Evolution

Nicht sorgen. Froh sein!

von S. Levent Oezkan

Meher Baba - ewigeweisheit.de

Der indische Mystiker und Guru Meher Baba sagte einst über sich, er sei der Avatar, der sich vor ihm auf Erden inkarnierte – als Rama, Krishna, Zarathustra, Buddha, Jesus und Mohammed. Ob er es wirklich war, darüber wüsste wohl nur selbst ein Avatar zu urteilen.

Wer sich seine Geschichte und die Art seiner Erscheinung genauer ansieht, erkennt schnell, dass es sich bei Meher Baba keineswegs nur um einen Verrückten handelte.

Auch wenn er im deutschsprachigen Raum kaum bekannt ist, spielte er im 20. Jahrhundert, für viele Menschen als universaler Weltlehrer eine bedeutende Rolle. Fast überall auf der Welt hatte er Anhänger, die an seinen Darshans (sanskr. "Zusammentreffen") sich zu Zehntausenden versammelten, um seine Erweckungsverheißungen zu empfangen.

Nach einem Besuch 1932 in den Vereinigten Staaten, schrieben verschiedene Journalisten Artikel über ihn. Selbst im Time Magazine erschienen seine Verkündungen.

Wer war Meher Baba?

All die vielen Gurus von denen man im vergangenen Jahrhundert Nachricht bekam: War Meher Baba nur noch ein weiterer unter ihnen? Oder war er tatsächlich ein wiedergekehrter Heiland, ein herabgestiegener Avatar, der Menschen die Liebe zu Gott lehrte?

Eigenartig dürfte einem vorkommen, dass dieser Guru Meher Baba die längste Zeit seines Lebens nicht sprach! Alle Weisheitslehrer, stellten ihre Aussprachen ja in den Mittelpunkt der Vermittlung ihrer Lehre, was für die oben genannten Avataras ja auch zutraf (wobei der islamische Prophet Mohammed als Analphabet eine gewisse Ausnahmerolle einnimmt). Meher Baba aber sagte, was er zu sagen hatte durch Schweigen.

Wie aber soll das gehen? Schließlich hatte er weltweit mehr als eine Million Verehrer und das erst nachdem er 1925 beschloss, kein einziges Wort mehr zu sprechen. Er schwieg über 44 Jahre bis zu seinem Tod im Jahre 1969. Für die Kommunikation verwendete er zuerst eine Buchstabentafel, auf dem er seinem Gegenüber mit dem Zeigefinger Wörter zeigte. Ab 1954 verwendete er eine eigene Gebärdensprache, die durch einen Sprachmittler dann ausgesprochen wurde.

Auf dem Weg

Ursprünglich kam dieser eigenartige und doch ebenso besondere Mensch, aus der indischen Stadt Puna, wo er 1894 in eine zoroastrische Familie als Merwan Sheriar Irani geboren wurde. Er besuchte in Puna die Highschool und später ein College.

Hazrat Babajan – ewigeweisheit.de

Die heilige Hazrat Babajan (um 1800-1931): Eine Qutub – wie die Sufis sagen,- eine Frau die Vollkommenheit erlangte (arab. Al-Insan Al-Kamil).

Eines Tages nun, das war im Jahre 1914 und Merwan war bereits ein junger Mann, fuhr er mit seinem Fahrrad von der Schule nachhause. Da passierte er eine ältere Frau, die da unweit des Fahrradweges saß, unter einem Baum, umgeben von einigen ihrer Schüler. Man nannte sie Hazrat Babajan.

Als sie den jungen Merwan dort auf dem Fahrrad zu ihr hinüberblicken sah, rief sie ihm zu – eine besondere Frau; selbst ein Sufi, von der ihre Verehrer sagen, dass sie 133 Jahre alt geworden wäre (gesichtert ist ein Lebensalter von über 100 Jahren). Sie schien den Jungen erkannt zu haben, als den kommenden Avatara (sankr. für den [vom Himmel] "Herabgestiegenden", etwa synonym mit dem griechischen Wort "Christos" oder dem hebräischen "Meschiach").

Ab diesem Tag besuchte der junge Merwan immer wieder Babajan und wurde ihr Schüler. Eines Tages aber war es an der Zeit: Als Merwan die Hand der Sufi-Meisterin küsste, nahm sie sein Gesicht in ihre Hände und küsste ihm auf die Stirn. Ihre Jünger aber ließ sie wissen:

Dies ist mein geliebter Sohn [...] Eines Tages wird er die Welt bewegen, was der gesamten Menschheit zu Gute kommen wird.

Nach dieser letzten Begegnung mit Hazrat Babajan, erfuhr der junge Merwan die vollkommen erfüllende Erfahrung innerer Gotterkenntnis. Nur war mit diesem vollkommen unerwarteten Erlebnis, dem Jungen leider nicht mehr möglich, in seiner bisherigen Welt wie gewohnt zu leben. Er funktionierte von da an mehr als Automat, denn als Mensch und kein Arzt konnte ihm helfen. Über neun Monate hinweg war sein Körper ohne Wahrnehmung und auch seine Umwelt, schien sich seinem Empfinden zu entziehen.

