusstes Atmen steuern wir ihre Funktion.

Erweckung der Kundalini

Für die meisten modernen Menschen ist der Geist etwas, das ausschließlich von der Aktivität der Gehirnzellen ausgeht. Wahrscheinlicher aber, sind die Bewegungen unseres Geistes von jenem feinstofflichen Lebenselement abhängig, dass wir oben als Prana definiert haben. Prana existiert überall im Kosmos: in unserer Galaxie ebenso, wie im Sonnensystem. Es fließt durch die Erde und durch jede Zelle eines lebenden Organismus. Es zirkuliert im menschlichen Körper als anregende, belebende Kraft. So ist Prana Nahrung für die Geistesbewegungen, wie auch für die feinstofflichen Ströme die in den Nadis, Adern und Nervenbahnen fließen.

Im Gegensatz zu unserem Körper, erfährt das Gehirn in unserem gesamten Leben keine nennenswerten Veränderungen. Anders aber, sobald die Kundalini erwacht. Damit beginnt eine Verwandlung des gesamten Nervensystems, von dem das Gehirn ja einen ganz wesentlichen Teil bildet.

Das Erwecken der Kundalini bewirkt einen bemerkenswerten Einfluss auf das Bewusstsein eines Menschen. Dann kommt es zu einem gesteigerten Fluss von Prana im zerebralen Bereich. Mit der Wirkung dieses neuen Lebensstroms, genannt Kundalini-Kraft, kommt es auch zu einem erhöhten Fluss von Blut im Schädelbereich. Natürlich hat das entsprechende Effekte.

Das Nervensystem eines Menschen, das noch keine hohe Reife der Entwicklung erreicht hat, kann durch Aktivierung des Kundalini-Stroms gereizt werden. Hierbei stellen sich unter anderem verwirrende Nebeneffekte ein, die zu Erregung führen können. Auch Fälle von Wahnvorstellungen sind schon aufgetreten, die in Extremfällen sogar in Ohnmacht oder Lähmungserscheinungen endeten. Je nach Entwicklungsgrad, körperlicher Beschaffenheit und Temperament eines Menschen, muss das Erwachen der Kundalini darum unbedingt langsam erfolgen.

Bevor wir damit beginnen unsere Kundalini zu aktivieren, sollten wir uns entsprechend vorbereiten. Entsagung von Wünschen und Begierden, wie in jeder anderen spirituellen Praxis auch, bildet die Grundlage, im Umgang mit dieser höchst kraftvollen Energie. Letztendlich aber erwacht die Kundalini-Kraft nur, wenn sich ein Mensch über seine Begierde, seine negativen Gefühle wie Zorn und Stolz erhebt und sich dadurch aus den Täuschungen des Geistes befreit.

Voraussetzung für den Erfolg der Kundalini-Erweckung ist also Reinheit im Denken, Wollen und Handeln. Doch es ist auch nicht damit getan, nur einmal, sozusagen »zum Test«, zu versuchen die Kundalini-Kraft zu erwecken. Regelmäßiges Üben ist wichtig, denn das Erwecken dieser Kraft schafft viele Begierden die man unter Kontrolle bringen muss. Wer nicht rein ist, wird diesen Begierden nicht widerstehen können – die Arbeit an Körper und Seele, wäre dann aber überflüssig.

Durch diszipliniertes Üben kann der Yogi die Kundalini allmählich erwecken, so dass sie beginnt sich zu entrollen und entlang des Rückenmark-Kanals aufzusteigen. Leider gibt es aber Törichte, die glauben bereits erleuchtet zu sein und sich aus Irrtum eine bestimmte Methode aussuchen, gleichzeitig aber auf andere wichtige Übungen verzichten. Sobald so einer bei seinen Übungen in Schwierigkeit gerät, gibt er schnell auf.

Meisterschaft erlangt, wer geduldig übt.

Wem gelingt, die Vereinigung der Kundalini-Shakti-Energie aus dem Wurzelchakra (Muladhara) mit der Shiva-Energie im Kronenchakra (Sahasrara) zu erzielen, der hat den Zustand des Samadhi erreicht – jenen Bewusstseinszustand, der über Wachen, Träumen und Tiefschlaf hinausgeht: die achte und höchste Stufe des Yoga-Weges. Doch bereits auf dem Weg dorthin, öffnen sich die Chakra-Lotusse dem feinstofflichen Pranalicht. Es ist so, dass sich die drei oberen Stufen des Yogaweges – Dharana, Dhyana und Samadhi – ab einem gewissen Grad der Fortschritts, von alleine einstellen und die Kundalini dann ganz aufgerichtet werden kann.

Leider aber, und es muss nochmal darauf hingewiesen werden, missverstehen viele das Erwachen der Kundalini. Solange diese geheimnisvolle Schlange dort im Wurzelchakra (Muladhara) ruht, ist sich der Mensch seiner Umgebung noch vollkommen bewusst. Wenn die Kundalini jedoch erwacht ist, verschwindet das Selbstsein in dieser Welt und man löst sich, aus dem reinen Körperbewusstsein. Mit dem Steigen der Kundalini, von Stufe zu Stufe, erlangt der Yogi wahre Bewusstseinserweiterung. Dabei entwickelt er geistige Kräfte, die weit hinausgehen über physiologische Wahrnehmung und Denkmechanismen. Im Zustand des Samadhi, wird er Herr über die fünf Elemente (Tattvas) und betritt den Raum wahrer Weisheit.

