Gold

Esoterik des Zinseszins

von S. Levent Oezkan

Ein Gedankenmodell: Angenommen Joseph von Nazareth hätte bei der Geburt Jesu 1 € auf ein Sparkonto eingezahlt, bei einer Verzinsung von 5%: Was wäre heute, im Jahr 2020, aus diesem Geld geworden, hätte es niemals jemand von dieser hypothetischen Bank abgehoben?

Schaut man auf den winzigen Betrag von 1 € und die gewöhnliche Laufzeit dessen, was man vor einigen Jahrzehnten noch als Sparkonto kannte, dann dürfte einem der Plan Josephs wirklich kurios erscheinen.

Was aber, Joseph hätte sein Sparkonto, zum selben Zinssatz, einem Erben hinterlassen, der es seinerseits jemandem vermacht hätte, der wiederum diesen Plan fortgeführt hätte, ohne jemals einen Cent abzuheben?

Was wäre aus dem 1 € nach 10 Jahren, nach mehr als 100 Jahren, was nach 500 Jahren, ja was eigentlich nach mehr als 1000 Jahren geworden? Welcher Wert hätte sich da angehäuft, wäre dieses Konto sogar bestehen geblieben bis zum heutigen Tage im Jahre 2020?

Solche Fragen dürften alle samt ziemlich eigenartig erscheinen. Doch der britische Philosoph und Geistliche Richard Price (1723-1791) stellte sie schon vor etwa 250 Jahren in seiner Schrift »Ein Aufruf an die Öffentlichkeit zum Thema Staatsverschuldung«. Price wollte damit veranschaulichen, wie widersprüchlich und unvereinbar Zinseszinsen auf verliehenes Geld eigentlich sind.

Bevor wir genauer darauf eingehen, soll aber zuerst einmal die eigentliche Voraussetzung für Zinserhebung geklärt werden: Und das ist die Existenz des Geldes an sich.

Entstehung des Geldes und des abstrakten Denkens

Auch wenn wir alle tagtäglich mit Geld zu tun haben, bedeutet das nicht, dass wir die damit einhergehenden Zusammenhänge völlig selbstverständlich nachvollziehen können, die in der Bedeutung des Wortes »Geld« zusammenlaufen.

Fest steht, dass Geld heute das materielle Befinden bestimmt, was natürlich auf unsere Gefühle und unsere Gedanken, auf unsere Hoffnungen und auf unsere Ängste wirkt – sei es im gesellschaftlichen, beruflichen wie auch im privaten Leben.

Da wir Geld alle völlig selbstverständlich verwenden, wird seine Bedeutung, seine Herkunft und sein wirklicher Einfluss auf das Leben der Menschen, gar nicht mehr hinterfragt. Denn wie ginge jemand damit um, hätte er einmal genug davon? Kann man überhaupt genug Geld haben und wieviel davon entspräche dann einer materiellen Zufriedenheit?

Eigentlich ist Geld ein Tabuthema. Vielleicht, da sein eigentliches Wesen gar nicht so leicht zu beschreiben ist, denn mit der Erfindung des Geldes, begannen die Menschen ihr Denken zu abstrahieren. Nicht mehr wurden soundsoviele Gegenstände oder Waren gegen andere ausgetauscht, nicht mehr vermochte man zu erwägen, wieviel das, was man zu bieten hat, eigentlich wirklich wert ist. Man begann stattdessen den Wert einer Sache oder eines Dienstes, an Stundensätzen, Preisen, Gehältern und Gebühren zu bemessen.

Wenn man im alten Tauschgeschäft Naturgüter handelte, unterlag diese Tätigkeit den Naturgesetzen. Seit Einführung des Geldes hat sich das jedoch verändert. Geld wächst eben nicht auf dem Felde und auch nicht an Bäumen.

Einst nahmen wir Menschen unmittelbar das, was uns die Natur gab. Heute scheint sich der Zwischenschritt der Gabe und Annahme von Geld durchweg dazwischen geschoben zu haben. Und das begann, als die Menschen sesshaft wurden, vor vielleicht 13.000 Jahren. Seit dieser Zeit gewann auch Eigentum an Bedeutung. Wem ein Feld oder ein Apfelhain gehörte, wollte ihn alleine beernten und verwehrte anderen den Zugriff. Mit der Festlegung von Landbesitz wurde auch die Grundlage für Kriege geschaffen.

Was aber berechtigte den Menschen dazu Besitzanspruch auf Teile unseres Planeten zu hegen? Was eigentlich ermächtigt jemanden Land zu besitzen, wo eben einer einfach auf etwas »sitzt« und es darum sein eigen nennt?

Als die Menschen noch ausschließlich als Nomaden über die Erde wanderten, gab es vielleicht auch schon heilige Orte. Man besaß diese Orte jedoch nicht, sondern traf sich dort ein, um gemeinsam besondere Rituale zu feiern. Danach aber zog man weiter.

Gut haben.

In alter Zeit lebten die Menschen in kleinen Gruppen, arbeiteten zusammen, handelten gemeinsam. Jeder trug zum Ganzen auf ähnliche Weise zur Gemeinschaft bei. Wer etwas vom anderen haben wollte, musste dafür etwas geben oder etwas für den Geber tun. Das war die Grundlage allen Tauschs und das Entstehen der dazu verwendeten Mittel.

Wohin sich jedoch die heutige Weltgesellschaft entwickelt, das ist keinem klar. Viele haben einfach vergessen was zu tun ist, um ein autarkes Leben in einer kleinen Gemeinschaft zu führen. Wofür auch? Heute kümmert sich da der eine um die Lebensmittel, ein anderer erbringt Dienstleistungen oder bietet seine Hilfe an als Handwerker, als Arzt, als Gärtner, Landwirt und so weiter. Wenn Menschen einst gemeinsam handelten, geht es heute um ein Handeln des Einzelnen, insbesondere beim Handel mit Waren. Als die Menschen noch in kleinen Gruppen zusammenlebten, war jedem klar worauf es ankam, da er es von Kindesbeinen an erlernt hatte. Viele Versuche sich wieder in diese alten Formen des Zusammenlebens zurückzubegeben, scheiterten oft kläglich und es gelang nur sehr wenigen, wenn überhaupt, hieraus in einer Art Parallelmodell zum Großgesellschaftlichen Zusammenleben zu finden. Darin aber spielen Waren und der Handel damit, eine ganz zentrale Rolle.

Nun stellt sich die Frage, welche Eigenschaften solche Waren erfüllen müssen, um sich als Tauschmittel zu eignen? Wären nämlich grüne Blätter in unseren Breiten ein Tauschmittel, könnte jeder immer wieder eins pflücken, um damit bei einem Handel einen Gegenwert zu geben. In der Polarregion aber sähe das ganz anders aus, da es dort eben nur sehr wenig Grünes gibt. Noch deutlicher ist das beim Wasser: Es ist wohl nur dann ein wirkliches Tauschmittel, wenn es auch getrunken werden kann, also zum Beispiel aus einer Quelle oder einem Brunnen. Auch Knappheit von Wasser in trockenen Gebieten unserer Erde, machen aus ihm ein kostbares Gut, verleihen ihm einen Wert.

Wer nun dafür sorgt, dass Trinkwasser verfügbar ist, der wendet Arbeit auf, stellt die physischen Mittel zur Verfügung (zum Beispiel Wasserleitungen und Behältnisse) und reserviert einen Teil seiner Lebenszeit für diese Tätigkeit. Wer von so jemandem dann Wasser haben möchte (ein anderes Produkt oder eine Dienstleistung, dass er zur Verfügung stellt), erwartet von seinem Abnehmer dafür eine Gegenleistung.

Menge - Münze - Mahnung

Ware und Gegenwert aber sind nicht nur der Sache wegen verbunden, sondern auch durch ihre Qualität. Je nach dem wo ein Bauer sein Getreide lagert, ist es von besserer oder geringerer Güte. Auch die Teilbarkeit der Ware spielt eine besondere Rolle. Weizen oder Wasser kann ich leicht in kleinere oder größere Mengen teilen. Auch wenn ein Baum erst einmal gefällt wurde, lässt er sich in handliche Stücke zersägen. Anders sieht das aus mit einem Fisch, der erst tot gehandelt werden kann und das auch nur für eine bestimmte Zeit.

Um solche Mengen zu kennzeichnen, entwickelten Menschen zuerst Symbole, die dann irgendwann zu den Zahlen wurden, die wir heute alle kennen. Daraus folgte, dass Menschen symbolische Gegenstände verwendeten, um diesen durch Zahlen definierten Teilwerten einen Tauschwert zuzuordnen. Das waren meist seltene, hochgeschätzte Objekte, die vielleicht keinen Nutzwert besaßen, doch wegen ihrer Schönheit begehrt waren: Edelsteine, Edelmetalle und andere. Sie waren die Urform des Geldes, dass man einem Händler, wenn er diese als Tauschmittel anerkannte, als Gegenwert bei einem Kauf geben konnte. Besonders die Edelmetalle wurden dabei immer wichtiger und so kam es zu ersten Münzprägungen. Interessant dabei ist, wenn man sich den Ursprung des Wortes »Münze« anschaut, dass von der römischen Moneta stammt: Der Göttin der Mahnung, der Erinnerung an eine Verpflichtung! Der Wert der Münzen war und ist bis heute gegeben, da sie eben nur begrenzt, ja sogar selten vorkommen, doch sehr begehrt sind und ihre Schaffung einen gewissen Aufwand voraussetzt.

Durch diese Abstraktion von Tauschwerten ging es nun nicht mehr nur darum Waren aufzubewahren, sondern auch um die verwendeten Tauschmittel, insbesondere Münzen. So entstand die Bankenzunft. Kam einer um seine Münzen aufbewahren zu lassen, erhielt er dafür eine Quittung: die Banknote, als Dokument, für den Anspruch auf einer Bank hinterlegten Wertmenge. So kam es, dass irgendwann einfach nur noch Banknoten genügten, um Tausch auszuführen, das heißt, um Waren zu kaufen. Das sollte den Städtern ersparen säckeweise Münzen transportieren zu müssen.

Das Schatzhaus der Athener – ewigeweisheit.de

Der Thesauros: Das Schatzhaus der Athener im Tempelbezirk von Delphi (Griechenland). Dieses antike Gebäude erfüllte den Zweck einer Depotbank, in der man die kostbarsten Votivgaben der Fürsten der alten griechischen Welt aufbewahrte.

Wichtigste Voraussetzung für jeden Handel aber ist, dass Waren knapp bemessen sind. Gibt es zuviel davon und finden sich keine Abnehmer, sind sie wertlos. Angenommen ein Bauer verkauft nun dem einen Sack Getreide, der der Gemeinschaft selbst einen Mehrwert geschaffen hat und das auch belegen kann, so etwa durch den Besitz eines entsprechenden Dokuments (zum Beispiel als Banknote), dann hat so jemand mit seiner Arbeit oder seinem produzierten Gut, selbst einen Anspruch auf eine Gegenleistung erwirtschaftet. Sie kann er gegenüber der Gemeinschaft geltend machen. Und ist dieser Anspruch durch ein Dokument belegbar, dann spricht man von Geld. Auf diese Weise erfüllt es seine wesentliche Funktion.

