Christus

Was ist »Heilige Geometrie«?

von S. Levent Oezkan

Michael Meier: Atalanta Fugiens - ewigeweisheit.de

Seit alter Zeit suchen Menschen nach den elementaren Strukturen die unserer geschaffenen Welt ihre Gestalt gaben – sowohl im winzig Kleinen, als auch in der Welt des riesig Großen. Wo in dieser kosmischen Ordnung befindet sich der Mensch, um darin in Harmonie mit den natürlichen Kreisläufen auf der Erde und im Himmel zu leben?

Mit Antworten auf diese große Frage, sollte der Mensch die Fähigkeit erwerben, alle jenseitigen Einflüsse in seinem Leben bewusst zu integrieren, auch wenn sie sich seiner Macht praktisch entzogen. Seine Fähigkeit zu messen und abzubilden aber, lehrten ihn die periodischen Aspekte von Werden, Sein und Vergehen in der Natur der Erde zu bestimmen und dabei zu beobachten, wie das im Einklang steht mit dem Verlauf der Himmelslichter.

Er erkannte in den irdischen und himmlischen Kreisläufen besondere Muster, aus denen er ableiteten konnte, wie er sein Verhalten anzupassen hatte, als sesshaft gewordener Mensch. Hieraus entwarf er Pläne, nach denen er zuerst einmal sein Tun ausrichtete, um damit schließlich seine Lebensgrundlage auf Erden zu sichern. Was er dafür aber zu vermessen hatte, verstand er als Teil einer großen Mutter Erde: das Land mit seinen Ebenen und Bergen, mit den darin verlaufenden Flüssen, den Seen, den Wiesen und Wäldern.

Den alten Griechen war die Erde als Mutter »Gaia« darum heilig. Kein Zufall dass man durch die dabei zur Anwendung kommenden Methoden, zur Bezeichnung »Geometrie« fand, ein Ausdruck der wörtlich die »Vermessung Gaias« tituliert. Diese Maß-Nahmen erfolgten direkt – geometrisch – wie auch indirekt – astrometrisch. Was das bedeutet, dem wollen wir uns im Folgenden zuwenden.

Sakralbauten

Seit mindestens 5.000 Jahren vermessen Menschen Land und Himmel – was sowohl an den Ufern des Indus in Fernost geschah, an Euphrat und Tigris Mesopotamiens, am Nil in Afrika oder anderswo auf unserem Planeten.

Schon sehr früh begannen die Ägypter heiliges Maß anzulegen, um ihre monumentalen Bauwerke zu errichten, die ja ganz und gar auf bestimmte Himmelslichter ausgerichtet zu sein scheinen. Was man dort als Tempel oder Pyramide geometrisch abgestimmt gestaltete, waren zuerst Sakralbauten, die an manchen jahreszeitlichen Ereignissen, dem Stand heiliger Sterne entsprachen. Auch die Tolteken Mexikos konstruierten nach solcher Maßgabe ihre Tempel und Pyramiden.

Was an Lichtern vom Nachthimmel auf Erden fiel, dessen Spiegelungen folgte man, im Glauben an die Weisungen einer Gottheit. Das war mal die leuchtende Schwanzfederschlange – der toltekische Quetzalcoatl – der in seiner Brust als Herz den Planeten Venus trug – oder weitab von dort, die ägyptische Göttin Sopdet, die man im funkelnden Stern Sirius verehrte. Beim Bau der Großen Pyramiden Ägyptens berücksichtigte man solch astrometrische Richtmarken, da sie der Priesterschaft erlaubte über die Zeitpunkte sakraler Rituale zu entscheiden.

Gott als Geometer – ewigeweisheit.de

Gott als Erschaffer des Universums: Frontispiz der Bible moralisée in der Bilderhandschrift Codex Vindobonensis (um 1225).

Mit Zirkel und Lineal – sonst nichts?

Wenn wir den Geometrie-Begriff zuvor einführten, als ein Vermessen der Erde, ist damit natürlich nicht nur das Anlegen von Maßstäben gemeint. Das Messen nämlich, als eine Beschreibung von Größen und Verhältnissen mittels Zahlenwerten, ist noch verhältnismäßig jung. Erst um ca. 500 n. Chr. kamen die Zahlen über die Araber aus Indien nach Europa und erst sehr viel später in den deutschsprachigen Raum (im 15. Jahrhundert durch Adam Riese). Vorher maß man anders, sagen wir »intuitiver« – was jedoch nichts mit Ungenauigkeit zu tun hat. Bevor das aus Fernost stammende, sogenannte dezimale Stellenwertsystem der Zahlen Verwendung fand, bediente man sich natürlicher Maße als Einheit, deren Werte man durch gekonnte geometrische Konstruktionen entsprechend anordnete.

Wenn hier von Werten und Maßen die Rede ist, sind damit vor allem so Größen wie Teile, Winkel und Bogenlängen gemeint. Denn alles was die Geometer seit alter Zeit in ihrer Arbeit verwenden, sind Zirkel, Stift und Lineal.

Bereits im antiken Rom kamen Zirkel zum Einsatz, wie archäologische Funde beweisen. Stifte und andere Zeichengeräte, verwenden Menschen seit mindestens 36.000 Jahren, wobei man meist Kohlen oder weiche Mineralien als Farbsubstanz benutzte. Die ersten Lineale waren aus Knochen oder Horn verfertigt, da diese wegen ihrer Härte, auch ihre Form beibehalten. Auch Elfenbein erfüllte diesen Zweck.

Auf jeden Fall hat sich an der Einfachheit dieser drei grundsätzlichen Handwerkszeuge nichts geändert. Seit alter Zeit wissen Geometer, Architekten und Grafiker, wie sich damit jede nur erdenkliche Form zeichnen und geometrische Figuren konstruieren lassen. Was in alter Zeit zuerst auf Stein, auf Holz und dann auch auf Pergament dargestellt wurde, sollte schließlich durch besondere Arten von Papier zur Vollkommenheit gelangen.

Maße jenseits der Vernunft

Aus unserer Fähigkeit Raum zu erleben, erkennen wir normalerweise, durch die in der Architektur zur Anwendung kommenden geometrischen Wissenschaften, was uns an Gestaltungskräften umgibt. Und wenn wir oben von Intuition sprachen, die die Architekten auch beim Bau sakraler Bauwerke verwendeten, war damit insbesondere das gemeint, was die dabei tatsächlich angewendeten Maßverhältnisse anbelangt. Besonders zwei Größen sind hierbei von Belang:

  • die Zahl Pi (griechisch π), zur Bemessung der Bogenlänge und anderer Maße des Kreises, wie
  • die Zahl Phi (griechisch φ), aus der sich das Goldene Maß ableitet, ein überall in der Natur vorkommendes Verhältnis, dass wir normalerweise als harmonisch empfinden, sei es als das Verhältnis der Gesichts- und Körperglieder beim Menschen oder etwa in der Anordnung der Blätter einer Rose.

Schon im alten Ägypten bereite den Hohepriestern die Zahl Pi wohl mit auch Kopfzerbrechen. Ein näherndes Verhältnismaß sollte jedoch ausreichen (wie etwa im Ahmes Papyrus der mit der Formel 4×(8/9)2 als Annäherung an die Kreiszahl Pi arbeitet). Denn Pi ist eine Zahl, wie ebenso Phi, die die Mathematik heute als »irrational« bezeichnet: ein Wert also, der sich dem logischem Denken entzieht.

Beides sind Zahlen, die nicht durch mathematische Brüche darstellbar sind und deren Ziffern nach dem Komma, sich niemals wiederholen, sondern bis in die Unendlichkeit immer wieder in eine andere Ziffer umformen. Wer darüber etwas nachsinnt, dem dürfte einleuchten, wieso sie insbesondere für die Heilige Geometrie von besonderem Belang sind. Sie basieren quasi auf einer Geometrie die göttlich ist, und sich darum ganz und gar dem menschlichen Verstand entzieht. Denn selbst wenn Mathematiker zu den Zahlen Pi und Phi sehr präzise Annäherungen fanden, erhielte man, selbst wenn die klügsten Computer alle Ziffern dieser beiden Zahlen ermitteln wollten, dennoch kein Ergebnis, selbst wenn sie rechneten bis ans Ende der Zeit.

Pi und Phi bilden also keine Verhältnisse und lassen sich darum auch nicht berechnen. Beeindruckend aber ist, dass, wer mit dem Zirkel geometrisch konstruiert, das immer im Verhältnis zu diesen beiden Maßen tut.

Über die Vermessung der Heiligen Bezirke

Wie auch immer man diese Werkzeuge und gefundenen Maße verwendet, dienten sie zuerst einem sakralen Zweck, um damit etwa jene zu Anfangs angedeuteten Jahresfeste genau zu berechnen. Über die Beobachtung und Messung der Himmelsbewegungen, sowie der daraus gewonnenen Erkenntnisse, zeichnete man die ersten geometrischen Formen zur Hilfe dessen, was als Astronomie bekannt ist: die Kultusgesetzte der Sterne. Was sich also dort im Himmel und entsprechen auch auf der Erde an besonderen Formen und Maßen ablesen ließ, ging mehr und mehr über in eine Verwendung der dabei ermittelten Maße für kultische Handlungen.

So ermittelte Daten setzten die Zeitpunkte für sakrale Feierlichkeiten fest, die man an besonderen Orten beging: den Temenoi. Dorthin hatten einst nur jene Zugang, die für ein Volk oder eine Gemeinschaft, eine wichtige religiöser Rolle spielten – sei es etwa als Häuptling eines Stammes, als Priesterschaft oder auch als König eines Reiches. Ein Temenos (Einzahl von Temenoi) ist ein heiliger Bezirk, nach dem sich entsprechend spirituell Gesinnte oder Religionsangehörige in ihren Gebeten ausrichten.