Eines Tages aber verspürte er in sich einen Ruf, der ihm suggerierte sich nun auf die Suche nach einem spirituellen Meister zu machen. Da traf er auf den berühmten Yogi und Fakir Sai Baba von Shirdi (1838-1918). Der erkannte den jungen Merwan, als den kommenden Avatar und sandte ihn zu seinem wichtigsten Schüler, der selbst ein Guru war: Upasni Maharaj von Sakori (1870-1941).

Als der junge Merwan zu diesem kam und Guru Upasni seine eigenartige Orientierungslosigkeit bemerkte, warf er ihm einen Stein an den Kopf, genau an die Stelle, an den ihn zuvor die Sufi-Meisterin Babajan geküsst hatte. Durch dieses, zwar recht brutal erscheinende Ereignis, aber sollte der junge Mann tatsächlich wieder zu seinem Bewusstsein finden. Die folgenden sechs Jahre blieb Merwan bei Guru Upasni, der ihm da half, sein normales Leben wiederzuerlangen.

Als der Erwecker der Menschen

In dieser Zeit aber auch, wurde ihm gewahr, dass er sich in seinem Bewusstsein in einer Welt der Gegensätze befand, worin seine eigene Göttlichkeit und die aller anderen Menschen wirkt. Jeder der ihn auch zuvor schon kannte, verspürte die Verwandlung die Merwan da durchlaufen hatte, die aber auf sie eine magnetische Anziehungskraft ausübte, so dass sie ihm als seine ersten Jünger folgten. Andere kamen durch die Sufi-Meisterin Babajan zu ihm.

Jene die ihm folgten, waren in ihrer religiösen Bekenntnis durchaus verschiedenen Glaubens: darunter Christen, Hindus und Muslime. Sie nannten sich "Mandali" und bildeten den Kreis seiner Jünger (daher auch der Name, abgeleitet aus dem sanskr. "Mandala", der Kreis).

Einer seiner Jünger (Sayyed Saheb) schlug vor, Merwan von nun an als "Meher Baba" anzusprechen: Barmherziger Vater.

Andere nannten ihn auch schlicht den "Erwecker".

Mit seinen ersten Jüngern gründete er – nach 10 Monaten intensiver Arbeit – im indischen Mumbai einen Ashram (1922), den er "Manzil-e-Meem" taufte: "Das Haus des Meisters". Alle die sich damals um ihn begaben, unterzog Meher Baba einer strikten Diät und verschiedenen körperlichen und geistigen Yoga-Übungen. Auch verschiedene Meditationen gehörten zu dem dort täglichen Ablauf.

Aber schon nach diesen 10 Monaten schloss Meher Baba den Ashram wieder, damit er sich mit seinen Jüngern auf eine Reise begab, die sie durch Indien (zu Britisch Indien zählte damals auch das heutige Pakistan) und auch den Osten des Iran führte.

Die Herzen öffnen

Meher Babas Flagge – ewigeweisheit.de

Die Flagge von Meherabad (ähnlich der heute gängigen Regenbogenfahne, die weltweit die Stimmung für Aufbruch, Veränderung und Frieden symbolisiert).

1923 ließen sich Meher Baba und seine Anhänger schließlich nieder im indischen Distrikt Ahmednagar (etwa 200 km östlich von Mumbai), wo sie eine kleine Siedlung gründeten: Meherabad. Fünfhundert Menschen sollten dort dann leben, die aus verschiedenen indischen Kasten und Religionen stammten. Meher Baba arbeitete beim Aufbau der Siedlung selbst mit, kümmerte sich um die Menschen und ihre Kinder dort. Selbst half er regelmäßig die Latrinen zu säubern.

Am 29. Juli 1925 ließ er dann verlautbaren, dass er ab nun nicht mehr sprechen werde. Von da an äußerte er bis zu seinem Lebensende kein einziges Wort mehr. Er signalisierte auch damit seinen Anhängern, dass alles Wahre nur in Stille übergeben und auch empfangen werde. Diese Stille sollte zu Meher Babas universaler Arbeit werden. Zehntausende Verehrer kamen in den folgenden Jahren zu ihm, um von ihm gesegnet zu werden.

Ab 1931 begann er große Reisen, meist inkognito. Über 20 Jahre war er von da an unterwegs, in Afrika, Nordamerika, Europa und dem Mittleren Osten. Da wollte er seine innere Arbeit des Erwachens verbreiten, wobei im Mittelpunkt seiner Lehre die Liebe zu Gott stand.

In der Paramaount Newsreel, einer Londoner Kinowochenschau der 30er-Jahre, ließ er 1932 durch den britischen Autor Charles Benjamin Purdom (1883-1965) verkünden:

Damit, dass ich in den Westen komme, will ich keineswegs erzielen einen neuen Glauben oder eine neue spirituelle Gesellschaften und Organisationen zu gründen. Vielmehr will ich den Menschen ihre Religion näher bringen, in ihrer wahren Bedeutung. Wahre Religion besteht darin, eine Geisteshaltung zu entwickeln, die letztendlich dazu führen sollte, dass im ganzen Universum die Eine Unendliche Existenz herrscht. [...] Die Struktur aller großen und anerkannten Religionen und Glaubensrichtungen der Welt, scheint mir ins Wanken geraten zu sein. [...] Ich beabsichtige, alle Religionen und Glaubenskulte wie Perlen an einer Schnur zusammenzuführen und sie für (jeden Menschen als) individuelle und kollektive Bedürfnisse zu revitalisieren. Das ist meine Mission im Westen.