Nun muss man aber unterscheiden zwischen Beschaffenheit und Menge, zwischen Wert und Zahl, aus denen sich der jeweilige Anspruch gegenüber der Gesellschaft ergibt. Hierbei spielt Geld eigentlich auch noch keine Rolle, da zuerst eine Gleichheit ermittelt wird, zwischen ganz unterschiedlichen Waren oder Dienstleistungen. Wie setzt man dann zum Beispiel den Wert von Äpfeln mit dem von Weizensäcken, den Wert einer Kuh mit dem von Wasserbecken, den Wert einstündiger Arbeit eines Schusters mit dem Wert von soundsoviel Säcken Äpfeln zueinander in Relation?

Vom Ermessen des Werts

Diese Frage eindeutig zu beantworten ist unmöglich, da die Werte von Dingen oder Leistungen, nicht objektiv bemessen werden können. Man denke etwa an den Ort wo bestimmte Güter gehandelt werden: der kulturelle Hintergrund von Gebendem und Abnehmer ist da ganz relevant. Ein einfaches Beispiel: Was nützt einem Schiffbrüchigen eine Tonne Gold? Aber auch in mindernden Verhältnissen wäre es schwer eine zentrale Instanz zu ernennen, die unzähligen Relationen zwischen Wert und Gegenwert einheitlich festlegen wollte. Für einen Durstenden in der Wüste ist ein Diamant wertlos gegen einen Kübel Wasser. Selbst Geld würde da nur zu einer Ware. Was nützten einem Säcke voller Geldscheine, wenn er kurz davor wäre aus Wassermangel zu sterben? Hier hätte der Wert des Geldes inflationär zugenommen, da es da eben seine Bedeutung verlor.

Es liegt an dem Ort beziehungsweise dem Wirkbereich von Geld, wie hoch sein Wert ist. Ist zu viel Geld im Umlauf, spricht man von einer Inflation, wenn ein bestimmter Wert nicht mehr eintauschbar ist. Hier bereits sei schon einmal auf das hingedeutet, was wir ganz zu Anfangs mit dem Thema »Zins« ansprachen. Denn der Zins schließlich vermehrt ja einen Relativwert, der quasi aus dem Nichts entsteht. Dass das aber eigentlich widersprüchlich ist, wollen wir uns gleich genauer ansehen.

Keine Sache hat von sich aus einen Wert, sondern eben nur so viel wie ein anderer bereit ist dafür zu geben. Geld dient dabei als Symbol für ein gegenseitiges Vertrauen, dass die Menschen einer Gesellschaft einander erbringen müssen um zu handeln. Dabei muss immer eine Balance zwischen Geben und Nehmen bestehen – eine Balance die in unserem existierenden System aber auch als Druckmittel eingesetzt wird, das die Mitglieder dieser Gesellschaft zwingt, ihren Beitrag zum Gesamtwohl zu leisten. Das aber ist nur die Sicht aus Warte des Menschen in einer Gemeinschaft, zumal doch die meisten anderen Lebewesen auf unserer Erde ja ganz ohne Geld zurecht kommen.

Stellt sich dann aber nicht die Frage, wie eine Welt ohne Geld aussehen könnte? Was würde sich da ändern, für jeden von uns, wenn jeder immer das täte, was er schon immer getan hat? Ließe sich organisieren, dass sich Geld an sich erübrigt und jemand seine erbrachten Leistungen oder bereitgestellten und verkauften Waren direkt mit dem verrechnet, was er zum Leben braucht? Kann es dann überhaupt noch von einander abgegrenztes Eigentum geben und bedürfte es dann noch Banken, die anderen, zu einem bestimmten Zinssatz, Geld verleihen?

Den Zehnten von allem

Das Wort »Zins« hat seinen Ursprung ziemlich wahrscheinlich im proto-indoeuropäischen »Kems«, was soviel wie »ordnen« bedeutet, denn seit alter Zeit musste das zuerst mit den zehn Fingern der Hände vollbracht werden – entweder zählend oder handelnd. Auch das Wort »Zehnt«, das selbst wiederum vom proto-indoeuropäischen »Komt« abstammt, entspricht seinem etymologischen Sinn gemäß wahrscheinlich dem Wort »Zins«. Dabei war der Zehnt seit uralter Zeit eine Form der Steuer, die jemandem zustand, der einem anderen einen Wert zur Verfügung stellte. Das war im Mittelalter vielleicht ein Acker oder was ein Kriegsherr auf einem Raubzug erbeutet hatte. Schon im biblischen Testament ist davon die Rede, als nämlich Abraham dem sagenhaften Priesterkönig Melchisedek den »Zehnten von allem« gab:

Melchisedek, der König von Salem, brachte Brot und Wein heraus. Er war Priester des Höchsten Gottes. Er segnete Abram und sagte: Gesegnet sei Abram vom Höchsten Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde, und gepriesen sei der Höchste Gott, der deine Feinde an dich ausgeliefert hat. Darauf gab ihm Abram den Zehnten von allem.

- Genesis 14:18–20

Ist da nun der Zehnt oder Zins aber vielleicht auch eine spirituelle Angelegenheit?

Das Schatzhaus der Athener – ewigeweisheit.de

Goldnuggets aus Kalifornien (oben) und Australien (unten).

Heiliges Metall Gold

Es war wohl immer so, dass jene, die selbst nicht in irgendwelche Formen des Handels involviert werden sollten, durften oder konnten, und sich am »schmutzigen Geschäft«, wie viele meinen, nicht die Finger dreckig machen wollten, damit einen Weg fanden zu ihrem Unterhalt zu kommen: dem Handel mit Gold. Das die Worte »Geld« und »Gold« so nahe beieinanderliegen, dürfte darum auch kein Zufall sein.

Mit dem Zinssystem nun wurde etwas geschaffen, dass auf einen Widerspruch hinausläuft, denn schließlich kann man aus etwas, das einen bestimmten Wert hat, nicht mehr machen als es wert ist. Genau das aber macht der Zins. Besonders deutlich wird das bei so abstrakten Werten wie unserem lieben Geld, dass seit langer Zeit schon eine bestimmte Deckung mit barem Gold benötigt, damit es die Regierung eines Landes in ihrem nationalen Bankwesen überhaupt in Umlauf bringen darf.

Das Gold seit uralter Zeit als schönstes aller Metalle im Leben der Menschen eine Rolle wichtige spielte, darauf verweist bereits das Buch Genesis, in dem es im zweiten Kapitel heißt:

Und Gott der Herr bildete den Menschen, Staub von dem Erdboden, und hauchte in seine Nase den Odem des Lebens; und der Mensch wurde eine lebendige Seele. Und Gott der Herr pflanzte im Osten einen Garten in Eden, und er setzte dorthin den Menschen, den er gebildet hatte. […] und den Baum des Lebens in der Mitte des Gartens, und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Und ein Strom ging aus von Eden, den Garten zu bewässern; und von dort aus teilte er sich und wurde zu vier Flüssen. Der Name des ersten ist Pison; dieser ist es, der das ganze Land Hawila umfließt, wo das Gold ist; und das Gold dieses Landes ist gut

- Genesis 2:7-12

Metall der Sonne

Es scheint also, als hätte man alles Kostbare schon sehr lange mit Gold verglichen, wo Gold seinen Wert angezeigt. Besonders König Salomon ließ es aus dem sagenhaften Land Ophir nach Jerusalem bringen. Mit diesem Gold schmückte er auch seinen Tempel. Und in diesem Zusammenhang taucht da in der Bibel immer wieder eine eigenartige Zahl auf:

Und es war das Gewicht des Goldes, das Salomo in einem Jahr gebracht wurde, 666 Zentner […] Und der König machte einen großen elfenbeinernen Thron und überzog ihn mit lauterem Gold. Und der Thron hatte sechs Stufen und einen goldenen Fußschemel am Thron […]. Und zwölf Löwen standen auf den sechs Stufen zu beiden Seiten. […] Und alle Trinkgefäße des Königs Salomo waren aus Gold, und alle Gefäße des Libanon-Waldhauses waren aus lauterem Gold

- 2. Buch der Chroniken 9:13,17-20

Nun muss man wissen, dass das, was man in der Zahlenmystik als »magisches Sonnenquadrat bezeichnet und in sechs mal sechs Feldern die Zahlen eins bis sechsunddreißig auf besondere ordnet, in jeder Reihe als Summe die Zahl 111 ergibt (siehe hier). Das es zwischen der Zahl Sechs und der Sonne einen esoterischen Zusammenhang gibt, das wussten bereits die weisen Chaldäer (abgeleitet von den sogenannten »Planetenstunden«). Wenn das Gold nun aber der Sonne zugeordnet ist, so wie das Silber dem Mond, so scheint es einen tieferer Zusammenhang zu gegeben, wenn in obigem Zitat jene eigenartige Zahl 666 auftaucht, von der ja auch im Buch der Offenbarung des Neuen Testaments die Rede ist.

In diesem Buch ist die Zahl zwar »eines Menschen Zahl«, das Gold aber wiederum ist die metallische Substanz, aus der, dem Mythos nach, das himmlische Jerusalem gebaut wurde.

Unermessliche Mengen Goldes

Der Teufel sitzt im Detail, wie es heißt. Und wenn es um den Zinseszins geht, so könnte man sich mokieren, dass der Leibhaftige darin wahrlich sein Gefallen findet. Denn Zinsen auf Geld zu erheben, setzt einen eigenen Zyklus in Gang, der mit dem eigentlich dahinterstehenden und deckenden Geld- oder Goldwert eigentlich nichts mehr zu tun hat. Werden, wie in unserem Beispiel, 5% Zinsen erhoben, schafft das einen Wert den es eigentlich überhaupt nicht gibt – zumindest nicht in dem Sinne, als dass ihm ein physischer Wert entspräche. Hier setzt die Inflation ein, denn das Geld wird abgewertet durch die Erhebung von Zinsen. Da wird dann alles  immer teuerer und die Kaufkraft der Währung verliert an Stärke. Zu unserem Beispiel des Josephspfennig zurückkehrend, wollen wir uns ansehen, was das bedeutet.

Zahlt jemand nämlich Zinsen für eine Geldschuld, so muss er eigentlich aufkommen für den vorübergehenden Verzicht des Gläubigers auf sein Geld. In der Regel werden Zinsen pro Jahr berechnet. Wenn der Schuldner sein Geld aber erst nach einem Zeitraum von über einem Jahr zurückzahlt, kommt da ein Zinseszins ins Spiel: Zinsen die anfallen für die bereits zuvor angefallenen Zinsen. Ab diesem Zeitpunkt nimmt die ganze Sache absurde Züge an, denn nun verdient da ein Gläubiger Geld, ohne dass er dafür eine Gegenleistung erbringt, was ja in etwa noch durch den Verzicht gewährleistet gewesen wäre, denn er muss vielleicht ja durch Aufwand oder Arbeit entsprechende Werte erzeugen, die ihm durch sein Verleihen vorerst nicht zur Verfügung stehen. So könnte man den Zins auch als etwas betrachten, der dem Schuldner eine gewisse Last aufbürdet, damit er seine Schuld so schnell als möglich begleicht.

