Geist

Weisheit der Sufis

Weisheit der Sufis

Wie die meisten gebildeten Muslime seiner Zeit, war auch Al-Ghazali jemand der mit der Philosophie Aristoteles' vertraut war. Zwar hielt man all die griechischen Philosophen für Ungläubige, machte sich aber deren Logik und Prinzipien der Philosophie zu Nutze. Es war ein Kompromiss, denn in ihrer Arbeit versuchten sie so weit wie möglich die Dogmen des Koran beizubehalten.

Al-Ghazali war in seinem Denken jedoch eher einer platonischen Philosophie zugeneigt. Außerdem schloss er sich später den Sufis an, die durch das »Wadschad« – die Ekstase – ihre Art von Offenbarung empfingen. Und doch wäre es falsch Al-Ghazali seinem Wesen nach nur als Sufi zu kennzeichnen. Er wuchs in einer Gemeinde auf, zu der viele Arier gehörten. Und so war sein Werk wohl auch stark beeinflusst vom Zoroastrismus, doch ebenso von dem, was er von buddhistischen Missionaren aus dem Osten gelernt hatte.

In Al-Ghazalis Werk laufen die philosophischen und spirituellen Lehren aus West und Ost zusammen. Er führte bei den Sufis die Konzepte der Philosophie Plotinus' ein, wie auch die der Neuplatoniker, die dereinst sogar einen festen Bestandteil in den Lehren der muslimischen Gemeinden seiner Zeit werden sollten.

Viele sehen in Al-Ghazali eine der größten Persönlichkeiten in der Geschichte des Islam, ja gar auf selber Stufe wie die vier großen Imame. Diese Ansicht scheint sich jedoch eher in heutiger Zeit zu erfüllen, wo sich der Islam in einer Art Wandlungsprozess befindet. Darum, so glauben manche, würden durch ein erneutes Studium seines Werks, Al-Ghazalis Lehren zu neuem Leben erweckt.

Was der Mensch in Wahrheit alles vermag

Womöglich ließ sich Al-Ghazali durch die Schriften von Platon und Aristoteles inspirieren. Denn seiner Ansicht nach, musste jemand am Anfang eines geistigen, eines spirituellen Weges, zuerst einmal sein Herzen von allen Dingen reinigen, die nicht zum Göttlichen gehören, in einer Art »Katharsis des Herzens«. Durch symbolische Handlungen sollte einer jene Belastungen des Herzens eliminieren. Aggressive Gefühle mussten da in fiktiver, scheinbarer Form, negative Emotionen reduzieren, wo sich der Betroffene ihrer, durch symbolische Handlungen entledigt. Dies etwa kann erfolgen durch den Ausschrei des Satzes »Gott ist großartig«, auf arabisch: »Allahu Akbar«. In einem weiteren Schritt erreicht der Übende einen Zustand in dem sich sein Geist vollkommen auflöst in Gott, in einem willentlichen Akt. Nicht aber ist das bereits der Zustand höchster Vervollkommnung, sondern sogar noch die erste Stufe auf dem Weg zu einem Leben innerer Einkehr. Es ist quasi der Vorhof durch den die Eingeweihten eintreten.

Das Herz ist das Zentrum aller subtilen Gemütsformen im Menschen. Doch nicht etwa das physische Herz. Es ist ein geistiges Herz, dass dem Propheten Mohammed (as) offenbart wurde. Er empfand in diesem geistigen Herzen die Welt. Was er darin erblickte schaute er mit dem mystischen Auge des Herzens an. Im Koran heißt es hierzu:

Wer immer Gabriels Feind ist – denn er ist es, der es auf Geheiß Allahs hat herabkommen lassen auf dein Herz, Erfüllung dessen, was vordem war, und Führung und frohe Botschaft den Gläubigen […]

Und siehe, dies ist eine Herabsendung (Offenbarung) vom Herrn der Welten. Hinab kam mit ihm (dem Koran) der getreue Geist auf dein Herz, dass du einer der Warner seiest, in deutlicher arabischer Sprache.