Meher Baba wollte damit die Menschen dazu führen, ihre Geistigen Herzen zu öffnen, da aller Glaube, alle Gebete und Meditationen nur dann ihren Sinn erzielen. Erst damit könne eine allmähliche Realisierung des Göttlichen erfolgen, in der jeder als seinen Lebenssinn erkennt:

Ich bin eins mit Gott.

Seelentropfen

Diesen Gott verglich Meher Baba mit einem unendlichen Ozean der Macht, des Wissens und unbegrenzter Glückseligkeit. Wenn da nun aber die Rede ist von Gott, als solch Ozean, wusste dieser zu Anfangs nicht, dass er Gott sei. Darin erst sollte etwas als ursprüngliches Verlangen entstehen, damit er sich als Gott erkennen sollte. Hieraus entstanden ein unendlicher Raum und eine unendliche Kraft, die in ihrem Zusammenwirken den Beginn der Schöpfung einleiteten.

Beginn der Schöpfung – ewigeweisheit.de

Dieser unendliche Ozean aber, setzte sich, gemäß Meher Baba, zusammen aus unendlich vielen individuellen Tröpfchen. Hieraus sollten sich dereinst die individuellen Seelen manifestieren und auf die Erde fallen, um in den Herzen der dort geborenen Menschen, erhalten zu bleiben.

Jeder dieser Seelentropfen empfindet sich als getrennt von dem Seelenozean und verschafft sich Geltung, als eben dieser Seelentropfen.

Weniger aber identifizieren sich die Seelen, als ein aus dem unendlichen, göttlichen Ozean stammenden Tropfen. Eher neigen sie dazu sich mit verschiedenen Formen zu identifizieren. Im Laufe ihrer Entwicklung auf dem Planeten Erde, verkörperten sich die Seelen darum. Im Laufe der Evolution aber verfeinerten sie sich. Laut Meher Baba ging damit einher eine Entwicklung des Bewusstseins, wo die Form jedoch dem Bewusstsein folgte (im Gegenteil zur Lehre Charles Darwins, für den da zuerst die materielle Form die Gegebenheiten schuf, aus der sich entsprechend das Bewusstsein bildete).

Diese Evolution unterteilte Meher Baba in diese Entwicklungsschritte:

  • Mineralien (noch vollkommen unbewusst)
  • Metalle
  • Pflanzen
  • Würmer und Kriechtiere
  • Fische
  • Vögel
  • Säugetiere
  • Mensch (voll bewusst)

Sobald sich die Seelen in den Menschen in ihrem Bewusstsein voll entwickelt hatten, reinkarnierten sie immer wieder (auch heute noch), um notwendige Erfahrungen zu machen, die sie eben nur auf dem Planeten Erde erlangen können. Während die Seele nur ein einziges ewiges Leben besitzt, werden ihr immer wieder neue Körper als Fahrzeuge geboren, worin sie ihre notwendigen Erfahrungen macht (wie auch im Buddhismus von Fahrzeugen als den "Yanas" die Rede ist, in den Formen von Hinayana, Mahayana und Vajrayana).

In diesen immer neuen Wiederverkörperungen auf Erden, erweitert sich das Bewusstsein der Seele immer und immer mehr. Solange sich die Seele aber noch mit ihrer Inkarnation identifiziert – und dabei glaubt "Ich bin mein Körper" – geht damit einher eine Vorstellung von Getrenntheit. Sie wird durch das menschliche Ego aufrechterhalten, das seine Ichheit eben als getrennt von den anderen empfindet.

Karma oder: Jede Handlung hat eine Folge

Meher Baba erklärte, dass Karma das spirituelle Gesetz von Ursache und Wirkung ist. Darin schafft die Erfahrung jedweder Wirkung ein Verlangen danach, ihr Gegenteil ebenso zu erfahren.

Grob gesagt gibt es zwei Arten von Karma: Das, welches bindet und das, was zur Emanzipation und Selbstverwirklichung beiträgt. Sowohl gutes, als auch schlechtes Karma bindet, solange noch ein falsches Verständnis den Ego-Verstand nährt. Zu einer Kraft zur Emanzipation wird Karma dann, wenn es aus dem richtigen Verständnis entspringt und so den Ego-Geist erschöpft.

- Aus Meher Babas "Discourses"

Involution

Evolution und Involution – ewigeweisheit.de

Auf der 4. Position, im oberen Teil dieses Schaubildes (INVOLUTION), deutet ein Pfeil auf "Bindeglied", dass sich befindet zwischen den (feinstofflichen) Energien und dem (mental) Intuitiven. Dieses Feld entspricht dem, wovon in der Esoterik gesprochen wird als das "Mystische Herz".