Hat man innerliche und äußerliche Reinheit hergestellt, kann, durch eine Visualisierung im Dharana (siehe oben), die Kundalini-Kraft im Körper aktiviert werden.

Kundalini-Visualisation

Für den Anfang ist es wichtig, sich die Chakra-Yantras lange anzusehen, damit man sich ihre Bilder entsprechend visualisieren kann. Man kann zu Beginn der Meditation auch eines der Chakra-Yantras auswählen, was die Visualisierung vereinfacht.

1. Schließe die Augen und Atme ruhig.

2. Stelle Dir die Kundalini vor, wie sie im Muladhara mit geschlossenen Augen, als aufgerollte Schlange schläft.

3. Langsam öffnet Kundalini ihre Augen – wacht auf – der Pranastrom im Muladhara, im Wurzelchakra beginnt ganz langsam nach oben zu steigen.

4. Pranastrom und Kundalini sind eins. Sie steigen gemeinsam entlang des Shushumna-Nadi, im innern der Wirbelsäule, ganz allmäglich nach oben – Chakra für Chakra.

5. Während die leuchtende Kundalini langsam aufsteigt, passiert der Pranastrom die farbigen Chakra-Lotusse. Davon berührt, beginnen sich die Blätter der Lotusse zu öffnen, so wie die Blüte einer Blume, die ganz gemächlich ihre Blätter im Morgenlicht entfaltet.

6. Nun sieht man das innere der Chakra-Blüte: das Chakra-Yantra, das Chakra-Tier, die Chakra-Gottheit.

7. Nachdem das Aufsteigen der Kundalini erfolgt ist und ihr Kopf sich über das Sahasrara-Chakra wölbt, erleuchtet sie das Gehirn mit einem hellen Strahlen.

8. Jetzt ist die Kundalini ganz aufgerichtet: ihr Schwanz am unteren Ende der Wirbelsäule, ihre Nasenspitze berührt die Schädeldecke und man spürt, wie aus dem Inneren des Kopfes ein Strahlen ausgeht, entlang der Wirbelsäule und durch den ganzen Körper, der in den Regenbogenfarben erstrahlt. Dieses Strahlen pulsiert ganz leicht im Rhythmus des Atems.

9. Nun tritt Kundalini ihren Rückweg an. Während sie die Chakra-Lotusse nach unten passiert, schließen sich deren Blütenblütter wieder.

10. Kundalini findet zur Ruhe in ihrer Wohnung des Muladhara, im Wurzelchakra, rollt sich dort wieder auf. Nun ruht sie dort in der finsteren Tiefe des Körpers, in dreieinhalb Windungen, schließt ihre Augen und schäft.

Entfaltung der Chakra-Zentren

Durch die zu voller Tätigkeit entfalteten Chakras, wird die von ihnen ausgehende, ätherische Energie dem physischen Körperbewusstsein übermittelt. Damit lassen sich Entspannung und Heilung erzielen.

Wenn wir uns die Chakras visualisieren, schaffen wir uns innere Geistesbilder von Lotus, Yantra, Tier und Gottheit des Chakras. Das kann ergänzend zur Kundalini-Meditation durchgeführt werden. Wenn man das Auf- und Absteigen der Kundalini übt, visualisiert man sich im Dharana (siehe letztes Kapitel) die oben genannten Geistesbilder zu den sieben Chakras. Wer in der Lage ist, die Kundalini-Visualisierung ohne Bild-Vorlage, vollständig durchzuführen, ist zu hoher Meisterschaft gelangt.

Chakra-Meditation

Man kann sich für jedes Chakra eine individuelle Meditations- und Konzentrationsübung selbst zusammenstellen. Für die Meditation verwendet man dazu die Eigenschaften, die in den Kapiteln zu den Chakras erläutert wurden. Im Anhang dieses Buches finden sich außerdem Angaben über Kraftpflanzen. Auch Edelsteine und Mineralien, die über längere Zeit getragen werden, können die Chakra-Arbeit unterstützen und zu einer Harmonisierung der Chakras beitragen.

1. Bereite Dich auf die Meditation vor, indem Du eine kurze, zwei-minütige Sitz-Meditation durchführst.

2. Nun kannst Du einen besonderen Duft zur Aktivierung der Chakras auftragen oder aus einer Duftlampe verströmen lassen.

3. Mit geschlossenen Augen, stellst Du Dir dann zuerst die mit dem Chakra assoziierte(n) Farbe(n) vor.

4. Jetzt kannst Du Dir ein Chakra-Yantra nehmen und die darin abgebildeten Details ansehen und danach visualisieren. Du stellst Dir vor, wie sich die Blütenblätter des Chakras öffnen. Innerhalb der Chakra-Blume siehst Du vor Deinem inneren Auge die geometrische Form des Chakras.

5. Nun denke an die Gottheit(en) dieses Chakras und was sie in ihren Händen an Attributen trägt und was deren Eigenschaften sind.

6. Die Chakra-Meditation endet mit dem Wiederholen der Chakra-Mantras. Die Anzahl der Wiederholungen sind die Vielfachen der Nadis eines Chakras (entspricht der Zahl der Blütenblätter; so könnte bei der Meditation auf das Sakralchakra, das Mantra 6mal, 12mal, 18mal oder 24mal wiederholt werden, bei der Meditation auf das Herzchakra beispielsweise 12mal, 24mal, 36mal).

7. Nach der Chakra-Meditation kannst Du ein kurzes Gebet sprechen und damit enden, indem Du einige Zeilen aus der Bhagavad Gita liest (alternativ: Bibel, Koran, oder andere heilige Schrift).

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