- Suren 2:97, 26:192ff

Was andere dann durch Mohammeds (as) mündliche Überlieferung aufschrieben, sollte den logisch zu schlussfolgernden Teil dieser Offenbarung bilden, während in ihm selbst, auf die eben angedeutete Weise, religiöse Erkenntnis inspiriert wurde. Aus dieser Trennung von logischem Erfassen und religiöser Erleuchtung, kam es im Islam zu zwei einer Trennung in zwei geistige Strömungen: den Rationalisten, die quasi den wortwörtlich überlieferten Islam predigen, und den Mystikern, was auch heute noch die Sufis sind. Die meiste Zeit in der Geschichte der islamischen Religion, bestanden diese beiden Geisteswege in Frieden nebeneinander.

Die sogenannten »Mutakallimun« gründeten eine systematisierte Theologie, die man in den exoterischen Medressen lehrte und wo man über das Wesen des Andersseins Gottes mutmaßte. Die Sufis jedoch trafen sich in davon gesonderten Logen, den sogenannten »Tekken« (auch: »Dhargas«). Dort praktizierte man in Meditation und religiösem Ritual, den »Dhikr«. In dieser besonderen ekstatischen Praxis wird sich der Übende, Gottes absoluter Erhabenheit und Vollkommenheit bewusst, was da insbesondere durch den sogenannten »Tasbih« erfolgt, den Lobpreis der Formel »Subhan Allah«: »Gott ist über allem erhaben«.

Heilig ist Er und hoch erhaben über all das, was sie behaupten.

- Sure 17:44

Den Sufis geht es jedoch nicht darum, in ihrer Rezitation dieses »Subhan Allah«, damit ein intellektuelles Verstehen seiner Bedeutung zu suggerieren, sondern vielmehr darum, sich eine gleichnishafte Darstellung dessen zu vergegenwärtigen, was man als vollkommenste Struktur allen Seins bezeichnen könnte. Solcher Art Bewusstwerdung im Dhikr, erfolgt also nicht im Intellekt, sondern in dem, was wir oben als das »Geistige Herz« einführten. Was damit gemeint ist, damit wollen wir uns im Folgenden eingehender beschäftigen.

Das Herzen als Sitz spiritueller Geheimnisse

Wir hatten zuvor gesagt, dass die göttliche Offenbarung an den Propheten Mohammed (as) nicht seinem denkenden Geist, sondern seinem Herzen enthüllt wurde (siehe oben Suren 2:97, 26:192ff). Für die Sufis war dieses Herz der Sitz geistiger Geheimnisse. Vor diesem Hintergrund erscheint es nicht überraschend, dass der Begriff des Herzens auch eine wichtige Rolle spielt im Vokabular religiöser Gelehrter des Islam. Oft wird dieser Begriff synonym für das verwendet, was man die Seele nennt, jedoch als Sitz dessen, was man als intellektuelle und emotionale Instanz darin sehen könnte. Das heißt, dass all jene unter diesen Gelehrten, einerseits von den esoterischen Lehren Aristoteles' beeinflusst waren und damit auch von dem, was wir zuvor, als die Schule des Neuplatonismus andeuteten. Da galt jenes, »geistige Herz«, als Sitz der edelsten Gefühle eines Menschen.

Für Al-Ghazali jedoch war das Herz jedoch nicht allein das, was wir uns vielleicht unter dieser Beschreibung vorstellen. Er versuchte die Wesensbeschaffenheit dieses Herzens als etwas viel universaleres darzustellen. Vier esoterische Konzepte sollten ihm bei der Beschreibung dessen helfen, was durch die arabische Begriffe »Qalb«, »Ruh«, »Nafs« und »Aql« definiert ist. In folgendem Zitat aus seinem Buch »Wunder des Herzens« schreibt er:

[…] dem Begriff »Herz« (arabisch »Qalb«), dem zwei Bedeutungen zu Grunde liegen. Eine davon ist das kegelförmige Körperorgan aus Fleisch, dass sich in der linken Seite der Brust befindet. Es ist ein besonderer Muskel, indem sich eine Höhlung befindet, und in dieser Höhlung befindet sich schwarzes Blut, das die Quelle und der Sitz des Geistes ist (arabisch »Ruh«). […] Die zweite Bedeutung des Wortes »Herz« beschreibt eine subtile, feinstoffliche Substanz ätherisch-geistiger Art, die mit dem physischen Herzen verbunden ist. Die subtile, feinstoffliche Substanz aber ist die wahre Essenz des Menschen. Das Herz ist der Teil des Menschen, der empfindet und weiß und erfährt […] Der zweite Begriff ist »Geist« (arabisch »Ruh«), der für unsere Zwecke ebenfalls auf zwei Arten erklärt, verwendet wird. Eine davon ist ein feinstofflicher Körper, der einer Höhlung des physischen Herzens entspringt und der durch die pulsierenden Arterien in allen Körperteilen verbreitet wird. […] Die zweite Bedeutung (des »Ruh«) ist, wie bereits erwähnt, die einer subtilen, feinstofflichen Substanz, die den wirklichen Menschen ausmacht: Es ist des Menschen Seele und seine Essenz.

Es geht hier um das, was bei den alten Griechen als »Pneuma« bezeichnet wurde und da als universales Mittel der Sinneswahrnehmung verstanden wird. Der Begriff der »Seele«, arabisch »Nafs«, steht für den lebensspendenden Teil der im Menschen zu Lebzeiten wirkt, seine Lebenskräfte bildet. Man spricht hier auch von der Triebseele oder Tierseele, was wohl möglicherweise ebenso aus dem griechischen Konzept der Epithymia abgeleitet ist, was man schlicht mit dem deutschen Wort »Lust« übersetzen könnte. Hier wirken also Kräfte im Menschen, die ihn dem Tier näher sein lassen, als dem was er eigentlich erzielen sollte: nämlich dem Göttlichen zuzustreben. Andere Bedeutung dessen, was Al-Ghazali als die »Nafs« anführt, bildet wiederum die feinstoffliche Substanz, eben wie auch der Sinngehalt der Namen »Qalb« und »Ruh«:

Die Seele verdient entsprechend dieser zweiten Definition Anerkennung, entspricht sie doch dem Selbst des Menschen beziehungsweise seinem wahren Wesen, seiner wahren Natur, die, sich Gott bewusst seiend, mit allen anderen erkennbaren Dingen vertraut ist.

- Aus Al-Ghazailis »Wunder des Herzens«

Nun bleibt schließlich der Begriff des »Aql«, dem was man als die »menschliche Intelligenz« oder besser noch, als seine »Vernunft« bezeichnen könnte. Lange zuvor schon lässt sich den Schriften Aristoteles' entnehmen, was auch die Neuplatoniker »Nous« nannten. Das ist im Altgriechischen sowohl mit der Bezeichnung der Wahrnehmung, mit der Gefühlswelt, dem Herzen, der Seele und dem Willen verwandt, wie auch gleichzeitig mit dem Denken und dem was einer beabsichtigt. Durch »Aql« aber versucht der Mensch über das wahre Wesen der Dinge Verständnis, wie auch über seine besonderen Kräfte Wissen zu erlangen, was doch ganz und gar zu den herausragendsten Fähigkeiten allen Menschseins gehört.

Wie es aber auch bei den anderen drei Begriffen (Qalb, Ruh, Nafs), die mit dem spirituellen Herzen Al-Ghazalis zusammenhängen, eine feinstoffliche Variante gibt, trifft das auch zu auf den eben beschriebenen Aql: Es ist die Substanz, oder das Mittel, worüber Gott vom Menschen erkannt werden kann.

 

Sieben Formen des menschlichen Geistes

Sieben Formen des menschlichen Geistes

Die Leute: Was ist der sogenannte Geist? Cleobulus: Was man so Geist gewöhnlich heißt, antwortet, aber fragt nicht.

- Johann Wolfgang von Goethe, Goethe, Gedichte: Die Weisen und die Leute

Geistiges - ewigeweisheit.de

Unser Bewusstsein beschränkt sich generell auf Gefühle, Intuitionen, Emotionen und unser Denken. Letzteres aber bildet sich aus mehreren Formen der Geistigkeit, über die der eine verfügt, die dem anderen aber fehlen. Grundsätzlich aber ließen sich die sieben folgenden Geistesformen des Menschen von jedem unter uns entwickeln.

Das Wort Geist nun wird recht uneinheitlich verwendet und bevor wir uns im Folgenden seiner genannten Formen zuwenden, wäre wichtig zuerst einmal festzulegen, wie wir das Wort verwenden wollen. Denn wenn man von "Geist" spricht, kann damit ja auch einfach ein nicht-körperliches Leben bezeichnet werden, was man im alten Griechenland einen Daimon, später auch als Dämon bezeichnete.