All die vielen Eindrücke in der Welt, die die Erfahrung der Seele während ihrer Evolution prägten, wurden ihr, wenn es darum geht Mensch zu sein, im Laufe kommender Inkarnationen mehr und mehr zur Last. Aus diesem Grund ermüdet das menschliche Individuum, bei all seinen vielen Runden der Wiederkehr, einem scheinbar nicht enden wollenden Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt.

Damit einher aber geht schließlich ein überwältigendes Gefühl von Unzufriedenheit, über ein scheinhaftes Dasein. Sobald dieses Gefühl in einem Menschen aufsteigt, ist das ein Zeichen dafür, dass er bereit ist für den spirituellen Pfad. Hier sprach Meher Baba von der Involution: Der Rückbildung des inkarnierten Daseins, das in seiner Wichtigkeit in den Hintergrund tritt, um dem Seelenselbst in seiner Verwirklichung damit behilflich zu sein. Somit ließe sich das, hier veranschaulichen mit dem Wort "Involution": Ein Aufstieg zurück ins Göttliche.

Durch Gotterkenntnis schließlich, wird dann die Reise des Bewusstseins der Seele abgeschlossen. Jener oben genannte "Tropfen der Seele", kehrt damit zurück zu seinem Ursprung, zurück in den Ozean des Göttlichen, um damit letzten Endes die wahrhaftige Erfahrung des "Ich-Bin-Gott"-Zustandes zu machen.

Jedes menschliche Individuum ist selbst dieser Tropfen aus dem Ozean des Göttlichen. Und dieser Tropfen beinhaltet bereits den Ozean. Solange sich der Seelentropfen dessen nicht bewusst ist und damit kein Bewusstsein für diese Realität hat, bleibt es eben ein Tropfen. Sobald da aber diese Realität erfahren wird, breitet sich aus diesem Seelentropfen ein eigener Ozean des Göttlichen aus.

Überwältigt von der Liebe zu Gott

Im Jahre 1936 begann Meher Baba seine Arbeit mit den im Orient so genannten "Mast". Es sind Personen, die von ihrer Liebe zu Gott so überwältigt sind, das sie im Außen die Orientierung verloren haben. Sie sind in einer Art Liebesrausch. Daher auch das persische Bezeichnung "Mast", was man zur Bezeichnung eines liebestrunkenen Mystikers ebenso verwendet, wie auch wortwörtlich für einen Trunkenbold oder anders berauschten Menschen.

Ursprünglich stammt diese Allegorie des Liebestrunkenen aus dem Wortschatz der Sufis. Es klingt in dem Wort Mast jedoch auch das persische "masti" an, das "überwältigt" bedeutet und auf jene oben beschriebenen Personen ja ganz und gar zutrifft, da sie kein normales Leben ohne fremde Hilfe führen können. Sie sind sich ihrer eigentlichen Körperlichkeit nicht mehr bewusst, da bei ihnen jene beschriebene Involution bereits eingesetzt hat. So also bewegen sich die Mast schon näher am Punkt der Gotterkenntnis, als "normale Menschen".

Meher Baba hatte viel Zeit mit diesen Menschen verbracht, gab ihnen zu Essen und half ihnen bei der Reinigung ihrer Körper oder dabei sich zu rasieren. Nicht ganz einfach einen Mast von einem Wahsinnigen zu unterscheiden. Das Herz eines solchen Menschen jedoch ist erfült von einer leidenschaftlich brennenden Liebe zu Gott.

Absoluter Verzicht

In dieser Zeit aber kümmerte sich Meher Baba auch um Menschen, die an einer schweren Behinderung litten, blind waren oder aber kein Geld hatten und sehr arm waren. Geld an sich spielte in Meher Babas Leben nur eine ganz nebensächliche Rolle. Sobald er es bekam, gab er es an Bedüftige weiter oder eben an die Masts.

Später verkaufte Meher Baba sogar all seine Besitztümer und die seiner Mandali – dem innersten Kreis seiner Jünger. 1949 begab er sich mit einer kleinen Gemeinschaft von 22 Mandali in ein Leben vollkommener Entsagung. Zwar bedeutete das für alle ein Leben in Hilflosigkeit – doch aber waren sie erfüllt von grenzenloser Freundlichkeit. Seine Jünger und Meher Baba vertrauten da einzig auf Gott und wanderten, sich das nötigste erbettelnd, durch ganz Indien, während sie weiterhin im Dienste der Menschen standen, Kranken und anderen Hilfsbedürftigen halfen.

Vollkommene Akzeptanz

Rambha Mastan of Kashmir – ewigeweisheit.de

Rambha Mastan von Kashmir: Einer des Masts, um die sich Meher Baba sorgte.

Gottesliebe, die einhergeht mit einem personalen Gott, gibt den Mystikern Indiens – im Sufismus, Hinduismus und Sikhismus – einen ganz klaren, spirituellen Weg vor. Dafür stand Meher Baba in seinem ganzen Auftreten, wie seine Anhänger beschrieben. Er versuchte damit alle Menschen, die ihm begegneten, ganz und gar so zu akzeptieren wie sie sind: Verkörperte Seelen, die aus dem göttlichen Ozean stammend, sich in irdische Leiber hüllen.