Zu den weltweit bekanntesten Temenoi zählt etwa die Kaaba im arabischen Mekka. Den alten Griechen aber galt die Akropolis in Athen als Temenos, den Juden der Hof des Salomonischen Tempels zu Jerusalem, den Israeliten, auf ihrer Wanderung durch den Sinai, der Gipfel des Mosesberges. Abstrakteste Form dessen, was man Temenos nennt, ist wohl der Berg Kailash in Tibet, zu dem allerdings nur die Götter Zutritt haben, denn ihn zu besteigen ist Menschen bis heute untersagt.

Das Kalachakra-Mandala – ewigeweisheit.de

Kalachakra-Mandala, Tibet, 16. Jahrhundert.

Geometrie, Ritual und Intuition

Die Art und Weise, ja eigentlich die »Kunst«, sakraler Zeremonialhandlungen an solchen Orten, ist ganz und gar ausgerichtet auf eine besonders dafür entwickelte Heilige Geometrie. Denn durch die so, in sakraler Harmonie gezeichneten Formen, kann die Priesterschaft den Gläubigen helfen, auch intuitiv dem rituellen Geschehen zu folgen.

Die keltischen Druiden von Stonehenge oder Avebury zum Beispiel, führten Teilnehmer während ihrer heiligen Zeremonien, entlang der Menhire. Aber auch christliche Kleriker heute, weisen die Mitglieder ihrer Gemeinden im Gottesdienst dazu an, auf besonderen Wegen durch die Kirche zu gehen, an jene Orte darin, wo sich eine rituelle Handlung ereignet. Das kann etwa der Mittelgang einer Kathedrale sein, über den die Gläubigen sich zum Altar bewegen, um dort die Hostie zu empfangen. Heilige Geometrie dabei aber ist auch, was den darin Beteiligten peripher die höheren Wahrheiten des Geschehens suggeriert, scheint doch jedes architektonische Element eines Sakralbaues, seinen dafür vorgesehenen Zweck zu erfüllen.

Wegen der Kenntnis ihrer eigentlich wichtigen Bedeutung für die entsprechenden Kulthandlungen, verwendete man die dafür entwickelten Wegmarker, Symbole und großflächigen geometrischen Strukturen, dann später um jene sakralen Bauwerke zu markieren und darin auch physisch zu fixieren. Nicht zufällig etwa finden sich jene berühmten Formen, wie etwa das Hexagramm, die Vesica Piscis oder die Blume des Lebens, als sakrale Verzierungen in vielen verschiedenen antiken Bauwerken und zwar sowohl bei den Menschheitskulturen des Westens und des Ostens.

Wichtigster Zweck heiliger Geometrie ist, dem Betrachter durch darin verwendete, typische Bilder und Formen, zur Erkenntnis zu verhelfen, über das Wesen des Seins. In solch heiliger Kunst werden die Weisheiten und die sich daraus ergebenden Ritualhandlungen vermittelt.

Mandalas in Tibet

Die wohl berühmteste Ornamentfigur der tibetischen Buddhisten, ist das Kalachakra-Mandala – das Rad der Zeit. Ein Mandala ist ein Symbol für die esoterische Struktur des Universum, dass in Buddhismus und Hinduismus, insbesondere in der Meditation zum Ausdruck kommt. Vor allem für die Praktizierenden im sogenannten Vajrayana, dem Diamantenen-Fahrzeug des tibetischen Buddhismus, spielt das Kalachakra eine bedeutende Rolle. All die vielen Details in diesem charakteristischen Mandala, zeigen sich dem Meditierenden vielleicht zuerst im Außen, doch bilden eigentlich eine Landkarte für das Innere seines Bewusstseins.

Nicht zufällig nun, findet die eigentliche Zeremonie der Kalachakra-Einweihung getrennt statt von dem, was die Mönche da in einem anderen Raum (oder dafür vorgesehenen Ort) aus farbigem Sand als Mandala herstellen. Bereits da aber befinden sich die Mönche in achtsam-meditativer Konzentration. Denn nur so lassen sich die darin enthaltenen Elemente der Tradition entsprechend abbilden. Nach dem äußeren Zeremoniell mit den Teilnehmenden, haben diese dann Zutritt zu dem fertiggestellten Kalachakra-Sand-Mandala. Dieses Abbild eines heiligen Mandala basiert vollständig auf der Harmonie einer sakralen Raumlehre. Seine Bestandteile aber repräsentieren den Palast eines Buddha, durch den sich der Eingeweihte in seinem Innern bewegt.

Das alle Form aber, wie auch die Heilige Geometrie des Kalachakra-Mandala, an Zeit gebunden ist, endet dieses heilige Zeremoniell mit der Zerstörung des dafür hergestellten Bildes. Der farbige Sand wird also zusammengekehrt zu einem kleinen grauen Häufchen, das man daraufhin feierlich in die Fluten eines Flusses kippt.

Auch wir Menschen, deren Körper ja auch auf den Prinzipien der Heiligen Geometrie basieren, werden dereinst wohl zu Staub zerfallen sein, während sich die reinste Substanz unseres Inneren fortbewegt, im kosmischen Fluss der Zeit.

Verhältnis Pi zu Phi – ewigeweisheit.de

Die Breite und Höhe der Vesica Piscis (innen, schwarz), stehen im Verhältnis des Goldenen Maßes (Seiten des Rechtecks, grün).

Heilige Geometrie in der islamischen Kunst

Wegen des Bilderverbots im Glauben der Muslime, spielte insbesondere die Verwendung von geometrischen Mustern, die auf Grundlage sakraler Strukturen entwickelt werden können, schon immer eine ganz zentrale Rolle. Natürlich führte das in der islamischen Kunst zu einer ganz eigenen Kultur optischer Gestaltung.

Die typischen geometrischen Arabesken sind meist zusammengefügt aus sich wiederholenden, und teils in sich verstrebten Quadraten, Kreisen und anderen Formen Heiliger Geometrie. Hieraus ergeben sich komplexe Muster, die den Geist ihrer Betrachter durchaus zu zerstreuen vermögen – allerdings in positivem Sinne. Denn in meditativer Betrachtung lassen sich Gedanken auflösen, während die Blicke des Betenden, über solch geometrische Strukturen in der Moschee schweifen, seine Ohren aber geöffnet bleiben, um den Gesängen seines Imam zu lauschen.

Der englische Künstler Keith Critchlow (1933-2020) meinte gar, dass diese geometrischen Muster ihren Betrachter sogar zu einem tiefen Verständnis der darin befindlichen Realität zu führen vermögen.

Sakrale Kunst der Christen

Die christliche Sakralkunst versucht ihren Religionsmitgliedern eine Vision dessen greifbar zu machen, was durch das Erscheinen, den Leidensweg, den Tod und die Auferstehung Christi gelehrt werden soll. Im Mittelalter war so etwas für all jene von Bedeutung, die nicht lesen konnten, doch durch bildliche Darstellung jener geschilderten Christus-Geheimnisse, intuitiv die damit einhergehenden Wahrheiten erfahren sollten.

Wohl nicht zufällig erscheint der Christus Jesus in vielen sakralen Darstellungen, aus einer Vesica Piscis hervortretend, während ihn die vier Tierwesen umgeben: der Heiland als Repräsentation des Göttlichen Zentrums, aus dem die Frohe Botschaft als Christuslicht in die vier Weltecken strahlt, sichtbar geworden in den Schriften der vier Evangelisten, wo ein Mensch den Matthäus symbolisiert, ein Löwe den Markus, ein Stier Lukas und ein Adler Johannes. Das sind bildhafte Anspielungen auf das, was dem Gläubigen bekannt ist, doch ihm in seinem Betrachten helfen soll (zum Beispiel einer christlichen Ikone), die darin verborgene Mystik intuitiv und als Ganzes zu erfassen.

Was sich darin als Vierheit zeigt, erscheint natürlich wieder in der Form des Kreuzes. Das Kreuz in einen Kreis gefasst aber, wird zum astrologischen Zeichen für die Erde. Im Paganismus etwa nennt man dieses heilige Symbol das »Sonnenrad«. In allen Fällen aber finden wir darin den Hinweis auf ein Zusammenwirken solarer und irdischer Symbolik.

Im Christentum ist das eine Allegorie auf den Messias Jesus als Gottesebenbild des Solaren, der am Kreuz hingerichtet, ein Sinnbild formt, für unsere irdische Katharsis. Wenn da also ein christlicher Leidensweg am viergliedrigen Kreuze endet und ein auferstandener Christus etwa aus der Vesica Piscis hervortritt: suggeriert das nicht auch den Weg, den ein Mensch als eine im irdischen Körper geborene Seele durchlebt und erleidet und ihn endlich mit dem Tod zum Auferstehen aus der Polarität führt, wieder zurück in die Einheit?

Sicherlich sind diese Symbole und auch andere Strukturen der Heiligen Geometrie, immer schon Mittel gewesen, um den Menschen in seinem irdischen Dasein Anhaltspunkte zu geben, die ihm in seinem Leben als Wegmarken dienen können, bis ans Ende seiner Tage.