Wenn es hingegen im theologischen Kontext verwendet wird, als etwa der "Geist Gottes" oder der "Heilige Geist", ist damit ein Agens gemeint, eine wirkende Kraft oder ein treibendes, wirkendes Prinzip, dass eher den Zweck eines Boten erfüllt.

Damit wären wir dem, was wir im weiteren Verlauf definieren wollen, aber schon ein ganzes Stück näher gekommen. Denn hier ist es eben der Geist des Menschen, der ja eine ähnliche Rolle übernimmt: Er ist Mittler für das was sich zwischen Wahrnehmen und Handlung bewegt.

Allgemein sind beim Menschen mit Geist die kognitiven Fähigkeiten gemeint, die neben dem Bewusstsein auch auf seine Fähigkeit zu lernen, sich zu erinnern, zu imaginieren, zu überlegen und zu bewerten hinweisen. Wobei sich hier wohl auch noch verschiedene andere Begriffe anfügen ließen, die auf des Menschen geistige Fähigkeiten anspielen, uns aber nicht weiter interessieren.

Es lassen sich die geistigen Formen, die der Mensch in seinem Leben verwendet, grundsätzlich auf sieben verschiedenen Stufen des Bewusstseins erklären.

Paradigma

Hier geht es um eine grundsätzliche Denkweise, die sich an eine existierende, sozusagen "vorgedachte" Form angleicht. Es ist ein Denken das gezeigt oder quasi "geführt" wird von einem Vordenker (griech. paradeigma, aus "para", "neben" und "deiknymi", "zeigen").

Im Kontext einer Gesellschaft etwa ist das das Befolgen von Denkweisen, die durch ein Vorbild geprägt sind, das heißt also durch jemanden der durch seine Weltanschauung ein "gutes Beispiel" für die Sicht auf das Leben und die Dinge liefert. Darunter fällt etwa auch die Meinung von Lehrern, wie Dinge zu verstehen seien, damit also einen Standard oder ein Muster für Denkweisen vorgibt.

Damit ist ein Paradigma die Grundlage allen Vergleichens und Beurteilens, ohne selbst die dazu vielleicht aber notwendige Erfahrung selbst gemacht zu haben. Vielmehr ist es ein Pol, an dem sich das Denken eines Menschen ausrichtet und von dem ausgehend er sich in seinen Meinungen und Absichten orientiert.

Techne

Wie der Name bereits vermuten lässt, geht es hierbei um das, was in heutiger Zeit auch "Technik" genannt wird. Und dabei ist der Begriff sehr weitläufig interpretierbar, da er sich in eigentlich allen Lebensbereichen anwenden lässt. Aber eben die Anwendung ist das, was alle diese Bereiche, als deren Essenz zusammenfasst. Damit ist also jene Form des Geistes gemeint, die einen praktischen Nutzen zur Verfügung stellt, mittels dem geschulten Geist sich komplexe Handlungsmuster durchführen lassen, die durch Übung und Schulung zur Perfektion gebracht werden können.

So also steht Techne für ein Verständnis oder einen Sachverstand, der sowohl einem Künstler, einem Wissenschaftler oder einem Handwerker als explizites Wissen zur Verfügung stehen.

Episteme

Es geht hierbei um die Erfassung des Richtigen. Das heißt, einer Unterscheidung zwischen dem was dem Menschen an Gegebenheiten zur Verfügung stehen, aber auch anhaften, und dem was jemand in Form des Erkennens einer höheren Wirklichkeit ist, das also, was sich abspielt jenseits allen wahrnehmbaren oder greifbaren Erkennens.

Gewissermaßen ließe sich die Episteme als eine höhere Form eines Paradigmas erklären, wo sich die Schemata der Wahrnehmung, kulturellen oder sprachlichen Voraussetzungen angleichen (müssen). Spricht man zum Beispiel eine Fremdsprache perfekt, bewegt man sich automatisch auch in einem anderen kulturellen Feld, was das eigene Denken in die Erkenntniswege eines damit verbundenen Wertesystem überführt.