Doch die Prinzipien die mit einem Zinseszins wirken – mit Zinsen also, die man auf bereits angefallene Zinsen berechnet – sind eigentlich grotesk. Das soll folgendes Rechenbeispiel beweisen.

Der Josephspfennig

Wir hatten gesagt, dass Joseph von Nazareth auf sein hypothetisches Sparkonto 1 € einzahlte. Wäre er nach 10 Jahren zu seiner Bank gegangen, wären es gerade einmal 1,63 € gewesen, die er seit seiner Einzahlung mit 5% Verzinsung hätte sozusagen geltend machen können.

Nach 80 Jahren – einer Dauer die etwa der heutigen Lebenserwartung entspricht –, wären es dann schon immerhin ca. 50 € gewesen. Das heißt also, dass sich, wie aus dem Nichts, der anfängliche Geldbetrag verfünfzigfacht hätte! Die Bank hätte also zum Beispiel einen Mitarbeiter »unbezahlte Überstunden« machen lassen müssen, oder Ähnliches. Zugegebenermaßen ist das Beispiel recht albern, denn bei 80 Jahren wäre das ja nicht ins Gewicht gefallen.

Doch diese Angelegenheit sieht ganz und gar anders aus, wenn wir das Gedankenspiel mit dem Zinseszins fortführen!

Nach 142 Jahren nämlich wären da bereits mehr als 1.000 € (!) auf dem alten Konto Josephs zusammengekommen. Sein eingezahlter Geldbetrag hätte sich also vertausendfacht. Hier kann man bereits sehen, dass es sich beim Zinseszins um eine exponentielle Vermehrung des Geldbetrags handelt, womit der tatsächliche Wert des Geldes an sich ja aber abnimmt.

Da könnten wir nun die Frage stellen: Wie soll eine exponentielle Mehrung von Geldbeträgen auf einem endlichen Planeten Erde durchführbar bleiben? Denn Geld benötigt ja schließlich einen Deckungswert, da es ja stellvertretend für andere Werte eintauschbar bleiben muss. Doch wie wir gleich sehen werden, ist das schlichtweg unmöglich.

Denn im Jahr 236 n. Chr. wären die Zinsen sogar schon mehr als 100.000 € gewesen, was etwa dem Wert eines ganzen Goldbarren entspräche (Goldpreis März 2020). Das wären also 99.999 € mehr, als zu Anfangs, also vor 236 Jahren auf das Sparkonto eingezahlt wurde.

Nach 500 Jahren hätte ein Erbe Josephs auf sage und schreibe entsprechend 70.245 Goldbarren (entsprechend mehr als 7 Milliarden €!) Anspruch gehabt.

Das gesamte auf der Erde vorkommende Gold (ca. 200.000 Tonnen) aber, hätte unsere hypothetische Bank bereits nach 805 Jahren dem Erben des Sparers geschuldet.

Im Jahr 1415 wäre der entsprechende Geldwert dann soviel gewesen, als schulde man ihm das Volumen unseres gesamten Planeten Erde, ausgefüllt mit reinem Gold.

Im Jahre 1900 wäre das ein noch fantastischerer Wert gewesen, denn die Bank hätte ihm die groteske Menge von 19 Milliarden Erdkugeln aus reinem Gold geschuldet.

Zu heutigem Datum 2020 aber, hätte sich dieser Wertbetrag zu mehr als 6 Billionen Erdkugeln aus reinem Gold aufaddiert, was etwa dem Volumen einer Goldkugel entspräche, deren Durchmesser 5 Millionen mal größer wäre als das unserer Sonne!

Punkt.

Wie man ganz deutlich sehen kann, wäre es der Bank wohl bereits nach 500 Jahren nicht mehr möglich gewesen, jenem Sparer-Erben nur den winzigsten Bruchteil eines Bruchteils dessen auszahlen zu können, was ihm bei einer Verzinsung von nur 5% zugestanden hätte!

Bei dieser Rechnung wäre durchaus die Frage angebracht, inwieweit das Konzept des Zinseszins dann überhaupt noch Sinn macht, wenn der ab einem gewissen Grad überhaupt nicht mehr zurückgezahlt werden kann?

Wofür die Menschen Zinsen erfanden

Die Sache mit dem Zins war immer auch eine Religiöse, wie wir oben sehen konnten. Man verbot Zinsen zu erheben und führte den Zins auch wieder ein. Ursprünglich stammt das Zinskonzept von den Sumerern, aus einer Zeit vor etwa 4.400 Jahren. Sie nannten es »Maš«, das »Kalb«, denn es galt ihnen als ein Naturlohn, was man heute als Sachzuwendung bezeichnen würde.

Im Reich der Babylonier, vor etwa 3.800 Jahren, kannte man den sogenannten Marktzins, der schon damals für den Schuldner ein Risiko bildete, denn konnte er diesen Zins nicht zahlen, lief er Gefahr von seinem Gläubiger versklavt zu werden.

Vor 3.000 Jahren gab es dann bei den Juden das Sefer ha-Berit, das »Bundesbuch«, indem man das Verbot fand, Zinsen bei Krediten an arme Menschen zu erheben.

Leihst du einem aus meinem Volk, einem Armen, der neben dir wohnt, Geld, dann sollst du dich gegen ihn nicht wie ein Gläubiger benehmen. Ihr sollt von ihm keinen Zins fordern.

- Exodus 22:24

In einem anderen der fünf Bücher Moses heißt es zudem

Du sollst von Deinen Volksgenossen keinen Zins nehmen, weder Zins für Geld, noch Zins für Speise, noch Zins für irgendetwas, was man leihen kann

- Deuteronomium 23:30

Ob das nur für die angesprochenen Mitglieder des Volkes Israel galt, sei einmal dahingestellt. Dass Zinserhebung einem Volk jedoch schade, davon war auch der griechische Philosoph Platon überzeugt. Bei den Römern dann, etwa zur selben Zeit Platons, handhabte man das mit der Verzinsung entsprechend der Art des Schuldnertums, wo der mündlichen Zusage auf einen bestimmten Zinssatz, per Handschlag zugestimmt wurde, oder man an Verwandte Darlehen auch zinslos als Gefälligkeit gab.

Erst mit dem Aufkommen des Christentums bewegte sich die Erhebung von Zinsen in einen Bereich heftiger Kritik. Die Kirche verlangte, dass in Not geratenen, bedürftigen Personen, zinslose Darlehen gegeben werden mussten, und beriefen sich dabei auf das mosaische Buch Levitikus und wie auch das Lukas-Evangelium des Neuen Testaments:

Doch ihr sollt eure Feinde lieben und Gutes tun und leihen, wo ihr nichts zurückerhoffen könnt. Dann wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn auch er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.

- Lukas 6:35

Nimm von ihm keinen Zins und Wucher! Fürchte deinen Gott und dein Bruder soll neben dir leben können. Du sollst ihm weder dein Geld noch deine Nahrung gegen Zins und Wucher geben. Ich bin der Herr, euer Gott, der euch aus Ägypten herausgeführt hat, um euch Kanaan zu geben und euer Gott zu sein. Wenn ein Bruder bei dir verarmt und sich dir verkauft, darfst du ihm keine Sklavenarbeit auferlegen

- Levitikus 25:36


Ein Verstoß gegen das daraus resultierende Zinsverbot hatte für einen Christen schwerwiegende Folgen. Wer Zinsen erhob dem drohte der Ausschluss aus der christlichen Gemeinde. So einer erhielt damit auch kein kirchliches Begräbnis. Kaiser Karl der Große löste im Jahr 789 dann dieses Zinsverbot aus dem kirchlichen Gesetzeszusammenhang und erklärte es sogar zum weltlichen Verbot.

Doch auch der Islam hatte bereits mehr als 150 Jahre zuvor, das christliche Zinsverbot übernommen und forderte nach 622 n. Chr. dazu auf, keinen Zins – arabisch »Riba« – zu nehmen. Wie man der Sure 2:275 entnehmen kann, darf der Schuldner dem Gläubiger nur das Kapital zurückzuerstatten.

Diejenigen, die Zins nehmen, werden nicht anders dastehen als wie einer, der vom Satan erfasst und geschlagen ist. Dies dafür, dass sie sagen: »Kaufgeschäft und Zinsleihe sind ein und dasselbe.« Aber Gott hat das Kaufgeschäft erlaubt und die Zinsleihe verboten.

Das Prinzip vom Verleihen von Geld, als Vorstellung eines Verzichts auf Möglichkeiten darzustellen, scheint damit an sich in Frage gestellt. Allerdings ist da aus heutiger Sicht eine recht schwierige Angelegenheit, zumal alle Geldbeträge, der Inflation wegen, ja ihre Kaufkraft allmählich verlieren – wegen eben des Zinseszins.

Kaum verwunderlich, wenn man im Mittelalter als Synonym für den Zinseszins, ganz einfach das Wort »Schaden« verwendete.

 

Weiterlesen ...

Transmutation auf Gold

Transmutation auf Gold

transmutation auf Gold - ewigeweisheit.de

Assoziativ gesprochen: bei der Transmutation auf Gold geht es auch um den Drachen. In verschiedenen Mythen und Legenden bewacht er, in Höhlen wohnend, das kostbare Sonnenmetall. An einem unzugänglichen Hort im Innern der Erde hält er es verborgen.

Wegen seines unteriridschen Wohnorts scheint er zwar ein recht jämmerliches Dasein in der Dunkelheit zu fristen, doch der Drache birgt in sich ein Feuer, dass er aus dem Gold bezieht. Ja, aus dem Gold!

Gold galt den Alten als geronnenes Sonnenlicht und war somit auch ein Sinnbild äußerer Wärme. Deshalb jagt der Drache dem Gold nach, so die Alchemisten. In der düsteren Kälte der Felsen seiner Gruft würde es ihn sonst wohl frieren. Bevor das Gold in der Sonne glänzt, verbirgt es also ein Drache vor allen Menschen bei sich, im Dunkel der Erde.

Sankt Michael tötet den Drachen - ewigeweisheit.de

Sankt Michael tötet den Drachen. Spanische Illustration aus dem frühen 15. Jahrhundert.
Die Rote Farbe seiner Rüstung ließe sich als Hinweis auf die Rubedo (Rötung) deuten: Die letzte und höchste Stufe im großen Werk bei der Bereitung des Steins der Weisen. Jenen legendären Stein verwendeten die Alchemisten um unedle Metall in Gold umzuwandeln.