Ganz im Sinne Gaias

Seit der Antike spricht man von insgesamt fünf exoterischen und esoterischen Schlüsseln. Sie helfen einem Menschen dabei sogenannte »Tore des Bewusstseins« zu öffnen, durch die einer Zugang finden kann, zum seinem wahren Selbst. Diese Schlüssel sind Kenntnisse in Physiologie, Psychologie, Astrologie, aus der Metaphysik und schließlich aus der Heiligen Geometrie. Das Sakrale letzteren Schlüssels, der Geometrie, aber dient der intuitiven Erkenntnis über das Wesen der eigenen Innenwelt – zu der die Verwendungen der anderen Schlüssel natürlich unterstützend beitragen sollen.

Wie sich daraus ableiten lässt, wurzelt die esoterische Wissenschaft der Heiligen Geometrie in der Beobachtung der natürlichen Vorgänge auf der Erde und im Himmel. Die darin wirksamen mathematischen Prinzipien, zeigen sich in unzähligen Strukturen der Natur. Man denke etwa an den Aufbau der Kerne in der Blüte einer Sonnenblume, die in manchen Pflanzen vollkommen akkurate, geometrische Muster hervorbringen.

Die Sonnenblume – ewigeweisheit.de

Die Anordnung der Kerne in der Blüte der Sonnenblume, weist hin auf das Goldene Maß.

Doch auch Tiere finden sich, die solch geordnete, geometrische Strukturen bilden, wie etwa das Schiffsboot, einem Meeresweichtier dessen Muschel aus einer logarithmischen Spirale besteht, wobei ihre Grundform immer die selbe bleibt.

Besonders deutlich sieht man das aber bei den Bienen, mit ihren perfekt geformten Waben, in den sie ihren Honig speichern. Interessant dabei ist, dass die ringförmigen Moleküle der beiden Hauptbestandteile des Honigs, Traubenzucker und Fruchtzucker, sich auch molekularer Ebene jeweils wieder aus solchen Waben zusammensetzen.

Es scheint darum naheliegend, dass, bei der Erkenntnis solcher Zusammenhänge, es immer Denker gab, die daraus besondere, ganz eindeutige Muster abzuleiten wussten, die schließlich zu den charakteristischen Formen der Heiligen Geometrie wurden. Die Vesica Piscis, die Blume des Lebens, das Hexagramm, das Pentagramm oder die Spirale, wie auch die platonischen Körper, spielen eine signifikante Rolle, um natürliche Phänomene zu veranschaulichen, die uns beim Menschen, bei Tieren, Pflanzen und Mineralien begegnen.

In alter Zeit und auch heute noch, sehen darin manche eine Art geometrische Vorlage, aus der die Gottheit das erschuf, was sich dann als geistige Struktur in der Welt manifestieren sollte. Was sich aus solch einem Verständnis über die Ursprünge unseres energetisch-materiellen Universum später entwickelte, ging ein in die sakrale Baukunst der Kirchen, Synagogen und Moscheen, ebenso wie auch in die Architektur der Tempelbauten in Hinduismus und Buddhismus, wie auch in jene Heiligtümer anderer alter Kulturen unserer Welt.
 

Heilige Geometrie ist eine universale Kunst, die versucht in den Erscheinungen der Natur, Muster zu entdecken, und aus den so gewonnenen Erkenntnissen abzuleiten, dass solcher Art Strukturen auf unseren Geist ordnend wirken. Es sind geometrische Muster die ihre Form behalten, unabhängig von Zeit, Raum und Materie. Alle Heilige Geometrie aber liefert feinstoffliche Vorbilder, nach deren Maß sich die Welt gestalten ließe.

So ist es möglich, manche dieser geometrischen Grundstrukturen als »heilig« zu würdigen, da sie durch ihre Ordnung und ihre systematisch konstruierten Formen, an sich unveränderlich bleiben. Wer sich also zu verbinden vermag, mit dieser Art Formen, ist einer, der den Großen Mysterien der Welt einen Schritt näher gekommen ist und dem dabei der große Weltenbau als Ganzes erscheinen dürfte. Er selbst kann sich damit als Teil dessen in Kontakt bringen – ihren Mustern, ihren Formen und Verbindungen, den Gesetzen dieser Heiligen Geometrie – die unseren geschaffenen Kosmos »im Innersten zusammenhält«.

 

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Christliche Feste heidnischen Ursprungs

von S. Levent Oezkan

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Noch bis ins 5. Jhd. huldigten die Römer der Muttergöttin Kybele und deren Sohn Attis. Viele Aspekte dieses und anderer heidnischer Kulte, insbesondere des Mithraskults, scheint die Christenheit später in ihre religiösen Zeremonien integriert zu haben.

Den alten Kult von Kybele und Attis, gab es überall im Römischen Reich. Zuerst wurde die Magna Mater (Große Mutter) in Kleinasien, später auch in Griechenland und Rom verehrt. Es ging in diesem Kult um einen Dualismus, das Zusammenwirken der Geschlechter, mit dem Ziel Neues in die Welt zu gebären. Nach alter Vorstellung wurde die Welt aus dem finsteren, wüsten Chaos des Universums geboren, als sich der männliche Himmel und die weibliche Erde vereinten. Man glaubte diese Geburt jedes Jahr erneut im Frühlingserwachen zu erkennen, wo quasi aus der Dunkelheit des Winters, Pflanzen und Tierwelt, ins neue Licht treten, zu neuem Leben erwachen. Viele Symbole dieses Frühlingserwachens, finden sich im kleinasiatischen Mythos von Kybele und Attis, wie auch im Kult um den iranischen Sonnengott Mithras. Bis in die Spätantike waren diese Mysterienkulte im ganzen römischen Reich verbreitet.

Der Mythos von Attis und Kybele

Nach dem von Pausanias überlieferten Mythos schlief Zeus einmal auf dem Agdos (Berg in Kleinasien) ein. Wild träumend ergoß sich sein Samen auf die Erde. Sofort wuchs an dieser Stelle, aus einem Felsen, ein zwitterhaftes Wesen hervor: Agdistis. Es war eine wahre Schreckgestalt, vor der sich die anderen Götter fürchteten. Aus Angst verbündeten sie sich gegen Agdistis. In einem listigen Akt kastrierten sie ihn. So entmannt, verwandelte sich Agdistis zur Großen Muttergöttin Kybele. Die abgetrennten Genitalien aber verwandelten sich in den Jungen Attis – gleichzeitig Sohn und Gemahl der Kybele. Sich gegenseitig immer noch anziehend, zogen sie als glücklich verliebtes Geschwisterpaar durch Kleinasien. Doch da begegneten sie der schönen Prinzessin von Pessinus, in die sich Attis sofort verliebte. Doch die vor Eifersucht rasende Kybele schlug Attis, die Prinzessin und den gesamten Hofstaat von Pessinus mit Wahnsinn. Vollkommen irre, rannte Attis hinaus in den Wald und entmannte sich unter einer Pinie. An dieser Verletzung verblutete er. Nun sah Kybele das Ergebnis ihres Zornes. Sie bedauerte was sie mit ihrem Sohngemahl angerichtet hatte. Reumütig bat sie Zeus, ihren geliebten Attis wieder zum Leben zu erwecken. Zwar gewährte der Göttervater und gab dem Attis sogar ewiges Leben, doch er sollte von nun an für immer schlafen. Alles was sich an ihm bewegte war der kleine Finger seiner Hand.

Kybele trug den schlafenden Attis zu einer Höhle, nahe der Stadt Pessinus, wo sie später, ihm zu Ehren, ein Tempel errichteten. Von da an feierte man dort jedes Jahr ein großes Fest, wo der ewig Schlafende beweint wurde. An diesem Ort soll sich auch ein schwarzer Meteorit befunden haben.

Die Figur des schlafenden Attis in der Höhle, ist natürlich ein Symbol für die Seele, die unbewusst in der Höhle des menschlichen Körpers schlummert.

Blutorgie

Um Frühlingsanfang feierte man im römischen Kleinasien die Einweihungsmysterien der Göttin Kybele. In Aufsehen erregenden Umzügen, tanzten weiß bemalte Kybele-Priester, mit nach Rosen duftenden Haaren, durch die Stadt. Die Straßen waren gesäumt von der jubelnden Menge. In gewisser Hinsicht ähneln solche Ereignisse dem griechischen Mysterienkult von Eleusis. Vom Volk sammelte die Priesterschaft Almosen zur Vergebung für das Blutvergießen des Attis.

Die Kybele-Riten waren ein Blutkult: man sah, wie sich die tanzenden Priester Becher reichten und daraus einen dicken, roten Saft tranken: wohl das Blut eines geopferten Lammes. Erinnert das nicht an den viel jüngeren Kult der christlichen Eucharistie?

Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.

- Matthäus 26:28

Auch die Thematik der Wiederauferstehung, klingt an im alten Kult um Kybele und Attis. Der alte Körper stirbt, befreit sich dabei von den Sünden, wieso Blut zu seiner Vergebung vergossen wird. Die wahre Bedeutung dieser symbolischen Handlungen, blieb der tosenden Menge jedoch unbekannt. Sie fühlten sich einfach nur hingerissen, von der Magie dieses orgiastischen Treibens.

Die Mysterien der Muttergöttin Kybele waren im Orient nur eins, einer Vielzahl ähnlicher religiöser Riten. Im alten römischen Reich verbreiteten und vermischten sich verschiedene Mysterien-Ideale.

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Die Göttin Kybele

Eine kulturelle Zeitenwende

In den alten Gesellschaften Griechenlands und Roms galt, sich als Individuum der Gemeinschaft unterzuordnen. Die Bürger, als Teil des Staats, bildeten das Fundament für Gemeinwohl und Sicherheit. Man erhoffte sich damit aber nicht alleine weltliche Sicherheit, sondern glaubte, dass sie auch in der kommenden Welt, sozusagen »nach der Auferstehung« fortbestehe.