Phronesis

In seinem Leben entwickelt ein Mensch die Fähigkeit, durch sein Wissen und seine gemachten Erfahrungen, zu einem angemessenen Verhalten und Handeln zu kommen. Man nennt das auch die Vernunft eines Menschen. Während die Episteme sich noch auf das Allgemeine richtet, richtet sich Phronesis auf den einen konkreten Fall. Man könnte auch sprechen von Klugheit, dass dem moralisch Guten oder ethisch Angemessenen entspricht, dass ein Mensch jenem Wertesystem der Episteme entnahm.

Wenn man außerdem Phronesis mit dem Wort der menschlichen Vernunft gleichsetzt, so bestimmt sie als Wissen auch ein daraus besonnenes, vielleicht tapferes oder gerechtes Handeln eines Menschen, wenn es um das eigentliche Tun geht, um sich in einer ganz realen Angelegenheit richtig zu verhalten.

Nous

Dieses griechische Wort ließe sich etwa als "Ahnung" beschreiben, doch ebenso als ein mit Sinneswahrnehmungen vor sich gehendes Denken, ein "Wittern" etwa. Platon grenzte Nous als einen Bereich von allem sinnlich Wahrnehmbaren ab, da hiermit gemeint ist was sich allein durch den menschlichen Geist erfassen lässt, ein höherer Intellekt also, der das unmittelbare Erfassen eines ganz deutlichen Sachverhalts, allein durch Denken, oder vielmehr einen "Geistesblitz" feststellt.

Aristoteles unterschied zwischen einem Nous der tatsächlich erkennt, doch ebenso falsche Annahmen als richtig erfassen will. Darin wird das Denken selbst zu dem was es denkt. Was oben als Wittern angedeutet wurde, ist damit der erste Ansatz etwas Formartigen, im eigentlich Formlosen des Geistes, der aber durch den Verstand als etwas Beschreibares und Erklärbares entsteht. So wird aus der geistigen Möglichkeit zu sein, eine denkbare Wirklichkeit des Geistes.

Metis

Eigentlich ist Metis eine Okeanide aus der griechischen Mythologie, die die erste Geliebte des himmlischen Göttervater Zeus ist, mit der er eine Tochter zeugte: Die Weisheitsgöttin Athene. Nicht aber brachte sie Metis zur Welt: Athene war eine "Kopfgeburt" des Zeus.

Metis Name bedeutet wörtlich "kluger Rat", steht aber vor Allem für den Scharfsinn eines Menschen und damit sein praktisches, implizites Wissen. Man nennt sie auch die Bewirkerin aller rechten Dinge. Sie steht für eine geistige Gewissheit die jemand in sich aufzusteigen verspürt und er demnach, allem Zweifel erhaben, so handelt, dass selbst die unmöglichste und vermeintlich schwierigste oder gefährlichste Situation ihn zu dem bringt, dass er ganz gleich welche Widerstände sich auch vor ihm auftuen mögen, dennoch sein Ziel erreicht – vollkommen einfach und ohne Schwierigkeiten.

Sophia

Für die Gnostiker steht der griechische Name Sophia für die göttliche Weisheit. Sie ist die Gefährtin des Christus, ist sein weibliches Gegenstück. Sophia und Logos bilden die zwei geistigen Pole von Weisheit und Vernunft.

Sophia ist gewissermaßen die höhere Form der Phronesis, da sie nicht über erlerntes Wissen verfügt, sondern die Wahrheit der Dinge in ihnen selbst erkennt und damit keiner Beschreibung bedarf, die ihr erst erklären müssten. Was ihr Wesen und Sein bedeuten erkennt sie ohne Lehre. Man könnte im Übertragenen Sinne auch von einem "Erdulden" der Wirklichkeit sprechen, was in Sophias Wirkung eben ein Wissen hinterlässt, das dem Handwerk eines Steinmetzes ähnelt, der geduldig eine Statue behaut und sie damit allmählich ihre erwünschte Form erhält. Sophia ist damit also ein reales Wissen durch Eingebung.

In der christlichen Mystik erhielt die Sophia außerdem das Attribut der vierten Person, die außerhalb der göttlichen Trinität (Vater, Sohn und Heiliger Geist) wirkt, im Geiste der Theotokos, der Gottgebärerin Mutter Maria.