Gottessohn des Lichts

Sonne und Gold sind beides Symbole reinen Lichts. Vis-a-vis stehen ebenjene Symbole der Dunkelheit. Als Sonnenkönig ist der alt-griechische Gott Apollon das lichterfüllte Gegenstück zum schwarzen Drachen Delphis. Apollon aber tötete ihn und damit endete eine alte Zeit, so dass etwas Neues geboren werden konnte: das goldene Zeitalter des Lichts. Das aber ist lange her.

Apollon ist ein Lichtbringer, dem man als solchem im späteren Christentum aber den Namen Luzifer gegeben hätte (Lichtbringer oder Lichtträger). Unwissende setzten ihn damit wohl auch gleich, mit der alten Schlange Satan. Dann aber haben wir wieder mit dem Drachen zu tun. Was nun also? Beides?

Gutes und Böses, zwei Seiten der selben Münze auf deren Rand eine Gravur zu lesen ist:

ABRAXAS

Das ist der griechische Name des Gottessohnes der 365 Tage, dem Zeitraum in der sich die Erde um die Sonne "schlängelt". Was aber hat dieser Name mit 365 zu tun? Nun, es soll nicht alles gleich verraten werden. Aber: Sechs mal Sechs mal Zehn und Fünf – oder: 1 + 2 + 100 + 1 + 200 + 1 + 60 = 365. Was hat es damit auf sich?

Diabolisch. Symbolisch. Metabolisch

Werfen wir aber zunächst einmal einen Blick auf das Sinnbild des Lebensbaumes der Kabbala. Diese Struktur nennen manche jüdische Gelehrte den Sefirothbaum. Sefiroth sind archetypische Konzepte, wenn man so will, etymologisch verwandt mit dem deutschen Wort für die "Sphären", hermetischen Gefäßen quasi, in denen sich ganz besondere Eigenschaften verwirklichen lassen, sobald man einen Weg hinein gefunden hat. Dann aber lassen sich in solch abgeschlossenen Einheiten alchemistische Prozesse anstoßen.

In manchen Darstellungen sieht man ein Reptil, eine schwarze Schlange, die sich entlang der Äste dieses geheimnisvollen Lebensbaumes nach oben windet, zur Krone – "nach Kether hin", wie die Kabbalisten sagen. Eine Sonne aber leuchtet im Zentrum dieses Wunderbaumes. Und diese solare Mitte umhüllt Tiphereth, die Schönheit, die sechste Sefirah (Singular von Sefiroth) im Lebensbaum der Kabbala.

Kabbala-Gelehrte haben später die Alchemisten dazu inspiriert, den einzelnen Positionen im Lebensbaum, bestimmte planetarische Mächte zuzuordnen. An der sechsten Position im Lebensbaum aber, der Sefirah Tiphereth, befindet sich gemäß der chaldäischen Reihe die Sonne. Sechs entspricht dem Sonnenlicht.

Nun lesen wir im Neuen Testament:

Und ich sah ein anderes Tier aus der Erde aufsteigen; und es hatte zwei Hörner gleich einem Lamm, und es redete wie ein Drache. [...] Hier ist die Weisheit. Wer Verständnis hat, berechne die Zahl des Tieres!

- Offenbarung 13:11,18

Wer weiterließt kommt zur Symbolik dreier Sechsen. Und jene Zahl, die hier nich stehen muss, ergibt sich wie folgt: In der Magie ist die Rede vom sogenannten "Planetenquadrat der Sonne". Zu diesem, wie zu den anderen sechs klassischen Himmelskörpern, gibt's ein magisches Quadrat. Warum aber magisch? Schauen wir uns dazu einmal die erste Reihe der folgenden Tabelle an, die so ein magisches Quadrat zeigt:

 

6 32 3 34 35 1
7 11 27 28 8 30
19 14 16 15 23 24
18 20 22 21 17 13
25 29 10 9 26 12
36 5 33 4 2 31

 

Addiert man nun einmal alle Zahlen in der obersten Reihe, da erhält man eine bestimmte Summe. Magisch an dieser Figur ist nun die Tatsache, dass egal aus welcher Reihe des Quadrats man die Zahlen zusammenzählt (sechs waagrecht liegende Ziffern, sechs senkrechte oder die beiden diagonalen Zahlenreihen), man immer die selbe Summe sieht. Und da dieses magische Quadrat der Sonne dem Gold und damit auch der Zahl Sechs entspricht, fühlt sich vielleicht die eine oder der andere dazu verleitet, diese Summe eben mit Sechs zu multiplizieren. Und siehe da: Man hält wohl inne, beim Entdecken des wirklichen Endes vom 13. Kapitels jener Offenbarung, aus der wir oben zitierten.

Als erstes sechsmal gesprochen FALABA CALADA LEA.
Danach dann ...

Wissen Sie wie es weitergeht? Obiges Sonnenquadrat verrät's. Drum Vorsicht!

Der Rote Löwe

Wenn nun also die Sonne sym-bolisch aus der sechsten Sefirah Tiphereth strahlt, ist ihr, aus alchemistischer Sicht, das Metall Gold zugeordnet (so wie der Dritten das Metall Blei, der vierten Sefirah das Zinn und der fünften das Eisen) – das Metall also, dass dem dia-bolischen Drachen in seiner pythischen Erdspalte Wärme spenden soll.

Wiederum steht in diesem Zusammenhang nun, mit der zuvor erwähnten, durch den Sonnenkönig Apollon vollzogenen Tötung des bösen Drachen (der die dortige Erdspalte bewachte woraus ein edles Gas hervorströmte), die christliche Symbolik St. Michaels. Erzengel Michael – in der Kabbala bewohnt auch er die sechste Sefirah Tiphereth – erstach den Drachen, stürzte ihn vom Himmel, wo sich ja bekanntlich der paradiesische Lebensbaum befindet – so dass er ins Innere der Erde fiel: Die irdische Unterwelt des Drachen den Apollon erschlug. In der Symbolik Michaels und des Drachen sieht man den Erzengel, wie auch er mit Schwert oder Lanze, das reptilische Ungeheuer tötet. Es geht hier um die "Marter der Metalle", wie es die Alchemie nennt. Mit Lanzenklingen wurde auch Christus am Kreuz von seinen Martern erlöst und Johannes der Täufer vom stählernen Schwert enthauptet. Und dies hat auch eine Querverbindung zum Element Feuer, so wie das Schwert dem Element Luft, der Kelch oder Gral dem Element Wasser und der Stein dem Element Erde zugeordnet sind.

Wenn Michael nun also den Drachen mit einer Lanze ersticht, so kommt da das Feuerprinzip ins Spiel. Ist das dann nicht auch eine Transmutation auf Gold? Man denke etwa an das Simileprinzip des Paracelsus, und assoziiere damit die Reihe: Feuer – Lanze – Sonne – Gold. Und wenn nun die Lanze, ihrer esoterischen Bedeutung nach, mit dem Feuer assoziiert wird, und das Feuer das Element des astrologischen Löwen ist, einem Sternbild über das, astrologisch, wiederum die Sonne regiert, so kommt hier sicher auch der "Rote Löwe" (auch: "Roter Leu") der Alchemisten ins Spiel.

Da ward ein roter Leu, ein kühner Freier,
Im lauen Bad der Lilie vermählt,
Und beide dann mit offnem Flammenfeuer
Aus einem Brautgemach ins andere gequält.
Erschien darauf mit bunten Farben
Die junge Königin im Glas,
Hier war die Arzenei, die Patienten starben,
Und niemand fragte: wer genas?

Aus Goethes Faust – Der Tragödie erster Teil: "Vor dem Tor", Faust zu seinem Famulus Wagner

Jede Veredelung (Transmutation auf Gold) erfolgt ancheinend über den leidvollen, ja sogar qualvollen Weg (Marter). Das Körperliche Prinzip muss geopfert werden, entsprechend dem am Kreuz geopferten Leib Christi, damit das Lichtprinzip der Geistesseele entweichen kann, wie auch der Heilige Dunst aus der Erdspalte zu Delphi, wo nach Apollons Sieg, seither ein toter Drachen fault.

Sonne und Drachen,
wie Apollon und Python,
in Licht und Finsternis,
durch Feuer und Erde,
ergeben die Sechs mal Drei
und Gold aus Blei.

LAFELAC DABLA

 

 

Vom Goldenen Elixier des Lebens

Vom Goldenen Elixier des Lebens

Alchemie Museum Prag - ewigeweisheit.de

Im Februar 2018 verbrachte ich einige Zeit in Prag. Dort besuchte ich verschiedene Orte, die für die Geschichte der mittelalterlichen Magie und Hermetik von Bedeutung sind. Sicherlich gehört zu diesen Orten auch das Alchemie-Museum in der Prager Altstadt. Dort sprach ich mit Tereza Vaclavikova über die Geschichte der Alchemie und welche Rolle einst diese eigenartige Wissenschaft spielte, in den alten Kellern Prags.

S. Levent Oezkan: Ihr Museum befindet sich an einem besonderen Ort.

Tereza Vaclavikova: Ja, es ist einer der energetischsten Orte Prags. In alter Zeit gab es an dieser Stelle noch kein Gebäude. Doch immer schon war es ein Kraftort, an den sich Menschen begaben. Hier befand sich bis ins 8. Jhd. eine königliche Gruft. Auch darum besuchten Menschen diesen Ort immer wieder. Alchemisten glaubten, dass im Universum eine positive Energie existiert. Und diese Kraft konzentriert sich wohl auch an diesem Ort.

Auch heute noch sprechen unsere Besucher davon, dass sie die Kraft dieses Ortes wahrnehmen können. Es ist natürlich nicht für alle Menschen gleich, doch Menschen die solche feinstofflichen Energien wahrzunehmen vermögen, sind sich alle einig, dass hier ein echter Kraftort ist.

S. Levent Oezkan: Wenn das Gebäude, in dem wir uns gerade aufhalten, sich auf einem Kraftplatz befindet, wussten davon ja auch schon Menschen im Mittelalter.

Tereza Vaclavikova: Sicherlich. 2003 fanden Archäologen unter dem Haus ein altes Kellergewölbe. Rudolf II., einstiger König Boehmens und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, hatte sich hier im Verborgenen ein alchemistisches Laboratorium eingerichtet.

S. Levent Oezkan: Wenn sich selbst Kaiser mit Alchemie befassten, was hat es mit dieser geheimen Kunst dann eigetnlich auf sich? Was sind Ihrer Meinung nach die Ursprünge dieser alten Lehre?

Tereza Vaclavikova: Da wär im Westen wohl das Alte Ägypten zu nennen, während im Osten sicherlich das Alte China von größter Bedeutung war. Erst im 14. Jhd. begannen europäische Alchemisten sich intensiv mit den uralten Gesetzen der Alchemie zu befassen. Was sie über die "Hohe Kunst" wussten, brachten wohl griechische Gelehrte aus Ägypten nach Europa.