So schenkten die Bürger einer Stadt ihre Hingabe dem öffentlichen Zusammenleben. Schon als Kinder lernten sie die Uneigennützigkeit als höchstes Ideal kennen. Selbst wenn sie benachteiligt aufwuchsen, oder es die göttliche Vorsehung nicht so gut mit ihnen meinte, widmeten sie sich trotzdem dem öffentlichen Dienst an ihrer Mitbürgern. Das Interesse des Gemeinwohls, zog man den eigenen Wünschen vor. Eine recht ungewöhnliche Sicht auf das Leben, verglichen mit unserer heutigen Welt.

Doch als sich die alt-orientalischen Religionen in Europa verbreiteten, veränderte sich diese Haltung. Wir verstehen heute unter »orientalisch« vornehmlich islamische Länder. Doch der Islam ist ja eine recht junge Religion, die sich erst im 7. Jhd. n. Chr. verbreitete, im Gebiet des alten römischen Reichs und weit darüber hinaus. Was damals aber geschah war vielmehr die Ausbreitung einer bisher nicht dagewesenen Vorstellung darüber, was die Seele des Menschen eigentlich ist. Man sah in der Seele des Einzelnen ein direktes Bindeglied zu Gott. Durch dieses, dem Westen wohl noch vollkommen neuen, religiösen Ideal, sah man, dass Erlösung für das Individuum möglich war – auch unabhängig vom Gemeinwohl. Der Überbau einer staatlichen Gemeinschaft war für die Erlangung ewigen Heils also garnicht notwendig. Dem Staat durch das eigene Dasein zum Wohlstand zu verhelfen, wurde damit natürlich immer uninteressanter. Es ließ sich somit nicht mehr vermeiden, dass sich »Gläubige«, immer mehr aus dem Dienst an der Gemeinschaft zurückzogen, denn sie waren nun auf ihre eigene emotionale und spirituelle Erfüllung aus.

In dieser Zeit begannen die Menschen verachtend auf das gegenwärtige Leben herab zu schauen. Die gegenwärtige Inkarnation war mehr eine Vorstufe in ein besseres, ewiges Leben. Höchstes Ideal des Menschseins war nun nicht mehr das Gemeinwohl, sondern das himmlische Fortbestehen der eigenen Seele. Irdische Helden vergaß man, einstige Patrioten, die für ihr Land starben, galten nicht mehr viel. Alles was mit dem irdischen Dasein und dem Leben in den Städten zu tun hatte, verachtete man zunehmend. Das Reich der Gottheit siedelte man nicht mehr auf Erden an, sondern sah das Paradies im Himmel. So verlagerte sich die Bedeutung eines gegenwärtigen, irdischen Lebens, hin zu einem zukünftigen himmlischen Leben in Gott.

Abwendung vom Weltlichen

Mit dieser Entwicklung setzte eine Auflösung des alten politischen System ein. Die Beziehungen zwischen Staat und Familie lockerten sich, die Bande zwischen Gemeinwesen und Individuum lösten sich immer mehr. Nur wohin sollte das führen? War mit dem Zerfall dieser uralten Gesellschaftsstruktur, nicht ein Rückfall in die Barbarei gegeben? Nur wenn die Menschen einer Gesellschaft bereit dazu sind zusammenzuarbeiten und sich den Interessen des Gemeinwohls unterzuordnen, kann ein sicheres Zusammenleben überhaupt funktionieren. Mehr und mehr aber identifizierte man das Irdische, die materielle Welt, mit dem Prinzip des Bösen. Man begann nun also nach dem eigenen seelischen Wohlergehen zu streben, wandte der irdischen Welt folglich den Rücken.

Tausend Jahre lang, bis ins Mittelalter, lebten immer mehr Menschen in dieser, fast schon wahnhaften Abkehr von allem Weltlichen. Erst mit der Renaissance (europäische, Kulturepoche des 15. und 16. Jhd.) wurden in Europa, neue gesellschaftliche Fundamente geschaffen, die auf aristotelischer Philosophie und römischem Recht basierten. So versuchte die westliche Weltgesellschaft zurückzukehren zu ihrem alten gesellschaftlichen Erbe. Nur waren die Grundlagen dieser alten Weltanschauung, nicht wie einst weiblich geprägt. Jetzt nahm den Platz der antiken Muttergöttin der Erde, ein väterlicher Himmelsgott ein.

Verehrung des Gottes Mithras

Der Himmelsgott der nach der Zeitenwende an Bedeutung gewann, war der himmlische Sonnengott Mithras. Auf dem Gebiet des alten römischen Reichs, finden sich unzählige Denkmäler, die auf diesen alten Mysterienkult hinweisen. Den ursprünglich iranischen Gott Mithras, verehrte man als personifizierte Sonne. Viele Elemente die sich in den alten Mutterkulten finden, wie auch solche aus der viel jüngeren Christenheit, ähneln dem Mithraskult in Ritus und Bildnis. Die Priester der noch jungen Christenheit sahen in den Mithras-Bildnissen und -Kultstätten vielleicht eine Gefahr, zumindest aber eine gefährliche Konkurrenz. Für sie waren sie schlicht ein Werk des Teufels, die die Seelen der Christen-Gläubigen gefährde und vom wahren Glauben abbringe. Was konnte man gegen Mithras, den Nebenbuhler Christi, unternehmen?

Zweifellos war der Mithras-Kult für die junge Christenheit ein schwieriger Rivale. Manche Historiker der Vergangenheit, so etwa der Franzose Ernest Renans (1823-1892) vertraten die Meinung, dass die westliche Welt bis heute vielleicht den Mithraismus als Staatsreligion angenommen hätte, wäre nicht das Christentum aufgrund zufälliger Ereignisse in seiner Ausbreitung gehemmt worden. Beide »Kulte«, Mithraismus und Christentum, ähnelten sich in vieler Hinsicht. Wie die Christen, strebten die Anhänger des Mithras nach moralischer Reinheit und hofften auf Unsterblichkeit. Wahrscheinlich übernahm die christliche Kirche, auch das Datum des Weihnachtsfest, aus dem alten römischen Mithras-Kult. Aus den Evangelien erfahren wir nichts über den Geburtstag Jesu und so feierten die ersten christlichen Sekten, bis ins 4. Jhd., die Geburt ihres Heilands an verschiedenen Tagen.

Der 25. Dezember, der erste Tag nach der Wintersonnenwende, wurde ab einem bestimmten Datum als Geburtstag Jesu festgelegt. Ab diesem Tag nahm die Kraft der Sonne wieder zu, die Tage wurden wieder länger, das Tageslicht wurde in dieser Phase des Jahreslaufs geboren.

Ursprung des Weihnachtsdatums

In Syrien und Ägypten war Weihnachten ein ekstatisches Fest. Nachdem sich die Priester für einige Zeit in die Stille eines Schreins zurückgezogen hatten, kamen sie an Mitternacht zum 25. Dezember laut rufend heraus auf die Straßen:

Die Jungfrau hat den Heiland geboren! Das Licht nimmt zu!

Dabei trugen sie den Gläubigen das Bildnis eines Kindes entgegen, als Sinnbild des neugeborenen Sonnengottes. Das Bild, der am 25. Dezember gebärenden himmlischen Jungfrau, stammt ohne Zweifel aus dem Orient. Seine römischen Verehrer nannten den Mithras »die unbesiegte Sonne« – unbesiegt, da er mit seiner jährlichen Geburt am 25. Dezember, die Finsternis des Winters überwand.

Zu etwa selber Zeit etablierte sich, bei den ägyptischen Christen (Koptische Kirche), der 6. Januar als Christi Geburtstag. Dieses Datum galt bald für alle Ostkirchen (z. B. Griechisch-Orthodox, Russisch-Orthodox). Bis heute markiert es den Weihnachtstag. Diese Datumsfestlegung haben die Westkirchen jedoch nie übernommen. Für sie blieb der wahre Geburtstag des Herrn der 25. Dezember. Dieses Datum akzeptierten später auch die orthodoxen Ostkirchen. Heute feiert auch die griechisch-orthodoxe Kirche am 25. Dezember das Weihnachtsfest. Diese Vereinbarung wurde im Jahr 375 n. Chr. in Antiochien (antike Stadt, heute türk. Antakya) festgelegt. Ausnahme bildet das griechisch-orthodoxe Kloster St. Kathrin im Sinai (Ägypten), dass Weihnachten auch heute noch am 6. Januar feiert.

Wieso aber kam es zu dieser Datumsänderung? Nun, die damaligen Christen nahmen noch teil an den Feierlichkeiten der »Heiden«, die am 25. Dezember die Wiedergeburt der »Sonne der Gerechtigkeit« feierten. Man entzündete zu diesem Anlass Lichter, was wir ja auch heute noch in unseren Breiten vollziehen: brennende Kerzen werden an den Zweigen des Weihnachtsbaumes entzündet.