Liebe bedeutet auch, Leiden und Schmerz für sich selbst und ein Glück für andere. Für den Gebenden ist es Leiden ohne Bosheit oder Hass. Für den Empfangenden ist es eine Wohltat, ohne dass er sich damit zu irgendetwas verpflichtet fühlt. Liebe allein weiß, wie man gibt, ohne dabei um Gegenleistung zu feilschen. Es gibt nichts, was die Liebe nicht erreichen kann, und es gibt nichts, was die Liebe nicht opfern kann.

- Aus Meher Babas "Path of Love"

Jeder, der Meher Baba gegenübertrat, bekam durch ihn etwas ganz direkt vermittelt: Er fühlte sich sogleich in Einigkeit und Übereinstimmung mit jedem anderen menschlichen Wesen.

Anderen Menschen begeneten Meher Baba auf eine Weise, so als empfänden sie in ihm ihr eigenes Selbst, ja tiefer noch, als sie ihr eigenes Selbst je in sich empfinden könnten! Immer wieder hörte man von Menschen, die ihre Begegnung mit ihm so beschrieben. Wer diese Erfahrung aber gemacht hatte, den traf das unter Umständen, wie ein Schock.

- Don E. Stevens (1919-2011), Autor und Mandali Meher Babas

Nicht zuletzt wegen dieser außergewöhnlichen Erfahrung, die Menschen erlebten, die Meher Baba persönlich trafen, hielten ihn seine Anhänger tatsächlich auch für den gottgesandten Avatar. Auch die Tatsache, dass er, seit 1925 bis zu seinem Tod 1969, nie mehr ein Wort gesprochen hatte und später sogar allein durch einen Deuter seiner Gebärden (der ihm als Dolmetscher das mitteilte, was er für ihn übersetzt hatte) zu den Menschen sprach: Hunderttausenden Menschen hatte er in ihrem Leben geholfen – und sei es über die Texte, die seine Schüler für ihn aufzeichneten.

Er war, wie er selbst meinte, nur wegen der Liebe zu den Menschen auf Erden inkarniert. Das mag der einen oder dem anderen vielleicht etwas zu rührselig klingen. Dennoch aber wusste Meher Baba und die Menschen die mit ihm lebten, wie auch alle die sich bis heute, intensiver mit seiner einzigartigen Lehre befassen, dass er, wie jene großen Weltlehrer vor ihm, das nur auf seine Weise erfolgen ließ, mit anderem Namen und seiner ganz einzigartigen Form der Kommunikation.

Keine neue Religion!

In seiner ganzen Erscheinung sah sich Meher Baba den Menschen gegenüber verpflichtet, um sie dabei nach und nach von den Fesseln der Illusion zu befreien und ihr Bewusstsein zu erheben, gleich wie aus einer Grube der Unbewusstheit, aus den Abgründen der Ignoranz, ins Licht der Erkenntnis führend.

Und doch: Nie fühlte sich Meher Baba dazu inkarniert, eine neue Religion zu gründen und das auch dann nicht, wenn ihn im 20. Jahrhundert mehr als eine Million Menschen verehrten und auch heute noch verehren. Nicht kam er um die Menschen zu lehren, wie er selbst sagte, sondern um sie zu erwecken, aus ihrem Schlaf der Unwissenheit. Bereits damals wies Meher Baba darauf hin, dass er erscheinen werde in einer Zeit, in der sich in der Welt der Menschen Veränderungen ereignen werden, die nie zuvor dagewesen waren.

Da mag manch einer gleich an die schlimmen Ereignisse des 20. Jahrhunderts denken. Was Meher Baba jedoch vor allem meinte, war, dass neue Formen spiritueller Kräfte verfügbar sein würden, womit das Bewusstsein der Menschen auf eine neue Stufe erhoben werde. Auch deshalb sprach er von einer der Ära einer neuen Menschheit – wo die Menschen ein Gefühl des untereinander Verbundenseins empfinden werden, wo Religion und Wissenschaft nicht mehr wegen ihrer Glaubwürdigkeit konkurrierten, sondern ihre Vertreter beginnen werden zu kooperieren.

Auch lag Meher Baba fern, soetwas wie eine Religion oder Glaubensgemeinschaft zu gründen. Er ermutigte stattdessen seine Anhänger dabei, ihren eigenen Glaubensbekenntnissen zu folgen, entsprechen der Riten ihrer Tradition.

Die eigene Glückseligkeit und das Vertrauen in Gott

Gemäß dem, was Meher Baba seinen Jüngern an innerem Wissen gab, kam jemand zur Erkenntnis des Göttlichen, der in sich zum Erwachen wahrer Liebe fand. So jemand öffnete damit das unbegrenzte Feld dauerhaften und unvergänglichen Glücks.