S. Levent Oezkan: Und das Wort "Alchemie" an sich? Was ist sein Ursprung?

Tereza Vaclavikova: Nun, es gibt hier verschiedene Interpretationen, doch eine der wohl gängigsten Erklärungen des Wortes Alchemie, ist sein arabischer Ursprung von "Al-Kimya", dass eine noch ältere Bezeichnung für das Wort alt-ägyptische "Khemet" ist: das schwarze Land. Damit ist die Nil-Region gemeint. Die Ufer des Nils nämlich waren, und sind auch heute noch, sehr fruchtbar. Es heißt auch, dass die Alchemie eine Entwicklung aus der ägyptischen Mythologie sein könnte, beziehungsweise sich aus diesem mythologischem Wissen und den Kenntnissen der Chemie zusammensetzte.

S. Levent Oezkan: Könnte man sagen, dass es eine Verbindung gibt zwischen der heute eher naturwissenschaftlichen Chemie und der Alchemie in alter Zeit?

Tereza Vaclavikova: Auf jeden Fall. Die Hohe Kunst der Alchemie war ein Vorläufer dessen, was heute als Chemie bekannt ist. Das Selbe gilt wohl auch für die Physik. Insbesondere für die Metallurgie spielten die Kenntnisse alter Alchemisten eine Rolle, die nämlich beschäftigten sich ja mit den Verfahren zur Gewinnung und Verarbeitung der Metalle. Und da Metalle in der Alchemie von zentraler Bedeutung sind, stammen manche heute noch verwendeter metallurgischer Verfahren aus jener alten Zeit der Alchemisten. Als weiteres Beispiel etwa wäre zu nennen die Technik der Destillation, die ja eine ganz zentrale Rolle spielt bei der Herstellung von Branntwein.

S. Levent Oezkan: Wer sich schon einmal ein klein wenig mit Alchemie befasste, weiß, dass Alchemisten stets versuchten aus unedlen Metallen wie etwa Blei, Gold herzustellen. Denken Sie, dass es sich dabei eher um eine Allegorie handelt oder es manchen Alchemisten wirklich gelang Gold herzustellen?

Tereza Vaclavikova: Wahrscheinlich gelang ihnen eher aus bestimmten Mineralen oder chemischen Substanzen Gold zu isolieren, als Metalle ineinander umzuwandeln. Blei etwa hat ja eine andere atomare Struktur als Gold. Gleichzeitig aber besaßen Alchemisten immer schon eine wirklich exakte Kenntnisse davon, wie sich Metalle verhalten und was Blei zu Blei und was Gold zu Gold macht. Vielleicht ist es auch gar nicht so wichtig, ob Alchemisten tatsächlich Gold herstellten. Gut möglich aber, dass der Wunsch Gold herzustellen, eher eine Metapher war für ein noch höheres Wissen über das Sein.

S. Levent Oezkan: Selbst aber wenn man das alchemistische Gold als Allegorie interpretiert, machten Alchemisten in ihren Laboratorien viele wichtige Entdeckungen. Wie wurde ihr altes Wissen überliefert oder an andere weitergereicht, so dass wir heute überhaupt davon wissen?

Tereza Vaclavikova: Insbesondere die alten Handschriften der Alchemisten, dienen der heutigen Wissenschaft als Belege über das hohe Wissen dieser einst praktizierenden Gelehrten. Natürlich muss in diesem Zusammenhang der berühmte Stein der Weisen genannt werden wie auch die Smaragdtafel. Auch verschiedene Legenden haben sich über die Jahrhunderte hinweg erhalten, wie etwa über den im 14. Jhd. lebenden französischen Schriftsteller Nicholas Flamel. Über ihn heißt es, ihm wäre gelungen den Stein der Weisen herzustellen jene Substanz die zur Umwandlung von Metallen verwendet wurde, ja angeblich manche sogar einnahmen, um damit ihr Leben zu verlängern. Flamel soll ein uraltes Hieroglyphen-Manuskript besessen haben. Ihm gelang die Übersetzung dieser alt-ägyptsischen Schrift, womit er über das Rezept zur Bereitung des Steins der Weisen verfügte. Man könnte also sagen, dass solche alten Dokumente, sowie ihre vielfältigen Übersetzungen, jene Quellen bilden, die uns über das geheime Wesen der Alchemisten heute berichten.

S. Levent Oezkan: Jene Dokumente von denen sie hier sprechen, wurden sie aber nicht ausschließlich geheim gehalten?

Tereza Vaclavikova: Unbedingt! Erst in jüngerer Zeit begannen Gelehrte die alten, geheimen Texte zu entschlüsseln.

S. Levent Oezkan: Wieso aber mussten die Texte überhaupt geheim gehalten werden? Gab es Gefahren für jene die sie verrieten?

Tereza Vaclavikova: Nun, man fürchtete im Mittelalter vor Allem die Inquisition der Katholischen Kirche. Alchemie zu betreiben war Gotteslästerung. Drum galten Alchemisten als Häretiker. Sie mussten die alchemistischen Texte erst entschlüsseln, bevor sie ans "Große Werk" gingen. Andererseits wussten die Alchemisten auch, dass ihr Wissen nicht jedermann zugänglich sein durfte. Nur Auserwählten stand alchemistisches Geheimwissen zu, da sie von jenen wussten, dass sie die nötige Reife und Verantwortung mitbrachten, um überhaupt mit solchem Wissen umgehen zu können.

S. Levent Oezkan: Dann mussten die Alchemisten also hauptsächlich in verborgenen Laboratorien arbeiten, wo sie wohl ganz außergewöhnliche Experimente durchführten. Weiß man aber heute, was sie dabei untersuchten?

Tereza Vaclavikova: Mit Sicherheit waren die Experimente der Alchemisten eine Kombination aus chemischen Verfahren und spirituellen Ritualen.

S. Levent Oezkan: Auch Psychologie?

Tereza Vaclavikova: Ja, auf jeden Fall betrieben Alchemisten Psychologie, wenn auch nicht in der Form was man sich darunter heute vorstellt. Wahrscheinlich aber verwendeten Alchemisten auch magische Kristallkugeln, um darüber mit höheren Wesen wie Engeln oder Dämonen Kontakt aufzunehmen alles andere also, als das was Wissenschaftler heute tun!

S. Levent Oezkan: 1564 arbeitete der englische Astrologe John Dee für Königin Elisabeth I. In den 1580er Jahren trat dieser dann in Kontakt mit Edward Kelley, einem der wohl geheimnisvollsten Alchemisten des Mittelalters. Manch sagen Kelley stand in Kontakt mit höheren Wesen aus der geistigen Welt?

Tereza Vaclavikova: Genau. Er empfing besondere Informationen von solchen höheren Geschöpfen. Sie unterrichteten ihn auch über das Wesen jenes Steins der Weisen, nach dem alle Alchemisten suchen. Für John Dee soll Kelley auch in die Zukunft geblickt haben. Doch außer ihm gab es natürlich viele andere Alchemisten, die im Geheimen ihre Studien betrieben. Sicher waren unter ihnen sehr viele christliche Mönche. Alle unter ihnen aber verwendeten geheime Zeichen, die man auch sehr gut auslegen könnte, als Symbole für höhere Bewusstseinsstufen – in etwa vergleichbar mit dem, was der Schweizer Psychologe C. G. Jung als die Archetypen beschrieb: universale Strukturen unserer Seele.

S. Levent Oezkan: Vorhin sprachen wir auch kurz über Kaiser Rudolf. Auch er soll in Kontakt gestanden haben zu Edward Kelley. Was wissen Sie darüber?

Tereza Vaclavikova: Kelley war anscheinend der erste, der diesem Fürsten eine Transmutation vorführte, dass heißt also vor seinen Augen Gold herstellte. Später aber wusste man, dass es sich um Trickserei handelte. Dafür wurde Kelley sogar eingekerkert auf der Burg Křivoklát.

S. Levent Oezkan: Wenn man sich aber mit der angeblichen Transmutation auf Gold beschäftigt, ist immer die Rede vom Stein der Weisen. Was hat es damit auf sich beziehungsweise woraus besteht der sagenhafte Stein?

Tereza Vaclavikova: Manche sagen er bestünde in Wirklichkeit aus einem weißen oder roten Pulver, dessen Zusammensetzung jedoch unbekannt ist. Man verwendete diesen geheimnisvollen Stoff jedoch beim Schmelzen von Metallen, etwa Blei, und fügte es der Schmelze hinzu. Damit sollte ein Alchemist tatsächlich unedle Metalle in Silber oder Gold umwandeln. Doch da es sich hier um eine Legende handelt, und der Stein der Weisen eine echt mysteriöse Substanz zu sein scheint, kann keiner genau sagen, was es letztendlich war.

Manche aber sagen, besonders der rote Mercurius, heute bekannt als Zinnober, spielte dabei eine ganz zentrale Rolle.

S. Levent Oezkan: Vorhin erwähnten Sie die Smaragdtafel. Hat auch Sie etwas mit dem Stein der Weisen zu tun?

Tereza Vaclavikova: Sehr wahrscheinlich ja, denn dieser Stein der Weisen stand für eben jene Substanz, mit der die Umwandlung unedler in edle Metalle gelang. Auch in der Smaragdtafel geht es um jene Substanz, über die wir zuvor sprachen.

S. Levent Oezkan: Könnte es vielleicht sein, dass die Smaragdtafel an sich der Stein der Weisen ist?

Tereza Vaclavikova: Das ist eine gute Frage. Gut möglich, dass es da einen Zusammenhang gibt. Zumindest ließe sich darüber diskutieren (lächelt geheimnisvoll).

S. Levent Oezkan: Wir hatten nun ja gesagt, dass man durch die Hohe Kunst der Alchemie nicht nur Metalle zu verwandeln vermochte, sondern auch psychologische Aspekte eine Rolle spielten. Glauben Sie, dass ein Studium der Alchemie einem auch heute helfen könnte, etwa bei der Beantwortung von Lebensfragen oder zur Lösung von Problemen?

Tereza Vaclavikova: Die Alchemisten die ich heute kenne, sind alles Leute die sich auch mit den Heilkünsten befassen. Denn mit ihrem Wissen vermögen sie etwa pflanzliche Arzneimittel und Tinkturen herzustellen. All solche Stoffe helfen Menschen schneller von Krankheiten zu genesen, ja sogar länger als Andere zu leben. In alter Zeit etwa beauftragten Könige die Alchemisten unseres Laboratoriums damit, sogenannte spagyirische Heilmittel herzustellen. Darunter etwa auch Opium, dass man dem Adel als Schmerzmittel bei Syphilis verabreichte. Andererseits war insbesondere Rudolf II. interessiert am berüchtigten Lebenselixier, besonders dann, als er im Sterben lag. Es heißt, jenes Elixier war eine alkoholische Tinktur aus verschiedenen Heilkräutern. Die Schriften hierzu fand man hier in unserem Laboratorium. Wir stehen heute in Kontakt mit Benediktinermönchen, die solche Elixiere für uns herstellen. Die dafür verwendeten P anzen werden von den Mönchen etwa zu Vollmond gesammelt und daraus geeignete Heiltinkturen hergestellt. Damit folgt man den Verfahren der alten Zeit.