So legten die Kleriker der Westkirche später fest, dass also die Geburt Christi am 25. Dezember, Heilige Drei Könige dann am 6. Januar stattfinden sollten. Daher kommt der Brauch, dass die Weihnachtslichter (Kerzen, Öllampen) bis zum 6. Januar brennen. Hat die junge Christenheit die heidnischen Festlichkeiten aber vielleicht einfach in ihren Glauben übernommen? Wenn dem so ist, besteht kaum Zweifel, dass auch das Osterfest, an dem die Erlösung und der Tod Christi gefeiert wird, sowie seine Auferstehung, ebenso aus einer anderen asiatischen Religion assimiliert wurde. Wenn wir uns verschiedene mediterrane Osterriten ansehen, ist die Ähnlichkeit zu den Riten des Adonis recht auffällig. Sie waren insbesondere wichtig für die damalige, griechisch sprechende Bevölkerung Süditaliens (Sizilien) und Griechenlands. Der Name Adonis ist außerdem ein Lehnwort aus der semitischen Sprache, dass dem hebräischen Adonai – dem Namen, der in der Bibel zur Bezeichnung des Herrn JHVH (Jahve) verwendet wird. Auch Adonis war, wie andere Götter (unter ihnen der ägyptische Osiris oder der kleinasiatische Attis), ein Gott der Wiederauferstehung und der Vegetation. So scheint es sehr wahrscheinlich, dass die junge Christenheit den alten Glauben tatsächlich in ihren eigenen assimilierte. Schließlich galt die Legende vom sterbenden und wieder auferstehenden Gott als heilig. Und das war etwas, dass eben in jener Region entstand, wo sich später das Christentum verbreitete. Was Adonai in Palästina, Osiris in Ägypten, Attis im alten Kleinasien oder Adonis im alten Griechenland war, sollte Anfang des ersten Jahrtausends der Christus ersetzen. Schließlich verbot man im Jahr 391 die alten Kulte (unter Kaiser Theodosius I.), deren Ausübung von da an mit dem Tode bestraft wurde. Nun war das Christentum römische Staatsreligion.

Ostern und andere christliche Feste

Bevor man den alten Kult verbot, wurden im alten römischen Reich, offiziell Attis und die Große Muttergöttin Kybele verehrt. Attis' Tod und Wiederauferstehung wurden zwischen dem 24. und 25. März gefeiert – also in etwa um die Frühlings-Tagundnachtgleiche. Kein anderes Datum wäre für die Auferstehung eines Fruchtbarkeitsgottes passender gewesen, denn es markiert den Frühlingsanfang, wo die Natur quasi wiederaufersteht.

Bevor man in der Westkirche das Osterdatum anhand des ersten Vollmonds nach der Frühlings-Tagundnachtgleiche berechnete, wurde Christi Wiedergeburt einfach am 25. März gefeiert. Man übernahm dieses Datum aus den Festlichkeiten zu Ehren des Attis (bzw. Adonis). Die Passion Christi wurde also mit einem viel älteren Kult »harmonisiert«. Das Datum, an dem man heute das christliche Osterfest feiert, ist also bereits sehr alt.

Interessant in diesem Zusammenhang, ist die Ansicht eines alten französischen Kirchenhistorikers: für Louis Duchesne (1843-1922) war der Todestag des »Sohn Gottes«, selben Datums wie der Tag an dem »Gott der Vater« die Welt erschuf! Im alten Rom vereinigten sich dieser »Sohn« und »Vater« in der Gottesgestalt des Attis. Seine Auferstehung feierten die Römer eben an diesem Tag – dem 25. März.

Auch andere Daten heidnischer Feste, ersetzte die Kirche durch christliche Feste:

  • Der Geburtstag des Heiligen St. Georg, der 23. April, trat an die Stelle des heidnischen Hirtenfestes Parilia, an dem man opferte, sich und den Hausstand zur Erneuerung reinigte.
  • Das Fest der Sommersonnenwende am 24. Juni, wurde zum Geburtstag des Propheten Johannes dem Täufer.
  • Einst feierte man die Nemoralia zu Ehren der römischen Jagdgöttin Diana (griech. Artemis) am 15. August. Die Kirche ersetzte das Fest durch Mariä Himmelfahrt.
  • Am 1. November feierte man im alten Irland das keltische Totenfest Samhain, bis es durch das katholische Allerheiligen (Haloween) ersetzt wurde.

Selbst wenn das Wesen der Kirchenfeste einzigartig bleibt, und der christliche Klerus natürlich darauf besteht, ist es sicherlich mehr als ein bemerkenswerter Zufall, dass die Daten der heidnischen Fruchtbarkeits-, Geburts- und Totenfeste, mit denen der christlichen Feste übereinstimmen. Es ist sogar sehr unwahrscheinlich, dass sich diese Übereinstimmung zufällig ergab. Es gibt neben den Zeitpunkten auch sonstige verblüffende Parallelen zwischen Heidentum und Christentum. Besonders der Kontext in dem der solare Gott Mithra von den Römern verehrt wurde, scheint einfach ins Christentum übernommen worden zu sein:

  • Bevor Mithras starb, hielt er mit zwölf Jüngern ein letztes Abendmahl. Dabei wurden Brot oder Fleisch, Wasser oder Wein gereicht.
  • Mithras wurde begraben und erstand auf von den Toten.
  • Mithras war als Sonnengott, der Sonntag geweiht, eben jener Tag an dem bis heute die Christen ihren offiziellen Gottesdienst ausüben.
  • Wichtigstes Symbol des Mithraismus war das Kreuz.
  • Der höchste Mithras-Priester trug als Amtszeichen eine phrygische Mütze – die »Mitra«, der Vorläufer der Bischofsmütze. Seinen Körper kleidete ein rotes Gewand, er trug einen besonderen Ring und den Hirtenstab.

Es dürfte nicht verwundern, wenn es in den ersten Jahrhunderten der jungen Christenheit, wohl darum zu erheblichen Konflikten gekommen war, zwischen Christen und sogenannten Heiden. Für die Anhänger der Mysterien um Attis und Kybele war ganz klar, dass die Kirchenfeste reine Imitationen ihres eigenen Kults waren. Für sie war die Auferstehung Christi eine fadenscheinige Imitation der Auferstehung des Attis. Seitens des christlichen Klerus aber, war, wie könnte es anders sein, Attis nur eine diabolische Nachahmung Christi. Die Heiden wussten natürlich, dass Attis keine Kopie Christi sein konnte, da ihr Kult ja viel älter war als das damals noch blutjunge Christentum. Doch der Klerus wies diese Beschuldigung von sich. Satan versuchte durch Attis die natürliche Ordnung des Reiches Gottes, zu seinen Gunsten umzukehren. Man sah in Christus ein hohes Wesen, dass den Scharfsinn Satans überwand und den wahren Weg zum Heil führte. Es war für die Kirche aber in Wirklichkeit ein Kompromiss. Die jungen Christen waren gezwungen die Feste ihres Heilands, zu selber Zeit wie ihre heidnischen Rivalen zu feiern. Wie sonst hätten sie es geschafft, das Wesen des alten Attis zu überwinden? Hätte man die christlichen Feste an anderen Tagen des Jahres gefeiert, denen noch dazu der solar-kosmische Aspekt fehlte (vier jährliche Sonnenstationen), hätten Mithraismus oder Attiskult, das junge Christentum womöglich verdrängt. Darum sollte der alte Heiland durch den Christus ausgetauscht werden, was auch geschah, und, wie es scheint, sich nach dem Gesetz einer höheren Ordnung auch tatsächlich ereignete. Wenn christliche Urmissionare außerdem mit ihrem neuen Glauben die Welt erobern wollten, mussten sie die unbiegsamen Bedingungen ihres Gründers Jesus Christus etwas lockern. Eine Öffnung gegenüber dem sogenannten Heidentum, erfolgte also durch die Übernahme der Festdaten, der viel älteren Kulte von Attis oder Mithras.

Der schmale Weg, der zum Leben führt

- Matthäus 7:14

Es scheint also, als hätten die damaligen Anhänger des jungen Christentums, diesen Weg von dem Jesus im Matthäus-Evangelium spricht, für sich etwas breiter gemacht, indem sie die heidnischen Feste in ihren christlichen Glauben einfach übernahmen.

Neue Religionen ersetzen alte Kulte

Doch diese Entwicklung gab es nicht allein im Westen. Auch in Fernost ereignete sich, wenn auch einige Jahrhunderte früher und vor einem anderen Hintergrund, eine Anpassung alter Riten an die Gegebenheiten eines neuen Zeitalters. In mancher Hinsicht ähnelt die Geschichte des Buddhismus der des Christentums. Beide »Religionen« basieren scheinbar auf der ethischen Reform eines viel älteren Glaubens. Vorläufer des tibetischen Buddhismus war der Bön. Im Hinduismus Indiens galt Buddha als neunte Inkarnation Vishnus. Im Westen bezeichnete sich schließlich Jesus Christus als »König der Juden«.

Die Gründer dieser neuen spirituellen Traditionen, Buddha bzw. Christus, betonten in ihren Lehren gleichermaßen Mitgefühl, Gewaltlosigkeit und Nächstenliebe. Sie sollten die Menschheit, jeder auf seine Weise, aus ihrer schwachen, irrenden Wesensnatur herausführen und den Einzelnen zu moralischer Tugend erziehen. Beiden ging es um das ewige Heil des Einzelnen, die Läuterung der individuellen Seele und die Befreiung aus körperlichen Begierden. Nur war, und ist, der Weg zu diesem hohen Ziel, für die meisten Menschen einfach zu eng und die Gefahr von diesem Weg abzukommen leider groß. Nur wenigen gelingt es ihn zu beschreiten – wie es scheint nur jenen, die in der Abgeschiedenheit der Klöster leben. Mönchtum, Askese und Eremitentum, sind ein typisch buddhistisches und christliches Phänomen.