Das Glück der Gottesverwirklichung ist das Ziel der ganzen Schöpfung. Es bleibt einem Menschen unmöglich, die leiseste Vorstellung von diesem unaussprechlichen Glück zu haben, ohne tatsächlich die Erfahrung der Göttlichkeit gemacht zu haben. Die Vorstellung, die die Weltzugewandten (Menschen) von Leiden oder Glück haben, ist völlig begrenzt. Wahres Glück, das durch die Erkenntnis Gottes entsteht, ist (selbst) alles körperliche und geistige Leiden im Universum wert. Dann (erst) ist alles Leiden so, als wäre es nie dagewesen.

- Aus Meher Babas "Discourses"

Unzweifelhaft klar dürfte mit diesen Aussagen sein, dass so etwas einer Menge Arbeit am Selbst bedarf. Denn nur jene, die sich eben durch verschiedene Herausforderungen und damit einhergehende Schwierigkeiten, auf eine höhere Stufe erheben konnten, können sich wahrhaftig glücklich schätzen. Denn was anderes, als die Erfahrung der Gotterkenntnis, führt einen durch die Hindernisse der fleischlichen Inkarnation zu seinem wahren Selbst?

Diese körperliche Hülle, die ihrerseits noch vermengt ist mit den durch den Geist inspirierten Emotionen, muss erst einmal durchdrungen werden, was sich eben oft nur in Schmerzen – körperlich oder emotional – verwirklichen lässt. Was das für unsere heutige Zeit und unser Leben in der Gegenwart bedeutet, scheint immer mehr an die Oberfläche unseres kollektiven Bewusstseins zu drängen.

Mit dem Gesagten aber: Erscheint es da nicht wichtiger denn je, nicht nur zu unserem eigenen Glück finden zu wollen, sondern dieses Glück mit anderen zu teilen? Unser eigenes Glück hängt eben auch ab davon, wieviele andere Menschen durch uns glücklich, zumindest aber zufriedener geworden sind.

Meher Baba – ewigeweisheit.de

Meher Baba in Toka, Indien (1928)

Wahres Leben besteht darin, andere (Menschen) glücklich zu machen. Drum versuche andere (Menschen) um Dich (herum) glücklich zu machen. Hab keine Angst. Alles wird gut sein. Sorge Dich nicht, mein Nazar (symbolisches Auge, dass vor dem Bösen schützt) ist über Dir.

- Aus "Der Gottsucher", Tagebuch des Meher-Baba-Jüngers Minoo Kharas

Gottesliebe, Nächstenliebe, die Liebe zu dienen und die Liebe der Aufopferung, kurz: Liebe in jeder Gestalt und Form, ist die edelste Form allen Gebens und Nehmens. Letztendlich ist es die Liebe, die zu der so sehr ersehnten Gleichstellung aller menschlichen Wesen auf Erden führt und notwendigerweise dabei auch nicht, die von Natur aus unterschiedlichen Eigenheiten der Menschheit stört.

Es ist (darum) unendlich viel besser, auf das Beste zu hoffen, als das Schlimmste zu befürchten. Die Zeit setzt sich zu gleichen Teilen aus Tag und Nacht zusammen. In ihrem unvermeidlichen Verlauf von Höhen und Tiefen nähert sich die Welt schnell wieder einem glorreichen Morgen.

Euch allen meinen Segen.

- Aus "Listen, Humanity" von Meher Baba, herausgegeben von Don E. Stevens

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Des Menschen spirituelle Entwicklung

von S. Levent Oezkan

Spirituelle Entwicklung - ewigeweisheit.de

Auch wenn uns die modernen Medien mit immer neuen Schreckensmeldungen bedrängen, sei darüber trotzdem eine wichtige Kernaussage gestellt: In unserer Welt bilden Liebe und Weisheit die höchsten Gesetze des Lebens. Sie formen ein spirituelles Fundament, auf dem alles Werden seinen Lauf nimmt: sowohl in den Lebenskreisläufen von uns Menschen, als auch in den großen Zyklen unseres Kosmos.

Ihre Prinzipien lenken die Sterne und unser Zentralgestirn Sonne, das als Leben und Helligkeit spendendes Wesen jeden Morgen zu uns wiederkehrt. Und so wie ihr Licht und ihre Wärme gemeinsam ein Exempel von Zuneigung, Wertschätzung und Weisheit zeichnen, so steht die Abwesenheit der Sonne für das Dunkel von Unwissenheit, Egoismus und Ignoranz.

Ein Leuchtendes Vorbild

Unseren Möglichkeiten zur spirituellen Weiterentwicklung aber, sind damit keine Grenzen gesetzt. Die Sonne in ihrer Rolle als kosmisches Vorbild für die symbolischen Wahrheiten des Lichts, der Liebe und der Weisheit, könnte der Erkennende versuchen nachzuahmen. Denn wenn auch nur wenige normalsterblicher Menschen in ihrer gegenwärtigen Lebensspanne ein solch erhabenes Ziel zu vollkommener Entfaltung brächten, zählte es dennoch zu den wohl erhabensten Vorsätzen die sich jemand setzen kann.