S. Levent Oezkan: Das heißt, Ihre Besucher können bei Ihnen tatsächlich in den Genuss solcher Lebenselixiere kommen?

Tereza Vaclavikova: Unbedingt!

S. Levent Oezkan: Vielen Dank Frau Vaclavikova für das Interview.

 

Speculum Alchimae Prag: http://www.alchemiae.cz/en

Alchemie oder: die Kunst das eigene Leben in Gold zu verwandeln

von S. Levent Oezkan

Bild aus dem Splendor Solis - Der Rote König - ewigeweisheit.de

Ewiges Leben erlangen - Blei in Gold verwandeln: das sind Ziele, die mit dem Wort "Alchemie" assoziiert werden. Wer nach der wirklichen Bedeutung der Alchemie sucht, stolpert aber über jede Menge Unfug. Doch was ist Alchemie tatsächlich? Ein Mantel des Schweigens ist darüber ausgebreitet - wer wagt ihn zu lüften?

Solange man sich nur oberflächlich mit Alchemie befasst, bleibt die Frage nach ihrer wahren Bedeutung in einem Schwebezustand zwischen Wunderwerk und Quacksalberei. Ihrem geheimnisvollen Wesen nähert man sich durch direktes Erfahren und weniger auf der Suche nach Fakten. Es ist eine okkulte, spirituelle Praxis die nur wenig mit esoterischer Theorie zu schaffen hat.
Die Schriften der Alchemie sind voller Metaphern, die die menschliche Vorstellungskraft aktivieren - mit dem Zweck, den Menschen an eine verborgene Realität heranzuführen, in der, wie es scheint, einfach alles möglich ist - auch Blei in Gold zu verwandeln!

Zwei Formen der Realität

Es gibt eine "Urschöpfung" in der wir uns selbst wiederfinden, sobald wir auf diese Welt kommen. Diese Realität ist aber bereits vollendet - denn wir sind ja schon hier. In der Alchemie lässt sich damit nur wenig anfangen. Doch da ist noch eine andere Realität, die aus einer "zweiten Schöpfung" kommt. Es ist die eigentliche, wahre Schöpfung.
In jedem von uns gibt es etwas, das, wenn es erst einmal aktiviert wurde, die Tore zu dieser verborgenen, zweiten Schöpfung eröffnet. Es ist eine Wirklichkeit die sich stark von der uns bekannten und "vorgefertigten Realität" unterscheidet. Sie ist das Arbeitsfeld des Alchemisten, in der er durch seine Imagination auf die Welt Einfluss nimmt.
Imagination ist die kraftvollste Fähigkeit des menschlichen Geistes. Was man visualisieren kann, das kann man auch tatsächlich bewirken und erschaffen.

Kalachakra thangka painted in Sera Monastery, Tibet - ewigeweisheit.de

Kalachakra-Mandala aus dem Sera Kloster in Tibet

Wie wir unser Leben verändern

Alles bewegt sich. Alles kommt und geht im ewigen Werden und Wandeln - auf griechisch: "Panta Rhei" - "Alles fließt". Nichts bleibt - bis auf den Tod.

Alles fließt – aus und ein;
Alles hat seine Gezeiten;
Alles hebt sich und fällt, der Schwung des Pendels äußert sich in allem;
Der Ausschlag des Pendels nach rechts ist das Maß für den Ausschlag nach links;
Rhythmus gleicht aus.

- Aus dem Kybalion

Pendel und Rad sind verwandte Symbole für Schwingung und Zyklus. Beide haben ein Minimum, ein Maximum und ein Äquilibrium. Im Vajrayana-Buddhismus steht dafür das "Kalachakra" - das Rad der Zeit. Es ähnelt einer Mühle, worin alles Entstandene in seine Elemente zerfällt. Um aus diesen Bestandteilen was neues und besseres zu erschaffen, helfen uns Hermetik und Alchemie. Die Tabula Smaragdina des Hermes Trismegistos, gibt uns auf die Möglichkeit Neues zu erschaffen einen wertvollen Hinweis:

Hiermit sei vollendet, was vom Meisterwerk der Sonne verkündet werden sollte.

- Vers XIV der Tabula Smaragdina

Was bedeutet das?

Der solare Zyklus, den wir jedes Jahr aufs Neue miterleben, zeigt wie aus Vergänglichem etwas Beständiges, aus Totem etwas Lebendiges wird. Am Jahreslauf der Sonne können wir den Zyklus der Vegetation ablesen:

  • Der Tiefpunkt der Sonnenbahn ist auf der Nordhalbkugel der Erde in der finstersten Zeit des Jahres, mitternachts zur Wintersonnenwende erreicht. Dieser Punkt entspricht einem Todpunkt und ist gleichzeitig der Beginn neuen, aber noch unterirdischen Wachstums. Es ist das Ende der ersten Phase auf dem Weg der Neuschöpfung, was in der Alchemie Nigredo (Schwärzung) genannt wird.
  • Der Höchststand der Sonne tritt in der hellsten Zeit des Jahres, mittags zur Sommersonnenwende ein. Dies entspricht dem Ende der zweiten Phase: Albedo (Weißung). An diesem Punkt ist das Wachstum in der Vegetation voll ausgeprägt.
  • Rot ist die Farbe der Sonne im Wechsel von Tag und Nacht. Mit Sonnenuntergang zur Herbsttagundnachtgleiche, wird der Prozess durch das hermetische Einschließen der Prima Materia, der Ausgangssubstanz, in die alchemistische Retorte eingeleitet. Bäume verlieren ihre Blätter, die Gräser welken. Der rote Sonnenaufgang zur Frühlingstagundnachtgleiche bringt dann schließlich die veredelte Substanz zum Vorschein, womit der alchemistische Prozess in der Rubedo (Rötung) vollendet und die edelste aller Substanzen gewonnen wird: der Stein der Weisen.

Wenn der Mensch in Berührung kommen möchte, mit dem, was bei Weitem größer ist als sein bisheriger Zustand, kann er diesem kosmischen Vorbild gemäß handelnd sein Leben stetig veredeln. Dabei dehnt sich seine Handlungsfähigkeit immer weiter aus.
Dieser Prozess der Veredelung des Selbst, beginnt mit der Suche nach Antworten auf zwei sehr wichtige Fragen:

1. Was ist das wahre Wesens meines Selbst?

2. Was ist die Rolle dieses gegenwärtigen Selbst, woher kam es und warum hat es sich ins "Zwielicht der äußeren Welt" begeben - in die Welt in der es jetzt lebt?

Um zum Kern unserer Existenz vorzudringen, müssen wir unser Inneres vollkommen umgestalten. Das geht aber nicht, wenn wir an den oben dargestellten Jahreszyklen einfach nur passiv teilnehmen. Vielmehr müssen wir die drei oben dargestellten Phasen bewusst in der alchemistischen Arbeit hervorrufen, um die ewigen Wiederholungen, den Trott in unserem Leben zu unterbrechen, aufzulösen und zu etwas wertvollerem umzuwandeln.
Wer immer nur der Selbe bleibt, wird nie erkennen, was wirklich wichtig ist im Leben. Das "Rad der Zeit" gleicht dann einem Hamsterrad, das einen im zyklischen Zeitablauf immer wieder auf die selbe Stelle treten lässt. Man kommt nicht weiter.

Der Keltische Jahreskreis - ewigeweisheit.de

Der Keltische Jahreskreis (Illustration: S. Levent Oezkan)
Diese Grafik zeigt die hermetischen Korrespondenzen zwischen Mikro- und Makrokosmos, sowie die damit zusammenstehenden Jahresfeste der alten Kelten.
Im inneren, roten Kreis befinden sich die Symbole der vier Elemente: Feuer (oben), Erde (rechts), Luft (unten), Wasser (links). Sie ergeben sich aus den Elementarkräften, die mit den Sonnenstationen zusammenhängen, nämlich Widder (Feuer), Krebs (Wasser), Waage (Luft), Steinbock (Erde).

Was ist Zeit?

Das eben dargestellte Modell zyklischer Zeit, das wir auch in der Bewegung der Planeten sehen oder an den Zeigern der Uhr ablesen können, kann in ein Lineares Zeitmodell geändert werden. Die lineare Zeit ist die historische Zeit, die sich auf gerader Linie fortsetzt. Entlang dieser Linie gleicht kein Tag, kein Jahr, kein einziger Moment dem anderen. Jeder Moment ist einzigartig.
Doch wir können uns die Zukunft zwar ausmalen und positiv vorstellen, doch haben eigentlich keine Ahnung wohin uns die Zeit letztendlich führt. Darum gab es in allen Kulturen der Menschheit immer Endzeitvisionen vom Ausgang der Dinge, vom Ende der Welt - der Zeit an sich. Etwas sollte geschehen und das Beil des kosmischen Henkers fallen.

Es gibt aber noch ein drittes, evolutionäres Zeitmodell. Wir können es uns als Spirale denken, in der sich das oben angedeutete zyklische Zeitmuster der Wiederholungen, an einer senkrechten Linie der linearen Zeit allmählich emporschraubt (die ihrerseits natürlich Teil einer anderen, übergeordneten Zeitspirale sein kann - Stichwort: String-Theorie).
Alles was sich im evolutionären Zeitverlauf ändert, ist im Begriff sich umzuwandeln. Leider gibt es hierfür nur wenige Beispiele. Ein Beispiel aber gibt unmissverständlich zu verstehen, worum es hier geht: die Metamorphose der Raupe zum Schmetterling.

Eine Raupe verpuppt sich und verwandelt sich zu einer formlosen Masse, aus der sie sich auf geheimnisvolle Weise wieder zusammensetzt, um sich schließlich aus der Puppe als geflügelter Schmetterling zu befreien. Dieses natürliche Vorbild war in alter Zeit die essentielle Veranschaulichung des alchemistischen Prozesses der Umwandlung. Zwar weiß die Raupe nicht dass sie eines Tages ein Schmetterling sein wird, doch sie weiß, dass sie sich verpuppen muss. Es ist ihr Instinkt. Ähnlich verhält es sich mit der menschlichen Psyche (im Übrigen: "Psyche" ist ein griechisches Wort und bedeutet: Schmetterling!). Jeder von uns weiß instinktiv, dass er sich weiterentwickeln und verbessern muss, doch wir wissen nicht 100%ig wohin uns die Reise dabei führt.

Unsere Realität kann aber einen substanziellen Umwandlungsprozess durchlaufen. Sie wird dabei zu etwas, was zuvor überhaupt nicht existierte. Es geht also nicht allein um einen evolutionären Wachstumsprozess, sondern um die Entstehung etwas völlig Anderem - einer Realität, die jenseits dessen ist, was wir bisher kannten.
Wem diese Umwandlung gelingt, der wird ein transzendentes und zeitloses Wunder erschaffen können und den Stein der Weisen, das Elixier des ewigen Lebens finden.