Damit diese Glaubensrichtungen, einheitlich von einer ganzen Nation akzeptiert werden, müsste im Buddhismus und im Christentum, eine dahingehende Änderung vollzogen werden, als dass sie gewissermaßen mit den Vorurteilen, dem Zorn und dem Aberglauben des verantwortungslosen Pöbels, in Übereinstimmung gebracht würden. Bis heute übernehmen diese Aufgabe weniger »feinstofflich empfindenden« Individuen. In Buddhismus sind das die Lamas, im Christentum die Bischöfe. Sie sind Mittler zwischen den hohen Weisen, die als Eremiten in der Abgeschiedenheit leben, und der »Herde der Gläubigen«. Im Laufe der Zeit jedoch, absorbierten diese beiden Religionen immer mehr pagane Elemente. Sie wurden im Sinne der neuen Religion institutionalisiert, um den älteren, heidnischen Glauben auch wirklich auszumerzen.

Wir sollten nicht vergessen, dass in Buddhismus und Christentum, Armut und Zölibat immer angepriesen wurden. Doch damit sind sie keine Religionen für alle Menschen, sondern eigentlich nur für jene, die sich in ihrer individuellen Seelenexistenz, direkt angesprochen fühlen. Der größte Teil der Menschheit folgt dieser Weisheit (oder Torheit?) aber nicht. Selten maß man der Errettung der eigenen Seele all zu viel Bedeutung zu, da man sie nicht als eigenständiges Wesen sah, dass den Körper als Erfahrungsvehikel benötigt. Außerdem führte eine solche Errettung der Seele, wie sie in Christentum und Buddhismus angepriesen werden, ja eigentlich zur Auslöschung der menschlichen Spezies.

Christentum, wie auch Buddhismus, streben die »bescheidene Entsagung« an, die die Seele aus den Qualen irdischen Lebens für immer befreien soll. Doch diese Auffassung können nur jene teilen, die sich nicht mehr mit ihrem Körper identifizieren wollen, sondern die Befreiung aus der materiellen Welt anstreben.

 

 

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Christliche Ostern: Ein Planetarisches Einweihungsmysterium

von Johan von Kirschner

The Baptism of Christ, 1803 - William Blake - ewigeweisheit.de

Jesus und Christus sind nicht der Selbe. Jesus ist der Name eines Menschen, der sich über unzählige Inkarnationen zu einem körperlichen Gefäß entwickelte, um durch die Taufe den kosmischen Christus aufzunehmen - drei Jahre lang.

Mit der Geburt Jesu senkte sich der Geist Gottes in das Fleisch - Gott wurde Form. Und da Gott zeitlos, Materie aber vergänglich ist, muss Gott auf der Erde sterben, um sich auf ihr zu Verkörpern. Und er muss im Körper sterben, um in der himmlisch, ewigen Einheit wieder geboren zu werden. Das ist das christliche Mysterium.
Auf den Menschen übetragen: das Ich leiht sich das Licht des Selbst, so wie Gott Jesu das Christuslicht für die Dauer seines Wirkens verlieh. Das Ostermysterium signalisiert die Befreiung Gottes aus der Gefangenschaft der weltlichen Formen.

Mit dem Auftreten Jesu Christi wurde den Menschen gezeigt, wie sie sich durch die Welt der Formen bewegen sollen, damit, im christlichen Sinne, der Geist sich dereinst vom leidenden Körper befreien kann. Es geht ums Verlassen der Welt der Gegensätze, denn das Reich des göttlichen Geistes "[...] ist nicht von dieser Welt" (Johannes 18:36).
Weltflucht ist was anderes. Es geht um die absolute Hingabe an das "was ist". Das Erleben des Abstiegs in den tiefsten und dunkelsten Punkt, die bedrückende Enge der Schwierigkeiten im Leben: daran reift der Mensch.

Die Karwoche

Die sieben Tage der Karwoche und die Stationen des Leidensweges Jesu zeigen uns einen Mysterienweg. Seit jeher ist die Sieben eine Zahl der Einweihung. Sieben Stufen musste der Initiant im iranischen Mithraskult durchlaufen und bewegte sich dabei durch die sieben Sphären der Planeten.

Mit den sieben Tagen der Karwoche wird ein siebenfach gegliederter Einweihungsweg gegeben: von der Huldigung der körperlichen Erscheinung Jesu zu Palmsonntag, bis zu seiner Grablegung am Karsamstag. Zweimal Sieben (14) Stationen des Kreuzweges (Via Dolorosa) am Karfreitag, "sieben Worte" des Jesu am Kreuz. Wie wir im Folgenden sehen werden, ist die Sieben auch die esoterische Zahl des Freitags.

Karwoche und Chaldäische Reihe

Die Umlaufzeiten der Planeten sind unterschiedlich: von der Erde aus beobachtet, braucht der Saturn am längsten, ihm folgen Jupiter, dann Mars, Sonne, Venus, Merkur und am schnellsten ist der Mond (zwischen dem 1. Jtsd v. Chr. bis zum 2. Jhd. n. Chr. zählten auch Sonne und Mond zu den Planeten). Die Chaldäer zeichneten gemäß dieser Reihenfolge die Planeten um einen Siebenstern. Jeder Planet herrscht über eine Stunde des Tages. Gemäß chaldäischer Zählung beginnt die erste Stunde des Tages mit Sonnenuntergang (was im Übrigen auch im Judentum gilt):

  1. Stunde: Saturn
  2. Stunde: Jupiter
  3. Stunde: Mars
  4. Stunde: Sonne
  5. Stunde: Venus
  6. Stunde: Merkur
  7. Stunde: Mond

Mit der 8. Stunde wiederholt sich die Reihung wieder mit Saturn. Setzen wir diese Wiederholungen fort, sind wir nach 24 Stunden bei Mars und nach 25 Stunden, also der 1. Stunde des neuen Tages, bei der Sonne. Darum ist dann ein Sonnen-Tag: Sonntag. Wieder 24 Stunden später herrscht der Mond. Dann ist also Mond-Tag: Montag. Der Planet der über die erste Stunde herrscht, gibt dem Tag seinen Namen.
Aus dieser Planetenreihe ergeben sich die Namen der Wochentage, da die Planeten ja auch Namen römischer Götter sind:

  • Saturn: Samstag (engl. "Saturday")
  • Sonne: Sonntag
  • Mond: Montag
  • Mars: Dienstag (nord. Gottheit "Ziu" oder "Die", deshalb engl. "Tuesday", franz. "Mardi")
  • Merkur: Mittwoch (franz. "Mercredi")
  • Jupiter: Donnerstag (germ. "Donar", "Thor" im engl. "Thursday", franz. "Jeudi")
  • Venus: Freitag (germ. "Freya", franz. "Vendredi")

Jedem der Planeten ordneten die alten Chaldäer außerdem eine Zahl und ein magisches Siegel bei:

Grund dass die Zählung nicht mit Eins oder mit Zwei beginnt, ist, dass sich mit diesen Zahlen kein magisches Quadrat bilden lässt. Man verwendete solche magischen Siegel synonym für die damit zusammenhängenden Planetenmächte (im Folgenden entsprechen die Zahlen ihren magischen Planetenkräften).

Die Chaldäische Reihe - ewigeweisheit.de

Die Chaldäische Reihe - 7 klassische Planeten, den Wochentagen entsprechend. Die Pfeile auf den Sternlinien deuten auf den jeweils folgenden Wochentag.

Sonntag

Am ersten Tag der jüdischen Woche, dem Palmsonntag, kehrt Jesus auf einem Esel reitend nach Jerusalem ein. Jesus wird von der Menge wie ein König bejubelt. Doch wer hier bejubelt wird ist Jesus, nicht Christus. Es geht um den Leib, das Ich - nicht um das Selbst. Das Ich aber ist sterblich, während das Selbst unsterblich bleibt. Wieso sollte man also dem Körper huldigen, der doch nur ein Abglanz dieses wahren Selbst ist?
Wenn Jesus auf einem Esel reitet, ist das ein Symbol der Seele die sich im Körper sitzend über die Erde bewegt. Der Heilige Franziskus von Assisi nannte seinen Körper "Bruder Esel". Jesus ist jetzt noch nicht der wahre König - erst eine Woche später zu Ostersonntag, wenn er ins himmlische Jerusalem einkehrt.
Nicht also durch die Huldigung der Materie und des Körpers, wird der Mensch ins Licht erhoben, sondern durch die Absage an die Verhaftungen mit der Welt.

Montag

Am Montag fand die Tempelreinigung statt. Jesus warf die Stände der römischen Steuereinnehmer, Geldwechsler und Händler um. Sie standen im Tempelvorhof, wo sich einst die Heiligtümer der Juden befunden hatten. Für die Juden war das ein Kompromiss. Sie wollten verhindern dass im Allerheiligsten des Tempels, an Stelle der Bundeslade, ein Cäsar-Standbild errichtet wurde.
Jesus trat diesem Kompromiss trotzdem entgegen. Er machte durch die Tempelreinigung bewusst, das zwei Götter, JHVH und Cäsar, nicht "unter dem selben Dach" wohnen könnten. Darum zerschlug er gewaltsam die Stände im Vorhof und zwang die Juden damit zur Entscheidung. Durch den gewaltsamen Akt der Tempelreinigung, sorgten sich die Pharisäer um ihr Allerheiligstes. Sie hatten Angst, die Römer könnten den Tempel nun ganz übernehmen. Darum klagten sie Jesus als Tempelschänder an.

Der Tag der Tempelreinigung war also ein Montag - ein Mond-Tag. Als Träger des Sonnenlichts, symbolisiert der Mond die an die materiellen Formen gebundenen, himmlischen Geisteskräfte. Sobald sich das Licht nach Vollmond von ihm löst, verschwindet der Mond allmählich am Himmel - so wie nach einiger Zeit auch der Körper von der Erde verschwindet, wenn ihn das Seelenlicht verlassen hat.
Daher wird das Osterdatum anhand des ersten Frühlingsvollmonds ermittelt. Es ist der Zeitpunkt des Vollmonds zwischen Frühlingsanfang (21. März des gregorianischen Kalenders) und dem darauf folgenden Sonntag.