Unter unseren Vorfahren bewegten sich Menschen auf diesem Weg des Strebens nach einem guten Leben, schon seit sehr, sehr langer Zeit – und das wird auch niemals enden. Selbst dann, wenn sich ein Großteil der Menschheit in Aufruhr befindet und es überall Kriege, Hass, Unterdrückung und Ausbeutung gibt – was uns die Nachrichten zeigen –, bleiben die Maxime von Liebe und Weisheit dennoch auf ewig bestehen, bleiben etwas, an das man sich halten kann. Und wenn uns diese beiden höchst-erhabenen Gesetze des Lebens bewusst und wichtig geworden sind: ist es da nicht gut sich immer wieder daran zu erinnern, dass die Sonne, als kosmisch-manifestierter Inbegriff dieser Gesetze, auch morgen wieder aufgeht?

Menschliche Evolution

Gewiss mag das dem rational geprägten Gemüt zu romantisch erscheinen. Doch der Mensch ist eben mehr als nur sein Körper, sein Fühlen und sein Denken. Selbst wenn sich der Mensch in seiner evolutionären Entwicklung tatsächlich auf einen Affen als Vorfahren berufen müsste, was ja nur eine unter anderen Theorien bleibt, befindet er sich auch heute noch in einem Entwicklungsprozess.

Wenn die moderne Wissenschaft nur eine Ebene der menschlichen Existenz kennt, die körperlich-organische eben, worin auch das Seelenleben, die psychische Befindlichkeit, Geist und Denken, auf rein hormonal-nervliche Zusammenhänge zurückgeführt werden, bedeutet Evolution nicht, wie man heute meinen mag, nur auf technischem Fortschritt. Der moderne Mensch aber tendiert dazu die Weiterentwicklung unserer Spezies allein auf die angeblichen Errungenschaften immer neuer Technologien beschränken zu wollen.

Wir sind mehr als unser Körper, unsere Gefühle und Gedanken

Die Ewige Weisheit, oder nennen wir es das »Weistum der Alten«, lehrt uns weit mehr als nur von einem rein materiellen Dasein des Menschen. Da geht es, je nach geistiger Tradition, um sechs oder sieben, verschieden-stoffliche Körper, die ein erwachter Mensch, bewusst durch sein Leben zu führen vermag. Manchen sind diese feinstofflichen Körper mehr, anderen weniger oder gar nicht bewusst. Der Wissenschaft aber geht es buchstäblich nur um einen Bruchteil dessen, was wirklich ist und nur diesen erklärt sie einzig als gültig (natürlich will ich nicht allen Wissenschaftlern absprechen, dass ihnen durchaus bewusst ist, dass der Menschen neben seiner physischen Existenz auch noch in höheren, spirituellen Formen des Seins existiert).

Es ist dabei sehr interessant zu beobachten, dass die moderne Wissenschaft eigentlich nur einen Bruchteil dessen kennt, was sie in ihren Schulbüchern zu generalisieren versucht. Warum? Nun, man weiß heute, dass das Universum, das unser Planetensystem umgibt, zu 96% aus sogenannter Dunkler Materie und Dunkler Energie besteht. Hiervon natürlich gehen ganz wesentliche Kraftwirkungen aus, die das Sein in unserem Kosmos mit formen. Doch darüber weiß die moderne Wissenschaft bislang nur sehr, sehr wenig. Kein Physiker aber würde abstreiten, dass die gewaltige Masse an Dunkler Materie, eben auch eine besondere Gravitationswirkung auf ihre Umgebung ausübt. Was aber unsichtbar ist, lässt sich nicht messen. Doch die Welt in ihrer Ganzheit, lässt sich eben nicht nur durch den Augen-Blick erfassen.

Es ist wohl unsere Gewohnheit zu glauben, dass Wahrheit sich über das Beobachtbare erkennen ließe. Doch auf eine rein sinnlich erfahrbare Welt »bestehen zu wollen«, um es einmal so zu formulieren, bleibt die Schwäche unseres Egos, das immer auf seine Befriedigung aus ist. Symbol dafür ist der Spiegel – worin man sein Aussehen sieht und dabei vielleicht bedauert oder bewundert. Jeder aber weiß, das nur er selbst sich so im Spiegelbild sehen kann, während alle anderen Menschen ihn so sehen, wie er »wirklich« aussieht.

Eine Sage aus dem griechischen Altertum, die sich auf diese Art des Menschseins anwenden lässt, ist der Narziss-Mythos. Narziss war der schöne Sohn des gewalttätigen Flussgottes Kephissos. Wegen seiner ungeheuren Schönheit umwarben ihn gleichermaßen Mädchen und Jünglinge. Herzlos aber wies er die Liebe anderer zurück. Eines Tages jedoch begab er sich an einen See und setzte sich dort ans Ufer. Da sah er sein Spiegelbild auf der stillen Wasseroberfläche und fand sich so schön, dass er sich in das Bild seiner eigenen Reflexion verliebte. So empfand dieser Jüngling ein etwas ungewöhnlich ausgeprägtes Selbstwertgefühl, das ihm aber zum Verhängnis werden sollte. Denn er wollte sein eigenes Abbild umarmen, doch fiel dabei und ertrank, gefangen in den tiefen Wassern des Sees.