Das Schwarze Land

Die Araber haben viele wunderbare Traktate zur Alchemie verfasst. Durch die Ausbreitung des Islam kam dieses Wissen nach Europa. 
Für die Araber war die Alchemie eindeutig ägyptischen Ursprungs. Daher auch der Name Alchemie, von Al-Khem, dem "schwarzen Land". Khem war die alt-ägyptische Bezeichnung für den schwarzen, fruchtbaren Nilschlamm.

Alchemie wurde aber auch im fernen China betrieben. Anstatt mit Substanzen wie Antimon, Schwefel, Quecksilber und Salz zu hantieren, gab es einen dem menschlichen Körper entsprechenden Symbolismus. Letztendlich ging es auch in China um die Transformation eines niedrigen Zustandes in einen höheren, nur eben mehr auf seelisch-körperlicher Ebene.
Natürlich gehörte auch bei den alten Indern die Alchemie zur hohen Wissenschaft. Sie ähnelte jedoch mehr als die chinesische, der westlichen Tradition.

Forging of the Sampo, Akseli Gallen-Kallela - ewigeweisheit.de

"Das Schmieden der Zaubermühle Sampo", Gemälde von Akseli Gallen-Kallela

Möglicherweise lassen sich die Anfänge der Alchemie auch in der Schmiedekunst entdecken. In alter Zeit waren die Schmieden kleine schwarze Häuser in denen vom Ruß geschwärzte Männer arbeiteten. Sie warfen Metallstücke in die heiße Glut und man sah dort bei lautem Getöse, rote und orangefarbene Funken aus dem Schmiedefeuer sprühen. Schwarze Gesichter, rotes Glühen und Dampfwolken, die beim Abkühlen der geschmiedeten Formen im Wasser entstanden: sowas macht auf den Menschen einen enormen Eindruck. Darum waren Schmieden immer Orte des Staunens, wo reine Fakten über Zusammenhänge keine Rolle spielten, sondern die menschliche Imagination angeregt wurde.

Es sind diese Tore der Imagination, die uns helfen in die Welt jener "zweiten Schöpfung" einzutreten, von der wir oben sprachen.
Alchemie kam aus der menschlichen Seele und ließ den Menschen versuchen, zunächst in seiner Vorstellung, dann in der Welt, die Dinge von ihrem ursprünglichen, in einen höheren und edleren Zustand zu überführen. So wie eben der Schmied, der aus Erzen Metalle schmilzt und aus der Schmelze alle möglichen Formen zu Stande bringt.

Der Alchemist, Gemälde: Pietro Longhi - ewigeweisheit.de

"Der Alchemist", Gemälde von Pietro Longhi

Die Hohe Kunst der Umwandlung

Auch im Zeitalter der Aufklärung gab es im Westen einige sehr berühmte Alchemisten. Darunter Newton, Voltaire, Goethe oder Benjamin Franklin. 
Alchemie war lange Zeit in der Naturphilosophie von Bedeutung. Durch die Beobachtung der Verwandlungen in der Natur, erkannte man das Wesen ihrer Elemente. Auch Maler mussten damals Alchemisten sein, denn sie stellten ihre Farben selber her. Dieses Wissen sollte dann in der "Schwarzen Kunst" der Buchdrucker an Bedeutung gewinnen.

Trotz dem aber, dass die Alchemie einige tausend Jahre lang als hohe Wissenschaft galt, fand sie während der Aufklärung ihr Ende und versank im Abgrund der Quacksalberei. Doch warum?

Für ihren allmählichen Niedergang sorgte das aufkommende Vernunftdenken. Absolute, reale Fakten zählten mehr als intuitiv gewonnene Erkenntnisse. Wissenschaftler interessierten sich für exakte Informationen mehr, als nach Erfahrungen zu suchen. Für sie war der menschliche Körper etwas, das geboren, vielleicht krank wird und irgendwann stirbt. Mit der Transformation der Alchemisten hat das aber nichts zu tun.
Der Alchemist schaut sich die Welt genauer an. Er nimmt an ihr Teil und erfährt sie in ihrem innersten Zusammenhang. Es geht ihm nicht darum die äußere Welt der körperlichen Dinge zu verändern - sondern den Kern ihres inneren Wesens zu enthüllen. Stößt er bei seiner Suche auf dieses innere Prinzip, wird er den Stein der Weisen gefunden haben. Es ist die Suche nach dem Kern des eigenen Selbst, die eine Transformation der Persönlichkeit einleitet.

Der Vorgang der Transformation

Um eine Transformation zu erreichen, muss das feste Gefüge der äußeren Welt erst verschwinden. Dieses Gefüge symbolisiert in der Alchemie das Quadrat.
Etwas soll gefunden werden, dass die eigenen Begrenzungen auflöst, damit die Transformation beginnen kann. Auf unser Leben bezogen: Wenn wir uns außergewöhnliche Veränderungen im Leben wünschen, z. B. von einer schweren Krankheit geheilt, finanziellen Ruin in Reichtum, Mittelmäßigkeit in Großartigkeit verwandeln wollen, muss etwas gefunden werden, mit dem sich alle physischen, hinderlichen Begrenzungen auflösen lassen. Dann kann die Heilung, die Umwandlung der Lebenssituation oder die tatsächliche Verwandlung, von dem einen in einen anderen Zustand tatsächlich gelingen!

Wenn unser statisches, persönliches Gefüge zu bröckeln beginnt, dann setzt ein ähnlicher Vorgang ein wie bei der Raupe: sie bildet einen Kokon um sich (synonym zur alchemistischen Retorte) und löst sich darin in eine formlose Masse auf. Diese formlose Masse nennen die Alchemisten die "Prima Materia" - die Urmaterie und Ausgangssubstanz. Sie entspricht dem, dass zu Anbeginn der Zeit war und in der Genesis als "Wüste und Leere", in der griechischen Kosmogonie als "das Chaos" bezeichnet wurde - etwas vollkommen Unbeständigem also, das in sich jedoch alle Möglichkeiten der Manifestation enthält.

Alle gewünschten Formen entstehen aus dem Formlosen der kreativen Matrix. Wenn wir aber Formen auflösen möchten, müssen wir zu dieser formlosen Matrix zurückkehren. Kreativ bleibt nur das Unvollendete!

Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.

- Oskar Wilde

Der Mensch ist ein unvollkommenes Wesen. Diese unvollkommene Qualität gibt unserer Kreativität aber die Möglichkeit, sich in uns zu einer vollkommenen Qualität zu entwickeln!

Schöpferisches Gestalten

Ein alter alchemistischer Lehrsatz lautet:

Aus einer Frau und einem Mann, aus der Welt, zeichne ein Quadrat, in das Quadrat zeichne einen Kreis, um das Quadrat ein Dreieck und um das Dreieck wieder einen Kreis.

Der Kreis der dem Quadrat folgt, ist die Prima Materia, der Urzustand der alle Möglichkeiten in sich trägt und aus dem alle Formen hervorgehen können. Darin ist das Potential jede Art Form zu erzeugen. Es ist wie mit einem unförmigen Felsen, aus dem ein Steinmetz jede beliebige Form hauen kann - einen Hund, eine Höhle, einen Menschen usw. Aus diesem Zustand kann alles Mögliche erschaffen werden. 
Dieser kreative Schaffensprozess beginnt in der Alchemie in der Phase der Nigredo - der "Schwarzheit". Schwarz steht in der Alchemie für das Vermögen der Natur, Dinge hervorzubringen. Wir erinnern uns an das ägyptische Khem - die schwarze Erde. Sie wird mit der jährlichen Nilflut als schwarzer Schlamm über die Äcker gespült. Hierdurch werden alle möglichen Pflanzen und Insekten hervorgebracht, die anderen Lebewesen als Nahrung dienen.

Aus Micheal Maiers "Atalanta Fugiens" - ewigeweisheit.de

Aus Michael Maiers alchemistischen Werk "Atalanta Fugiens"

Aber auch ein vollkommen finsterer, schwarzer Raum, in den kein Licht einfällt, auch dort tauchen alle möglichen Dinge vor unseren Augen auf. Manches was da erscheint kann schockieren! Sobald aber Licht in den Raum fällt, verändert sich alles.

Das Licht schien in der Finsternis, doch die Finsternis hat's nicht ergriffen

- Johannes 1:5

Bevor wir unser Leben umgestalten können, müssen die Dinge in unserem Leben zuerst vermindert werden - ganz gleich was auch immer das sein mag. Das ist die dunkle, kreative Matrix von der oben die Rede war. Auf unser Leben übertragen: wenn wir in tiefsten, seelischen Abgründen und durch finstere Lebensphasen bewegen, ist das eigentlich der Punkt, an dem es wieder aufwärts geht und neues Licht in unser Leben kommt - solange wir danach Ausschau halten!

Wenn man nach einem wirklich kreativen Einfall sucht, der einem aus einer anscheinend auswegslosen Situation im Leben helfen soll, ist es angebracht, sich erst einmal von all den Meinungen zu befreien, die man gegenwärtig hat: über andere und über sich selbst. Das heißt nicht, dass diese Meinungen notwendigerweise falsch sind. Die starren Muster in unserem Leben werden aber durch diese Meinungen aufrecht erhalten, Meinungen an denen wir hängen und die verhindern, dass sich etwas in unserem Leben ändert. Neue Erkenntnisse erhellen unser Leben, sobald sich alte Meinungen auflösen.

Es geht aber nicht darum alles bisherige in unserem Leben über Bord zu werfen. Vielmehr gilt es die dunklen mit den lichten Anteilen unseres Seins zu vereinigen. Dies symbolisiert die Alchemie durch die Vermählung von Sonne und Mond, von König und Königin. Hiermit kann der Vorgang der Umwandlung ganz langsam gestartet werden - sobald eine dritte Komponente ins Spiel kommt.

Symbol für das Feuer in der Alchemie - ewigeweisheit.de

Symbol für das Feuer in der Alchemie

Die beständige Flamme

Es ist wie mit der Retorte des Alchemisten: durch ein Feuer darunter wird die Umwandlung eingeleitet. Das ist die langsame, beständige Flamme des Alchemisten - nicht zu heiß, nicht zu wenig Hitze. Zwar wird damit auch der tatsächlich, physische Zustand beschrieben, doch es ist in erster Linie ein Symbol für etwas, das jeder in seinem Leben etablieren sollte: eine anhaltende, unnachgiebige Entschlossenheit!
Wer von der Begeisterung verlassen aufgibt, der stürzt ab. Die Aufmerksamkeit des Alchemisten darf also nicht schwanken. Er muss voll dabei, hier und im Jetzt sein - aufmerksam und stets bereit an seinem "Projekt" weiter zu arbeiten, bis der Vorgang beendet ist.
Wer nicht dran bleibt, der wird niemals etwas in seinem Leben verändern können!

Nun haben die alchemistischen Symbole von König und Königin einen besonderen Namen: Der König ist Sulphur (Schwefel), die Königin ist Sal (Salz). Sulphur ist gelb, so wie auch die Sonne gelb ist. Es ist ein "stinkendes Urgold" - ein "Proto-Gold" (wie etwa das Katzengold oder Pyrit, das eine chemische Verbindung von Eisen und Schwefel, Eisensulfid ist). Salz kann Wasser aufnehmen (Kristallwasser), so wie die Königin durch den flüssigen Samen geschwängert wird.