Am Karfreitag verlässt das Christuslicht den Leib Jesu, der Mond nimmt ab und verdunkelt sich, bis drei Tage später, am Ostermontag (Montag = Mond) Jesu Auferstehung gefeiert wird.

Dienstag

Am dritten Tag, dem Dienstag, der ja dem kriegerischen Mars zugeordnet ist, wird Jesus in kämpferische Streitgespräche verwickelt. Hier spricht Jesus seinen neunmaligen Wehruf gegen die Pharisäer aus, und behauptet, dass Jerusalem dem Untergang geweiht sei. Dies sollte sich mit dem Jüdischen Krieg im Jahr 70 n. Chr. bewahrheiten. Jerusalem war damals also eine dem Untergang geweihte Stadt.

Mittwoch

Der vierte Tag der Karwoche war ein Mittwoch, dem Merkur zugeordnet. Merkur war der römische Götterbote (entsprechend seinem griechischen Pendant "Hermes"). Als Bote steht gewissermaßen auch der Mittwoch zwischen den beiden Hälften der Karwoche. Die erste Hälfte der Karwoche ist "laut" und aktiv nach außen gerichtet. Die zweite Hälfte ist viel leiser. In den drei folgenden Tagen nimmt die Bedeutung der inneren, stilleren Vorgänge zu: das Abendmahl im geschlossenen Kreis (Gründonnerstag), das einsame Sterben Jesu am Kreuz (Karfreitag) und seine Grablegung (Karsamstag).

Donnerstag

Am Gründonnerstag, dem fünften Tag der Karwoche, kommt das Jupiter-Prinzip zur Entfaltung. Die Farbe Grün steht für die Erneuerung des alten Brauchs des Pessachfests. Das Urmuster des Segens über Brot und Wein wird erneut beim heiligen Abendmahl ausgeübt.
Pessach ist den Juden heilig. Man zieht sich in den Kreis der Familie zurück. Niemand darf das Haus verlassen, da ihm sonst des Nachts der Würgeengel (wie im 11. Kapitel des Exodus) begegnet. Jesus und seine Jünger begingen das Fest in einem Haus des Essenerordens auf dem Zionsberg (siehe Buch: Die Bruderschaft der Essener). Es ist ein heiliger Ort, denn hier brachte einst der Sonneneingeweihte und Priesterkönig Melchisedek dem Abraham Brot und Wein (Genesis 14:18-20 ). Darum nennt man Jesus Christus einen Hohenpriester nach der Ordnung des Melchisedek (Hebräer 5:6,10). Das Mahl mit Brot und Wein ist ein Brauch der die Zeiten durchlebt hat und beibehalten wurde. Mit der Einsetzung des letzten Abendmahls erneuerte und erhöhte Christus aber dieses Opfer von Brot und Wein.

Das Brot der Einsegnung, dass von der Kirche als Hostie übernommen wurde, wird aus zusammengebackenem Mehl hergestellt. Und dieses Mehl entsteht aus dem Getreide, dass die Sonne durch ihr Licht und ihre Wärme auf die Erde fallen und so die Pflanze wachsen lässt. Wenn sich unser Körper durch die in der Sonne gewachsenen Pflanzen ernährt, ist er also aus Sonnenlicht gemacht. Das Licht des Sonneneingeweihten Jesus ist in der geweihten Brot (und in der Hostie) lebendig.
Jesus nahm dieses Brot, teilte es und reichte es seinen Jüngern mit den Worten:

Und indem sie aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's ihnen und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib. Und nahm den Kelch, dankte und gab ihnen den; und sie tranken alle daraus. Und er sprach zu ihnen: Das ist mein Blut des neuen Testamentes, das für viele vergossen wird.

- Markus 14:22-24

Nachdem Judas vom Brot aß, verließ er die Runde und ging um Jesus zu verraten! Auch Jesus verließ wenig später mit seinen Jüngern das Haus. Sie nahmen den selben Weg ins Tal, auf dem einst Melchisedek Brot und Wein hinuntertrug. Am Fuße des Berges, im Garten Gethsemane, wurde Jesus von einem Dämon heimgesucht, der ihn versuchte zu töten. Ihm widerstehend trat blutiger Schweiß aus seiner Haut.

Freitag

In der Nacht zu Karfreitag, dem sechsten, der Venus zugeordneten Tag der Woche, gingen Jesus und seine Jünger hinaus zum Bach Kidron, an dem sich ein Garten befand. Dorthin war in der Morgendämmerung Judas mit einem Trupp bewaffneter Männer gekommen, um ihn festzunehmen und vor die Hohepriester zu bringen. Hier beginnt der Leidensweg Christi - die Via Dolorosa mit ihren 14 Stationen.

Station 1: Jesus wird zum Tode verurteilt

Die Sterblichkeit unseres menschlichen Körpers.

Beim Aufgehen der Sonne kam er vor Pontius Pilatus. Da dieser keine Schuld an Jesus fand, ließ er ihn zu Herodes bringen. Herodes hatte viel von Jesus gehört und wollte diesen Wundermann schon immer mal kennen lernen. Als Jesus vor ihm aber nur schwieg, verspottete ihn Herodes und so kam er zurück zu Pilatus. Der verweigerte sich den Pharisäern ein Todesurteil gegen Jesus zu vollstrecken, erreichte aber nichts. Stattdessen schwoll der Tumult der Pharisäer zu einem lauten Geschrei an. Sie forderten die Kreuzigung Jesu.

Da aber Pilatus sah, dass er nichts schaffte, sondern dass ein viel größer Getümmel ward, nahm er Wasser und wusch die Hände vor dem Volk und sprach: Ich bin unschuldig an dem Blut dieses Gerechten, sehet ihr zu!

- Matthäus 27:24

Via Dolorosa - Der Leidensweg Christi - ewigeweisheit.de

Station 1 - Jesus wird zum Tode verurteilt.

Station 2: Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern

Der Künstler nimmt das tote Holz und formt daraus ein Bildnis der Liebe. Liebe überwindet den Tod.

Soldaten brachten Jesus ins Gerichtshaus und entkleideten ihn. Man legte ihm einen Purpurmantel um, flocht ihm eine Dornenkrone, die man ihm auf den Kopf setzte. In seine Rechte gaben sie ihm einen Stab. Die Soldaten fielen vor ihm auf die Knie und verspotten ihn: "Gegrüßet seist du, König der Juden!" Sie rissen den Stab aus seiner Hand, schlugen ihm damit auf den Kopf und spuckten ihn an.
Was sich hier ereignete, erinnert an ein Einweihungsritual. Seit jeher ist die Verletzung der Haut Teil der Initiation. Die Haut grenzt das Innen vom Außen ab - das Ich vom Nicht-Ich. Mit der Initiation wird diese Grenze in Frage gestellt.

Via Dolorosa - Der Leidensweg Christi - ewigeweisheit.de

Station 2 - Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern.

Station 3: Jesus fällt unter der Last des Kreuzes

Wer fällt wurde versucht, doch war zuvor nie gefallen. Nun beginnt der Fall im Menschen. Denn der Versucher, der ihm einst das Zaubern lehren wollte, doch nicht durfte, rächt sich nun an ihm.

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Station 3 - Jesus fällt unter der Last des Kreuzes.

Station 4: Auf seinem Weg auf die Schädelstätte von Golgatha begegnet er Maria seiner Mutter

Stille ist mächtiger als Worte. Das Wort aber bricht die Stille.

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Station 4 - Jesus begegnet auf dem Weg seiner Mutter Maria.

Station 5: Der Unbekannte Simon aus Zyrene hilft Jesus das Kreuz tragen

Nach der Begegnung mit der Mutter begegnet der Mensch dem Fremden.

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Station 5 - Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen.

Station 6: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

Das Geheimnis des Heiligen Gesichts.

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Station 6 - Veronika reicht Jesus das Schweißtuch.

Station 7: Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz

Gottes Schwäche ist stärker als die Menschen - 1. Chorinther 25

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Station 7 - Jesus fällt erneut.

Station 8: Jesus begegnet den weinenden Frauen

Weint nicht um mich, weint um eure Kinder - Lukas 23:28

Via Dolorosa - Der Leidensweg Christi - ewigeweisheit.de

Station 8 - Jesus begegnet den weinenden Frauen.

Station 9: Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

Wie die Schlange im Garten Eden, so bewegt er sich auf seinem Bauch durch den Staub.

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Station 9 - Jesus füllt zum dritten mal.

Station 10: Jesus wird auf der Schädelstätte Golgatha von Soldaten entkleidet, die seine Gewänder untereinander auslosen

Wir müssen uns von allem entledigen.

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Station 10 - Jesus wird seiner Kleider beraubt.

Station 11: Jesus wird ans Kreuz genagelt

Die Frucht vom Baum der Erkenntnis von Gutem und Bösen wird zurückgegeben.

Am oberen Ende brachte man ein Schild mit den Buchstaben I.N.R.I an. Das waren die Initialen des Namens "Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum", dem lateinischen Namen für "Jesus von Nazareth König der Juden". Manche sagen auch, die Initialen wären in Wirklichkeit das Tetragrammation JHVH (hebr. יהוה‎, "Jahve") gewesen, denn die hebräische Variante des Könignamens ist "Jehoschua Ha-Notzri Ve-Melek Ha-Jehudim".