Dieser alte Mythos ist eine Allegorie auf die geistige Natur des Menschen, denn wie Narziss schauten auch wir Menschen einst, aus den erhabenen Höhen unserer ursprünglichen, spirituellen Wohnstatt, in den Kosmos hinab, in die materielle Schöpfung, in der wir uns sehr wahrscheinlich auch morgen noch befinden. Dort nämlich sah unser geistiges Selbst sein eigenes Ebenbild, worin sich auch unsere Begierden spiegeln, die uns unsere geglaubte Schönheit vorgeben. Es ist das Abbild in dem wir die Schönheit unseres Geistes erkennen, wie er sich uns im Kosmos, in der äußeren Welt der Manifestationen zeigt.

Es gibt aber nichts im Außen, was nicht auch schon in uns latent vorhanden ist. Wenn wir also in die Welt des Außen blicken und dort etwas entdecken, wonach wir uns sehnen, ganz gleich wie das auch geartet sein möge, wollen wir uns da etwas zu eigen machen, das eben eine Projektion irgendeines Teiles in uns ist. Und damit fällt, wie einst Narziss ins tiefe Wasser, auch unser spirituelles Bewusstsein in eine nach außen gewandte Haltung, gefangen im Kosmos, gefesselt von der manifestierten Welt der sinnlichen Erscheinungen.

Sowohl in der westlichen wie auch in der östlichen Tradition, ist da dann die Rede der Fleischwerdung des Geistes (Inkarnation), wo die Bande der Körperlichkeit unseren Geist umschlingen. Wer aber als spiritueller Mensch nach und nach erkennt, dass sich dieses Inkarnationsereignis einst begeben haben muss, wird sich vielleicht danach sehen, zu seinem ursprünglichen Sein zurückzukehren: einem Zustand jenseits aller Körperlichkeit, außerhalb jeglicher Begrenzungen und Sorgen.

Alles ist im Fluss

Erst durch die Fähigkeit sich über die Begrenzungen der sichtbaren Welt zu erheben, wird man sich der unbegrenzten Möglichkeiten des eigenen menschlichen Vermögens bewusst. Auch unsere Sorgen und Ängste, die alle ihre Berechtigung zu haben scheinen, hängen zusammen mit dieser Anhaftung an die sichtbare, hörbare und fühlbare Welt der Erscheinungen.

Auch wenn in der Welt die Prinzipien der Entsprechung gelten (auch: Hermetische Gesetze) – im Innen und Außen, im Oberen und Unteren, im Großen und Kleinen –, bleibt in der Welt des Göttlichen nichts davon bestehen. Dies zu erkennen kann uns ruhig Anlass dazu geben, unser vielleicht verloren gegangenes Glück neu entdecken zu wollen, da wir wissen, das nichts bleibt, aber alles in ständigem Fluss ist und seine Gezeiten hat. Nur der Tod bleibt ewig. Doch wenn ein Mensch stirbt, entschläft, verendet da »nur« der physische Körper. Wie uns aber alle spirituellen und religiösen Traditionen der Erde lehren, lebt schließlich ein anderer Teil davon fort (beziehungsweise Teile davon), zu einem Lichtreich hinstrebend, worin vollkommene Glückseligkeit herrscht (Paradies) – dann wenn sich die Seele aus dem irdischen Seinszyklus tatsächlich gelöst hat.

Wie anders soll diese ultimative Trennung aber gelingen, als dass man bereits jetzt damit beginnt, in diesem Augenblick, ein Bewusstsein zu entwickeln, das die eigene Wahrnehmung von der sichtbaren, materiellen Welt im Außen allmählich abwendet und stattdessen nach innen schaut, auf den eigentlich geistigen Kern eines spirituellen Seins?

Denken und Sein

Gewiss zählt zu alle dem der Wunsch ein richtiges Denken zu entwickeln. Denn nur mit einem klaren, reinen Geist, lässt sich höheres Sein erringen. Das »Denken« als Aktivität jedoch, unterscheidet sich von dem, was man allgemein unter »Gedanken« versteht, sind sie doch eher zufällig aneinander folgende Einbildungen, die vom astralen, triebbezogenen Dasein her, unseren Geist durchströmen und dabei Erinnerungen aufwirbeln. Bewusstes Denken aber hat einen Anfang und ein Ziel, wobei sich an das Ziel ein nächster Anfang anschließen kann. Wer also ein Wirbeln unangenehmer Gedanken unterbrechen möchte, kann sich die Welt im Geiste erklären, das was er sieht, sich selbst im Geiste sprechend beschreiben, als eben das, was gerade vor seinem inneren oder äußeren Auge erscheint.

Die menschliche Fähigkeit zu Denken wird sich vielleicht schon in den folgenden Jahrzehnten, sicher aber in den kommenden Jahrhunderten erheben, über die gegenwärtige Form einer rein äußeren Kommunikation, durch die Medien von Schall und Licht. In ferner Zukunft werden die Menschen vielleicht wieder die Fähigkeit entwickeln, zu kommunizieren auf einer höheren, geistigen Ebene, etwas das man auch Telepathie nennt. Manche unter uns, haben sich aber gewiss bereits auf diesen Weg begeben.

 

 

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