Doch es gibt noch ein drittes Prinzip, das die alchemistische Vereinigung (coniunctio) von Sulphur und Sal als Mittler fördert: der Mercurius. Mit Sulphur und Sal alleine, so die Alchemisten, wird letztendlich kein Werk vollbracht. Erst durch den Geist des Mercurius kann die gegenseitige Beeinflussung beginnen. Mercurius ist ein symbolisches Medium der Vereinigung, sowie eine vollkommene Kombination aus Flüssigkeit und Feststoff. Auf physischer Ebene entspricht dem Mercurius das Quecksilber. Das Wesen dieses Metalls ist charakteristisch: es trennt sich leicht in kleine, kugelförmige Tröpfchen, die sich aber eben so schnell wieder zu einer großen Masse zusammenführen lassen.

Die Schwarze Sonne in der Alchemie - ewigeweisheit.de

"Sol niger" - die Schwarze Sonne der Alchemie: Symbol der Nigredo

Drei Phasen bei der Bereitung des Steins der Weisen

In der Alchemie spielt die Astrologie eine nicht unbedeutende Rolle. Der dem Quecksilber zugeordnete Planet ist der Merkur, der sich viermal im Jahr auf enger Bahn um die Sonne bewegt. Wegen Merkur also Mercurius - dem wichtigsten Agens der Alchemie und Hermetik.
Bei den Griechen entspricht Mercurius dem Gott Hermes - im alten Ägypten hieß er Thoth. All diese Götter haben das Vermögen zusammenzubringen, zu vereinigen. Das oben erwähnte Dreieck steht für die drei Prinzipien von Sulphur, Mercurius und Sal. Mercurius vereinigt in einem langwierigen Prozess Sulphur und Sal, was in drei Phasen abläuft: der Nigredo, der Albedo und der Rubedo.

Nigredo - Die Schwärzung

1. Zuerst erfolgt die calcinatio. Dabei wird die Ausgangssubstanz, symbolisiert durch das zuvor erwähnte Quadrat, durch Brennen und Glühen im Feuer zu Asche zermürbt. Hiermit werden materielle Begrenzungen aufgebrochen. 

2. Die so erhaltene prima materia wird dann in der solutio aufgelöst bzw. verflüssigt. Hier geht es um den Ist-Zustand unserer psychischen Verfassung. Während einer schweren Lebenskrise braucht dieser Zustand nicht erst herbei geführt zu werden, sondern ist bereits präsent.

3. Nun folgt die seperatio: eine Trennung in die antagonistischen Bestandteile - König und Königin werden geschieden. In der alchemistischen Praxis erfolgt in diesem Schritt die Ausfilterung der festen Bestandteile, aus der durch die solutio hergestellten Lösung. Mit der separatio werden die inneren von den äußeren Seelenanteilen getrennt, verborgene Seelenanteile erkannt (vergl. Anima und Animus bei C. G. Jung) und entfaltet. Es geht um das Erkennen verborgener Anteile des Selbst.

4. König und Königin werden in der coniunctio wieder vermählt, sie umarmen und vereinigen sich, verschmelzen miteinander. Gemäß C. G. Jung wird in diesem Prozess der Vereinigung der ursprüngliche Lichtmensch (in der Kabbala: Adam Kadmon) wiederhergestellt. Er ist ein archetypisches Wesen, dass vor der ersten Weltschöpfung existierte. Die bewusst gewordenen Anteile werden in der coniunctio mit dem alten Selbstbild vereint.

5. Miteinander vereinigt, tritt dann in der mortificatio der Tod des Vereinigunsproduktes ein. Hierbei werden die unreinen, dunken Anteile ausgeschieden. Dieser alchemistische Prozess entspricht in der Psychologie dem Zustand der Finsternis, einer absoluten Niederlage im Leben.

Tief in des Dunkels Schoß,
verborgene Stufen längs, vermummt, umdichtet –
Oh wunderseliges Los! –
nachts, jedem Blick vernichtet,
mein Haus in Stille lassend, tiefbeschwichtet!

Geheim, in Zauberringen
der Dunkelheit, wo mich kein Blick erkannte,
wo ich nichts sah von Dingen
und nichts mir Strahlen sandte
als jenes Leitlicht, das im Herzen brannte!

- Heiliger Johannes vom Kreuz: "Die Dunkle Nacht der Seele"

6. Danach kommt es zur Verwesung des getöteten Vereinigungsprodukts: putrefactio. Der reinste Teil steigt auf, der gröbere Teil stirbt und fällt ab, so wie das verwesende Fleisch der Leiche von den Knochen fällt. Psychologisch kann dieser Vorgang am besten durch den Zustand tiefer Depression beschrieben werden. Dieser Vorgang ähnelt auch der im alt-ägyptischen Mythos beschriebenen Zerstückelung des Osiris.

7. Mit der coagulatio beginnt dann die eigentliche Transformation. Die geistigen, aufgestiegenen Anteile kehren zurück und werden in die Lösung eingebunden, woraus sich feste Bestandteile in Form von Kristallen bilden und es allmählich zur Gerinnung kommt. Psychologisch empfindet der Mensch diesen Zustand als neue Zuversicht, da sich in seiner Seele neue Emotionsformen bilden.

Diese sieben Schritte müssen ganz in Ruhe, bei "stetiger Wärme" durchgeführt und ausgebrütet werden. Dann wird sich alles zu dem fügen, wie es für den Vorgang bzw. unser Leben am Besten ist. Damit ist die Phase der Nigredo abgeschlossen, was bei der Bereitung des Steins der Weisen zur Weißung führt.

Albedo - Die Weißung

8. In der sublimatio wird die schwarze Masse in der Retorte, allmählich immer heller, von grau bis weiß, gewinnt immer mehr an Licht. Laut C. G. Jung beginnt hier auch die seelische Transformation. Es dämmert in der Seelennacht ein immer heller werdendes Licht eines neuen Anfangs.

9. Mit der ablutio, der Waschung kehrt Leben in das Geschehen zurück - seelische Probleme haben sich geklärt.

Hiermit ist die Albedo abgeschlossen.

Rubedo - Die Rötung

Das Rot der Rubedo zeigt an, dass der alchemistische Prozess abgeschlossen ist. Der Stein der Weisen wurde gefunden und daraus das rote Elixier des ewigen Lebens gewonnen. Mit dem Entstehen dieses roten Wundersteins, ist alles möglich. Und wenn alles möglich ist, so können auch unedle Metalle wie Blei in Gold verwandelt werden und das Leben eines Menschen verlängert werden. Dieser Stein der Weisen ist identisch mit dem Lapis Exilis des Wolfram von Eschenbach: dem Heiligen Gral.

Die Rote Sonne des Splendor Solis - ewigeweisheit.de

Die Rote Sonne - Symbol des Steins der Weisen

Ziele der Alchemie

In der Alchemie geht es gar nicht darum ein äußeres, wertvolles Produkt wie etwa Gold herzustellen. Vielmehr ist das Hauptziel die Transformation des Ausübenden selbst. Aus einem "normalen Menschen" wird ein "Wundermensch". Sein Tun ist allein durch den Himmel begrenzt - auf Erden aber ist ihm alles möglich. Einen Alchemisten, dem die Herstellung des Steins der Weisen geglückt ist, könnte man darum auch als einen Adepten bezeichnen. Er wird zu einem gottähnlichen, allmächtigen Wesen. 

Wer sich wirklich zu dieser Ebene des Seins aufgeschwungen hat, für den werden alle bisherigen Vorstellungen und Erfahrungen langweilig und uninteressant. Nicht das er jetzt ein größeres Ego entwickelt hätte. Eher kann er jetzt alle unedlen Erfahrungen, Halbwissen, Krankheit und Ignoranz, zu etwas höherwertigem, weisem, heilem und tolerantem umwandeln - d. h. alles, ganz gleich ob grau, klumpig oder wertlos, lässt sich zu strahlendem Gold transmutieren - im übertragenen, wie im tatsächlichen Sinne.

Vielleicht kann die Seele den oben beschriebenen, wundersamen Vorgang der Umwandlung, auf alle möglichen Lebenserfahrungen anwenden. Das bedeutet: Alles was bisher langweilig und schlecht erschien, wird plötzlich zu etwas ganz wunderbarem. Das Leben selbst verwandelt sich in ein einziges großes Wunder - wo immer wir auch hinsehen, da entdecken wir Gold. Was sich im alchemistischen Prozess verwandelt hat, sind wir selbst! Die Suche und das Gewinnen des Steins der Weisen hat uns verändert!

Alle großen Alchemisten wussten, dass metallisches Gold nur ein Nebenprodukt eines viel wichtigeren und viel wertvolleren Geschehens ist, an dem man während seiner Arbeit bei der Bereitung des Steins der Weisen teilhat.
Der Alchemist muss sich also selbst verändern, bevor er die Welt und ihre Erscheinungen verändern und umformen kann. Er betrachtet die Gegenstände in der Welt als eine alchemistische Retorte, in der das Licht der Erkenntnis konserviert und daraus hervorgebracht wird. 
Es geht darum die Weisheit (Sophia) aus den Fängen materieller Sichtweisen und Meinungen zu erlösen. Sophia steht für die Rubedo im großen Werk der Alchemie. Wohl nicht zufällig wird sie in der Ikonographie stets als rothaarige, in rote Roben gekleidete Heilige dargestellt.

Aufgabe des Alchemisten ist also die geheimnisvolle Sophia in ihrer herrlichen Erscheinung aus der Erde zu erlösen, aus den Fesseln materieller Beschränkungen zu entbinden.

Das Geheimnis, Gemälde: Felix Nussbaum - ewigeweisheit.de

"Das Geheimnis", Gemälde von Felix Nussbaum.

Geheimhaltung

Es hat seinen Grund, dass alchemistische Schriften oft nur schwer verständlich und irreführend geschrieben sind. Niemand sollte sich ihrer bemächtigen können, ohne nicht zuvor den Weg der Selbstläuterung gegangen zu sein. Im Übrigen ist das der einzige Grund wieso es überhaupt Geheimnisse gibt. Wer zu schnell an esoterisches Wissen kommt, den kann es überwältigen, was mitunter folgenschwere Konsequenzen nach sich ziehen kann.

Alchemie ist ein "geheimer Weg der Verwandlung" - ein "geheimer Weg des Lebens", mit dem Weisheit gefunden wird. Das ist das Lebensziel des Menschen im Großen Werk der Alchemie - dem Opus Magnum.

Vielleicht befinden wir uns ja bereits auf diesem Weg ohne davon zu wissen - letztendlich sind wir dazu aber auf die Welt gekommen. Wenn wir uns dessen bewusst werden, werden wir hoffentlich den sagenhaften Stein finden!

Weiterlesen ...