Am Kreuz hängend spricht Jesus sieben Sätze:

  1. "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" - Psalm 22:2.
    Dies ist ein Einweihungsspruch, gesprochen von denen, die der Prüfung der Einweihung unterzogen wurden. Es geht in der Einweihung um die Loslösung des Körperlichen vom Geistigen. Jesus ist der Christusgeist entwichen. Erst mit der Auferstehung kehrt er in den toten Leib zurück. Jesus wird sich als fleischlicher Mensch bewusst, dass ihn Gott verlassen hat und er zu diesem Zeitpunkt nicht mehr der Christus ist.
  2. Als Jesus am Kreuz hing und die Soldaten sich um seine Kleider stritten, sprach er:
    "Vater, vergib ihnen sie wissen nicht, was sie tun!" - Lukas 23:34.
    Die Gewänder sind Symbole der leiblichen Hülle. Die Soldaten stehen für die unbewusst Lebenden, die sich um die materiellen Dinge streiten.
  3. Jesus wurde mit zwei Verbrechern gekreuzigt. Einer von ihnen bekannte sich zu seinen Verbrechen. Jesus sprach zu ihm:
    "Wahrlich ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein." - Lukas 23:43
  4. "Da nun Jesus seine Mutter sah und den Jünger dabeistehen, den er liebhatte, spricht er zu seiner Mutter: Weib, siehe, das ist dein Sohn!" - Johannes 19:26.
    Es ist der Körper, der aus Mutter Erde durch die Inkarnation der Seele geboren wurde.
  5. "Darnach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich." - Johannes 19:27.
  6. "Darnach, da Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, dass die Schrift erfüllt würde, spricht er: Mich dürstet!" - Johannes 19:28.
    Man gibt ihm Essig. Das ist das polare Gegenteil von Wein. Der Mensch empfängt in der Kommunion den göttlichen Wein. Gott empfängt in der Kreuzigung jedoch den irdischen Essig.
  7. "Es ist vollbracht!" - Johannes 19:30
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Station 11 - Jesus wird an das Kreuz genagelt.

Station 12: Jesus stirbt

Da schrie Jesus noch einmal laut auf und starb. [...] Der römische Hauptmann und die Soldaten, die Jesus bewachten, erschraken sehr bei diesem Erdbeben und allem, was sich sonst ereignete. Sie sagten: Dieser Mann ist wirklich Gottes Sohn gewesen!

- Matthäus 27:45-54

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Station 12 - Jesus stirbt am Kreuz.

Die Zeugnisse über die Kreuzigung in den Evangelien Lukas und Matthäi, müssen aus dem Johannes-Evangelium übernommen worden sein, denn Johannes war als einziger der Zwölf während des Kreuzigungsdramas anwesend. Er war einer der beiden Jünger (neben Thomas) die von Jesus eingeweiht wurden. Er verstand darum was geschah, während die anderen Jünger das eigentliche Werk Jesu versäumten.

Samstag

Der siebte Tag der Woche ist der Sabbat (von hebr. "Shabbatei": Saturn). Zwei Personen treten ins Geschehen: Joseph von Arimathäa und Nikodemus. Joseph von Arimathäa war ein Jünger Jesu. Doch aus Furcht vor den Juden verheimlichte er das. Joseph war ein wohlhabender Ratsherr, der dem Orden der Essener nahe stand. Er war im Besitz des Kelches, der aus einem grünen Stein gemeißelt war. Laut Legende fiel dieser Stein (Smaragd) vom Himmel, als Luzifer und seine Engel gestürzt wurden. Erzengel Michael schlug diesen grünen Stein mit seinem Schwert aus Luzifers Krone.
In diesem grünen Kelch trug Melchisedek den Wein dem Abraham entgegen. Aus dem selben Kelch tranken Jesus und seine Jünger beim Abendmahl. Im selben Kelch fing Joseph von Arimathäa das Blut auf, das Jesus am Kreuz nach dem Lanzenstich aus der Seite rann. Später wurde daraus der heilige Gral, den Joseph als erster Hüter dann nach England brachte (siehe Buch: Das mythische Avalon).

Station 13: Jesus wird vom Kreuz genommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt

Er wandelt nun auf den Pfaden der Toten.

Joseph von Arimathäa erhält von Pilatus Erlaubnis, den Leichnam Jesu vom Kreuz nehmen zu dürfen.

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Station 13 - Jesus im Schoß seiner Mutter.

Station 14: Grablegung

Aus der Tiefe rufe ich, JHVH, zu dir - Psalm 130:1

Joseph von Arimathäa stellt sein eigenes Grab für den Leichnahm Jesu zur Verfügung.

Joseph nahm ihn und hüllte ihn in ein reines Leinentuch. Dann legte er ihn in ein neues Grab. Er wälzte einen großen Stein vor den Eingang des Grabes und ging weg. Auch Maria aus Magdala und die andere Maria waren dort; sie saßen dem Grab gegenüber.

- Matthäus 27:59-61

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Station 14 - Grablegung Jesu.

Die Auferstehung

Das Kreuz ist ein uraltes Symbol der Vierheit in Mikrokosmos (vier Elemente) und Makrokosmos (vier Himmelsrichtungen und vier Jahreszeiten). Der leidende Jesus am Kreuz ist Symbol des archetypischen Menschen, dessen Körper an die Welt der Sinne gebunden ist. Festgenagelt durch fünf Wunden, entsprechend den fünf Sinnesorganen die an die materiellen Erscheinungen der Welt gebunden sind. Es ist also die Arretierung der weltlichen Illusionen, die die Sinne dem Menschen vorgaukeln. Jesus leidet am Kreuz, so wie das an die Polarität von Gut und Böse gebundene Ich. Jesus befreit sich nicht vom Kreuz, sondern befreit am Kreuz sein an die Materie gebundenes Ich.

Beide Balken stehen für die weltlichen Dimensionen von Raum und Zeit. Ihr Schnittpunkt in der Mitte: das Hier und Jetzt - Zeit und Raum sind eins. Dieser Kreuzungspunkt ist ein Synonym für die in der Alchemie begehrte quinta essentia - das Elixier des Lebens, die Tinktur aus dem Stein der Weisen.

Die Kreuzigung ist der Weg des Menschen zu Gott, vom Ich zum Selbst. Darum sagt man: "Du musst das Kreuz auf dich nehmen".
Sich von der Welt zu befreien heißt, sich seinem Schicksal voll und ganz hinzugeben. Zuerst muss man in der gegenwärtigen Lebenssituation Freiheit finden. Erst diese Freiheit erlaubt es, uns an einen anderen Ort, in eine andere Lebenssituation zu begeben.
Somit ist das Kreuz ein Ort der Wandlung, wie ja auch die Erde im Verlauf unserer Inkarnation, mit ihren vier Himmelspolen ein Ort der Wandlung ist. Dafür steht im Christentum der Leidensweg.

Jesu Kreuzigung ist Gegenbild zum Sündenfall im Paradies, wobei das Kreuzesholz dem Baum der Erkenntnis von Gutem und Bösem entspricht. Die Schlange kam von diesem Paradiesbaum zur Erde und brachte das Böse. Um das Böse von der Welt zu nehmen, musste die Schlange am Kreuz aufgerichtet werden:

Da sandte der JHVH feurige Schlangen unter das Volk; die bissen das Volk, dass viele aus Israel starben. Da kamen sie zu Mose und sprachen: Wir haben gesündigt, dass wir wider den Herrn und wider dich geredet haben. Bitte den Herrn, dass er die Schlangen von uns nehme. Und Mose bat für das Volk. Da sprach der Herr zu Mose: Mache dir eine eherne Schlange und richte sie an einer Stange hoch auf. Wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben. Da machte Mose eine eherne Schlange und richtete sie hoch auf. Und wenn jemanden eine Schlange biss, so sah er die eherne Schlange an und blieb leben.

– Numeri 21:6-9

Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn (am Kreuz) erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm das ewige Leben hat.

- Johannes 3:14-15

Die Schlange ist der absteigende Aspekt der Erkenntnis. Der Messias (hebr. für "Christus") ist der aufsteigende Aspekt der Schlange, die wieder in ihre paradiesische Heimat zurückkehrt. Interessant ist die kabbalistische Numerologie der hebräischen Worte "Schlange" und "Messias" - sie sind identisch:

נחש Nachasch, Schlange = 358 - משיח Meschiach, Messias = 358

Die Legende vom Kreuzesholz

Zwischen Kreuzesholz und dem Holz vom Baum der Erkenntnis von Gutem und Bösem, gibt es einen esoterischen Zusammenhang, den folgende Legende erzählt:

Als Adam aus dem Paradies verdammt wurde, durfte er sich einen Zweig vom Paradiesbaum mitnehmen. In der Welt außerhalb des Paradieses wurde aus diesem Zweig das Holz, aus dem Moses seinen Hirtenstab verfertigte. Mit diesem Holzstab teilte Moses das Meer, er konnte ihn in eine Schlange verwandeln oder mit ihm, an einen Felsen geschlagen, eine Wasserquelle hervorbringen. Am selben Holz richtete er in der Wüste die eherne Schlange auf, damit die Israeliten geheilt wurden. Später wuchs aus dem lebendigen Zweig ein Baum, der zu einem Balken im Salomonischen Tempel wurde. Dieses Holz kam schließlich in die Zimmerer-Werkstatt des Joseph von Nazareth. Von Joseph erwarb Judas das Holz, den er den Soldaten gab, um daraus das Kreuz zu verfertigen.

In dieser Metamorphose wurde das Holz vom Erkenntnisbaum des Todes auf Golgatha zum Kreuzbaum des Heils und des Lebens.

 

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